Die Söhne der Sieben

von Lelis
GeschichteRomanze, Übernatürlich / P18 Slash
24.02.2007
20.08.2009
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Dieses Kapitel
59 Reviews
 
 
 

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Aufgrund aktueller Vorkommnisse: Das Copyright dieser Geschichte liegt bei mir. Gegen unautorisierte Vervielfältigungen oder gar Plagiate würde ich ohne Zögern rechtliche Schritte einleiten.

Liebe Leser, solltet Ihr auf ein Plagiat dieser Geschichte aufmerksam geworden sein, bitte ich euch, mich davon in Kenntnis zu setzen. Dankeschön.


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Kommentar: ACHTUNG! WARNUNG! Ich dachte, da „Zufallsbekanntschaften“ so eine liebe Geschichte von mir ist, kann ich mir auch mal eine böse Geschichte erlauben. *smirk* Es geht hier häufig um das Eine. v.v Ja, also nicht vordergründig, aber doch ziemlich deftig, wenn es zur Sache geht. Darum möchte ich hier auch noch mal AUSDRÜCKLICH daraufhin weisen, dass sich aufgrund der Eigenart der Charaktere an keine ethischen Moralvorstellungen gehalten wird. Es gibt GEWALT, SM, INZEST, ja evt. kann man manche Akte als RAPE interpretieren. Nichts davon möchte ich verherrlichen. Es ist eine rein fiktive Geschichte mit Dämonen (bitte also nicht zu Hause nachmachen ^.^“) und trotz dieser ganzen Warnungen, ist sie sogar stellenweise ganz niedlich. ^///^

Wie immer freue ich mich über jede Review.



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»Sohn der Wollust«




Er war groß, riesig beinahe und doch nicht plump. Er bewegte sich mit einer grazilen Anmut durch die Menge der aufgeschreckten Menschen. Panisch und ziellos stoben sie an ihm vorbei, doch er schien ein festes Ziel vor Augen zu haben: Mich.

Seine langen, blonden Haare wehten zornig im Schein der roten Flammen, die gierig an unserem Schauplatz züngelten: Eine riesige, steinerne Kirche jedoch innerlich mit Holz möbliert, alt und trocken. Nur zu gern hatte sich mein Feuer darin verbissen. Es konnte mir nichts anhaben. Feuer war mein Element, ich war darin geboren worden und hatte die meiste Zeit meines bisherigen Lebens darin verbracht. Um präziser zu sein: Meine nun beendete Kindheit.

Dies war mein erster Auftrag, der meine Mündigkeit besiegelte. In meiner Brust ballte sich Stolz und Hochmut, denn ich hatte ihn ohne Schwierigkeiten erfüllt. Die Menschen krochen vor meiner Macht und winselten in meinem Schatten. Die Gefühle überwältigten mich und ließen mich andächtig innehalten, während ich mein Werk betrachtete.

Mir gefiel die Angst in ihren Augen, die vor Entsetzen aufgerissenen Münder und die von Schmerzen und Rauch erstickten Schreie. Ich fühlte mich wohl in diesem Inferno. Und dann war plötzlich Er aufgetaucht.

Alles um mich herum geriet mit seinem Erscheinen in Vergessenheit. Ich hätte mich mit hämischen Lachen aus dem Staub machen müssen, aber seine blauen, hasserfüllten Augen zogen mich unwillkürlich in ihren Bann und hielten mich gefangen. Ich konnte nicht fliehen. Vor dem brennenden Altar, dieser bis zu meinem Auftauchen so frommen Gemeinde, wartete ich wie erstarrt auf meinen Gegenspieler. Mein Hochmut wich purer Bewunderung. So ein herrliches Wesen hatte ich noch nie gesehen. Freilich gab es auch bei uns Schönheiten, aber sie erschienen mir im Vergleich zu ihm nur noch ordinär und aufreizend. Sie dienten dazu Menschen zur Sünde zu verleiten. Der Engel jedoch… seine Schönheit trieb den Menschen Tränen in die Augen und ließ sie vor Ehrfurcht erzittern.

Er schritt weiter auf mich zu. Die Flammen in seiner Nähe erstarben. Die Menschen um ihn herum besannen sich, halfen einander und kamen schließlich sogar unbeschadet ins Freie. Ich kam nicht dazu meine Enttäuschung darüber kund zu tun. Meinem Spiel war ein frühes Ende bereitet worden. Es waren zu wenige in dem Höllenfeuer umgekommen. Ich konnte nur hoffen, dass mein Vater darüber hinwegsah, wenn er erfuhr, dass ich einen hochrangigen Engel zum Gegner gehabt hatte.

Plötzlich ertönte über meinem Kopf ein knarrendes, donnerndes Geräusch. Ich löste mich aus meiner Erstarrung, gerade noch rechtzeitig, um die brennende Kanzel auf mich hinabstürzen zu sehen. Es war noch nicht zu spät um zur Seite zu springen. Ich hätte es gewiss geschafft, doch es war unnötig.

Ein plötzlicher Windhauch und über mich hinweg flog der blonde Engel, um den hölzernen Kasten abzuwehren. Nur langsam begriff ich die Bedeutung dessen: Er versuchte mich zu retten?

Verwundert beobachtete ich, wie er mit angesenkter Hand dicht neben mir im Chor landete. Seine Haut war von der Hitze aufgeplatzt und sein reines Blut quoll daraus hervor. Dem schenkte er jedoch keine Beachtung. Er griff mich mit seiner unverletzten Linken am Arm und wollte mich mit sich ziehen. Als ich gerade noch soviel Geisteswart aufbrachte, um mich dagegen zu sträuben, hörte ich zum ersten Mal seine melancholisch weiche Stimme.

„Hab keine Angst und folge mir“, wisperte sie wie eine Welle reinen Glückes.

Mein Geist wurde vernebelt und nun ließ ich mich ins Freie ziehen, ohne überhaupt zu begreifen, was geschah. Er war der Feind! Dennoch war er freundlich und anscheinend wollte er mich retten. Ich verstand es nicht. Auch wenn er ein gutes Wesen war, war es dennoch seine Pflicht gegen die Dämonen, also jemanden wie mich, in den Kampf zu ziehen. Es gab keinen Grund, warum er mich nicht sogleich niederstreckte.

In seinen Augen leuchtete das Licht der flammenden Kirche. In ihnen glühte immer noch unterdrückte Wut, die mich schon in der Kirche so sehr in seinen Bann geschlagen hatte. Um so mehr verwunderte mich, dass er mich zu retten versucht hatte. Ich starrte ihn ohne Hehl an. Irgendwann riss er sich von dem Bild des großen, brennenden Gebäudes los und wandte sich mir zu.

„Wie konnte das geschehen?“, verlangte er zu wissen „Wurdet ihr angegriffen?“

Anscheinend hielt er mich für einen Menschen. Dabei musste ihm doch auffallen, dass mich niemand außer ihm sehen konnte. Zwar ging es gegen meinen Stolz meine wahre Gestalt zu verheimlichen, doch es ihm so unter die Nase zu reiben, wäre einfach nur töricht gewesen.

„Angegriffen?“, frage ich daher ausweichend und warf ihm einen herausfordernden Blick zu.

Er übersah ihn in seiner Rage. Zorn war eine Sünde für die Engel sehr empfänglich waren. Ich wusste das von meinem Vater, der schließlich auch einmal einer gewesen war – vor seinem Fall.

„Ja, von Dämonen“, fragte er ungeduldig „Sie wird wohl kaum von allein angefangen haben zu brennen.“

„Nein, wohl kaum. Aber was interessiert Euch das? Wer seid Ihr?“ fragte ich zurück.

„Ich …“ Er warf mir den ersten irritierten Blick zu „Ich bin Lilium, der Schutzengel dieser Gemeinde.“

Der Name gefiel mir. Lilium der Name der Lilie, das Symbol für Reinheit und Unschuld. Es war geradezu ein Appell, dieses unschuldige Wesen zu verderben. Aber noch war ich zu sehr auf der Hut. Seine Wut wollte ich nicht unbedingt auf mich ziehen.

Ich war allerdings zu neugierig, um mir eine Frage zu verkneifen: Wie kam er darauf, dass ich ein Mensch sein könnte? „Wie kommt es, dass ich Euch sehen kann? Sind Engel denn nicht unsichtbar?“

Ein zweiter irritierter Blick. Doch dann lächelte er mich nachsichtig an. Er hatte ein wundervolles Lächeln. Seine Zähne waren von einem strahlenden Weiß: „Ja, normalerweise können Menschen uns nicht sehen. Es sei denn, es sind unschuldige Kinder mit reinen Herzen…“

Unschuldige Kinder mit reinen Herzen… Ich stockte. Dann stieg ein heißes Gefühl in mir auf und meine Galle kochte über. Dieses Geschöpf hielt mich für ein dummes, kleines Menschenkind?! Was für eine Beleidigung!

„Wie auch immer,“ sagte ich grimmig „Dann wird das unschuldige Kind einmal seinen Vater aufsuchen, bevor er sich Sorgen macht.“

Ehe er etwas darauf erwidern konnte, hatte ich ihm den Rücken zugewandt und ging. Sobald ich unbeobachtet war, verließ ich die irdische Welt und fuhr hinab in die Höllenfeuer.

Mein erster Gang führte mich tatsächlich zu meinem Vater. Er war einer der sieben Dämonenfürsten. Ein mächtiger gefallender Engel: Asmodi. Sein Thron war umgeben von seinen nackten sich in Begierde rekelnden Geschöpfen. Sie alle waren üppige Gestalten, eigentlich nur gut für das eine. In ihrer Mitte mein Vater, der Gebieter über die Todsünde der Wollust.

„Du bist zurück.“ Gelangweilt stieß er die vollbusige Dämonin von seinem Schoß „Berichte mir von deinem kleinem Ausflug… Es kann kaum sehr aufregend gewesen sein.“

„Ich wurde gestört“, verteidigte ich mich übellaunig. „Deshalb sind so wenige gestorben.“

„Gestört… So? Von wem?“, spottete Asmodi und fuhr sich dekadent durch sein langes, schwarzes Haar.

Beleidigt zog ich eine Schnute und trat nach dem Kerl, der mir zwischen meine Beine fassen wollte. Jammernd fuhr der niedrige Dämon zurück in die Schar seiner Artgenossen, die mich aus lüsternen Augen anstarrten.

„Der Schutzengel der Gemeinde ist gekommen“, erklärte ich unwillig. „Er hat die Menschen beruhigt, mein Feuer gelöscht und…“

Ich brach ab. Lieber hätte ich mir meine Zunge abgebissen, als den Rest zu erzählen. Meinem Vater entging das natürlich nicht. Er erwachte aus seinem Desinteresse: „Ja? Was noch? Wer war er?“

„Sein Name war Lilium und er hat mich auch retten wollen, weil er mich für ein menschliches Kind gehalten hat“, fauche ich ärgerlich und zutiefst gekränkt. Den ersten, niedrigen Dämon, der es wagte zu lachen, erwischte ich mit einem Feuerstrahl. Bereit jeden weiteren Spott mit der gleichen Maßnahme zu vergelten, bemerkte ich nicht sofort, dass mein Vater am wenigsten dazu aufgelegt war mich zu verhöhnen.

„Lilium, sagtest du?“, fragte er plötzlich gar nicht mehr gelangweilt. Er hatte sich sogar ein wenig aufgesetzt und vorgebeugt. Seit Jahrzehnten hatte er nicht mehr so interessiert ausgesehen.

Ich nickte langsam und lauernd. Diese Reaktion versprach nichts Gutes, dafür war sie zu außergewöhnlich.

„Ein großer, blonder Engel mit blauen, zornigen Augen?"

Wieder nickte ich unangenehm berührt und legte meinen Kopf mit gewisser Skepsis schief. Offenbar kannte mein Vater diesen Engel, doch woher sollte er einen Engel kennen? Sein Sturz lag Jahrhunderte, wenn nicht gar Jahrtausende zurück.

„Und er hat dich für ein Menschenkind gehalten?“ Ein humorloses, kaltes Lächeln schlich sich auf die Züge des Dämonenfürsten. „Was hast du dann gemacht? Mein lieber, niedlicher Sohn?“

Er verspottete mich. Dabei war es doch sein eigener Samen, dem ich in diese scheußliche Hülle zu verdanken hatte. Mit meinen dunklen Schopf, den großen dunklen Augen und dem zierlichen Körper sah ich wirklich aus wie ein Kind. Hinzu kamen diese grässlichen, lieblichen Züge, die kurze Nase, die vollen roten Lippen, die kleinen Ohren, das herzförmige Gesicht…

„Ich bin gegangen.“ Unwillig wandte ich mich ab. „Ich sollte jetzt das Gleiche machen…“

„Nein“, sagte mein Vater gebieterisch. „Erzähl mir die ganze Geschichte, - ausführlich.“

Ich kam gehorsam zurück, stöhnte aber widerwillig auf, bevor ich ihm wirklich alles erzählte. Mein Vater unterbrach mich nicht ein einziges Mal. Im Gegenteil, er wirkte immer interessierter. Langsam beschlich mich ein wirklich ungutes Gefühl.

Mein Vater zeigte nie Interesse an Engeln. Seine ganze Aufmerksamkeit lag auf den Menschen, die er zu sich in die Hölle zog, indem er sie zu seiner Todsünde verführte. Engel waren ihm zu keusch. Er hatte in meinem ganzen Leben noch nicht einmal das Wort Engel in den Mund genommen, und dass obwohl er selbst einmal einer gewesen war.

„Das ist ungewöhnlich.“ Das war alles, was Asmodi bemerkte, als ich geendet hatte.

Mir platze fast der Kragen: „Ja in der Tat, ich bin kein Mensch! Wie…“

„Nein, dass du nicht besonders dämonisch aussiehst, meinte ich nicht“, entgegnete mein Vater spöttisch „Ich hatte gehofft, du würdest mehr nach deiner Mutter schlagen. Aber du siehst aus wie ich damals. Wie ein kleiner Engel… Noch nicht einmal Hörner sind dir gewachsen, geschweige denn Schuppen.“

Meine Mutter war eine sehr weibliche Schlangendämonin. Sie hatte Schuppen statt einer normalen Haut, eine gespaltene Zunge, entsprechende Augen, aber ansonsten einen menschlichen Körper, abgesehen von dem Schwanz und den spitzen Zähnen. Eigentlich war ich ganz froh, dass ich nichts von ihr geerbt hatte. Aber meinem Vater waren Hörner gewachsen und er hatte klauenartige Fingernägel und spitze Ohren bekommen. Ich beneidete ihn darum, aber es gab immer noch Hoffnung, dass mir irgendwann auch so etwas wuchs, wenn ich älter und mächtiger werden würde.

„Was meintest du dann?", fragte ich und blitzte ärgerlich mit meinen Augen. Dem wirklich einzigen dämonischen an mir, denn in richtigen Lichtverhältnissen funkelten sie schwarzviolett.

„Ich meine, dass Lilium dich für einen unschuldigen Jungen gehalten hat. Normalerweise sollte er einen Dämonen selbst im Schafpelz erkennen“, erklärte mein Vater plötzlich ernst. Nachdenklich lehnte er sich nun auf seinem Thron zurück: „Du kannst gehen. Ich werde dich rufen lassen, wenn ich zu einem Entschluss gekommen bin.“

„Gut.“

Er brauchte nicht lange, um seine Entscheidung zu fällen. Es verging noch nicht einmal ein Tag, bis er mich wieder zu sich rief.

„Was ist?“, fragte ich gewohnt aufmüpfig.

„Du wirst zurück auf die Erde gehen und deine Rolle weiter spielen“, antwortete mein Vater mit merkwürdigen Grinsen.

Ich runzelte die Stirn: „Und was dann?“

„Dich werden ein paar niedrige Dämonen angreifen und Lilium wird dich retten“, erläuterte Asmodi und sein Lächeln vertiefte sich. „Dann wirst du ihm glaubwürdig eine liebe Waise vorspielen, dazu töten wir zwei Menschen. Er wird sich um dich kümmern und dann lässt du ihn fallen. Ich will ihn hier haben, in der Hölle, wie du das anstellst, ist deine Angelegenheit. Lass ihn stehlen, morden oder auf andere Art sündigen. Wie, ist mir gleichgültig.“

„Im Prinzip heißt das doch, ich soll ihn verführen, oder?“ Das war die einzige Art, dass er ungewöhnlich taktvoll unerwähnt gelassen hatte.

Asmodi entwich ein entzückter Laut: „Genau.“

„Wie kommst du darauf, dass ich einen Engel zu dergleichen verleiten könnte?“, rief ich teils verärgert, teils verblüfft aus. „Die wissen doch noch nicht mal, was sie da zwischen ihren Beinen baumeln haben.“

„Dann solltest du es ihm beibringen“, antwortete mein Vater leichthin. „Er wird gar nicht merken, wie ihm geschieht, wenn du es geschickt anstellst. Wie gesagt, ich kenne ihn noch von früher. Eigentlich hätte er deine Gestalt durchschauen müssen, dass er es nicht getan hat, zeigt nur, wie sehr du ihm gefallen hast. Du bist eben sehr liebreizend. Also spiel für ihn den lieblichen Jungen.“

„Na gut.“ Ich zeigte mich wenig begeistert.

„Ich habe schon passende Eltern für dich ausgesucht. Ein kinderloses Ehepaar, das allein im Wald lebt. Das wird dein neues Heim.“

Wenig später war ich wieder in der Menschenwelt. Dicht auf meinen Fersen zwei Höllenhunde, die nicht einen Funken Verstand besaßen. Sie rochen nur das Blut der Menschen an mir, das ich meinen vermeintlichen Eltern entwendet hatte, nachdem die Hunde über sie hergefallen waren.

Nun rannte ich scheinbar um mein Leben. Ich war jedoch nicht wirklich in Gefahr. Ein scharfes Wort von mir und die Hunde hätten mich erkannt. Als ich jetzt aber schrie, war meine Stimme nicht scharf sondern kläglich. Ich spielte meine Rolle gut. Verstellen war meine Spezialität, wenn ich es denn darauf anlegte.

„Lilium!“, kreischte ich mit vor Angst zitternder Stimme. Aber der verdammte Engel ließ sich ziemlich viel Zeit.

„Lilium!“, schrie ich kläglicher.

Plötzlich stolperte ich versehnendlich und fiel der Länge nach auf den Boden. Ich konnte mich gerade noch auf dem weichen Waldboden umdrehen, als der größere der Hunde bereits über mir war. Das verlief gar nicht nach Plan. Ich musste meine Tarnung aufgeben, wenn ich nicht zerfleischt werden wollte.

Gerade wollte ich die Töle versenken, als sich plötzlich ihr Blut über mich ergoss. Jaulend fuhr das Biest herum und wandte sich damit von mir ab. Im ersten Moment erkannte ich nur seine fliegenden, blonden Haare, dann sah ich sein Schwert aufblitzen. Der Kampf währte nicht lange. Mit wenigen Schwerthieben, hatte er die beiden Höllenhunde niedergestreckt.

„Ist dir etwas geschehen?“ Er wirbelte besorgt zu mir herum, kaum dass er sein Schwert aus dem stinkenden Leib gezogen hatte. Seine Augen funkelten im Mondschein, denn mittlerweile war es auf der Erde Nacht geworden.

Ich antwortete ihm nicht, sondern starrte ihn einfach nur an. Es kam mir sehr gelegen, dass es auch als Schock auslegen werden konnte. Doch das einzige, was mich schockierte, war seine Schönheit.

„Junge!“ Er trat auf mich zu und half mir sanft dabei mich aufzusetzen. „Was ist geschehen? Warum haben sie dich angegriffen? Wo kamen sie her?“

Ich antworte ihm nicht. Stattdessen ergriff ich die Gelegenheit mich in seine Arme zu werfen. Ich klammerte mich dicht an ihn und fühlte seinen muskulösen, geschmeidigen Körper unter seinem dünnen Gewand. Der Gedanke ihn zu verführen, gefiel mir immer besser.

Ich musste sein Mitgefühl wecken. Mühelos rollte ein Schluchzen über meine Kehle. Von dem Engel kam nichts zurück. Er war zu sehr überrumpelt. Sicherlich wurde er nicht häufig umarmt, wenn überhaupt jemals. Nach einer Weile schob er mich von sich. Seine Augen wirkten unruhig: „Was ist geschehen, Junge?“

„Mei--- mei--- meine…“, stotterte ich hilflos und wies schließlich wortlos in die Richtung aus der ich kam. Er folgte meinem Blick: „Was ist da? Dein Zuhause? Oh…“

Er begriff anscheinend, was das bedeutete: „Bleib hier.“

Lilium sprang auf und ließ mich zurück. Augenscheinlich versuchte er mich dadurch zu schützen. Ich lief ihm trotzdem nach, denn schließlich kannte ich das Bild, das uns erwartete bereits. Die zerfetzten Leiber und das viele Blut, das auch an mir haftete. Lilium war wahrhaft entsetzt und ich lieferte ihm den verstörten, kleinen, unschuldigen Jungen, den er gewollt hatte.

„Mutter, Vater!“, heulte ich krampfhaft. „Oh nein. Steht auf! Ihr könnt nicht tot sein! Lasst mich nicht allein…“

Wie glaubhaft ich dabei sein musste, merkte ich erst, als Lilium mich schützend in seine Arme zog und mich mit sich hinausnahm. Ich ließ mich ziehen und drücken. Ich konnte das Grauen des Engels geradezu spüren.

„Warum haben sie das getan?“, flüsterte er erstickt.

„Ich weiß nicht“, murmelte ich in sein Gewand.

Wir waren wieder an der frischen Waldluft. Er zog mich zu einem kleinen Bach, wo ich mich waschen sollte. Damit tat er mir einen weiteren Gefallen. Mit nur einer fließenden Bewegung durchs Wasser, war sein eigenes Gewand gereinigt.

Ich stellte mich absichtlich ungeschickt und schamlos an, als ich mir meine befleckten Sachen auszog und sie nackt in das Wasser tunkte. Ich bemerkte aus den Augenwinkeln, wie er mich dabei beobachtete. Langsam hegte auch ich den Verdacht, dass mein Vater Recht mit seiner Vermutung gehabt hatte. Das waren nicht die Augen eines Engels, die mich musterten.

„Wohin kannst du jetzt gehen?“, fragte Lilium plötzlich. „Hast du Verwandte?“

Ich schüttelte leicht den Kopf und sah ihn aus großen Augen traurig an.

„Freunde von deinen Eltern?“, fragte er weiter.

Doch wieder schüttelte ich nur den Kopf: „Kannst du nicht bei mir bleiben?“

„Mir…?“ Nun weiteten sich seine Augen. „Ich kann nicht auf der Erde wohnen, aber ich passe trotzdem immer auf dich auf.“

„Aber jetzt… Nur für jetzt, bleibst du bei mir?“, fragte ich schluchzend.

Es war ihm anzusehen, wie sehr er mit sich rang. Doch schließlich konnte er mir keinen Wunsch abschlagen: „Na schön, solange bis es dir besser geht…“

„Danke.” Ich zwang mich zu einem gequälten Lächeln.

Seine blauen Augen waren dadurch noch viel mitleidiger auf mich gerichtet. Ich nutzte es schamlos aus. Nackt und schutzlos wie ich war, kauerte ich am Ufer des im Mondlicht schimmernden Baches und begann von neuen zu weinen. Würde er mich trösten wollten, musste er sich mir wohl oder übel nähern. Darauf lauerte ich mich einer listigen Vorfreude.

Nach einigem Zögern tat der Engel es auch tatsächlich. Behutsam legte er seine feste, warme Hand auf meine bloße Schulter und streichelte über meinen Rücken. Scheinbar in hemmungslosen Krämpfen geschüttelt, wandte ich mich zu ihm um und klammerte mich an sein feuchtes Gewand. Er wich nicht vor mir zurück, kam aber auch nicht näher. Als ich mich an seine Beine schmiegte, streichelte er mir durch die dichten Locken.

„Warum passiert so etwas Schlimmes?“, schluchzte ich mit der Absicht seinen Glauben zu erschüttern. Doch das war bei einem Engel natürlich viel schwerer als bei einem Menschen.

Lilium antwortete mit einer ganz ruhigen Stimme: „Ich weiß es nicht. Meist sind schlimme Taten Prüfungen für die Frommen. Und wenn sie diese bestehen, werden sie von Gott reich belohnt. Also hab Vertrauen in den Herrn.“

„Aber warum hat er meine Eltern sterben lassen? Ich bin ganz allein.“

„Du bist niemals allein und deine Eltern kommen ins Paradies, wo sie auf dich warten werden”, tröstete er mich, ohne auf meine Frage geantwortet zu haben.

„Dann will ich sofort zu ihnen”, verlangte ich weinend. „Ich will auch sterben.“

„Nein, das darfst du nicht sagen.” Nun achtete er nicht weiter auf Distanz und beugte sich ganz zu mir herab. Sanft nahm er mich auf seine starken Arme und trug mich, das zitternde Bündel, von dem feuchten Ufer des Waldbaches fort. Auf einer sehr schönen Lichtung mit blauen Blumen, die im Mondlicht hell erstrahlten, ließ er mich wieder hinunter.

„Siehst du, wie schön Gottes Schöpfung ist?”, fragte er. „Du bist zu jung, um jetzt schon vom Sterben zu sprechen. Deine Eltern hatten genug Zeit, um die Erde zu erfreuen. Aber du sollst ihre Schönheiten erst noch kennen lernen.“

Das war ein wirklich schönes Ambiente, in das er uns unwissend hinein manövriert hatte. Ich beachtete die Wiese gar nicht recht, sondern nutzte die Gelegenheit mich gleich wieder in seine Arme zu werfen, nun, da wir beide standen. Sein Gewand war noch feucht. Es war beinahe so, als wären wir beide nackt.

Biegsam schmiegte ich mich an ihn und verbarg meinen Kopf an seiner breiten Brust. Ich spürte sein Herz unter meinem Ohr schlagen. Stark und regelmäßig klopfte es in diesem vollkommenen Körper. Vielleicht aber auch etwas schneller als gewöhnlich, oder bildete ich mir das nur ein? Während ich mich weiter einem herzzerreißenden Schluchzen hingab, zermarterte ich mich den Kopf darüber, wie ich ihm noch näher kommen konnte. Ich durfte nichts überstürzen, aber diese Gelegenheit sein Mitleid auszunutzen, durfte auch nicht ungenutzt verstreichen.

„Was soll ich jetzt machen?”, flüsterte ich überfordert, weil es auch sehr gut zur Situation passte.

„Ruh dich erst einmal aus”, riet mir Lilium und schob mich von sich. „Leg dich hin. Es ist warm und ich werde dir noch eine Decke bringen.“

„Wenn du bei mir bleibst, brauche ich keine Decke”, sagte ich unschuldig. „Du bist schön warm und ich fühle mich nicht ganz so einsam, wenn du bei mir liegst…“

„Hm”, machte Lilium mit leicht geweiteten Augen. Ich sah ihm direkt in das weiche Blau und setzte dabei mein unbedarftestes Gesicht auf.

„Ich…”, begann Lilium und kratzte sich in einer allzu menschlichen Geste am Kopf.

Ich ließ ihn nicht aus meinen unschuldigen Augen. Eine flüchtige Röte fegte über sein Gesicht. Damit klärte sich für mich die Frage, ob er selbst wusste, was für Regungen sich in ihm abspielten. Engel kannten also diese Laster, wenn sie ihnen auch entsagten. Gut.

„Nun gut.” Lilium gab nach. „Aber nur diese Nacht. So klein bist du schließlich auch nicht mehr.“

Ich unterdrückte ein siegreiches Lächeln und verbarg es schließlich in Liliums Gewand, als wir uns gemeinsam in das weiche Gras legten. Er hatte hier wirklich ein nettes Plätzchen gefunden. Es lud geradezu zu einem schönen Schäferstündchen ein. Aber wie sollte ich es beginnen? Es war wirklich nicht einfach ein unschuldiges Kind zu spielen und gleichzeitig einen verstockten Engel zu verführen.

Letztlich musste es schließlich so aussehen, als hätte er begonnen. Ich musste ihn irgendwie erregen, so sehr, dass er all seine Hemmungen und Vorsätze vergaß. Nun ich war nackt, ich lag an ihn geschmiegt und ich war ziemlich hilflos. Jeder Dämon, den ich kannte, wäre schon längst darauf angesprungen. Aber Lilium war nun einmal ein unschuldiger Engel. Ich war am Ende mit meinem Latein und musste zwangsläufig improvisieren.

„Mir ist immer noch ein bisschen kalt”, murmelte ich leise und presste meinen jungen Körper noch fester an Lilium. „Und dein Gewand ist so nass. Ist dir nicht auch kalt darin?“

„Nein, Engel spüren diese Dinge nicht so wie Menschen”, erklärte Lilium hastig. Er log.

Ich merkte es sogleich, denn Engel waren keine geschickten Lügner. Vielleicht hatte er noch nie gelogen und es war ja auch eine Sünde. Eine Sünde die er eventuell nur beging um nicht noch eine größere zu begehen.

„Dann frierst du auch nicht, wenn du es nicht anhast? Mir wird nämlich kalt von dem feuchten Stoff und wenn du es nicht anhaben brauchst… Deine Haut ist viel wärmer ohne den Stoff.“

„Ich glaube, ich sollte dir doch eine Decke holen”, sagte Lilium unbehaglich.

Kaum versuchte er sich von mir zu lösen, da begann ich auch schon wieder zu weinen: „Nein, lass mich nicht allein. Sonst kommen die Dämonen vielleicht wieder.“

Wie dämlich diese Angst, wenn ich doch vor wenigen Minuten noch hatte Sterben wollen. Aber Lilium bemerkte es nicht. Er zerfloss schon wieder im Mitleid für das arme Menschenkind.

„Gut, gut”, meinte er beruhigend. „Ich gehe nicht weg. Hör auf zu weinen.“

Damit zog er sich sein Gewand aus und zog mich befangen in seine starken Arme. Seine Haut fühlte sich an wie warme Seide. Seine Muskeln waren hart und gleichzeitig so geschmeidig. Und er roch so gut. Mir wurde schwindelig.

„Wärmer?”, erkundigte sich der Engel fürsorglich, aber auch mit etwas anderem in seiner Stimme. Warm war gar kein Ausdruck für die Hitze, die mich durchfloss und sich in einem bestimmten Glied meines Körpers aufstaute. So hatte ich es eigentlich nicht geplant, aber es war kaum noch zu verbergen. Ich war offenbar derjenige, den diese Melange am meisten erregte. Ich versuchte trotzdem weiter den Unerfahrenen zu mimen. Ich rückte ein bisschen von ihm ab und stotterte verlegen: „Mir wird komisch in deinen Armen. Da unten wird es warm. Ist das immer so wenn man einen Engel umarmt?“

Mit dem zweiten Satz fasste ich ihn ohne Arg zwischen seine Beine. Nach der ersten Schrecksekunde, ging ein Ruck durch ihn und dann hatte er mich von sich gestoßen. Mir entglitt ein kleiner Schmerzlaut, als ich ungünstig über den Boden rutschte. Da war ich anscheinend etwas zu weit gegangen.

„Nein, das ist nicht immer so und Engel sollten eigentlich auch keine Menschen umarmen”, erklärte er steif. „Ich wollte dich nur trösten.“

„Aber…”, sagte ich verstört. „Was ist dann mit mir?“

Ich war geil wie zehn Karnickel, das war mit mir. Recht eindeutig schlugen da die Gene meines Vaters durch. Es gab kein Zurück mehr. Ich spielte mein Schauspiel weiter, denn ich spürte, wie Liliums Blick mich ganz verschlang. Mit beiden Händen griff ich mir an das harte Geschlecht und stöhnte lasziv auf, während ich gleichzeitig schamhaft mein Gesicht, das blanke Lust widerspiegelte von ihm abwandte.

„Was hast du mit mir gemacht?”, hauchte ich vorwurfsvoll.

„Ich…” Lilium war eindeutig überfordert „Ich habe nichts… Es tut mir leid.“

Ich kauerte mich zusammen gekrümmt auf den Boden, mit meinen Händen streichelte ich mich fahrig selbst, während ich keuchend am ganzen Körper bebte. Unter meinen niedergeschlagenen Lidern beobachtete ich voll Wonne sein hilfloses Gesicht. Er glaubte immer noch fest daran, dass ich ein Mensch war und wusste nicht, dass Dämonen, die Dunkelheit gewohnt waren so gute Augen hatten, welche sogar durch ihre eigenen Lider hindurch sehen konnten.

Seine Blicke glitten ruhelos über meinen bloßen Körper, verweilten bei der Stelle, mit der meine beiden Hände zitterig spielten und richteten sich schließlich wieder auf mein Gesicht. Zögernd streckte er seine Hand nach mir aus. Er wollte meine Hände von ihrer lästerlichen Tätigkeit abbringen. Noch herrschte in ihm der Anstand vor.

„Es geht von allein vorbei, auch ohne dass du dich da anfasst”, riet er mir peinlich berührt. „Das soll man nicht tun.“

Ich tat so, als würde ich ihn nicht hören. Als seine Hand bei dem Versuch meine zu ergreifen, versehentlich mein Geschlecht berührte, keuchte ich hemmungslos auf. Wie in Trance griff ich nach seiner Hand und zog ihn daran zurück an mein Geschlecht, so dass er es weiter berühren musste.

„Das fühlt sich gut an”, stöhnte ich entrückt.

Lilium versuchte seine Hand zurückzuziehen, doch ohne Gewalt ließ ich sie nicht los. Ich rollte mich dichter an ihn heran, sodass ich rücklings an ihn gedrängt dalag und zwang seine nachgiebige Hand mich zwischen den Beinen zu streicheln. Dabei entglitt mir ein weiteres, laszives Seufzen. Diesmal nicht vorgetäuscht. Erst recht als ich einen vagen Druck gegen meine Rückseite spürte. Endlich konnte auch der Engel seine Erregung nicht länger verbergen.

„Hör besser auf”, warnte mich Lilium immer noch, dabei war er selbst schon fast zu weit dafür.

Ich zeigte ihm seine eigene Schwäche, indem ich meinen Hintern an seinem harten Geschlecht rieb. Lilium schreckte davor zurück als hätte er sich verbrannt.

„Ich darf das nicht”, hauchte er als müsse er sich vor allem selbst davon überzeugen.

„Mir ist so heiß…” Ich drehte mich nun ganz zu ihm um. Ehe er mich von sich stoßen konnte, presste ich mich sehnsüchtig an ihn, sodass unsere Glieder aneinander rieben. Mit einer Hand streichelte ich sie beide, bis auch Lilium ein begehrliches Stöhnen entwich. Mit der anderen Hand tat ich etwas, was sich seinem Blickfeld entzog, wenn er überhaupt noch etwas wahrnahm. Er bebte leidenschaftlich.

Ich wagte es an seinen vollkommenen Brustwarzen zu nuckeln. Wenn dieses Verhalten auch nicht mehr dem eines unschuldigen Kindes entsprach, so waren wir beide ohnehin schon zu weit davon entfernt. Das einzige was jetzt noch zählte, war die Leidenschaft dieses Engels weiter zu entfachen. Meine Finger steckten bereits tief in mir, als Platzhalter für das Kommende.

„Lilium”, stöhnte ich verlangend „Willst du mich?“

„Ich darf nicht”, keuchte der Engel mit verzerrten Gesicht. Seine Erregung war ihm nun allzu sehr ins Gesicht geschrieben.

„Aber du willst es…” Ich suchte mit meinem Mund seine Lippen heil. Träge leckte ich über seine aufeinander gepressten Lippen, bis sie nachgaben und sich entspannten.

„Es ist eine Sünde, wenn er mich so sieht…”, nuschelte Lilium fahrig in meinen Mund.

„Dann versteck es in mir”, lockte ich ihn weiter in die Falle des Verderbens „Komm in mich, wo es eng und heiß ist…“

Ich nahm meine Hand zurück und griff stattdessen nach seiner, um ihm die Stelle zu zeigen. Neugierig wagten sich seine Finger vor, um dann erschreckt zurückzuweichen.

Er wehrte sich immer noch dagegen. „Ich kann nicht…“

„Ich kann auch nicht länger warten”, flüsterte ich in sein Ohr und setzte mich auf ihm zurück.

Benommen sahen mir seine Augen dabei zu. Eines wurde durch seinen Blick ganz deutlich: Er wollte, aber er wusste immer noch, dass er es nicht durfte. Ich öffnete meine Beine ganz weit, während ich mich zurücklehnte. Er konnte meinen Anus begehrlich zucken sehen. Direkt unter ihm ragte Liliums engelhafter Penis empor. Er zielte genau in das geweitete Loch. Aber diesen letzten Schritt, das wusste ich, musste er alleine tun, wenn er wirklich fallen sollte.

Es geschah wie in Zeitlupe. Seine Augen schlossen sich resignierend und öffneten sich schließlich wieder, mit einem verlangenden Ausdruck darin. Seine sanften Hände schoben sich behutsam vor, legten sich langsam um mein Becken um mich dann vorsichtig auf sich pressten, während seine Lenden mir im gleichen Moment entgegen kamen.

Von der Stelle unserer Vereinigung durchströmte mich ein heißes Gefühl. In Ekstase stöhnte ich auf und bog meinen Rücken leidenschaftlich durch. Ich war schon so erregt, dass ich es kaum mehr ausgehalten hatte. Nun durchdrang mich ein reines Trunkenheitsgefühl. Es fühlte sich so gut an und ich wollte immer mehr davon.

Lilium keuchte verzückt, als er ganz in mir war. Dann begann er sich langsam und sehr vorsichtig in mir zu bewegen. Das war anders als alles, was ich kannte. Dämonen liebten sich hart und brutal und nicht auf diese sanfte, einfühlsame Art. Ich hatte erwartet, dass es nicht so viel Spaß machen würde, so genommen zu werden, doch offenbar hatte ich mich sehr geirrt. Mir wurde schwindelig davon. Er schien instinktiv zu wissen, wie er es anstellen musste, um mir die größte Wonne zu bereiten. Für einen Moment vergaß ich, dass es nicht mehr als ein Auftrag von meinem Vater war. Ich ließ mich fallen und genoss unser Zusammenspiel, auch wenn es nicht lang währte. Wir kamen beide recht schnell und fast gleichzeitig.

Danach lag ich um Atem ringend neben ihm. Er hatte seine Augen geschlossen und schien ebenfalls erst einmal zu Atem kommen zu müssen. Seine breite Brust hob und senkte sich schnell. Sie glänzte silbern im Mondlicht. Seine langen Haare hatten sich seidig über das Gras ausgebreitet und hier und da blitzte eine blaue Blume hervor. Verdammt, er sah so gut aus.

Aber nun wurde es für mich gefährlich. Er würde nach dieser Nummer wohl kaum noch glauben, dass ich ein unschuldiges Menschenkind war. Da müsste er schon ziemlich naiv sein und dass konnte ich mir bei ihm nicht wirklich vorstellen. Der Verdacht meines Vaters kam mir da viel plausibler vor. Lilium hatte sich von mir angezogen gefühlt und hatte sich daher leicht etwas einreden lassen. Die Anziehung dürfte nun jedoch etwas abgeklungen sein. Spätestens wenn ihm bewusst wurde, dass er sich mit seiner Tat eben selbst verurteilt hatte. Der Weg in den Himmel war ihm nun verwehrt. Es war fast zu einfach gewesen.

Plötzlich schlug er die jetzt zornigen Augen auf und blitzte mich an. Schuldbewusst trat ich etwas den Rückzug an. Ich bewegte mich ein wenig schlangenhaft, was ich wohl von meiner Mutter geerbt hatte, als ich langsam nach hinten zurückwich. Doch schon griff er nach meinem Handgelenk und zog mich kräftig daran zurück, sodass ich ungeschickt auf seinem Bauch landete. Er richtete sich trotzdem auf und hielt mich weiterhin eisern am Handgelenk fest.

„Wer bist du wirklich, Junge?”, fragte er gefährlich leise.

„Du hast es offenbar schon erraten”, wich ich mit gestelltem Lächeln aus und versuchte mich zu befreien.

„Ein Dämon also!”, keuchte Lilium fassungslos und man sah ihm an, wie sein Gehirn schnelle Gedankensprünge machte. „Dann waren es gar nicht deine Eltern. Hast du sie etwa absichtlich… Und die Kirche, dass warst auch…?“

Er war entsetzt. Ich nutzte meine Chance und riss mich los. Schleunigst wich ich nach hinten aus und tastete mich rückwärts von ihm fort.

„Sag mir deinen Namen und warum du es getan hast!”, verlangte Lilium verzweifelt. Als ich in seine Augen sah, stellte sich bei mir tatsächlich so etwas wie Reue ein. Er war fürchterlich wütend auf mich. Sicherlich würde er mich von nun an hassen. Alles andere tat mir natürlich nicht leid, schließlich war ich ein geborener Dämon.

Bevor ich antworten konnte, prallte ich mit dem Rücken gegen jemanden. Lilium erkannte ihn eher als ich. Mit einem Mal saß er wirklich senkrecht. Griff nach seinem Gewand und zog es sich in einer schnellen Bewegung an. Um mich herum griffen von hinten zwei Hände mit langen, scharfen Fingernägeln und hielten mich liebevoll umfangen, während die Klauen ein wenig in meinen Bauch stachen. Ich hörte das leise belustigte Lachen meines Vaters.

„Ich habe ihn Inkubus genannt. Sieh ihn dir genau an, Lilium”, spottete er in einem seltsam vertrauten Tonfall. „Ist es nicht offensichtlich, dass er mein Sohn ist? Ich sah ihm sehr ähnlich damals…“

„Asmodi”, keuchte Lilium fast erstickt an seiner Wut. „Was hat das zu bedeuten? Hast du das etwa alles geplant?“

„Du warst gut, Kleiner”, lobte mich mein Vater heiter und fuhr mich anstößig zwischen die Beine. „Wahrhaft mein Sohn. Dein Schauspiel hat mir großen Spaß gemacht, aber dir offensichtlich auch. Er war gut, nicht wahr?“

Seine Hände fühlten sich äußerst schmutzig an auf meiner nackten Haut. Ich versuchte mich zu lösen, aber er ließ mich nicht. Er benutzte mich eindeutig um den Engel weiter zu verhöhnen. Sie kannten sich. Sie kannten sich schon lange. Aber in was für einen Verhältnis standen sie zueinander?

Asmodi schob seine eine Hand unter mein Bein, sodass er es leicht anheben konnte und ich mich noch wehrloser an ihn lehnen musste. Es war nicht das erste Mal, das mein Vater mich anfasste, aber das letzte Mal war schon lange her. Er steckte einen seiner spitzen Finger tief in mich, zog ihn wieder zurück und leckte ihn schließlich ab.

„Engels Sperma…”, flüsterte er dann verzückt. „Wahrhaft ein seltenes Vergnügen und immer das letzte Mal. Denn danach fallen sie…“

„Du bist noch widerlicher geworden!”, stieß Lilium zornig aus.

„Lass mich los, Vater”, bat ich aufgrund meiner Position beklemmt. Natürlich ließ mein Vater mich nicht. Er war erregt, wie ich deutlich spüren konnte.

„Warum hast du ihn dazu gebracht?”, fragte Lilium ärgerlich. „Was bringt es dir, wenn ich falle?“

„Genugtuung”, erklärte mein Vater schlicht. „Du hättest schon damals fallen sollen. Mit mir zusammen.“

„Ich war und werde nie so verdorben sein wie du”, unterstellte Lilium erbost. „Du warst es damals, der versuchte mich zu verführen!“

„Und du bist es heute wie damals, der eine Schwäche für kleine Jungen mit schwarzen Locken und großen Augen hat”, höhnte mein Vater und streichelte mich weiter. „Früher oder später wärest du ohnehin gefallen. Es ist Inkubus ja wahrlich nicht schwer gefallen, dich so weit zu bekommen.“

„Du hast mein Mitleid ausgenutzt!”, knurrte Lilium reuevoll. „Ich hätte ihn niemals so weit an mich heran treten lassen…“

„Du hast es aber getan”, verspottete Asmodi ihn amüsiert. „Und? Willst du ihn noch mal? Ich überlasse ihn dir, wenn du zu mir in die Hölle kommst.“

„Niemals!”, bellte Lilium. „Lieber lebe ich hier unter den Menschen!“

Damit stand er auf und kehrte uns den Rücken. Als sein Blick mich ein letztes Mal traf, spürte ich fast so etwas wie Scham. Mein Vater lachte: „Überleg es dir! Der Junge wird noch einige Jahrzehnte so niedlich bleiben.“

Von dem frisch gefallenden Engel war nur ein Schnaufen zu hören. Seine blonden Haare verschwanden in der Nacht. Er war immer noch der Gleiche, aber ich wusste, dass er trotzdem nie wieder in den Himmel zurückkonnte. Sie würden seine Sünde sofort bemerken. Mit der Zeit würden sich auch seine Flügel schwarz färben.

„Du bist wegen ihm gefallen?”, erkundigte ich mich zurückhaltend.

„Sagen wir unter anderem…” Mein Vater lächelte versonnen „Aber sei ehrlich, für ihn würde wohl jeder fallen.“

„Hm”, machte ich scheinbar unschlüssig aber ich wusste, dass er Recht hatte. Ich wollte ihn noch mal.

„Was ist damals genau passiert?”, wollte ich wissen. Aber mein Vater war nicht mehr in Plauderlaune. Er stieß mich grob zu Boden und nahm mich ohne viel Vorwarnung von hinten. Nun hatte ich den direkten Vergleich zwischen Dämon und Engel und meine Präferenz festigte sich im selben Moment.

Am liebsten wäre ich Lilium nachgelaufen, aber das hielt ich für unklug. Erst einmal musste er sich beruhigen. Außerdem sollte mein Vater so wenig wie möglich davon erfahren. Solcherlei Schwächen wusste er hemmungslos auszunutzen und es würde ihm kaum gefallen, wenn ich weiter diesem Engel nachhing, auf den er es offensichtlich selbst abgesehen hatte.

Ich ließ also ein paar Nächte untätig in der Hölle verstreichen, ehe ich auf die Erde zurückkehrte und nach dem gefallenden Engel Ausschau hielt. Es war nicht leicht ihn wieder zu finden. Ich setzte meine Suche in der Gemeinde an, aber Menschen nach einen meist unsichtbaren Engel zu fragen, war sinnlos. Es sei denn er wollte gesehen werden, aber das konnte ich mir kaum vorstellen.

Ich durchstreifte also langsam die Straßen der Gemeinde, weitete meine Suche aus, kam in die Randbezirke und schließlich wieder in den Wald. In der ersten Nacht fand ich ihn nicht. Auch in der zweiten Nacht, in der ich wirklich den ganzen Wald durchstreift hatte, konnte ich ihn nicht ausfindig machen. Es war die dritte Nacht, in der schließlich er mich fand.

„Suchst du was?”, ertönte seine Stimme plötzlich hinter mir. Sie klang immer noch gehörig gereizt.

Ich wirbelte zu ihm herum. Er trug jetzt kein weißes Gewand mehr, sondern hatte menschliche Kleidung angelegt. Damit sah er fast noch umwerfender aus, zumal dadurch erst sein erstaunlicher Körperbau zu Geltung kam. Etwas wehmütig stellte ich fest, dass er sich sein feines Haar kurz geschoren hatte. Vielleicht als eine Art Selbstbestrafung.

„Ja”, gab ich zu, nachdem ich mich erholt hatte. „Dich.“

„Ziemlich mutig. Was willst du?” Er schien nicht überrascht.

„Ich wollte nur mal sehen, was du jetzt machst…”, erklärte ich unschlüssig.

„Hat dich wieder dein Vater geschickt?” Bei diesen Worten klang er noch gereizter.

Ich schüttelte rasch den Kopf: „Er darf gar nicht wissen, dass ich wieder hier bin.“

„So”, sagte Lilium nur und wandte sich von mir ab.

„Und? Was machst du jetzt?“

„Ich warte auf Gottes Urteil”, entgegnete er schon zum Gehen gewandt „Solange bleibe ich hier.“

„Heißt das, du bist noch gar nicht gefallen?”, erkundigte ich mich verblüfft.

„Dazu gehört schon mehr als ein einziger Fehltritt”, erklärte Lilium. „Und außerdem war es ein abgekartetes Spiel von euch.“

„Aber…” Ich schluckte meinen Einwand hinunter. „Du willst also nie wieder mit jemanden verkehren?“

Ich hätte ebenso gut fragen können, ob er mit mir schlafen wollte. Es lief zumindest auf das gleiche hinaus und Lilium verstand den Wink mit dem Zaunpfahl sofort. Er drehte sich zu mir um und schaute ziemlich verächtlich drein: „Du bist wirklich der Sohn von Asmodi.“

Und ich verstand die Beleidigung in dieser Feststellung. Ich machte eine trotzige Miene. Es war schließlich nicht so, dass ich wie mein Vater mit jedem schlief, der mir den Weg kreuzte. Ich wollte im Moment eigentlich nur mit einer Person schlafen. Aber eigentlich nicht nur schlafen, eigentlich wollte ich ihn gar nicht mehr zufrieden lassen. Ich mochte es so sehr ihn anzusehen und seine zornige Aura auf mich gerichtet spüren. Es kribbelte so schön in meinem Bauch.

„Ich kann nichts dafür, dass ich sein Sohn bin”, sagte ich beleidigt. „Und ich bin ihm gar nicht ähnlich.“

„Du hast mich aus reiner Wolllust und Böswilligkeit verführt”, unterstellte Lilium wütend und schlug sich vor mir durch die Büsche.

Ich ging ihm aus innerem Antrieb einfach hinterher. Dabei zog ich eine Schnute: „Schieb nicht die ganze Schuld auf mich! Du hättest von Anfang an merken sollen, was ich bin. Letztlich war es dein eigener Fehler. Ich habe nie bestritten, was ich bin und nie behauptet, dass ich ein Mensch bin oder gar unschuldig. Außerdem war es keineswegs aus Böswilligkeit.“

„Und was ist mit den Menschen, die ihr umgebracht habt?”, knurrte Lilium. „Du hast behauptet, es wären deine Eltern.“

„Das war der Einfall von Asmodi”, gab ich zu. „Du befolgst doch schließlich auch Befehle von deinem Herren.“

Lilium schien am Ende seiner Geduld. „Lass mich gefällst in Ruhe, Kleiner!“

Solch harte Worte hatte ich wirklich nicht verdient. Ich schüttelte beharrlich den Kopf: „Ich will aber bei dir bleiben.“

„Warum?”, wunderte sich Lilium aus seinem Zorn heraus in Verwunderung gerissen.

„Ich mag es bei dir zu sein”, gab ich zu.

„Und wenn ich es nicht mag von einem kleinen Dämonen verfolgt zu werden?”, knurrte Lilium sauer.

„Du hast es zumindest gemocht mit diesem kleinen Dämonen zu schlafen”, erinnerte ich ihn hinterhältig.

Lilium schnaufte nur und setzte dann seinen Weg fort ohne mich weiter zu beachten. Bald kamen wir auf eine andere kleine Lichtung. Das dichte Laub der Eichen über uns schützte sie vor Regen. Er hatte sich hier ein armseliges Lager errichtet, auf dem er sich nun niederließ.

„Was muss ich tun, damit du mich in Ruhe lässt?”, knurrte er, als ich mich neben ihn setzte. Mit großen im spärlichen Mondlicht violett schimmernden Augen sah ich ihn an: „Nun, es hilft zumindest nicht, wenn du mich so gemein behandelst. Ich bin ein Dämon, weißt du, bei uns ist das der normale Umgangston. Aber wenn du nett zu mir bist, macht mich das auch nur wieder ganz verrückt nach dir… kurz gesagt: Es sieht schlecht aus.“

Ich grinste von einem Ohr zum anderen. Er musterte mich reserviert: „Und womit habe ich das verdient?“

„Ich weiß auch nicht”, gab ich zu „Ich glaube, es war Liebe auf den ersten Blick.“

Er gab einen ärgerlichen Zischlaut von sich und schmiss sich auf das Moos. Mir wandte er dabei den Rücken zu. Ich fand sogar den ganz entzückend. So schön breit… Ohne lange zu zögern schmiegte ich mich an ihn. Er roch so gut.

„Lass mich los!”, befahl Lilium steif.

„Nein”, murmelte ich und küsste seinen hervorstehenden Nackenwirbel „Ich liebe dich wirklich.“

„Dann hättest du mich so weit respektiert, dass du mich nicht der Gefahr eines Falles ausgesetzt hättest”, entgegnete Lilium sehr theoretisch.

Ich lachte verdutzt. „Machen das Engel so, wenn sie lieben? Ich bin aber kein Engel. Meine Liebe ist selbstsüchtig und Besitz ergreifend. Ich will für immer bei dir sein.” Damit riss ich ihn zu mir herum und legte mich bestechend auf ihn: „Ich will, dass du mein bist.“

Bis jetzt hatte er nicht ein einziges Mal zugegeben, dass auch er mich mochte oder zumindest anziehend fand. Ich wusste selbst nicht, weshalb ich so selbstsicher meine Gefühle offenbarte. Ich wusste nur, dass es die Wahrheit war und dass ich sie ihm sagen konnte und musste, wenn ich ihn behalten wollte. Jetzt sah er mich zögernd an: „Wie soll ich dir noch vertrauen können?“

„Vertrauen?”, murmelte ich stirnrunzelnd. „Was hat das damit zu tun? Wir sind unsterblich. Irgendwann wird einer von uns den Anderen ohnehin verraten. Aber bis es so weit ist, lass uns die Zeit genießen…“

Plötzlich unterbrach er meinen Wortschall mit einem überraschenden Kuss. Danach sah er mich mitleidig an: „Du hast keine schöne Sicht der Dinge.“

Wenn er mich so mitfühlend ansah, löste das schon fast so etwas wie einen Reflex aus. Ich spürte, wie sehr mich dieser Blick erregte.

„Du kannst sie mir ja zeigen”, schlug ich zweideutig vor und nestelte schon an meiner Kleidung.

Lilium sah mir aufmerksam dabei zu, wie ich mich eiligst auf seinem Bauch sitzend entkleidete. Seine Hand streichelte zärtlich über meinen Oberkörper abwärts. Er runzelte dabei ein wenig seine schöne Stirn: „Damit werde ich endgültig fallen. Aber so ein Leben ist auch nicht übel. Immerhin habe ich eine Aufgabe.“

„Aufgabe?”, seufzte ich als mich seine Hand leicht berührte.

„Ich werde dich auch zum Fallen bringen”, kündigte er an. „Ich mache aus dir einen lieben, vertrauenswürdigen Dämonen.“

„Wie bit…?”, keuchte ich überrascht, doch da hatte er sich schon über mich gerollt und küsste mich leidenschaftlich auf den Mund. Ich war im Himmel und fand mich mit meinem Fall auch schon halb ab.




Ende


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