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Baby Blues Geschichten

von taiyo
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P12 / MaleSlash
07.04.2007
06.03.2009
30
133.929
8
Alle Kapitel
287 Reviews
Dieses Kapitel
25 Reviews
 
 
07.04.2007 1.971
 
Konnichiwa!

Da so viele nette Leser gerne wissen wollten, wie es mit Zorro, Sanji und der kleinen Blue weitergeht, eröffne ich hiermit eine neue „Fanfiction“, die sich um den alltäglichen Wahnsinn der Kleinfamilie wider Willen dreht.

Wer einen besonderen Wunsch hat oder eine lustige Idee, kann sie mir gerne schicken. Da ich selber noch keine Kinder habe und nur aus Erfahrung als Patentante sprechen kann, freu ich mich über jede Anregung und schau, was ich daraus machen kann. ^^

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1. Nächtliche Gedanken


Die Kunst bestand darin, keinen Muskel zu bewegen. Denn sobald ein Muskel sich bewegte, knarrte der Stuhl. Und wenn der Stuhl knarrte, machte das Krach.
Und wenn es Krach machte, wurde Blue wach.
Und wenn Blue wach wurde…
Zorro schüttelte sich, natürlich nur im Geiste, weil er sich ja nicht rühren durfte.
Wenn Blue wach wurde, brach der Weltuntergang an, und darauf konnte er nun wirklich verzichten.

Gequält verzog der Schwertkämpfer das Gesicht und versuchte, seine Muskeln und vor allem seinen steifen Nacken mit der bloßen Kraft seiner Gedanken zu entspannen. Verdammt, er hätte sich bei Zeiten eine bequemere Position auf dem blöden Küchenstuhl suchen sollen, anstatt so lässig mit verschränkten Armen an der Wand zu lehnen. Das hatte er nun davon. Einerseits tat ihm schon alles weh, vom Fußknöchel hinauf über den Hintern bis in den Schultergürtel, und er sehnte sich danach, sich einfach nur mal für eine Sekunde strecken zu können. Andererseits saß er auf diesem Miststück von Schemel, der nur darauf wartete, dass er für einen klitzekleinen Moment sein Gewicht verlagerte, um dann laut zu knarren und zu quietschen. Und was das für Konsequenzen hatte, wusste er ja nur zu gut.

Blue hatte für ihr zartes Alter von vier Wochen eine Stimme, die ihn – meist schon nach wenigen Minuten Dauergebrüll – an eine kreischende Kettensäge erinnerte. Und dazu kam ein unheimlich empfindliches Gehör. Die Kleine hörte das Gras wachsen und die Mäuse husten, vor allem, wenn sie gerade eingeschlafen war. Bis sie schlief war es ja schon ein Kraftakt sondergleichen, der an allem zehrte, was ihre Väter an Nerven aufzubieten hatten, und wenn sie dann schlief, durfte man nicht den kleinsten Mucks mehr machen, wenn die ganze Prozedur nicht von vorne losgehen sollte. An und für sich war das auch nicht weiter tragisch, denn meistens hingen ihre Eltern dann schon so in den Seilen, dass sie ebenfalls an Ort und Stelle einschliefen.

Zu blöd, dass Blue, Zorro und Sanji nach der dritten Nacht in die Küche verbannt worden waren, wo sie nun ihr provisorisches Nachtlager aufgeschlagen hatten. So gerne Lysopp und Chopper Blue auch hatten, nachts war ihnen ihr Schlaf zu wichtig, als freiwillig darauf zu verzichten. In der Jungenkajüte war kein Platz für ein kreischendes Baby.
Und genau deshalb saß er nun auf diesem alten knarrenden Stuhl anstatt auf einer weichen komfortablen Couch, mit schweren Gliedern und dem dringenden Bedürfnis, alle viere von sich zu strecken, was ihm aber nicht möglich war.

So ein Dreck aber auch. Und der blöde Koch hatte nichts Besseres zu tun, als an seiner sowieso schon schmerzenden Schulter zu hängen und selig zu schnarchen.
Na gut, Sanji schnarchte ziemlich leise, aber allein die Tatsache, dass er schlafen konnte, und das scheinbar ziemlich bequem weil schon über eine halbe Stunde, fuchste Zorro tierisch.
Aus den Augenwinkeln schielte er auf den blonden Smutje hinab, dessen Kopf nahe seinem Schlüsselbein ruhte, so dass ihn bei jedem Atemzug des Kleineren ein feiner Lufthauch am Hals streifte.
Zorro verdrehte die Augen. Gerne hätte er ein tiefes, aus vollem Herzen kommendes Seufzen ausgestoßen. Musste Sanji das machen? Musste er ihm denn so auf die Pelle rücken, wenn er sowieso schon unter Anspannung stand? Fast hätte man meinen können, der Blondschopf machte das mit purer Berechnung!

Es war aber auch zum Davonlaufen, mit dem kleinen und doch so entscheidenden Haken, dass Zorro nicht davon laufen konnte! Es gab einfach kein Entkommen. Weder vor der Tatsache, dass er auf diesem Schiff arbeiten musste, bis seine Feinde nur noch vor dem Geklapper seiner Knochen wegrennen würden, noch vor der Präsenz des nervenaufreibenden Kochlöffels, und vor allem nicht vor seinem Herz, das in letzter Zeit die dumme Angewohnheit hatte, schneller zu schlagen, wenn er und Sanji sich so nahe kamen.
Und damit nicht genug, nein – dieses verdammte Herz machte neuerdings auch gemeinsame Sache mit seinem Kopf und spielte ihm wunderschöne Gedanken zu, die ihn bei 30 Grad im Schatten erschaudern ließen.
Allein schon beim Gedanken an diese Gedanken lief es Zorro gleich wieder kalt über den Rücken. Was hatte das bloß alles zu bedeuten? Warum kribbelte es andauernd und überall in ihm, wenn der Koch ihn angrinste? Warum wurde ihm so wohlig warm ums Herz, wenn er ihn mit Blue auf dem Arm sah? Und das Baby stand dem Blödmann fantastisch, das musste ihm der Neid lassen, noch besser als der Babybauch, von dem mittlerweile fast nichts mehr übrig war. Sehr zu Zorros Leidwesen, der großen Gefallen an der etwas moppeligen Sanji-Version gefunden hatte. Mit etwas mehr auf den Rippen sah Sanji richtig einladend aus, gerade so, als wolle er ihn zum Kuscheln auffordern…

Argh, da waren sie ja wieder, diese verdammten Gedanken!
‚Halt endlich die Klappe! Ich will davon NICHTS hören! NICHTS von Sanji und Kuscheln und sonstigen Schweinereien, die mich ÜBERHAUPT nichts interessieren!’ schimpfte Zorro mit der fiesen Stimme in seinem Kopf, die ihm alle diese Gedanken ins Ohr flüsterte.
Die Stimme war davon nicht im Geringsten beeindruckt. An Sturheit hätte sie es locker mit dem Smutje aufnehmen können, der da so süß schlummernd an ihm klebte und gerade sein Hemd voll sabberte. ‚Nee, oder…?’ dachte der Schwertkämpfer verdrießlich. ‚Langt es nicht langsam mal?’

Genau das war es. Die ganze Welt hatte sich gegen ihn verschworen, und Sanji hatte dazu aufgerufen! Lorenor Zorro war offiziell die allerärmste Sau auf diesem Planeten! Punkt!

Aber so gerne er den Koch auch um die ganze Grand Line geschossen hätte, weil er ihn so verwirrte – eines musste Zorro ihm lassen: Er war eine unglaublich gute Mutter.
Für Zorro war klar, wer von ihnen der Vater war, und wem die Mutterrolle gebührte. Und der Charmebolzen war eindeutig das weibliche Vorbild. Zickig, gefühlsduselig, perfekt wenn es um die Führung des Haushalts ging, pingelig bis zum geht nicht mehr… und leider auch wesentlich begabter, was die Handhabung eines Babys betraf.
Es war ja nicht so, dass Zorro sich keine Mühe gab. Und er war auch sehr lernfähig! Er hatte schließlich nur 2 Tage gebraucht, bis er begriffen hatte, wie man eine Windel richtig verschloss, und das Geheimnis des unten zuknöpfbaren Strampelanzugs hatte er sogar an einem halben Tag gelüftet! Gut, wie man das Fläschchen richtig temperierte wusste er immer noch nicht so richtig, aber er hatte ja noch genug Zeit, dass zu lernen!
Aber Sanji konnte das einfach alles von Anfang an und instintkiv. Genau wie eine richtige Mutter.
Und der Koch gab eine tolle Mutter ab, wenn er am Herd stand, die kleine Blue in der Brusttragetasche, in einer Hand eine Nuckelflasche, in der anderen Hand eine Rassel, während er den Löffel zwischen die Zehen geklemmt die Suppe umrührte. Wenn Männer tatsächlich nicht multi-tasking-fähig waren, konnte das nur bedeuten, dass an Sanji die ultimative Frau verloren gegangen war. Wenn er jetzt noch anfing, sich die Haare aufzurollen…

Fest biss Zorro sich auf die Lippen, um nicht laut loszuprusten. Die Vorstellung von Sanji mit Lockenwicklern war ja echt zum kreischen! Vor allem wenn er sich die rosa Schürze dazu dachte…

„Was genau ist so lustig, dass du von einem Ohr zum anderen grinst?“ murmelte eine schlaftrunkene Stimme, und Zorros Grinsen wurde noch breiter. Aha, Dornröschen war wach.
„Du.“ wisperte der Schwertkämpfer. „Und sei bloß still, Blue schläft jetzt schon ganze 40 Minuten durch! Noch 2 Minuten und 10 Sekunden länger, und wir haben einen neuen Rekord!“
Sanji hob den Kopf, schaute fragend und ziemlich verpennt zu Zorro hinauf, und dieser musste sich zum zweiten Mal für diesen Abend ein Stöhnen verbeißen. Warum musste der Koch auch so niedlich aussehen, wenn er verschlafen war? Konnte er sich denn nicht ein bisschen zurückhalten?
„Was?“ zischte der Blonde, dem es nicht entgangen war, wie der andere die Augen verdreht hatte, und wollte sich aufrichten. Soeben war ihm aufgefallen, dass er ja förmlich auf dem Schwertkämpfer draufhing, und dieser Zustand war ihm mehr als nur peinlich. Wie sah das denn aus! Er auf Tuchfühlung mit dem Marimo!
Doch Zorro, der keine Lust auf Weltuntergang hatte, packte ihn so vorsichtig wie nur möglich am Arm und zischte zurück: „Wenn du dich jetzt bewegst, knarrt der Stuhl, und Blue wird wach, und du weißt, was dann passiert.“

Eine feine Röte stieg Sanji ins Gesicht, und er fuhr sich mit der Zunge über die Lippen, die mit einem Mal so trocken geworden waren. Das hieß dann wohl, dass sein Kopf noch eine ganze Weile an Zorros Brust zu liegen hatte. Unbequem war es ja nicht, und seit neuestem duschte der Schwertfuchtler auch jeden Tag, was zur Folge hatte, dass er nun des Öfteren einen angenehmen Geruch verbreitete. Und gerade jetzt, wo seine Nase praktisch im Hemdkragen des Grünhaarigen steckte, strömte ihm noch dessen herber und extrem männlicher Eigengeruch entgegen. Sanji hätte lügen müssen, wenn er behauptet hätte, dieser Geruch würde ihm nicht gefallen. Überhaupt gefiel ihm in letzter  Zeit so einiges an dem Vizen, und das beunruhigte ihn ganz schön. Erst heute war ihm ein Gedanke gekommen, der dem Blonden im Nachhinein noch die tiefste Schamesröte ins Gesicht trieb.

Zorro hatte ihm Blue abgenommen, damit er fertig kochen konnte. Als der Schwertkämpfer so dagestanden hatte, in seinem engen weißen Hemd, die Haare noch feucht vom Duschen, und seine kleine Tochter auf dem Arm, die er breit angrinste, war Sanji nur noch durch den Kopf gegangen: „Wow…er sieht heiß aus.“
Der Smutje war von seinem eigenen Gedanken so entsetzt gewesen, dass er statt Salz Zucker an die Nudeln gemacht hatte, und zwar 5 ganze Löffel voll. Nachdem er  später beim Essen einige fragende Blicke hatte erdulden müssen, hatte er die ganze Sache auf die bleierne Müdigkeit geschoben und mit viel Müh und Not verdrängt. Bis jetzt.

Täuschte er sich, oder schlug das Herz des Schwertkämpfers ein wenig schneller als gewöhnlich? Selbst wenn – sein eigener Herzschlag dröhnte ihm so laut in den Ohren, dass Sanji sowieso kaum noch etwas richtig wahr nehmen konnte.
Und obwohl er so aufgeregt war, fühlte sich der Koch auf eine seltsame Art und Weise geborgen. Zorro war wie ein großer warmer Teddybär, an den man sich ankuscheln konnte und der böse Alpträume verscheuchte. Sanji kicherte leise, während er sich schwor, Zorro diesen Vergleich niemals und unter keinen Umständen zu erzählen. Der Spinatschädel hätte ihn massakriert…

„Ruhe, Blödmann!“ schnauzte Zorro den Blonden so leise wie möglich an.
„Selber Ruhe, Marimo. Ich will schlafen…“  kam es schon wieder recht schläfrig zurück.
Der Schwertkämpfer brummte irgendetwas unverständliches, als Sanji seine Augen schloss und noch mal leise seufzte. Also echt! Der Koch hatte vielleicht Nerven! Er war doch kein Kopfkissen für Notfälle! Wenn das jetzt jede Nacht so ging…
Zorros Züge entspannten sich, und er schloss ebenfalls die Augen.
Dann musste er es eben ertragen. So übel war das nun auch wieder nicht. Und er hatte festgestellt, dass er ziemlich gut schlief, wenn ihm der Geruch von Sanjis Vanilleshampoo in der Nase schmeichelte.

‚Zum Glück hat der Kochlöffel vorhin geduscht…’


Ende
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So, das war jetzt mal die erste Episode. Ich hoffe es hat gefallen! ^^

Ein paar Andeutungen zum Pairing Zorro und Sanji hat es ja schon gegeben, aber ich weiß noch nicht, in wie weit ich das ausbauen möchte. Die Vorstellung, dass Sympathie und auch ein paar Gefühle bei beiden vorhanden sind, mit denen sie aber noch nichts anzufangen wissen, gefällt mir eigentlich ziemlich gut. Damit lässt sich herrlich spielen…
Naja, mal schauen, was mir noch so einfällt.

Ach ja - frohe Ostern an alle!  ^^
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