In der Stadt des Mondes

von Ilcuvi
GeschichteAllgemein / P12
Bonifazius Mosca Prosper Riccio Scipio Wespe
25.03.2007
11.06.2015
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25.03.2007 1.664
 
So, nach endlosem Jammern, dass es viel zu wenig Herr der Diebe - Fanfiktions gibt, mache ich jetzt endlich selber was dagegen.
Mit dem Titel bin ich nicht so ganz zufrieden, aber mir ist grade einfach nichts besseres eingefallen (auf meinem PC ist sie einfach als HDD Fanfiktion benannt).
Was die Altersfreigabe angeht, wäre es auch nicht auszuschließen, dass sich da noch was ändert. Soweit ich in meinen Planungen bin, müsste es aber stimmen.
Noch zum Inhalt der Geschichte: Sie ist inhaltlich eigentlich mehr an dem Buch orientiert, setzt aber an der Stelle des Filmes an, an der die Kinder gerade bei der Casa Massimo waren. Dieses erste Kapitel beschäftigt sich mit Sachen, die auch in der Originalgeschcihte vorkommen, ich habe sie aber ein bisschen verändert. Das Alter der Kinder ist vom Buch aus gesehen wohl minimal heraufgesetzt, doch wie alt jeder nun ist, werdet ihr in der Geschichte zu lesen bekommen.

Gewidmet ist diese Geschichte meinem Freund, der viele Ideen für diese Geschichte hatte und sie ins Leben gerufen hat, und meiner Freundin Corinna, der ich es überhaupt verdanke, dass ich Herr der Diebe kenne (und noch vieles andere mehr(-; ).

Also dann...Countdown läuft...10...9...8...7...6...5...4...3...2...1...LOS

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Es war später Nachmittag in der Stadt des Mondes und Prosper, Mosca, Wespe, Riccio und Bo kehrten von der Casa Massimo ins Stella zurück.
Victor lag noch sicher verschnürt im Vorführraum. Fragend sah er die Kinder an: Was hatte der Ausflug ergeben? Glücklich sahen die Kinder verständlicherweise nicht aus…
Doch niemand sprach auch nur ein Wort mit ihm. Statt dessen ließen sie sich am Tisch nieder, außerhalb von Victors Hörweite.

Lange sprach keiner ein Wort. Ein jeder von ihnen war entweder ziemlich sauer auf Scipio, furchtbar traurig oder beides. Nur Bo dachte schon nicht mehr ganz so viel daran und streichelte eines seines Kätzchen, das er sich auf den Schoß gesetzt hatte.  
Wespe versuchte als erste ihre Gedanken wieder auf etwas anderes zu bringen, in dem sie anfing über den geplanten Einbruch zu sprechen: „Jetzt, wo wir von Scipio wohl nichts mehr bekommen werden, sollten wir – “
„Ich würde auch nichts mehr von ihm annehmen und wäre es noch so viel wert!“, unterbrach Riccio sie wütend. Der Zwölfjährige hatte den Herrn der Diebe immer ganz besonders bewundert, er war sein großes Vorbild gewesen und er hätte fast alles für ihn getan. So groß wie seine Loyalität vorher waren jetzt seine Enttäuschung und sein Zorn.
Wespe nickte. „Natürlich nicht, wir schaffen das auch alleine. Jetzt müssen wir den geplanten Einbuch erst recht ausführen.“
Prosper sah sie entgeistert an: „Das ist doch viel zu gefährlich! Wenn Scipio wirklich ein Dieb gewesen wäre, hätte er Erfahrung und könnte uns helfen, aber so?! Oder ist einer von euch schon mal in ein Haus eingebrochen?“
Alle schüttelten stumm den Kopf.
„Aber wir haben keine Wahl, Prosper“, erklärte Wespe. „Wir müssen doch von etwas leben. Oder willst du mit Bo lieber zu deiner Tante Esther zurück?“
Prosper biss sich auf die Lippe. Sie hatte Recht: Was sollten sie sonst tun? „Es ist aber gefährlich…“, murmelte er noch einmal, dann zuckte er mit den Schultern. „Du hast wohl recht! Ich weiß auch keinen anderen Weg.“
„Wir schaffen das bestimmt! Wir haben die Casa Spavento doch seit Tagen beobachtet und durch die Haushälterin bin ich schon einmal in die Küche gelangt: Es gibt keine Sicherheitsvorkehrungen. Wir werden den Flügel holen und die 50.000 Euro kassieren“, sagte Riccio enthusiastisch. Scipio – pah! Der war noch nie in seinem Leben in ein Haus eingebrochen, aber er, Riccio, würde es heute Nacht zusammen mit den anderen wagen.
Mosca nickte zustimmend und Bo hatte schon die ganze Zeit vor Vorfreude gelächelt. Für ihn war es einfach nur ein Abenteuer.


Nachdem sie sich die ersten Nachtstunden mit Spielen und einer von Wespe vorgelesenen Geschichte beschäftigt hatten, machten sich die fünf Kinder auf den Weg. Venedig bei Nacht war viel unheimlicher und bedrohlicher als bei Tag und alles war schrecklich still. Bo fing an ein Liedchen zu pfeifen, doch die anderen fuhren ihn sogleich an, er solle leise sein.
An der Casa Spavento angekommen, kletterten sie über die Mauer, wobei Prosper seinen kleinen Bruder einfach hinüber hob, überquerten schnell den nicht beleuchteten Außenhof und Mosca knackte vorsichtig das Türschloss. Er hatte extra einen passend zurechtgebogenen Draht mitgebracht. Im Haus fingen sie leise an den Flügel zu suchen.
Plötzlich, sie waren erst wenige Minuten dabei, ging eine Tür auf. Die Kinder versuchten noch sich zu verstecken, doch sie schafften es nicht mehr rechtzeitig. Die in der Tür erschienene Gestalt schien über das Zusammentreffen jedoch genauso erschrocken wie sie selber: Es war Scipio. Die anderen atmeten auf. Dann zischte Riccio: „Was hast du hier zu suchen? Verschwinde doch zu deinem Vater!“
Scipio ging einen Schritt nach hinten, von den anderen Kindern weg, und sagte: „Das ist doch unser aller Auftrag. Ich habe euch reingehen sehen und bin euch gefolgt. Wir machen den Einbruch wie geplant zusammen.“
„Du gehörst nicht mehr zu uns, Herr der Diebe!“, stellte Mosca wütend klar.
„Das könnt ihr nicht einfach so entscheiden. Ich – “
„Stopp!“, fiel Wespe ihm ins Wort. „Wir befinden uns bei einem Einbruch und  haben keine Zeit für sowas.“  
„Dann lasst mich mitmachen.“
„Niemals!“ Riccio hatte den Flüsterton abgelegt.
„Ohne mich hättet ihr den Auftrag gar nicht bekommen.“
„Seid doch endlich still! Du darfst hier bleiben, Scipio, weil wir dich nicht davon abhalten können, aber das ist auch der einzige Grund. Lasst uns jetzt weiter suchen!“ Wespe ging zum nächsten Zimmer, die anderen folgten ihr ohne Scipio noch eines Blickes zu würdigen.

Die Kinder betraten den Keller, in dem sich u. a. ein Fotolabor befand. Das war ein seltsamer Raum: dunkles Licht und die verschiedensten völlig unbekannten Instrumente! Mosca entdeckte ein paar Fotos, auf denen Bo auf dem Markusplatz abgebildet war. Wieso hatte die Frau Fotos von Bo gemacht? Was wollte sie von ihm? Die Kinder beschlich ein unheimliches Gefühl. Sie konnten nicht wissen, dass Signora Spavento Fotografin war und einfach verschiedene Kinder auf der Straße fotografierte.
Während sie noch besorgt über die Fotos tuschelten, stand plötzlich die Hausherrin mit einem Gewehr in der Hand hinter ihnen: „Was habt ihr in meinem Haus zu suchen?“ Die Kinder erschraken furchtbar und wichen ein paar Meter zurück.
„Nichts, gar nichts, wirklich! Nicht schießen!“, beeilte sich Riccio zu sagen.
Das hatte Ida Spavento auch gar nicht vor. Als sie verdächtige Geräusche gehört und das Gewehr geholt hatte, wusste sie schließlich noch nicht, dass es Kinder waren. Dennoch war sie sauer und misstrauisch und wollte wissen, was die Kinder denn vorhatten.

Währenddessen hatte Scipio sich mit dem gefundenen Flügel auf den Flur begeben, ihn abgestellt und sich vorsichtig hinter sie geschlichen. Mit einem Ruck riss er ihr nun das Gewehr aus der Hand und richtete es mit den Worten „Wir nehmen den Flügel mit.“ auf sie.
Den Flügel? Nur dieses alte nutzlose Stück Holz? Signora Spavento wusste nichts über die Geschichte dieses Gegenstandes, aber was für einen Wert oder Nutzen konnte er schon haben!? „Was habt ihr denn damit vor?“, fragte sie. Dabei ließ sie Scipio mit dem Gewehr nicht aus den Augen. Sie vermutet zwar, dass das Gewehr gar nicht mehr funktionierte, aber sicher war sie sich nicht.  
„Wir wollen es ja auch gar nicht für uns“, berichtete Bo. Die blonde Frau sah freundlich aus und machte dem Sechsjährigen keine Angst mehr.
Die anderen wollten die Villa jedoch so bald wie möglich verlassen und brachen das Gespräch ab. Während Scipio Signora Spavento mit dem Gewehr in Schach hielt, schoben sich die anderen vorsichtig an ihr vorbei durch die Tür und so schnell wie möglich verließen die sechs Kinder mit dem Flügel das Haus.
Ida Spavento blieb nachdenklich zurück: Warum hatten die Kinder diesen Einbruch begangen? Hatten sie niemanden, der für sie sorgte?


Die Sechs zogen mit der Beute zurück ins Stella. Scipio, der sich wortlos angeschlossen hatte, wurde einfach ignoriert.
Im Sternenversteck angekommen, bekamen sie einen riesigen Schreck: Victor war weg. Seine ehemaligen Fesseln lagen auf dem Boden des Vorführraums, zwischen ihnen lag ein Brief:

Macht euch keine Sorgen, ich werde niemandem von euch und diesem Versteck erzählen. Den Hartliebs werde ich sagen, dass ich Prospers und Bos Spur bis nach Rom verfolgt und dort verloren habe. Dann werden sie hier hoffentlich nicht mehr nach euch suchen. Wenn ihr irgendwelche Probleme habt, dürft ihr gerne zu mir kommen. Victor

Die Kinder hatten keine Wahl, sie mussten ihm notgedrungen glauben.
„Es ist jetzt Zeit für dich zu gehen“, wandte sich Wespe an Scipio. „Die Nacht war anstrengend, wir wollen noch ein wenig schlafen.“
Traurig wandte der Angesprochene den Kopf ab. „Es tut mir leid, was ich getan habe!“
„Schön, erzähl das doch deiner falschen schwarzen Maske, wir wollen es jedenfalls nicht hören.“ Mosca begann sich umzuziehen.
„Es tut mir wirklich leid!“
Wespe schüttelte den Kopf. „Gute Nacht, Scipio.“
Doch dieser fuhr unbeirrt fort: „Ich weiß, dass es falsch war, dass ich euch angelogen habe, aber sonst hättet ihr euch doch gar nicht von mir helfen lassen. Ich musste doch eine Geschichte erfinden.“
„Ach so!“, fauchte Riccio. „Es ist also unsere Schuld, dass du gelogen hast. Na klar!“
„Nein“, sagte Scipio leise, „so habe ich das nicht gemeint.“
„Gib’s doch einfach zu: Du fandest es toll, dass wir dich so angehimmelt haben! Das war der Grund, warum du uns diese Lügen aufgetischt hast. Und wie arrogant du immer warst, der stolze Herr der Diebe – pah!“ Riccio spuckte verächtlich auf den Boden.
Scipio errötete und wusste nichts zu erwidern. Es war zu viel Wahres in Riccios Worten. Schließlich wiederholte er noch einmal: „Es tut mir wirklich leid!“
Die anderen wandten sich ab und begannen sich wie Mosca zum Schlafen umzuziehen.
Scipio drehte sich um und machte sich langsam auf dem Heimweg. „Ich wäre lieber eine Waise wie ihr.“ Er verschwand in der Dunkelheit.

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