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Doppeltes Glück

von Amberlove
GeschichteLiebesgeschichte / P6 / Gen
Ben Kessler Katja Metz
16.06.2007
16.06.2007
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14.363
 
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Doppeltes Glück

Er ging aus der Wache und da kam Katja auf ihn zu, sie hatte ihre Uniform noch nicht an, ihre Haare waren offen und das gefiel ihm viel besser.
"Morgen", begrüßte er sie und lächelte sie an.

Sie war verwirrt.
"Moin", grüßte sie zurück, ging an ihm vorbei, in die Wache und dachte noch ein wenig irritiert über das Lächeln am frühen Tage nach.

Er dagegen war vor der Wache stehen geblieben und sah ihr verdutzt nach, sie war mal wieder recht wortarm gewesen. Nichts desto trotz musste er, wie es ihm schien, ewig warten, bis sie schließlich in Uniform vor ihm stand.

Irgendetwas verwirrte sie heute an ihrem Kollegen. Er stand schon wieder einfach vor ihr und sah ihr entgegen, hatte er heute irgendwie komisch geträumt und sah in ihr noch das Gespenst aus seinen Träumen?
"Is was?", fragt sie ihn ein bisschen genervt über seine vielen Blicke.

"Nee, was soll sein?", fragte er, setzte sein Lächeln nicht ab und ging als erster Richtung 14/2.

Sie folgte ihm ohne zu zögern auf die Fahrerseite des Autos.
"Gibt es neuerdings Doppelsitze auf dieser Seite, oder warum stehst du hier? Es wäre mir neu, dass man zum Gas geben zwei Personen gleichzeitig braucht."

"Wäre doch mal ne Idee", meinte er, zog ihr den Schlüssel aus der Hand und stieg ein.
     
Sie warf ihm böse Blicke zu und ging auf die andere Seite des Autos.
"Was fällt dir ein immer zu bestimmen wer fährt?", fragte sie ihn beim Einsteigen. "Das nächste Mal fahre ich wieder, du bist schon das letzte Mal gefahren."

"Wir sind heute wieder mit dem falschen Fuß zuerst aufgestanden, was?", fragte er und startete den Motor.

"Ne sind WIR nicht, du vielleicht, aber ich nicht!" antwortete sie ihm leicht genervt.

"Das wird ein gefährlicher Arbeitstag", stellte er fest, während er sie kurz aus den Augenwinkeln beobachtete.

"Woher weißt du das denn jetzt schon? Ich dachte immer nur Frauen und ihre weibliche Intuition sind ein unschlagbares Team, aber das es so etwas jetzt auch bei Männern gibt ist mir neu", konterte sie und guckte schnell aus dem Fenster, damit er ihr Grinsen nicht sehen konnte.

"Ich sage jetzt einfach mal nichts, vielleicht hält das Lächeln dann ja ein wenig länger an", meinte er und sah in ihr Spiegelbild.

"Du schaffst es mich aber auch immer wieder zu nerven, ne?! Kannst du nicht einfach mal ohne etwas zu sagen fahren?", fragte sie in der Hoffnung ihn endlich zum Schweigen gebracht zu haben.

"Das könnte aber langweilig werden", behauptete er, "außerdem, wenn du schon nicht mit mir Essengehen willst, dann will ich wenigstens während der Arbeit was von dir haben," sagte er und drehte sich einige Sekunden zu ihr, er sah sie auf liebevolle Art eindringlich an.

Sie war schon wieder irritiert, da war schon wieder dieser komische Blick von heute morgen, was hatte ihr Kollege nur heute gefrühstückt? Sollte diese Lächeln irgendetwas bedeuten? Sollte sie einfach mal zurück lächeln und gucken was passierte? Vielleicht würde sie so seinem eigenartigen Verhalten auf die Schliche kommen.
"Ach, als wenn es mit deinem langweiligen Gerede nicht langweilig werden könnte", entgegnete sie und lächelte für einen ganz kurzen Moment ebenfalls und hoffte sogleich, dass er dieses als ein triumphierendes Lächeln verstehen würde.

Das waren harte Worte, beleidigt drehte er sich von ihr weg und konzentrierte sich auf die Straße, er konnte und wollte nichts sagen.

Sie wartete auf eine Antwort und war erstaunt, als ihrem Kollegen nichts weiter einfiel. Hatte sie ihn endlich zur Ruhe gebracht?
Heimlich gratulierte sie sich selbst und sah ebenfalls auf die Straße, als sie plötzlich einen Jungen sah, der einer älteren Dame auf offener Straße die Handtasche entriss.
"Ben, da vorne, schnell, der Junge!"

Ohne ein Wort tat er wie geheißen, beschleunigte, fuhr mit quietschenden Reifen um die Ecke und hielt schließlich, damit sie aussteigen konnten.

Sie sprintete, dicht gefolgt von Ben, auch sofort hinter dem Jungen her, der auf seinem Skateboard jedoch zu schnell für sie war und auch vorher schon einen großen Vorsprung gehabt hatte. Keuchend blieb sie nach ein paar Metern stehen und fluchte: "Mist, der ist weg. Hast du erkennen können wie er aussieht?"

"Der wohnt bei mir gegenüber", meinte er trocken.

"Na dann wollen wir dem jungen Mann mal einen kleinen Besuch abstatten und gucken, was man sich so von der Beute alles neues kaufen könnte", entgegnete sie ziemlich gleichgültig, während sie nebeneinander zum Auto gingen.

"Meinst du, er hat mich erkannt?", fragte er seine Kollegin mit wenig Interesse. Er war noch ein wenig geknickt wegen vorhin, aber das würde sie wohl herzlich wenig interessieren. Er verstand sich selbst nicht, eigentlich steckte er so etwas gut weg, aber heute nervte es ihn und außerdem hatte sie ihm solche Worte noch nie so direkt an den Kopf geknallt. Sein Gerede war also langweilig, er fragte sich, warum sie sich nicht einfach einen neuen Partner suchte, wenn es mit ihm so schlimm zu sein schien.

"Weiß ich nicht, vielleicht", sagte sie und wunderte sich über den Ton, indem er gefragt hatte. Was hatte er denn auf einmal? Heute morgen war er doch noch so gut gelaunt gewesen und hatte ein mehr als breites Lächeln auf dem Gesicht gehabt. Hatte das etwa was mit ihrer Bemerkung von vorhin zu tun? Aber es war nun einmal so, dass sein Gerede manchmal langweilig war. Doch langsam verspürte sie einen Kaffeedurst und vielleicht würde dies ihren Kollegen wieder fröhlicher stimmen: "Hast du Lust, bevor wir zu dem Jungen fahren, noch eine Kaffee zu trinken?"

Er sah sie etwas verwundert an und es dauerte ein wenig, bis er realisiert, was sie gesagt hatte. Er kam sich etwas dämlich vor, wenn sie meinte, dass sie ihn wieder aufmuntern oder extra nett zu ihm sein müsste. Er beschloss, dass er sich nicht unterkriegen lassen wollte. "Wie komme ich denn zu dieser Ehre?", fragte er dann fast lachend über diese Wendung.

Sie bemerkte gleich, dass sich seine Miene aufhellte und war verwundert, wie schnell sie ihren Kollegen wieder ein bisschen besser stimmen konnte.
"Tja, ich dachte, dass du vielleicht auch Lust auf einen Kaffee hättest, außerdem haben wir eh gleich Mittagspause", meinte sie mit einem Blick auf ihre Uhr.

"Okay", stimmte er zu und sie standen wieder vorm 14/2, er sah die Schlüssel an und überlegte, ob er ihr sie geben sollte.

Sie streckte ihm die Hand hin, in der Hoffnung, dass sie sich dieses Mal nicht mit ihm über die Schlüssel streiten musste.

Er gab ihr mit einem extra leicht aufgesetzten Lächeln die Schlüssel und stieg auf der Beifahrerseite ein.

Sie guckte ihn mit einen erstaunten Blick an und stieg ebenfalls ein.
"Warum nicht gleich so?", murmelte sie vor sich hin.

Sie fuhren inzwischen wieder. "Du besuchst mich zu selten", meinte er, "du hättest da hinten rum gemusst," tadelte er sie.

"Das weiß ich selber, aber hier hinten findet man eben besser einen Parkplatz, oder willst du das Auto mit reinnehmen?"

"Und da sagst du mir, dass ich dich mit dummen Sprüchen nerve", sagte er und lächelte aus dem Fenster.

Sie ließ diese Aussage lieber unbeantwortet.
Sie hatten endlich einen Parkplatz gefunden und stiegen aus. "Wo wohnt denn dieser Junge jetzt? Hoffentlich hattest du recht und er wohnt wirklich hier."

"Wollten wir nicht vorher noch einen Kaffee trinken?", erinnerte er sie und deutete auf den Coffee Shop, der seiner Wohnung genau gegenüberlag.

"Alles zu seiner Zeit", antwortet sie etwas genervt. Dass ihr Kollege aber auch immer nur daran denken musste, mit ihr essen zu gehen oder Kaffee zu trinken. Sie wusste zwar, dass sie es vorgeschlagen hatte, aber jetzt wollte sie lieber erst einmal ihre Arbeit erledigen, danach konnten sie immer noch Pause machen.

"Was ist denn mit meiner Kollegin heute los? Du glaubst doch nicht im Ernst, dass er jetzt wieder zu Hause ist, oder?", sagte er, beinahe hätte er "meine Katja" gesagt, aber er konnte sich gerade noch bremsen, die hätte ihm was erzählt.

"Wie, was soll denn mit mir los sein?", antwortete sie mittlerweile gereizt. Außerdem, warum wollte er sie meine Katja nennen? Er hatte sich gerade noch bremsen können, aber woher kam ihm überhaupt diese Idee? Die Frage war hier nicht, was mit ihr los war, sondern was mit ihm los war. Er war den ganzen Tag sehr komisch gewesen. Sie beschloss den Kaffee zum Anlass zu nehmen, um der Sache auf den Grund zu gehen. Hatte er eine neue Freundin? Sein Grinsen unterstrich ihren Glaube darin zumindest. "OK, dann will ich mal so gütig sein und zuerst mit dir den Kaffee trinken gehen und danach die Arbeit tun!"

"Man, jetzt sei doch nicht gleich wieder sauer", erwiderte er genervt und ahnte, dass sie seinen beinahen Versprecher noch bemerkt hatte. Ihn amüsierte es, wenn sie sauer auf ihn war, wenn ihre Augen gefährlich blitzten und ihn am liebsten getötet hätten. Mit einer Hand auf ihrer Schulter, wollte er sie dann schließlich Richtung Coffee Shop schieben, denn ansonsten wäre sie vermutlich noch Ewigkeiten mit ihrem eisigen Blick beschäftigt gewesen.

Sie ließ sich ein wenig widerwillig Richtung Coffee Shop schieben und setzte sich ihm gegenüber an einen Tisch am Fenster. Als die Bedienung kam, bestellten sie sich beide einen Milchkaffee.
Sie sah ihm in die Augen und überlegte, ob sie ihn mal fragen sollte, was heute mit ihm los war. Warum er sie so komisch ansah und den ganzen Tag grinste. Jedoch dachte sie auch gleich daran, dass es eigentlich nicht ihre Art war sich so für ihren Kollegen zu interessieren.
"Was ist eigentlich heute mit dir los?", hörte sie sich im nächsten Augenblick schon fragen und blickte ihm unverändert in die Augen.

"Weibliche Intuition?", meinte er nur, denn zum Einen war nichts mit ihm los und zum Anderen verstand er nicht, warum sie ihn danach fragte. Er war kein nachtragender Mensch und eigentlich war doch alles in Ordnung.

"Ja, weibliche Intuition! Du machst heute so einen glücklichen Eindruck auf mich. Heute Morgen hast du schon gegrinst wie ein Honigkuchenpferd, da hat mich meine Neugier gepackt."
Sie wusste auch nicht, was auf einmal mit ihr los war. Warum interessierte sie sich so für ihren Kollegen? Das war gar nicht ihre Art. Sonst waren sie wie Hund und Katz, beschimpften sich und stritten den ganze Tag, aber heute war er irgendwie komisch und seine Art schien anzustecken.

Er beugte sich näher zu ihr vor, „bei mir ist alles in Ordnung, ich bin wie immer, man wird sich ja wohl mal freuen dürfen. Komisch ist es nur, dass du heute so gesprächig bist und das nur, weil du mich heute einmal ohne Widerworte beleidigen und selber fahren durftest“, er war sich nicht sicher, ob das die richtigen Worte waren, konnte dann aber auch nichts mehr ändern und sah sie mehr oder weniger gespannt an.

"Ich bin heute nicht gesprächig, ich bin neugierig. Das ist eben Mittel zum Zweck. Ich bin eben wie immer, das hast du eben nur noch nie gemerkt. Das ist eben sehr neu, wenn du dich mal freust, sonst nervst du mich immer mit deinen langweiligen Gelaber und bist beleidigt, wenn ich mal ordentlich kontere." Sie war selbst erstaunt über den zweiten plötzlichen Sinneswandel ihrerseits an diesem Tag. Zugleich hoffte sie, dass sie Ben mit diesen Worten wieder ein wenig auf Abstand bringen konnte.

"Was soll das, Katja?", wollte er wissen.

"Oh ja, lieber Ben, das frage ich mich auch! Das frage ich mich überhaupt schon die ganze Zeit, schon seit du mein Partner im 14/2 geworden bist. Dauernd lädst du mich zum Essen ein, wirfst mir komische Blicke zu, grinst und streitest dich den ganzen Tag mit mir!
Sie war richtig in ihrem Element und würde am liebsten aufstehen, um zu gehen, diese Blöße wollte sie sich jedoch nicht vor Ben geben.

"Du machst mir das echt nicht leicht. Du zickst mich die ganze Zeit an und du streitest mit mir. Wenn ich Glück habe, dann lachst du mal oder im nächsten Moment habe ich wieder ein Protokoll nicht geschrieben. Und wenn ich dann versetzt werden soll, dann liegen wir uns heulend in den Armen und wenn du das letzte Wort haben darfst, dann freust du dich wieder. Und dann hast du doch mal ein schlechtes Gewissen, dann gehst du mit mir einen Kaffee trinken, aber andererseits dann doch nicht, weil wir ja arbeiten und dann muss ich mir von dir anhören, dass ich dich ständig zum Essen einlade. Wir sind Kollegen, Katja, ich mag dich, ich mag dich echt gerne und ich versteh nicht, warum du so verkrampft bist, was zum Teufel ist denn dein Problem?", das alles sprudelte aus ihm heraus, er wusste nicht, was er davon eigentlich sagen wollte und was nicht, es kam einfach.

"Ooooch ja, jetzt mach ich es dir wieder nicht leicht. Was soll ich dir überhaupt leicht machen? Sich mit mir zu streiten? Mich den ganzen Tag zum Essen einzuladen? Ich sag dir mal was Ben. Wenn dir meine Art nicht passt, dann such dir doch einen Partner, an dem du deine Launen auslassen kannst. Wolltest du etwa damals versetzt werden, obwohl du unschuldig warst? Hätte ich dir damals nicht helfen sollen? Bitte, du kannst auch gerne zu Dirk gehen und ihn um eine Versetzung für dich bitten, wenn du mit mir nicht mehr klar kommst, ich halte dich nicht auf.
Manchmal dachte ich, dass unser Verhältnis zueinander besser werden würde, aber das hat sich anscheinend gar nicht geändert."

Inzwischen hörten ihnen auch die restlichen Kunden zu, teilweise empörte Blicke, doch das sahen sie nicht, denn sie sahen nur sich. Er sah ihre tötenden Blicke und sie sah seine Verwirrung und gewiss auch ein leichter Anflug von Wut. Der Ladenbesitzer kam schließlich zu ihnen.
„Ich darf doch sehr bitten“, meinte er hochnäsig. Verdutzt sahen die beiden zu ihm. Ben wurde die Situation bewusst, er stellte seinen Kaffeebecher auf den Tisch, legte  seine Hand auf den Rücken seiner Kollegin und wollte mit ihr Richtung Tür schreiten, doch er vermutete, dass sie sich rasch lösen würde.

Sie ließ sich von ihrem Kollegen zwar rausschieben, weil es mittlerweile auch ihr peinlich geworden war vor allen Leuten eine Grundsatzdiskussion führen zu müssen, aber sie war noch lange nicht mit ihm fertig.
Vor der Tür machte sie dann einen weiteren Anlauf ihren Kollegen zur Rede zu stellen: "So, nun hast du es ja geschafft uns, die Polizei, vor dem ganzen Laden zu blamieren. Sag mal macht dir das eigentlich Spaß mich den ganzen Tag zu schikanieren? Stehst du vielleicht morgens schon auf und hast dir einen genauen Plan für den Tag gemacht, wie du mich wieder auf die Palme bringen kannst? War heute vielleicht ein ganz gemeiner Tag? Kann man damit auch das Grinsen von heute morgen erklären?" Sie warf ihm einen weitern wütenden Blick zu.

Er war traurig, zumindest ein bisschen, diese Worte machten ihm zu Schaffen und er konnte nicht anders, als ihr in die Augen zu gucken. Dort fand er dieses gefährliche Funkeln, dieses Glitzern, wie sehr hätte er sich ein Lächeln dazu gewünscht. Er sah sie an, während er mit ruhiger Stimme sprach.
„Du weist genau, dass ich dich nicht schikaniere und dass ich nicht alleine an dieser Blamage schuld bin, okay. Freu dich doch, wenn ich lächle, ich sehe dabei zwar nicht so unglaublich hübsch aus wie du, aber immerhin musst du das nicht als Seltenheit feiern. Du willst mich nicht akzeptieren und ich weiß nicht warum, aber wir können doch wenigstens wie halbwegs normale Menschen miteinander umgehen“, regte er sich ein wenig auf. „Und ich habe kein Problem mit dir, auch jetzt nicht, du hast eins mit mir und ich will auch keinen neuen Partner, weiß der Teufel warum“, wollte er das ganze beenden, denn schon wieder standen Passanten um sie herum.  

"Wieso will ich dich bitte nicht akzeptieren? Nur weil ich auch deine Sticheleien reagiere? Nur weil du dir nicht eingestehen kannst, dass ich immer das letzte Worte habe?" Sie ging langsam Richtung Auto, da auch sie die Passanten bemerkt hatte. Wegen Ben wurde sie heute gleich zweifach blamiert und so etwas passiert ihr, unglaublich. Sie warf Ben beim Einsteigen auf der Fahrerseite noch einen Blick zu, der von ihr nicht gerade freundlich gedacht war.

"Okay", forderte er sie heraus, "was soll ich denn deiner Meinung nach anders machen?", fragte er rein theoretisch, er würde bestimmt nicht den ganzen Ben für diese Frau umkrempeln.

Sie sah ihn einen Augenblick lang an. Dann machte sie den Motor an und fuhr los. Was sollte er anders machen? Sollte er mit seinen blöden Sprüchen aufhören, die teilweise wirklich eine lockere Atmosphäre brachten oder sollte er sie vielleicht anfangen wie ein rohes Ei zu behandeln? Nein, dachte sie sich, das sollte er nicht, was wäre das denn dann für eine Zusammenarbeit? Zumindest keine, die sie sich wünschen würde. Das sagte sie ihrem Gegenüber jedoch nicht: "Ach weißt du, ich kann nicht für alles deine Mama spielen, du musst schon selber merken, was du falsch machst, wenn das nicht der Fall ist, kann ich dir auch nicht helfen!"

„Weißt du was? Langsam geht mir deine Zickerei echt auf die Nerven“, meinte er trocken. Er hatte viel mit sich machen lassen, aber jetzt, wo sie all dies sagte, da war er sich gar nicht mehr ganz sicher, ob sie ihn mochte und wenn doch, was er eigentlich schon glaubte, warum war sie dann so? Warum war es heute so extrem? „Sei froh, dass ich dein Partner bin. Jeder andere hätte längst das Weite gesucht“, schloss er seinen Gedankengang ab.
Was war denn plötzlich in ihren Kollegen gefahren? Er war doch sonst nicht so! Sonst konnte sie ihm immer alle möglichen Sachen an den Kopf werfen, ohne dass er gleich so ausrastete. Sollte sie sich jetzt lieber zurückhalten und gar nichts mehr sagen? Sie beschloss dies zu tun und fuhr schweigend zur Wache.
Dass sie jetzt nichts sagte, schien ihm ein gutes Zeichen, vielleicht dachte sie nach? Oder ihr war doch alles egal? Er warf ihr einen kurzen Blick zu, sie konzentrierte sich auf die Straße. Er schwieg lieber.
Es war heute wirklich zum Verrücktwerden. Warum sagte ihr Kollege auf einmal ebenfalls nichts mehr? Konnte er nicht irgendetwas sagen, damit diese peinliche Stille aufhörte? Ihretwegen konnte es auch einer seiner dummen Sprüche sein. Aber sie wartete vergeblich.
Als sie bei der Wache ankamen, machte sie den Motor des 14/2 aus und überlegte einen Moment. Sollte sie sich bei Ben entschuldigen, dass sie heute so gereizt war? Es war jedoch nur ein Blick in seine Richtung, den sie zustande brachte, dann stieg sie aus und ging in die Wache. Ihr Kollege zögerte noch eine Sekunde und folgte ihr dann. Drinnen lief sie schnurstracks in den Aufenthaltsraum, immer noch gefolgt von Ben und den Kommentaren der Kollegen, die belustigt wissen wollten, ob schon wieder dicke Luft zwischen ihnen war.

Ben ging Richtung Kaffeemaschine, er sagte noch immer nichts, die Kommentare der Kollegen nervten ihn ein wenig und er wollte wissen, wie Katjas Reaktion darauf aussah, so schaute er zu ihr.

Sie spürte seine Blicke und guckte ebenfalls zu ihrem Kollegen. Sie wusste nicht, ob sie dieses Mal genervt oder wieder ein bisschen freundlicher auf ihn reagieren sollte. Sie entschied sich für die zweite Möglichkeit.

„Jetzt sag nicht, dass die Sprüche von den Kollegen dich belustigen“, sagte er lächelnd.

"Na ja, ich finde es schon irgendwie komisch, dass selbst die bemerken, dass wir schon wieder Streit haben!", antwortete sie jetzt ebenfalls lächelnd.
"Wahrscheinlich wäre es schwieriger zu sagen, wenn wir keinen Streit haben", meinte er, "Kaffee?"

"Ja, wie es wäre schwieriger zu sagen, wenn wir keinen Streit haben? Willst etwa sagen, dass ich Schuld bin, dass wir immer streiten?", fragte sie mit einem Anflug von Wut in der Stimme.

Er nahm sich seinen Kaffee, schüttelte nur  verständnislos den Kopf, verließ den Aufenthaltsraum und schritt Richtung Büro.

War ja klar, jetzt rannte ihr Kollege weg. Jedoch konnte sie nicht anders, als ebenfalls aufzustehen und hinter ihm herzugehen. "Ben, warte mal", rief sie ihm hinterher, weil sie ihn noch nicht ganz eingeholt und keine Lust hatte vor ihren Kollegen mit ihm diskutieren zu müssen.
Er war schon an der Bürotür angekommen, blieb stehen, drehte sich zu ihr und als sie ihn fast erreicht hatte, öffnete er die Tür, um sie ihr schließlich aufzuhalten. "Schon okay", meinte er nur.
"Ne nichts ist okay", antwortet sie mit einem kleinen Schuldgefühl ihm gegenüber. Sie sah ihn einen Moment lang an "Ich glaube, ich bin dieses Mal ein bisschen zu weit gegangen. Es ist ja nicht so, dass ich mich immer nur mit dir streiten will oder, dass ich den Streit immer nur suche, aber manchmal ist es echt nicht leicht mit dir." Sie sah ihn wieder einen Augenblick lang an, dann fragte sie: "Frieden?" und hielt ihn die Hand hin.

Er verstand nicht, woher dieser Sinneswandel kam, beschloss aber nicht sie damit aufzuziehen.
„Für wie lange denn?“, fragte er mit einem Zwinkern und nahm ihre Hand. Er sah ihr in die Augen und sie erwiderte den Blick, er mochte es, dass sie zu ihm hochgucken musste.

"Ja, also wenn du willst für immer, du musst dich natürlich auch ein bisschen darum bemühen, aber dann sehe ich dem nichts mehr im Wege stehen.", antwortete sie und merkte wie er die Situation genoss.

„Sicher“, erwiderte er misstrauisch und ließ ihre Hand noch immer nicht los, auch der Blick blieb bestehen.

"Ja. Sicher!", meinte sie und wusste nicht wie ihr auf einmal geschah.

Er war überrascht, dass sie plötzlich so wortarm war, ihm wurde ein wenig wärmer ums Herz. Als ihm die Situation dann bewusst wurde, ließ er ihre Hand langsam aus der seinen gleiten.

Als er ihre Hand ganz losgelassen hatte, sah sie ihn noch einen Augenblick lang lächelnd an und ging dann an ihm vorbei ins Büro.

Als er sich wieder gefangen, die Tür geschlossen und sie auf dem Schreibtischstuhl platzgenommen hatte, fiel ihm plötzlich wieder etwas ein „Jetzt waren wir gar nicht mehr bei meinem Nachbarn“, sah er sie ein wenig entsetzt an, „ich kann mir sowieso nicht vorstellen, dass er gleich nach Hause geht, oder?“

"Hmmm, stimmt, dass haben wir bei der ganzen Streiterei ganz vergessen. Ne, ich glaube auch nicht, dass er sofort nach Hause gegangen ist, aber wir könnten ja jetzt noch einmal vorbeifahren?", sie sah ihn fragend an.

„Guck erst mal im Computer nach“, forderte Ben sie auf, „seit wann muss ich hier eigentlich das Denken übernehmen, hm?“, fragte er und lächelte sie so lieb an, wie er konnte, damit sie es auch ja nicht als einen Vorwurf verstand.

"Willst du wieder Streit haben?", fragte sie ihren Partner erstaunt und ging Richtung Computer.

„Nee, nee, lass mal“, sagte er und dachte, dass er es hätte wissen müssen, natürlich nahm sie es als eine Provokation auf. Er ging ebenfalls zum Computer, um ihr dann über die Schulter zu gucken, er legte eine Hand auf die Lehne, die andere auf den Schreibtisch.

"Also, wie heißt dein Nachbar?", fragte sie ihn.

"Benjamin Mellert", antwortete er.

"OK, Benjamin Mellert. Ah da haben wir ihn. Zweimal angezeigt wegen Taschendiebstahl. Also ich würde sagen, das ist unser Mann."

"Na, dann ... Auf auf", meinte er und nahm sich den Schlüssel vom Schreibtisch.

Sie überlegte kurz, ob sie ihm diesen wieder abnehmen sollte, ließ es jedoch bleiben, nahm ihre Jacke und rief den Kollegen zu:" Wir sind noch einmal weg!"

Sie gingen zusammen raus und Ben überlegte, ob er ihr irgendetwas erzählen sollte, sie fragen, ob sie nicht heute Abend ... Aber nein, er wollte es nicht übertreiben, dass er immer mehr wollte ... Er war sowieso gespannt, wie lange ihre Laune anhalten würde.

Als sie am Auto waren, merkte sie an seinen Blicken, dass Ben etwas auf der Seele brannte und sie konnte sich schon denken was es war. Scheinheilig fragte sie also: " Ist was?" Sie war selbst überrascht, wie gut ihre Laune nach der Aussprache mit Ben war.

„Nee, was soll schon sein, wenn meine Partnerin mich so fröhlich anstrahlt?“, fragte er und startete den Motor.

Sie sah ihn weiter grinsend von der Seite an. "Wollest du mich nicht etwa gerade wieder fragen, ob wir heute Abend vielleicht zusammen essen gehen wollen?"

"Soll das ne Einladung sein?", fragte er begeistert.

"Joa, du könntest es ausnahmsweise mal als eine Auffassen. Also was ist? Wollen wir heute Abend essen gehen oder nicht?", wollte sie wissen. "Denk dran, ich frag nicht zweimal", fügte sie mit einem Zwinkern hinzu.

Er konnte nicht aufhören zu grinsen, was sollte er davon halten? Doch sein Grinsen verblasste, als ihm plötzlich einfiel, dass er heute mit seiner Schwester verabredet war, aber diese Gelegenheit konnte er nicht verpassen, wer wusste schon, wie sie Morgen gelaunt war.
„Klar, da musst du mich wohl kaum überreden“, erwiderte er.

Na dann heute Abend um 8 Uhr? Holst du mich ab?“ sie war erstaunt über sich, wie leicht sie sich auf einmal mit ihrem Kollegen zum Essen verabreden konnte. Vielleicht  konnten sie noch ein gutes Team werden, eines das sich auch gut verstand? Laut sagte sie: „So, aber nun mal sehen, was dieser Benjamin Mellert zu seiner Verteidigung zu sagen hat.“

Ben schmunzelte, was war denn auf einmal mit seiner Kollegin los?
"Was ist denn auf einmal mit dir los?", fragte er erstaunt, "nicht, dass ich etwas dagegen hätte, aber ...", meinte er und stoppte. Eine leise Vorahnung, dass er es sich auf diese Weise mit ihr wieder verscherzen würde, hatte er, aber die Verabredung stand schließlich.

"Warum bist du denn auf einmal so skeptisch? Ich wollte doch endlich nicht mehr mit dir streiten und was machst du? Hinterfragst alles ohne Ende. Also sei ehrlich, willst du noch mit mir essen gehen oder nicht? Ich meine, du wolltest es doch immer. Wie oft hast du mich gefragt, ob ich nicht Zeit dafür hätte und nun? Wenn du nicht willst, such ich mir eben jemand anders!“ Sie war ein wenig stolz auf ihre kleine Rede vor Ben und hoffte, dass sie auch seine Wirkung erzielte. Zwar wollte sie nicht schon wieder mit ihm streiten, aber merken sollte er schon, dass sie nicht alles mit sich machen ließ.

Ben bog um die Ecke, sah daraufhin wieder zu ihr: „Bist du verrückt?“, fragte er, als wäre sie von allen guten Geistern verlassen: „Ich und mir ein Essen mit dir entgehen lassen?“, sagte er und sah sie extra entgeistert an.

"Na, ich wusste doch, dass du dir diese Gelegenheit nicht entgehen lassen würdest", sagte sie und zwinkerte ihm zu.
"Aber jetzt lass uns diese Diskussion mit dem Essengehen beiseitelegen und uns auf die Arbeit konzentrieren." Sie wollte sich jetzt schnell mit diesem Kleinkriminellen beschäftigen und sie Sache schnell hinter sich bringen, da sie sich irgendwie doch ein bisschen auf den Abend freute. Wie würde es sein mit Ben essen zu gehen?
Sie hatte ja noch nicht so viel privates mit ihrem Kollegen gemacht. Bis auf das eine Mal, als er sie zum Essen eingeladen hatte. Sie war darauf Todschick erschienen und Ben hatte mit ihr dann doch nur im Revier zusammen mit den Kollegen, die für sie gekocht hatten, gegessen! Aber vielleicht verlief diese Abend anders als der letzte.

Ben hielt es für angemessen das Thema mit dem Essen erst einmal verschwinden zu lassen und brachte lediglich ein „Okay“ hervor. Während er sich über seine fröhliche Kollegin freute, fuhr er weiter Richtung Benjamin Mellert, oder eben auch Ben Kessler, der direkt gegenüberwohnte.
Nach einigen Minuten waren sie schließlich angekommen, Ben schloss den Wagen ab und stand schließlich gemeinsam mit Katja vor der Tür. Ben starrte auf das Klingelschild.
„Das ist doch verrückt. Das mir ein Benjamin Mellert gegenüberwohnt okay, aber dass genau über dem dann auch noch eine Katja Keller wohnt ...“, sagte er vor sich hin und warf ihr, nachdem er auf Mellert gedrückt hatte, einen Blick zu.


"Zufälle gibt’s", sagte sie und schüttelte den Kopf. "Vielleicht wundert dein Nachbar sich gleich genauso, wenn wir uns dann vorstellen."

„Der hat garantiert andere Sachen im Kopf als sowas. Wenn du mich fragst, ist es kein Wunder, dass sein Sohn auf Abwege gekommen ist“, erwiderte er.


"Naja wir werden ja gleich hoffentlich Näheres erfahren", sagte sie als das Surren ertönte, was signalisierte, dass die Tür geöffnet werden konnte. Als sie  im Treppenhaus standen, sah sie sich sie ein wenig orientierungslos um, ging dann zögerlich die Treppe hinauf in den ersten Stock, wo auch gerade eine Tür von einem Mann mittleren Alters geöffnet wurde.
"Katja Metz und Ben Kessler vom 14. Revier", stellte sie sich und ihren Kollegen vor. "Wir wollten Ihnen mal einige Fragen bezüglich ihres Sohnes stellen", fing sie auch gleich an.
"Mein Sohn? Was ist mit dem? Hat er irgendwas getan? Er ist doch hier und macht seine Hausaufgaben", meinte der Vater des Jungen.

Er wies sie mit einer Handbewegung an reinzukommen und Ben begutachtete wie gewöhnlich alles ganz genau, bis der Vater seinen Sohn schließlich in den Flur geschickt hatte, wo die Beamten auf ihn warteten. Als der Junge die Polizei entdeckte, erschrak er, rührte sich eine zeitlang nicht mehr und sah Ben dann wieder völlig verdutzt an. Ben sah seine Kollegin einen kurzen Moment verwirrt an, wand sich dann wieder dem Jungen zu. „Du weißt, warum wir hier sind?“, fragte er ihn.
„Ich wusste gar nicht, dass du Polizist bist“, erwiderte der Junge und das Duzen überraschte Ben keineswegs, ganz im Vergleich zu seiner Kollegin.

„Ja, er ist Polizist, da staunst du was? Was hast du denn heute Morgen so gegen 11 gemacht?“, fragte sie den Jungen ganz direkt, da sie keine Lust hatte ihre Zeit ewig mit so einer Kleinigkeit zu verbringen.
„Ich war in der Schule“, antwortete der Junge ohne mit der Wimper zu zucken.

„Nein, das warst du nicht“, meinte Ben und sah ihn scharf an, fast so, wie Katja ihn ansah, wenn sie wütend auf ihr war, nur war sein Blick ein wenig herzlicher. Es lag ihm etwas an diesem Jungen, er kannte ihn schon seit 14 Jahren. Leider hatte er die letzten fünf Jahre kaum ein Wort mit ihm gewechselt und es wunderte ihn, dass er nicht wusste, dass er Polizist war.
„Ich habe dich erkannt und du wirst es zugeben müssen“, sagte er, er wollte härter klingen, doch er konnte es nicht. Benjamin sah ihn bockig an, für ihn war Ben nur der, mit dem er damals Fußball gespielt und mit ihm über seine Probleme gesprochen hatte, aber jetzt kam er mit seinen Problemen alleine zurecht, er war alt genug.

"Genau, du hast heute Morgen einer älteren Dame die Handtasche gestohlen und bist dann durch den Park mit deinem Skateboard abgehauen. Ben und ich konnten dich leider nicht einholen", sagte sie und versuchte den Tonfall ihres Kollegen ein bisschen nachzuahmen.
Auch der Vater sah nun seinen Sohn verwundert an: "Was hast du getan? Du hast einer alten Dame die Handtasche geklaut?" Er wurde lauter: "Sag mal, hat die Erziehung bei dir eigentlich keine Spuren hinterlassen? Ist es nicht genug, dass du die Schule schwänzt? Jetzt klaust du auch noch Handtaschen?", er schüttelte ein wenig verzweifelt den Kopf.

Ben wäre am liebsten sauer auf seine Kollegin gewesen, Herr Mellert hätte nicht so direkt erfahren sollen, was sein Sohn angestellt hatte. Aber andererseits musste er bemerken, dass sich in dieser Familie einiges geändert hatte.
„Freundchen, wo hast du die Handtasche?“, schrie er seinen Sohn jetzt auf einmal an. Benjamin schluckte und lief anscheinend in sein Zimmer. Ben war etwas verdutzt, würde er jetzt tatsächlich mit der Handtasche zurückkommen? Er sah seine Kollegin an.

Katja erwiderte seinen Blick. Im nächsten Moment konnte sie sich nicht vorstellen, dass der Junge die Handtasche holte und so folgte sie ihrem Instinkt und lief dem Jungen hinterher. Dort konnte sie gerade noch verhindern, dass der Junge aus dem Fenster der Wohnung sprang, welche sich nur im ersten Stock befand." Hey, was soll das?", fragte sie, als sie den Jungen gepackt hatte. "Du warst also heute morgen in der Schule oder wie? Und wo willst du jetzt hin? Auch wieder in die Schule?", sie stieß Benjamin vom Fenster weg Richtung Ben, der ihr in das Zimmer gefolgt war.

„Sie können mich loslassen“, zickte er Katja ziemlich heftig an und versuchte ihrem Griff zu entkommen.
„Benni, hast du die Tasche noch?“, fragte Ben ihn.
„Ja, dahinten“, erwiderte Benjamin und deutete an die Seite des Schrankes, „ist noch alles drinnen, war nur so ne Mutprobe, aber wegen dir steh ich jetzt wieder voll dumm da“, blaffte er ihn an.
„Das hast du dann wohl auch verdient“, sagte sein Vater.
„Herr Kessler, kann mein Sohn sich nicht entschuldigen bei der Frau und das war es dann?“, bat er.

Katja sah von Ben zu Benjamin und überlegte. Das sah ganz danach aus, dass Benjamin irgendjemandem etwas beweisen wollte. Wenn es nicht so gewesen wäre, warum hatte er die Tasche mit Inhalt noch? Hatte Ben nicht vorhin angedeutet, dass Benjamin immer ein netter Junge gewesen war? Hatte er nicht auch erwähnt, dass er früher mit ihm öfter etwas unternommen hatte? Konnte es sein, dass der Junge diese früheren Zeit vermisste und versuchte durch irgendetwas an Ben heranzukommen? Sie sah ihren Kollegen an und sagte dann dem Vater zugewandt: "Das geht nicht so leicht wie sich sie das vorstellen. Wir können das vielleicht akzeptieren, da die Tasche samt Inhalt noch da ist, aber was die ältere Dame denkt, das kann ich nicht sagen. Wenn sie von einer Anzeige absieht, dann könnten wir ihren Sohn mit einer Verwarnung davon kommen lassen."

Mit einem Nicken stimmte Ben Katja zu, ließ dabei Benjamin nicht aus den Augen. Er schien traurig zu sein, seitdem seine Mutter gestorben war, hatte er keinen Kontakt mehr zu ihm gehabt und die Wohnung sah nicht so gemütlich aus wie damals. Erst jetzt erkannte er den flehenden Blick, mit dem Benjamin den Polizisten anstarrte. „Kommst du heute Abend einfach noch bei uns auf der Wache vorbei, dann können wir der Frau auch Bescheid geben“, beschloss Ben, drehte sich um und verließ den Raum mit seiner Kollegin. Vater und Sohn blieben zurück, was Ben gar nicht gefiel.

Als die beiden wieder auf der Straße waren, gingen sie für einen Augenblick schweigend nebeneinander Richtung 14/2. Katja stieg dieses Mal wieder auf der Fahrerseite ein und zögerte bevor sie den Motor startete. "Irgendetwas hat der Junge", meinte sie mit einem Blick zu Ben.

„Hm“, meinte Ben nur und sah aus dem Fenster.

Sie beschloss ihren Kollegen nicht weiter mit Fragen zu nerven und fuhr schweigend zum Revier.

Als sie schließlich bei der Wache angekommen waren, war Bens Laune umgeschlagen, ihm ging es schon wieder besser, immerhin war er am Abend mit Katja verabredet und vielleicht würde er sich ab und zu mal wieder mit Benjamin treffen, das würde er vorschlagen. Die Beiden gingen gerade durch den Wachraum, als sie ein Gespräch von Nicki und einer jüngeren Frau aufschnappten.
„Ich möchte meinen Kollegen anzeigen“, sagte sie.
„Und warum?“, fragte Nicki ein bisschen erstaunt.
„Sexuelle Belästigung“, sagte sie trocken.
„Was macht er denn?“, fragte Nicki.
„Na ja, er fasst mich ständig an, legt seine Hände um meine Hüften, auf meine Schulter  oder sonst wo hin“, fing sie an zu erzählen.
Nicki verdrehte die Augen, sie mochte solche Leute anscheinend nicht oder hatte heute schon genug von solchem Kram hören müssen, so ernst konnte die Sache nicht sein, denn die Frau wirkte keineswegs verstört oder schien emotional zu leiden. Ihre Art zu reden war eher erstaunlich flippig.
Ben legte mit einem Grinsen demonstrativ die Hand auf Katjas Rücken, als sie vorbeigingen, Nicki grinste. Und die Frau sah Ben feindzählig an.

Auch Katja musste aufgrund der Situation grinsen. Ben hatte ab und zu die richtigen Ideen um andere Leute aus der Fassung zu bringen. Katja ging zu ihrem Schreibtisch, um das Protokoll zu schreiben und überlegte, ob sie nicht doch noch mal auf das Thema mit dem Jungen zu sprechen kommen sollte. Sie fragte Ben:" Wie sollen wir jetzt weiter vorgehen in der Sache?"

„Kommt doch drauf an, was die Frau sagt“, erwiderte Ben ein bisschen genervt, „hast du die schon angerufen?“
„Gehen Sie doch einfach mal zu meinen Kollegen, die kümmern sich am Besten darum“, hörten die Beiden plötzlich Nicki sagen. „Oh nein“, seufzte Ben und runzelte die Stirn, als die Frau mit ihren Belästigungsproblemen auf die beiden zukam und sich auf den freien Stuhl neben Katja zu setzen drohte.

Warum mussten immer die beiden mit solchen Problemen konfrontiert werden? Konnte es nicht schon heute Abend sein? Dann war dieses alles hier wenigstens vorbei. Es war ja nicht so, dass Katja ungern als Polizistin arbeitete, nein ganz im Gegenteil, aber manchmal hatte sie echt genug von der ganzen Sache. Dementsprechend reagierte sie nun auch auf die Frau: "Kann es nicht sein, dass Sie ihren Kollegen manchmal ein bisschen provozieren und er Sie aus diesem Grund belästigt? Ich glaube nicht, dass das nur von ihm aus kommt." Sie sah die Frau, der plötzlich die Sprache wegblieb mit dem gleichen Blick an, den sie eben noch Ben und ihr zugeworfen hatte.

Auch Ben sah sie verdutzt an, was war denn mit seiner Kollegin los? Sollte das jetzt eine Anspielung sein?
„Noch mal ganz von vorne“, wollte Ben das Gespräch in die richtige Richtung lenken, „Wer sind Sie, was machen Sie und was macht Ihr Kollege?“, fragte er genervt, denn eigentlich gab es wichtigeres zu tun.
„Ich bin Altenpflegerin“, sagte sie, „und was mein Kollege macht, das habe ich doch eben schon erzählt, das haben Sie ja mitbekommen“, meinte sie und sah Ben eindringlich an, seine Kollegin hatte sie lieber überhört. Ben musterte sie einen Moment, Katjas Theorie passte nicht, als er sich die Frau so ansah, sie war spießig angezogen und nicht gerade attraktiv.
„Da hätte meine Kollegin mich aber schon zig Mal anzeigen müssen“, sagte Ben und sah Katja einen Moment an.

Katja erwiderte diesen Blick und freute sich einen Moment Ben als Kollegen zu haben. "Eben, ich würde aus den Beschwerden gar nicht mehr herauskommen", sagt sie eher beiläufig. "Gibt es einen bestimmten Grund, dass ihr Kollege Sie belästigt?, fragte sie jetzt ebenfalls auf die Frau eingehend, da sie ihre erste Reaktion nun ein bisschen übertrieben fand.

„Na ja, das ist jetzt ein bisschen übertrieben“, meinte Ben zu seiner Kollegin und sah sie eindringlich an, bis sie schließlich von der Frau unterbrochen wurden.
„Der kriegt wohl keine andere. Ich hab ihm oft ausdrücklich gesagt, dass er mich in Ruhe lassen soll“, regte die Frau sich auf, „der ekelt mich an, das ist so widerlich, gestern hat er mir einfach einen Kuss auf die Wange gedrückt“, wurde sie leiser und verzweifelter, „Sie beide scheinen sich ja wenigstens zu mögen und verstehen, oder?“

Sie sah sie kurz an, dann ihn, dabei sagte sie: "Na ja mögen ist ein bisschen zu viel gesagt...und verstehen auch....aber wir akzeptieren uns eben und kommen in wichtigen Situationen miteinander aus. Sie sah auf Nicki, die interessiert die Unterhaltung zwischen ihnen und der Frau beobachtete. "Können Sie, bevor sie eine Anzeige machen, nicht noch einmal versuchen mit ihrem Kollegen zu sprechen? Vielleicht mal ohne Streit und ohne laut zu werden? Das wirkt manchmal Wunder..."

Ben sah seiner Kollegin interessiert zu, hätte er sich denken können, dass sie jetzt wieder zu blocken anfing.
„Das hilft alles nichts“, erwiderte die Frau, „warum glauben Sie mir eigentlich nicht? Man kann nicht immer von sich ausgehen, Sie haben vielleicht einen Kollegen, den Sie im Griff haben, ich nicht und deshalb will ich ihn jetzt anzeigen, nächsten Monat bin ich eh weg“, forderte sie Katja auf.
„Stopp mal, im Griff haben ist ...“, begann Ben.

Jetzt musste sie ihren Kollegen in Schutz nehmen. "Hier hat keiner den anderen im Griff, damit das mal klar ist. Nur weil Sie ihren Kollegen im Griff haben wollen, müssen andere Frauen ihre nicht auch im Griff haben wollen." Nun kam auch Dirk aus seinem Büro, weil sie ein wenig lauter geworden war, was ihr dieses mal nicht leidtat, da es gerechtfertigt war. "Aber wenn Sie unbedingt eine Anzeige wollen, dann soll es nicht an mir liegen und Sie können sie bekommen." Sie stand auf und holte das entsprechende Formular, ohne ihren Chef zu beachten.

„Was ist denn mit dir los?“, tadelte Dirk Katja und sah zu Ben, der genauso böse aussah wie seine Partnerin.
„Könnte ich nicht zu Ihnen?“, fragte die Frau ihn ganz begeistert und ging auf Dirk zu.
„Hannah“, erwiderte Dirk mit einem freundlichen Lächeln, „Klar, komm rein, wo drückt denn der Schuh?“ Und ohne, dass die Frau ein weiteres Wort mit den Kollegen sprach, verschwand sie in Dirks Büro, der seinen Kopf vorher noch herausstreckte, „Wir sprechen uns noch.“
„Blöde Zicke“,  murmelte Ben mit einem Blick zur Tür.

Katja wandte sich, ohne eine Wort zu erwidern, dem alten Protokoll zu und hörte nur beiläufig die Kommentare von Lothar und Nicki, die sich ebenfalls über ihre Unprofessionalität wunderten. Sie hörte auch Harry und Henning nicht zu, die  gerade hereinkamen und sich abmeldeten, weil Hennig seine Eva zum Flughafen bringen und Harry noch in ihrer Wohnung absetzen musste.
Das war ihnen doch noch nie passiert. Bis jetzt hatten sie ihre kleinen Streitereien immer weitergehend geschickt vor den Kollegen fernhalten können. Und ihre Arbeit und das Private hatten sie auch immer geschickt trennen können. Sie konnten sich noch so sehr streiten, wenn es einen Einsatz oder so etwas gab, waren sie immer ein Team und haben immer gut zusammenarbeiten können.

„Hey“, sagte Ben zu seiner Kollegin, die zu grübeln schien, „ist doch nicht so schlimm, das darfst du nicht so dramatisch sehen. Die Frau hat nen Vogel und wenn sie einigermaßen anständig wäre, hätte sie uns aus dem Spiel gelassen. Sie ist doch eh in nem Monat weg“, fügte er noch hinzu und wendete sich wieder seinen Akten zu.

"Ja, ich glaub du hast recht. Mich nervt nur, dass wir wegen der noch zu Dirk müssen," meinte sie. Aber im gleichen Augenblick viel ihr der Fall von heute morgen wieder ein. "Soll ich jetzt die alte Dame herbestellen, wollen wir bis morgen warten oder hast du das schon gemacht?", fragte sie Ben.

„Herr Mellert hatte vorhin angerufen, dass das heute Abend nichts wird, müssen wir dann wohl alles auf Morgen verschieben“, sagte Ben.
„Dirk ist das doch eh egal“, sagte er, „warum ist dir das denn immer so wichtig? Der macht uns nur an, weil das sein Job ist.“

In dem Moment ging die Tür von Dirks Büro auf: "Na ja, dann mach’s mal gut, bis irgendwann mal und wenn wieder irgendwo der Schuh drückt, dann weißt du, wo du mich finden kannst" meinte Dirk überfreundlich. Die Frau ging ohne zu zögern an Katja und Ben vorbei, wobei sie ihnen keines Blickes würdigte. Als sie draußen war, sah Dirk die beiden Kollegen an. "So und mit euch beiden hab ich auch noch ein Hühnchen zu rupfen", meinte er und machte eine einladende Bewegung in sein Büro.

Die beiden standen widerwillig auf und begaben sich vor Dirks Schreibtisch.
„Könnt ihr nicht einfach mal machen, was die Leute euch sagen?“, tadelte er sie, „ihr könnt doch nicht selber entscheiden, ob die Anzeige nötig tut oder nicht und vor allem nicht bei so einem Fall, was denkt ihr euch eigentlich“, zickte er sie an.
„Dann soll die halt nicht persönlich werden“, verteidigte Ben sie.
„Woher soll Hannah denn wissen, wie ihr zueinander steht, ihr wisst das ja selber nicht einmal“, meinte Dirk nur kopfschüttelnd, „das muss sich echt mal wieder einrenken!“
Ben war genervt, warum musste er sich jetzt so aufspielen?

"Dirk, lass gut sein. Wir haben zwar manchmal eine kleine Meinungsverschiedenheit, aber das heißt noch lange nicht, dass wir nicht wissen, wie wir zueinander stehen", wollte sie sich und ihren Kollegen nun ebenfalls verteidigen.
"Kleine Meinungsverschiedenheit nennst du eure Streitereinen noch?", fragte Dirk nun mit einem kleinen Grinsen auf den Lippen. "Am Besten ihr zwei geht jetzt erstmal nach Hause und schlaft euch aus. In einer halben Stunde ist eh Dienstschluss und ihr wirkt heute schon den ganzen Tag ein wenig gestresst".

Das ließ Ben sich nicht zweimal sagen und hielt seiner Kollegin die Tür Richtung Aufenthaltsraum auf, sie gingen den Flur entlang.
„Siehst du, war doch gar nicht schlimm, der kann sich das Lachen auch nicht verkneifen“, meinte er und legte spontan seinen Arm um seine Kollegin, „wann sollte ich heute Abend noch mal kommen?“, fragte er und tat als ob er die Uhrzeit vergessen hätte.

Sie sah ihn verwundert an. Warum hatte der denn jetzt so gute Laune? Sie war völlig geschafft vom Tag, der wirklich stressig gewesen war. Erst hatte sie den ganzen Morgen über mit ihrem Kollegen gestritten, dann waren da noch Benjamin Mellert und diese komisch Frau gewesen. Aber sie wollte ihm jetzt nicht die gute Laune verderben und gab nicht zu, dass sie heute Abend lieber allein sein wollte. Sie sagte stattdessen: "Um Acht wäre gut, dann kann ich mich in Ruhe fertig machen."

„Gehen wir zum Italiener um die Ecke?“, fragte er sie, denn ihm fiel ein, dass der letzte Woche erst aufgemacht hatte und außerdem musste man sich da nicht so fürchterlich rausputzen, auf einen Anzug hatte er heute nämlich wirklich keine Lust.
Als sie an der Tür zum Aufenthaltsraum waren, ließ er sie wieder los und sie gingen rein.

"Von mir aus, dann brauchen wir auch nicht so weit zu fahren."
Sie zog sich fertig um und verließ zusammen mit ihm das Revier. Draußen stiegen beide in ihre Autos.
Katja ließ sich zu Hause erst einmal eine Badewanne ein. Immer wenn sie sehr gestresst war tat sie das, da es sie entspannen ließ und das war genau das, was sie jetzt brauchte. Nachdem sie eine halbe Stunde in dem heißen Badewasser gedöst hatte, trocknete sie sich ab und ging zu ihrem Kleiderschrank, um sich frische Klamotten herauszusuchen. Allzu schick brauchte sie ja nicht sein, da sie nur zum Italiener wollten. So brauchte sie nicht lange, um sich anzuziehen, zu schminken und die Haare zu fönen. Als es kurz vor Acht klingelte, war sie noch nicht ganz damit fertig.

Als Katja Ben die Tür öffnete, musste er feststellen, dass sie wie immer super aussah.
„Hi, willst du dir nicht noch die Haare föhnen?“, fragte er, als sie ihn begrüßt und reingelassen hatte.

"Was du nicht sagst", erwiderte sie grinsend. "Willst du noch was trinken, während ich mir die Haare föhne?"

„Nee, danke. Dir geht es ja anscheinend wieder besser“, sagte er zufrieden und schaute glücklich in das lächelnde Gesicht seiner Kollegin.

"Ja, ich habe ein Bad genommen und das hilft eigentlich immer gegen den Stress vom Tag." Sie föhnte sich die Haare und sagte zu Ben: "Irgendwie komisch, dass wir uns heute doch noch zusammenraufen konnten."

Er fand das nicht komisch und verstand nicht, was sie meinte, also sagte er lieber gar nichts dazu. Er ging ans Fenster, von da aus konnte er sie im Bad beobachten. „Mit offenen Haaren gefällst du mir besser“, sagte er nebenbei und sah kurz zu ihr, um dann wieder aus dem Fenster zu sehen.

Sie überlegte kurz, ob das jetzt ein Kompliment war oder ob er dieses wirklich nur so nebenbei meinte wie er es gesagt hatte. Aufgrund seines Blickes nahm sie es jedoch als Kompliment auf. Sie kam aus dem Bad, blieb dann in der Tür stehen und sah einen Moment lang zu ihm, was er allerdings nicht sehen konnte. Sie hatte noch immer keine große Lust heute Abend wegzugehen. „Wollen wir dann jetzt los? Oder lieber hier bleiben und die Pizza von dem Italiener bestellen? Der hat auch eine Bringdienst“, sie guckte ihn gespannt an und als sie in das vorerst verwunderte Gesicht ihres Kollegen sah, fügte sie noch „hab keine Lust noch groß wegzugehen“, hinzu.

„Doch noch geschafft, was?“, drehte er sich um und lächelte sie an, „wenn du lieber hier mit mir alleine sein willst, gerne,“ meinte er mal wieder mit seiner Ironie in der Stimme.

Sie überhörte den Satz, sagte stattdessen: "Gut, ich such mal schnell die Nummer", und ging zum Telefonbuch.

Er setzte sich in der Zwischenzeit auf das Sofa und begutachtete ihre CD Sammlung, als sie einige Zeit später wieder im Raum erschien.
„Man könnte meinen, dass das die CD Sammlung von meiner Schwester ist“, sagte er, während er weiter draufstarrte.

"Ja, ich hab früher mal CD gesammelt, mittlerweile stauben sie da aber mehr oder weniger ein", antwortete sie und setzte sich mit Telefonbuch neben ihn.

Während Katja dieses durchblätterte, begann Bens Handy zu klingeln, der typische Nokiaklingelton wurde immer lauter, bis Ben bei der höchsten Lautstärke sein Handy endlich aus der Hosentasche gekramt hatte.
„Ja“, meldete er sich, „Ben Kessleer.“ Doch kaum hatte er das gesagt, nahm er das Telefon schon wieder vom Ohr und starrte auf den Bildschirm, „aufgelegt.“

"Konnte man sehen wer es war?", fragte Katja, die gerade Numemr des Italieners gefunden hatte. "Was willst du denn für eine Pizza?"

„Salami Pizza, esse ich doch immer“, meinte er und sah sie prüfend an, „keine Ahnung, wer das war“, zuckte mit den Achseln und legte das Handy auf den Tisch vor sich.
"Gut, dann bestelle ich jetzt!" Als sie fertig war, ging sie in die Küche und kam mit zwei Tellern, Besteck und einer Flasche Rotwein und zwei Gläsern wieder.

Ben machte sich in der Zwischenzeit an seinem Handy zu schaffen, das immer wieder klingelte. Doch er war nicht schnell genug, um abzunehmen, da derjenige nach einem mal Klingeln wieder auflegte. „Ich lass mich doch nicht verarschen“, regte er sich auf und starrte verbittert auf das Telefon in seiner Hand.

"Sag mal bist du jetzt zu doof zum Telefonieren? Männer und Technik!", sagte Katja und nahm ihrem Kollegen das Handy aus der Hand, um selber beim nächsten Klingeln ranzugehen.

„Ey“, sagte er verdutzt, als sie ihm das Telefon aus der Hand gezogen hatte, „das wird bei dir auch nicht klappen und wenn, dann legt sie eh auf, oder er.“

"Wetten, dass es doch klappt?" und im nächsten Augenblick fing das Handy schon an zu klingen. Katja drückte blitzschnell auf den Annahmeknopf und fragte "Ja?". Und tatsächlich, sie hatte den Anrufer am anderen Ende an der Leitung. Sie warf Ben einen triumphierenden Blick zu.
"Warum rufst du denn die ganze Zeit an und meldest dich nie wenn Ben dran geht, Benni?", fragte sie und horchte gespannt.

Doch in ihrem halben Satz hatte der Anrufer schon wieder aufgelegt. „Da hat jemand zu viel Geld“, meinte Ben, stand auf, nahm ihr das Handy aus der Hand und sah sie dabei ebenfalls triumphierend an.

"Du braucht gar nicht so siegessicher zu gucken. Ich habe wenigstens schon jemanden an der Leitung gehabt, du brauchst ja schon zu lange, um überhaupt abzunehmen."

Sie standen sich gegenüber, als Ben das Handy auf lautlos stellte, „Hauptsache Frau Metz hat mindestens dreimal am Tag was besser gemacht als ihr Kollege“, sagte er, als das Display erneut aufleuchtete.

"Genau Herr Kessler, Frauen sind den Männern eben einfach überlegen!", entgegnete sie und versuchte die Weinflasche mit dem Korkenzieher zu öffnen.

Sein Handy legte er auf den Tisch und wollte, bevor sie es noch weiter versuchen konnte, Korkenzieher und Flasche an sich nehmen, wobei sich ihre Hände streiften. Ben starrte kurz auf ihre Hand und sah ihr dann in die Augen.

Sie schaute zurück und war ebenfalls ein wenig irritiert. Ein Moment lag Stille zwischen ihnen. Dann gab sie ihm bereitwillig die Flasche.

„Du gibst aber schnell auf“, wollte er die Stille durchbrechen und sah ihr noch immer in die Augen.  Er überlegte, was er jetzt noch sagen sollte, die Flasche wollte er nicht aufmachen, also sah er sie weiterhin eindringlich an, mit diesem Blick schien er sie ein wenig in die Enge treiben zu können, so genoss er dies ein wenig.

Sie wusste nicht wie ihr auf einmal geschah. Warum schaute Ben auf einmal schon wieder so komisch? Ihr wurde ein wenig unwohl zumute, obwohl es zugleich auch ein schönes Gefühl war.

„Du bist immer noch total angespannt, so schlimm war das doch heute auch nicht, wie soll ich das denn wieder gutmachen?“, fragte er und öffnete die Flasche, um dieser merkwürdigen Situation und Stille zu entkommen.

"Joa, ein wenig, aber es geht schon. Du brauchst aber nichts wieder gut zu machen. Ich werd schon drüber hinwegkommen!" Sie nahm das Glas Wein, was Ben ihr gerade eingeschenkt hatte, als es klingelte. "Das wird wohl unsere Pizza sein." Sie stand auf und ging zur Tür, um die Pizza entgegenzunehmen.

Das war wieder Katjas Art sich möglichst von ihm zu distanzieren. Aber er eilte ihr schnell hinterher, um die Pizza selber zu bezahlen, denn gerade als sie ihr Portemonnaie rausholen wollte, kam er ihr zuvor, „Ich mach das schon“ und nahm die Pizzas an sich..

"Halt, gib die wieder her!", rief Katja gab der Tür einen Schups, nahm ihm die Pizzas wieder ab,  flüchtete ins Wohnzimmer und dort auf das Sofa.

Ben sah ihr mit einem überraschten Blick hinterher, bis er schließlich selber langsam zu ihr ging, gegen die Wohnzimmertür lehnte und sie beobachtete.

Katja spürte den Blick von Ben, der noch immer an der Wohnzimmertür stand. Sie guckte hoch und sah wie erwartet genau in sein Gesicht. "Is was?", fragte sie.

„Nee, was soll denn sein“, erwiderte er mit einem Lächeln, ging langsam auf sie zu und hielt dabei diesen Blick.

"Weiß ich auch nicht, aber wenn nichts ist, dann brauchst du auch nicht die ganze Zeit so zu gucken, als wenn ich einen Fleck im Gesicht habe", antwortete sie mit einem Grinsen im Gesicht. "Hab ich doch nicht oder?" Sie hatte dabei die Pizza, die sie noch immer in der Hand hielt, fast vergessen.

„Wir sind doch noch angespannt, Frau Kollegin“, meinte er und setzte sich neben sie, „umdrehen“, befahl er.

"Ich und angespannt? Vorhin vielleicht aber jetzt nicht mehr!", meinte sie, überlegte einen Moment, ob sie sich wirklich umdrehen sollte, was sie schließlich tat.

Er lächelte zufrieden und legte seine Hände auf ihre Schultern, dann begann er zu massieren, „als ob du einer Massage von mir wiederstehen könntest“, sagte er, während er seinen Massagekurs voll und ganz verwendete.

"Ich glaub schon, dass ich dem wiederstehen könnte, aber du darfst ruhig weitermachen, da hab ich nichts dagegen", entgegnete sie und genoss die Massage ihres Kollegen.

„Also ich glaube, das brauchst du öfter mal“, stellte er fest, als er ihre Verspannungen zu lösen suchte. Plötzlich vibrierte Bens Handy, welches noch immer auf dem Tisch lag , „nicht schon wieder“, murmelte er.

"Oh nein, der mysteriöse Anrufe wieder", stöhnte Katja. "Mach doch einfach mal dieses doofe Handy jetzt aus, wenn sich da sowieso niemand meldet."

„Nö, dann müsste ich ja meine Hände von meiner hübschen Kollegin nehmen“, meinte er ohne große Anteilnahme an ihrem Vorschlag das Handy auszumachen zu nehmen.

"Schon wieder ein Kompliment, Herr Kollege?, fragte sie und wunderte sich, dass Ben ihr heute so vieler Komplimente dieser Art machte.

„Und Frau Metz hat es widerstandslos angenommen“, tat er beeindruckt.

"Ey, wirst du jetzt unverschämt? Als wenn ich nie deine Komplimente annehmen würde," sie schüttelte lächelnd den Kopf.

Ihr Lächeln konnte er  zwar nicht sehen, aber ahnen und beschloss darauf lieber nichts zu sagen, so glitt er mit seinen Händen gekonnt an eine andere Stelle „Hier?“, fragte er und massierte fleißig, weniger sanft als zuvor.

"Mhmm", sagte sie. Plötzlich fiel ihr die Pizza wieder ein. "Was machen wir denn mit der Pizza? Die ist gleich eiskalt."

„Wenn du lieber Pizza isst, bitte“, bot er ihr lächelnd an.

"Ne so war das nicht gemeint. Du massierst schön weiter, dass ist wirklich genau das, was ich nach so einen Tag brauche."

„Massierst du mich eigentlich gleich auch noch, oder muss ich alleine schuften?“, fragte er ganz vorsichtig.

"Was ist denn das bitte für eine Frage? Du musst natürlich alleine schuften, ich hab mir das im Gegensatz zu dir auch verdient.", antwortete sie frech.

„Also mal nicht so frech, ich kann auch aufhören“, sagte er und stütze seine Hände auf seine Knie.

"OK, du kannst zwar aufhören, aber dürfen tust es nicht. Wenn du keine Lust mehr hast, dann kann ich ja jetzt auch die kalte Pizza in den Müll bringen", meinte sie und machte mit einem Lächeln Anstalten aufzustehen.

Doch schnell lag seine Hand auf ihrer Schulter und drückte sie mit sanfter Gewalt hinunter, dieses mal saß sie nicht mit dem Rücken zu ihm und so waren ihm ihre Augen dieses Mal sehr viel näher als sonst. „Wenn man dich erst einmal festhält, darf man dich auch nicht mehr loslassen“, sagte er ein wenig vorwurfsvoll, mit eindringlichem Blick und legte vorsichtig seine Hand um ihr Hüfte.

"Tja, so bin ich", entgegnete sie. Katja war ganz schön verwundert über ihren Kollegen und auch über sich selbst. Sonst hatte sie ihn nie näher an sich herankommen lassen und nun? Da saß er ganz dicht bei ihr und hatte seinen Arm um ihre Hüfte gelegt. Doch was sie am meistens wunderte, es störte sie überhaupt nicht. Ganz im Gegenteil, es erzeugte sogar ein leichtes Kribbeln.

Nun glitt seine Hand von der Schulter langsam und zögernd zu ihrem Hals, er kam ihr näher, zog sie dabei sanft zu sich.

Sie wusste zuerst nicht wie ihr geschah und überlegte einen Moment, ob sie sich wehren sollte. Entschied sich dann aber dagegen.

Und als sie sich näher nicht hätten sein können, da berührten seine Lippen die ihre. Er gab ihr einen vorsichtigen, zärtlichen Kuss und nahm sie dabei fester in den Arm.

Sie zögerte einen Augenblick und versuchte sich vorsichtig gegen den Kuss zu wehren, indem sie den Kopf ein wenig zurückzog, gab dieses jedoch schnell auf und ließ Ben gewähren. Sie schloss die Augen, legte die Hände an seinen Hinterkopf und erwiderte den Kuss.

Er war Erleichtert, als sie aufhörte sich zu wehren, erleichtert, dass sie das Gleiche zu fühlen schien und so wurde der Kuss immer leidenschaftlicher.

Katja spürte wie Ben sie nun langsam immer weiter nach hinten drückte, als sie plötzlich das Gleichgewicht verlor und mit dem Rücken auf dem Sofa landete.

Er war über sie gebeugt und spürte schnell wieder einen langen Kuss und als sie ihn schließlich lieb und ein wenig ängstlich anlächelte wusste er, dass sie ein bisschen sauer auf ihre Vernunft war, doch diese würde schnell vergessen werden, ganz im Vergleich zu der Nacht ...

Am nächsten Morgen wachte Katja vor Ben in ihrem Bett auf. Sie musste einen Moment überlegen, bis ihr die Geschehnisse des Abends und der Nacht wieder einfielen. Sie musste unwiderruflich feststellen, dass es ihr sehr gefallen hatte und sie sich wünschte, dass es länger anhielte. Plötzlich bewegte sich Ben neben ihr und sie beugte sich zu ihm hinunter, um ihm einen Kuss auf den nackten Rücken zu geben, da sein Gesicht in das Kissen gegraben war. Vor Glück vergaß sie sogar an Folgen im Dienst zu denken.

Als er den Kuss auf seinem Rücken spürte, wurde er wach. Auch ihm gingen einige Gedanken durch den Kopf, doch viel mehr war es die Nacht, der Abend und der Tag zuvor.
Er drehte sich müde zu ihr und konnte nicht umhin sie einfach nur glücklich anzusehen, bis er ihr nach einigen Blicken einen guten Morgen wünschte.

"Guten Morgen", wünschte diese ihm zurück. Sie hielt dem Blick einige Sekunden stand, bis ihr dann doch der Gedanke an den Dienst kam und sie schnell auf die Uhr sah. Es war bereits halb acht und die hatten nur noch eine halbe Stunde bis Dienstbeginn. "Scheiße", fluchte Katja, sprang auf, suchte ihre Sachen zusammen und rannte ins Bad um noch schnell zu duschen.

Ben verdrehte die Augen und sah Katja lächelnd bei ihrer Eile zu. Nach einem etwas bösen Blick von ihr stand er dann aber doch auf, wusste allerdings nicht so recht, was er von der jetzigen Situation halten sollte. Er konnte sich vorstellen, dass es ein bisschen dauerte, bis sie mit Duschen fertig war und so beschloss er erst einmal Kaffee aufzusetzen, um anschließend selbst schnell duschen zu gehen. Zu seiner Überraschung erblickte er sie schon acht Minuten später wieder in der Küche.
„Das ging aber schnell“, meinte er lächelnd, gab ihr schnell einen Kuss und verschwand selbst rasch im Bad.

Während Ben duschte, nahm Katja sich einen Kaffee und setzte sich an den Küchentisch. Hunger hatte sie keinen wie das bei verliebten ja oft war, dachte sie. Sie konnte es nicht glauben, sie hatte eine Nacht mit ihrem Kollegen Ben verbracht, mit dem sie zuerst nicht zusammenarbeiten wollte, weil er sie nur genervt hatte. Aber hatte er sie wirklich genervt? Vielleicht am Anfang, aber dann konnte sie nicht anders als mit ihm zu streiten, das war irgendwie immer eine Art Reflex gewesen auf diese Art auf seine Sprüche zu reagieren.

Und es hatte kaum drei Minuten gedauert, als sie plötzlich seine Hände auf ihren Schultern spürte. Er wusste nicht, ob er jetzt mit ihr sprechen musste, sprechen über das, was auf sie zukommen würde, doch er ließ es, dafür würde sich wohl noch Zeit finden.
„Ich glaube, wir müssen uns dann mal beeilen“, flüsterte er ihr ins Ohr, woraufhin er sie dann küsste.

"Ja glaub ich auch, wir kommen eh schon zu spät!" Nach einer kleinen Pause fragte Katja dann: "Was meinst du, sollen wir zusammen zur Wache fahren und die blöden Blicke der Kollegen auf uns nehmen oder lieber getrennt? Dann müssen wir uns aber jetzt schon voneinander trennen."

Ben zog sie demonstrativ vom Stuhl hoch und schloss sie in seine Arme, „ist wohl besser, wenn wir getrennt fahren“, musste er sich eingestehen, „hoffentlich merken die erst mal nichts.“

"Was ist denn, wenn sie es doch merken? Ich meine als Harry und Henning damals zusammen waren hat man es auch sofort gemerkt. Die beiden konnten sich nie mehr in der Gegenwart eines Kollegen in die Augen schauen und waren ständig unterwegs..." Katja überlegte, ob man es ihnen beiden wohl auch anmerken würde, dass sie jetzt mehr für einander empfanden als früher. "Aber du hast vielleicht recht, wir sollten erstmal getrennt fahren, fährst du zuerst?", fragte sie.

„Also ich schau dir gerne in die Augen“, sagte er und sah sie an. „Katja Metz zu spät zum Dienst? Nie und nimmer, du fährst zuerst“, sagte er und ließ sie noch immer nicht los.

"Jawohl, Herr Kessler ich fahre zuerst", entgegnete sie lachend, drücke ihm ihren Wohnungstürschlüssel in die Hand und wandte sich zum Gehen. Als sie fast bei der Tür angekommen war, drehte sie sich um, ging zurück und gab Ben noch einen leidenschaftliche Kuss. "So, das muss bis heute Abend reichen", meinte sie grinsend und ging nach draußen.

„Klar, Frau Unnahbari“, meinte er und zwinkerte ihr zu, als sie die Tür schloss. In drei Minuten würde der Dienst beginnen und er entschied einfach zehn Minuten später zu kommen, das erregte dann vielleicht keinen Verdacht und in der Zeit könnte er sich dann eine Ausrede einfallen lassen und die Küche aufräumen.


Als Katja bei der Wache ankam, guckte sie auf die Uhr, sie war lediglich 5 Minuten zu spät.
Sie ging rein und würde sogleich fröhlich von Nicki begrüßt werden, die schon fertig umgezogen hinter ihrem Schreibtisch stand und mit Dirk redete. Dieser guckte jedoch gerade zufällig auf die Uhr als Katja reinkam. "Na heute sind wir aber ein bisschen spät was? Hast du verschlafen oder wie? Das ist dir doch noch nie passiert, du bist doch höchstens wegen eines Arzttermines zu spät gekommen." Plötzlich schien ihm Ben einzufallen und er fügte zu Nicki gewandt hinzu:" Und wo ist Ben? Der ist doch auch noch nicht da, oder?"
"Tja, kann doch jedem Mal passieren", entgegnete Katja, indem sie die Frage nach Ben ungehört ließ und zum Umziehen Richtung Aufenthaltsraum verschwand.

„Jetzt sei doch nicht so pingelig“, tadelte Nicki ihren Chef.
„Ich mein ja nur“, sagte er achselzuckend und verschwand wieder in seinem Büro.
Zehn Minuten später traf Ben dann auch in der Wache ein, Lothar und Nicki saßen am Schreibtisch.
„Wir sind zu spät“, sagte Lothar ohne aufzusehen.
„Danke, weiß ich selbst“, sagte Ben und ging ohne Lothar eines Blickes zu würdigen Richtung Aufenthaltsraum, doch da lief er direkt in Dirks Arme.
„Wo kommen wir denn her?“, fragte Dirk gleich.
„Mein Gott, ich bin einmal zehn Minuten zu spät, das wird ja wohl nicht so schlimm sein“, sagte Ben zu seiner Verteidigung.
„Das habe ich auch gar nicht behauptet, ich will nur wissen, was los war“, meinte Dirk gleichgültig.
„Meine Mutter hat angerufen und die ließ sich nicht abwimmeln“, meinte Ben und hätte sich im nächsten Moment auf die Zunge beißen können, wollte er sich nicht eine Ausrede einfallen lassen, aber das hatte er ganz vergessen.

"Ach die Mama also, die war’s ja immer, wenn man selber in brenzlige Situationen kommt", meinte Dirk und drehte sich schnell zu seiner Bürotür, da er grinsen musste. Katja war bereits umgezogen, kam nun dazu und fragte ganz scheinheilig:" Was ist den los?" Dabei konnte sie sich einen liebevollen Blick in Bens Richtung nicht verkneifen.

„Jetzt mach du nicht auch noch einen Aufstand, dass ich zu spät bin“, meinte Ben und war ein bisschen stolz auf seine gespielt zickige Antwort, auch wenn es ihm im nächsten Moment schon wieder leid tat sie so anzufahren und so zwinkerte er ihr zu, in der Hoffnung, dass nur sie das bemerken würde. Damit hätte er auch richtig gelegen, wenn Nicki nicht zufällig in seine Richtung geschaut hätte, sie lächelte allerdings nur geheimnisvoll. Bevor noch irgendwer etwas erwidern konnte, hatte er den Wachraum verlassen, um sich umzuziehen.

"Hat irgendwer schon Kaffee gemacht?", fragte Katja und sah Nicki und Lothar erwartungsvoll an.
"Ja, aber den haben schon wieder alle so schnell ausgetrunken, dass ich mir nicht mal einen nehmen konnte", entgegnete Nicki grinsend. Katja seufzte: "Na dann will ich mich mal opfern und uns  beiden Neuen machen gehen." Sie ging in den Aufenthaltsraum, wo Ben gerade seinen Schrank zumachen wollte.

„So, Frau Kollegin, von mir aus können wir den Dienst antreten“, sagte er gespielt ernst und ging mit klaren Absichten auf sie zu.

"Meinst du wirklich, Kollege? Aber ich finde auch, wir sollten erst einmal  auf Streife fahren, damit wir hier wegkommen", antwortete sie Ben mit einem Zwinkern.

Doch kaum hatte sie sich versehen, war sie in den Armen ihres Kollegen in einem Kuss gefangen.


Sie konnte ihm nicht widerstehen, löste sich dann aber doch von ihm. „Mensch Ben, doch nicht hier! Wenn das die Kollegen mitbekommen“, schimpfte sie scherzhafter Weise mit Ben.
Lass uns nachher doch irgendwo eine kleine Pause und einen Spaziergang machen, da sind wir dann auch ein bisschen ungestörter.“  
„Die sind doch alle am Arbeiten“, sagte er unvernünftiger Weise, ließ sie dann aber schließlich los, zum Glück, denn Nicki öffnete plötzlich die Tür. Ertappt sahen die beiden sie an.

„Vater und Sohn Mellert und Frau Lothringen sind wegen des Taschendiebstahls gestern gekommen. Sie warten im Büro auf euch“, berichtete Nicki. Sie machte den Eindruck als hätte sie nichts bemerkt.
„Ja, wir kommen gleich, ich will nur noch schnell eine Tasse Kaffee einschütten“, sagte Katja und ging zur Kaffeemaschine.
„Okay, dann sag ich, dass ihr gleich kommt“, meinte Nicki und schloss die Tür wieder.
„Siehste, dass meinte ich eben. Von wegen alle Kollegen arbeiten. Selbst wenn sie arbeiten, sie arbeiten mit uns zusammen.“ Katja sah Ben erwartungsvoll an. „Vielleicht sollten wir es ihnen doch sagen, dann müssen wir uns nicht mehr verstecken.“

„Och, hat doch auch seinen Reiz“, meinte er und holte eine Tasse für sie. „Nicht, dass wir das nötig hätten, aber Dirk wäre wohl wenig begeistert, oder? Der hatte doch bestimmt nie was mit ner Kollegin“, meinte Ben.

„Das glaubst aber auch nur du“, sagte Katja als sie auf dem Weg aus dem Aufenthaltsraum waren. „Der war mal mit seiner ersten Partnerin hier auf dem 14. Revier zusammen. Sie ist aber bei der Suche nach einer Frau vergiftet worden.“ Sie überlegte einen Moment. „Vielleicht hast du aber Recht, es ist doch ganz reizvoll ein kleines Geheimnis gegenüber den Kollegen zu haben.“

„Eben, so jetzt erst mal zu meinem Freund Benni“, sagte Ben abschließend und schritt mit ihr Richtung Tür, „und den Rest kriegen wir schon, du bist ja eh Dirks Liebling.“

„Einer muss uns ja hier eine gute Ausgangsituation bieten, wenn du schon immer zu spät zum Dienst kommst und dich so unbeliebt machst.“ Sie musste lachen, warf Ben noch einen letzten Blick zu und eilte voran.

Sie betraten das Büro, in dem ihre drei Kandidaten schon saßen. „Morgen“, meinte Ben kurz zur Begrüßung und wollte schon loslegen, doch die Frau Lothringen unterbrach ihn.
„Eigentlich kann ich schon gehen“, sagte sie dem Beamten, „wir haben uns gerade geeinigt, ich verzichte auf eine Anzeige, ich kenne den Jungen und na ja, ist alles kompliziert, auf jeden Fall geht das schon in Ordnung, er wird den Garten für mich machen, wirst du doch, nech, mein Junge?“
„Ja“, gab dieser zurück, sah peinlich berührt zu Boden und sah dann Ben an.
„Sind Sie sich sicher?“, harkte Ben nach.
„Sie haben es doch gehört, Herr Kessler, auch wenn Sie das meinem Sohn nicht mehr gönnen, dass er auch mal Glück hat“, sagte der Vater des Jungen.
„Papa, höre auf“, befahl der Sohn, „du hast schon wieder ...,“ begann er, doch nach einem Blick seiner Vaters stoppte er.

„Okay, ich würde sagen, dass Sie dann wirklich gehen können, Frau Lothringen. Es ist Ihre Entscheidung.“ Sie beobachtete die alte Dame wie sie ihre Tasche nahm und sich langsam auf den Weg nach draußen machte.
„Sie können auch gehen, Herr Mellert. Wir haben noch eine paar Fragen an ihren Sohn und Sie müssen sicher zur Arbeit.“
„Ich muss heute nicht zur Arbeit“, entgegnete Herr Mellert. „Aber mein Sohn muss in die Schule.“
„Da kümmern wir uns drum, wir bringen ihn, wenn wir hier fertig sind schnell vorbei.“
Herr Mellert sah Katja eindringlich an. „Ich habe ein Recht bei der Befragung meines Jungen dabei zu sein. Wer weiß, was sie ihn hier alles fragen.“
„Papa, lass gut sein. Ich bin alt genug, um mit der Polizei zu sprechen. Du hast doch gestern Abend selbst gesagt, dass ich nun selber sehen kann, wie ich aus dieser Situation wieder rauskomme.“

Mit einem wütenden Blick verließ der Vater den Raum, dabei rannte er Frau Lothringen beinahe um, doch sie warf ihm nur einen empörten Blick zu. Die Tür fiel ins Schloss.
„Was wollt ihr denn noch?“, fragte Benni, „Also Sie“, fragte er verwirrt, als er Katja ansah, die er eigentlich siezen musste.
„Geht schon in Ordnung“, sagte Ben an ihrer Stelle und wandte den Blick mühevoll von ihr ab.
„Was ist bei euch los?“, fragte Ben, „ich will das jetzt wissen, wir haben noch anderes zu tun und warum zum Teufel rufst du mich ständig an?“
Benni schluckte, „warum hast du mich alleine gelassen, damals?“, fragte er ihn vorwurfsvoll.
„Das weißt du doch und es war auch deine Entscheidung“, sagte Ben, „ aber das ist doch etwas, was man wieder ändern kann, du musst mir aber jetzt dann schon sagen, was los ist.“

Benni schien einen Moment zu überlegen und Katja hielt es für richtig in diesem Moment nichts zu sagen. Der Junge würde schon gleich selber anfangen zu reden.
„Ja, also, ähm“, begann Benni zu stottern. „Bei uns ist nichts los im Moment. Und angerufen habe ich dich, weil ich fragen wollte, ob ich für die Schule entschuldigt bin.
Jetzt schaltete sie sich doch ein. „Benni?!“ Sie sah ihn einen Moment eindringlich an. „ Du glaubst doch nicht wirklich, dass du Ben den ganzen Abend anrufst, um nach einer Entschuldigung zu fragen. Und selbst wenn, warum hast du dann zum Teufel immer wieder aufgelegt?“ Sie wusste das Benni etwas bedrückte.

„Ich wollte doch nur, dass du“, und er sah Ben an, „dass du rüberkommst, aber irgend so eine Tusse war ja wieder wichtiger, wie immer“, schloss er und sagte nichts mehr, er schien über seine Ehrlichkeit überrascht.
„Du meldest dich aber auch nur, wenn du Probleme hast“, als du deine Clique hattest, wer hat denn da“, begann Ben sich aufzuregen.

Aber Katja fiel ihm sofort ins Wort. „Jetzt mach mal halblang Ben. Und du auch Benni!“ Sie sah vom Einem zum Anderen. „Kann man nicht versuchen wie vernünftige Menschen die Sache zu regeln? Müsst ihr euch da die ganze Zeit Vorwürfe machen? Durch die wird das Ganze definitiv auch nicht viel besser“, versuchte sie mit möglichst viel Nachdruck zu sagen. „Ach und Benni, die Tusse, die gestern mal wieder wichtiger war, die war übrigens ich.“ Sie musste das loswerden.

Ben brachte ein Lächeln zustanden, das musste jetzt natürlich von ihr kommen.
„Na gut, wie auch immer“, wollte Ben die für Benni peinliche Situation beenden, „was wolltest du uns denn noch erzählen?“
„Mein Vater“, begann er und stand auf, „ach egal.“ Doch Katja hielt ihn am Arm, aber Benni entriss sich diesem.
„Verdammt, Ben, er säuft wieder“, sagte er und setzte sich wieder.
„Habe ich mir schon gedacht“, sagte Ben einfühlsam, „aber ohne dass er noch viel erwidern konnte, verschwand Benni und ließ die Tür geräuschvoll hinter sich zufallen.
Katja sah etwas geschockt aus und war überrascht, dass Ben einfach sitzenblieb.
„Hat keinen Sinn“, sagte Ben und legte ihr eine Hand auf die Schulter, „der lässt mich nicht mehr an sich ran, schon seit Jahren nicht mehr, vergiss es.“

„Ja und was sollen wir nun machen? Einfach zusehen wie die beiden weiter in ihr Unglück laufen? Man merkt doch deutlich, dass Benni sich irgendwie anders Aufmerksamkeit verschaffen will und wenn wir jetzt nichts machen, können wir damit rechnen, dass wir demnächst öfter einen Einsatz wegen eines gewissen Benjamin Mellerts fahren müssen.“ Katja wusste nicht, ob sie auf Ben hören sollte oder lieber nicht.

„Er wird wie immer zu seiner Tante fahren“, sagte Ben, „und dieses Mal wird er wohl für immer bleiben, das hat sein Blick beim Gehen gesagt.“ Ben schien kurz ein wenig verträumt zur Tür zu gucken und widmete seine Aufmerksamkeit dann doch lieber wieder seiner Partnerin. „Und wir zwei Hübschen, wie war das mit dem Park?,“ sagte er und sah sie verführerisch an, er war kurz davor sie wieder zu küssen.

Katja musste gegen ihren Willen lachen. „Dass du aber auch immer vom Thema ablenken musst.“ Sie sah ihm an, dass er sie wieder küssen wollte und legte ihm den Zeigefinger auf den Mund. „Nein, Ben lass mal, wir fahren auf Streife, da sind wir dann ungestörter. Ich hab zwar nichts dagegen, wenn die Kollegen von unserem Glück erfahren, aber wir müssen besonders Dirk da schon etwas anderes drauf vorbereiten.“

Er hörte nicht auf sie, nahm ihren Finger beiseite und küsste sie trotzdem kurz, dann lief er unschuldig an ihr vorbei, „kommst du?“

„Ja, ich will nur wenigstens den Autoschlüssel noch holen, sonst hast du es doch nie so eilig“, entgegnete sie. Jedoch musste sie sich selbst auch eingestehen, dass sie den Moment, in dem sie  mit Ben alleine sein konnte, nur schwer widerstehen konnte.
„Wir sind dann mal auf Streife“, rief sie ihren Kollegen zu, während sie den Autoschlüssel vom Haken nahm.

Als sie auf dem Weg nach draußen waren, klaute Ben ihr geschickt die Schlüssel und lief raschen Schrittes auf die Beifahrertür zu. Als sie eingestiegen war, meinte er nur „Ich wollte doch überzeugend sein, alles wie immer,“ er traute sich kaum sie anzusehen, tat es aber dann doch, mit einem Lächeln.

„Ja“, meinte sie tadelnd, „alles wie immer. Und wo fahren wir jetzt hin? Ich meine, wir wollten ja an einem ruhigen Plätzchen einen kleinen Spaziergang machen, außerdem haben wir eh gleich Mittagspause.“ Sie sah ihren Partner von der Seite an.

„Lass dich überraschen“, sagte er und fuhr los ...
Es war zwei Stunden her, vor zwei Stunden war der 14/2 weggefahren und Dirk sah gedankenversunken aus dem Fenster, als dieser dann doch wieder eintraf. Er eilte aus seinem Büro und fing sein junges Team vor der Tür ein, genauso wie Harry und Henning, die hinter ihnen liefen.
„Wo ward ihr denn so lange?“, fragte er vorwurfsvoll. Henning war etwas verwirrt, bis er begriff, dass er nicht gemeint war und ging mit Harry zum Schreibtisch.
„Wir sind Streife gefahren und haben Mittagspause gemacht“, sagte Ben wie beiläufig und hängte den Schlüssel, den er Katja widerstandslos aus der Hand zog, wieder weg,

„Ach, sieh mal einer an, Mittagspause habt ihr gemacht! So lange? Ich meine, ihr ward länger als zwei Stunden weg.“ Katja sah kurz zu Ben, setzte sich jedoch schnell an den Schreibtisch, um noch einen Bericht zu schreiben. Sie spürte förmlich den Blick von Dirk, der zwischen ihnen hin und her wanderte.
„Ja, wir waren wirklich ein bisschen länger weg, aber was ist denn daran so schlimm? Man konnte uns doch die ganze zeit erreichen über Funk oder habt ihr da andere Erfahrungen gemacht?“ Sie sah zwischen Lothar und Nicki hin und her, die inzwischen auch von ihrer Arbeit abgekommen waren. Warum standen in dieser peinlichen Situation nur gerade zufällig alle Kollegen einer Schicht im Wachraum und mussten mitbekommen, wie Ben und sie sich versuchten rauszureden.
Sie stand wieder auf, um einen Ordner unter dem Tresen hervorzuholen, auf dem Weg berührte sie zufällig kurz den Arm von Ben.

Ben missachtete diese Berührung und ging mit einem „Den Fall, den Nicki uns durchgefunkt hat, den haben wir doch erledigt, die Frau war echt nicht einfach“, meinte er zur Verteidigung und setzte sich dann an den Schreibtisch. Doch noch immer wurden sie von allen beobachtet, „was denn?“, fragte er in die Runde.
„Wir ham doch gar nichts gesagt“, meinte Dirk, „komisch, dass ihr euch so aufregt.“ Mit diesen Worten ging er lächelnd ins Büro. Nicki und Lothar grinsten sich zu und machten sich wieder an ihre Arbeit. Harry und Henning verschwanden achselzuckend im eigenen Büro, sie schienen, aus welchem Grund auch immer, etwas überrascht zu sein.

Katja schüttelte ein wenig verwirrt den Kopf. „Warum wir uns aufregen? Kein Wunder, wenn man hier so genau kontrolliert wird.“ Sie ging zu Ben an den Schreibtisch und sah ihn an.

Ben sah ihr in die Augen, aber nach einem Blick von Dirk aus dem Büro widmete er sich wieder dem Papier, „Schreibst du den Bericht?“, bat er sie, „ich ruf mal bei Benni in der Schule an, mal sehen, ob er da jetzt angekommen ist, eigentlich wollten wir ihn ja wieder nach Hause fahren.“ Ben hielt seine Taktik, jetzt nur noch von der Arbeit zu reden, am Besten, denn in diesem Raum gab es für alles andere zu viele gespitzte Ohren.

„Ja ist gut, ich schreibe solange den Bericht. Ich bin auch mal gespannt, ob Benni wirklich dahin gegangen ist oder ob er gerade wieder irgendwelche krumme Sachen macht.“ Sie warf Dirk noch eine letzten Blick durch das Fenster zu und machte sich dann an die Arbeit, um die restlichen, liegen gebliebenen Berichte der vergangenen Tage zu schreiben.

„Oh, so einig heute“, murmelte Lothar, woraufhin Nicki grinsen musste. „Benni ist in der Schule“, sagte Ben und legte auf. Wegen Lothar verdrehte er genervt die Augen und so sagten die Beiden unter unzähligen, verliebten Blicken, die sie sich unauffällig zuwarfen gar nichts mehr. Harry und Henning staunten allerdings nicht schlecht, als sie die Beiden bei einer dieser Blicke ertappten.
„Ein Blick sagt manchmal mehr als tausend Worte“, meinte Henning zu Harry, woraufhin er sich ihren Ellenbogen in seiner Seite einfangen musste. Ben und Katja schreckten peinlich berührt auf.

Katja konnte sich jedoch schnell wieder fangen und guckte die beiden unfreundlich an:“ Stimmt und dieser Blick sagt euch, dass ihr schnell Land gewinnen solltet.“

Ben, Katja, Einsatz“, kam es von Nicki, „Überfall auf eure Frau Lothringen, nur fünf Straßen weiter.“
„Machen wir“, sagte Harry, schnappte sich Henning und die beiden gingen raus.
„Das ist unser Fall“, wollte Ben sich beschweren. Nach einem Achselzucken von Nicki meinte er dann, „Ich gehe mir einen Kaffee holen, willst du auch einen?“, wandte er sich an Katja. Doch sie stand auf, um ihm zu folgen, „Auch gut“, erwiderte er darauf.

Als sie im Aufenthaltsraum angekommen waren, sagte Katja zu Ben: “Ben, so kann das hier nicht weitergehen. Ich komme mir irgendwie komisch vor. Alle nehmen uns unsere Arbeit ab und beobachten uns. Ich glaube ehrlich, sie haben etwas gemerkt, obwohl dass ja nun noch nicht so lange ist zwischen uns.“ Sie stand ihm nun gegenüber an dem Tresen der Küche und legte ihre Hand auf seine.

„Du siehst Gespenster“, meinte er, ging zu ihr und küsste sie, obwohl sie sich ein wenig dagegen zu wehren suchte. Sie hörten die Tür nicht aufgehen, das einzige, was sie hörten war Lothar, der ein „Sorry, wollte nicht stören“, stammelte und die Tür wieder schloss.
Lothar wusste nicht, was er davon halten sollte und als er im Wachraum in Nickis Gesicht sah, wusste er, dass sie ihm ansah, dass er etwas ganz bestimmtes gesehen haben musste, „ich hatte doch recht, was“, meinte sie grinsend. „Ich sage nichts“, behauptete er. „ich weiß es eh“, meinte Nicki, „das sieht man doch an ihren Blicken.“
„Was sieht man an welchen Blicken?“, fragte Dirk, der gerade auf Lothar zulief, um ihm eine Akte auf den Schreibtisch zu legen. „Nichts“, sagten die beiden einstimmig.

„Wie nichts, nichts kann ja nicht sein, sonst würdest du nicht so komisch gucken. Hast du auf dem Klo ein Monster getroffen oder was?“ Dirk fing an sich ein wenig über Lothar lustig zu machen.
„Ne, ich war gar nicht auf dem Klo, ich wollte mir nur einen Kaffee holen“, entgegnete Lothar leicht wütend, dass er wieder als verrückt abgestempelt wurde. „Geh doch selber gucken.“
„Wo gucken?“, fragte Harry, die gerade mit Henning von ihrem Einsatz wiederkam, Frau Lothringen war nicht bei ihnen.

„Mist, jetzt haben wir uns selber verraten“, meinte Katja ernst. „Warum können wir uns hier auch nicht zurückhalten? Ich meine, wir haben uns sie ganze Nacht gesehen und vorhin waren wir auch zusammen einen Spaziergang machen, da hätten wir ruhig bis heute Abend warten können.“ Sie guckte Ben einen momentlang schweigend an.

„Du kannst ja einfach mal versuchen hier weniger verführerisch rumzustehen“, wurde Ben keineswegs ernst und hielt sie noch immer im Arm, doch nach einem weiteren, eindringlichen Blick ließ er sie los. Gerade im richtigen Moment, denn Dirk stand plötzlich in der Tür, „Stör ich?“, fragte er ein wenig belustigt, denn nun schien auch für ihn die Situation klar zu sein, ließ sich allerdings nichts anmerken und ging Richtung Kaffeemaschine.


„Ich glaube bei Katja und Ben hat’s gefunkt“, sagte Nicki an Harry gewand, „Lothar hat’s gesehen, stimmt doch Lothar?“ Lothar sah etwas betroffen drein, er wollte nicht der sein, der nachher wieder Schuld war, wenn alle Kollegen am Tratschen waren.
„Das ging aber schnell“, meinte Henning belustigt und verdutzt zugleich.

„Tja, wo die Liebe hinfällt, ne Henning. Das musst du doch am besten wissen“, entgegnete Harry. „Ich kann jedoch nicht widerstehen, ich muss mir das auch mal angucken gehen. Die beiden sind doch echt von Anfang an ein potenzielles Liebespaar gewesen.“ Sie setzte sich in Richtung Aufenthaltsraum in Bewegung.

„Nee, du störst nicht, wieso auch? Hier kann doch jeder reinkommen,“ Katja setzte einen gespielt verwirrten Blick auf.
„Ja, gerade deswegen dachte ich“, antwortete Dirk. Er drehte sich um, als er die anderen plötzlich hinter sich stehen sah. „Was wollt ihr denn alle hier? Ist vorne nichts zu tun?“ Er sah sie erwartungsvoll an.
„Nee, Chef, wir haben ja auch in 20 Minuten Feierabend und wollten uns da noch mal einen Kaffee gönnen“, Nicki sah unschuldig in die Runde.
„Ach und ihr wollt alle auf einmal nur einen Kaffee? Was für ein Zufall!“ Langsam fand Katja die Situation auch sehr lustig.

Ben fand, dass die eine merkwürdige Situation war. Alle Kollegen standen im Aufenthaltsraum versammelt und wie ihm jetzt auch auffiel, stand er mit Katja in der Mitte, alle starrten sie an.
„Erwischt, was?“, meinte er und schaute seine Kollegen direkt an, während er dann doch die Arme um seine Kollegin legte.
„Scheint wohl so“, sagte Harry freudig grinsend.

Auch Katja nahm nun ihre Arme und legte sie um Ben. „Dann wollen wir euch wenigstens mal was zu gucken geben, wenn ihr uns schon den ganzen Tag so hinterherspioniert. Woher wisst ihr das eigentlich?“ Sie sah ihre Kollegen, immer noch mit Ben dicht umschlungen an.
„Na, das merkt ja wohl jeder. Erst beide zu spät zu Dienst und dann die Mittagspause unendlich lang, wo ihr doch eigentlich sonst selten länger als nötig zusammen unterwegs seid“, meinte Nicki.
Katja sah nun Ben lächelnd an. „Da haben wir uns dann wohl wirklich ein bisschen dumm angestellt.“
„Na ja“, meinte er lächelnd und sah ihr tief in die Augen.
Langsam näherten sie sich, aus einem kurzen Kuss wurde dann sehr viel mehr, sie vergaßen die Anwesenheit der anderen vollkommen, sie registrierten nur freudiges Lachen und ein verzweifeltes, nicht ernst gemeintes „Also nee, Kinners“, von Dirk.

„Irgendetwas habe ich mit dir falsch gemacht“, sagte Henning zu Harry, woraufhin sie lächeln musste.
„Viel Glück“, murmelte sie mit Tränen in den Augen, „viel Glück,“ sie sah gedankenversunken zu Katja und Ben.
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