Was ist Glück?

von Alona
GeschichteAllgemein / P16
Bandou Kohta Mayu Nana (Nr.7) Nyu/Lucy Yuka
10.04.2007
08.08.2007
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Es war ein warmer Tag, der Himmel war klar und die Sonne schien. Das Meer
glitzerte in einiger Entfernung und zeigte an, dass es ein schöner Tag werden
würde.
In der ehemaligen Pension, in der nun ein Junge, drei Mädchen und ein Hund
lebten, war bislang nur eine Person wach, neben dem Hund.
Nana strich sich durch das pinke Haar und sah seufzend in den Himmel hinauf.
Ihre Hörner hatte sie sorgfältig unter einem Haarband versteckt.
Es war inzwischen einen Monat her, seit Lucy sie verlassen hatte.
Manchmal fragte Nana sich, wo der ältere Diclonius wohl gerade war, aber da sie
die junge Frau nicht spüren konnte, war sie wohl auch nicht in der Nähe. Oder
sie hatte sich gerade wieder irgendwie vor ihren Blicken versteckt.
Immerhin hatte sie es schon einmal geschafft, wenn auch eher unbeabsichtigt.
Wanta, Mayus Hund, hatte sich gierig über das Futter hergemacht, das Nana ihm
gegeben hatte. Inzwischen war der Napf wieder leer, der kleine Hund gähnte
geräuschvoll.
Das Mädchen lächelte ihn an. „Na, Wanta? Wollen wir einen Spaziergang
machen? Oder willst du lieber auf Mayu warten?“
Wanta bellte zweimal, also wollte er sofort gehen. Vorsichtig machte Nana seine
Leine ab und ging aus dem Anwesen hinaus.
Langsam liefen sie um den Block herum. Die Bäume waren immer noch in voller
Blüte und es war ein wundervoller Anblick, aber inzwischen flogen weniger
Blüten durch die Luft als noch vor einem Monat und es regnete auch seltener.
Der Sommer hielt Einzug in Japan.
Nur wenige Menschen waren außer Nana unterwegs, meistens auch Leute mit Hunden.
Sie grüßten nicht, immerhin waren es Erwachsene, warum sollten sie ein Kind
auch grüßen?
Wanta dagegen begrüßte jeden entgegenkommenden Hund freudig mit dem Schwanz
wedelnd und laut bellend. Zumindest die Hunde schienen sich gut zu verstehen.
Nana fragte sich, warum das mit den Diclonius nicht auch so gut laufen konnte.
Statt sich freudig zu begrüßen, weil sie alle von der selben Art waren, hatten
sie sich gegenseitig bis aufs Blut bekämpft.
Gab es überhaupt noch Diclonius außer Nana und Lucy?
Bestimmt nicht... oder sie waren ebenfalls in der Forschungsanlage in der sie
auch jahrelang gewesen war.
Von hier oben konnte sie zu der Anlage hinübersehen. Dunkle Erinnerungen kamen
in ihr hoch. Angekettet und gequält, bis ihre Vektoren stärker geworden waren.
Aber nicht alles, war schlecht gewesen. Immerhin war ihr Papa auch da gewesen.
Ihr Papa, der sogar seinen Job und eine Menge Ärger riskiert hatte, um ihr
Leben zu retten.
Hoffentlich ging es ihm jetzt gut, mit seiner richtigen Familie, wo immer sie
auch waren.
Nana seufzte leise. „Okay, Wanta, lass uns zurückgehen.“
Der kleine Hund bellte, sie fuhren herum und gingen wieder in Richtung Pension
zurück.

***

Der junge Mann atmete die frische Luft ein, die vom Meer herkam. Endlich war er
an dem Ort angelangt, wo er die seltsame Energie spüren konnte. Die Energie
seinesgleichen, die ihn hergeführt hatte.
Er fuhr sich mit einer Hand durch das weinrote Haar unter dem er die leichte
Ausbuchtung, seine Hörner spüren konnte.
Seine Eltern hatten ihn fast fünfzehn Jahre lang versteckt, aber dann hatte er
die Energie von seinesgleichen gespürt und sich auf den Weg gemacht, um den
Ursprung zu finden. Er war also nicht allein eine üble Laune der Natur, es gab
noch andere. Und diese anderen würde er finden.
Sein Vater war ein anerkannter Wissenschaftler und hatte ihm erklärt, dass
seine Rasse Diclonius genannt wurde und seine zusätzlichen Geisterarme Vektoren
hießen.
Ohne das Wissen seines Vaters und seiner besorgten Mutter war er schließlich
losgezogen, um die anderen zu finden. Und nun stand er hier, nur mit einem
Rucksack und ein wenig Geld in der Tasche und wusste nicht ganz genau, was er
tun sollte.
Wie sollte er die anderen ansprechen, wenn er sie fand?
Oder sollte er sie überhaupt ansprechen? Sein Vater hatte ihm erzählt, dass in
dieser Gegend drei Diclonius miteinander gekämpft hatten. Vielleicht waren sie
ihm gegenüber auch feindselig gestimmt. Aber das konnte er ja dann
herausfinden.
Durch Gespräche, die er in dieser Gegend mitangehört hatte, hatte er schnell
herausgefunden, dass es in diesem Bezirk vor einem Monat zu seltsamen
Vorkommnissen gekommen war, in die auch das Militär und die Polizei verwickelt
gewesen waren.
Also wurden die anderen hier gejagt... er musste vorsichtig sein, damit er sich
nicht selbst verriet.
Die Polizei auf seinen Fersen hätte ihm nämlich gerade noch gefehlt.
Er stand am Strand und sah auf das blaue Wasser hinaus, dabei konzentrierte er
sich auf die Energie, die von seinesgleichen ausging.
Allerdings war es das erste Mal, dass er am Meer war, deswegen genoss er den
Anblick, so lange es ging. Es war immer sein sehnlichster Wunsch gewesen, den
Ozean zu sehen.
Plötzlich hörte er ein Klicken. Er sah zur Seite und blickte in den Lauf einer
Pistole. Ein großer braunhaariger Mann mit einer Sonnenbrille hielt die Waffe
in der Hand. „Okay, Junge, sag mir sofort woher deine seltsame Haarfarbe
kommt.“

***

Kouta, Yuka und Mayu waren in die Schule gegangen Kouta und Yuka gingen auf die
Uni, während Mayu noch auf die Highschool ging) und hatten Nana mit Wanta
allein zu Hause gelassen.
Yuka hatte ihr einen Einkaufszettel und Geld hier gelassen, damit sie für das
Abendessen einkaufen konnte. Außerdem sollte sie heute den Flur saubermachen.
Da niemand sonst im Haus war, konnte sie, ohne Angst zu haben, ihre Vektoren
einsetzen, damit diese ihr die Arbeit abnahmen. Manchmal erachtete sie es schon
als praktisch, ein Diclonius zu sein.
So saß sie auf der Treppe und ließ ihre Vektoren putzen, während sie ein
wenig nachdachte.
Irgend etwas war in die Stadt gekommen. Es schien ein Diclonius zu sein,
vielleicht war es Lucy.
Obwohl nein, sie war es nicht. Die Aura war zu friedvoll, zu ausgeglichen.
Sie war sich nicht sicher, ob sie diesen anderen Diclonius treffen wollte, also
blieb sie lieber hier und putzte weiter. Wenn der andere sie treffen wollte,
würde er sie schon finden.
Vielleicht wollte der andere Diclonius sie auch gar nicht treffen und es würde
nur zu Problemen kommen, wenn sie eventuell losging, um ihn zu treffen.
Aber das wollte sie ja ohnehin nicht. Sie hatte nun eine Familie und brauchte
keine anderen Diclonius.
Wanta bellte draußen und sagte ihr damit, dass er wieder spazieren gehen
wollte. Nana beschloss, das zu nutzen, um gleich einkaufen zu gehen.

***

Der Mann mit der Sonnenbrille knirschte mit den Zähnen. „Los, sag schon! Wer
bist du!?“
„Ich bin Shou. Und Sie sind?“
„Ganz schön frech, Kleiner. Ich bin Bandou. Und du solltest lieber nicht so
vorlaut sein, wenn dir dein Leben liebt ist.“
„Sie... würden mich wirklich erschießen? Das können Sie nicht einfach so
tun.“
Bandou grinste. „Willst du es ausprobieren? Also, gehörst du zu denen?“
„Zu wem?“
Der Mann seufzte. „Oh Mann, oh Mann. Seid ihr alle so blöd oder tut ihr nur
so?“
Shous Augen suchten unauffällig die nähere Umgebung nach einem Gegenstand ab,
den er benutzen konnte, um sich zu verteidigen.
Er war kein Kämpfertyp, hatte seine Vektoren noch nie gegen Lebewesen
eingesetzt. Und er hatte auch nicht vor, diesen Mann irgendwie schwer zu
verletzen, er wollte nur nicht selbst verletzt oder gar getötet werden.
Allerdings gab es hier nichts, was er zur Selbstverteidigung gebrauchen konnte.
Irgend jemand schien den Strand immer wieder sauber zu machen. Und den Sand
konnte er wegen der Sonnenbrille des Mannes nicht benutzen.
„Willst du mich für dumm verkaufen? Ich meine die Mädchen mit den roten
Haaren und den Hörnern.“
Shou horchte auf. „Sie kenne sie?“
„Also gehörst du zu ihnen. Sag mir, wo sie sind!“
Der Junge schluckte, seine weinroten Augen hüpften weiter auf der Suche nach
einer Waffe umher. „Ich habe keine Ahnung, ich suche sie doch auch, ich bin
gerade erst in der Stadt angekommen.“
Schließlich fand er etwas in seinem eigenen Rucksack, was er verwenden konnte:
ein Paar gebündelter Socken, das er vorsorglich eingesteckt hatte. Damit konnte
er den Mann zumindest kurzzeitig ablenken.
Bandou spuckte aus. „Du suchst sie also? Was willst du von ihnen?“
„Das selbe könnte ich Sie fragen. Ich will nur mit den anderen reden...“
„Mit den anderen... also bist du einer von denen. Lustig, habe nicht gewusst,
dass die auch Tunten in ihren Verein aufnehmen.“
Shou pustete Luft durch geschlossene Lippen. „Soll das heißen, es gibt sonst
nur Mädchen?“
Bandou lachte laut auf. „Also bist du wirklich einer! Tja, so eine Ausgeburt
der Hölle kann ich natürlich nicht frei laufen lassen.“
„Ausgeburt der Hölle?“
Shous Augen blitzten gefährlich auf. „Willst du meine Mutter beleidigen?“
„Sowas wie du hat eine Mutter?“
Der Mann bemerkte anscheinend gar nicht, dass einer von Shous Vektoren in dessen
Rucksack kramte, um nun etwas Härteres zum Werfen zu finden.
Ein erneutes Klicken. Bandou grinste. „Also, Junge, wir machen einen Deal. Ich
lasse dich am Leben und du bringst mich zu den anderen beiden.“
„Ähm...“
„Keine Sorge, ich habe nicht vor, Babysitter zu spielen. Warte 'ne
Sekunde!“
Er steckte seine Waffe ein und holte einen kleinen Block heraus. Eilig kritzelte
er etwas darauf, riss das Blatt heraus und reichte es Shou. Der Junge sah
fragend auf die Zahlen.
„Ist das... Ihre Handynummer?“
„Du bist mir ja ein ganz Schlauer.“
Ein Vektor nahm Shou das Blatt ab und steckte es in seinen Rucksack. „Was
wollen Sie von den beiden anderen?“
Bandou hob seinen Arm, so dass der Junge ein mechanisches Gelenk sehen konnte.
„Das hab ich einer von denen zu verdanken. Und die andere ist vielleicht
kleiner, aber die ist auch nicht viel besser. Also leg dich besser nicht mit
denen an. Ruf mich an, wenn du sie findest und warte dann auf mich, klar?“
„Ähm, okay, Herr Bandou, kein Problem.“
Shou hatte keineswegs vor, die Mädchen anzugreifen, aber wenn er in Gefahr war,
hätte er zumindest einen Verbündeten, dem er zwar nicht wirklich traute, der
aber besser war als nichts. „Kann ich... dann jetzt gehen?“
Bandou schnaubte. „Ja, hau ab! Und lass dich nicht mehr hier blicken!“
Der Junge fuhr herum und lief eilig davon. Er wusste nicht genau, wo er hinlief,
es war ihm nur wichtig, von diesem Mann weg zu kommen.
So landete er schließlich in einer Einkaufsstraße. Verschiedene Geschäfte
säumten die Straße zu beiden Seiten, unzählige Menschen liefen durcheinander
und schienen alle kein rechtes Ziel zu haben. Es war genau wie in der
Einkaufsstraße seiner Heimatstadt.
Er beruhigte sich wieder ein wenig. Immerhin musste er auch noch überlegen, wo
er nun hinsollte, wo er mit seinem bisschen Geld übernachten konnte.
Vielleicht hätte er ein wenig mehr mitnehmen müssen... Aber jetzt war es auch
schon zu spät.
Abrupt blieb er stehen. Er konnte spüren, dass ein Diclonius in der Nähe war.
Neugierig ließ er seinen Blick schweifen und dann sah er sie: Ein junges
Mädchen, vielleicht gerade mal 13 Jahre alt, trat aus der Bäckerei und nahm
einen kleinen Hund an die Leine. Das Mädchen trug ein Band im Haar, mit dem sie
scheinbar etwas verstecken wollte.
Er stand nur da und starrte sie an. Sie wirkte so wunderschön, aber auch
unnahbar. War sie wirklich ein Diclonius?
Auf einmal richtete sie sich wieder zur vollen Größe auf, sie bewegte sich
nicht. Doch plötzlich fuhr sie herum und starrte Shou direkt aus roten Augen
an.
Er hielt die Luft an.