Der Sand der Wüste

von Aelea
GeschichteDrama / P18
Hephaestion
16.06.2007
19.01.2008
18
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Wundert euch nicht über die verenglischten Namen; da ich den Film prinzipiell nur auf englisch gucke, benutze ich auch die englischen Schreibweisen, die einfach eleganter aussehen.


Ptolemaios hielt in seiner Erzählung inne. Oft geschah es, dass der alte Mann sekundenlang schwieg, zurückdachte und sich erinnerte. Seine Augen waren dann umwölkt von den Bildern der Vergangenheit, seine Hände zuckten, als kämpfte er seine Schlachten erneut, als stritte er noch immer mit den alten Feinden.
Diesmal jedoch war es anders.
„Herr“, begann Kadmos unterwürfig.
Unendlich langsam wandte ihm Ptolemaios den Blick zu. „Ja … ja, ich … was sagte ich eben?“
„Ihr sagtet, noch heute wüsste niemand, wie viele auf dem Weg durch die Wüste gestorben sind und die Letzten seien zusammengebrochen, noch in Sichtweite der Tore Babylons.“
„Ja.“ Erneut sah Ptolemaios hinaus auf das Meer und Kadmos fürchtete bereits, seine Gedanken irrten wieder durch die Vergangenheit.
„Wir alle fragten uns, wie treu Hephaistion Alexander ergeben war. Nicht einer war mehr unter uns, der sich nicht wünschte, wir wären schon vor langer Zeit umgekehrt. Nur Der Vertraute des Königs ließ nie ein Wort des Zweifels an ihm aufkommen und stand ihm stets zur Seite.“
So lange schon übte Kadmos den Beruf seines Schreibers aus, dass seine Hand die Worte niederschrieb, kaum dass sie ausgesprochen waren. Erst als der alte Mann ein weiteres Mal abbrach, fragte er sich, ob diese Worte für die Nachwelt bestimmt waren.
„Uns erschien er immer wie ein Schatten Alexanders, der über ihn wachte, ihm beistand und ihn unterstützte.
Als wir in Babylon einritten, trug er eine Last – bei sich, sodass wir um das Leben seines Pferdes fürchteten – und in seinem Herzen, sodass wir um das seine fürchteten. Eine Schuld Alexanders.“
Kadmos dunkle Finger malten präzise Zeichen auf das Papyrus.
„An diesem Tag fragten wir uns, ob er sich nun von seinem König, seinem Freund abwenden würde, dem er sein ganzes Leben lang gedient hatte.“ Ptolemaios senkte den Blick. „So wie wir alle dies irgendwann aus dem einen oder anderen Grund zu tun in Versuchung gerieten“, murmelte er.
Minutenlang wartete der dunkelhäutige Schreiber. „Hat er es getan? Oder konnte er ihm verzeihen?“, lenkte er die Aufmerksamkeit seines Herrschers behutsam zurück auf die Gegenwart.
Ptolemaios lächelte freudlos. „Niemand kann verstehen, was seine Entscheidung bedeutete, wenn er nicht die ganze Geschichte kennt.“
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