Sehn-sucht(One-Shot Sammlung)

von Tigerauge
GeschichteAllgemein / P16 Slash
02.05.2007
05.12.2008
8
30560
 
Alle
12 Reviews
Dieses Kapitel
3 Reviews
 
 
 
Titel: Totgeliebt
Lied: Nummer 2
Genre: Drama/Romanze
Typ: One-Shot
Warnungen: GustavxBill (harmlos*g*)
Rating: P12
BIld: http://i59.photobucket.com/albums/g289/Tigerauge_2006/totgeliebt.jpg
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~

***Totgeliebt***


Die Liebe ist etwas Seltsames. Sie kann schnell vergehen oder auch sehr lange andauern. Es liegt immer ganz bei uns wie wir sie nutzen. Mit der Zeit kann sich ein Mensch verändern. Doch auch in 30 Sekunden kann eine wunderbare Liebe zerbrechen.

…Zwei, drei, nein, vier Tage sind bereits vergangen, ohne dich in dieser Zeit für nur eine Sekunde zu Gesicht bekommen zu haben-. Du gehst mir eindeutig aus dem Weg, nach mehreren vergeblichen Versuchen meinerseits habe ich meine Bemühungen, dich umzustimmen, aufgegeben. Was bringt es, um dich zu kämpfen, wenn du nicht willst? Ich habe alles in meinem Leben nur für dich aufs Spiel gesetzt und sogar aufgegeben. Ich habe mich für dich gegen meine Eltern gestellt, die mir bisher das Wichtigste in meinem Leben waren, ehe du mir mehr als nur ein Freund wurdest. Ich - wir - haben uns gegen die Meinung der Plattenfirma erhoben, unsere Bedürfnisse durchgesetzt, was keine leichte Aufgabe darstellte. War alles umsonst? Gibst du alles nur wegen der Meinung Anderer auf?
Ich verstehe nicht, verstehe deinen plötzlichen Wandel nicht.
Warum? Warum du? Warum jetzt?
Hast du die gemeinsamen Nächte vergessen, in denen nur wir und kein anderer mehr wichtig waren?
Hast du die heißen, leidenschaftlichen Küsse vergessen, die auch so sanft, zärtlich und so leicht wie eine Feder sein konnten; die zärtlichen Berührungen auf der warmen Haut, die dadurch hervorkommenden Glücksgefühle…?

Ich habe mich dir hingegeben, dir mein Herz in die Hände gelegt, es dort vollkommen schutzlos und nur auf dich angewiesen hinterlassen. Bin dir mit Haut und Haaren verfallen. Jetzt trittst du mein angreifbares Herz mit Füßen, zerquetschst, schlägst und bricht es entzwei.
Weißt du, wie sehr du mich verletzt, weißt du was du mit deinen Worten anstellst, was für einen Trümmerhaufen deine scharfen Worte hinterlassen?
Wut steigt in mir auf. Kannst du dir nur ansatzweise vorstellen wie ich mich fühle? Nur ein Fünkchen? Du scheinst alles vergessen zu haben. Ich hasse dich, du Mistkerl, aber verdammt…ich liebe dich umso mehr. Ich liebe nur dich wie ich bisher noch keinen liebte.

Deine sanften Gesichtszüge, mit den wundervoll geschwungenen, weichen Lippen. Deine braunen Augen, die mit schwarzem Kajal betont werden. Wie gerne küsse ich dich auf die geschlossenen Lider, auf deine Stirn, deine Nase hinab, auf die Mundwinkel und Lippen. Die schwarzen, schulterlangen Haare mit weißen Strähnchen. Deinen schmalen Körper, der flache, straffe Bauch an dem vom Bauchnabel eine hauchdünne Haarspur bis unter die Shorts hinab führt. Deine blassen, langen Finger, die sich sehr angenehm auf der Haut anfühlen und auf jeder Stelle, die sie berühren, ein feuriges Kribbeln hinterlassen. Der betörende Duft, der von dir ausgeht und mit dem du deine Beute anziehst.
Du hast mich - uns – aufgegeben und weißt du, was ich daran nicht verstehe? Es kam viel zu plötzlich. Nach neun wundervollen Monaten, ich will nicht leugnen, dass wir auch sehr harte Zeiten hatten, gibst du alles auf.

~Gustav, ich schaff das nicht mehr, ich ertrage den Spott nicht mehr~

Neun Monate, verdammte NEUN MONATE haben wir es gemeinsam durch gestanden und jetzt, wo wir das Schlimmste hinter uns lassen könnten, wo wir richtig, richtig glücklich sein könnten, sollen all unsere Bemühungen umsonst gewesen sein. Der Spott war zu Anfang hart und schwer zu ertragen, aber ist das Grund genug? Jeder hat sich gegen uns und unsere Beziehung gestellt, keiner hatte je eine Chance, uns zu trennen. Wir gaben nicht auf, standen hinter unseren Gefühlen und siehe da, sie zeigten nach endlosen Diskussionen Verständnis. Unsere Freunde, unsere Familie, sogar unser Management nahm es hin. Wir haben Fans, denen es egal ist, Hauptsache, wir sind glücklich - leider gibt es von denen viel zu wenige. Ja, für Hater war es ein gefundenes Fressen und ich will die ganzen Dinge nicht schön reden, doch Hater gibt es immer, egal was wir tun, egal was wir sind.

Warum die schönen Momente dafür aufgeben?

Kannst du dich noch an unsere erste gemeinsame Nacht erinnern? An einem Sommerabend bei dir zuhause. Zum Glück hatten wir die gesamte Nacht über sturmfreie Bude und so wagten wir diesen Schritt. Der Mondschein am Fenster, die angenehm schwüle Umgebung. Alles perfekt und romantisch. Man, waren wir tollpatschig… verständlich, keiner hatte Erfahrung darin, mit einem Mann zu schlafen. Aber es war egal, wir sind auf die Bedürfnisse des Anderen eingegangen, haben gelacht, gefühlt und unsere Zeit zusammen genossen. Ich hatte höllische Angst, dir dabei wehzutun, sodass ich den entscheidenden Schritt nicht wagen wollte. Du hast mir tief in die Augen geschaut, gelächelt und meintest, du vertrauest mir. Beruhigend streichelst du durch mein Haar, über Arm und Rücken, um mir die Angst zu nehmen. Eigentlich hätte ich all die Dinge bei dir machen müssen, denn dir würde ich Schmerzen bereiten und nicht du mir.
Wie ich vermute kann es gar nicht so schlecht und schmerzhaft gewesen sein, denn wir sind bei dieser Rollenverteilung geblieben, du der passivere und ich der Aktive. Obwohl ich diese Bezeichnung der Rollen ziemlich absurd finde. Der Passive kann in seiner `passiven Rolle´ ebenso aktiv sein. Nun ja, ist ja jetzt vollkommen egal.


~Gustav, wir sollten eine Pause voneinander machen~

Pause? Du hast versucht es zu verharmlosen, wir sollen doch vorerst eine Beziehungspause einlegen. Ich wusste, worauf du hinaus wolltest. Um dich nicht zu verlieren, ließ ich diese Beziehungspause über mich ergehen. Ein Tag nach dem Anderen verging, immer ein Tag mehr, an denen ich mich immer mehr nach dir sehnte.
Sehnsucht ist eine gefährliche Droge, von der man nicht mehr so schnell loskommt. Gefährlicher als Hass, Schmerz oder Gier. Wenn man stark genug ist, kann man Hass unterdrücken; Schmerz kann man ertragen und Gier ablenken. Aber die Sehnsucht vereint all diese Gefühle und noch mehr in sich. Man kann sich gegen eines wehren, aber doch nicht gegen sie alle. Gibt man sich einmal diesem Gefühl hin, hat man einmal Blut geleckt, so wird man ein Gefangener. Es fängt im Herzen an, führt zum Hirn, an Mund und Augen vorbei, weiter durch jeden einzelnen Körperteil, bis wirklich jede einzelne Faser sich nach der anderen Person sehnt. Das Tückische an der Sehnsucht ist, dass man sie nicht mehr loswird.
Ich wartete Tag auf Tag vergebens….du hattest schon längst deine Pläne geschmiedet, nahmst dabei keine Rücksicht auf mich und meine Gefühle. Naiv und gutgläubig wie ich bin, ging ich zu dir, um alles zu klären, doch du hast mich eiskalt vor den Kopf gestoßen.

~Ich will nicht mehr mit dir zusammen sein~

Mein Herz hörte auf zu schlagen, verkrampfte sich in meiner Brust und schnürte mir so die zum Atmen notwendige Luft ab. In tausend Stücke zerbrach es und fiel anschließend vor deinen Füßen zu Boden.
Angefleht habe ich dich, bei mir zu bleiben. Ich habe dir gezeigt, wie viel du mir bedeutest und dass ich es nicht einfach so aufgeben werde, doch du zeigtest mir nur die kalte Schulter. Wut stieg in dem Moment in mir auf, ich habe dich angeschrien, in der Hoffnung, dir so eine Reaktion zu entlocken, vergebens.
Deinen Augen, so kalt wie Eis, durchbohrten mich feindselig und mit so viel Abscheu. Ohne Emotionen, eher die Augen eines Seelenlosen.

Hast du nur mit mir gespielt? Hast du mich ausgenutzt, mich als Versuchskaninchen verwendet, um zu schauen, wie gleichgeschlechtliche Liebe ist, besser gesagt gleichgeschlechtlicher Geschlechtsverkehr?  Passte das Auffliegen unserer Beziehung dir nicht in den Kram und die beste Beseitigung bestand darin, sich zu trennen?
Die Gefühle können keine Täuschung meiner Begierde und Sehnsucht sein. Die Gefühle, die ich verspüre und die du mir gegenüber empfandst, sie können keine Lüge sein - unmöglich.

Jetzt sitze ich hier in irgendeiner gammligen Gasse, mit Tränen, die unaufhaltsam meine Wangen hinab strömen.
Ich verstehe immer noch nicht warum.

Vier Tage lang verkroch ich mich in meinem Zimmer, auf dem Bett liegend und immer wieder gegen die Tränen ankämpfend. Irgendwann habe ich diesen Kampf verloren und die Tränen sind Tag und sogar in der Nacht, wo ich höchstens mal drei Stunden schlafen konnte, geflossen. Immer und immer mehr bis ich vollkommen trocken und leer in meinem Inneren war und es weiterhin bin. Tränen können enden, doch sie kommen wieder und die ganzen Qualen beginnen von neuem. Wie in einer Zeitschleife gefangen spielt sich immer und immer wieder die Szene vor meinen Augen ab. Ich sehe klar und deutlich, wie du lachend vor mir mein Herz in deiner Hand zerquetschst. Oder ist es nur die Kraft meiner Illusion, die mir einen Streich spielen möchte?

Eine Antwort, ich möchte endlich eine Antwort auf meine Frage WARUM?
Wir waren glücklich, Bill, wieso hast du mich verlassen?
Was habe ich falsch gemacht? War ich zu aufdringlich, war ich dir nicht gut genug?
Was ist schief gelaufen? Was soll ich tun, damit du uns noch eine Chance gibst? Ich tue alles, ich ändere alles, aber bitte komm zu mir  zurück, ohne dich ist mein Leben nicht lebenswert, ohne dich bin nur eine halbe Person. Wir haben uns so gut ergänzt, dass es schon fast unheimlich war. Abgesehen von den Kleinigkeiten, über die wir uns stritten, gab es nie etwas an unserer Beziehung zu bemängeln…oder doch?
Es muss etwas passiert sein, etwas nicht befriedigend für dich gewesen sein, sonst hättest du nicht Schluss gemacht.

Was…was, WAS? Sag’s mir!

Kam dir plötzlich die Erkenntnis, doch nicht aufs gleiche Geschlecht zu stehen?
Energisch wische ich mir die nächsten Tränen von der Wange. Ich will eine Antwort und zwar JETZT!
Schwungvoll erhebe ich mich von dem kalten, dreckigen Boden und fahre mit der Hand einmal durch meine Haare. Du kannst mir nicht ewig aus dem Weg gehen, wir sind in einer Band zusammen und auch, wenn eine sehr angespannte Stimmung zwischen uns herrscht, für die Band spielen wir den Anderen doch tagtäglich etwas vor.

Meine Füße kennen den Weg zu dir in und auswendig und es ist mir vollkommen egal, ob mich irgendjemand hier auf der Straße erkennt. Der Himmel zeigt dicke, schwarze Regenwolken auf, es kann nicht mehr lange dauern und es wird zu regnen anfangen.
Leicht bekleidet - ein T-Shirt bei gerade mal fünf Grad - lege ich Meter für Meter zurück. Keine Nervosität, keine Angst und keine Tränen mehr. Mein Herz  spüre ich seit Tagen nicht mehr schlagen und außer dem seelischen Schmerz fühle ich nichts mehr.
Es gibt verschiedenen Arten von Schmerz. Schmerz, der zerstört; Schmerz, der heilt; Schmerz, der kälter ist als Eis; Schmerz, der dich mit Narben des Stolzes versieht und Schmerz, der dich demütigt.
Mein Schmerz ist kälter als Eis; auch wenn meine Haut sich bitter kalt anfühlt spüre ich diese Kälte nicht. Der Schmerz in meinem Inneren hat die Oberhand über sämtliche Gefühle errungen.

Vor der Haustüre bleibe ich stehen. Ob du überhaupt mit mir reden willst, oder vergraulst du mich wie sonst?
Mit einer kurzen Bewegung betätige ich die Klingel, warte darauf, dass mir jemand öffnet. Es dauert auch nicht lange und Frau Kaulitz steht vor mir, mit einem seltsamen Ausdruck der Verwirrtheit im Gesicht.

„Ähm…Gustav, du hier?“, kommt die prompte Begrüßung.

„Ich muss zu Bill“, verkünde ich matt und ausdruckslos. Frau Kaulitz scheint sich im Zwiespalt zu befinden. Mit einem Auge schaut sie mich mitleidig an, das Andere schielt mehr ins Innere des Hauses. Du hast deiner Mutter gesagt, wenn ich komme soll sie mich bloß nicht herein lassen.
„Das ist gerade ganz schlecht…“
Ihr ist deutlich die Lüge ins Gesicht geschrieben, ohne sie den Satz beenden zu lassen spreche ich weiter:
„Bitte, ich muss für mich einen Schlussstrich ziehen.“
Entweder kommt Bill wieder zu Vernunft, bemerkt, wie intolerant er sich die letzte Zeit benahm, oder er sagt mir klipp und klar ins Gesicht, er will mich nicht. Wenn er  mir dabei in die Augen gucken kann, werde ich seine Entscheidung akzeptieren und wie gesagt einen Schlussstrich für mich ziehen müssen; wie der aussieht werden wir noch sehen.
Seine Mutter blickt michnoch niedergeschlagener als vorher an. Was mich wundert: zuerst waren alle schockiert bei dem Auffliegen unserer Beziehung - nicht mal unsere Bandkollegen wussten etwas davon – und nun, wo `Schluss´ ist, sind sie ebenso schockiert. Siehst du es nicht? Siehst du nicht wie alle hinter uns stehen? Genau das wollten wir doch immer. Scheiß doch auf die Fans, die einen Keil zwischen uns drängen wollen - egal wie hart es klingen mag. Wir haben Menschen um uns, die uns lieben, haben uns Beide, was willst du noch mehr?

„Na schön komm rein.“

Sich geschlagen gebend weicht sie einen Schritt zur Seite um mir Einlass zu gewähren. Langsam betrete ich das Haus, wo ich zu Anfang nur zu gerne meine Zeit verbrachte und das jetzt die Quelle meiner Schmerzen trägt.
„Bill ist oben im Zimmer.“
Ohne Frau Kaulitz ein weiteres Mal anzuschauen, befinde ich mich bereits an den Treppen, steige die Stufen hinauf. Angst, dir gegenüber zu treten, habe ich keine. Was habe ich noch zu verlieren!? Nun sind es nur noch ein paar Schritte.
Deine Tür ist nicht abgeschlossen, der offene Spalt lässt mich zu dieser Erkenntnis kommen. Vorsichtig - ohne vorher anzuklopfen - lege ich die Hand auf die Klinke und schiebe die Türe beiseite. Wie in Zeitlupe legt sich Zentimeter für Zentimeter des Zimmers für meine Augen frei.
Da stehst du!
Mit dem Rücken zu mir vor dem Fenster. Meine Ankunft im Zimmer scheinst du nicht zu bemerken, auch nicht wo ich nur noch ein paar Meter hinter dir stehe. Wie gern würde ich meine Arme von hinten um dich schlingen, mich wohl und geborgen fühlen. Keine Chance!
Ein dicker Kloß staut sich in meinem Hals, den ich schwerfällig versuche hinunter zu schlucken.

„Bill?“

Meine Stimme klingt so heiser und leise wie schon lange nicht mehr. Ich kann deutlich sehen wie ein Ruck durch dich fährt und sich dein Körper versteift. Kurze Zeit später drehst sich Bill ganz langsam zu mir um. Kaum sehe ich sein Gesicht, kann ich mich nicht mehr zurückhalten und falle über ihn her. Hungrig lege ich meine spröden Lippen auf die seinen, lege meine Hand in seinen Nacken um ihn noch näher an mich zu drücken. Mit geschlossenen Augen genieße ich - vielleicht das letzte Mal - seinen Geschmack. Bill erwidert den Kuss nicht, lässt sich jedoch lange Zeit, sich davon zu lösen. Seine Hände legen sich auf meine Brust und drücken mich von sich. Antwort genug!

„Was willst du hier?“, wirft er mir sogleich vorwurfsvoll an den Kopf.
„Dich zurück!“

Sag einfach `OK´, sag es tut dir leid, küss mich, halt mich und lass mich nie wieder los. Traumvorstellungen!
Die bittere und harte Realität sieht leider ganz anders aus. Bills Körperhaltung wechselt zur Abwehrhaltung über, die Augen werden kalt und die eben noch roten, verführerischen Lippen blass wie die gesamte Erscheinung.

„Ich hab dir schon gesagt es ist aus.“
„Sag mir WARUM!?“ donnere ich ihm lautstark entgegen; die Lippen fest zusammen gepresst um die Tränen zu unterdrücken. Doch lange halte ich dem Druck nicht stand, auch die angestaute Wut lässt sich nicht mehr zurück halten.
„Hast du unsere schöne gemeinsame Zeit vergessen? Sind dir andere wichtiger? Ich verstehe nicht, was in dich gefahren ist, so plötzlich. Diesmal wirst du dich nicht davor drücken können. Ich hab es verdient, die Wahrheit zu hören. Du bist mir eine Antwort schuldig und zwar SOFORT!“
Meine Atmung geht schneller. Alles in mir ist aufgewühlt und schreit nach Aufmerksamkeit. Prompt bekomme ich genau die Antwort zu hören, die ich so sehr versucht habe, zu verdrängen.

„Ich liebe dich nicht mehr, akzeptiere das einfach.“

Eiskalt läuft es mir den Rücken hinunter. Diese paar Worte versetzen mir einen heftigen Schlag ins Gesicht, sodass ich fast nach hinten wegkippe. Mit solch einer Wucht hatte ich es nicht erwartet. Keine Scheu, es mir direkt in die Augen zu sagen. Lüge...nein. So klar und ernst, es ist die Wahrheit. Er liebt mich nicht. Wie können Gefühle so schnell verschwinden? Oder…wie lange fühlst du schon nichts mehr für mich? Wie lange spielst du mir alles nur noch vor? Egal…ich will es gar nicht wissen, es bringt eh nichts mehr. Meine Entscheidung steht fest und wenn ich ehrlich bin stand sie schon seit der Trennung fest. Ich wollte mir nur noch mal sicher gehen, es ein weiteres, letztes Mal versuchen, jetzt habe ich meine Antwort und kann abschließen. Abschließen mit Bill, abschließen mit den Gefühlen, abschließen mit dem Leben.

„Dann…mus-s ich das wohl akzeptieren“,  meine ich mit tränenerstickter Stimme, zwinge mir ein Lächeln auf die Lippen, was mir nicht so richtig gelingen mag.
„Dann heißt es wohl Abschied…“
Nuschelnd schließe ich für einen kurzen Augenblick die Augen, um die Fassung zu bewahren.

„Wie meinst du-“
„Lebewohl Bill“, unterbreche ich den fragend dreinblickenden Bill und stürme im nächsten Moment aus dem Zimmer.  Wenn man Lebewohl sagt, stirbt die Hoffnung auf ein Wiedersehen.

„Gustav…“

Ich fetze durch den Flur, bin durch die Haustür und die Straße runter, ehe Bill noch irgendetwas sagen kann. Laute Rufe verfolgen mich die Straße hinunter, doch ich höre nicht hin. Ich renne und renne, bis ich keine Puste mehr habe. Laufe trotzdem weiter, ich befürchte, sobald ich stehen bleibe breche ich zusammen. Nicht nur vor lauer Erschöpfung, nein, das ganze Gefühlschaos würde über mich hereinbrechen.
Dicke Regentropfen fangen an vom Himmel zu fallen, nach kurzer Zeit zu strömen, und durchnässen mich binnen weniger Sekunden. Meine Sicht ist stark eingeschränkt; ich laufe in das nächstbeste Gebäude hinein, erklimme die Treppen bis ganz nach oben - zum Glück ist die Tür zum Dach offen.
Schwer keuchend bleibe ich oben stehen, stütze mich klitschnass am Rande des Gebäudes ab. Die Tatsache, hier ebenso vom Regen überfallen zu werden, stört mich nicht die Bohne. Ich bin bereits bis zu den Shorts durchnässt.

Mit jeder Sekunde stirbt ein Gefühl, was bleibt ist Finsternis ein Schauer von dir… warum finde ich genau diesen Song so passend zu dieser aussichtslosen Situation. Totgeliebt, ist es das was du mir damit sagen willst? Nach kurzer Zeit ist deine Liebe zu mir verflogen. Ich kann nicht mehr…es bringt mich um…




Erschrocken fahre ich im Bett stocksteif hoch. Nach Atem ringend, schweißgebadet und mit beschleunigtem Herzklopfen. Etwas beginnt sich zu bewegen und schmatzt genüsslich vor sich hin. Verwirrt blicke ich rechts neben mich und zu meiner Verwunderung - es ist schwer zu glauben - eigentlich eher eine Sache der Unmöglichkeit: ein grummelnder Bill, der sich gerade den Schlaf aus den Augen reibt.

„Was hast du, warum wackelst du so?“, motzt dieser verschlafen und streckt sich einmal ausgiebig. Sprachlos starre ich ihn weiterhin aus großen Augen an. Was…?
Wie…? HÄ? War…es war nur ein Traum, ein beschissener Alptraum. Vor Erleichterung versuchen die Tränen sich den Weg hinaus zu drängen, doch ich unterdrückte sie und seufze dafür einmal kräftig. Alles nur ein Traum, all der Kummer und Schmerz, das Leiden die Tage über, alles nie geschehen. Sämtliche Ereignisse, dabei entstandenen Gefühle, fühlten sich so verdammt real an. Den schlimmsten Traum in meinem bisherigen Leben. Bitte lasse diesen nie Wirklichkeit werden.

„Bill…“
„Hm?“

Mein Augenpaar ruht nun wieder auf dir, meine Lippen ziert ein dankbares Lächeln.
„Lass mich nie wieder los.“
Skeptisch ziehen sich deine Augenbrauen in die Höhe. Zu Wort kommen lasse ich dich vorerst nicht, sondern bette zögernd - mit der Angst, dies sei ein Traum meiner Sehnsucht - meine Lippen auf deinen leicht geöffneten Mund. Du erwiderst ihn vorsichtig, doch liebevoll.

„Hat dir die letzte Nacht nicht genügt?“
Spöttisch grinst du in den Kuss hinein, legst die Arme um mich und ziehst mich nun ganz auf dich. Zärtlich fahre mit meiner Hand über deinen Bauch, präge mir jeden Quadratzentimeter aufs Genauste ein, auch wenn ich jeden einzelnen Zentimeter deines Körpers bereits in und auswendig kenne, wohlmöglich einfach nur, um mein Bedürfnis nach  Zärtlichkeiten als Beweis zu sättigen.

„Warum weinst du?“ Die Besorgnis in deiner Stimme ist deutlich zu vernehmen. Es scheint, die Tränen haben ihr eigenen Willen und sind gegen meinen Willen aus den Augen entkommen.
Gezwungenermaßen löse ich mich aus dem Kuss. Mein Blick huscht über Bills Gesicht, wie wunderhübsch.

„Es ist alles in bester Ordnung.“ Es könnte nicht besser sein!
Mit einem Ruck habe ich uns umgedreht, nun liegst du auf mir…leicht erschrocken darüber. Ich ziehe dich dichter an mich, genieße das Gefühl der Nähe und schließe die Augen.
„Gustav…ich liebe dich.“
Mein Herz beginnt mit vollen Kräften zu schlagen. Das ist kein Traum!


~ENDE~