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Hilf mir durch die Nacht!

GeschichteLiebesgeschichte / P16 / Gen
Jack Favell Mrs. Danvers
19.06.2007
19.06.2007
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Disclaimer: I do not own anything. Die Charaktere gehören Daphne du Maurier, bzw. den Vereinigten Bühnen Wien (usw...). Ach ja, aber die Idee und die Formulierungen gehören mir ;-)
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Reglos stand sie am Balkon. Ihr starrer Blick verlor sich in der Weite. Unter ihr klatschte tosend die Brandung an die Felsen. Der Wind umspielte ihre zierliche Figur und ihr langes schwarzes Kleid flatterte. Nicht jedoch ihr Haar, welches sie zu einem festen Knoten gedreht hatte. Sie schloss langsam die Augen und atmete die salzig-kühle Seeluft in tiefen Zügen ein. Hinter ihr drängten Böen in das Zimmer, ließen die Vorhänge wie seelenlose Gestalten tanzen. Ihre Finger umklammerten das weiße schmiedeiserne Geländer.

Wie oft war sie schon an diesen Platz zurückgekehrt? Hier konnte sie ungestört sein. Niemand sonst wagte sich in diesen Raum. Alle hielten ihn für verflucht. Verflucht. Ein trockenes Lachen entrann ihrer Kehle, doch es ging im Getöse des Meeres verloren.

Obwohl sie mit dem Rücken zu dem Zimmer stand, vernahm sie das leise Geräusch, das unvermeidbar war, wenn eine Türe geöffnet wurde. Sie ließ sich jedoch nichts anmerken, hob nur sachte das Kinn. Aufrecht stand sie im Sturm, wie eine Galionsfigur, während sie den Schritten lauschte, die sich ihr näherten. Sie hatte sofort gewusst, wer der Eindringling war, der ihren heiligen Frieden störte. Geräuschlos war er hinter sie getreten, doch sie konnte seinen Atem im Nacken spüren.

„Schleichst du immer so?“, fragte sie trocken ohne sich umzudrehen noch ihre Augen zu öffnen. Anstatt eine Antwort zu geben spürte sie, wie seine Hände den Weg zu ihrer Taille fanden.

„Denkst du schon wieder an Rebecca?“, fragte er schließlich mit rauer Stimme.

Sie lehnte sich zurück und ließ ihren Kopf an seiner Schulter ruhen. Es war einer der seltenen Momente, in dem sie Schwäche zeigte. Ein Seufzen entwich ihr.

„Nicht doch, Danny.“, seine rechte Hand löste sich von ihrer Hüfte und streichelte sanft ihren Arm, dessen Finger noch immer das Geländer umklammert hielten.

„Ich weiß, dass sie noch lebt.“, flüsterte sie so leise, dass er Mühe hatte sie im Getobe der Wellen zu verstehen. „..."

Er strich ihr sanft über die Wange und erreichte damit, dass sie ihre Augen öffnete. Trotz des kräftigen Windes war es eine sternklare Nacht.

„Und dieses Miststück denkt jetzt, es kann ihren Platz einnehmen!“, schnaubte sie verächtlich und ihre Finger ballten sich zu Fäusten. „Als ob ihr je irgendjemand das Wasser reichen könnte!“

Dieser Wutausbruch überraschte ihn. Er sah fragend auf sie herab, während er nun versuchte seinen Berührungen etwas Besänftigendes hinzuzufügen. „Niemand kann sie ersetzen. Niemals. An ihre Schönheit reicht keine Sterbliche heran.“, bekräftigte er und schloss kurz die Augen, um sich ihr Bild in Erinnerung zu rufen.

Schweigend standen sie einige Zeit im Mondlicht. Das Klatschen der Wellen gegen die Felsen wirkte beruhigend. Der Wind hatte nachgelassen. In der Ferne konnte man die Sirene eines Schiffes hören. Seine zweite Hand legte sich um ihren Bauch und drückte sie enger an den Mann hinter ihr.

„Warum bist du gekommen, Favell?“, sie versuchte abweisend zu klingen, doch so sehr sie sich auch bemühte, sie scheiterte kläglich.

„Auch ich vermisse sie…“, antwortete er mit sanfter Stimme. Mit seinem Daumen zeichnete er Kreise auf die Wangen der Frau vor ihm. Sie hatte ihre Augen wieder geschlossen und gab sich ganz seinen Berührungen hin. Fast wirkte sie zerbrechlich ohne ihren herablassenden Blick und der aufrechten Haltung. Er wusste als einziger, dass sie nicht immer so stark war, wie sie vorgab. Eine graue Strähne glänzte silbrig im Mondlicht.

„Und jetzt brauchst du Ersatz?“, er konnte den Ton in ihrer Stimme nicht deuten. War sie verärgert, forderte sie ihn heraus, wollte sie sich über ihn lustig machen?

„Ach, Danny.“, seufzte er gespielt und begann mit seiner zweiten Hand ihren flachen Bauch zu erkunden. Ihr langes Kleid überzog sie wie eine zweite Haut. Er konnte all ihre Bewegungen spüren, wie sich ihre Bauchmuskeln abwechselnd an- und wieder entspannten, wie sie Luft anhielt oder ihr Atem schneller wurde. Ein siegessicheres Lächeln stahl sich auf sein Gesicht. Er konnte diese eiskalte Frau also doch zum Auftauen bringen.

„Ich dachte, geteiltes Leid ist halbes Leid…“, sein Mund verzog sich nun zu einem anzüglichen Grinsen. Seine rechte Hand wanderte nun ihren Hals entlang. Langsam begann er den störenden Kragen aufzuknöpfen.

„Favell…“, sie wollte ihm widersprechen, doch sie war zu schwach. Auch ließ er keine Einwände zu, indem er ihren Mund mit dem seinen verschloss. Noch immer ruhte ihr Kopf an seiner Schulter. Seine zweite Hand glitt über ihre linke Seite hinauf, um ihre Wange zu liebkosen. Ihre Finger entspannten sich und ließen das Geländer los. Schließlich drehte sie ihren Körper und wandte sich ihm ganz zu. Ihre Hände ließ sie an seiner Brust ruhen. Atemlos lösten sie sich von einander. Er bemerkte, dass sie lächelte - eine Geste, die er bei ihr noch nie gesehen hatte.

„Lass uns hinein gehen. Es wird kalt hier draußen.“, mit diesen Worten stieß sie ihn zurück ins Zimmer. Sie schloss sorgsam die Balkontüren. Nur der Mondschein spendete schwach Licht.

„Ich hoffe, du weißt, was du tust…“, flüsterte sie, bevor sie sich erneut seinen begabten Lippen hingab.
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