minds of jamie

GeschichteAllgemein / P16 Slash
Jamie und Scott Tyler
28.05.2007
10.10.2007
4
5.932
 
Alle Kapitel
16 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
 
28.05.2007 1.129
 
Jamie wachte auf und sah sich leicht irritiert um. Es waren erst wenige Tage vergangen, seit Scott und er in Peru auf Matt gestoßen waren und damit vier der Fünf sich gefunden hatten. Es war ein seltsames Gefühl für Jamie, dem dunkelhaarigen Matt gegeüber zu stehen, dem Jungen dessen Gesicht er als letztes aus seiner Reise, die ihn mehr als zehntausend Jahre in die Vergangenheit führte, gesehen hatte . Damals kam ihm Matt erwachsener vor, weiser und vorallem älter, doch dieser Matt schien mehr wie ein Mensch zu sein.

Scott redtete immer noch nicht. Pedro hatte versucht ihn zu heilen, doch schien es ihm nicht wirklich besser zu gehen. Er hörte die Stimme seines Zwillingsbruders immer wieder in seinem Kopf, aber es war nach wie vor durch ein lautes Rauschen begleitet. Jamie kam zu dem Schluss, dass Scott Schreckliches erlebt hatte, in den Wochen in denen sie getrennt waren, und nun versuchte ihn davor zu schützen. Scott wusste zu genau was es bedeutete, in die Köpfe anderer blicken zu können.

Die Sonne bahnte sich den langsamen Weg durch das Zimmer und kroch auf das Gesicht seines Bruders. Das raspelkurze Haar sah seltsam borstig und glänzend aus. Er hatte es geschnitten, kurz nachdem sie angekommen waren. Der Schnitt, den ihm diese schreckliche Frau verpasst hatte, war ihm so zuwider, dass er es sich bis auf die Kopfhaut abrasiert hatte. Jamie hatte lachen müssen bei dem Anblick und erklärte Scott erstmal, dass er genau so ausgesehen hatte, als er nach Silent Creek kam. Scott sagte nichts.

Er streckte die Hand nach Scott aus, der auf der anderen Seite des Bettes lag und berührte die Spirale auf dem Rücken seines Bruders. Seit sie in Peru waren teilten sie sich ein Bett. Jamie brauchte die Nähe von Scott, es war schrecklich gewesen, so lange von ihm getrennt zu sein. Dennoch wälzte Scott sich vor Alpträumen und Angst hin und her und selbst wenn Jamie ihn aufweckte oder festhielt, half es nicht. Scotts Augen schienen Jamie anders zu sehen als bisher. Er wollte sich nicht vorstellen, welche schrecklichen Dinge sie Scott angetan hatten, welche schrecklichen Dinge sie ihm erzählt haben. Und doch griff Scott mitten in der Nacht nach seiner Hand, fast so, als ob er sicher gehen wollte, dass Jamie noch da war.

Sie hatten Besuch bekommen. Einmal war Joe vorbeigekommen, mit zwei anderen Washoe und Jamie erzählte ihnen von dem versteckten Tor, durch dass sie damals auf der Flucht vor der Polizei entkommen waren. Und er erzählte, wie er Daniel seiner Mutter wiedergebracht hatte. Und nun, wo er Joe ohne Schmerzen sehen konnte, fragte er zum ersten Mal, wie der es geschafft hatte, ihn zu retten.

Bei diesen Worten horchte Scott auf. Sein Gesicht sah wütend aus, doch er sagte kein Wort. Jamie hatte ihm nicht erzählt, dass Colton Banes ihn erschossen hatte. Zumindest fast. Er hatte es sorgfältig vermieden, seine Narbe vor Scott zu zeigen. Jetzt entfuhr ihm diese Frage schneller, als er hatte denken können.

So erfuhr Scott, wie sein Bruder fast drei Tage mit den Tod gerungen hatte, er eigentlich schon tot war und nur durch die Schamanin zurück ins Leben fand, doch wie sie das geschafft hatte war ihm ein Rätsel.

„Du warst tot.“, erklärte ihm Joe und einer der beiden Washoe nickte. Er kam Jamie irgendwie bekannt vor, doch er konnte nicht sagen woher.
Scotts Miene verfinsterte sich drastisch.

„Doch ein mächtiger Geist hat dich gerettet.“

„Der Adler!“

Joe nickte und Jamie erinnerte sich an das Tier, dessen Schrei ihn ins Leben zurück geholt hatte. Und daran, dass er dachte er müsse sterben, damals in diesem Fluss.

Mit Alicia hatte er noch öfter gesprochen. Sie und Daniel lebetn wieder in Washington und John Trelawny arbeitete weiterhin als Senator. Was Nightrise angeht, um die wurde es still und im Augenblick interssierte es Jamie recht wenig, was diese Wahnsinnigen machten. Hier in Peru ging es ihnen seit langem wieder gut, wahrscheinlich sogar das erste mal. Sie verbrachten viel Zeit damit, dem Nexus alles zu berichten, doch kam es Jamie seltsam vor, mit so vielen, ihm fremden Menschen über diese Ereignisse zu sprechen. Er hatte noch niemandem von seiner Reise erzählt. Für sie war er zwei Tage tot gewesen. Jamie wusste es besser. Er hat alles erlebt, erinnerte sich noch wie Frost mit seiner Hand verschmolz und tötete, noch bevor er es realisiert hatte; wie Flints Augen größer wurden, hoffnungsvoll.

Jamie tat es immer noch weh, daran denken zu müssen, Flint die Hoffnung zu rauben und ihm die bittere Wahrheit zu erzählen. Er war nicht Sapling. Nicht der den er kannte, den er liebte.
Nun war er wieder da. Und seit dem hatte er  Angst.

Damals musste Sapling sterben. Es war nötig um die Alten zu bannen. Doch was war diesmal? Was wenn wieder einer von ihnen sterben musste? Würde es diesmal Scott treffen? Würde er gehen?

Jamie hatte angst, erinnerte sich wie Joe ihm von der Geschichte von Flint und Sapling erzählte, das Flint der böse war. Jamie wusste es auch diesmal besser. Flint war derjenige der den Rest seines Lebens leiden musste. Auch wenn es zehtausend Jahre her war, den Schmerz, den Flint ertagen musste, würde Jamie nicht mehr loslassen. Damals hatten sie durch einen schrecklichen Trick die Alten besiegt, diesen Schmerz würde er nicht ertragen können.

Was sollte er tun? Ihnen die ganze Geschichte erzählen oder schweigen und hoffen, dass sich das Grauen nicht wiederholte?

Er blickte an seinem Bruder vorbei aus dem Fenster, wo sich die Sonne golden erhob und das Zimmer einhüllte. Die Strahlen krochen auf seine Haut, wie warmer Honig, und zauberten einen Kranz aus Licht, der sie beide wärmte.

Scott fing an sich zu regen, würde bald aufwachen. Jamie ließ seine Hand die Schulter seines Bruders herunter gleiten, er blickte auf die kleine Stelle zwischen den Schulterblättern, wo die Haut seines Bruders makellos war. Auf seinem Rücken war da die Stelle wo ihn der Schuss getroffen hatte.

Scott war derjenige, der immer auf sie aufgepasst hatte, der sogar aus Versehen einen Menschen getötet hatte. Nur wegen ihm. Jamie hatte seinen Bruder vor der Pein nicht retten können, die ihm angetan wurde, konnte nur verhindern, dass Scott etwas tat, was er schrecklich bereut hätte, doch helfen konnte er ihn nicht mehr.

Seine Hand fuhr den Unterarm seines Bruders entlang und seine Finger fanden die von Scott. Er hielt sie fest und lehnte seinen Kopf an den Rücken des anderen. Sog den warmen Duft ein.
Jamie war klar, was geschehen würde, wenn die Zeit kam.
Auch diesmal würde er nicht zögern. Egal was die Vergangenheit war oder was die Zukunft wird, er wusste was er tun würde.

Scott wandte sich um und blickte ihn mit den dunklen Augen an, die Jamie so vermisst hatte. Seine Stirn berührte die von Jamie.

Morgen, Jamie

Hey, Scott