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Tabu

GeschichteDrama / P18 / Het
Hermine Granger Severus Snape
10.03.2007
11.11.2007
66
261.139
172
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Dieses Kapitel
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10.03.2007 2.697
 
Disclaimer: Die Rechte an allen bekannten Personen, Orten, Zaubersprüchen usw. gehören natürlich J.K. Rowling. Der Rest ist von mir - ich schreibe nur zum Vergnügen, und ziehe keinerlei finanziellen Vorteil hieraus.

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Nachdem ich schon länger nicht mehr über Hermine geschrieben habe, muss ich das nun dringend nachholen. Diese Geschichte ist zugleich der Versuch, mich einmal an einer etwas ernsteren Handlung zu versuchen, also seid gewarnt – es wird nicht ganz so „flockig“ wie sonst, vorausgesetzt, ich halte das auch durch. ;)

Ich wünsche euch viel Spaß beim Lesen!

LG,

Chrissi

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TABU

Kapitel 1

Es war merkwürdig still auf der kleinen Lichtung.

Sie lag inmitten des dichtbewachsenen Uferbereichs und ihr Zugang war von Gräsern und Gestrüpp fast vollkommen zugewuchert, sodass die wenigen Spaziergänger, die sich hierher verirrten, meist achtlos daran vorüber gingen, ohne sie zu bemerken.

Nur das vereinzelte Gezwitscher der Vögel durchbrach die Stille, und hin und wieder ein gedämpftes Lachen oder Rufen, das von so weit weg zu kommen schien, dass man es nur als vages Nebengeräusch am Rande des Bewusstseins wahrnahm.

Es war ein friedlicher Ort – weitab der Hektik und der Quirligkeit, die in unmittelbarer Nähe des Schlosses um diese Tageszeit herrschten.

Die Schüler nützten gewöhnlich die Mittagspause, um sich in kleinen Gruppen, oder auch zu zweit, schwatzend über das Gelände zu verteilen. Verstreut waren auch Einzelgänger anzutreffen - meist lernten sie, oder hatten zumindest die Nase tief in ein Buch vergraben - aber nur wenige sonderten sich völlig von der Masse ab.

Eine dieser Wenigen war Hermine Granger, die sich zu der kleinen, verborgenen Lichtung am See begeben hatte, um dort der Stille zu lauschen.

Hermine hatte sich genau in die Mitte der fast kreisrunden Lichtung ins hohe Gras gesetzt und ihre Beine zu einem einigermaßen bequemen Schneidersitz verschränkt.

Sie kam nun schon seit einiger Zeit nahezu regelmäßig hier her – immer wenn ihr der Trubel beim Schloss zu viel wurde, und das war neuerdings fast täglich der Fall.

Früher, als ihre Welt noch in normalen Bahnen verlaufen war, hätten ihre Freunde Harry und Ron sie vermutlich gefragt, was sie denn hier täte – hätten sich Sorgen gemacht, weil sie sich so absonderte und vielleicht auch versucht, sie auf andere Gedanken zu bringen. Auch Ginny, Neville oder vielleicht auch Luna hätten sich um sie gesorgt.

Dieser Tage jedoch war das anders.

Neville hatte die Schule bereits im vorigen Jahr beendet.

Luna lag im St. Mungos – sie war im finalen Kampf gegen Voldemorts Armee zwischen die Fronten geraten und von einem üblen Fluch getroffen worden, von dessen Folgen sie sich immer noch nicht ganz erholt hatte. Hermine besuchte sie regelmäßig, aber meistens erkannte Luna sie gar nicht.

Harry und Ginny hatten sie neulich zwar einmal gefragt, wo sie denn immer hinverschwände, aber nach einer vagen Ausrede, von wegen sie müsse in Ruhe lernen, hatte scheinbar keiner von beiden mehr einen Gedanken an sie verschwendet. Aber sie waren ja auch viel zu beschäftigt, sich gegenseitig abzuschlecken! Halt! Das war unfair! Harry und Ginny liebten sich eben – da war es nur natürlich, dass sie sich für andere Menschen nur noch wenig interessierten. Außerdem gönnte sie den Beiden ihr Glück von ganzen Herzen...

War das wirklich so?

‚Soll das ein Witz sein? Du bist von Neid geradezu zerfressen!’, sagte eine boshafte kleine Stimme in ihrem Hinterkopf, eine Stimme, die im Lauf der letzten Monate immer lauter geworden war, und die oft genug ihr einziger Gesprächspartner war.

Energisch teilte sie der Stimme mit, dass sie gefälligst ihren Mund halten sollte.

Und Ron...? Hätte er sich um sie gekümmert, wenn er hier gewesen wäre? Sie hatte keine Antwort darauf und es war auch nicht mehr wichtig, denn Ron war tot.

Der Schmerz, den sie empfand, wenn sie daran dachte, überwältigte sie jedes Mal wieder aufs Neue. Im Gegensatz zu Harry und Ginny hatte sie es nicht einmal annähernd fertig gebracht, die Lücke die er bei seinem Tod hinterlassen hatte, zu schließen.

Dabei war Harry sein bester Freund und Ginny seine Schwester gewesen, und sie nur die etwas nervtötende Freundin, von der er sich die Hausaufgaben machen ließ. Nein – damit tat sie ihm unrecht, und das wusste sie genau. Ihre Bitterkeit und die damit verbundene Ungerechtigkeiten - auch wenn sie jene nicht aussprach, sondern lediglich in ihrem Kopf formulierte - erschreckten sie.

Wer sonst könnte sich möglicherweise um sie sorgen?

Hagrid – der wohl zuverlässigste Freund ihrer früheren Jahre – war verschollen, seit er zu einer weiteren Expedition zu den Riesen aufgebrochen war.

Professor McGonagall?

Früher einmal wäre das vielleicht so gewesen – aber seit Dumbledores Tod hatte ihre ehemalige Hauslehrerin so viel zu tun, dass sie nur noch sporadisch dazu kam, sich um das Wohl ihrer einzelnen Schützlinge zu kümmern.

Tonks?

Sie war neuerdings Lehrerin für Verteidigung gegen die dunklen Künste. Hermine war zwar mit ihr befreundet, aber wenn sie beisammen waren, redeten sie meist über Remus Lupin, der beim Kampf gegen Voldemort gefallen war und dessen Tod Tonks noch immer nicht überwunden hatte. Oder aber Tonks schimpfte über ihren Horror-Kollegen Professor Snape, der ihr das Leben schwer machte, wo es nur ging.

McGonagall hatte es nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren können, Professor Snape die Stelle für Verteidigung zu überlassen, obwohl er mittlerweile auch offiziell völlig rehabilitiert war. Immerhin war er trotz allem der Mörder Dumbledores – aus welchen hehren Beweggründen er auch gehandelt haben mochte – und ihn ausgerechnet dieses Fach unterrichten zu lassen, hätte mit Sicherheit für erhebliche Beklemmung unter den Schülern gesorgt, ganz zu schweigen, von ihrer eigenen.

Anfangs hatte die Direktorin es für eine geniale Idee gehalten, die Stelle mit Tonks zu besetzen, denn abgesehen davon, dass diese jede Menge Ablenkung brauchen konnte, nach dem Tod Lupins, hoffte sie, dass Snape sich gegenüber einer Frau – und noch dazu einer verdienten Kämpferin gegen das Böse – etwas umgänglicher und vielleicht sogar hilfsbereit zeigen würde. Diese Hoffnung hatte sich allerdings als ein glatter Schuss in den Ofen herausgestellt.

Snape war unhöflich und ruppig wie eh und je – um genau zu sein eher noch schlimmer – und er ließ keine Gelegenheit aus, um seiner jungen Kollegin das Leben schwer zu machen.

Daran änderte auch die Tatsache nichts, dass McGonagall ihn zum stellvertretenden Schulleiter befördert hatte. Es hatte ihn kein bisschen zufriedener gemacht, sorgte allerdings dafür, dass es der Mehrheit der Schüler den Schweiß auf die Stirn trieb, wenn McGonagall einmal länger aushäusig war und nicht wenige schlossen aus diesem Grund ihre Direktorin allabendlich in ihr Nachtgebet ein.

Snape! Genaugenommen war er eine der wenigen Konstanten im Bezug auf ihr früheres Leben – das vor dem Endkampf.

Er war zuverlässig geblieben in seiner Bosheit und seinem scharfenzüngigen Zynismus.

Die mittlerweile sichere Gewissheit, auf welcher Seite er stand - und mehr oder weniger immer gestanden hatte – hatte ihn kein bisschen sympathischer gemacht. Im Gegenteil! Er schien sich seit seiner Rückkehr an die Schule zu bemühen, noch abweisender und schroffer aufzutreten.

Die meisten Schüler fürchteten ihn nach wie vor, wie der Teufel das Weihwasser und die von ihm verhängten Strafarbeiten waren berühmt-berüchtigt.

Hermines Einstellung zu ihm hatte sich nur dahingehend verändert, dass sie sich nicht mehr so zu Herzen nahm, was er auf sie losließ – zumindest nicht die ganz alltäglichen Bosheiten. Neuerdings hatte sie sogar Gefallen daran gefunden, sich ein wenig mit ihm anzulegen – eine morbide Beschäftigung, das war ihr klar – aber sie hatte dann wenigstens für ein paar kurze Momente das Gefühl zu leben, und die zum Teil fast ehrfürchtige Bewunderung, die ihr die anderen Schüler gewöhnlich für ihren Mut zollten, tat ihrem Ego gut.

Hermine streckte die Arme und die mittlerweile schmerzenden Beine von sich und ließ sich rücklings ins Gras sinken.

Eine Zeit lang sah sie den vereinzelten Wölkchen nach, die vorüberzogen und die in ihrer duftigen Leichtigkeit gar nicht so recht zu ihrer düsteren Stimmung passen wollten.

Was würde passieren, wenn sie einfach hier liegen blieb? Ohne sich zu bewegen! Bis die Nacht hereinbrach!

Wann würde jemand merken, dass sie fehlte? Heute Nachmittag? Heute Abend? Oder erst morgen?

Sie stellte sich vor, wie die Schüler und Lehrer ausschwärmten um sie zu suchen. Sie würden vorbeilaufen an diesem Versteck ohne zu ahnen, dass sie nur einen Steinwurf weit entfernt lag. Selbst, wenn jemand die Lichtung betreten würde, bliebe sie im hohen Gras vor den Blicken des Suchenden verborgen.

Was würde passieren, wenn sie einfach aufhören würde zu atmen? Ein letztes Herauspressen der Luft aus den Lungen – und Schluss! War es möglich, den körperlichen Atemreflex mit der puren Kraft des Willens zu bezwingen?

Sie stellte sich vor, wie das Leben langsam aus ihrem Körper wich, der Herzschlag immer langsamer und schwächer wurde, und der Geist sich von der Materie trennte, um – wohin auch immer – zu entschwinden, bis schließlich eine tiefe, endgültige Ruhe sich in ihr ausbreitete.

Ihr Leib würde allmählich abkühlen – angefangen bei den Gliedmaßen, bis hin zum Rumpf – so lange bis er die Temperatur der Luft erreicht hätte. Die Starre würde bei den Augen beginnen und sich über die Kiefermuskulatur und den Nacken langsam nach unten vorarbeiten, bis schließlich ihr ganzer Körper steif wäre. Irgendwann am nächsten Tag, würde diese Starre sich wieder lösen, und dann würde der wirklich unappetitliche Teil dieser Angelegenheit beginnen – ihr Körper würde den natürlichen Prozess eines jeden abgestorbenen Organismus gehen – der Verwesungsprozess würde einsetzten. Ihr verfaulendes Fleisch würde mit der Zeit jede Menge kleiner Gäste anlocken – Maden, Würmer, Käfer, Ameisen - und im späteren Stadium würden vielleicht sogar Pilze ihre Sporen in die Reste des zerstörten Gewebes bohren.

Komisch, dass es sie nicht ekelte, bei diesem Gedanken... dabei waren es so viele Würmer und es wurden immer mehr... es tat auch gar nicht weh, wie diese sich in sie hineinfraßen... es kitzelte nur ein bisschen... und sie wusste ja, dass diese Tierchen eigentlich nichts gegen sie hatten – sie folgten einfach ihrem natürlichen Instinkt, eine eigentlich sehr sympathische Eigenschaft... irgendwie hatte es etwas Friedliches, wie sich die kleinen Racker an ihr gütlich taten... Hermine zwinkerte einem der Würmer freundlich zu und wenn sie nicht alles täuschte, zwinkerte er zurück mit einem seiner winzigen Augen... Augen?

MOMENT MAL! Würmer hatten keine Augen!

Hermine schlug ihre Augen auf. Was für ein absurder Traum! Traum?

Sie blickte für einen Moment lang alarmiert nach oben. Die Sonne stand immer noch fast im selben Winkel, wie zuvor, als sie sich hingelegt hatte. Es konnte also nicht all zu viel Zeit vergangen sein.

Allerdings standen die Chancen recht gut, dass die Mittagspause bereits vorbei war und der Unterricht wieder begonnen hatte.

Verdammt! Warum war sie nur eingenickt? Ausgerechnet heute, wo für die ersten beiden Nachmittagstunden Zaubertränke in Snapes Kerker auf dem Stundenplan stand.

Er würde sich ziemlich übel aufführen, wenn sie verspätet zu seinem Unterricht erschien.

Hastig stand Hermine auf und klopfte sich das Gras aus der Kleidung. Sie verließ ihre Zufluchtsstätte und lief eilig über die Wiesen auf das Schloss zu. Der fehlende Geräuschpegel sagte ihr, dass sie mit ihrer Befürchtung, die Unterrichtszeit betreffend, richtig gelegen hatte.

Snape würde ihr den Kopf abreißen!

Im selben Moment, als sie den Gedanken zuende gedacht hatte, verlangsamte Hermine ihre Schritte. Es war egal, ob sie nun einige Minuten früher oder später im Kerker erscheinen würde – zu spät war sie auf jeden Fall. Aber zumindest konnte sie sich dabei die Peinlichkeit ersparen - zusätzlich zu der unabwendbaren Strafpredigt - noch völlig verschwitzt und außer Atem zum Unterricht zu erscheinen.

Gemessenen Schrittes ging sie kurz darauf auf den Eingang des Schlosses zu.

Ein Umstand, den sie allerdings nicht in ihre Überlegungen einbezogen hatte, war die Tatsache, dass ihr Weg vom vordersten der Kerkerfenster aus einsehbar war und die Möglichkeit, dass der finsterste aller Schlossbewohner ausgerechnet in dem Moment als sie gemächlich vorbeischlenderte, aus eben diesem Fenster sehen könnte.

Trotz ihrer erheblichen Fähigkeiten als Hexe, nahm Hermine den Blick nicht wahr, der ihr aus den Tiefen des Kerkers zunächst ungläubig, dann aber mit rapide anwachsendem Zorn folgte.

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Als Hermine den Klassenraum betrat würdigte Snape sie zunächst keines Blickes. Er unterbrach trotz der Störung den Vortrag, den er gerade in der ihm eigenen kalten Schärfe hielt, nicht einmal ansatzweise.

Ginny und Harry, die sich natürlich eine Bank teilten, starrten Hermine mit großen fragenden Augen an, als sie sich eine Reihe hinter ihnen niederließ und in aller Seelenruhe begann, die benötigten Bücher auszupacken.

Harry und sie waren in ihrem regulären siebenten Schuljahr so gut wie gar nicht im Unterricht gewesen - die meiste Zeit nicht einmal in Hogwarts. Sie hatten die Abschlussklasse im Jahr darauf wiederholt und damit gleichzeitig mit Ginny begonnen.

Harry und Ginny – das Traumpaar! Sie hatten im ganzen Schloss für Gesprächsstoff gesorgt, als ihre Beziehung zueinander öffentlich bekannt wurde. Der Held und die kleine Schwester des gefallenen besten Freundes des Helden – das hatte ein Romantikpotential, das seines gleichen suchte. Und es schien auch auf längere Sicht zu funktionieren. Die beiden waren unzertrennlich.

Hermine wunderte sich manchmal, dass Snape das Paar in seinem Unterricht nicht auseinander setzte, nur um sie zu ärgern, aber es schien so, dass er es im Gegensatz zu früher vermied, Harry allzu deutlich an den Karren zu fahren - im Gegenteil – er ignorierte ihn weitgehend. Nur wenn Harry aufgrund dieser vermeidlichen Narrenfreiheit übermütig wurde und seinerseits anfing zu provozieren, legte sich Snape in altbekannter Manier ins Zeug und man musste anerkennen, dass er aus diesen Auseinandersetzungen gewöhnlich als klarer Sieger hervorging.

Als Snape seinen Monolog zu Ende gebracht hatte, kam er geschmeidigen Schrittes auf Hermines Platz in der letzten Reihe zu.

Hermine, die beharrlich so tat, als hätte sie ihn noch nicht kommen sehen und das Tränkerezept, dass auf der Tafel stand in ihrem Buch nachschlug, hob nicht einmal den Kopf, als er direkt vor ihrer Bank aufbaute.

„Miss Granger!“, sagte Snape, und sein Ton war derart mit Verachtung getränkt, dass es ihr kalt den Rücken hinunter lief.

„Professor?“, sagte Hermine so ruhig, wie es ihr möglich war.

„Sie haben also beschlossen, uns doch noch mit Ihrer werten Anwesenheit zu beehren“, sagte Snape, und wieder ergoss sich seine Geringschätzung wie schwarzes Öl über die junge Frau, die es vermied, ihm länger als eine Sekunde lang an einem Stück in die Augen zu sehen.

„Ja, Sir!“, sagte Hermine und betrachtete ihre Hände, die sittsam gefaltet auf der Bank lagen.

„Verraten Sie mir eventuell, was uns letztendlich doch noch in den Genuss Ihrer Gegenwart bringt?“, fragte Snape mit vorgeblich einschmeichelnder Stimme.

„Das Interesse an der Kunst des Zaubertrankbrauens“, sagte Hermine wie aus der Pistole geschossen.

„Und - was meinen Sie - denken Sie dass es angemessen ist, selbst für eine notorische Besserwisserin wie Sie, zwanzig Minuten zu spät zum Unterricht zu erscheinen?“, fragte Snape und musterte sie mit hochgezogenen Augenbrauen und verschränkten Armen, aufmerksam, den Kopf leicht schräg gelegt, als wolle er auch nicht die geringste Nuance ihrer Antwort verpassen.

„Nein, Sir!“, sagte Hermine, die im Laufe der letzten Monate gelernt hatte, diese Art von Beleidigungen gelassen hinzunehmen.

„Nein, Sir? Sonst nichts, Miss Granger?“, schnarrte Snape.

„Verzeihung, Sir!“, sagte Hermine und schaffte es, ihren Ton ein kleines Bisschen gelangweilt klingen zu lassen.

Snapes Augen verengten sich.

„Ich hätte gerne bis morgen einen Aufsatz von Ihnen“, sagte er eisig, „und zwar in der Länge von exakt zwei Rollen Pergament, und nicht das Doppelt- bis Dreifache, wie das sonst so ihre Art ist, wenn sie ins Schwafeln geraten. Das Thema lautet: ‚Warum ich es in Zukunft vermeiden sollte, zu spät zum Zaubertränkeunterricht zu erscheinen, auch wenn ich meine, sämtlichen Stoff schon zu beherrschen und die Prüfung mit Leichtigkeit zu bestehen’. Ich bin schon sehr gespannt auf Ihre Ausführungen, Miss Granger“, fügte er mit dem Ansatz eines boshaften Grinsens hinzu.

„Davon bin ich überzeugt, Sir!“, sagte Hermine und sah ihn treuherzig an.

„Übertreiben Sie es nicht!“, knurrte Snape leise.

„Nein, Sir!“, sagte Hermine artig.

„Sie müssen immer das letzte Wort haben, oder?“, sagte Snape kopfschüttelnd.

„Ja, Sir! Äh – ich meine natürlich – nein, Sir!“, sagte Hermine, und bemühte sich ernst zu bleiben.

„Halten Sie den Mund, Granger!“, sagte Snape scharf und wandte sich ab um zu seinem Pult zurückzukehren.

„Jawohl, Sir!“, sagte Hermine leise, als er schon ein paar Schritte weit gekommen war.

Snape drehte sich um und warf ihr einen scharfen Blick zu. Sie zwang sich, diesen mit unbedarfter Mine zu erwidern, woraufhin er seinen Weg beendete, ohne noch ein weiteres Wort zu verlieren.

Während Snape den Unterricht fortsetzte sonnte sich Hermine einen kurzen Moment lang in der Anerkennung ihrer Mitschüler, die ihr allerdings nur halb so gut tat, wie der Anblick von Harrys besorgtem Gesicht.

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Fortsetzung folgt...
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