Der unbekannte Soldat

von Amedea
GeschichteAbenteuer / P12
25.05.2007
01.06.2007
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25.05.2007 2.356
 
Der unbekannte Soldat

Das A-team befand sich in einer brenzligen Situation, Murdock suchte hinter einem Ölfass Deckung und gab Hannibal Feuerschutz während er auf die andere Seite der Lagerhalle lief.


B.A. hielt zwei der Angreifer mit einer Mg in Schach.
Sie waren in der Lagerhalle von einem Schlägertrupp des Hotelbesitzers angegriffen worden, für den ihr Klient arbeitete. Der junge Mann hatte sich wiederholt erfolglos über die unzumutbaren Arbeitsbedingungen und die geringen Löhne bei der Hotelverwaltung beklagt. Er konnte es sich nicht leisten, diesen Job zu verlieren, aber länger ertragen wollte er diese Behandlung auch nicht, also engagierte er das A-team.


Die Teammitglieder hatte sich mit ihm in einer Lagerhalle am Stadtrand zu einem Treffen verabredet, doch jemand musste davon erfahren haben und bereitete ihnen einen herzlichen Empfang.
Face richtete die Pistole auf einen der Angreifer. Plötzlich verschwamm die Welt vor seinen Augen, er konnte das Ziel nicht klar erfassen, die Waffe entglitt seinen zitternden Händen und fiel klirrend auf den Betonboden. Face kippte ohnmächtig zur Seite.

Er fühlte, dass jemand seine Wange tätschelte.„Face, Face komm zu dir !“ hörte er eine vertraute Stimme sagen. „Mann, ich dachte du wärest getroffen !“ Face erkannte die Sprecher als Hannibal und B.A.. Seine Lider flackerten. Beide Männer knieten neben ihm auf dem Boden und musterten ihn besorgt. „Ähmm, alles klar Jungs, ich...mir ist nur kurz schwindlig geworden, das Training heute morgen war wohl etwas zu anstrengend.“ Er versuchte sich aufzusetzen, doch ein erneuter Schwindelanfall verhinderte dies. Face schloss die Augen, bis er sich besser fühlte. „Mir gefällt das nicht...“, sagte Hannibal. „Vielleicht ist es wirklich das Training, aber du scheinst mir schon seit einer Weile nicht mehr fit zu sein. Wir bringen dich zur Untersuchung ins nächste Krankenhaus, so etwas wie eben darf sich nicht wiederholen.“


B.A. stütze Face und half ihm in den Van einsteigen.
„Leute, dass ist doch alles nicht nötig, ich bin halt mal umgekippt, so was kommt vor, kein Grund zur Besorgnis.“
„Face, vielleicht solltest du mal eine Kur machen, im VA ist sicher noch ein Bett für dich frei. Wir könnten zusammen soviel Spaß haben...es wäre wie ein Urlaub...“
„Na großartig...“dachte er „Ferien im Irrenhaus haben mir gerade noch gefehlt.“
Laut sagte er : „Lass gut sein Murdock, ich erhole mich schon wieder.“
B.A. saß am Steuer und folgte der Hauptstraße in Richtung Innenstadt. Face mochte seine Scherze darüber machen, aber er war, genauso wie Hannibal, sehr besorgt um ihn.


Nach einer Weile erreichten sie das örtliche Krankenhaus. Das Team begleitete ihn zur Anmeldung und vereinbarte einen Termin, Hannibal füllte die Einlieferungsformulare aus, während B.A. Face ins Behandlungszimmer führte. Murdock versuchte ihn mit tröstenden Worten zu beruhigen.
Sie warteten schon seit über einer Stunde, doch keine Nachricht von Face. Murdock blätterte gelangweilt in den Illustrierten, die auf einem kleinen Plastiktisch neben der Sitzgruppe lagen. B.A. rutschte ungeduldig auf seinen Stuhl hin und her. Hannibal sehnte sich nach einer Zigarre, doch hier im Krankenhaus war rauchen nicht gestattet.


Nach einer schier endlosen weiteren Stunde erschien ein sichtlich blasser Face und setzte sich wortlos neben sie. „Und was hat der Arzt gesagt ?“ fragte Murdock. Der junge Mann schluckte schwer. „Ich glaube, ich brauche jetzt erst mal einen Drink.“


„Was ist es, Face ?“,fragte Hannibal sanft.  „Die Ärzte sind sich nicht sicher, aber sie sagen...es könnte...könnte Leukämie sein...“
Hannibal erbleichte. „Ich glaube, wir könnten jetzt alle einen Drink vertragen.“
B.A. knurrte und Murdock klopfte Face aufmunternd auf die Schulter. „Wir werden das schon durchstehen, du wirst sicher geheilt werden, dann geht es dir bald wieder gut.“


Face stützte das Kinn in die Hände. „Es ist nicht so einfach Murdock, Leukämie wird meist durch eine Knochenmarksspende behandelt. Nur wenige Personen kommen als geeignete Spender in Frage, meist nahe Verwandte.“ Face blickte betrübt zu Boden. Er war in einem Waisenhaus aufgewachsen und kannte weder seinen Eltern, noch wusste er von möglichen Geschwistern oder sonstigen Verwandten.

Face blieb zur weiteren Behandlung im Krankenhaus. Das A-team würde diesen Fall wohl ohne ihn lösen müssen. Dabei fühlte er sich nicht einmal sonderlich krank, nur etwas müde, dies musste ein Irrtum sein. Sicher würden die Ärzte ihn bald wieder entlassen. Er lag in seinem Bett und zappte durch die Kanäle, wenigstens konnte er jetzt in Ruhe Football kucken.

Karen Summer, eine der Krankenschwestern, blätterte in einem Spenderverzeichnis und wählte dann eine New Yorker Nummer. Das Telefon klingelte. „Hallo, spreche ich mit Mrs. Juliani? Ich rufe vom Central Hospital in Los Angeles an. Ich habe sie in unserer Kartei gefunden, sie kommen als  Spenderin für Knochenmark in Frage. Stehen sie noch als Spenderin zur Verfügung ? “ Am anderen Ende folgte eine lange Pause. „Sicher, ich werde sofort den nächsten Flug nach Los Angeles nehmen.“

Face war nun schon seit einigen Tagen im Krankenhaus, ohne das sich etwas besonderes ereignet hatte. Er versuchte sich die Zeit durch einige Flirts mit den Krankenschwestern zu vertreiben, blieb dabei jedoch nur mäßig erfolgreich. Da klopfte es an der Tür. „Na immer herein Susan, ich habe schon auf dich gewartet...ich...“ Eine Krankenschwester betrat den Raum. Sie lächelte und ignorierte seine Worte. „Mr. Peck, wir haben eine Spenderin für sie gefunden, sie können sich freuen, wir haben bei unserer Suche selten so schnell Erfolg wie diesmal. Sie wird in kürze hier eintreffen.“ „Sie ?“ „Ja, es handelt sich um eine Frau. Da sie uns keine Angehörigen nennen konnten, haben wir gleich in der Spenderdatei gesucht.“


„Ist es möglich, ich meine, das diese Frau mit mir verwandt ist ?“ Die Krankenschwester nickte. „Das ist unter diesen Umständen sehr wahrscheinlich.“ „Danke.“


Am nächsten Morgen, noch während des Frühstücks, erhielt Face Besuch, diesmal handelte es sich um die angekündigte Spenderin. Sie war eine gutgekleidete Frau um die Fünfzig oder Älter, er war sich nicht sicher, die beinah schüchtern auf sein Bett zuging. Zögernd streckte sie ihm ihre Hand entgegen. „Guten Tag, Mr. Peck, ich bin Daniela Juliani, man hat sie sicher über meine Ankunft informiert.“ Face ergriff sie. „Freut mich sie kennen zu lernen, doch nennen sie mich einfach Tempelton.“

Die fremde Frau lächelte. „So nennst du dich also. In Anbetracht der Umstände möchte ich nicht um den heißen  Brei herumreden. Den Krankenhausunterlagen zu folge...sind sie...bist du....“, sie schluckte. „Mein Sohn.“ Sie sah zu Boden, ihre Augen füllten sich mit Tränen. Face war irritiert. Vor diesem  Moment fürchtete er sich insgeheim schon sein ganzes Leben, was wenn er seine Eltern finden würde und sie ihn ablehnten ? Was wenn er nicht ohne Grund ins Waisenhaus abgegeben worden war ? „Freust du dich nicht, mich zu sehen ?“ „Mich nicht freuen...“ sie schluchzte „Ich habe so lange vergeblich nach meinem Sohn gesucht, dass ich schon alle Hoffnung aufgegeben hatte ihn je wiederzusehen. Doch dann kam dieser Anruf und alles hat sich schlagartig verändert.“
„ Aber warum bin ich im Waisenhaus aufgewachsen, wenn sie...du mich nicht weggegeben hast ?“


Sie schluckte. „Das ist eine lange Geschichte, aber um es kurz zu machen, ich war noch minderjährig, als ich schwanger wurde, für meine Eltern war es eine Schande, so dass du mir weggenommen wurdest. Sie erzählten mir, du seiest nach der Geburt gestorben, doch ich habe es ihnen nie geglaubt. Danach sind wir an die Ostküste nach New York gezogen, wo uns niemand kannte.

Ich schloss die Schule ab und besuchte das College, dort traf ich Steven, wir heirateten und bekamen zwei Töchter. Doch ich konnte dich nie vergessen, habe mich immer wieder gefragt was nur aus dir geworden ist. Aber ich hatte keinerlei Hinweise wo ich mit der Suche beginnen sollte. Ich schrieb Briefe an zahlreiche Waisenhäuser, konnte aber Nichts erfahren, bis ich resigniert aufgab.

Ich dachte, vielleicht ist es besser so, vielleicht hat er längst eine nette Familie gefunden in der er glücklich aufwächst. Da würde ich nur stören, mein Sohn erinnerte sich ja nicht einmal an mich.“  Sie öffnete ihre Handtasche, entnahm ihr ein Taschentuch und tupfte sich die Tränen von den Wangen. „Entschuldigung für meinen Ausbruch, es ist so verwirrend und aufwühlend für mich.“


Face lächelte. „Nicht nur für dich, hey, plötzlich habe ich eine Mom.“ Sie lächelte ebenfalls. „Du erinnerst mich so sehr an deinen Vater, blond, die selben blauen Augen, das kokette Lächeln...“ „Aber ich sollte wohl alles der Reihe nach erzählen. Doch zuerst möchte ich mehr über dich erfahren, was machst du, bist du verheirate ?“. Sie nahm auf einem Stuhl am Fußende seines Bettes platz.

Face fühlte sich sehr unwohl, was für einen Eindruck sollte seine Mutter von ihm bekommen, wenn er ihr erzählte, dass er ein verurteilter, landesweit gesuchter Krimineller war ? Doch war es richtig seine eigene Mutter zu belügen ? Face entschied sich, die Wahrheit etwas zu seinen Gunsten zu interpretieren und das ein oder andere Detail zu verschweigen.

„Da gibt es eigentlich nicht viel zu sagen, ich wuchs im Waisenhaus auf, bin nach der Highschool zu den Green Barets gegangen und habe in Vietnam gedient. Im Moment bin ich freiberuflicher Mitarbeiter bei einer Organisation, die sich A-team nennt. Wir helfen Menschen, die in Not sind und vom Gesetz nicht entsprechend vertreten werden.“


„Bist du eine Art Anwalt oder Sozialarbeiter ?“ „Jaaaa, so könnte man das A-team auch beschreiben“, sagte er zögernd, auch wenn sich ihre Methoden deutlich von denen jener genannten Berufsgruppen unterschieden.
„Du bist nicht verheiratet ? Ein Mann, der so gut aussieht wie du dürfte doch keine Schwierigkeiten haben Frauen kennen zu lernen.“  
„Trotzdem habe ich einfach noch nicht die richtige Frau gefunden, die meinen Lebensstil akzeptiert.“ Sie lächelte verständnisvoll.

An der Rezeption der Klinik lungerte ein älterer  Herr in einem Trainingsanzug herum. Eine Krankenschwester bemerkte ihn. „Kann ich ihnen helfen ?“, sprach sie den Fremden an. „Ja, ich hatte mich als Spender für eine Knochenmarkstransplantation testen lassen. Sind die Ergebnisse schon da ?“ „Einen Moment bitte, ich sehe in den Akten nach, wie war noch gleich ihr Name ?“ „James Miller“ log Hannibal.


Die junge Frau öffnete einen Aktenschrank und blätterte die Unterlagen durch bis sie die richtige Kartei gefunden hatte. „Sie haben Glück , Mr. Miller, sie kommen laut diesen Unterlagen als möglicher Spender in Frage. Wie sind sie denn mit dem Patienten verwandt,  sie könnten sein Bruder sein...“ „Ja, tatsächlich, ich bin Temps...ehm...Mr. Pecks älterer Bruder, aber wir wuchsen getrennt von einander auf , daher die unterschiedlichen Nachnahmen.“ Hannibal war verwirrt, er konnte unmöglich mit Face verwandt sein, dabei musste es sich um einen Zufall oder Irrtum handeln, aber er hatte schnell genug reagiert , um sich glaubhaft als dessen Bruder auszugeben. „Vielen Dank, ich werde es ihm nachher selbst sagen.“ Hannibal verließ nachdenklich die Klinik.

Das Telefon in Face´ Zimmer läutete. Sofort griff er nach dem Hörer. „Hallo ?“ „Hallo, Face, ich bin es Hannibal, ich habe gute Neuigkeiten , sie haben einen Spender gefunden und rate wer es ist...“ „Hannibal , wer hat es dir erzählt , ja sie ist bereits hier.“ „ Sie ???“ „Ja, meinen Mutter, haben die von Krankenhaus es dir gesagt ?“ „Äh, ja , ich freue mich so für dich, dass du sie endliche kennen lernst. Sicher habt ihr euch viel zu erzählen, da möchte ich nicht weiter stören...“ Hannibal legte auf. Face sah den Hörer fragend an.
„Tempelton, wer war das ?“

„Ach ...ähm... mein Boss, er wollte nur fragen wie es mir geht. Ich habe ihm gleich von die erzählt.“ Er strahlte sie an.
Doch Daniella blickte nachdenklich ins Leere. Der Name Hannibal erinnerte sie an jemanden, den sie vor sehr langer Zeit gekannt hatte, aber sicher war es nur ein Zufall, es konnte nicht der Hannibal von früher sein...

Viele Straßen entfernt saß Colonel Decker in seinem Einsatzwagen. Zufrieden steckte er das Funkgerät zurück in seine Halterung. Soeben hatte sich die Zentrale gemeldet und ihm mitgeteilt, dass sie eine Telefonat zwischen Hannibal und Peck abgehört hatten. Demzufolge befand sich letzterer in einem Krankenhaus in der Nähe. Dort würden sie ihn endlich schnappen , Decker freute sich über die Wanze, die einer seiner Helfer unbemerkt im geparkten Van des Teams versteckt hatte. Ihr würde er einen großen Erfolg verdanken.


„Captain Crain, fahren sie mich sofort zum General Hospital und fordern sie Verstärkung an, wo Peck ist, taucht das A-Team auch bald auf. Wir brauchen nur auf sie zu warten. Wir können uns die Mühe sparen nach dem Van zu fahnden.“ „Aye, Sir.“ Der farbige Offizier beschleunigte den Wagen auf atemberaubende Geschwindigkeit.

Face lag auf seinem Bett während ihm Daniella von ihren Töchtern und ihrem jetzigen Leben erzählte. Ein Windstoß blähte die Gardine . „Oh, es wird kühl hier, drinnen.“ Daniella stand sofort auf, um das Fenster zu schließen . Tempelton durfte sich nicht erkälten. Sie sah zufällig hinaus und bemerkte die beiden Streifenwagen „Sieh dir das an Temp, da unten sich Polizisten, was die wohl hier wollen...?“ Face erbleichte, Decker und seine Männer. Er sprang hastig auf , um sich selbst zu vergewissern was vor sich ging. Decker ! „Ähm..Daniella, ich muss dringend zur Toilette ...“ Er rannte hastig aus dem Zimmer. Sie sah im verwundert nach.


Einige Minuten später klopfte es an der Tür . „Tempelton ?“ Bevor sie öffnen konnte, stürmte eine Gruppe uniformierter Soldaten den Raum. Sie richteten ihren Waffen drohend auf die erschrockene Frau.


„Wo ist er , wo ist Peck ?“ schrie ihr Anführer, ein blonder, drahtiger Offizier mit markanter Nase. „Ich weiß nicht...er ..er wollte nur zur Toilette gehen...“ Sofort rannten seine Männer auf den Flur hinaus. „Hey, was ist hier los ? Was machen sie hier ?“rief ihnen eine empörte Krankenschwester nach, doch Decker ignorierte sie. Achtlos riss er Türen auf und erschreckt die Patienten zu Tode, was ihn aber wenig zu stören schien.


„Verdammt, er ist uns wieder entkommen!“ schimpfte er. Verärgert packte er Daniella am Arm. „Sie wissen sicher wo er sich versteckt , nicht war ?“ „Ich habe keine Ahnung wo er ist, ich kenne ihn doch erst seit heute morgen.“, schluchzte sie. Decker rollte mit den Augen.

„Dieser Peck ist ein gesuchter Krimineller , er hat zusammen mit dem A-team einen Offizier ermordet, er ist gefährlich. Wir müssen ihn unbedingt finden und zurück ins Gefängnis bringen.“ Die Frau sah in entsetzte an .

„Mein Sohn ist ein Mörder ?“ Sie konnte es nicht glauben, Tempelton war ein so harmloser, charmanter Mann, der sich für die Armen einsetzte, doch hatte er sie am Ende nur belogen ? „Ich fürcht ja.“ „Also gut, ich werde ihnen helfen ihn zu finde.“