Das Blut der Prieure de Sion

GeschichteAbenteuer / P16
24.04.2007
01.01.2008
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24.04.2007 564
 
„Verfluchte...“
Mit einem leisen Stöhnen schlug er die Augen auf, beziehungsweise tat sein bestes, um seine Augen so weit wie möglich zu öffnen.
Ein stechender Schmerz schoss durch seine linke Gesichtshälfte, und er ließ es bleiben. Er spürte, wie einige Blutstropfen über sein Gesicht liefen.
„Au...“, murmelte er, und: „David, ich dreh’ dir den Hals um...“
„Beruhige dich.“, sagte eine leise Stimme, „Es wird eine Weile dauern, bis das verheilt ist. David hat dir den Schädel gespalten...“
Erneut versuchte er, die Augen zu öffnen – nur, um festzustellen, dass es stockfinster war.
Jemand strich ihm das Haar aus der Stirn. Es tat weh, und er schob die Hand beiseite. Zumindest versuchte er es – nur sein linker Arm gehorchte ihm noch.
„Lass das mit dem Bewegen besser bleiben.“, sagte die Stimme, deren Herkunft er immer noch nicht kennen konnte (aber leider erahnte, und er war überhaupt nicht glücklich mit dieser Erkenntnis), „Deine linke Gehirnhälfte ist immer noch teilweise außer Gefecht gesetzt. Nicht, dass dein Kopf wohl nicht schon immer nicht richtig gearbeitet hätte, aber das bedeutet, dass dir deine rechte Körperhälfte vorläufig nicht gehorcht.“
Das hübsche, fein geschnittene Gesicht einer jungen Frau baute sich vor seinem Auge auf. Mit großen, dunklen Augen...
„Alecia!“
Ruckartig setzte er sich auf und landete unsanft wieder auf dem Boden.
„Sie ist in der Devina geblieben. Mach dir keine Sorgen, es geht ihr gut.“
Er spürte, dass sein Bewusstsein ihm wieder zu entgleiten drohte, doch er konnte nichts dagegen tun.
Bereitwillig ließ er sich fallen.

„Shareef...?“
Lucrezia biss die Zähne zusammen und stellte sich auf die Füße, um ein paar Schritte näher zu der Leiche des Söldners zu gelangen.
Zweifellos war Ares für dieses Massaker verantwortlich, aber sie machte ihm keine Vorwürfe. Immerhin war es ihre Arroganz gewesen, die sie beide so weit getrieben hatte...
Sie verzog das Gesicht, als ihre Knie nachgaben und sie neben Shareef zu Boden sank.
Vorsichtig griff sie nach der eiskalten Hand des Söldners und hauchte ihm einen Kuss auf die Stirn.
„Entschuldige, das musst du jetzt durchmachen...“
Vorrausgesetzt, sie überlebte das, was sie jetzt vorhatte...
Sie griff nach einem der Bruchstücke von Roberts Schwert, die überall verstreut waren, und zog damit einen glatten Schnitt über ihre Hand. Das gleiche wiederholte sie bei Shareef und presste die Wunden übereinander. Bluttransfusion auf die altmodische Art...
„Shareef.“, murmelte sie, „Hörst du mich...? Du musst leben, hörst du? Ich befehle es!“
„Du erwartest doch nicht ernsthaft eine Reaktion...?“, murmelte eine leise Stimme neben ihr – offenbar war Ares wieder bei Bewusstsein – , „Der zeigt nie IRGENDEINE Reaktion...“
„Sei still!“, zischte Lucrezia leise, „Warum hast du ihn umgebracht?“
„Er stand im Weg...“
„Ah. Und Tyros und Simon und Krull auch.“
„Jup...“
Lucrezia seufzte leise. Nun, sie konnte ihm wohl keinen Vorwurf machen. Schließlich hatte sie ihn selbst so weit getrieben...
Vorsichtig strich sie ihrem Bruder über die Wange.
Er zuckte und verzog unwillig das Gesicht. „Lass das, das tut weh!“
Sie lächelte schwach. „Entschuldige, Kleiner...“
Vorsichtig öffnete Ares ein Auge.
„Ich glaube, der Gral hat dir die letzten Gehirnzellen verdampfen lassen. So hast du mich nicht mehr genannt, seit ich acht war und du noch zwei Köpfe größer als ich...“
Lucrezia zuckte die Schultern.
Sie wandte sich ab und das Gefühl geschwisterlicher Vertrautheit verschwand.
„Kannst du dich einigermaßen auf den Beinen halten? Schau mal, ob du die Tür irgendwie aufbekommen kannst. Ich will hier nicht den Rest meiner Tage verbringen.“
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