Sehn-sucht(One-Shot Sammlung)

von Tigerauge
GeschichteAllgemein / P16 Slash
02.05.2007
05.12.2008
8
30560
 
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Dieses Kapitel
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Titel: Stich ins Glück
Lied: Nummer 6
Genre: Liebesromanze/Drama
Typ: Short-Story
Warnungen: GustavxBill
Rating: P16
Bild:
http://i59.photobucket.com/albums/g289/Tigerauge_2006/stichinsglck2.jpg


Sodelle hier ein weiterer Teil meiner Short Story Sammlung. Ich habe vom Schreibtil mal hier etwas anderes ausprobiert, aber das bleibt in dieser Sammlung auch einmalig. Es fällt mir so viel schwieriger, aber ich wollte einfach mal eins so schreiben. Die weitern werden in der gleichen Perspektive wie bisher geschrieben. Viel spaß!

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***Stich ins Glück***


Morgens:

„Hn…Gustav?“ brummte Bill müde  und blinzelte Gustav verschlafen an. Dieser streifte sich gerade leise seine Jeans über, doch anscheinend nicht leise genug. Wie schaffte es Gustav  nur jeden morgen so früh aus den Federn zu kommen? Wenn Bill nicht genügend Schlaf bekam, war mit ihm den restlichen tag über nichts mehr anzufangen. Sein Freund hingegen wirkte bereits zur frühen Stunde fit.
Lächelnd tapse Gustav zum Bett hinüber beugte sich zu seinem Geliebten herunter und drückte ihm einen guten Morgen Kuss auf die Lippen. Bill, der bis zu diesen Zeitpunkt  noch total in einem Dämmerzustand schwankte, wachte nun einigermaßen auf.

Gierig schlang er die Arme um den Hals seines Gegenübers und zog ihn mit sich zurück in die Kissen. Mit dem Arm auf den weichen Unterlage abstützend  küsste Gustav den Unterliegend leidenschaftlich und lange. Bill raubte dieser den Verstand. Er wünschte sich das dieser Moment nie enden würde, doch wie jeden Morgen löste sich Gustav  zur bitteren Enttäuschung viel zu früh aus diesem Kuss und lächelte entschuldigend.

„Kannst du nicht noch ein wenig hier bleiben“ raunte Bill seinem Freund ins Ohr und erhoffte sich mit dieser Tonlage einen Erfolg zu treffen und Gustav würde sich noch eine halbe Stunde Zeit für ihn nehmen.
Doch wie sonst auch lag das Glück nicht auf seiner Seite. Gustav stemmte sich auf und setzte sich auf die Bettkante.

„Du weißt das geht nicht“ erinnerte Gustav ihn wie jeden morgen daran.

„Pah“ erwiderte Bill patzig und rückte ein Stück von der Bettkante weg. „du hast nie Zeit für mich“
Seufzend musste sich Gustav wie jeden Morgen das Gemecker des Anderen anhören, obwohl er doch überhaupt keine Lust auf streiten hatte, ihm es jedoch nicht erspart blieb.

„Versteh doch, Bill. Es ist mein Traumberuf“

„Jaja, ich frag mich wieso du überhaupt mit mir zusammen bist, deine Arbeit scheint dir wichtiger zu sein, als ich.“ Motzte Bill drauf los und bereits zu solch einer frühen Stunde zierten seine Gesichtzüge Wutfalten.
Genervt verdrehte Gustav seine Augen und lehnte sich hinüber zu Bill „Du weißt das ich dich Liebe, aber bitte verstehe das es zu Anfang halt mehr Zeit in Anspruch nimmt, aber es wird sich bald bessern, versprochen“ Versöhnend versuchte Gustav seinem Freund einen Kuss auf die Lippen zu hauchen, doch dieser drehte sich im selben Moment beleidigt zur Seite.

„Wie oft hast du das jetzt schon gesagt und was ist, es hat sich immer noch nicht gebessert“

„Bill, bitte…“

„Nein lass es. Es ist besser wenn du gehst, sonst kommst du ja noch zu spät“ spuckte Bill nur so aus sich und machte keine Anstalten mehr seinem Partner anzuschauen.
Gustav sah wie aussichtslos diese Situation war. Mit Bill war nicht zu reden, so bockig und stur wie dieser war.
Traurig erhob er sich vom Bett und lief zur Tür um seinen schmollenden Freund allein zurück zu lassen.

„Was hast du heute noch vor?“ erkundigte er sich vorher noch, denn auch wenn er die meiste Zeit auf der Arbeit verbrachte, wollte er sich sicher gehen zu wissen wo sein Lebenspartner den Tag über verbrachte.
„Fotoshoting“ brummte es vom Bett aus gefolgt vom rascheln der Bettdecke.

„Wieder mal“ murmelte Gustav vor sich hin und verließ anschließend endgültig das Zimmer.

Bill vergrub sich unter dem weichen und warmen Stoff der Decke, um sich noch eins zwei weiter Stunden ruhe zu gönnen, doch wie jeden morgen nach solch einem Abschied, schaffte er es nicht seine Gedanken abzustellen. Innerlich kochte er fast über vor Wut. Alles in ihm war aufgewühlt und  bereits im nächsten Augenblick bereute er
mal wieder seine Überreaktion.

Jeden morgen herrschte das Gleiche Schauspiel. Gustav stand früh am morgen auf um sich für die Arbeit vorzubereiten, Bill wachte meist durch das Fehlen der Wärmequelle neben sich auf  um sich anschließend zu beschweren. Doch war es wirklich zu viel verlangt ein paar Minuten der Zweisamkeit mit seinem Freund zu genießen? Seit Gustav  das Studium beendete und nun Lehrer war, beschlagnahmte sein Beruf ihn immer mehr und für ihn blieb kaum noch Zeit übrig. Zu Anfang hatte Bill vollstes Verständnis für Gustavs Zeitraubender Beruf, denn immerhin träumte der Blonde seit klein auf davon. Doch mittlerweile nervte Bill der ständige lauf des Tages. Seit mehr als drei Monaten meinte Gustav es würde sich bald bessern und sie hätten wieder mehr Zeit füreinander, doch die Worte entpuppten sich nur als heiße Luft, die in stets besänftigten sollten. Mittlerweile brachten diese Worte nicht mehr die erhoffte Wirkung und es endete immer zu in einer Auseinandersetzung.
Ebenso wie jeden Morgen, bereute Bill nach ein paar Minuten wieder seinen Ausbruch. Er hasste es mit Gustav zu streiten und egal wie gern er das zu verhindern versucht, ging  sein Temperament immerzu mit ihm durch.

Nicht mal am Wochenende bekam Bill die gewünschte Aufmerksamkeit. Gustav musste daheim für die Schule ebenso viel Arbeit absolvieren und daher verbrachte er fast das gesamte Wochenende über in seinem kleinen Zimmer um zu arbeiten.

Bill pisste dies gewaltig an. Da solle noch mal jemand behaupten er überreagiere.
Nervös auf dem Bett rumrutschend herrschte das reinste Chaos in seinem Kopf. An schlafen war gar nicht mehr zu denken und von daher raffte er sich zum Ausstehen auf. Bill schwang die Beine aus dem Bett, wischte sich einmal über das Gesicht und schwankte benommen Richtung Badezimmer.

Heute war wieder mal ein Fotoshoting geplant. Wie häufiger in letzter Zeit. Mit sechzehn entdeckte ihn ein Modelscout zufällig auf der Straße und sprach ihn auch gleich an. Bill zögerte anfangs und glaubte an einen Scherz. Nach reichlichem Überlegen jedoch stimmte er zu und nun machte er diesen Job seit fünf Jahren. Er verdiente viel, lebte beschwerdelos, doch damals fehlte etwas. Es fehlte eine liebende Person an seiner Seite.
Bei einem Fotoshoting trafen sie sich. Gustav stand in einer Ecke, schaute zu und auf eine komische Weise fühlte er sich gleich auf den ersten Blick zu der fremden Person hingezogen. Später stellte sich heraus, dass Gustav ein Freund des damaligen Fotographen war und so wurden sie aneinander vorgestellt. Nun lebten sie gemeinsam hier in ihrem ersten gemeinsamen Haus.

Mittlerweile war Bill ein angesagtes Model und jeder wollte ihn buchen. Mit ausdrucklosen Augen blickte er in das Badezimmerspiegel über dem Waschbecken.
Sein schmales und feines Gesicht war in weiten Ländern sehr begehrt. Blase und weiche Haut, wie Schnee und doch wirkte sie wie Porzellan, so zierlich und zerbrechlich.  Eine Stupsnase, rote geschwungene Lippen und braune Madelförmige Augen, die einen perfekten Kontrast zur weißen Haut booten. Ein paar schwarze Strähnen seiner Schulterlangen Haare fielen ihn von der Stirn über das Gesicht.
Das Gesicht war sein Kapital. Aus, für ihn unbegreiflichen,  Gründen waren alle genau nach diesem versessen. Sein Körper brachte der Ausstrahlung des Gesichtes keinen Abbruch.  Groß, schmal und ein sehniger Körper. Genau das was die Menschheit schön nannte. Genau das was die Modebrache suchte.

Deshalb  war Bill noch lange nicht eitel. Er hob nie ab, blieb immer schön am Boden der Tatsachen und fühlte sich vor anderen Personen auch nicht überlegen.  Dennoch konnte er nicht verleugnen das ihm seine Schönheit einige Vorteile verschaffte. Leider machte ihn dem allem schon längst keine Freude mehr.

Seit sie täglich über einen und denselben Grund stritten, machte alles keinen Spaß mehr. Es zehrte an Bills Kräften. Es machte ihn fast wahnsinnig und nicht zu vergessen machte ihn all das zu einem elenden Betrüger. Allein daran zu denken schmerzte, dennoch tat er es immer wieder, immer und immer wieder.

Die einfachste Methode wäre damit aufzuhören, die schmutzige Nebenbeschäftigung sein lassen, doch aus unerfindlichen Gründen mochte es ihn nicht gelingen. Bill verging jedes mal wieder dieses schlimme Verbrechen.

Wütend über sich selbst, schlug er mit der flachen Hand auf den Waschbecken. Gustav bemühte sich,  trotz der wenig verbliebenen Zeit, sehr ihre Beziehung aufrecht zu erhalten. Komme was wolle, sich trennen kam für beide keinesfalls in Frage, doch was wenn Gustav von Bills treiben wüsste? Gustav bemühte sich und er selbst trug nichts dazu bei.

Das was Bill bei seinen elenden Affären nicht bekam, bekam er zu genüge von Gustav. Geborgenheit, das Gefühl der Sicherheit und nicht zu vergessen Liebe. Niemand anderes konnte ihm diese Gefühle bieten.
Auch wenn sie in letzter Zeit recht wenig Zärtlichkeiten miteinander austauschten, die Liebe bestand weiterhin. Bill liebte Gustav sehr und das wollte er keinesfalls missen müssen.
Der Drang nach körperlicher, intimer Nähe war dennoch so groß, um sie auf die möglichst Schnellste Weise zu befriedigen. Egal wie sehr es Bill selbst auch hasste, es ging nicht anders.

Der Schwarzhaarige  stieg kurz unter die Dusche, putzte die Zähne und verbrachte ein paar Minuten damit seine Haare zu frisieren. Für die Haare brauchte er ab und an ein bisschen mehr Zeit als alles andere, doch sonderlich viel Zeit für das tägliche Styling verbrauchte er nicht. Denn egal wie sehr er sich auch zu Recht machte, so wurde er bei dem nächsten Fotoshoting auch schon wieder nach deren Vorstellungen verändert. Gepudert, geschminkt und was sonst noch so anfiel.

Nach jeden schminken bekam er das Gefühl zwei Tonen Make- Up drauf zu haben und daher war es nach beenden des Auftragen immer zu himmlisch sich das Zeug wieder abzuwaschen.

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Mittags:

Seufzend streifte Bill sich die Unterhose über und ließ sich mit gesenktem Kopf auf den Bettrand nieder.

„Ich freu mich immer wieder mit dir ein Fotoshoting durchführen zu dürfen“ winselte Benjamin und strich sanft mit der Handfläche über den schmalen und samten Rücken des Schwarzhaarigen. Bill ließ ihn ein paar Sekunden gewähren, doch sobald er bemerkte was Benjamins Hände eigentliches Ziel waren, schlug er sie weg.

„Es reicht“ zischte er bedrohlich und strich sich die Harre zu Recht.
Wieso nur tat er sich dies jedes Mal an? Benjamin hatte ihn ganz in der Hand und wenn er wolle könnte er ihn bei Gustav verraten, worüber er ein Glück noch nie ein Wort verlor. Bill hoffte anständig dieses schmutzige Geheimnis bald wie möglich abzukoppeln, am besten noch ganz ohne Schwierigkeiten.

„Wieso, dein Liebster kommt sicher erst wieder zu späten Stunde nach hause. So lange können wir uns doch noch ein wenig vergnügen“ meinte Benjamin in einem hämischen Ton, robbte über die Laken um das letzte Stück Abstand zwischen ihnen zu verschließen und fing an sachte über den sich bootenden, nackten Nacken zu küssen.
Eigentlich war Bill hier um dem Fototermin nachzukommen, womit beide zu Anfang auch begangen, doch nach kürzester zeit kamen sie vom eigentlichen tun ab und hatten die Bettrequisite ein wenig anderweitig genutzt.
Ganz zu Benjamins Zufriedenheit.

Bill wusste genau wie er auf andere wirkte und wie er sich in Szene setzen musste, um das zu bekommen, was er wollte. Ganz besonders den zu bekommen den er wollte. Vor etwa einem Monat fing es an. Benjamin war ein neuer aufblühendes Star in der Fotographen Szene, Bill schwebte ebenso in der blühte seiner Karriere und jeder noch so gute Fotograph wollte ihn als Model buchen. Bills Manager regelte all den Kram und suchte sich nur die Besten für seinen jungen Modelstar heraus. Bill war zu diesem Zeitpunkt durch Gustav mangelnde Zeit schon regelrecht Sexuellfrustried, er wollte Sex und das auf der Stelle. Da kam Benjamin genau zur rechten Zeit.
Der Schwarzhaarige setzte alle Tricks der Verführungskunst bestens ins Szene und auch wenn Benjamin zu Anfang recht schüttern war und glaubte so in sein verderben zu laufen, biss er an.

Erst die Arbeit dann das Vergnügen geriet bei ihnen meist etwas durcheinander.
Nach nur einer Woche wendete sich das Blatt und Benjamin erkannte die beste Taktik um das Modell herumzukriegen. Bill war in begriff die Affäre zu beenden, leider war auch er nur ein Mann, der sich von ein wenig Herumgärekel und ein paar andere Dinge schnell umstimmen ließ. Nach jedem Betrügen fühlte er sich noch mieser als zuvor.

Langsam geriete Benjamins Hand wieder auf Abkursen  und schlüpfte geschickt unter die schwarzen Boxershorts.
„Lass das habe ich gesagt“ fauchte der Angegriffene, schüttelte den Eindringling ab und ging zum Stuhl  auf der anderen Seite des Zimmers hinüber.

„Warum so zurückhaltend, im Bett bist du sonst auch immer eine Wildkatze“ schnurrte Benjamin befriedigt und räkelte sich einmal ausgiebig auf dem Großen weißen Bett. Das dabei seine  intimste Stelle unbedeckt blieb, störte  ihn kein bisschen, doch auch Bill ließ sich davon nicht einwickeln. Genug war genug.
Was hatte er nur aus dem lieben und schüchternen Benjamin, der er mal war, gemacht?
Benjamin war ein hübscher junger Mann. Blonde kurze Harre, blaue Augen und ein schmaler Körper. Das Aussehen glich einem typischen Sunnyboy.

„Machen wir endlich diese Fotos“ bemerkte Bill trocken und nickte zu, auf die auf dem Stativ abgestellte Kamera. Allzu viel hatten sie bisher noch nicht auf die Beine gebracht und Bill befiel das dringende Bedürfnis nach hause zu gehen. Daheim fühlte er sich wohl. Weit weg von dieser ganzen Sache hier, weit weg vom Fremdgehen und Vertrauensbruch, und ganz nahe bei Gustav, wenn dieser mal daheim war.

„Hast du es so eilig von mir weg zu kommen“ schmunzelte Benjamin vergnügt, schob sich aus dem Bett raus um wie Gott in schuf, auf Bill hinüber zu laufen.
Genervt erkannte dieser, dessen Versuch ihn ein weiteres Mal Rumzubekommen.

„Was findest du nur an diesem Lehrer. Die sind doch so prüde. Außerdem ist er noch dazu ein paar Jährchen älter als du“

„Hey“ unterbrach Bill ihn scharf und blicke sein Gegenüber entsprechend böse an. „Du kennst ihn nicht.“
Es mochte sein das Gustav älter als Bill war, genau gesagt sechs Jahre, aber das störte keinen von Beiden und stellte auch kein störender Faktor dar.
Das Vorurteil Lehrer sein viel zu schlapp im Bett, war ein weit verbreitetes Gerücht, auch Bill kannte diese Vorurteil und er konnte aus eigener Erfahrung klar stellen, das es bei Gustav keineswegs der Fall war. Nein, im Gegenteil. So sanft wie Gustav in berührte tat es bisher noch keiner und nahezu jedes Mal war es unbeschreiblich. Zur Frustration kam leider die Schule dazwischen und so waren diese besonderen Momente selten.

Bill fragte sich wie ein Beruf eine Person nur so sehr fesseln konnte, dass dieser sogar seine gesamte Zeit dafür opferte. Nicht mal das Modellgeschäft interessierte ihn  mehr als seine freie Zeit mit Gustav genießen zu können. Der Vorteil in dieser Branche lag daran, auch einfach mal nein zu sagen. Immerhin brauchten sie einen und mal ganz geschickt drohen man suche sich eine andere Agentur, zeigte immerzu die gewünschte Wirkung. Als Lehrer hatte es Gustav da nicht so leicht.  Doch eins war hundertprozentig sicher, es musste sich was ändern und das schleunigst.

„Das Sexleben scheint bei euch ja nicht zu funktionieren, warum sonst kommst du immerzu zurück zu mir gekrochen“

„Wer kommt denn zu wem gekrochen“ zischte Bill kühl, überbrückte den letzten Abstand zwischen ihnen und drückte Benjamin plötzlich einen kurzen, harten Kuss auf die Lippen.
„Also besser küssen als du, kann er allemal“ flüstertet Bill spöttisch.
Benjamin stieß ein wütendes schauben aus „Dafür habe ich ganz andere Qualitäten“

Eine Stile, in der sie sich gegenseitig böse Blicke zu warfen, belegte den gesamten Raum. Wohlmöglich  hatte Benjamin mit seiner Meinung Recht. Der Sex mit ihm zum Vergleich mit Gustav, war von Grund auf unterschiedlich.
Benjamin suchte das Abenteuer, die Abwechslung im Bett und mochte es stets hart.
Mit Gustav war es da schon eine ganz andere Welt. Der Sex fiel sanft und leidenschaftlich aus. Stets bemüht den Anderen die Wünsche von den Augen abzulesen und ihn zu verwöhnen. Benjamin ging es da nur um seine eigene Befriedigung. Bei Gustav war es liebe, die sich jedes Mal auf eine betörende Weise zeigt

„Vergiss nicht wer dich dazu gemacht hat, Benjamin“ spottete Bill ungerührt fest und trat zum Wäschehaufen hinüber um sich für die Fotos um bzw. überhaupt etwas anzuziehen.
„Beenden wir die Arbeit“
Schnaubend stellte sich Benjamin hinter die Kamera um diese scharf zu stellen. Zwischenzeitlich machte Bill das Bett wieder halbwegs ansehnlich um sich anschließend darauf zu postieren.
„Du wirst trotzdem immer wieder zu mir zurück kommen“ bemerkte Benjamin tonlos und wartete bis das Model sich in Pose setzte.
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Abends:

Müde schmiss Bill, endlich wieder unter den eigenen vier Wänden, seine Lederjacke achtlos in die nächst besten Ecken. Der Schlüssel fiel geräuschvoll, für die vorgesehene Schüssel und auch die Schuhe flogen unsanft  in den nächst Besten Bereich.  Fototermine mit Benjamin waren stets eine Anstrengung, zumal der Blonde Fotograph es dem Model nicht gerade leicht machte sich auf der Arbeit zu konzentrieren, geschweige denn richtig mit dieser voran zu kommen.

Entnervt die Schläfe massierend durchstreifte er den gesamten Flur bis zum Ende entlang, um dort links zur Küche abzubiegen und sich einen kräftigen Schluck Wasser zu genehmigen.

„Da bist du ja endlich“

Erschrocken fuhr Bill herum und erkannte Gustav breit grinsend auf sich zu kommen. Der Schwarzhaarige blickte ziemlich verdattert aus der Wäsche. Es war schon verdammt lange her Gustav zu dieser Tageszeit und auch noch mitten in der Woche schon daheim zu sehen. Dieses Erlebnis war einzigartig im gesamten letzten Monat Dementsprechend ungläubig fiel Bills Reaktion auf diese Überraschung aus.

„Freust du dich denn gar nicht mich zu sehen?“ murmelte der Ältere gegen die Lippen seines Gegenübers und drückte seine im nächsten Moment gegen diese. Der Kuss war nicht sanft wie sonst, eher hungrig und sehnsüchtig, der die andere Person zu mehr animieren sollte.

„Klar freu ich mich“ erwiderte nun Bill zwischen zwei Küssen fröhlich und atemlos zugleich. Gustav ließ ebenso atemlos von Bill ab und ein Rotschimmer- eine Folge des Luftmangels- zierte seine Wangen. Der Schwarzhaarigen zeigte nun endlich ein strahlendes Lächeln. Und wie er sich freute. Seinem momentanen Gefühlschaos konnte er nicht im Worte beschreiben, es waren einfach viel zu viele, die aufeinander stießen.

„Tut mir leid wegen heute morgen“ entschuldigte sich Gustav leicht niedergeschlagen und tätschelte gegenwärtig den Kopf seines Freundes. Bill fühlte sich mit einem Schlag mies. Gustavs herzzerreißender Blick schmerzte in seiner Brust. Der Blonde konnte doch für all das rein gar nichts, auch wenn Bill es ihm jeden Morgen nur zu deutlich an den Kopf donnerte.

„Dummerchen“ brummte Bill; „es tu mir leid. Ich habe mal wieder überreagiert, wie sonst auch immer“ gestand er und verringerte den bereits kleinen Abstand zwischen ihnen bis zu einem Minimum.
„Du machst mich nun mal süchtig. Du bist wie eine Droge“

Sanft auflachend schmiegte sich Gustav dem ihm bietenden Körper und kraulte zärtlich dessen Nacken.
„Das ist die romantischste Liebeserklärung die ich je bekam“ hauchte der Blonde, gebannt von den roten betörenden Lippen, über die kurz die Zunge hinweg fuhr. Wie sehr er solch kleine Dinge doch vermisste. Gustav konnte sich selbst nicht erklären wie er all die Zeit auf Zärtlichkeiten nur verzichten konnte. Plötzlich zog etwas anderes seine Aufmerksamkeit auf sich und zwar Bills Augen oder besser gesagt seinen Ausdruck. Er wirkte vollkommen erschöpft.

„Du siehst müde aus“ bemerkte Gustav tonlos. Ein trauriger, sowohl auch von einem Hauch Wut gefolgt, huschte über seine Gesichtszüge. Doch schnell faste er sich wieder, schüttelte über sich selbst den Kopf und schließlich zierten seine Lippen wieder ein kleines Lächeln.

„Komm ich massier dich“

Der Blonde packte die Hand seines Freundes und zog ihn mit sich ins Wohnzimmer auf die Couch, auf die Bill sich mit dem Bauch nach unten legte.
Eben hatte er deutlich Gustavs wechselnden Blick erkannt und für einen Bruchteil einer Sekunde schnürte sich seine Lunge zu, sein Herz machte einen Aussetzer und er befürchtete bereits das Schlimmste. Sein Freund wüsste von seiner Affäre.
Der Jüngere hatte eben das Gefühl die Worte seines Partners „er sehe müde aus“ seien eine Anspielung darauf, doch da täuschte er sich ganz sicher. Gustav konnte nichts von allem wissen. Trotzdem schmerzte seine Seele bei dem Gedanken seinen Liebsten zu belügen und zu hintergeht. Er musste das Vergnügen mit dem Fotographen beenden, so früh wie nur möglich.

„Weißt du ich hab über deine Worte nachgedacht“ meinte Gustav nachdem er sich breitbeinig auf Bills Gesäß gemütlich gemacht hatte und Bill sanft den Rücken durch knetete. Dieser war drauf und dran wie eine Katze zu schnurren.
„Ich sollte mir wirklich mehr Zeit für uns nehmen.“
Ungläubig öffnete Bill seine Augen und blickte verwundert den Tisch in seinem Sichtfeld an. Um zu Gustav aufzusehen, gelang es ihm in dieser Position nicht.

„Wirklich?“ versicherte sich der Jüngere lieber noch mal, um den eben gesagten Dingen mehr Glaubhaftigkeit abzuverlangen.

„Ich hab eingesehen, dass ich viel mehr Zeit für die Arbeit aufbringe, als mich um dich zu kümmern“

In Bills Ohren klang es eher so als sei er ein Kleinkind auf das aufgepasst werden musste, doch anderseits sollte er sich über diese Neuigkeit erfreuen und so schob er den Zweideutigen Gedanken beiseite.

„Aber bitte habe Verständnis, wenn es ab und zu doch mal dazu kommen sollte, dass ich mal länger arbeiten muss“

Zufrieden wendete sich Bill unter Gustav um 180 Crad und strahlte seinen Freund über beide Ohren an.
„Damit wäre ich einverstanden“ grinste der Jüngere und zog seinen Liebsten am Nacken zu sich herunter, um ihn einen leidenschaftlichen Kuss zu geben.

Gustav schmeckte diesen fremden Geschmack auf Bills Lippen. Den Geschmack den er schon so oft auf dessen Lippen schmeckte. Diesen leichten Geschmack von Zigarette und da er sich sicher gehen konnte das der Schwarzhaarige nicht rauchte, immerhin roch er nicht direkt danach sondern schmeckte ja nur danach, so bestätigte sich seine schlimme Befürchtung immer zu mehr.

Sachte verteilte der Obere hauch leichte Küsse vom Kinn, zum Halse hinunter bis zum Schlüsselbein.
Dieser Geruch…dieser fremde Geruch. Gustav wusste es, seit geraumer Zeit bestätigte sich seine Vermutung. Bill roch nicht wie er sonst immer roch, nein es war ein fremder Geruch auf seiner Haut und das nicht nur heute. Wie oft schon nahm er diesen Geruch in der Nacht von Bill auf. Auch wenn dieser  sich duschte um sein Geheimnis zu vertuschen, so blieb dieser seltsame Geruch weiterhin an ihm haften, oder einfach es hatte sich bereits so sehr in Gustavs Nase verfestigt, das er ihn auch so roch.

Er wusste es. Er wusste, dass Bill sich die Befriedigung bei jemand anderem holte. Er wusste es und trotzdem sprach er es nie an. Ab und zu rutschte ihm eine bissige Bemerkung über die Lippen, doch sonst nichts. Er schwieg und er würde weiterhin schweigen.

Gustav hatte sich viele Gedanken drüber gemacht, zerbrach sich den Kopf darüber zu entscheiden was er tun sollte und sein bester Entschluss lag daran, nichts zu tun.

Er war sich sicher wenn er für Bill wieder mehr Zeit aufbringen täte, würde er bald nicht mehr nach dieser fremden Person riechen. Bald würde er wieder seinen eigenen betörenden Geruch mit sich tragen. Bald würde er beim Küssen wieder den süßlichen Geschmack, der ganzen Süßkram den Bill zu sich nahm, schmecken.
Bald wäre es wieder so wie vorher.
Bald.

~EnDe~