Sehn-sucht(One-Shot Sammlung)

von Tigerauge
GeschichteAllgemein / P16 Slash
02.05.2007
05.12.2008
8
30560
 
Alle
12 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
Titel: Spring nicht
Lied: Nummer 3
Genre: Liebesromanze/Drama
Typ: Short-Story
Warnungen: GustavxBill
Rating: P12
Bild: http://i59.photobucket.com/albums/g289/Tigerauge_2006/springnicht.jpg

Hallo, hier ist auch mal wieder was von mir zu hören. Eigentlich war abgestimmt, das "Nach dir kommt nichts" als nächste Story folgen soll und ich habe sie auch berits geschrieben, doch leider noch nicht abgetippt. Da ich Spring nicht schon länger auf meine PC habe, dachte ich eben ich ziehe diese Story vor, solange ich in der nächsten Zeit mich mal dazu durchringe die anderen vielen Seiten abzutippen*seufz* das ist ne blöde Arbeit*g*

Also dann viel spaß!
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Spring nicht




Ein kleines Häufchen Elend, zusammengekauert in der dunkelsten Ecke des Zimmers vor sich hinwimmernd. Mit einem traurigen Blick stehe ich im Türrahmen und schaue zu dem am Boden sitzenden Bündel hinüber. Dieser Anblick tut mir in der Seele weh und doch sind sämtliche Versuche ihn aus seiner Trauer herauszuholen ohne Erfolg. Ich gebe ehrlich zu nicht mehr weiter zu wissen. Die Person die ich lieben lernte, sitzt leblos und ohne Fünkchen Lebensfreude mehr am Boden. Er isst nichts mehr, trinkt nichts und tut ebenso kein Auge mehr zu. Fast meine gesamte Zeit verbringe ich bei ihm, um ihm zu zeigen dass ich für ihn da bin, ihn nicht alleine lasse, doch ohne positives Resultat.

Er versinkt immer mehr der Trauer. Egal wie sehr ich ihn auch liebe und er in dieser besonders schwerer Zeit eine Stütze braucht, bezweifle ich all dies durchzuhalten. Täglich diesem Anblick ausgeliefert zu sein, ertrage ich nicht ewig. Mehr und mehr frist es auch mich auf. Ihm nicht helfen zu können läst mich kaum ein Auge zu machen. Meine Schwester spricht mich täglich darauf an wie krank und müde ich ihn letzter Zeit aussehe. Sie sorgt sich um mich, so wie ich mich um Bill sorge, sie sieht wie mich die doppelte Belastung langsam kaputt macht. Es stimmt es ist keine besonders leichte Zeit, aber Bill ist mein Freund, ich mache mir sorgen um ihn und versuche ihn irgendwie halbwegs aufzubauen, auch wenn er mich jedes Mal von sich stößt.

Seufzend trete ich barfuss zu dem Häufchen hinüber und knie mich zu ihm hinunter. Diese Augen verpassen mir jedes Mal einen eiskalten Schauer. Es ist als ob er bereits am Rande der Klippe steht, es nur noch eines Schrittes bedarf bis er dort hinunterstürzt. Leider steht er aus freien Stücken an dieser Klippe um sein Leben ein ende zusetzen. Noch ist der letzte Schritt  nicht getätigt und ich versuche mit allen Mitteln dieses Unglück zu verhindern.  Er ist so knapp davor aufzugeben, ich möchte ihn nicht auch noch verlieren. Tom hätte nicht gewollt, dass sein Zwilling so an diesem Unglück zerbricht.

Müde streiche ich ihm ein paar Strähnen aus dem Gesicht. Kurz läst er es über sich ergehen, ehe er im nächsten Moment nicht wollend den Kopf zur Seite dreht. Den Magen eklig zusammen krampfend senke ich traurig meine Hand. Es ist wie jedes Mal. Seine Todwirkende Augen schauen durch mich hindurch. Ob er mich überhaupt richtig war nimmt? Wenn er doch wenigstens mit mir oder von mir aus auch mit jemanden Andren reden täte, anstatt sich immer weiter in sein Schneckenhäuschen zu verkriechen. Toms Verlust war für uns alle ein großer Schock und jeder von uns trauert um ihn auf seine Weise, doch wir geben uns gegenseitig halt um nicht daran einzugehen, nur Bill läst absolut keinen an sich ran. dennoch bleibe ich lieber in seiner Nähe um ihn im Auge zu behalten, ehe er vielleicht eine Dummheit begeht. Das könnte ich mir niemals verzeihen.

Nun gut für Bill ist der Verlust wesentlich tragischer. Immerhin hat er seinen Zwilling verloren. Tom und Bill waren unzertrennlich. Das bedeutete nicht das die Beiden tag täglich aneinander klebten und so wir keinen Zweisamkeit genießen durften, sie waren auf einen anderen Ebene verbunden, bei der sie wussten wie es dem Anderen geht ohne in dessen Nähe sein zu müssen. Eine Bindung die wir uns nicht ausmalen können, eine die wir niemals zu spüren bekommen. Eine für die ich die Beiden manchmal sogar beneidete, da ich länger brauchte um herauszufinden  was los war wenn es Bill schlecht ging und Tom wusste es ohne ein Wort mit ihm gewechselt zu haben. Dennoch war ich glücklich mit Bill. Ich gebe ihn nicht auf, egal wie oft er mich meidet und wie lange er noch trauert, aber nicht so das er sich so dermaßen verkriecht und alles in sich hineinfrisst, ohne Hilfe anzunehmen. Ich bin doch für ihn da, warum sieht er mich nicht. Bill ich bin hier, schau mich an, rede mit mir, tu irgendetwas, aber ignoriere mich nicht so.

„Bill willst du nichts essen?“ fragte ich zaghaft und husche mit meinen Blick kurz über das Tablett rechts neben ihn auf der Kommode, wovon er noch überhaupt nichts angerührt hat.

Seit einem Monat geht es schon so. Nur selten bringen wir ihn zum essen. Er wirkt ausgehungert, müde und ausgelaugt. Ach Bill lass dir doch bitte von mir helfen, ich möchte doch nur dein Bestes. Wie auch die Tage davor erhalte ich darauf keine Antwort. Seine anteilslose Art treibt mich in den Wahnsinn. Am liebsten will ich ihn anschreien, ihn kräftig an den Schultern packen und durchschütteln, um eine gescheite Reaktion zu erlagen, doch es würde nichts bringen.

Wie gern würde ich ihn in den Arm nehmen, ihn schützend festhalten und beruhigend über den Rücken streicheln. Egal wie unangebracht meine Wünsche auch sein mögen, verzehrt sich alles in mir nach diesen Jungen. Mir reicht vollkommen zu spüren wie er sich mir anvertraut….ich möchte ihn so gerne mal wieder küssen. Obwohl er sich genau vor mir befindet, ist er so fern und unerreichbar geworden, aber ich gebe nicht auf…hoffe ich.

„Dann trink wenigstens etwas“ bitte ich, greife nach dem Glas Wasser und halte es ihm unter die Nase. Wie lange hält sein Körper mit dem bisschen Nahrung und Flüssigkeit, die er notdürftig zu sich nimmt, durch? Bitte trinke es. Böse anfunkelnd knallt er meine Hand weg, gefolgt von einem lauten NEIN, sodass das Glas klirrend zu Boden fällt. Mein Herz macht vor Schreck einen kleinen Aussetzer. Dieser Hass schmerzt im Herzen, wie als ob jemand darauf rumtrampelt, immer und immer wieder mit den Hacken nach tritt. Betrübt senke ich den Kopf.

Reagiert er mal auf meine Anwesenheit, überkommt ihn eine Wut, die er zu gern an mir ausläst und ich nehme es hin. Bill ist wütend, verständlich, einer muss herhalten an dem der Druck der Wut ausgelassen wird. An mir. Dieser böse Ausdruck in seinen Augen tut jedoch sehr weh. Ich liebe ihn und er tritt mich mit Füssen, wenn auch seine Handlungen unbeabsichtigt und geblendet von der Trauer geschehen. Trotz der Kraft, die ich dafür aufbringe, bin ich drauf und dran aufzugeben. Bill ist so unglaublich fern.

„Bill, bitte rede mit mir“ flehe ich geknickt, strecke meine Hand nach ihm aus, ziehe sie jedoch gleich wieder zurück. Er wird sowieso wieder dicht machen und mich abweisen, wie könnte es auch anders sein.

„Gustav“ höre ich meinen Namen leise aus Richtung Tür sagen. Träge entbinde ich mich Bills Anblick, um zu Georg hinüber zu sehen.

„Quäl dich nicht so. Es bringt doch nichts, komm lieber mit“ klagt er leidig und sieht mich mitfühlend an.

Bills Abweisungen quälen mich sehr, doch nicht in seiner Nähe zu sein quält mich ebenso, es macht keinen Unterschied, warum dann nicht lieber bei ihm bleiben. Ich kann ihn doch nicht alleine lassen, er braucht mich. Solange er mir nicht sagt, dass er meine Hilfe nicht benötigt, bleibe ich bei ihm. Solange bis ich es schaffe ihn aus seinem Loch heraus zu holen. Tom hätte nicht gewollt, dass Bill sich so gehen läst. Ist Bills Seele mit Tom gestorben?

„Nein“ hauche ich kopfschüttelnd zu Georg, der darauf seufzend die Augen schließt. Mir treibt diese ganze Situation die Tränen in die Augen, die ich jedoch mit viel Mühe unterdrücke.

„Gut aber mach dich daran nicht kaputt“

Georgs Worte nehme ich nur noch halb war, denn meine volle Aufmerksamkeit gilt abermals Bill. Deprimiert lege ich eine Hand auf sein Knie ab. Seit Toms Tod ist er nicht mehr wieder zu erkennen.

Ach ja, Toms Unfall kam so plötzlich und völlig unerwartet. Er war nur kurz mit David im Auto unterwegs, nur einen kleinen Moment achtete die Frau auf der Anderen Straßenseite nicht auf die Straße und da war es schon zu spät. Die junge Frau übersah die rote Ampel und krachte mit hoher Geschwindigkeit in Davids Auto, direkt in die Beifahrerseite…Toms Seite. David überlebte den Unfall mit kleinen Verletzungen, die Frau entkam nur knapp dem Tode, doch Tom war auf der Stelle Tod. Die Notärzte vor Ort konnte nichts mehr für ihn tun. Tom starb ohne leiden zu müssen.

Für Bill war die Nachricht der Weltuntergang, Sein Zwilling, seine zweite Hälfte war von ihm gegangen. Es ist etwas anderes wenn jemand an einer Krankheit stirb, bei dem man im Voraus bescheid weis und sich verabschieden kann, ganz im Gegenteil zu einem tödlichen Unfall.  Kurz vor dem Unglück lachten wir alle noch gemeinsam. Für Bill fehlte der Abschied, da half auch die Beerdigung nicht. In seinen Augen scheint alles sinnlos und leer, für ihn gibt es in nichts mehr was ihn hier noch länger hält. Er will mich nicht hören und nicht sehen, sondern lieber den Abgrund hinunter springen. Bill bitte erinnern dich an dich und mich, hörst du mich nicht?

„Geh“

Verwundert hebe ich den Blick. Ausdruckslos wirken seinen Augen wie tot.

„Was?“ erfrage ich, da ich ihn irgendwie nicht ganz verstehe was er damit meint oder möchte ich es einfach nicht verstehen.

„Verschwinde“ ächzt er schneidend und so eisig, was mir einen Stich ins Herz verpasst.

„Nein, ich geh-“

„Hau ab“ brüllt er mir so kräftig entgegen, das ich vor Schreck nach hinten kippe und auf meinen Hintern falle.

Was hat er denn nun? Eben wirkte er noch so teilnahmslos abwesend und nun ist er mit solch einer Wut präsent, die mir Angst macht. Warum will er mich nur loswerden, was habe ich ihm denn getan? Wenn ich ihn zu sehr bedränge, soll er es ruhig sagen und ich werde ihm seinen Feiraum lassen, doch mich einen Monat lang anzuschweigen um eines Tages mich bissig zu vertreiben, ist ein harter Schlag. Soll ich sein Verhalten auf den Verlust und die Trauer schieben oder meint er es wirklich ernst? Möchte er mich nicht mehr? Ich erfahre es nur, wenn ich ihn vor die Wahl stelle.

„Wenn du wirklich willst, dass ich gehe, werde ich es tun. Aber eins soll dir gesagt sein, wenn ich jetzt gehe werde ich nicht mehr wieder kommen, gar nicht mehr. Willst du das?“
Meine Stimme wird von Wort zu Wort immer dünner und brüchiger, dass ich mich schwer zusammen reisen muss, um sie nicht zu verlieren.

Nimm meine Hand wir fangen noch mal an.

Er soll wissen wie er mit mir umspringt, so leid es mir auch tut, auch wo es für ihn momentan nicht leicht ist, auch ich hab Grenzen und muss schauen nicht auch noch daran zu zerbrechen. Panisch warte ich auf seinen Antwort, die jedoch nach Minuten weiterhin ausbleibt. Geknickt verkrampft sich alles in mir. Keine Antwort ist bekanntlich auch eine Antwort. Getroffen stemme ich mich auf zittrigen Beinen auf. Ich habe verstanden. Bill würdigt mich keines Blickes. Schwer gegen die aufkommenden  Tränen ankämpfend, drehe ich mich um und schreite zum Ausgang. Kurz zögere ich, schaue über die Schulter hinweg auf die schwarze Gestalt am Boden, die sich keinen Millimeter mehr bewegt hat, öffne den Mund um etwas zu sagen, doch schließe ihn gleich darauf wieder. Es bringt doch eh nichts. Kopfschüttelnd laufe ich mit Beinen, die schwer wie Blei sind, weiter. Lebwohl Bill, ich werde dich immer in meinem Herzen tragen. Du willst es ja nicht anders…

Zwei dünne, aber warme Arme schlingen sich von hinten um meinen Bauch und ein schwarzer Haarschopf vergräbt sich in meiner Halsbeuge.

„Bleib hier“ flüstert Bill gegen meine Haut, wobei mir der warme Atem einen wohligen und erleichterten Seufzer über die Lippen bringt.  Himmel bin ich froh. Hätte er mich wirklich gehen lassen, wäre ich daran kaputt gegangen. Ich kenne mich gut genug um zu wissen ohne ihn kann ich nicht mehr. Genauso muss es Bill derzeit mit Tom ergehen, wenn ich mir vorstelle Bill auf diese gleiche Art zu verlieren, grausam. Vor Erleichterung bahnen sich einzelne Tränen aus meinen Augen. Vor lauter Emotionen aufgelöst lege ich sanft die Hände auf die seine. Sein Griff verfestigt sich halte suchend, was mir leicht die Luft aus dem Lungen quetscht. Ich hab ihn so sehr vermisst.

„Ich brauch dich, Gustav“ bibbert er heiser „Geh du nicht auch noch“

Meine Zweifel schalten sich an. Meint er es wirklich ernst, oder auch braucht er nur jemanden wie mich, der bei ihm bleibt und den er bei seiner Wut auf das Leben anschreien kann. Sieht er mich… sieht er mich als Gustav seinen Freund oder Gustav den Sündenbock und Frusthablasser?
Ach was reime ich mir da fürn Stuss zusammen. Bill könnte niemals so grausam sein, zumindest nicht bewusst. Er sieht mich…

„Ich könnte dich nie alleine lassen“ erwidere ich mit bedrückter Stimme, aber glücklich.  

Warme Tränen tropfen auf meinem Hals, die sich ihre Spur zu meinem Schlüsselbein herunter bahnen. Ich ertrage es nicht Bill weinen zu sehen. Schluchzend ringt er immer wieder stockend nach Atem. Mit einem Lächeln auf den Lippen ist er mir lieber. Wie schaffe ich es ihm diesen zurück zu zaubern, ob ich es überhaupt je schaffe? Etwas mühselig löse ich seine feste Umklammerung, um mich in dieser Umarmung zu ihm umzudrehen. Ich möchte ihm ins Gesicht schauen. Im schummrigen Licht der kleinen Nachttischlampe, die den Raum als einzige Lichtquelle dient, treffen trübe Strahlen auf Bills tränennasses Gesicht. Seine Augen sind Rotunterlaufen, geschwollen und dicke schwarze Ränder, vom mangelnden Schlaf, zeichnen sich deutlich darunter ab. Er wirkt so verloren, seine Augen schreien stumm nach Hilfe, die ich ihm zu gern anbiete.

Langsam und sanft lege ich meine Arme um seinen Nacken- ich möchte ihn nicht verschrecken- um ihn an mich zu drücken. Sogleich krallt er seine Hände in meinen Pullover, vergräbt das Gesicht abermals in meiner Halsbeuge und ich bemerke wie sein Körper zu zittern beginnt. In fester an mich drückend, muss ich mich ein bisschen strecken und auf die Zehnspitzen stellen, da er schließlich größer ist als ich. Beruhigend kraule ich ihm ein wenig den Nacken. Nach Minutenlangem so da stehen, beruhigt sich der mageren Köper in meinen Armen. Gemächlich dirigiere ich uns beide gemeinsam zum Bett, lasse Bill sachte darauf nieder sinken und lege mich neben ihn hin. Er rollt sich auf die Seite um mich ansehen zu können und greift schüchtern nach meine Hand. Mitfühlend streiche ich ihm die verliebenden nassen Spuren auf der Wange mit den Fingern weg, rücke näher an ihn, um den schmächtigen Körper in eine schützende Umarmung zu ziehen.

„B-Bleibst du hier?“ stammelt der Schwarzhaarige müde gegen meine Brust.
Mit kleinen kreisenden Bewegungen streichen dünne Finger auf meinem Brustkorb herum.

„Ja“ versichere ich ihm hauchend ganz dich in sein Ohr.
Ich werde nicht zulassen, das er die Klippe hinunterstürzt, niemals.

Endlich nach so vielen schlaflosen Nächten entspannt sich Bill mal wieder. Seine Atmung wird leise und gleichmäßig, was mir signalisiert dass er schläft oder zumindest beginnt einzudösen. Erleichtert lächelnd schließe ich ebenso die Augen, drücke ihn noch ein bisschen näher und genieße die Vertrautheit, die uns umgibt und den gesamten letzten Monat fehlte.

Ich weiß nicht wie lange ich dich halten kann, doch reicht meine Kraft nicht aus und hält dich nichts mehr zurück, springe ich mir dir gemeinsam den Abgrund hinunter.

~ENDE~