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Mephisto

GeschichteDrama / P16
Jack Bauer
08.06.2007
08.06.2007
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* * * * *
Tony fixierte sein Ziel. Er war sich nicht sicher, was er erwartete, wusste lediglich, dass es anders sein würde, als alles bisher Dagewesene. Jack konnte unmöglich noch der sein, den er gekannt hatte, genausowenig wie er noch der Tony Almeida war, der vor wenigen Monaten als lebloser Körper aus der CTU transportiert worden war.  
Er konzentrierte sich auf seinen Weg durch die Dunkelheit, darauf ihn zurückzulegen ohne bemerkt zu werden, ohne dass seine Anwesenheit auch nur unbewusst von einem der Wachen gespürt werden konnte.
“Als Geist fällt vieles leichter,” lächelte er innerlich. “Nur, dass der Begriff nicht vollständig zutrifft.”
Verborgen in den Schatten näherte er sich langsam, aber unaufhaltsam der beinahe vergessenen Zelle.
* * * * *

Der Durst schmerzte höllisch, Jacks Mund fühlte sich an wie Sandpapier.
Sein Atem ging in kurzen, abgehackten Stößen, jede Bewegung seines Brustkorbes sandte spitze  Pfeile durch seine Lunge.
Doch das Schlimmste war es nach wie vor diesen fensterlosen Raum ertragen zu müssen, die Endlosigkeit, die Monotonie seiner Haft. Schwerer als die ständige Gier nach Wasser oder der quälende Hunger erwies es sich die Endlosigkeit zu überstehen, in die sich die Zeit ausdehnte, angefüllt mit Nichts, als den nicht enden wollenden Selbstvorwürfen, der Schuld, die ihn zu Boden drückte, der Sorge um das, was er verloren hatte, dem Wunsch all dem endlich entfliehen zu können.
* * * * *

Tony tastete sich vorwärts, lokalisierte Jacks Aufenthaltsort, versuchte ihn durch die Mauern, die sie trennten zu erreichen, ihm seines Beistandes zu versichern.
Er spürte ihn, hatte ihn gespürt, noch ehe er in das Gefängnis eingedrungen, noch bevor den gesicherten Trakt, der den namenlosen Gefangenen einschloss, betrat.
Seine Verzweiflung loderte wild, heiß und verzehrend in den wenigen Momenten, in denen der Überlebensinstinkt die Todessehnsucht zu überwinden vermochte.

Lautlos, unbemerkt von den lebenden Wesen um ihn, schlüpfte Tony in die Zelle, selbst ein Schatten, schweigsam und elegant.
Er wusste, dass die Dunkelheit Jack nicht daran hindern würde, ihn zu erkennen, dass es für ihn keinen Zweifel über die Identität des unerwarteten Besuchers geben könne, nicht geben dürfe.

Tony wartete, nahm den Anblick, der sich ihm bot, in sich auf, stellte sich dem Schrecken, der Abscheu, dem Mitleid, den unzähligen, wirren Gefühlen, die ihn ergriffen, sobald das dunkle Häuflein Mensch vor ihm Gestalt angenommen hatte.
Wie lange mochte er schon hier eingesperrt sein, ausgesetzt nicht nur der Einsamkeit, sondern auch den Qualen seines Gewissens, von denen er kein Entrinnen finden konnte.
Er war schmutzig, abgemagert, blonde Strähnen verbargen sein Gesicht. Bewegungslos verharrte er in seiner Position, gab Tony kein Zeichen, ob er das Herannahen des Freundes bemerkt hatte.
“Jack!”
Tony flüsterte seinen Namen leise, entschlossen den Anderen nicht zu erschrecken.
“Ich bin es, Jack, zeig mir, dass du wach bist.”
Ein beinahe unmerkliches Schaudern bewies ihm, dass er gehört worden war.
Ermutigt trat er einen Schritt näher, vorsichtig seine Hand ausstreckend, um den Jüngeren an der Schulter zu berühren.
Jack zuckte zusammen, wandte sich ab, ohne dass Tony seinen Gesichtsausdruck erkennen konnte.
“Was willst du von mir?”, erwiderte seine heisere Stimme schließlich, verströmte Zweifel und Furcht gleichermaßen.
Tony antwortete nicht, packte lediglich Jacks Schulter fester und drehte ihn zu sich.
Raue Lippen öffneten und schlossen sich wieder in Sprachlosigkeit, leere Augen weiteten sich.

“Du bist tot, Tony. Ich sah dich sterben... ich... .”
Die tonlosen Worte versiegten, der aufgerissene Blick durchbohrte den schlanken Körper, der  sich vor ihm aufrichtete.
Tonys Lippen zuckten, Wärme entströmte ihm, versprach Trost und Ruhe.
“Ich weiß, Jack”, antwortete er schließlich. “Es tut mir leid.”
“Wieso?” Zitternde Hände strichen das feuchte Haar aus der Stirn. Ein verächtlicher Zug erschien um den ausdrucksvollen Mund. “Was sollte dir leid tun? Ich bin es, der... .”
“Das bist du nicht,” erwiderte Tony. “Du trägst nicht mehr Schuld als Michelle, die mich verlassen musste oder als Henderson, der tat, wozu er gezwungen war. An dem Geschehenen können wir nichts ändern, und es ist auch nicht der Grund warum ich hier bin.”
“Warum... ?”
Jack verstummte. Sein Blick suchte die steinernen Wände des Raumes ab, musterte die fest verriegelte Tür.
“Du willst, dass ich fliehe? Wie... wie sollte das... .”
Seine ausgedörrten Lippen öffneten sich in Erstaunen.
“Ich verstehe nicht... wie bist du... ?”
“Denk nicht darüber nach, Jack. Dazu ist jetzt weder Zeit noch Gelegenheit. Wichtig ist nur, dass du mir vertraust.”
Blaugrüne Augen folgten hypnotisiert den Bewegungen seines Mundes, saugten den ungewohnten Anblick in sich auf.
“Du weißt, dass ich dir vertraue,” wisperte Jack unhörbar und doch für Tony deutlich vernehmbar. “Ich möchte nur... .”
Tony senkte seinen Kopf, beugte sich schließlich herab zu der immer noch kauernden Figur auf der Erde.
“Es wird alles in Ordnung kommen, ich verspreche es dir.”
“Aber wie?”
Starke Hände ergriffen die geschwächte Gestalt, zogen sie mühelos nach oben, stützten den müden Körper.
“Du willst, dass es ein Ende hat, Jack?”
Der andere Mann nickte erschöpft.
“Das wird es, auf die eine oder auf die andere Weise.”
“Ich verstehe dich nicht.”
Tony zwinkerte ihm beinahe schelmisch zu und fuhr sich mit der freien Hand durch die schwarzen Locken.
“Du würdest alles tun, alles opfern um hiervon befreit zu werden?”
Der Anflug eines Lachens verwandelte sich schnell in einen trockenen Husten.
“Es gibt nichts mehr, das ich opfern könnte, Tony. Das weißt du sehr gut.”
“Natürlich gibt es das, Jack.”
Sanft und eindringlich breitete sich die dunkle Stimme in dem engen Raum aus, umfing Jack, hielt und drängte ihn vorwärts zugleich.
“Ich kann nicht sterben, Tony. Weiß Gott, ich habe es versucht. Ich... .”
Schatten überzogen des größeren Mannes Gesicht.
“Nicht deinen Tod will ich, das wäre zu einfach. Es ist mehr, das ich verlange, viel mehr.”
Seine Augen funkelten wie glühende Kohlen, Lippen verzogen sich zu einem schrägen Grinsen.
“Du wirst es nicht bereuen, denn du wirst zum ersten Mal frei sein, frei wie noch niemals zuvor in deinem Leben.”
“Ich verstehe nicht.”
“Und ob du verstehst, ich biete dir alles, was du dir jemals ersehnt haben könntest, die irdischen Freuden werden dein sein... und nur dein.”

Jack starrte den Freund an, ein Zittern durchfuhr ihn, schüttelte die magere Gestalt, während sein Gesicht sich verzerrte und schließlich in sich zusammenfiel, nichts übrig ließ, als den Ausdruck des Schmerzes, der ihn gewaltsam packte.
“Ich kann nicht,” flüsterte er, ungeachtet der Tränen, die begannen seine Wangen hinabzuströmen, eine Flut, die nicht nicht enden wollte, zumindest nicht solange er Tonys Gestalt durch den Nebelschleier erkennen konnte.
“Tony... ich... ich wünschte... .”
Der größere Mann näherte sich ihm, bis seine Lippen beinahe Jacks Ohr berührten.
“Wir sehen uns wieder, Jack... vertrau mir.”
Die Hitze seines Körpers entschwand, wich einer Kälte, die Jack erschauern ließ.
In der Ferne, unsichtbar erklang Tonys Stimme ein letztes Mal, wie ein Hauch.
“Das ist nicht das Ende, nicht für dich.”
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