Der alten Zeiten wegen

von ShiKahr
GeschichteRomanze / P12
20.06.2007
20.06.2007
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Er hatte nicht erwartet sie jemals wieder zu sehen. Zu viele Jahre waren vergangen. 20 Jahre sind eine sehr lange Zeit.

Der Empfangssaal war gut besucht - es schien, dass jede Rasse der Galaxis hier vertreten war. Sie alle waren gekommen, um ihn zu ehren, Admiral Jean-Luc Picard, der auch gleichzeitig seinen Abschied von der Sternenflotte bekannt geben wollte.

Müde drückte er eine weitere Hand, machte den nötigen Small Talk und nickte. Seine Reaktionen und seine Antworten waren mechanisch geworden und er fühlte sich, als ob er über der Menge schweben würde, unablässig und aus sicherer Distanz, die Banalitäten beobachtend. Noch ein Nicken, noch ein Lächeln und noch ein namenloser Offizier, der an ihm vorbeiging.

Picard seufzte und nahm einen Schluck seines geschmacklosen Drinks, den er in der Hand hielt. Er zerrte am engen Kragen seiner Galauniform. Das wird das letzte Mal sein, dass ich diese scheußliche Uniform tragen muss, sinnierte er.

Er äugte zum Ausgang und entschied zu gehen, Ehrengast hin oder her. Er stellte sein volles Glas auf einen leeren Tisch und begann sich langsam und möglichst unauffällig durch die Menge zur Tür zu manövrieren.

Je näher er der Tür kam, desto größer wurde die Freude über seinen gekonnten Abgang. Auf der Schwelle, sah er nochmal in den Raum, in dem sich die Leute angeregt unterhielten und er hoffte inständig, dass keiner sein Verschwinden bemerken würde.

"Oh!" Es war ein überraschter Ausruf beim Zusammenstoß zweier Körper.

Schnell drehte er seinen Kopf und sah in grüne Augen, umgeben von silbern scheinendem Gold.

"Es tut mir leid! Ich…" begann er, dann erkannte er sie und sein Herz setzte einen Schlag aus.
"Jean-Luc?" Ihre Stimme durchströmte seinen gesamten Körper.
"Beverly?"
"Du gehst? Ist es schon vorbei?" Ihr anfänglich gereizter Blick, wich einem wachsendem Lächeln. Täuschte er sich oder sah sie glücklich aus?

Er konnte nicht aufhören zu lächeln. "Eigentlich nicht … Ich ähm … bin nur … ich fühle mich ein wenig müde … du siehst wunderschön aus, Beverly."

Sie senkte ihren Blick und Unbehagen kroch in ihr hoch und manifestierte sich in einer seelischen Mauer, die sie um sich aufbaute. Dann sah sie ihn wieder an und er merkte sofort die Veränderung, die plötzliche Kühle. "Danke, Jean-Luc. Du siehst aber auch nicht übel aus."

Sie hob ihre Hand und berührte seine behaarte Wange, aber da war keine Zärtlichkeit in ihren Fingern. Es waren einfach nur die Hände einer Ärztin, forschend, beobachtend.

"Ich muss sagen, der Bart ist komisch. Seit wann trägst du ihn schon?" Sie ließ ihre Hand sinken.
"Seit fast 5 Jahren", flüsterte er. "Beverly … können wir irgendwo hingehen und reden?"
Sie wies auf die sich schließende Tür. "Und die Party…?"
Aufgeregt griff er ihre noch ausgestreckte Hand. "…wird noch da sein. Wir bleiben nicht lange weg, nur eine Chance etwas nachzuholen. Es war eine lange Zeit…"

Sie zögerte und sah zur Tür. Dann seufzte sie und lächelte knapp. "Warum nicht."

*****
 
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