Devil May Care I + II

GeschichteDrama / P16 Slash
25.02.2007
07.07.2008
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Dieses Kapitel
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PROLOG



Alles war bereits im vollen Gange, als die letzten Gäste ihren Weg zu dem kleinen, gelben Haus am Ende der Straße gefunden hatten. Laute, rockige Musik drang aus den Boxen des Hauses und war für die Untermalung der guten Laune zuständig.
Chester Bennington, ein zierlich gebauter, junger Mann, war eifrig damit beschäftigt, seine Freunde zu begrüßen und zu unterhalten, die seinetwegen auf die Party gekommen waren. Es war der 20. März 1999, sein 23. Geburtstag.
Die ersten richtig warmen Frühlingstage hier in Arizona waren dafür verantwortlich, dass aus der eigentlich innerhäuslich geplanten Party, eine Gartenparty geworden war.
Es waren an die zwanzig Menschen, die Chester eingeladen hatte und die zum Großteil auch zugesagt hatten. Die Tatsache, seinen Geburtstag mit so vielen Freunden verbringen zu können, war eine wundervolle Tatsache, die ihn schrecklich glücklich machte. Endlich schien Chester ein geregeltes Leben auf die Beine bekommen zu haben. Auch wenn seine Frau Samantha, der er vor knapp 3 Jahren das „Ja-Wort“ gegeben hatte, mit ihm einiges durchmachen musste, waren sie nun soweit, sich einem ruhigen Leben zu widmen. Es waren eine Menge Geldsorgen gewesen, die beide durchzustehen hatten und obwohl sie sich nun ein kleines Haus leisten konnten, waren die Zahlen auf seinem Konto noch immer ein wenig besorgniserregend. Aber Chester war ein Mensch, dem Geld nicht so sehr wichtig war. Er wollte lieber das Leben genießen. Wahrscheinlich war das eine der vielen Tatsachen, warum Samantha ihn so sehr liebte. Sie beide hassten dieses spießige Leben, sie beide waren glücklich mit ihren gemeinsamen Freunden und freuten sich über die kleinen Dinge, zu denen auch diese Geburtstagsparty zählte.
Chester stand mit einem Glas Sekt in der Hand neben ein paar seiner Freunde und beobachtete Samantha, die über das ganze Gesicht strahlte und mit einem Tablett unterschiedlicher Snacks von Gast zu Gast eilte und ihnen allen etwas anbot. Er liebte ihre herzliche Art, er liebte eigentlich alles an ihr. Jeden Tag wunderte es ihn aufs Neue, dass so eine hübsche Frau vorhatte, ihr restliches Leben mit ihm verbringen zu wollen. Vor Samantha war Chesters Leben eher chaotisch gewesen. Seine Eltern hatten sich scheiden lassen, als er elf Jahre alt war. Danach hatte er mit seinen vier älteren Halbgeschwistern bei seinem Vater gelebt und eigentlich eine recht schöne Kindheit verbracht. Als dann jedoch die High School begann, geriet Chester einige Male auf die schiefe Bahn, klaute eine Zeit lang und nachdem sich einige seiner Freunde umgebracht hatten, schien auch er den wahren Sinn des Lebens verloren zu haben. Chester hatte einen gewissen Wohlstand nie erfahren, denn immer musste er zurückstecken und teilen, eine Sache, die auf der High School mit hochgezogenen Augenbrauen beurteilt wurde. Der erste Mensch, der Chester ein Gefühl von Anerkennung und Zuneigung entgegengebracht hatte, war Jamie gewesen, Chesters erste große Liebe. Jamie hatten ihn oftmals aufgebaut, wenn Chester an seiner High School gemoppt worden war, weil er mal wieder nicht die neuesten Videospiele hatte oder sich keine angesagten Klamotten leisten konnte. Die Liebe von Jamie tat ihm sehr gut, doch dann kam der absolute Tiefschlag, als Chester eines Morgens erfuhr, dass sich sein Freund bei einem Skateboardunfall das Genick gebrochen hatte und nun tot sei. Chester glaubte, diesen Verlust und seine Trauer nicht aushalten zu können und so versuchte er all seine Gefühle durch Drogen zu ersticken. Gerade rechtzeitig kam dann jedoch Samantha in sein Leben, die aus Chester wieder einen vollwertigen Menschen machte und ihm das Gefühl zu lieben und geliebt zu werden, zurückgab, das Chester nach dem Tod seines ersten Freundes Jamie vollkommen verloren hatte.
Es hatte eine sehr lange Zeit gedauert, bis Chester über die Sache mit Jamie hinweggekommen war. Einige Stunden hatten Samantha und er zusammen gesessen und darüber geredet, einige Male hatte sie seine Tränen weggewischt und ihm geschworen, dass sie ab jetzt auf ihn aufpassen würde. Und irgendwann war aus diesem versprochenen Schutz dann Liebe geworden.
Nach Chesters High School Abschluss hatte er dann eine Beschäftigung gefunden, die ihm sehr großen Spaß machte. Seine Band Grey Daze, die er mit seinen damaligen drei Freunden gegründet hatte. Er liebte das Singen und mit Samanthas Ermutigungen schaffte er es sogar zwei Alben auf den Markt zu bringen. Erfolgreich war die Band nie gewesen, aber das war ihm egal, Hauptsache er konnte sein Talent ausleben. Doch auch diese Zeit musste irgendwann einmal ihr Ende finden, nach einem riesigen Streit zwischen den vier Freunden. Ihre Band ging daran kaputt, ebenso wie Chesters großer Traum, einmal ein richtig berühmter Rockstar zu werden.
Nach all diesen Tiefpunkten in seinem Leben hatte sich Chester dann darauf besinnt, die kleinen Dinge im Leben zu schätzen und zu würdigen. Samantha hatte seit kurzem wieder Arbeit gefunden und das würde er auch bald schaffen, auch wenn der Traum von einer weiteren Band noch immer fest in seinem Hinterkopf verankert war.
„Chester!“ Samantha winkte ihm plötzlich zu. „Kommst du mal?“
Den Wunsch seiner Frau befolgend, entschuldigte sich Chester bei seinen Freunden und trat ins Haus. Samantha stand neben dem Telefon und murmelte ein „Moment bitte“ in den Hörer, bevor sie ihn Chester überreichte. „Für dich!“
Chester nickte und meldete sich. Mit Sicherheit würde es jemand sein, der ihm gratulieren wollte. „Hallo?“, meinte er also mit freudiger Erwartung auf denjenigen, der an seinen Geburtstag gedacht hatte.
Er war umso überraschter, als an der anderen Leitung eine Stimme zu hören war, die er noch nie zuvor gehört hatte. Sie war männlich und ein wenig tief.
„Hallo, du bist Chester, richtig?“
„Äh ja, der bin ich.“
Ein kurzes, erfreutes Lachen war zu hören. „Freut mich, Chester. Ich bin Mike. Mike Shinoda!“