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Selenas Söhne

von Deira
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P16 / Gen
Eragon Murtagh
05.06.2007
01.10.2007
91
380.528
28
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05.06.2007 1.591
 
An einem schönen warmen Sommertag saß Selena gemeinsam mit Brom vor dessen Hütte. Sie hielt einen Becher mit Fruchtsaft in den Händen, den Saft hatte Brom selbst hergestellt.
Sie hatte ihn in den letzten Monaten häufiger besucht und sehr viel mit ihm geredet. Anfangs hatten sie meist über Morzan und ihre jeweiligen Erlebnisse mit ihm gesprochen, obwohl Brom da meist eher wortkarg war. Es gab vieles aus seiner Vergangenheit, über das er nicht sprach. So wusste Selena immer noch nicht, wo Brom Morzan eigentlich kennengelernt hatte oder warum er immer so traurig wurde, wenn das Gespräch auf das Thema Drachen kam.
Sie hatte eine Vermutung, aber sie wollte ihn nicht damit konfrontieren, jedenfalls jetzt noch nicht.
Mit der Zeit nahm das Thema Morzan immer weniger Raum in ihren Gesprächen ein, sie unterhielten sich nun auch über viele andere Dinge, die Leute im Dorf, Selenas Familie, den nächsten Markttag und vor allem über ihre Söhne.
Sie hatte ihre beiden Kinder heute mitgebracht. Anfangs hatte sie Angst gehabt, dass Brom ihre, oder vielmehr MORZANS Kinder ablehnen könnte. Doch Brom war freundlich zu den beiden, er schenkte Murtagh regelmäßig Kekse und kitzelte Eragons Füßchen.
Selena sah nach ihren Söhnen. Murtagh saß ein kleines Stück entfernt von den Erwachsenen im Gras. Eragon, der mittlerweile schon fünf Monate alt war, lag neben ihm und versuchte gerade, sich seinen großen Zeh in den Mund zu stecken. Momentan probierte er das andauernd, oder aber er lutschte an seinen Fingern und sabberte vor sich hin. "Da werden wohl bald Zähnchen durchkommen," dachte Selena.
Sie musste plötzlich leise lachen, denn Murtagh hatte beschlossen, Eragon heute beizubringen, wie man sich vom Rücken auf den Bauch dreht. Dazu legte er sich neben seinen kleinen Bruder auch auf den Rücken und drehte sich dann um. "Guck, Eri, so macht man das. Einfach drehen." Eragon strampelte mit den Beinchen in der Luft und warf diese dann zur Seite. Er wollte sich ja gerne umdrehen, da gab es doch bestimmt viel mehr zu sehen, aber es klappte einfach noch nicht so recht. Also half Murtagh nach, indem er dem Kleinen einen Stupser gab, so dass Eragon auf dem Bauch lag. Eragon strahlte seinen Bruder an. Doch Murtagh war noch nicht ganz zufrieden. "Und jetzt wieder zurückdrehen, guck mal, so geht das." Er machte es dem Baby vor. Doch auch diese mal musste der Ältere ein wenig nachhelfen. "Und jetzt noch mal!"
Auch Brom sah den Kindern zu. "Süß, deine beiden Kleinen." Sie lächelte ihn an. "Ja, das sind sie.
Vorsichtig betrachtete sie Brom von der Seite. Sie mochte ihn sehr gerne, er war ihr ein guter Freund geworden. Manchmal war sie sich nicht sicher, ob sie nicht mehr als nur Freundschaft für ihn empfand. Auch er sah sie manchmal, wenn er dachte, sie würde es nicht merken, auf eine sehnsüchtige Art und Weise an. Empfand er vielleicht auch mehr für sie?
Sie wusste nicht so recht, was sie davon halten sollte. Das letzte Mal, als sie sich mit einem Mann eingelassen hatte, da war das fast ihr Untergang gewesen. Doch Brom war anders als Morzan...
"Schau mal, Selena!" Brom schmunzelte. Gerade hatte Eragon es geschafft, sich ganz alleine auf den Bauch zu drehen. "Mama, Eri kann sich auf den Bauch legen!" Ganz stolz rief der Dreieinhalbjährige es. Immerhin hatte ER es dem kleinen Bruder beigebracht. "Und jetzt wieder zurück auf den Rücken!"
Selena musste herzhaft lachen. Brom lachte auch. Sie lachten viel gemeinsam, wie Selena nun bemerkte.
"Die Kinder mögen dich, Brom, weisst du das? Gestern Abend sagte Murtagh noch zu mir, dass wir schon so lange nicht mehr bei dir gewesen seien, dabei ist der letzte Besuch gerade einemal drei Tage her. Er mag auch deine Geschichten, besonders die mit dem sprechenden Frosch hat es ihm angetan." Brom lächelte sie an. "Ich mag die beiden auch sehr gerne. Es sind liebe Kinder."
Selena nickte.  Sie war so glücklich, dass Murtagh trotz seiner schlimmen Erfahrungen mit seinem Vater seine Angst vor erwachsenen Männern überwunden hatte. Das hatte sie Garrow und nun auch Brom zu verdanken.
"Es ist gut, dass du den Großen nicht zurückgelassen hast!" sagte Brom plötzlich. Ihr Lächeln erstarb für einen kurzen Augenblick. "Natürlich nicht! Dort wäre er jetzt bestimmt nicht so fröhlich wie hier bei uns." Sie lächelte etwas zittrig. "Außerdem, wem sollte er denn da beibringen, sich auf den Bauch zu drehen?Galbatorix vielleicht?"
Bei dem Gedanken musste Brom wieder schmunzeln. "Nein, wahrschenlich nicht, obwohl ich das gerne einmal sehen würde, Galbatorix auf dem Rücken liegend mit den Beinen in der Luft rumstrampelnd. Weisst du was, ich würde ihm nicht aufhelfen."
Selena musste nun doch wieder richtig lachen. "Du kannst ja richtig gemein sein, Brom, der arme alte König!"
Brom lächelte zurück. Es tat ihnen beiden gut, ein wenig über den König zu lästern. Das hätten Selena, und auch sonst niemand sich in Uru`baen getraut.
"Mama, Eri hat glaube ich Kaka gemacht!" Selena stand auf, nahm ihr Baby auf den Arm und roch an der Windel. "Du hast recht, Schatz." Sie ging mit dem kleinen Eragon in Broms Hütte und legte ihn auf dessen Tisch. Dann wechselte sie die Windel. Eragon strampelte fröhlich mit den Beinchen und lachte seine Mama an. Sie kitzelte sein Bäuchlein. "Du bist ein kleiner Stinker!" Sie drückte den Kleinen an sich und gab ihm einen Kuss auf sein schon sehr dichtes braunes Haar. Ein niedliches Baby war er geworden, seine undefinierbaren babyblaugrauen Augen waren zu einem hübschen Braun geworden.
Selena trug ihr Baby nach draußen und legte es wieder neben Murtagh, der sofort mit seinem Bauch-Rückendreh-Training weitermachte. "Ist Murtagh eigentlich gar nicht eifersüchtig auf sein Brüderchen?" Brom sah Selena fragend an. "Nein," antwortete sie ihm lachend. "Murtagh und eifersüchtig? Ganz und gar nicht. Ich bin selbst überrascht, aber seit dem ersten Tag verhätschelt er den Kleinen ohne Ende. Wehe, Roran zwickt den Kleinen oder zieht ihm die Bettdecke weg. Letztens hätte Murtagh seinen Cousin deswegen fast verhauen. Aber der arme Roran ist eifersüchtig, er war immerhin lange Zeit das einzige kleine Kind in der Familie, und dann sind da plötzlich noch zwei andere Jungs. Aber inzwischen hat er sich an die beiden gewöhnt, mit Murtagh spielt er manchmal schon ganz schön. Die beiden muss man ständig im Auge behalten, damit sie nicht in den Fluss fallen oder sich am Kamin verbrennen oder vom Esel getreten werden."
"Du bist eine gute Mutter," sagte Brom, der Murtagh vorhin in Selenas Abwesenheit schnell einen Keks zugesteckt hatte. Er hatte dies heimlich mit einem verschwörerischen Lächeln getan, da Selena es nicht so gerne sah, wenn ihr Sohn dauernd Kekse aß. Murtagh hatte ebenso verschwörerisch zurückgegrinst.
Selena erstarrte ein wenig bei Broms Bemerkung. Sie wurde immer verlegen, wenn sie ein Kompliment bekam. Dank Morzan wusste sie nie so recht, ob ein Kompliment ernstgemeint war, oder ob der andere nur etwas von ihr wollte. "Ich weiss nicht so recht, ich tue mein Bestes, aber manchmal denke ich, Marian ist die bessere Mutter." Sie sah ihn einen Moment nachdenklich an. Dann lachte sie. "Und Garrow ist der beste Vater dieser Welt. Als Eragon drei Monate alt war hatte er so furchtbare Dreimonatskoliken. Gertrud hat ihm einen Kräutersaft gegeben, aber der hat auch nicht geholfen. Die ganze Nacht hat der arme kleine Kerl bitterlich geweint, und was tat Garrow? Er schickte uns alle ins Schlafzimmer, machte die Türe zu, damit wir in Ruhe schlafen konnten, und trug Eragon die ganze Nacht durch die Küche und ums Haus herum. Richtige Trampelpfade ist er da gelaufen."
"Er ist ein guter Mann!" Brom hatte sich seine Pfeife angezündet und zog daran. "Weisst du, was Garrow noch tut in letzter Zeit, er hat eine neue Lieblingsbeschäftigung. Jeden Abend nach der Arbeit sitzt er nun da und schnitzt Holztiere. Wir haben schon genug Schafe, Schweine und Pferde zusammen um einen großen Bauernhof zu bevölkern." Brom sah sie belustigt an. "Was macht er denn mit all den Spielsachen?" Selena schmunzelte. "Er findet ja immerhin drei begeisterte Abnehmer dafür. Marian schimpft schon mit ihm, immerhin muss sie die Dinger bemalen. Aber sie meinte schon, er könne sie ja auf dem nächsten Markt verkaufen. Wenn die Kinder da mitmachen, die machen bestimmt Theater, wenn ihre Spielsachen verkauft werden sollen."
Es dämmerte bereits. Selena stnd auf. "Wir müssen nach Hause. Murtagh, nimm dein Pferdchen, wir gehen heim." "Och, schade."
Murtagh nahm sein Pferd und Selena legte Eragon in das Tragetuch, in dem sie ihn immer trug, wenn sie mit dem Baby das Haus verließ.
"Ich begleite euch noch nach Hause."
Auf dem Heimweg gingen Brom und Selena nebeneinander her. Das Baby schlief dicht an sie gekuschelt in seinem Tragetuch. Das ganze Gedrehe vom Bauch auf den Rücken hatte den Kleinen müde gemacht.
Brom nahm plötzlich ihre Hand. Sie zog sie nicht weg, und Hand in Hand kamen sie schließlich vor Garrows und Marians Haus an. "Das war heute sehr schön mit dir, Selena. Sehen wir uns bald wieder?"
Sie sah ihn an und gab ihm eine Kuss auf die Wange. "Ich würde dich gerne bald wiedersehen."

Kleine Anmerkung:
Dieses Mal ging es recht ruhig zu, aber ich wollte den Charakteren ein wenig Ruhe und Frieden gönnen, es geht bald genug recht traurig zu.
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