Sehn-sucht(One-Shot Sammlung)

von Tigerauge
GeschichteAllgemein / P16 Slash
02.05.2007
05.12.2008
8
30560
 
Alle
12 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
Titel: Heilig
Lied: Nummer 4
Genre: Drama
Typ: Short-Story
Warnungen: GustavxBill
Rating: P12
Bild: http://i59.photobucket.com/albums/g289/Tigerauge_2006/heilig.jpg

Anmerkung: Nun folgt das nächste Lied Heilig und diesmal wieder traurig. Igrendwie gelingt es mir nie etwas fröhliches zu schreiben*drop*
Bei dieem teil hatte ich einen Schreibwahn und konnte meine Finger garnicht mehr still halten.*g*

@Nika07 : Schön das dir de beiden ersten Kurzstorys so gefallen haben.
Ich bin selbst auch gespannt was ich mir alles für die Lieder einfallen lasse und bei dem ein oder andern werde ich sicher so meine Schwirigkeiten haben*g* Versuche dennoch mein Bestes zu geben. Ich weiß leider nicht wann der nächste Teil kommen wird, da ich mitte Juli für 4 Wochen nach Italien fahre und noch andere Storys zu schreiben habe, da weiß ich nicht ob ich vorher noch dazu komme ein weitern Teil zu schreibnen, mal schauen.

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***Heilig***



Ich spüre wie dein Atem zu mir dringt,
dein leises unaufhaltsames schluchzen in meinen Ohren erklingt,
deine Träne, die wie ein Kristall über deine Wange rollt;
Ich schwöre, ich habe es wirklich nicht gewollt



Langsam und darauf bedacht nichts kaputt zu machen, verstaue ich sämtliche Bilder, jegliche Erinnerungsstücke in eine schwarze Kiste auf meinem Bett.
Bilder, so unendlich viele Bilder und doch so wenige Erinnerungen an die schöne Zeit.
Bilder, die nur in meinem und deinem Zimmer hängen, eins von uns das ich immer bei mir trug, ansonsten gibt es diese Bilder, die Bilder auf denen man unser wahres Leben- glücklich und zufrieden- sieht, nirgendwo. Es war ein Geheimnis, ein bittersüßes Geheimnis wovon nur die engsten Personen in unserm Umfeld wussten. Die Personen die es so hinnahmen, ohne wenn und aber, die uns das Glück auf Erden wünschten. Und jetzt…ich hätte mir denken können das es nicht ewig zu verheimlichen ist.

Auf Erden war uns das Glück recht kurz vergönnt, vielleicht besteht für uns eine zweite Chance in einem neuen Leben, in dem wir zwei stinknormale Menschen sind.
Die Zeit nach dem Tod wird länger sein als dieses Leben, mehr Zeit in Zweisamkeit. Der Mensch verliert alles, wenn er dieses Leben hinter sich läst. Ich hingegen gewinne das größte Glück zurück. Je mehr ich an dir hänge, umso schwieriger wird es für mich ohne dich weiter zu leben. Stirbt man, hat man keine Schuldgefühle jemanden wichtiges damit verletzt und zurück gelassen zu haben, doch die Zurückgelassenen tragen umso mehr Trauer und Schmerz in sich mit. Ein Loch, ein unendlich tief-schwarzes Loch hinterlässt der Verlust eines geliebten Menschen. Dasselbe Loch wie es sich in meinem Herzen von Tag zu Tag mehr ausbreitet. Ich kann nicht mehr essen, ich kann nicht mehr schlafen und kann nicht mehr Leben. Es wird von Tag zu Tag immer kälter.

Mein Leben ist mit deinem ins Jenseits hinabgedriftet. Zurück bleibt nur noch eine leblose Hülle, die mit Trauer, Schmerz und Einsamkeit gefüllt ist. Die jede Nacht von Weinkrämpfen heimgesucht wird und daher nicht ein Auge zubekommt. Sich jede Nacht danach sehnt den warmem und weichen Körper neben sich liegen zu haben, der soviel Geborgenheit und Sicherheit mich sich brachte. Jeden Abend wurde ich von deinen starken Armen beschützt, das ich trotz frühem aufstehen entspannt und ausgeruht war. Jetzt wo der Platz neben mir in jeder Nacht unbesetzt ist, bin ich vor lauter Trauer ausgelaugt und kraftlos.
Der Körper bald gänzlich ausgetrocknet, so viele Tränen flossen bereits für dich, so viele verzweifelnde Minuten, Stunden und Tage, in denen ich einfach nicht mehr weiter Leben will. Nicht ohne dich.
Du hast mich so oft beschütz, allein deine Anwesenheit ragte schützend über mich und ich…ich konnte dich nicht beschützen. Konnte dich in dem einzigen Moment, in dem du meinen Schutz brauchtest, nicht helfen.
Als menschliches Individuum bin ich ein totaler Versager. Nicht mal die Menschen die ich liebe, kann ich beschützen, warum bin ich dann noch hier, warum nicht du, warum wurde ich nicht geholt?

Seufzend streiche ich mir eine Träne aus dem Gesicht und hole ein paar Mal zittrig nach Luft. Ich hab mir fest vorgenommen stark zu sein, nicht mehr zu weinen, auch wenn ich in den meisten Abende dieses Versprechen nicht einhalte und immer wieder stumme Tränen vergieße. Meine Familie versucht mich so gut wie möglich zu stützen, dafür bin ich ihnen mittlerweile sehr dankbar. Meinen ich soll anfangen loszulassen, mich von den Erinnerungen trennen, die tag täglich über meinen Bett hängen und mich jede Sekunde an dich erinnern lassen. Was täte ich bloß ohne sie. Sie haben mich aufgefangen, als ich fiel, haben mir ihre helfende Hand hingehalten, als ich aufgeben wollte.

Zu Anfang wies ich jeden von mir ab, wies jegliche Hilfe ab um mich wie ein Häufchen Elend im Zimmer zu verkriechen. Jeden, wirklich jeden habe ich verflucht, jeder der versuchte mir zu helfen, jeder der meinte mir sein Beileid auszusprechen und so glauben zu wissen wie ich mich fühle. Keiner weiß es, keiner weiß welch ein großer Teil von mir mit dir starb, welche Lücke du hinterlassen hast. Sogar dich habe ich verflucht, beleidigt, gehasst und am Ende wieder nur vermisst. Wie konntest du mich alleine lassen, warum hast du mich nicht mit dir genommen, warum musstest du gehen?
Egoistisch wie ich war, glaubte nur ich würde trauern, nur mir täte der Verlust weh, wie sehr ich mich doch täuschte. Wir alle haben einen wichtigen Menschen mit dir verloren, nicht zu vergessen deine Familie...deine Eltern. Seit dem Verlust habe ich sie nicht mehr besucht, stand ihnen in den schlimmsten Momenten nicht beiseite, mir fehlte einfach die Kraft dazu.

Mit schwerem Herzen und zittrigen Händen klebe ich die letzten Fotos von der Wand um sie in die schwarze Kiste zu packen, dabei sticht mir eines der Bilder besonders ins Auge.
Mit einem zarten Lächeln auf den Lippen streiche ich sanft mit den Fingern darüber, über deine Gestalt und verfalle wieder in Erinnerungen. Es war ein Tag auf dem Vergnügungspark…


„Bill! Bill, komm endlich, beweg deinen knackigen Hintern hier her“ ruft Gustav freudig strahlend und läuft mit schnellen Schritten ein paar Meter vor mir her.
Kopfschütteln grinse ich ihm hinterher und beschleunige meine Schritte um den quengelnden Teddybären nicht noch länger warten zu lassen.

„Du benimmst dich wie ein fünf Jähriger“ erwidere ich amüsiert über sein Verhalten.

Kaum sieht er ein Riesenrad, geriet er außer Rand und band, verfällt zurück in das Verhalten eines Kleinkindes, das unbedingt darauf  möchte. Zu süß wie sehr er bei diesem Anblick strahlt. So unbeschwert.
Doch ich verabscheue diese Höhen und begebe mich nur in die Höhe, wenn es unbedingt nötig ist. Allein der Anblick dieses Hohen und monströsen Ding in meinem Blickfeld, löst ein mulmiges Gefühl in mir aus.

„Na und dann bin ich das eben“ mosert er frech grinsend, dreht sich um und läuft nun rückwärts, um mir die Zunge herauszustrecken. „Außerdem sind wir in der Kabine ungestört“ setzt er ruhig hinzu.

Bei diesen Worten wird sein Grinsen noch breiter und wirkt schon fast versaut. Ich kann mir vorstellen was ihm gerade durch den Kopf geht. In der Sache ist ein ganzer Kerl.
Ehe ich überhaupt etwas drauf antworten kann, ist er bereits auf mich zu gelaufen, packt meine Hand und zehrt mich nun hinter sich her.
Dieser Kerl ist wirklich ungeduldig, doch Gustav hat mich mit seinen Worten angeheizt und die Aussicht auf das Bevorstehende animiert auch mich schneller zu laufen, vielleicht komme ich ja doch noch auf den Geschmack dieser Riesenräder.



Das Wetter an diesem Tag war wunderschön. Die Sonne schenkte uns ihr bezauberndes Lächeln und somit ein wunderbaren Tag zusammen.  Abermals zeichnet sich ein Lächeln auf meinen Lippen nieder, bei der Erinnerung an das Geschehen in der Kabine. So kindlich du auch davor warst, so erwachsen und männlich warst du darin. Keine Sekunde verging an dem du nicht an meinen Lippen klebtest. In manchen Momenten glaubte ich wegen enormen Luftmangels zu ersticken, doch der Gedanke verflog sofort, nachdem du meine Haut berührtest und tausend Schmetterlinge in mir entfachtest.
Besäßen die Kabinen keine Fenster, hätten wir uns sicher nicht zurück halten können, so sehr stieg das körperliche Verlangen nacheinander. Trotz dessen wäre eh eine so kleine Kabine überhaupt nicht dafür geeignet.
Was wir zu diesem Zeitpunkt nicht wussten, waren die Bilder die von jeder Kabine geknipst wurden.

Aus der Kabine kamen wir recht verstrubelt und benebelt, durch des Luftmangels raus, sahen die Menschenmassen die sich um ein kleines Häuschen tummelten und neugierig wie wir waren schauten wir nach. Und da war es. Auf Monitoren ragten die einzelnen Fotos der jeweiligen Kabine und derjenige der wollte, konnte sich ein Erinnerungsfoto kaufen.
Beim Anblick unseres Bildes lief ich sofort feuerrot an, die heimlichen Blicke, die uns die anderen Fahrgäste zuwarfen, waren kaum zu übersehen.
Auf dem Bild liegst du halb auf mir, eine Hand unter meinem Shirt und ziemlich leidenschaftlich küssend.
Prompt kauftest du eins und hieltst es mir grinsend unter die Nase.
Diese Aktion hätte auch ziemlich in die Hose gehen können, wären wir auf einem Vergnügungspark in Deutschland und nicht im Ausland. Gut in Deutschland unternahmen wir solche Dinge auch eher wenig, bis gar nicht, da soll noch mal jemand fragen weshalb wir so oft im Ausland waren.

Mein Lächeln versinkt schnell wieder in den Tiefen der Trauer. Wir waren so glücklich, so unbeschwert und zufrieden, wieso musste es nur so enden?
Ein unheimlich starker stechender Schmerz breitet sich in der Brust aus, sticht und sticht und sticht immer weiter zu, obwohl mein Herz bereits vor einiger Zeit aufgehört hat zu schlagen.
Die Trauer und der Schmerz sind seit je an ein ständiger Begleiter an meiner Seite, überrollen mich so schnell, da genügt nur ein kleiner Gedanke. Bin zu schwach mich dagegen zu wehren, von der Einsamkeit zerfressen. Nie wieder werde ich jemanden finde wie du es warst, nie wieder kann ich jemanden lieben wie ich dich liebte, nie wieder werde ich überhaupt lieben können und möchte es nicht mal. Du warst der einzige und wirst es immer bleiben.

„Bill…bist du fertig?“ ruft mein Bruder die Treppe hinauf.

„Ich komm gleich“ rufe ich in einem leiseren Ton zurück und stecke auch dieses Bild schweren Herzens in die schwarze Kiste. Eigentlich möchte ich die Bilder gar nicht abhängen, ich möchte sie hängen lassen um Hauptsache dich auf den Bilder täglich sehen zu können, auch wenn das mein Schmerz kein bisschen lindert und auch keine Lösung ist, es gibt keine Lösung dafür. Es gibt keinen Weg der nicht begleitet wird von Trauer.

Nach einem Monat besteht für mich immer noch keine Aussicht auf ein Leben ohne dich. Tage, Wochen oder gar Monate ohne dich durchs Lesen zu gehen, ohne meine zweite Hälfte weiter zu leben, allein.
Du bist alles was ich brauchte, alles wofür ich lebte. Du bist mein Stern am Abendhimmel, meine Sonne die mich am Tage wärmt.
Ich gehe nur noch  durch die Straßen, den Blick gesenkt, sehe nicht nach links, rechts und nicht geradeaus. Blicke nur ins dunkle, es tut so sehr weh. Kein Weg ist mehr der Richtige, kein Weg mehr ein Ziel.
Jetzt ist alles nur noch grau, einfach Monoton, die Sonne trüb, die Nacht so dunkel.
Meine Seele schreit, meine Augen tränen, doch keiner kann mir helfen.  Habe Sehnsucht,
Sehnsucht nach dir. Wie kann ich diese stillen, sie ernähren? Wer sie stillen, wenn nicht du?
Du zeigtest mir das Leben, Liebe und Freude, ich wollte dir zeigen, wie wichtig du bist, weiß nicht ob ich dies schaffte, ob du weißt wie sehr ich dich eigentlich liebe?!

Bist du ein Stern am Himmel, der über mich wacht? Die Steren sind voller wärme und Schönheit, genau wie du, bist du da oben?  Wartest du auf mich?

Jeder neu begonnene Tag ist hart, trüb und besonders einsam. Meine Seele und mein Köper sehnen sich danach von dir im Arm gehalten zu werden, Streicheleinheiten von deinen weichen Händen zu erhalten, nicht zu vergessen von dir auf eine wunderbar liebliche Art geküsst zu werden. Täglich begrüßtest du mich morgens mit einem bezaubernden Lächeln. Unsere Charakteren spielten sich geschickt aufeinander ab, kannten die Ticks und Macken des Anderen und wussten wann der jenige seinen Freiraum brauchte.
In unserer gemeinsamen Zeit erfuhren wir soviel neues von einander, was wir als Freunde noch gar nicht wussten und mit jedem Tag lernten wir neue Dinge vom Anderen kennen, mit jedem Tag lernte ich dich noch mehr zu lieben. Genau diese Liebe wird mir jetzt zum Verhängnis. Diese Liebe droht mich zu zerstören, zwar gebe ich nach außen hin nicht sonderlich viel preis von meinem Gefühlszustand, möchte die Anderen nicht länger in Besorgnis sehen und gebe ihnen etwas Hoffnung, auch wenn sie für mich bereits vollkommen verloren ist.

Du würdest nicht wollen wenn ich mich zu dir geselle, an deiner Seite am dunklen Nachthimmel leuchte. So oft sagtest du ich solle nicht aufgeben, wo ich in vielen Situationen einfach alles hinschmeißen wollte, ich solle kämpfen…für dich.
Dich gibt es nicht mehr, lohn t es sich da überhaupt noch zu kämpfen? Wäre es nicht am Leichtesten sich fallen zu lassen, sich vom Schmerz zerfressen zu lassen um so schnell wie möglich an deiner Seite zu verweilen?
Du würdest mich verachten, stimmts?
Du möchtest, dass ich kämpfe, wie immer.
Es ist nur so verdammt schwer und tu so unendlich weh.

„Bill!?“

Schnell stecke ich die letzten Kleinigkeiten in die Kiste, schließe diese ehe die Kraft zur Überwindung schwindet. Traurig schließe ich meine Augen und atme tief durch. Meine Augen die einst so sehr leuchteten, wie du mir nahezu jeden Tag zuflüstertest, wirken jetzt leer, matt und leblos.

Die Kiste wird heute noch von meinem Bruder entledigt, wohin und was er damit anstellt möchte ich gar nicht wissen, sonst werde ich nur wieder schwach. Ein letzter Blick klebt an dem Kasten, indem sich sämtliche Materielle Erinnerungen von dir befinden, in meinem Herzen wirst du immer weiter Leben.
Zügig reiße ich mich davon los, um meinen Bruder nicht noch länger warten zu lassen, drehe mich auf halben Wege jedoch noch mal um, öffne die Kiste, hole das Bild vom Vergnügungspark heraus und verstaue es schnell unter meiner Bluse, direkt am Herzen. Hauptsache ein Bild möchte ich von dir behalten.

„Da bist du ja“
Sanft und mitleidig schenkt er mir ein unsicheres Lächeln. Tom ist der Einzige, der ansatzweise weis wie ich mich fühle, er spürt es einfach.

„Bist du bereit?“ fragt er leise und legt mir als aufmunternde Geste eine Hand auf die Schulter. Mehr als ein bejahendes Nicken bringe ich nicht zustande.

Jetzt geht es los, um mich endgültig von dir zu trennen, um endlich zu akzeptieren das du von uns gegangen bist, mir zeigt das es doch nicht nur ein schrecklicher Alptraum ist und du nie mehr wieder zu mir zurück kommst. Zu deinem Grab.
Vor der offiziellen Beerdigung, vor ca. drei Wochen, habe ich mich gedrückt. Noch zu sehr und zu frisch war der Schmerz und der Verlust so groß. Daran hat sich in den drei Wochen nicht viel verändert, doch meine Körperliche Verfassung hat sich halbwegs stabilisiert, drohte zu Anfang einen Vollkommenden Nervenzusammenbruch zu erleiden. Außerdem wollte ich die Realität nicht wahr haben und sträubte mich daher mich von dir zu verabschieden. Es endgültig zu machen.

Stumm sitzen wir im Auto auf den Weg zum Friedhof. Den Himmel bedecken tief dunkle Schneewolken. Kleine weiße Flöckchen fallen vom Himmel und bleiben auf der Scheibe kleben. Ausdruckslos blicke ich diesen nach und denke an den tödlichen Tag zurück.

„Hm“ schnurre ich wie ein kleines Kätzchen in den Kuss hinein und spüre ein Grinsen auf seinen Lippen.

„Interessant, jetzt bist du ein Kätzchen, vorhin warst du noch ein Tiger“ unterbricht Gustav den so schönen Kuss, um diese spöttischen Wörter auszusprechen.
Schmollend knuffe ich ihn in die Seite und schaue leicht beleidigend in seine Augen. Ich habe mir geschworen niemals zu schnurren, um nicht zu zeigen wie schwach, unwiderstehlich und weich er mich mit seinen Berührungen macht, und so zu zeigen wie viel macht er über mich besitzt.

„Haha…“ erwidere ich sarkastisch, packe ihn an seinem T-Shirt und zehre ich zu mir ran, „hör auf zu reden und küss mich lieber“ raune ich ihm verlangend entgegen.

Er grinst belustigt, tut mir dann aber den Gefallen und küsst mir den letzten Rest Verstand weg.
Es ist göttlich. Ich könnte heulen vor Glück, wie habe ich dich nur verdient.
Und du bist dazu noch so ein verdammt guter Küsser. Jedes Mal verfalle ich in die unendlichen Tiefen des unbeschreiblich guten Gefühles und möchte am liebsten nie wieder von deinen Lippen ablassen.
Fordernder und härter drücke ich dir meine Lippen entgegen. Winkle mein rechtes Bein etwas an, schieb es zwischen deine Beine und ernte dafür ein atemberaubendes Stöhnen aus deiner Kehle. Wahnsinn, wie dein Stöhnen in meinen Ohren vibriert und in bei mir eine Gänsehaut verursacht. Ich liebe dein Stöhnen.

„Kommt da endlich raus“ schreit kein anderer als Tom entnervt von draußen durch die Zimmertür und klopft ein paar Mal kräftig und unüberhörbar an die blöde Tür. Knurrend werfe ich dieser ein paar verächtliche Blicke zu, hoffe sie dringen durch das Holz und treffen genau auf meinem störenden Bruder. Es hat genügt das er bereits vor zehn Minuten so kräftig und laut wie möglich gegen die Zimmertür gehämmert hat. Gerade wo es so schön ist.
Gustav scheint es weniger zu stören und macht sich auf den Weg, doch ich ziehe ihn  zurück zu mir.

„Ich will nicht“ schmolle ich und knabbere etwas verspielt an deinem Ohrläppchen herum.

Er keucht leise auf und hat mühe nach Worte zu ringen.

„Du solltest lieber…damit au- aufhören sonst haben wir gleichen ganz anderes Problem, was noch mehr Zeit kostet und dann bekommen wir nur unnötig ärger“
Ein letztes Mal lecke ich ihm über die Ohrmuschel und lasse von ihm ab.

„Ach komm wir haben nachher noch genügend Zeit“ redet er trösten auf mich ein, nachdem er meinen enttäuschten und leicht geknickten Gesichtsausdruck sieht. Er drückt mir einen letzten Kuss auf die Lippen und zieht mich hinter sich aus dem Zimmer.


Hätte ich gewusst dass dies unsere letzten gemeinsamen Zärtlichenminuten waren, hätte ich nicht so leicht aufgegeben und hätte niemals von ihm abgelassen.

„Los beeilt euch ein bisschen, wir haben’s eilig“ scheucht uns unserer Produzent wie Hunde Richtung Van. Mein Knurren trifft diesen Vergleich sehr gut.

„Shit“ fluche ich plötzlich, bleibe abrupt stehen was auch meine Bandkollegen zum halten bringen.

„Was ist nun schon wieder, Bill?“ fragt David genervt und verdreht die Augen.
„Ich hab meine Jacke vergessen, ich geh sie mal schnell holen“ ich will loslaufen doch dann…
„...ich hols sie schon für dich, geh du schon mal zum Van“
Ohne Widerspruch begibt sich Gustav bereits auf den Weg zurück und schenkt mir eins seiner vielen Lächeln.

Dann geht alles plötzlich ganz schnell. Lautes Quittchen von Autorädern sind zu vernehmen, ein noch um einiges lauterer Schuss und direkt in meinem Blickfeld sackt Gustav zu Boden.

„Das habt ihr nun ihr Schwuchteln“ höhnen die Personen in diesem Wagen und düsen  mit ebenso lauten quietschenden Reifen wieder so schnell davon, wie sie kamen.

Wie in Trance stolpere ich mehr, als ich renne, schnell  zum am Boden liegenden Gustav und stürze mich auf die Knie. Ängstlich wage ich es ihn umzudrehen.

„Gustav…“wispere ich heiser.
Entsetzt erblicke ich nun die klaffende Wunde an seiner Brust, sehr nahe am Herzen. Bereits binnen weniger Sekunden bildet sich eine kleine Blutlache auf dem Boden.
Nein!
Unbewusst kullern schon die ersten Tränen aus meinen Augen.

„Gustav…“ wiederhole ich etwas lauter und zu meiner Erleichterung öffnet der Angesprochenen seine Augen. Zu erst mit schleierhaftem Blick schaut er verwirrt hin und her, bis er an mir hängen bleibt und lächelt.

„Ey warum weint du“ grinst er halb „das steht dir nicht“ Kurz zeigt sich auch bei mir ein Lächeln, verschwindet jedoch gleich darauf, da Gustav anfängt zu husten und ein Schwall Blut herausspuckt.
„Gustav, bitte halte durch, bitte bleib bei mir“ flehe ich weinerlich und streichle ihm immer wider über die Wange.

„Ich liebe dich, Bill“ haucht er nur noch leise. Seine Augen flackern gefährlich.

„Nein, fang nicht an dich zu verabschieden. Du schaffst das, hörst du“
Abermals schenkt er mir ein schwaches Lächeln und formt seine Lippen um etwas zu sagen, doch zu leise um es zu verstehen. Daher bücke ich mich hinunter um mein Ohr an seinem Mund zu halten.

„Küss m-mich…bi…bitte“ dringt es ganz leise in mein Gehör und ohne lang zu überlegen tue ich ihm diesen Gefallen. Der Kuss ist ganz schwach, schmeckt nach seinem Blut und in diesem Moment wusste ich, das dies unser aller letzter Kuss sein wird. Kurz darauf weicht der sanfte Druck seiner Lippen, sein Blick wird starr und sein Herz hört auf zu schlagen. Weinend breche ich auf ihm zusammen und klemme ich mich an seine Brust.

„Nein, Gustav verlass mich nicht…bitte“ flehe ich immer wider „ich liebe dich doch“
Da, wo ich vor kurzem noch das kräftige Schlagen seines Herzens empfangen habe, höre ich jetzt nur eine beklemmende Stille.



Schwer schluckend schließe ich die Augen um die aufkommenden Tränen zu unterdrücken. Der Nachteil ist ein schmerzlicher Klos in meiner Kehle.
Hätte ich ihn nur aufgehalten und wäre ich gegangen um meine Jack zu holen, hätte es mich erwischt und nicht Gustav. Der Schuss war für mich bestimmt, warum musstest du auch so zuvorkommend sein. Warum habe ich nicht dagegen protestiert?
Ich stand im Schutz des Vans, nur du trenntest dich gerade von uns und warst so ein leichtes Ziel. Du bist in meinen Armen gestorben.
Komm zurück!

„Wir sind da“ reißt mich mein Bruder aus den Gedanken. Ich nicke einmal kräftig und folge Tom stumm vom Wagen zu deinem Grab. Mit jedem Schritt wird mein Herz schwerer, meine Brust schnürt sich zusammen und es fühlt sich wie tausend kleine Nadelstiche an. Meine Beine werden schwerer, der Klos im Hals größer.
Mein Zwilling bleibt vor einem Grab stehen, das mit vielen frisch geschmückten Blumen verziert ist und sich darauf die weichen Schneeflocken niederlegen.
Eine zeitlang bleibe ich einfach nur so da stehen, schaue darauf und lese immer und immer wider deinen Namen darauf. Mein Herz möchte das Gelesene nicht wahrhaben. Es zeigt mir die bittere Wirklichkeit. Du bist Tod. Weg… für immer.
Wie eine Flutwelle überfallen mich sämtliche Gefühle auf einmal, werden schwerer und schwerer.
Mit einem lauten Aufschluchzen sacke ich zu Boden, die Tränen strömen wie kleine Kristalle über meine Wangen, der Körper geschüttelt von Heukrämpfen. Tom kniet sich neben mich, legt seine Arme um mich um mich zu einer tröstenden  Umarmung zu ziehen.

„Er soll zurückkommen…bitte…“

Wir sehen uns wieder, irgendwann…denn du wirst für mich- immer heilig sein….

~Ende~