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Feuerprobe

von Fwele
Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
Cornelia Hale Hay Lin Irma Lair Taranee Cook Will Vandom
05.06.2007
18.05.2009
8
9.300
 
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05.06.2007 884
 
Streit

„Das lässt du mal schön bleiben!“ meinte Cornelia grimmig und stürzte sich auf die kichernde, am Boden liegende Irma. Es war ein wunderschöner Mittwoch Nachmittag, in der die fünf Freundinnen Will, Irma, Taranee, Hay-Lin und Cornelia, die gerade sehr viel Energie auf das Durchkitzeln von Irma verwendete, in der Freistunde unter einer alten Eiche saßen und sich von der drückenden Hitze erholten. Taranee wirkte am wachsten, einerseits wegen ihrer dunklen Haut, andererseits wegen des Geheimnisses, das die Fünf zu Hüten hatten.
Sie waren Kandrakars Wächterinnen, die mit den natürlichen Elementen zusammenarbeiteten. Taranee kontrollierte das Feuer, obwohl sie wohl die letzte gewesen wäre, der man das zutrauen würde. Ihre Schüchternheit wurde nur von vier Menschen richtig als „Ruhe vor dem Sturm“ erkannt, denn war sie erst mal in Fahrt, konnte sie nichts mehr bremsen. Das genaue Gegenteil zu ihr war Irma. Vorlaut, sarkastisch und manchmal provokativ reizte sie vor allem die allzu oft launische Cornelia entweder zu harmlosen Kitzelattacken oder auch zu „Schreiattacken“ die die anderen schon längst nur noch als Kabbelei abtaten.
Irma kontrollierte das Wasser und Cornelias Element war die Erde. Als Irma ihr Frühstücksbrot herauszog und es unter Schwierigkeiten versuchte in Cornelias Mund zu stopfen, um ihrer Attacke zu entgehen, lachte die kleine Asiatin an ihrer Seite laut auf. Hay-Lin war ihrem Element sehr ähnlich: Lange schwarze Haare, schlank und etwas zerbrechlich gebaut wirkte sie, als würde sie „der Nordwestwind forttragen“, wie ihre Oma Yan-Lin einst sagte, kurz bevor sie starb. Hay-Lins eigene Oma war ihre Vorgängerin, Yan-Lin war ebenfalls die Wächterin der Luft gewesen. Nach ihrem Tod wurde sie vom Orakel, der über den Mittelpunkt der Unendlichkeit herrschte, in den Rat der Weisen aufgenommen. Vorher aber hatte sie den Mädchen ihre Bestimmung offenbart und Will das Herz von Kandrakar übergeben. Mit den Worten „ Wichtig ist, dass ihr es von nun an bewahrt“ verschwand sie. Und die rothaarige, froschverliebte Will hütete das Herz von Kandrakar wie ihren Augapfel. Ihr Element war die kosmische Energie, die alle Elemente in sich vereinte.

Heute allerdings war sie stiller als sonst, was aber den Mädels nicht auffiel. Taranee und Hay-Lin sahen interessiert zu, was Irma als nächstes mit Cornelia anstellen würde. „Uuuuuh, ich werde dich erträääänken!!!!“ rief Irma mit geisterhaft verstellter Stimme und mit einem Schlenker der Hand wurde Cornelias Oberteil wie von „Geisterhand“ durchnässt. Cornelias Gesicht verdüsterte sich, ging jedoch auf Irmas Spiel ein. „ Daaas wirst du bereuuuen!!!“ grummelte sie und kleine Unkrautpflänzchen schlangen sich unauffällig um Irmas Schuhe.
Prompt fiel diese auf die Nase, direkt Will zu Füßen, die sie wütend anfunkelte. „ Was denkt ihr euch eigentlich dabei? Wollt ihr, dass euch jemand sieht? Wollt ihr, dass alle unser Geheimnis kennen?“ fauchte sie. „Ganz ruhig Will, niemand hat uns gesehen!“ sagte Irma cool und drehte sich wieder zu Cornelia um. „Stimmts Corny?“ Cornelia lachte.
„Ausnahmsweise hat sie Recht, Will. Niemand  hat etwas bemerkt, aber wenn du weiterhin so schreist, werden es doch noch alle mitbekommen!“ Will schnaubte. „Jetzt bin ich wieder Schuld, ja?“ „Wie kommst du denn dadrauf?“ Taranee schaltete sich ein. Sie spürte, dass Will nicht nur aufgebracht war. Sie hatte eine feinfühlige Art an sich, so dass sie merkte, wenn Menschen etwas belastete. Doch damit regte sie Will nur noch mehr auf. „Wie ich dadrauf komme?“ explodierte sie. Bevor sie erneut Luft holen konnte, schaltete sich nun Hay-Lin ein. Vorsichtig meinte sie: „Irgendwo haben sie schon recht, Will… Schau dich mal um. Niemand ist mehr auf dem Hof!“ „ Wahrscheinlich hat das Leuchteding ihr wieder was zugeflüstert und jetzt dreht sie wieder durch“, flachste Irma und spielte auf ihre alte Mathematiklehrerin an, bei der Will immer einen Schwindelanfall bekommen hatte, was aber an der Herkunft der Lehrerin, Meridian, lag. Cornelia begann zu kichern und selbst Taranee konnte sich ein schmunzeln nicht verkneifen. Nur Hay-Lin blieb ernst. Sie dachte logisch, dass Wills Gefühl letztendlich richtig gewesen war. Doch das konnte Will nun auch nicht mehr aufhalten. „Gut. Das war´s dann!“ schrie sie und rannte in Richtung Schultor. Verdutzt sahen sich die vier an. „Was war das denn?“ fragte Irma. Selbst Hay-Lin und Taranee verstanden die Welt nicht mehr.

Zuhause bei Vandoms

Will lag auf ihrem Bett und weinte. Sie fühlte sich missverstanden, im wahrsten Sinne des Wortes. Ihre Freundinnen machten sich seit kurzem immer wieder mit kleinen Anspielungen über sie lustig und dabei über das Herz. Zum x-ten Mal fragte sie sich, warum das Herz sie ausgewählt hatte. Wie sehr wünschte sie sich, dass ihre Freundinnen auch nur im Ansatz verstehen würden, was es bedeutete, das Herz zu tragen, welche Last es barg. Doch so konnten sie sich ungehemmt und ahnungslos über sie lustig machen. Es machte Will so unendlich traurig, dass ihre besten Freundinnen, ihre Verbündeten, ihr so sehr zusetzten. Doch sie hielt es einfach nicht mehr aus! Seit Monaten schon hatten die Wächterinnen keinen neuen Auftrag mehr bekommen und deshalb glaubten die vier, sie können mit ihren Kräften spielen und das Herz von Kandrakar beleidigen! Lange lag Will so da, irgendwann versiegten ihre Tränen und sie fasste einen Plan. Er musste funktionieren.
Sie stand auf und ließ das Herz erscheinen, es gab ihr Kraft und ein warmes Gefühl im Bauch, was ihren Beschluss bestärkte. Sie hob das Amulett und flüsterte „Kandrakar!“ Und in einem blauen Aufleuchten war sie verschwunden.
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