Die Söhne der Sieben

von Lelis
GeschichteRomanze, Übernatürlich / P18 Slash
24.02.2007
20.08.2009
7
66.241
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24.02.2007 12.632
 
»Sohn der Trägheit«


Ein Schwarm Flughunde umkreiste den Turm. Das Geräusch der unzähligen Flügel verdrängte die Stille aus dem warmen Gemach, in dem ich mich in einem Meer aus Kissen wohlig rekelte. Alles war in das dumpfe, rötliche Licht der Feuermeere von draußen gehüllt. Doch das Getier vor dem Fenster verdarb mir die Stimmung. Regungslos warte ich darauf, dass sich eines von ihnen zu mir hereinverirrte. Sie taten mir nicht den Gefallen und ich war zu faul, um mir eines zu fangen. Mir war langweilig. Seit Wochen hatte sich nichts Aufregendes ereignet. Nicht einmal Inkubus kam mich besuchen, um etwas zu kuscheln, wie er es sonst immer getan hatte. Zu Beginn war ich noch geduldig gewesen, dann beleidigt, doch allmählich wurde ich leicht ungehalten über seine Untreue.

Das Klatschen der Flügel kam näher. Ein besonders wagemutiges Geschöpf hatte es tatsächlich gewagt meine Räumlichkeit mit seinem hässlichen Körper zu entweihen. Ein finsteres Lächeln überzog meine vorher erschlafften Züge. Mit einer müßigen Bewegung legte ich mein Handgelenk frei und lockte das Tier mit dem süßlichen Aroma meines dickflüssigen Blutes zu mir. Es folgte seinem instinktiven Verlangen und näher. Aus der Bewegungslosigkeit schnellte meine Hand auf und griff nach dem Biest, bevor es seine kleinen, scharfen Zähne in meine Haut rammen konnte.

Genüsslich spürte ich die zappelnde Wärme, während ich den Druck meiner Finger immer weiter verstärkte bis das Zappeln endlich verstummte. Ein ekliges Geräusch platzender Haut ertönte und das unreine Blut des Wesens lief über meinen Arm und befleckte meine Kleidung. Angeekelt ließ ich von dem Leichnam ab und erhob mich zum ersten Mal seit Tagen von meinem Lager. Nachdem ich das Laster meines Vaters einmal überwunden, mich gewaschen und umgezogen hatte, überwand ich mich auch ihm nicht wieder zu verfallen, sondern verließ den Turm.

Ich hatte Blut gerochen und war hungrig geworden. Vor mir krochen die niedrigen Dämonen meines Vaters und bettelten um meine Aufmerksamkeit. Einer Hübscheren unter ihnen tat ich den Gefallen und blickte sie an, lauschte ihrem Gestammel und entnahm ihm, dass mein Vater mich schon seit Tagen zu sprechen wünschte. Unwillig wandte ich mich seinen Gemächern zu. Er lag natürlich in seinem Bett, das den ganzen Raum auszufüllen schien. Eine Kreatur fächelte ihm Luft zu, eine andere massierte seine Füße. Ich lehnte mich gelassen an eine Säule am Eingang und wartete darauf, dass er mich von sich aus bemerkte. Schließlich tat er es sogar und winkte mich mit einer einzelnen Bewegung zu sich.

„Was?“, erkundigte ich mich.

„Dein kleiner Freund… Asmodis Sohn…“, meinte mein Vater und öffnete dabei seine Augen nicht einmal ganz. „War lange nicht mehr hier…“

„Ich weiß…“, sagte ich.

„Ich habe Nachrichten an seinen Vater…“, erklärte Belphegor monoton. „Wenn er nicht kommt, um sie zu holen, musst du gehen.“

„Kannst du nicht einen Anderen schicken?”, fragte ich betont lustlos.

Doch mein Vater schüttelte den Kopf: „Nein, würde ich einen Geringeren als dich schicken, wäre er beleidigt. Asmodi hat eine fürchterliche Laune, wenn er beleidigt ist. Vermeiden wir diese Unannehmlichkeit und schicken dich gleich hin.“

„Ich muss sofort gehen?”, fragte ich.

„Ja…”, bestätigte mein Vater und schloss seine Augen wieder ganz. „Der Brief liegt auf der Fensterbank.“

Ich seufzte betont unwillig und ließ den Brief dann in meine geöffnete Hand schweben, bevor ich meinen Körper entmaterialisierte und mich in Asmodis Gärten begab. Eine kurze Reise, die nicht mit viel Anstrengung verbunden war. Ich wusste selbst nicht, weshalb ich noch nie auf die Idee gekommen war Inkubus aus Eigeninitiative zu besuchen. Tatsächlich war ich zum ersten Mal in dieser Gegend der Hölle.

Asmodis Gärten waren berühmt. Sie lockten Geschöpfe und verlorene Seelen aus weiter Ferne zu ihm, indem sie die Illusion satten Grünes in den roten Feuern der Hölle erschufen. Freilich konnten sie mich nicht täuschen. Ich sah, dass es keine Bäche reinen Wassers, sondern brodelnde Lavaströme waren, die sich durch die fetten Wiesen zogen, deren Illusion eine steinige Wüste verhüllte. Trotzdem zog mich die Gegend in ihren Bann.

Ich verschob meine Suche nach dem Dämonenfürst der Wollust und sah mich interessiert um. Vielleicht lief mir ja Inkubus über den Weg. Gemächlich umrundete ich einen scharfkantigen Fels. Weiter in der Ferne erhoben sich die Hallen des mächtigen Lüstlings. Zugegeben, ich war auch etwas neugierig auf Asmodi. Inkubus war so ein lieblicher Dämon und man sagte, dass er seinem Vater sehr ähnlich sah. Außerdem war mir die Wollust nach der Trägheit die liebste Sünde, denn zumindest schlossen sie sich nicht aus. Im Gegenteil, sie waren ein Kreislauf: nach der Wollust kam die Trägheit.

„Was willst du hier?”, erklang plötzlich eine dunkle Stimme hinter mir. Erschrocken fuhr ich zu ihr herum. Ich hatte nichts gehört und seine Anwesenheit auch nicht gespürt. Seine Aura war nicht wahrnehmbar, dabei stand er keine fünf Schritt hinter mir.

Ein leicht bekleideter Mann mit schwarzen Haaren und lodernden, goldenen Augen. Seine Gesichtszüge waren auf groteske Art, die eines Engels mit weichen, vollen Lippen, hohen anmutigen Wangenknochen und langen melancholischen Wimpern. Und doch wirkte er alles andere als unschuldig. Grotesk daran waren die beiden Hörner, die sich aus seiner Haarpracht erhoben und die klauenartigen Hände mit den gefährlichen Nägeln. Seine Augen waren schmal und musterten mich ebenso lüstern, wie ich ihn träge.

Ich musste nicht raten, um mir denken zu können, dass er einer von Asmodis Dämonen war. Kein Dämon niedrigen Ranges, denn er trug außer dem leichten Gewand, das nur nachlässig geschlossen war, schweres Gold an den spitzen Ohren, um den Hals und an seinen Fingern. Seine Zähne blitzten scharf auf, als er seine Lippen zu einem Lächeln verzog: „Hab ich dir die Sprache verschlagen? Du hast schöne, goldene Locken… Komm mit mir!“

Die Intention hinter dieser Aufforderung war eindeutig. Ich runzelte die Stirn und wandte meinen Blick von ihm ab, um den Hallen in der Ferne neuerlich einen interessierten Blick zu schenken.

„Was ist?”, wollte der Mann wissen und trat einen Schritt näher. „Hast du dich verlaufen?“

„Ich habe eine Nachricht”, überwand ich meine Mundfaulheit und wandte mich ihm mit träge geschlossenen Augenlidern zu, mit einem Augenaufschlag fügte ich hinzu:  „Und ich suche Inkubus.“

„Du bist ein hübscher Junge”, stellte der Mann fest und ignorierte mein Anliegen. „Und du erinnerst mich an jemanden… Belphegor… Ist die Nachricht etwa von ihm? Sag nicht, du bist sein Sohn.“

Plötzlich kam mir das ungute Gefühl, dass ich Asmodi persönlich über den Weg gelaufen war. Wer sonst sollte wissen, dass Belphegor einen Sohn hatte. Zumal ich meinem Vater in seiner jetzigen Gestalt kein bisschen ähnelte. Ich sah eher so aus, wie er damals als Engel. Wenn er also eine Ähnlichkeit feststellte, dann musste er meinen Vater in seiner Engelgestalt gekannt haben. Aber das war ja auch vollkommen gleichgültig…

„Dann sage ich es nicht”, sagte ich freudlos. „Inkubus?“

„Hm, ich wusste gar nicht, dass ihr beide miteinander gespielt habt”, bekannte Asmodi mit raffinierten Lächeln auf meinen schlanken Körper. „Vielleicht hätte ich den Freunden meines Sohnes mehr Aufmerksamkeit schenken sollen.“

Er war es also tatsächlich. Ich ließ mir meine Verwunderung darüber nicht anmerken. Natürlich bestand auch hier eine Ähnlichkeit zu Inkubus, aber ganz anders als ich es mir vorgestellt hatte. „Wo ist er denn?“

„Neuerdings ist er häufig auf der Erde.” Eine gewisse Schärfe würzte seine Worte. „Er hat sich in einen Engel verliebt und ihn verführt.“

„Einen Engel?” Der Gedanke gefiel mir gar nicht. Das bedeute doch nichts Gutes für mich. Ich fühlte mich so, als wäre mein Schoßhündchen gestorben.

„Wie heißt du?”, fragte Asmodi plötzlich.

„Xaphan.“

„Was ist das für eine Nachricht, die du mir überbringen wolltest?” Asmodi ließ zum ersten Mal den anrüchigen Unterton in seiner Stimme fallen.

Ich griff unter mein loses, weich fallendes Gewand und beförderte so den Brief hervor. Ehe ich mich versah, flog er aus meiner Hand und tauchte in Asmodis wieder auf. Mit desinteressiertem Ausdruck auf seinen auf groteske Art lieblichen Zügen überflog er die Zeilen und stöhnte dabei unwillig auf.

„Dein Vater ist wirklich ein fauler Hund!”, stellte er mit herablassendem Blick auf mich fest.

Meine Augenbrauen hoben sich unwillkürlich spöttisch an und ein minimales Lächeln zupfte an meinen Mundwinkeln. „Ach nein? Das ist seine Sünde.“

Asmodi ließ den Brief unter seine kaum vorhandene Kleidung verschwinden „Und was ist deine? Kommst du ganz nach deinem Vater, wie es den Anschein hat oder hat mein kleiner Inkubus etwas auf dich abgefärbt?“

„Ich bin ich…”, sagte ich nur. „Wenn Ihr mir keine Antwort für meinen Vater auftragen möchtet, würde ich es vorziehen heimzugehen…“

„Was wolltest du von Inkubus?”, erkundigte sich Asmodi und war mit einem Mal nur noch eine Armlänge von mir entfernt. „Meinst du nicht, dass ich dir an seiner Stelle weiterhelfen könnte?“

Seine Krallen verfingen sich in meinen Engelslocken. Widerwillig ließ ich mich daran zu ihm ziehen. Als er das Missfallen darüber in meinen azurblauen Augen ausmachte, stahl sich ein Lächeln auf seine Züge.

„Ich hatte ihn nur schon lange nicht mehr gesehen.” Ich versuchte meine Haare aus seinen Fängen zu befreien.

Er ließ es zu, aber nur um stattdessen nach meinem Gewand zu greifen. Mit einem leisen Geräusch riss der dünne Stoff über meiner Brust und fiel lose herab. Asmodi neigte sein Haupt leicht zu Seite und betrachte mich mit unverhohlener Lust.

Meine Arme hingen träge herab, als ich ihn teilnahmslos in die Augen sah: „Nehmt mich, wenn Ihr mich sonst nicht gehen lasst, aber hört auf mit den Spielchen.“

„Wie langweilig”, maulte Asmodi. „Dein Vater hat wirklich ganze Arbeit geleistet. Mit dir ist nichts anzufangen.“

„Ich will auch gar nichts anfangen”, sagte ich scheinbar unberührt, aber der beleidigende Unterton traf mich doch etwas.

Asmodi zischte etwas Undeutliches und verschwand im nächsten Augenblick im Nichts.

„Gut”, brummte ich nur und wollte mich ebenfalls aus dem Staub machen, doch es geschah nichts, als ich meine Kräfte einsetzen wollte. Ich versuchte es noch einmal, musste dann aber einsehen, dass meine Kräfte blockiert waren. Resigniert schnaufte ich vor mir hin. Ich musste nicht einmal raten, wer das verursacht hatte.

„Was soll das?”, rief ich erbost auf.

Ohne meine Kräfte konnte ich nicht in das Reich meines Vaters zurückzukehren. Es befand sich in einer anderen Dimensionen. Zwar waren diese Dimensionen eng miteinander verbunden, aber ohne Kräfte war es unmöglich die Wände zu durchstoßen. Der »Fußweg«, den es durchaus gab, war beschwerlich und von niederen Dämonen bevölkert. Auch wenn ich unsterblich war, ohne Kräfte, wollte ich mich ihnen kaum aussetzen. Kurz: Asmodi hatte mich in seinem Reich gefangen.

Mir blieb nichts anderes übrig, als ihn aufzusuchen, um herauszufinden, was er genau von mir wünschte, ihm den Gefallen tun und dann möglichst schnell in mein eigenes Bett zurückkehren. Diese ganze Unternehmung hatte schon längst die Grenzen des Erträglichen überschritten. Ich hatte keine Lust mehr, mich zu bewegen.

Es dauerte aber noch eine ganze Weile, ehe ich die fremde Festung überhaupt erreichte. Mit jedem Schritt stieg mein Unwille und als ich die Mauern dann endlich erreicht hatte, hatte ich eine neue Sünde für mich entdeckt: Zorn. Ich hatte keine Kräfte mehr, ansonsten hätte ich den nächstbesten, niederen Dämon, der meinen Weg kreuzte, zerquetscht. So aber erreichte ich den Thronsaal in einer abscheulichen Laune.

Die Situation vor Ort war nicht schwer zu überblicken: Es war eine Orgie. Sämtliche Dämonen rekelten sich in der lästerlichen Fleischlust und mittendrin aber doch unberührt davon wartete Asmodi auf mich. Auf seinem feinen Gesicht lag ein amüsiertes Lächeln. Mein eigenes Antlitz verfinsterte ins Unermessliche. Der Dämonenfürst lachte sogar leise auf. Ein Laut, der die Dämonen in seiner Umgebung auffahren und ihr Treiben vergessen ließ.

„Gebt meine Kräfte wieder frei!”, rief ich aufgebracht.

Asmodis Lachen wurde lauter: „Nein.“

„Was bezweckt Ihr eigentlich damit?”, fragte ich. „Sagt es mir, ich werde es tun und dann lasst mich gehen.“

„Das ist doch auch wieder nur eine andere Form der Trägheit, Xaphan”, belehrte mich Asmodi. „Ich nehme nicht an, dass dein Vater dich bald vermissen wird. Mach dir also keine Gedanken und fühl dich ganz wie zu Hause.“

„Wunderbar”, knurrte ich. „Ich bin müde, wo kann ich schlafen?“

Asmodi schmunzelte raffiniert und gab einem seiner Diener ein Zeichen, das augenblicklich befolgt wurde. „Er wird dich in das beste Bett führen, dass mein bescheidenes Heim zu bieten hat.“

Bescheiden konnte man das Bett wirklich nicht nennen. Es war riesig. Wirklich riesig. Hier konnte ich ein ganzes Jahr liegen ohne einen Platz zweimal berührt zu haben. Die Ausmaße waren wirklich gigantisch. Unsicher, in welcher Richtung ich mich überhaupt auf die Matratze legen sollte, entschied ich recht willkürlich, um dann festzustellen, dass auch die Matratze die angenehmste war, auf der ich jemals gelegen hatte. Ohne darauf warten zu müssen, verfiel ich sofort in einen sanften Schlummer.

Ich erwachte daraus, als ich spürte, wie eine Hand sanft über die Innenseite meines rechten Oberschenkels fuhr. Erst dachte ich, es wäre Einbildung gewesen und rührte mich nicht, öffnete noch nicht einmal die Augen, weil es nur eine ganz zarte Liebkosung gewesen war, beinahe wie ein Lufthauch. Dann kam die Hand zurück und griff verspielt zwischen meine Beine. Eine Kralle kratze sacht über meinen Hoden und ließ mich meine Augen nun doch aufreißen. Unmittelbar neben mir lag Asmodi. Er hatte mir die Kleider ausgezogen, ohne dass ich es bemerkt hatte.

Nach dem ersten Schreck erholte ich mich schnell und kniff meine Beine zusammen, um mich dann von ihm weg auf die Seite zu drehen. Asmodis Kehle entwich ein leises Lachen und er kniff mir unversehens in den ihm nun so leichtsinnig präsentierten Hintern.

„Langweilt Ihr Euch?”, fragte ich möglichst unberührt.

„Momentan ausgesprochen wenig”, gestand er amüsiert und ließ sich von der Kälte in meiner Stimme nicht im Mindesten irritieren. Seine Hand grub sich zwischen meine Beine hindurch und drückte das Obere vom Unteren fort, um auch noch mit der zweiten Hand dazwischen zu kommen. Es war als würde er sich wirklich nur für diese unreinen Körperregionen interessieren, was mich merkwürdig irritierte. Er war kein bisschen an mir interessiert nur an diesem bestimmten Bereich. Und hier wusste er nur zu gut, was er machen musste, um sein Gegenüber zu erregen. Sein Finger umkreiste meinen Anus und glitt in der schmalen Rinne zum Ansatz meines Hoden hinauf und wieder zurück. Immer wieder das gleiche Spiel, was mich nicht ganz so kalt ließ, wie ich es mir gewünscht hätte.

„Was versprecht Ihr Euch davon?”, wollte ich wissen, um mich von seiner intimen Berührung abzulenken.

„Oh, nicht viel”, versicherte Asmodi mir ungehörig gelassen. „Du wirst dich sicher nicht allzu sehr wehren, so träge wie du bist. Ich werde mit dir spielen, bis ich es genug ausgereizt habe…“

„Worauf wartet Ihr dann noch?”, zischte ich etwas empört. Sein Desinteresse reizte mich.

„Ich habe bereits begonnen”, informierte mich der Dämonenfürst spöttisch und schmiegte sich mit einem Mal von hinten eng an mich.

Er hatte seine Kleidung noch an, doch sie war nur hauchdünn. Dünn genug, dass ich ihn spüren konnte, als wäre er ebenfalls nackt und ich spürte, dass es nichts zu spüren gab. Er war nicht erregt. Es lag wohl auch in seiner Absicht mich davon in Kenntnis zu setzen, was ihn nicht davon abhielt, erneut mit meinem Geschlecht zu spielen.

Ich konnte mich nicht gegen den Gedanken erwehren, dass er viel von dem verstand, was er dort unten machte. Natürlich tat er das. Er tat es schon seit Jahrhunderten. Und es fühlte sich sehr gut an. Obwohl ich es nicht wollte, wurde ich langsam hart, doch ich verwehrte mir meinem Verlangen ganz nachzugeben und zu stöhnen. Asmodi war geduldig mit mir und reizte mich mit seinen aufdringlichen Händen bis zum Äußersten, nun nicht ganz, denn kurz davor brach er ab und drehte mich auf den Rücken. Ich schenke ihm einen giftigen Blick, denn es war absolut offensichtlich, dass er es absichtlich aufgehört hatte.

„Spreiz deine Beine, Kleiner”, befahl Asmodi süßlich.

„Macht es doch selbst.” Ich gab mich faul und widerspenstig.

Asmodis Lippen spannten sich zu einem Lächeln: „Oh, aber gerne, wenn du erlaubst.“

Damit griff er unter meine Kniekehlen, hob sie an und legte sie sich auf die Schultern, nachdem er sich vor mich gesetzt hatte. Er spielte weiter mit mir, ließ seine Finger tief in mich eindringen und kitzelte mit ihnen mein Inneres. Es fiel mir immer schwerer keinen Laut des Wohlgefallens von mir zu geben, und irgendwann gab ich es ganz auf. Als wäre es eine Belohnung für meinen gebrochenen Willen ließ mich der Erzdämon endlich kommen. Er wischte meinen Samen von meiner Brust und dem Bauch und leckte ihn genüsslich ab.

„Lasst Ihr mich jetzt gehen?“, fragte ich matt.

Asmodis Augenbrauen hoben sich spöttisch: „Aber nein. Wir fangen doch gerade erst an.“

Er hatte sich über mich gebeugt, so dass er auf mir lag und sein Gesicht nur wenige Zentimeter von meinem entfernt war. Seine Augen glitzerten verführerisch in ihren goldenen Facetten. Auf seinen sinnlichen Lippen lag immer noch dieses spöttische Lächeln, das mich bis zur Weißglut reizte.

„Du hast sehr hübsche Augen”, stellte Asmodi nun seinerseits fest „Von deinem Vater hast du sie aber nicht. Wer war deine Mutter?“

„Sie war eine Nixe.“

„Eine Nixe”, murmelte Asmodi entzückt „Bekommst du Schwimmhäute, wenn du im Wasser bist?“

„Nein”, log ich in der Befürchtung, dass er auf die Idee kommen würde es auszuprobieren. Doch das war schon zu spät. Nur einen Augenblick später befand ich mich in einer heißen Quelle in einer geräumigen Höhle, die sich bei näherer Betrachtung als roh gehauenes Gewölbe entpuppte. Unter mir saß Asmodi, nun ebenfalls nackt, und betrachtete die zarte, schuppige Haut, die sich zwischen meinen Fingern gebildet hatte mit einigem Wohlgefallen.

„Ich mag Schuppen”, flüsterte er mir rau ins Ohr.

„Das spüre ich.” Ich saß auf seinem Schoß und spürte nur zu gut, dass er jetzt sehr schnell erregt worden war.

Asmodi lachte unangetastet und rieb sich schamlos an mir. Es war keine kleine Erregung soviel stand fest. Nun nahm er mein Bein aus dem Wasser und zog meinen Fuß zu sich heran, was für mich recht unbequem war, doch darauf achtete er wenig. Fasziniert strich er über die feinen Schwimmhäute zwischen meinen Zehen. Ansonsten behielt ich meine Gestalt. Nur meine Hände und Füße bekamen diese Schwimmhäute und wenn ich längere Zeit tauchte, entwickelte ich auch Kiemen, doch davon hatte ich schon seit meiner Kleinkindzeit keinen Gebrauch mehr gemacht.

„Das ist wirklich niedlich”, sagte Asmodi belustigt „Ich hab’s noch nie mit einem Wasserwesen getan. Kaum zu fassen, dass dein fauler Vater mir da etwas voraus hat.“

Er zog meine Beine wieder auseinander und drang in mich ein. Wäre ich nicht schon von seinem Vorspiel gedehnt gewesen und wäre das warme Wasser nicht etwas entspannend gewesen, hätte er mich sicherlich verletzt. Er stöhnte harsch und stieß noch einmal nach, ehe er sich genüsslich zurücklehnte und nur noch mein Becken auf sich bewegte. Er war wirklich leidig groß und ich merkte erst nach einer Weile, dass ich immer noch die Luft anhielt. Keuchend stieß ich sie aus und beugte mich etwas vor, doch das war eine schlechte Idee, so kam er noch tiefer in mich. Meine Augen weiteten sich etwas und mir wurde schwindlig.

Indem er eine Hand auf meine Brust platzierte, bewahrte mich Asmodi davor vornüber ins Wasser zu kippen. Ein erheitertes Schnauben drang in mein Ohr und er unterließ es für einen Moment sich noch weiter in mir zu bewegen, wenn auch sein Geschlecht immer noch hart gegen meine inneren Wände drückte. Ich hatte es noch nie auf diese Weise getan.

„Bin ich dir zu schnell?”, fragte mich Asmodi mit scheinbar sanfter Stimme.

Ich ignorierte ihre Falschheit und nickte nur. Er gab nach und entfernte sich aus mir. Seine Hand verweilte danach tröstend auf der gereizten Stelle und presste sich mit einzelnen Fingern in das offenbar so verlockende Loch.

„Wenn dich das so überfordert, kannst du mir auf andere Art gefällig sein”, sagte Asmodi so unnachgiebig, dass feststand, dass er nichts anderes akzeptierte.

„Wie?”, fragte ich schlicht, da mir ohnehin keine andere Wahl blieb, als auf die eben abgelehnte Art fortzufahren.

Asmodi lächelte süßlich und drückte mich dann an den Schultern ins Wasser, um mich noch währenddessen zu ihm umzudrehen. Nun, mussten meine Kiemen doch noch einmal zum Einsatz kommen. Er drückte meinen Kopf auf seinen Schoß und es blieb kein Zweifel, was er wollte, das ich tat. Und während ich es tat, spielte sein Fuß so geschickt mit meinem Geschlecht, dass ich ein zweites Mal kam, als auch er sich in meinem Mund ergoss. Ich schluckte nicht, sondern spuckte sein Sperma leicht angeekelt ins Wasser. Asmodi verfolgte es mit einer spöttischen Miene.

„Du machst das nicht oft, oder?”, wollte er wissen.

Meine Augen verengten sich. „Natürlich nicht.“

„Merkt man”, sagte Asmodi verächtlich „Aber auch Unerfahrenheit kann manchmal erregend sein.“

„Wenn es Euch langweilt, lasst mich gehen.“

„Oh nein, ganz und gar nicht”, versicherte Asmodi galant. „Im Übrigen, es gibt hier keinen Ausgang. Für gewöhnlich komme ich her, wenn ich meine Ruhe haben möchte. Niemand kennt diese Höhle. Demnach sind wir völlig ungestört. Schwimm ruhig ein wenig.“

„Keine Lust.“

„Träges Biest”, sagte der Erzdämon spöttisch. „Nun gut, dann spiel meinetwegen eine Leiche, die treiben ohne dass sie sich bewegen müssen oben.“

„Ich muss nicht oben treiben”, erinnerte ich ihn und fand den Gedanken ganz bezaubernd. Im nächsten Moment sank ich auf den Boden der Quelle. Dort war es noch wärmer als an der Oberfläche des Randes, wo ich mich mit Asmodi zuvor aufgehalten hatte. Am Boden wuchsen außerdem seltsame Algen, die ein angenehmes Lager boten. Seufzend ließ ich mich darauf nieder. Ohne Luft in den Lungen konnte ich für eine ganze Weile unangetastet hier verweilen. Dachte ich zumindest.

„Du hast nicht geglaubt, dass so eine Kleinigkeit wie Luft mich davon abhält dir nahe zu sein”, höhnte Asmodis Stimme, durch das Wasser verzerrt, dicht neben meinem Ohr. Als ich meine Augen erschrocken öffnete, lag er bereits auf mir und zollte meiner Gegenwehr wenig Beachtung. Ich gab nach, wie es in meiner Natur lag und ließ ihn meine Beine unter sich teilen. Er legte sich aber nur ohne Erregung dazwischen, um dann fast zärtlich über meine Brust zu streichen. Sein Ohr lag über meinem Herzen, dem er anscheinend interessiert lauschte. Dann richtete er sich auf und entdeckte meine Kiemen. Interesse flackerte in seinen Augen auf, als er darüber strich.

„Ich werde dich hier halten”, beschloss er plötzlich „Dein Vater ist viel zu träge, als dass er etwas dagegen unternehmen würde. Sicher wird er es erst in einigen Wochen merken.“

„Warum wollt Ihr mich behalten?”, erkundigte ich mich gleichermaßen erbost wie erstaunt. Ich hatte nicht das Gefühl, dass Asmodi viel Interesse an mir hatte, ganz zu schweigen, dass es ihm Spaß machte mit mir zu verkehren.

„Du bist wirklich eine einzigartige, hübsche Nixe”, meinte er mit gemeinem Lächeln.

„Ich bin keine Nixe! Ich bin ein Dämon!“

„Wie auch immer. Jedenfalls bist du hübsch und einzigartig. Und schon bald werde ich dich soweit haben, dass du mich bereitwilliger empfängst.“

Mit den letzten Worten strich er bedeutsam über meinen Anus, damit ich auch wusste, worüber er sprach. In mir wuchs das Unbehagen über die Gewissheit, dass er es ernst meinen könnte.

„Wie auch immer. Ich habe noch zu tun. Warte auf mich!“. sprach er und verschwand.

Warten, ha! Als ob mir eine andere Möglichkeit blieb. Doch im Prinzip missfiel mir der Zustand gar nicht so sehr. Das Wasser war angenehm warm, die Algen boten ein weiches Lager und mein Körper war angenehm geschwächt. Schon bald sank ich in meinen üblichen Schlummer, mit dem ich schon ganze Jahre durchgebracht hatte. Nein, das Warten störte mich nicht im Mindesten, es war das, was das Ende des Wartens ankündigte, was mich so unwillig werden ließ.

Ich wusste nicht, wie viel Zeit vergangen war, während ich geschlafen hatte. Die Zeit war ohnehin ein relativer Begriff hier in der Hölle. An manchen Orten verlief sie schneller als an anderen. Irgendwann erwachte ich durch eine Bewegung im Wasser. Matt wälzte ich mich auf den Rücken und öffnete gerade mal ein Auge einen Spalt breit, um Asmodis schlanke Gestalt durch die Quelle auf mich zu schwimmen zu sehen.

Natürlich hatte er einen sehr schönen Körper. Immerhin war er der Fürst der Wolllust. Sein ganzes Aussehen war auf die Verführung ausgelegt. Auch ich blieb nicht völlig unberührt von seiner Wirkung. Dennoch tat ich aus Trotz so, als wäre dem so, als ich mich schwerfällig auf die Seite zurückfallen ließ und meine Augen wieder ganz schloss.

„Du bist nicht enttäuscht, wenn ich dir sage, wie wenig dich dein Vater vermisst?”, raunte mir Asmodi mit säuselnder Stimme ins Ohr. Er schien gut gelaunt, dass er diese gemeinen Spitzen so ohne Scham austeilte.

Ich grollte nur einen undefinierbaren Ton aus meiner Kehle und tat ihm nicht den Gefallen darauf einzugehen.

„Überhaupt scheint dich niemand recht zu vermissen, was ich seltsam finde, bei deinem anziehenden Äußeren”, meinte Asmodi mit mehr Ernst, der aber durch sein Handeln wiederum etwas abgeschwächt wurde. Er hatte sich von hinten an mich geschmiegt, mein oberes Bein angehoben und sein eigenes zwischen meine geschmiegt, während er meins schon wieder absenkte und dann langsam mit seiner Hand daran empor fuhr, erst äußerlich, dann aber immer weiter nach Innen abfallend. Eine fast zärtliche Geste, die durch sein laszives Schnurren an meinem Ohr ihr übriges tat. Ich versteifte mich und versuchte von ihm abzurutschen. Doch er hielt mich fest. Seine Hand hatte sich um meinen Bauch gelegt und presste mich an seinen Körper.

„Lasst mich!”, befahl ich und gab meiner Stimme einen eisigen Hauch.

„Warum so widerspenstig, kleine Nixe?”, spottete Asmodi sanft und schob seinen anderen Arm unter meinen Körper hindurch, um mit dem anderen zart in meine Brustwarze zu kneifen.

All das konnte er in einer geradezu schockierenden Beiläufigkeit tun, als wäre es nichts Besonderes. Das war es für ihn auch nicht. Er tat es täglich und zwar schon seit Jahrtausenden. Es war seine Art, seine Bestimmung und rein gar nichts Besonderes. Eine Tatsache, die mich wider Willen verstimmte. Ich griff langsam nach seiner Hand und schob sie dann aber unnachsichtig von mir.

„Du willst also nicht?”, stellte Asmodi geradezu entzückt fest „Noch weniger als das letzte Mal, als du nur gleichgültig warst? Oder willst du dich nur interessant machen?“

„Ich begehre Euer Interesse nicht”, behauptete ich.

„Nein?”, fragte Asmodi belustigt „Wessen dann?“

„Das von Niemanden”, antwortete ich schlicht „Lasst mich allein…“

„Aber gewiss nicht”, versicherte der Dämon hinter mir seidenweich und rieb sein Bein zwischen den meinem „Das ist sehr langweilig, findest du nicht? So alleine auf die Dauer…” Plötzlich brach er abrupt ab und lachte leise, als wäre ihm ein amüsanter Gedanke gekommen. Dem schien wirklich so: „Allerdings wenn du deinen Spaß daran hast, wer bin ich dich davon abzuhalten? Tu es ruhig.“

„Was?”, fragte ich mit ungutem Gefühl.

„Das was du wolltest: Allein.” Asmodi lachte leise. „Berühre dich selbst!“

Er hatte mir die Worte im Mund umgedreht. Ich gab einen missfälligen Laut von mir und tat nichts, um seinen Befehl nachzukommen. Asmodi lauerte eine Weile schweigend. Er war von mir abgerückt und über mich auf die andere Seite geschwommen, sodass er mich nun von vorn sehen konnte. Seine goldenen Augen glitzerten eigen. Ganz offensichtlich war er es gewohnt, dass seinen Befehlen Folge geleistet wurde, gleichgültig auf welche Art. Als ich nicht von mir aus gehorchte, schritt er ein, um etwas nachzuhelfen.

Zunächst wusste ich nicht recht, was er im Schilde führte. Bei unserer letzten Begegnung hatte er es gar nicht in Betracht gezogen mich zu küssen, doch jetzt tat er es ohne Vorwarnung und so plötzlich, dass ich gar nicht wusste, wie mir geschah. Drängend pressten sich seine Lippen gegen meine und seine Finger bohrten sich gemein in meine Wangen, um meine Kiefer zu öffnen, damit seine Zunge feucht und sehr heiß dazwischen dringen konnte. Ich schluckte gequält, als sich unser Speichel vermischte und sich geradezu widerwärtig in meinem Mund ansammelte.

Plötzlich wich Asmodis Zunge wieder zurück, ebenso seine Krallen aus dem Fleisch meiner Wange, nur seine Lippen blieben und waren verstörend zärtlich zu mir. Es war alles so schnell gegangen, dass ich erst jetzt den Kopf zur Seite drehte. Im gleichen Moment spürte ich die Veränderungen, die in mir zu wirken begannen. Eine Hitze, zunächst nur in meinen Lippen und Magen, begann sich schnell in meinem gesamten Körper auszubreiten. Sie machte mich noch träger als ohnehin schon, doch dazu brachte sie mein Blut in Wallung und verhärtete sich zwischen meinen Beinen.

„Was…?”, keuchte ich fassungslos. Ich musste die Frage nicht aussprechen, denn ich kannte die Antwort bereits. Asmodi lachte leise und bekannte auch ungefragt: „Spürst du es bereits? Dabei war es nur ein kleiner Kuss, damit du in Stimmung kommst.“

Es gab viele Dämonen deren Speichel giftig oder betäubend war, aber sicher gab es nur einen dessen Speichel wie ein Aphrodisiakum wirkte. Ich schloss widerstrebend die Augen und wünschte, dass es einfach so vorbeigehen würde. Ich musste ihn nicht ansehen, um zu wissen, dass Asmodi mich jetzt voll Hohn mit einem lüsternen Blick beobachtete.

Er wartete darauf, dass ich ihm gehorchte. Je länger ich es herauszögerte, desto größer war sein Genuss, wenn er meinen Willen dann doch brechen sah und desto größer wurde das Verlangen in mir selbst, mich ihm zu beugen und mich zu berühren. Meine Haut war so sensibel geworden. Ich spürte jede Strömung des Wassers als aufreizende Berührung. Das Blut quoll wie Feuer durch meine Adern und schien sich einzig an einer Stelle unbarmherzig zu sammeln, bis ich das geweckte Bedürfnis befriedigte.

Noch einmal öffnete ich die Augen, um dem Erzdämon einen giftigen Blick zu schicken, der es mit meinen Kräften auch gewesen wäre, doch die er mir ja versiegelt. Jetzt schmunzelte er nur darüber und stützte sich auf einen Ellenbogen, um mit dem freien Arm, dem Wasser einen Drall in meine Richtung zu geben. Der Strom ließ mich verstohlen aufstöhnen.

Endlich gab ich nach und fuhr zitternd über die erhitzte Stelle meiner Körpermitte. Gequält spürte ich, was diese sachte Berührung bereits mit mir anstellte. Es machte mich wahnsinnig. Eine weitere Bewegung des Wassers kündigte Asmodi an, der wieder näher rückte, mich jedoch nicht berührte. Seine Stimme drang geschwächt an mein Ohr: „Legt dich auf den Rücken, dann ist es einfacher.“

Ich wusste zwar nicht, was dadurch einfacher werden sollte, doch ich tat es ohne nachzudenken, denn dazu war ich nicht länger fähig. Asmodis Speichel hatte mich zu einem willigen Sklaven gemacht. Nun flüsterte er mir weitere Anweisungen in mein offenes Ohr: „Na los, spreiz deine Beine, du weißt, wie du dich streicheln musst, damit es sich schön anfühlt.“

Ich tat es und ließ meine Augen dabei geschlossen. Dann nahm Asmodi meine freie Hand in seine. Allein diese fremde Berührung war ein solcher Schock für meinen aufgewühlten Körper, so dass ich mich nicht wehrte, als er sie tiefer schob und meine Hand mit sich führte. Er wollte, dass ich selbst in mein Inneres drang und mich auf beide Arten gleichzeitig befriedigte. Ich tat es zunächst nur mit einem Finger, aber der war bald zu wenig. Mein Körper verlangte nach mehr. Ich konnte mich nicht beherrschen.

„Gut so, noch einen”, raunte mir Asmodi beifällig ins Ohr „Dann geht es schneller…“

Ich kam das erste Mal, heiß und zitternd, doch die Hitze blieb mir auch danach noch erhalten. Ich krümmte mich leidvoll zusammen und wünschte mir nur, es möge vorbei gehen, während sich in meinem Inneren schon die nächste Erregung aufbaute.

„Du kannst wohl nicht genug bekommen?”, spottete Asmodi und streichelte mir, das Ganze provozierend noch zusätzlich über mein hungriges Geschlecht. Ich winselte nur noch schwach.

„Oder reichst du dir allein doch nicht mehr?”, spottete Asmodi weiter. Seine Hand strich tiefer zu meinen von mir selbst gedehnten Anus. Nun konnte er in der Tat schnell vorstoßen und ich nahm ihn willig und diesmal ganz ohne Schmerzen auf.

Seine Hände umfassten mich am Becken und hoben mich ihm so entgegen, dass er noch tiefer in mich stoßen konnte. Ich genoss jeden Stoß, denn ich merkte schnell, dass er mir mehr Erlösung versprach, als ich mir selbst geben konnte. Asmodi ließ mich meinen Höhepunkt gekonnt auskosten, schaffte es dennoch mich innerhalb kurzer Zeit noch ein weiteres Mal bereit zu machen und mich ein letztes Mal zu nehmen. Dann war die brennende Hitze endlich gänzlich verschwunden und ließ mich schlaff, aber merkwürdig beglückt zurück.

Asmodi strich mir sanft das Haar aus dem Gesicht und ließ sich neben mir in die Algen sinken. Seine Finger spielten mit verschiedenen Teilen meines Körpers, die seinen Geist kurze Zeit anzogen: meinen Schwimmhäuten, die Kiemen, die Haare meiner Scham, meine Brustwarzen, der Bauchnabel, schließlich sogar meine Nase und dann die Wimpern, die er vorsichtig über seine Fingerkuppe streichen ließ. Ich war zu erschöpft mich dagegen zu wehren, es war auch nicht so, dass es mir gänzlich missfiel. Im scharfen Kontrast zu davor, konnte er jetzt ganz zärtlich sein.

„Du bist wirklich ein hübsches Geschöpf”, stellte er plötzlich fest „Selbst Inkubus Mutter hatte nicht so zarte Schuppen, dabei war ihr ganzer Körper damit bedeckt und nicht nur die Zwischenräume ihrer Glieder.“

Ich musste annehmen, dass das ein Kompliment sein sollte. Dennoch war ich über diese Unbeholfenheit arg verwundert, denn von dem Fürsten der Todsünde Wollust hatte ich mehr Galanterie erwartet. Verwundert schlug ich die Augen auf und sah geradewegs in seine. Er lächelte, so dass man seine scharfen Zähne hinter seinen vollen Lippen aufblitzen sah, aber seine Augen waren ernst.

„Und wer war Inkubus Mutter?”, gab ich meiner Neugier widerwillig nach.

„Ach, eine einfache Schlangendämonin…”, antwortete Asmodi abfällig „Sie hat es irgendwie geschafft Inkubus auszutragen und ist bei seiner Geburt gestorben. Aber sie war auch sehr hübsch.“

„Es hat ihr aber nicht sehr viel gebracht, wie es scheint”, sagte ich nur und schloss meine Augen wieder.

Asmodi lachte leise auf: „Nein, hat es nicht. Mir aber, immerhin habe ich durch sie einen Sohn bekommen. Seitdem hat keine weitere eine Schwangerschaft überlebt.“

„Und Euer Sohn ist jetzt auf der Erde und vögelt mit einem Engel, richtig?”, erinnerte ich ihn mit einem sadistischen Zug.

Asmodi schwieg und ich öffnete noch einmal ein Auge für einen Spalt, um zu wissen, wie mein Seitenhieb ihn traf. Nicht besonders gut, zumindest nicht für mich. Die goldenen Augen funkelten mich kalt an. Ein empfindliches Thema also. Nun, vielleicht bedeutete Inkubus seinem Vater doch mehr, als es in den meisten Vater Sohn Beziehungen in der Hölle der Fall war. Mein Vater schien sich um mich zumindest gar nicht zu kümmern.

„Richtig.” Er klang gefährlich und ich wich instinktiv etwas zurück. Seine Augen bekamen den Ausdruck eines Wolfes auf Hatz, wenn die Beute flüchtete, er aber wusste, dass sie nicht weit kommen würde. Ich suchte nach einem Ausweg und versuchte mich unbeeindruckt zu zeigen, - nur nicht in die Augen zu sehen.

„Dieser Engel… Wer ist er?”, fragte ich ihn zur Ablenkung.

Asmodis Gesicht verfinsterte sich deutlich.

Bevor ich mich in eine noch heiklere Position verhaspelte, schwieg ich lieber und wartete.

Asmodi schwieg und musterte mich scharf. Plötzlich ging ein Ruck durch ihn und seine Augen verengten sich noch etwas, was seinen Blick noch mehr Schärfe verlieh. Allein mit dem Blick, hätte er mich töten können und ich wusste es. Vielleicht hielt ihn nur mein Rang als Prinz davon ab.

Einen niedrigeren Dämonen hätte er sicher schon längst getötet, dass war mir klar, was ich nicht verstand, war der Grund. Ich hatte ihn etwas reizen wollen, doch nicht so sehr. Natürlich war es im gewissen Sinne eine Schande, wenn sich der Sohn eines Dämonenfürsten mit einem Engel einließ, nicht so sehr allerdings, wenn es Asmodis Sohn war, der einen Engel zur Wollust verführte. Das war doch eher etwas, auf das er stolz sein konnte.

„Am besten fragst du ihn selbst, wenn du ihn siehst”, knurrte Asmodi nur. „Wie es den Anschein hat, wird er deinen Vater ohnehin bald aufsuchen, wenn er endgültig gefallen ist.“

„Ihr meint, mein Vater kennt ihn?”, fragte ich verblüfft.

„Es würde mich wundern, wenn sie einander vergessen hätten”, antwortete Asmodi, machte aber ein Gesicht, das weitere Fragen verbot.

Ich platzte vor Neugier. Dass mein Vater einen Engel kannte, schien mir absurd. Natürlich war er selbst einmal einer gewesen, aber seit er aus dem Himmel gefallen war, hatte er die Hölle nicht mehr verlassen. Er war faul und Kontakte pflegte er auch so wenig, dass sie allesamt nach kurzem zum Erliegen kamen. Mir brannten tausend Fragen auf der Zunge, doch ehe ich auch nur noch eine stellen konnte, war Asmodi verschwunden.

„Verdammt…”, murmelte ich. Meine vorherige Schlaffheit war verschwunden. Jetzt würde ich mir ewig den Kopf darüber zerbrechen, was das alles zu bedeuten hatte. Doch das wollte ich auch nicht. Ich gab meine bequeme Unterlage auf und schwamm an die Oberfläche der Quelle. Die Grotte war in ein dumpfes Licht gehüllt. Weit und breit konnte ich keinen Ausgang entdecken. Aber es war eine heiße Quelle. Irgendwo musste das Wasser schließlich hin. Es war ein gefährliches und auch reichlich dummes Unterfangen zu flüchten. Erst recht, wenn ich nicht sicher wusste, wo ich mich genau befand. Erst recht, weil ich Asmodi bereit aus unersichtlichem Grund verstimmt hatte. Trotzdem fand ich den Gedanken daran noch länger hier zu bleiben ebenso unerträglich wie meine Flucht. Um mir Klarheit zu verschaffen, suchte ich unter Wasser den Ausgang aus der Grotte und fand ihn dann auch tatsächlich. Er lag so versteckt, dass vielleicht noch nicht einmal Asmodi wusste, wo er zu finden war.

Ich zögerte noch eine Weile, doch schließlich siegte meine Neugier. Ich wollte wissen, wohin dieser unterirdische Bach führte. In der Hölle gab nur wenig Wasser. Ich konnte mich daran leicht orientieren. Notfalls konnte ich immer noch zurück schwimmen. Kein Wesen ohne Kiemen hätte den Weg ins Freie geschafft, es sei denn es hatte die Macht eines Fürsten. Ich schwamm wohl mehrere Stunden, ehe ich von einem hellen Licht geblendet wurde. Verblüfft starrte ich in das ungewohnt grelle Licht der Sonne.

Als meine Augen schmerzten und ich gezwungen war sie abzuwenden, blickte ich verdutzt um. Es war grün. Die vorherrschende Farbe in meiner Umgebung war grün. Nicht rot und schwarz, wie ich es aus meiner Heimat gewohnt war… Grün. Etwas schockiert betrachtete ich die merkwürdigen Stängel um mich herum, die dicht an dicht aus dem Boden sprossen, die ich als Gras identifizierte.

Weiter von mir entfernt waren diese Stängel aber dicker und nicht unbedingt grün sondern braun, erst als sie sich komisch spalteten waren an ihren Spitzen grüne, platte Dinger. Schließlich gab es diese merkwürdigen Stängel auch noch in ganz groß, mit dicken Stangen und erst in einigen Metern Höhe kam es zu diesen Spaltungen und noch etwas weiter oben hatte auch sie diese grünen Dinger. Am liebsten wäre ich sofort wieder umgekehrt, doch irgendwie zog mich diese fremde Umgebung auch in ihren Bann. Ich musste nicht lange überlegen, um zu dem Schluss zu kommen, dass dies weder der Himmel noch die Hölle war. Mit ziemlicher Bestimmtheit legte ich mich auf die Erde fest.

Verwundert stieg ich aus dem Wasser und spürte zum ersten Mal, wie sich richtiges Gras anfühlte. Ich hatte es schon in Asmodis Gärten gesehen, aber das Echte war doch ganz anders. Außerdem gab es in Asmodis Garten nicht diese anderen Gewächse. Diese großen Dinger hatte ich noch nie gesehen. Zögernd ging ich auf einen zu und berührte vorsichtig seine raue Oberfläche. Ein merkwürdiges Geräusch erhob sich über mir und ein kleiner Flugdämon sah auf mich herab. Nein, das war kein Flugdämon verbesserte ich mich irritiert, dass musste ein Tier sein, ein Flugtier also ein Vogel. Fasziniert tapste ich weiter durch meine neue Umgebung.

„Was machst du hier?”, fragte plötzlich eine strenge Stimme hinter mir. Erschrocken wirbelte ich herum und erblickte einen blonden Mann mit zornigen Augen. Hinter ihm blitzte schwarzes Haar auf und dann blitzten mich zwei schwarzviolette Augen an.

„Xaphan?”, rief eine vertraute Stimme erstaunt und nun trat Inkubus ganz hinter dem großen Blonden hervor und glotze mich verstört an „Wir haben einen Dämonen gespürt, aber mit dir hätte ich nie im Leben gerechnet. Was machst du denn hier? Kommst du mich besuchen?“

„Du kennst ihn?”, flüsterte der Blonde misstrauisch in seine Richtung.

„Ja, er ist ein Freund von mir…”, bestätigte Inkubus beschwichtigend und kam wachsam auf mich zu. Der Blonde betrachte mich von seinem Standort mit äußersten Argwohn und unverhohlen eifersüchtig: „Trägt er immer soviel?“

„Lilium!”, wies ihn der kleine Dämon empört zurecht „Nein natürlich hat er sonst etwas an. Sieh ihn dir an! Er ist völlig verstört.“

„Ich bin nicht verstört”, widersprach ich.

„Sieh an, er kann sprechen”, stellte der Blonde etwas spöttisch fest.

„Ist das der Engel, mit dem du dich eingelassen hast?”, wollte ich an Inkubus gewandt wissen.

„Ja”, gluckste Inkubus vergnügt. „Woher weißt du das? Spricht man schon bis in deines Vaters Reich davon?“

„Nein”, antwortete ich schlicht. „Ich brauche etwas zum Anziehen.“

„Ach wirklich?”, fragte der Engel etwas brüskiert. „Der Dämon kennt also doch Scham.“

„Komm mit zu uns”, bot Inkubus frei heraus an. „Du kannst etwas von uns haben. Und dann sagst du mir endlich, was dich herführt!“

Ich überließ ihm meine Hand, als er nach ihr griff um mich zu führen. Inkubus und sein Engel hatten sich in einem Haus mitten ihm Wald niedergelassen. Sie gaben mir menschliche Kleider, die sie trugen, wenn sie sich unter Menschen begeben mussten.

„Also?”, beharrte Inkubus als ich endlich wieder Kleidung auf dem Leib hatte auf seine Auskunft.

„Ich bin durch eine Quelle hierher gelangt, keine Ahnung wie. Meine Kräfte sind versiegelt”, erklärte ich so knapp wie möglich. „Ich bin müde, kann ich hier schlafen?“

„Er ist ziemlich merkwürdig”, stellte dieser Lilium fest. „Und das was er sagt auch. Warum traust du ihm? Vielleicht soll er uns ausspionieren!“

„Und wer sollte es ihm befohlen haben? Luzifer oder Satan persönlich?”, fragte Inkubus stirnrunzelnd. „Quatsch!“

„Ach und warum will er sich dann gleich hier einnisten?”, fragte Lilium zurück.

Inkubus lachte und zwinkerte mir vergnügt zu: „Du hast keine Ahnung, Lilium! Das ist Xaphan, Belphegors Sohn. Was soll er sonst machen, als schlafen?“

„Oh…”, machte Lilium und starrte mich unverhohlen an. „Du bist sein Sohn?“

„Hm?”, machte ich nur schon sehr müde, doch dann fiel es mir wieder ein. Ich war so lange geschwommen, dass ich beinahe alles vergessen hätte.

„Kennst du meinen Vater?”, wollte ich geradeheraus wissen.

„Ja”, lautete die Antwort „Er schlägt wirklich sehr nach seinem Vater. Los, lass ihn in unserem Bett schlafen.“

„Du bist lieb”, fand Inkubus und küsste dem Engel flüchtig auf den Mund, was dem ein widerwilliges Lächeln entlockte, dann nahm er mich wieder an der Hand und führte mich zu ihrem Bett. Ich ließ mich schwerfällig hineingleiten und war innerhalb von Sekunden fest eingeschlafen, ohne mir noch weiter Gedanken über diesen Engel, meinen Vater und Asmodi zu machen.

„Er schläft jetzt schon einen ganzen Tag!”, empörte sich eine Stimme leise in meinem Unterbewusstsein.

„Das ist wirklich nichts Besonderes für ihn”, beschwichtigte eine andere Stimme. „Er kann ganze Jahre verschlafen.“

„Aber doch nicht in unserem Bett!”, sagte die andere Stimme entrüstet. „Wenn er erschöpft ist, ja, aber er ist ein mächtiger Dämon. Ein Tag Ruhe sollte ausreichen, um alle Wunden zu heilen und er hatte noch nicht einmal welche. Er muss sich nicht in seiner Sünde wälzen. Nicht in meinem Bett.“

„Nun, würde er nicht dort liegen, würden wir uns in meiner darin wälzen”, spottete die Stimme, die ich jetzt als die von Inkubus erkannte. „Lass ihn in Ruhe. Er hat irgendetwas durchgemacht. Wenn er von allein aufwacht, ist er vielleicht gesprächiger, was das angeht.“

„Du kennst ihn schon lange?”, wollte der Engel wissen.

„Nun, ja. Ich glaube man kann es lange nennen. Zumindest gemessen an unserer beider Lebenszeit. Lilium ist fast noch ein Kind, auch wenn er nicht so aussieht”, erklärte Inkubus. „Ich habe ihn zufällig kennen gelernt, als ich seinem Vater einer Nachricht von meinem Vater überbringen musste. Er war ausnahmsweise einmal im Schloss unterwegs und hat mir gefallen. Also habe ich ihn öfter besucht. Meistens liegt er in seinem Zimmer und schläft oder langweilt sich. Es ist nicht sonderlich viel mit ihm anzufangen, aber er ist für einen Dämonen wirklich umgänglich.“

„Und wenn er wirklich so faul ist, was macht er dann hier?“

„Das würde ich auch gerne wissen”, gestand Inkubus leise. „Irgendetwas muss geschehen sein. Vor allem interessiert mich, wer seine Kräfte blockiert. Es muss schon einer der Erzdämonen sein.“

„Sein Vater vielleicht?“

„Nein, der ist zu träge für derartige Erziehungsmethoden”, lehnte Inkubus rundweg ab.

„Hm, warum wecken wir ihn nicht und fragen einfach?“

„Ich bin wach, aber ich werde es euch trotzdem nicht sagen”, knurrte ich verschlafen. „Erst wenn du mir sagt, wieso du mein Vater kennst, Engel!“

„Aus der Zeit, als er noch ein Engel war”, kam die Antwort verwundert von Inkubus. „Woher sonst? Er kennt meinen Vater doch auch von damals.“

„Ich will, dass er mir antwortet!”, moserte ich und deutete mit einer schwerfälligen Geste auf den Blonden. „Dahinter muss mehr stecken.“

„Vielleicht”, gab Lilium zu und kniff abschätzend die Augen zusammen. „Bist du deshalb hier? Willst du Antworten, die dein Vater dir nicht geben will? Aber wie kommst du darauf? Und warum jetzt?“

Ich zögerte, unsicher was ich verraten durfte und wie viel ich weglassen konnte, um noch eine ehrliche Antwort zu bekommen. Mir fiel etwas ein: „Eure Beziehung hat ein wenig Staub aufgewirbelt, aber ich konnte nicht verstehen, was das mit meinem Vater zu tun hat.“

„Es hat auch nichts mit deinem Vater zu tun”, sagte Lilium schlicht. „Aber wenn du so willst, habe ich etwas mit deinem Vater zu tun. Er war so etwas wie mein Zwillingsbruder.“

„Öh”, machte Inkubus überrascht.

„Zwillingsbruder?”, wunderte ich mich. „Engel werden doch gar nicht gezeugt und geboren, wie kann es da Zwillinge geben?“

„Engel sind Geschöpfe Gottes. Ein Gedanke von ihm reicht, um uns zu erschaffen oder zu zerstören”, erklärte der Engel etwas ungeduldig. „Der Gedanke an deinen Vater und mich war wohl nicht ganz ausgereift, es passiert hin und wieder, dass dann gleich zwei weniger vollkommene Engel geboren werden.“

„Aber du bist doch vollkommen”, fand Inkubus verliebt.

Lilium lächelte ihn verlegen an: „Nein, bin ich nicht. Wenn ich es wäre, wäre ich wohl mehr geworden, als nur ein Schutzengel. Mein Bruder ist mehr geworden, weil er immer mit dem Strom geschwommen ist. Er hat es geschafft Erzengel zu werden, ehe er sich von Luzifer blenden ließ und fiel.“

„So”, sagte ich und schlüpfte langsam aus dem warmen Bett. Jetzt wusste ich, weshalb Asmodi vermutet hatte, dass dieser Lilium meinen Vater aufsuchen sollte, sobald er die Hölle betrat. Was mir aber immer noch ein Rätsel war, war weshalb Asmodi so übel reagiert hatte, als ich ihn auf diese Sache angesprochen hatte. Mir fiel aber kein Weg ein, wie ich das Gespräch auf Asmodi lenken sollte, ohne dass es auffällig wurde. Es war mir lieber, wenn sie glaubten, dass ich von mir aus den Weg auf die Erde gegangen war. Nur wie sollte ich zurückkommen, ohne meine Kräfte?

„Inkubus? Kannst du versuchen meine Kräfte zu befreien, damit ich heim kann?“

„Wer hat sie denn nun versiegelt?”, fragte der. „Sei mir nicht böse, Xaphan, aber ich habe schon genug Ärger am Hals, als dass ich mich noch mit weiteren Erzdämonen anfeinden möchte.“

Ich machte ein trotziges Gesicht und blieb auf der Bettkante sitzen: „Es ist nichts Schlimmes weswegen meine Kräfte versiegelt wurden. Eher ist es geschehen, um mich zu ärgern. Also wirst du kaum von demjenigen angefeindet werden.“

„Wenn es nichts Schlimmes ist, kannst du es ja sagen”, fand der Engel sinnend.

„Genau”, stimmte Inkubus zu und lehnte sich überlegen an seinen Geliebten. Ich schnaubte unwillig: „Es ist mir peinlich. Eher bleibe ich auf der Erde, als dass ich es euch sage.“

„Dann bleib auf der Erde.” Inkubus grinste süffisant, weil er dachte, dass es nur eine leere Drohung wäre.

„Das werde ich”, grollte ich sauer und sprang auf um aus der Tür zu eilen, doch da lief ich prompt in jemanden hinein. Zwei Arme fingen mich auf und hinderten hilfreich meinen Sturz, doch dann umschlossen sie mich recht lasziv und pressten mich an sich, ehe ich flüchten wollte.

„Seit wann so übermütig, mein kleiner Schatz?” Asmodis Stimme klang etwas gereizt.

„Vater?”, keuchte Inkubus verwundert „Was willst du denn hier?“

„Diesmal ausnahmsweise nichts von dir, mein untreuer Sohn”, wies ihn Asmodi zurecht. „Ich will mir ihn nur zurückholen. Der Kleine ist mir doch tatsächlich ausgebüchst. Eher rege als träge, nicht Xaphan?“

„Lasst mich!”, zischte ich ärgerlich und versuchte mich aus seiner Umklammerung zu befreien.

„Willst du es wieder allein tun?”, flüsterte Asmodi leise in mein Ohr, so dass diese dreckige Anspielung wenigstens unter uns blieb.

„Was soll das?”, empörte sich Inkubus etwas. „Was willst du überhaupt von ihm? Er kann dir kaum etwas getan haben!“

„Er ist doch sehr hübsch, nicht wahr?”, erkundigte sich Asmodi und drehte mich so herum, dass sie mich ansehen konnten, er mich aber immer noch festhielt. „Was kann ich schon von ihm wollen?“

„Er ist kein niedriger Dämon sondern ein Prinz”, entgegnete Inkubus. „Du kannst ihn nicht so einfach gegen seinen Willen mitschleppen. Sag bloß, dass du ihm die Kräfte blockiert hast!?“

„Und wenn schon”, spottete Asmodi und strich mir lasziv über den Bauch abwärts „Er gehört jetzt mir. Ich werde ihn Belphegor wegnehmen.“

„Du bist widerlich, Asmodi”, mischte sich plötzlich der Engel ein. „Du hast weder Belphegor noch mich bekommen und jetzt vergreifst du dich an Xaphan, der dazu noch der Freund deines Sohnes ist? Eine wunderbare Rache, du triffst uns alle, nur dass du ihn damit am meisten triffst, obwohl er am wenigsten damit zu tun hat.“

„Eitelkeit”, lautete Asmodis kaltes Urteil. „Noch eine Todsünde. Erst Zorn, dann Wollust und jetzt Hochmut. Du fällst immer mehr, Lilium. Aber du liegst falsch.“

„Tu ich das?”, wollte Lilium scharf wissen. „Was ist es dann? Weshalb zwingst du ihn, bei dir zu bleiben?“

„Sieh ihn dir an”, forderte Asmodi erneut, aber plötzlich ganz trocken. „Das ich eine Schwäche für blonde Schönheiten habe, gebe ich offen zu. Zufälligerweise scheint es bei euch in der Familie zu liegen, aber es hat nichts mit Rache zu tun, wenn ich mich von ihm angezogen fühle. Außerdem übertrifft er sowohl dich als auch Belphegor um Längen. Nebenbei, ich bitte dich, auf Belphegor hatte ich es nie abgesehen, er hat graue Augen und Speckröllchen. Allein hätte er dieses Prachtstück nie zu Wege gebracht, aber er hat eine Nixe geschwängert, wie auch immer er das angestellt hat, das Resultat spricht für sich.“

„Könntet Ihr endlich aufhören so über mich zu sprechen?”, platzte es erbost aus mir heraus.

Asmodi lachte leise: „Wie denn? Ich soll nichts Positives mehr über dich sagen?“

„Nein! Ihr sollt aufhören mich zu behandeln als wäre ich ein Ding!”, erboste ich mich. „Ich bestehe durchaus aus mehr als einer hübschen Hülle mit Schwimmhäuten!“

„Er hat Schwimmhäute?”, wunderte sich Inkubus leise in Liliums Richtung, der ratlos mit den Schultern zuckte.

„Oh ja, Hinreißende sobald er das Wasser berührt”, beteuerte Asmodi amüsiert.

Ich schnaufte ärgerlich. Doch dann verschwand plötzlich alles um mich herum und als ich wieder zu mir kam, lag ich in meinem eigenen Kissenlager in meinem Turm. An meiner Tür lehnte schläfrig mein Vater: „Wo warst du solange? Ich möchte, dass du augenblicklich zu mir zurückkommst, wenn du eine Nachricht überbracht hast, damit ich auch weiß, ob sie angekommen ist. Aber du warst fast eine Woche fort, sodass ich dich quasi gewaltsam herholen musste. Also, hast du Asmodi die Nachricht überbracht und wo warst du danach?“

„Ja, ich hab sie ihm überbracht. Aber meine Kräfte wurden versiegelt und ich konnte nicht zurück”, gab ich beschämt zu.

Das schlaffe Gesicht meines Vaters verfinsterte sich: „Du hast deine Kräfte versiegeln lassen? Und wer käme auf die Idee… Doch nicht etwa…“

„Kannst du sie befreien?”, unterbrach ich ihn hastig.

Er seufzte lustlos und tat es dann aber ohne Schwierigkeiten. Anschließend machte er ein noch finsteres Gesicht: „Wenn du wirklich gewollt hättest, hättest du das auch allein gekonnt. Wer hat dir diesen Streich gespielt? Etwa Asmodi? Dieser Kindskopf wird nie erwachsen.“

„Hm”, machte ich zustimmend und wälzte mich auf meine Lieblingsstelle im Kissenhaufen.

„Hm”, machte auch mein Vater und verschwand wieder in Richtung seiner eigenen Gemächer.

„Hm”, machte Asmodis Stimme aus dem Schatten der Tür heraus, als die Schritte meine Vaters verhallt waren „Kindskopf? Unverschämter Kerl dein Vater.“

Ich hätte nicht überrascht sein sollen, dass er mir so schnell gefolgt war. Es gab nicht viele Orte zu denen ich auf diese Art gezogen werden konnte. Er hatte also nicht einmal suchen müssen. Allerdings überraschte mich seine Hartnäckigkeit. Es musste doch noch mehr hübsche Dämonen geben, denen er nachstellen konnte. So versessen konnte man doch gar nicht auf Schwimmhäute sein.

Ich hatte mich langsam zu ihm umgedreht, bedacht darauf mir nicht noch einmal die Zauberkräfte versiegeln zu lassen und ihn nicht näher als jetzt an mich herankommen zu lassen. Seine Aura war gelöscht, wie eigentlich immer, anscheinend liebte er diese Überraschungsauftritte. Beschaulich lehnte er an der Mauer meines Turms und musterte mich undurchsichtig: „Dein Vater hat deine Abwesenheit also doch schneller bemerkt, als ich vermutet hatte. Man sollte den alten Belphegor nicht unterschätzen wie es scheint.“

„Ja”, sagte ich nur. „Ihr gebt also endlich auf?“

„Ha.“ Asmodi lachte unlustig „Ich habe gerade erst angefangen.“

„Wieso wollt Ihr mich so quälen?”, fragte ich leicht entnervt.

„Quälen ist ein ganz falscher Ausdruck für das, was ich dir zugedacht habe”, fand Asmodi beleidigt. „Ich will dich besitzen, dich verwöhnen und dir unvorstellbaren Genuss bereiten.“

„Mit anderen Worten: Ihr wollt mit mir schlafen”, versuchte ich mühsam auf ihn einzugehen. „Doch wenn ich es nicht will, bedeutet das eine Qual für mich.“

„Nun, in dem Fall solltest du an deiner Einstellung feilen. Warum willst du denn nicht?“

„Zum Beispiel, weil Ihr mir meine Kräfte versiegelt hattet, mich in Eurem Reich gefangen halten wolltet und mich mit Eurem Speichel gefügig gemacht habt”, zählte ich auf.

Asmodis linke Braue hob sich: „Du hast einen sehr eingeschränkten Blickwinkel: Erstens hättest du deine Kräfte, wie dein Vater schon sagte, selbst befreien können, du warst nur zu faul, zweitens hätte ich dich demnach gar nicht in meinem Reich gefangen halten können und drittens kann… nun… das mit dem Speichel war ein nicht ganz netter Trick, aber ich bin eben ein Dämon und du hattest doch deinen Spaß, - dreimal.“

„Eben, allmählich solltet Ihr auch genug haben”, sagte ich nur, weil ich keine Lust hatte mit ihm über die verbliebenen zwei Punkte zu diskutieren. „Ihr seid doch für Eure Flatterhaftigkeit bekannt. Gibt es keinen anderen Dämonen, den Ihr beglücken könnt!?“

„Nein, ich will dich”, behauptete Asmodi bestimmt. „Und ich bin es nicht gewohnt, über das Für und Wider zu streiten.“

„Ich will Euch nicht”, behauptete ich ebenso bestimmt. „Und jetzt verlasst mein Gemach!“

Draußen vor dem Fenster scharten sich die blutdurstigen Flughunde. Sie hatten die angespannte Atmosphäre im Zimmer gewittert und hofften das Opfer des Disputs zu erwischen. Bald würden auch andere im Schloss seine Anwesenheit bemerken. Asmodi blieb keine Zeit, wenn er ungesehen bleiben wollte. Er zischte ungeduldig und verschwand dann tatsächlich. Er wusste, dass er keine Macht mehr über mich hatte. In dem Reich meines Vaters konnte er nicht seine volle Macht ausüben und ich hatte meine wiedererlangt, womit wir in etwa ebenbürtige Gegner waren. Dazu kam allerdings, dass er mir nichts antun konnte, ohne den Zorn meines Vaters auf sich zu ziehen. Mich aus dem Reich meines Vaters zu entführen, hätte einen Krieg heraufbeschwören können, auch wenn mein Vater träge war, so hatte er doch einen gewissen Grad an Stolz.

Er war fort und ich wollte endlich in meinen geliebten Schlummer fallen, doch es gelang mir nicht meine Augen zu schließen. Ich war zum ersten Mal in meinem Leben hellwach. In meinem Kopf rasten die Gedanken und fanden keine Ruhe. Ich hätte meine Kräfte alleine wiedererlangen können, wenn ich nur gewollt hätte. Hatte ich nicht gewollt? Doch natürlich hatte ich das und ich war auch nicht zu faul, um es zu tun. Ich war mehrere Stunden durch einen unterirdischen Bach geschwommen, um meine Freiheit wiederzuerlangen. Das war doch Schwachsinn, wenn ich meine Kräfte wirklich selbst befreien hätte können.

Anderseits hatte ich es gar nicht richtig probiert. Ich hatte mich einfach damit abgefunden, dass Asmodi mich gefangen hielt und innerlich hatte es mir sogar geschmeichelt. Asmodi war ein Dämonenfürst von einem so hohen Rang wie mein Vater. Über ihnen kamen nur noch Luzifer und Satan, die um den Höllenthron rangen. Außerdem war Asmodi ein unglaublich anziehendes Geschöpf, dessen Reizen niemand entging und natürlich auch ich nicht. Also es hatte mir geschmeichelt, dass er mich wollte. Warum also wehrte ich mich so dagegen? Weil mir die Art missfiel, die er an den Tag legte, um mich zu bekommen. Er fragte mich nicht, sah in mir keinen ernstzunehmenden Gegner und versuchte mich mit dummen Tricks zu erobern.

Hätte er mich einfach umworben, statt gleich zu sagen ‚Komm!’ vielleicht wäre ich mitgegangen. Sicherlich wäre ich mitgegangen. Es war seine eigene Schuld. Trotzig rollte ich mich auf die andere Seite und schloss abermals die Augen, um sie gleich wieder zu öffnen. Es gefiel mir auch nicht, dass er die Anziehungskraft, die von mir ausgehen sollte, nur an meinem Äußeren festmachte. Blonde Gestalten fand er auch in der Hölle nicht selten. Sollte er sich doch einen anderen suchen.

Plötzlich fiel mir das gerade Gehörte wieder ein. Dieser Engel Lilium, der ja eigentlich fast so etwas wie mein Onkel war, er hatte Asmodi vorgeworfen, dass er mich nur wollte, um allen eins auszuwischen. Ihm, Inkubus und meinen Vater. Ein gar nicht einmal so abwegiger Gedanke, auch wenn Asmodi ihn geleugnet hatte. Wenn er damals, als alle Drei noch Engel waren, diesen Lilium gewollt oder gar geliebt hatte, und ihn nicht bekommen hatte, es aber jetzt seinem Sohn gelungen war, diesen Engel zu Fall zu bringen, natürlich war er in seinem Stolz verletzt. Und mein Vater und er hatten sich noch nie sonderlich gut verstanden, deshalb kommunizierten sie ja auch nur über Botschafter. Er hatte durchaus Gründe, weshalb er ihnen schaden wollte. Aber aus diesem Grund mich zu benutzen, schien mir doch etwas zu indirekt. Es gab tausend bessere Wege und es passte auch nicht zu dem Teil von Asmodi, den ich kennen gelernt hatte. Allerdings war der Teil den ich kennen gelernt hatte sehr einseitig. Wir hatten uns entweder gestritten oder miteinander geschlafen. Keine gute Basis um mich meinem Vater wegzunehmen, das musste Asmodi doch selbst bewusst sein.

Ich wälzte mich auf den Rücken und starrte die Decke an. An Schlaf war immer noch nicht zu denken. Tatsächlich interessierten mich Asmodi und seine Beweggründe doch sehr. Ich wäre gerne in seine Hallen zurückkehrt und hätte ihn ausgefragt. Allerdings bezweifelte ich, dass ich auch nur eine ernste Antwort bekam. Mehr als dass er mein Äußeres hübsch fand, würde ich kaum von ihm erfahren. Ich wollte aber, eitel wie ich war, dass er noch mehr an mir schätzte. Er sollte sich richtig in mich verlieben, der Herrscher über die Todsünde Wollust. Ich war wirklich eitel, denn allein der Gedanke daran war absurd. Es wäre ja keine Sünde mehr, wenn er mich aus tieferen Gefühlen herausbegehrte und er war dieser Sünde nun einmal verfallen. Er konnte nicht mehr als oberflächliche Anziehung empfinden. Damit konnte ich mich aber nicht abfinden. Und dass war auch der Grund, weshalb ich in meinen Kissen lag und nicht in seinen, wurde mir plötzlich bewusst. Pure Eitelkeit. Wenn mich jemand wollte, dann doch bitte auch ganz und aus keinem anderen Grund, als mir selbst. Zu hohe Ansprüche und denen würde Asmodi als Verfechter der Lüsternheit niemals genügen.

Ich seufzte und rollte mich schließlich ganz aus meinen Kissen. Es trieb mich die Treppen hinab in die Gemächer meines Vaters. Wie immer lag dieser natürlich in seinem eigenen Bett und ließ sich von seinen Untergebenen bedienen. Ich seufzte noch einmal und krabbelte ungefragt zu ihm ins Bett, um darauf zu warten, dass er mir seine Aufmerksamkeit schenkte. Das tat er augenblicklich. Seine grauen Augen verengten sich kalkulierend, als er zu mir hinab sah, da er saß und ich lag. Dann runzelte er die Stirn und sah mich fragend an: „Ich kann mich nicht erinnern, wann du das letzte Mal freiwillig in mein Bett gekrabbelt bist, wie ein Kind. Was willst du also?“

„Ich hab deinen Bruder kennen gelernt”, erklärte ich.

Belphegors Brauen hoben sich noch mehr: „Ich habe keinen Bruder.“

„Na, diesen Engel. Lilium heißt er. Inkubus hat ihn verführt und die beiden leben jetzt zusammen auf der Erde”, sprudelte es aus mir heraus.

Belphegors Augen wurden noch ein bisschen größer: „Da steckt doch wieder Asmodi dahinter. Wie hat er das nur hinbekommen? Lilium war nach unserem Fall lange nicht aktiv. Engel schlafen, wenn sie nicht gebraucht werden oder im Verdacht stehen etwas angestellt zu haben.“

„Hat Lilium denn etwas angestellt?”, wollte ich neugierig wissen. „Und was hat Asmodi damit zu tun?“

„Lilium…”, murmelte mein Vater nachsinnend. „Ich hatte niemals viel mit ihm zu tun. Er war ganz anders als ich. Ehrlicher, offener und so fürchterlich rege und energisch. Ist er immer noch so?“

„Ich mag ihn nicht”, erklärte ich schlicht.

Mein Vater nickte. „Asmodi mochte ihn damals sehr. Er sah damals so aus, wie Inkubus jetzt, vielleicht wirkte er nicht ganz so naiv und er hatte wunderschöne, braune Augen. Er sah unschuldiger aus als er war. Als er fiel, riss er viele Engel mit sich, die sich an ihm vergangen hatten, wer daran die Schuld trug, konnte man nicht sagen: sie sagten Asmodi hätte sie verführt, doch Asmodi tat so unschuldig, dass das Gericht ihm nicht die Alleinschuld zusprechen konnte. Mittlerweile ist natürlich klar, dass er sie trägt. Asmodi legte es geradezu darauf an, Lilium mit sich zu reißen und beschuldigte ihn auch der Sünde, sich an ihm vergangen zu haben. Bei einer Probe offenbarte sich, dass Lilium unschuldig war, zumindest hatten sie die Sünde nie wirklich vollzogen. Es hieß damals jedoch, Lilium hätte durchaus eine Schwäche für Asmodi gehabt. Jedoch hat er ihr nicht nachgegeben.” Belphegor lachte leise. „Asmodi war deshalb so gekränkt und wütend, dass er auch zu mir, da ich Lilium ähnlich sehe, nie ein normales Verhältnis aufbauen wollte. Er hat mir verboten seine Hallen zu betreten und geschworen auch nie in meine zu kommen. Wenn wir uns auf den Versammlungen der Fürsten treffen, hält er sich stets fern von mir.“

„Aber ich sehe euch auch ähnlich”, wandte ich nachdenklich an. „Und an meinem Äußeren hat er nichts auszusetzen.“

„Warum sollte er auch, wenn er nun einmal eine Schwäche dafür hat?”, fragte mein Vater amüsiert. „Außerdem ist es lange her. Die Feindschaft zu mir ist langsam abgekühlt. Zudem wenn er es geschafft hat, Lilium doch noch zu verführen und sei es durch seinen Sohn… Seine Wut sollte inzwischen verblasst sein.“

„Aber er mag es nicht, dass Inkubus mit Lilium zusammenlebt.“

„Natürlich nicht, sicher wollte er, dass Inkubus dem Engel das Herz bricht. Das wäre typisch für Asmodi. Er selbst ist nicht mehr so niedlich, dass Lilium ihm erneut verfallen könnte, aber Inkubus ist es. Er hat ihn sicherlich darauf angesetzt.“

„Aha”, machte ich und kuschelte mich in das weiche Bett meines Vaters. Ich dachte darüber nach, was ich erfahren hatte, wurde aber von meinem Vater unterbrochen, der sich neben mich legte und mir aus kurzer Distanz in die Augen schaute: „Was hat Asmodi mit dir angestellt?“

„Kannst du dir das nicht denken?”, fragte ich zurück und spürte die Hitze im Gesicht.

„Nein”, gestand mein Vater und gähnte müde. „Ich habe keine Lust darüber nachzugrübeln, also erzähl es mir einfach. Er hat deine Kräfte gebannt, dein Äußeres gemocht und sicherlich hat er mit dir geschlafen, wenn auch nicht so freiwillig von deiner Seite, wie es scheint, sonst hätte er deine Kräfte nicht bannen müssen. Aber wieso du deshalb so aufgewühlt bist und in mein Bett kommst, verstehe ich nicht und wie du Lilium dabei begegnet bist auch nicht.“

Ich zögerte ein wenig, doch dann erzählte ich ihm alles. Mein Vater schlief dabei fast ein, doch immerhin war er noch so aufmerksam, dass er es verstand. Er nickte schläfrig: „Dann hast du dich also in ihn verliebt und bist wütend darüber, dass er dich niemals lieben wird, weil er nur dein Äußeres beachtet? Du bist ein Dummerchen. Asmodi ist zwar ein lüsterner Bock, aber er hat ein Herz wie alle anderen. Nur das er das niemals zugeben würde, besonders nicht wegen der Sache mit Lilium. Wenn er so einen Aufwand betreibt, damit du bei ihm bleibst und er sogar mein Schloss betritt, ist er schon längst in dich verliebt.“

„Meinst du wirklich?”, platzte es aus mir heraus, ehe ich mich besann. „Ich bin nicht in ihn verliebt!“

„Ich bin zu müde für so etwas…”, seufzte mein Vater schleppend. „Jedenfalls habe ich noch eine Botschaft für Asmodi, die du ihm überbringen könntest. Aber diesmal lass dir nicht die Kräfte einfrieren.“

„Ich geh da nicht wieder hin!”, wehrte ich entrüstet ab.

„Oh doch, du wirst”, entgegnete mein Vater. „Du musst mir gehorchen, sonst nehme ich deine Kräfte für immer fort! Ich schreibe sie gleich auf. Du bist mir ohnehin etwas zu wach, schlafen kannst du doch nicht.“

„Wie? Jetzt? Es ist Nacht”, wandte ich ein.

„Ich musste eine Woche auf dich warten, es duldet keinen Aufschub!”, erklärte Belphegor ungewohnt standhaft und für mich zutiefst unlogisch, doch ich konnte mich noch so sehr wehren, mir bleib keine andere Wahl. Also wartete ich bis er seine Nachricht niedergeschrieben hatte und machte mich damit wieder auf den Weg. Ich wusste nun immerhin schon, wie es in Asmodis Hallen aussah und konnte mich gleich in sein Gemach manifestieren, in das er mich in der ersten Nacht hatte bringen lassen. Es lag jemand in dem Bett. Allein, deshalb war ich mir nicht gleich sicher, ob es wirklich Asmodi sein konnte. Doch als er meine Anwesenheit spürte und sich verschlafen, aber wachsam aufsetzte, gab es keinen Zweifel mehr. Die weiche Bettdecke glitt über seine seidige Haut in seinen Schoß und seine goldenen Augen schimmerten animalisch in der Dunkelheit. Mein Herz begann augenblicklich schneller zu klopfen, als sein Blick über mich huschte.

„Hast du es dir anders überlegt?”, brummte er ohne sich die Blöße zu geben überrascht zu wirken. Ich zog einen Schmollmund und warf ihm das Schreiben meines Vaters aufs Bett. Er runzelte die Stirn und griff danach: „Seit wann ist dein Vater nur so mitteilsam?“

Seine schmalen, tiefschwarzen Augenbrauen zogen sich zunächst zusammen, während er das Schreiben konzentriert las. Dann hob sich erst eine langsam, dann die Zweite und er blickte kurz zu mir auf, um dann mit einem sanften Lächeln weiter zu lesen. Als er das Schreiben weglegte, lachte er leise und blickte wieder zu mir.

„Was ist so komisch?”, wollte ich wissen.

„Nichts…”, versicherte er und seine Zähne blitzten bei seinem schalkhaften Grinsen gefährlich auf. „Weißt du, was darin steht?“

„Nein”, antwortete ich verwundert. „Seit wann geht mich das etwas an?“

„Komm her und lies”, forderte mich Asmodi überraschend auf.

Ich runzelte die Stirn, konnte meine Neugier aber nicht bezwingen und näherte mich dem Schreiben tatsächlich vorsichtig. Anscheinend nicht vorsichtig genug, denn kaum hatte ich das Schreiben ergriffen, packte mich Asmodi von hinten und presste sich an mich. In dem Glauben, es sei wieder nur ein Trick gewesen, versuchte ich mich empört zu befreien.

„Lies!”, raunte mir Asmodi gebieterisch ins Ohr. Ich knurrte missbilligend und öffnete dann das Papier, weniger wegen dem Befehl als aus eigenen Antrieb.

An Fürst Asmodaios

Mir ist zu Ohren gekommen, was du meinem einzigen Sohn, Prinz Xaphan, angetan hast. Ich gehe hoffentlich recht in der Annahme, dass du dein Vorgehen, insbesondere die Versieglung seiner Kräfte und sein Festhalten in einer unterirdischen Grotte bereust und einsiehst, dass es schlichtweg kontraproduktiv war. Du hast es dir dadurch nicht nur selbst schwerer gemacht, sondern auch seinen Stolz und seine Gefühle verletzt. Ich als sein Vater kann das Geschehende nicht einfach so hinnehmen. Daher habe ich mich dazu entschlossen, dir die Verantwortung für dein vergangenes Tun zu übertragen und schicke ihn dir zurück.

Er ist mein einziger Sohn und ich werde es nicht zulassen, dass er wegen deiner Leichtlebigkeit unglücklich ist. Wenn du ihn wirklich willst, nimm ihn, aber zeig ihm, was er für dich ist. Ich warne dich, wenn du ihm noch einmal wehtun solltest oder seine Würde verletzt, werde ich dir keine zweite Chance einräumen. Ach, und versuch nicht ganz so brünstig zu sein. Er ist noch jung und hat noch nicht so viel Erfahrung. Erschrecke ihn nicht!

Ich möchte, außerdem dass er jeden Sabbat nach Hause kommt, damit ich auch noch etwas von meinem Sohn habe.

Ich habe ein Auge auf euch,

Belphegor

„Idiot!”, knirschte ich ungläubig „Wie kann er es wagen!?“

Asmodi lachte und hielt mich immer noch von hinten umschlungen. Sein Atem kitzelte in meinem Nacken. Vorsichtig strich er mit einer Hand, während die andere mich immer noch festhielt die Haare fort, ehe er seinen Mund ganz über meinen Hals senkte und mich zärtlich küsste.

„Ich kann nicht sagen, dass er ein Idiot ist”, murmelte er dann leise. „Immerhin ist er der Richter der Hölle und ist für seinen Scharfsinn und seine findigen Entscheidungen bekannt. Allerdings bin ich zutiefst überrascht von seinem Durchblick in dieser Angelegenheit. Er hat Recht, ich bin zu weit gegangen… Es tut mir leid.“

„Das… - Tatsächlich?”, flüsterte ich in einer Mischung aus Verwirrung über Asmodis Verhalten und der angestauten Wut über den Trick meines Vaters.

„Ja”, bestätigte Asmodi „Es war nicht gerade gut überlegt, ich habe aus dem Affekt herausgehandelt. In letzter Zeit scheine ich ohnehin eher selten mit dem Kopf zu denken…“

Ich schwieg, weil ich wirklich keine Ahnung hatte, was ich darauf sagen sollte. Asmodi half mir: „Verzeihst du mir?“

„Warum sollte ich?”, stellte ich mich aus Gewohnheit stur.

„Weil es mir leid tut und weil ich sehr gern habe…”, flüsterte Asmodi sinnlich, dann kam die Unterstellung „…und du mich auch.“

„Warum sollte ich Euch gerne haben?”, wollte ich entrüstet wissen.

„Weiß ich auch nicht”, gestand Asmodi verschmitzt „Aber sonst hätte dich Belphegor nicht zurückgeschickt, oder?“

„Woher will der das wissen?”, schnaubte ich nur.

„Das weiß ich wirklich nicht. Vielleicht, weil du es ihm irgendwie gesagt hast?”, schlug Asmodi vor und drehte mich in seinen Armen herum, damit ich ihn ansah. „Stimmt es denn nicht?“

„Hm”, machte ich trotzig und versuchte seinen Augen auszuweichen, was mir nicht gelang. Irgendetwas lag in seinem Blick, das mich magisch anzog. Es war nicht seine Erfahrenheit und auch nicht seine Gerissenheit, nicht sein Spott und nicht die leise Bosheit, die ihn immer begleitete. Da lag etwas viel tiefer verborgen, was er krampfhaft geheim zu halten versuchte. Er war nämlich gar nicht der oberflächliche Sexgott, für den ihn alle hielten. Er war verletzlich und hatte einen zutiefst gekränkten Stolz. Es fiel ihm schwer Gefühle zu zeigen, denn die einzigen Personen, denen sie bisher gegolten hatten, hatten ihn von sich gestoßen: Lilium und sein eigener Sohn Inkubus. Jetzt hatte er mir etwas von seinen verletzten Stolz geschenkt und wenn ich es zurückwies, würde ich ihn noch mehr verletzen und vielleicht das letzte Bisschen, was noch nicht der dämonischen Seite in ihm geopfert worden war, vernichten. Das wäre doch verdammt schade, denn dieses letzte Bisschen von ihm selbst, zog mich so sehr in seinen Bann.

„Hm”, machte ich noch einmal, diesmal weniger trotzig. „Na gut, vielleicht mag ich dich auch.“

„Aha…”, machte er mit einem scheinbar so selbstbewussten Lächeln wie eh und je „Dann gibt es doch gar keinen Grund, nicht hier bleiben zu wollen.“

Langsam kam er mir entgegen und wollte mich küssen. Instinktiv wich ich davor zurück und stieß mit den Kniekehlen an sein Bett, wodurch ich das Gleichgewicht verlor und unversehens in die weichen Laken fiel. Asmodi war augenblicklich wieder über mir und setzte seine Intention mich küssen zu wollen fort. Schnell wandte ich meinen Kopf ab.

„Was?”, wollte er wissen „Darf ich dich nicht einmal küssen?“

„Nein, gerade küssen nicht”, erklärte ich errötend. „Ich will meinen klaren Kopf behalten.“

„Oh, du meinst…” Er lachte leise und küsste mich dann doch schnell auf den Mund, sodass ich mich nicht wehren konnte „Keine Angst, nicht jeder Kuss von mir enthält diese Wirkung. Das kann ich steuern, weißt du? Wo bliebe den der Spaß, wenn ich jeden mit meinem Kuss zu einem lüsternen Zombie mache?“

„Wirklich?”, fragte ich zweifelnd. Asmodis Lippen berührten fast die meinen, seine Augen hatte er geschlossen: „Riskiere es doch einfach.“

Die letzte Distanz zwischen unseren Lippen überwand ich selbst. Mir wurde wieder schwindlig, aber diesmal war sein Speichel nicht daran schuld. Es lag viel eher an seiner ganzen Person und an seiner Art, mir mit seinen Küssen den Atem zu rauben. Langsam ließ ich meine Arme um seinen Körper fallen und zog ihn enger an mich. Gemächlich begann Asmodi unter meine Kleidung zu fahren und sie mir langsam auszuziehen. Doch plötzlich stockte er und sah mich an.

„Wie alt bist du eigentlich?“

„Wieso?”, fragte ich verwundert zurück. Asmodi zuckte mit den Schultern: „Ich fand es nur komisch, dass ich es nicht weiß. Ich kenne die Söhne aller Fürsten, aber von dir wusste ich nichts. Außerdem hat dein Vater extra in seinem Brief erwähnt, dass du noch jung bist.“

„Einhunderteinundvierzig Jahre”, gestand ich leise und beobachtete seine Reaktion. Seine Augen weiten sich etwas und musterten mich ungläubig: „Einhunderteinundvierzig?“

Ich nickte nur. Vorsichtig glitt er von mir hinunter und setzte sich neben mich. Seine Hand fuhr unruhig zu seinem Hals und kratzte sein Kinn. Er wirkte etwas zerknirscht: „Du bist nicht einmal mündig, oder? Ich meine, du bist jünger als Inkubus?“

Ich nickte wieder und lächelte beinahe schüchtern: „Wirke ich denn älter?“

Asmodi erwiderte mein Lächeln sacht. „Dann bin ich froh, dass dein Vater so ein duldsamer Dämon ist. Sonst würde er mich wohl umbringen und zu Recht! Zur Hölle, das erklärt einiges.“

„Wieso? Was denn?”, wollte ich wissen.

„Nun, zum Beispiel, warum du sooft nachfragst”, fiel Asmodi schmunzelnd auf. „Und deine Enge, als ich dich das erste Mal nahm, ich hätte… Oh Hölle! Es war dein… es tut mir leid… Hätte ich geahnt, dass es wirklich dein erstes Mal sein könnte, wäre ich sanfter gewesen…” Er sah wirklich ziemlich bestürzt aus. „Und dass ich deine Kräfte so einfach blockieren konnte… Daran hätte ich es schon merken sollen.“

„Hör auf!”, murmelte ich beschämt. „Ein Kind bin ich nun auch nicht mehr! Unter normalen Umständen wäre es dir nie gelungen meine Kräfte zu blockieren. Ich hab einfach nicht damit gerechnet.“

„Wenn du meinst.” Asmodi lachte etwas belustigt und legte sich wieder neben mich. Seine Hand strich zärtlich über meinen Bauch: „Es tut mir jedenfalls leid. Ich werde ab jetzt sanfter sein…“

„Pfff…” Ich rollte mich auf ihn „Ich bin zwar jung, aber immer noch ein Dämon, vielleicht mag ich es ja weniger sanft!“

Asmodi lachte und rollte sich wieder über mich, um mich zu küssen. Danach lag ich benommen unter ihn und er lächelte wieder dieses Lächeln, dass ich jetzt erst bei ihm kennen lernte: „Dämon oder nicht. Du bist verdammt niedlich.“


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Kommentar: Uhhhh, das war jetzt aber ein langes Kapitel. Ich hatte erst überlegt, ob ich es teilen sollte, aber irgendwann sollen es schließlich mal sieben Kapitel sein und nicht 8 oder 9 oder so eine komische Zahl. *g* Schließlich sind es sieben Söhne, auch wenn ich noch nicht weiß, was ich aus den letzten Beiden mache… Na ja egal…
Asmodi. Boah ^^”, ich finde ihn toll. Ich fand ihn schon im ersten Kapitel toll, aber das konnte ich doch nicht sagen, nachdem was er mit seinem eigenen Sohn gemacht hat. *schäm* Okay, jetzt ist es heraus und wenn man einen etwas tieferen Einblick in sein Innenleben erhalten hat, kann man ihn doch gar nicht mehr nicht mögen oder? Er ist zwar immer noch ein wenig oberflächlich, boshaft, gemein, skrupellos (na ja nach dem letzten Geständnissen nicht mehr ganz so sehr ^^”, aber nur weil er Xaphan so lieb hat), verdorben etc. aber er ist schließlich ein Dämon und hatte es auch nicht leicht.
Xaphan mag ich auch. Er ist ein pfiffiger Bursche. Kommt wirklich ganz nach seinem Vater, der aufgrund seiner besagten Speckröllchen (leichte Untertreibung ^^") leider nie ein Hauptchara in meinen Geschichten wird, aber auch in der nächsten eine Rolle spielen wird. ^^ Hoffe ihr bleibt mir bis dahin treu!
Vielen lieben Dank für eure reviews zum ersten Teil! Hatte gar nicht mit so vielen gerechnet. ^^ *Schokotrüffelkonfekt hinstell* <= Zumindest was übrig ist, nachdem ich das alles noch mal überlesen habe.

P.s. Nicht dass ich was gegen Speckröllchen habe, die Maßlosigkeit ist schließlich auch eine Sünde, die noch kommt... ^^"
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