Angel for me

von Tigerauge
GeschichteRomanze / P16 Slash
16.02.2007
15.11.2009
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Dieses Kapitel
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++++++Angel for me+++++


Der Wind fegte durch die Wälder, Gassen und Felder. Die dünnen Bäume bogen sich gefährlich nahe gen Boden hin. Dreck, Staub und Blätter flogen durch die Luft. Verschmutzen die vor noch einer Stunde sauberen Straßen. Der Himmel zeigte Dunkle Bahnen schwarzer, dicker Wolken auf.  Durchzogen den gesamten Himmel und versanken am anderen Ende der Horizontes. Weit und breit keine Besserung in Sicht. Sämtliche Wetterberichte auf jeden  Fernsehsender warnten vor diesen Sturm, warnten die Menschen davor das Haus zu verlassen. Einige blieben ängstlich zuhause, verkrochen sich unter eine Decke und sahen wenn möglich Fernsehe. Andere hingegen nahmen das Wetter auf die leichte Schulter, gingen ihren Alltag nach und stressten sich auf der Arbeit.

Damian saß vor einem Haus auf der Treppe, zog seinen Mantel bis hoch zum Kinn, machte sich so klein wie möglich um sich vor dem kalten, starken Sturm zu schützen.
Damian ein 19.Jahre junger Mann. Um die 1, 65m groß bzw. klein wie er fand. Braune fast kinnlange Haare, schräg durchgestuft. Grüne hell stechende Augen, feine Gesichtszüge, geschwungene Lippen  und ein Körper von schmaler Statur.
Der Name Damian  wurde aus der griechischen Form Damianos abgeleitet. Dieser wiederum hat seinen Ursprung in dem griechischen Wort daman (deutsch: zähmen). Der Name bedeutet also so viel wie der Bändiger, der Bezwinger. In der Gesellschaft Bekannt als „Der Sohn Satans“, was natürlich völliger Schwachsinn ist.
Er liebte es die Bedeutungen der Namen nachzuschauen. Er fand anhand der Bedeutung den Charakter eines Menschen herausfinden zu können oder zumindest etwas was darauf hindeutete. Damian war von natur aus schüchtern und zurückhaltend. Ein liebevoller Mensch, verständnisvoll, freundlich und sensibel. Nach außen hin wäre er der perfekte Schwiegersohn für jede Mutter, wäre da nicht die Tatsache das seine sexuellen Neigungen der männlichen Gattung galt.

Seinen coming out hatte er vor drei Jahren in der Schule, als ohne hin schon das Gerücht er sei Schwul herumirrte. Diese Beschuldigung basisierten zwar auf keine eindeutigen Fakten, doch Damian hatte nichts zu verbergen oder etwas wofür er sich schämte.
Die Beschimpfungen gingen jedoch nicht immer spurlos an ihm vorbei. Immer wieder vor den Kopf gestoßen zu werden, von anderen Beschimpft zu werden und die angeekelten Gesicht ihm gegenüber zu sehen. Er verdrängte alles, gab sich nach außen gelassen und taub.

Damian besuchte eine Kunsthochschule im ersten Semester. `Frisch Fleisch´ wie die Älteren die Erstsemester so schön nannten. Seine Begabung lag eindeutig  in der Kunst des Zeichnens. Leider fehlte eine Eigenschaft um seinen Bilder das gewisse etwas zu verleihen. Es fehlte eine Gewisse Art von Liebe und Gefühl. Egal wie gefühlvoll seine Person auch war, wirkliche Liebe hatte er bis jetzt noch nicht erfahren. Von einem anderen Menschen geliebt zu werden.
Seine Eltern bekam er sehr selten zu Gesicht. In ihrem Beruf „Arzt“ blieb nie viel Zeit für die Familie übrig, so ging Damian seit seiner jüngsten Kindheit einsam und allein durchs Leben.
Richtige Freunde fehlten, er war gerne Einzelgänger und ließ keinen zu sehr an sich heran.

Seufzend strich sich Damian eine Strähne hinter das Ohr und wartete ungeduldig auf eine Gewisse Person. Seit mehr als einer halben Stunde belagerte er die Stufen vor der Eingangstür und schützte sich an der kleinen Seitenmauer vor dem Sturm. Der magere Körper zitterte und krallte sich näher an die Wand. Im selben Moment vernahmen die Ohren das heranfahren eines Autos in der Hofeinfahrt. Von der Position aus konnte Damian nicht viel erkennen, doch er hoffe sehnlichste die gewünschte Person gleich auftauchen zu sehen.
Die Bäume rasselten laut, der Wind pfiff durch die Lücken, doch die Autotür konnte man trotz dem Krach ins Schloss fallen hören. Kurze Zeit später tauchte eine große Gestalt auf.

„Damian?“, entfleuchte es überrascht aus dem Munde des Ankömmlings.

Sein Name war Oliver, 21 Jahre alt und studierte im fünften Semester. Er hatte blonde lockige Haare, die ihm gerade wegen dem Wind zerzaust in alle Himmelsrichtungen abstanden. Seine dunkel braunen Augen strahlten die gleiche Überraschung wie seine Stimme aus. Oliver war ein ganzer Kopf größer als er, der Körperbau  schmal und elegant. Seine Person strahlte Stärke, Vertrauen und Intelligenz aus. Der Name Oliver kommt aus dem Althochdeuteschen und bedeutet: der Ölbaumpflanzer. Der Name wurde unter dem Einfluss von lateinisch "oliva" abgeändert.(oliva= der Olivenbaum, der Oelbaum, die Olive) (Olivenbaum steht als Symbol der Hoffung) Es gibt jedoch auch eine altdeutsche Bedeutungsvariante nach der der Name soviel wie Elf(e) oder Naturgeist bedeutet. Oliviero ist die Italienische Form des Namens.

Ja, Oliver sah aus wie ein anderes Wesen, ein höheres und hübscheres Wesen.

„Was machst du denn hier?“, fragte Oliver nachdenklich und strich sich mit der Hand durch das strubbelige Haar. Die Stimme verbreitet eine angenehme Wärme in dem Kleinen und ließ ihm die Kälte vollkommen vergessen.

„Du hast mir doch Nachhilfe angeboten“, antworte Damian mit fester Stimme und musste bei Olivers verwirrten Verhalten schmunzeln. Seine Kunstlehrerin meinte er könne ihm helfen seine Bilder zu verbessern, er könne ihm zeigen was fehlt. Oliver höflich wie eh und je bat ihm diese Chance auch gleich an.

„Ach ja stimmt.“, murmelte Oliver und kramte dabei die Haustürschlüssel aus der Jackentasche. „Und bei dem Wetter bist du hier her gelaufen? Bei deinem Fliegengewicht hat der Wind keine große Mühe dich wegzufegen“
Olivers Lippen folgte ein Grinsen, Damian hingegen blickte den Anderen empört an.
Lachend durchwuschelte er dem Kleinen die Haare und öffnete anschließend die Tür. Damian mochte es nicht wenn ihm jemand wie ein kleines Kind durch die Haare strich, aber bei Oliver gefiel ihm die Berührung und so glitt auch ihm eins schiefes Grinsen ins Gesicht.

„Komm erstmal rein“

Das inneres des Hauses betrachtete Damian schon fast wehmütig. Von draußen sah man bereits die große Ausstattung, Innen war es noch überweltigerend. Die Wände und der Boden im Flur bestanden aus reinstem Marmor. Die auf dem Boden in einem glänzenden, eleganten Schwarz und an den Wänden in einem hellen weiß Ton. Allein der Eingangsbereich hatte eine enorme Größe. Oliver wohnte hier mit seinen Eltern, die beide sehr berühmte, angesehene und erfolgreiche Geschäftsleute waren.  Damians Eltern verdienten als Chefärzte wirklich nicht wenig, waren sehr wohlhabend, doch von solchen übermäßigen Prallen und unnutzer Platzverschwendung hielten sie nichts, da sie eh die meiste Zeit im Krankenhaus verbrachten.

„Pass auf dir fallen gleich die Augen raus“, scherzte Oliver. Er befreite sich bereits aus Schuhe und Jacke und sah Damian bei seiner Bewunderung amüsiert zu.
Dieser fühlte sich nun auf einmal furchtbar unsicher und blieb etwas unbeholfen auf der Stelle stehen. Das war sein erster besuch hier.

„Willst du hier wurzeln schlagen oder kommst du mit?“, lächelte Oliver vergnügt und tapste barfuss ins nächste Zimmer hinüber.
Damian stieg augenblicklich vor Scham die Röte ins Gesicht, ehe er sich weiter blamierte, zog er ebenfalls schnell Jacke und Schuhe aus und folgte dem Anderen unauffällig. Zu seiner Überraschung war der Boden trotz des Marmors angenehm warm. Schätzungsweise Bodenheizung. Die Küche schob den Pegel der Überwältigung noch ein ganzes Stücken in die Höhe.
Der Blonde stand mit dem Rücken zu ihm und schien irgendetwas zu machen, was Damian nicht erkennen konnte.

„Möchtest du Kaffee, Tee oder etwas kaltes zu trinken?“, riss ihn die sanfte Stimme des Blondhaarigen aus den Gedanken.

„Ähm…Tee wäre ganz gut“, antwortete der Jüngere schüchtern, bemerkte erst jetzt wie kalt ihm trotz der angenehmen Wäre hier drin, war.

„Welche Sorte?“

„W-Wenn möglich Früchtetee“, stotterte Damian weiterhin verlegen, zupfte sich dabei das immer noch zerzauste Haare zu Recht.
Oliver trat daraufhin ein paar Schritte zurück um eins der großen Schränke zu öffnen, verschaffte dem Jüngeren einen Blick auf eine kleine Pflanze. Erst jetzt bemerkte er die vielen Pflanzen in der ganzen Küche verstreut. Bewundert schweifte sein Blick von einer zu anderen. Die Familie oder zumindest Oliver schien eine Vorliebe für Pflanzen zu haben.

„Du kannst schon mal rüber ins Wohnzimmer. Hier links aus der Küche und dann gleich die nächste Tür rechts“, beschrieb Olivier mit ein paar Handbewegungen den Weg und lächelte ihn kurz an. Damians Wangen fingen darauf gleich an sich zu erwärmen und ehe Oliver davon etwas mitbekam, stürmte er schon fast aus der Küche zum besagten Zimmer.

Weshalb machte Oliver ihn nur so durcheinander. Weshalb reichte nur ein Blick, nur ein Lächeln um ihn total so dem Konzept zu bringen? Er war nicht mehr als ein Bekannter, der ihn in seiner Leidenschaft des Zeichnens ein wenig unter die Arme griff. Ja, er konnte nicht bestreiten dass der Blondschopf sehr attraktiv war und ein solch bezauberndes Lächeln besaß, mehr auch nicht. Die Grübelei stoppte, bei dem Anblick der sich vor ihm erbot. Mit offenem Mund stieß er einen bewundernden Laut aus. Er musste ihm Himmel sein, sonst könne er sich die Schönheit dieses Raumes nicht erklären. Etwas anders würde eh nicht zu Oliver passen, so bezaubernd das Haus, ebenso der Besitzer. Damian hätte sich für den Gedanken ohrfeigen können. Weshalb verglich er schöne Dinge immer wieder mit Oliver? Kopfschüttelnd ließ er sich sachte und darauf bedacht nichts kaputt oder schmutzig zu machen, auf die Ledercouch nieder. Er wagte es nicht einmal locker darauf zu sitzen, wie teuer die wohl war?
„Nicht so schüchtern, die beißt dich nicht“ ertönte ein süffisantes Lachen, was Damian vor schreck zusammenzucken ließ und wieder mal vor Scham das Blut in seine Wangen pumpte.

Oliver trat an die Couch und reichte dem Jüngeren eine dampfende Tasse, aus der ein süßlicher Geruch empor stieg und  in den Nasenhöhlen des Kleinen kitzelte. Er streckte die Arme aus um die Tasse entgegen zu nehmen, da bemerkte er erst jetzt wieder seine Mappe, die er seit dem betreten des Hauses immer noch unter dem Arm klemmen hatte. Abermals vorsichtig legte er diese rechts neben sich auf der Couch ab und nahm anschließend die heiße Tasse. Direkt unter der Nase glitt der heiße Dampf noch tiefer in die Nasenhöhlen und Damian schloss für einen kurzen Augenblick genießerisch die Augen.
Die Couch senkte sich auf der anderen Seite unter dem Gewicht von Oliver. Damian schielte unbemerkt zur Seite, sah wie der Andere an seiner Tasse nippte.

„So...“, begann Oliver, stellte seine Tasse auf dem Tisch ab und richtete seinen Blick auf Damian.
„Was fällt dir ein bei so einem Sturm hier her zu laufen? Weißt du nicht wie gefährlich das sein kann“ ermahnte er den Jüngeren.
Damian biss ich auf die Zunge. Er verfluchte sich dafür hier her gekommen zu sein. Ich hätte nicht kommen dürfen. Wie dumm bin ich eigentlich, ich hätte wissen müssen das er dazu nur zugestimmt hat, weil die Lehrerin es vorgeschlagen hat und Oliver zu viel Anstand hat jemanden die Hilfe abzulehnen. Warum habe ich nur glauben können er meinte es ernst, wieso hab ich geglaubt er würde mich mögen. Niemand mag mich und jeder verachtet mich für meine Homosexualität. Oliver ekelt sich sicher regelrecht neben mir sitzen zu müssen.

Wie erstart über diese Gedanken saß er wortlos da, krampfhaft die Hände um die mittlerweile sehr Heißwerdende Tasse geschlungen.

„Tut…tut mir leid…ich hätte nicht kommen sollen…“Mehr als Gestammel brachte er nicht heraus. Schnell legte er die Tasse auf den Tisch ab, schnappte nach seiner Mappe um so schnell wie möglich diese Haus zu verlassen. Jeden Moment drohte es vor seinen Augen zu verschwimmen, bei der Vorstellung von dem Menschen, dem er je in seinem Leben so etwas wie vertrauen schenkte, der ihn im Kunstunterricht aufweckte und wie ein Mensch behandelte, in Wahrheit wohlmöglich wie all die anderen nur Vorurteile ihm und seiner Sexualität gegenüber aufwies.
Oliver sah sich dieses Schauspiel verdattert mit an.

„Wohin willst du?“, japste er schließlich und packt den Kleineren in letzter Minuten noch am Arm. Zehrt in zurück auf die Couch. Damian ließ sich überrascht zurück plumpsen, wagte zwar einen weiteren Versuch abzuhauen, doch Oliver hielt in fest.

„Kleiner, du hast mich falsch verstanden. Ich will doch nicht das du gehst“ resigniert entkam Olivers Munde ein seufzen. Er ließ, als er sich sicher war das der Andere keinen weitern Versuch startete abzuhauen, ihn los und sackte weiter nach hinten in die Couch.

„Wieso misstraust du allen immer gleich. Du machst es einem wirklich nicht einfach“ meinte der Ältere mürrisch.
Damian war es plötzlich unheimlich Peinlich, glaubt er doch wirklich Oliver wäre wie all die anderen asozialen Personen.  Er erwiderte nichts auf des Anderen Aussage. Wusste Oliver eigentlich dass er schwul war, kam es bis zu ihm an? Wusste er es und war trotzdem so nett zu ihm oder hatte er davon keine Ahnung und…Damian schluckte schwer. Wollte sich nicht ausmalen was wäre wenn Oliver es nicht wusste und es erfahren täte. Wie würde er reagieren? Mit einem male spürte er etwas gegen seine Stirn klopfen.

„Was geht in deinem hübschen Köpfschin nur vor“ Es war Oliver der gegen seine Stirn schnippte. Er schenkte dem Kleinen ein sanftes und warmes Lächeln. Wieso schaffte der Kerl es immer wieder ihn in Verlegenheit zur bringen?

„Nimm dir das Getratsche der Andern nicht zu sehr zu herzen. Die sind doch alles nur unwissende Trottel.“
Draußen ragte ein langer Lichtstrahl dem Himmel entlang, gefolgt von einem lautstarken Donner.
Damian wusste nicht darauf zu antworten. Er war noch nie in solch einer Situation, dementsprechend fühlte er sich momentan ziemlich unwohl in seiner Haut.

„Naja…so zeig mir mal weshalb du ja eigentlich hier bist“, wechselte der Ältere von einer zur anderen Sekunde das Thema und ebenso seine Art. Der Kleine schaute den Anderen nur verwirrt an. Wie sein Gesichtsausdruck wohl wirken musste? Oliver unterdrückte sich sichtlich das Lachen und deutet mit dem Finger auf die Mappe.

„Na deine Zeichnungen, zeig mal her.“ Mit einem Schlag wurde Damian bewusst was der Andere von ihm wollte. Zersträubt reichte er ihm die Mappe.
Oliver öffnete diese gleich und sah sich alles gründlich an. Damian rutschte derweil unruhig auf seinem Platz hin und her. Was er dazu sagen wird? Oliver sah schön öfters seine Bilder im Kunstunterricht, doch diesmal waren sie nicht in der Uni, nein heute saßen sie hier bei ihm zu hause, auf seiner Couch und eine bedrückende Stille machte sich breit.

Olivers Blicke konnte er nicht deuten. Sie wirkten die ganze Zeit über matt und ausdruckslos. So schlecht, dachte der Jüngere sich und wäre am liebsten im Erdboden versunken. Er bereute es dem Vorschlag der Lehrerin nachgegangen zu sein. Bis vor kurzem hatte sich außer den Lehrern keiner für seine Bilder interessiert. Seine Eltern hielten nicht wirklich was davon und meinten es sei nur Zeitverschwendung. Sie wollten schon immer, dass ihr Sohn ebenso wie sie, mal ein guter Arzt wird und Menschenleben rettete. Damian war von dieser Aussicht seiner Zukunft nie begeistert, bot seinen Eltern die Stirn, bis sie ihm erlaubten seinem Traum nachzugehen.
Seit da an bröckelte ihr Eltern- Sohn-Verhältnis immer mehr. Sie verstanden seinen Drang zur Kunst nicht und von daher gab es nie jemanden außerhalb der Schule mit dem Damian darüber reden konnte. Nie jemanden bei dem er sich frei füllen konnte.

„Hmm“, machte der Ältere nach, für Damian, eine Ewigkeit und blätterte ein letztes Mal durch die Zeichnungen. Damians Hals fühlte sich rau und trocken an.
Die Zeichnungen glitten auf den Schoß und nun trafen die dunklen Augen auf die grün stechenden. Nervös zupfte der Jüngere an einen Fitzel seines Pullis rum.

„Du hast wirklich viel Talent und wie ich sehe hast du eine Vorliebe für Hände.“

Damians Vorliebe war in der Tat Hände. Die Gestiken der Hände konnten so vie aussagen. Ohne irgendwelche Worte und viele Bewegungen bedeuteten sie die verschiedensten Dinge.
Das Klopfen auf die Schulter, eine aufmunternde Geste oder einfach eine Begrüßung unter Freunden. Das zusammenballen der Fäuste, ein Ausdruck der Wut und Gewalt. Das Streicheln über die Haut eines Anderen, eine Geste der Zuneigung, des Tröstens, der Liebe ebenso der Lust und Begierde.
Oder wie in Damians Fall das Herumzwirbeln am Pullover, ein Ausdruck der Nervosität.

„Aber ich weiß schon was da fehlt...“
Oliver drehte sich mehr zu Damian und setzte sich in den Schneidersitz.

„Schau...“ Der Ältere rückte näher an den Kleinen heran, zeigte ihm eins der Bilder auf dem zwei Hände zu sehen waren. Die Eine hielt die Andere fest.

„Das Bild ist wirklich gut, aber es wirkt so kalt und trostlos. Du hast diese Linien schön hinbekommen, aber sie sind einfach so drauf hingezeichnet ohne Leidenschaft“, erlaubte er sich, ihn zu kritisieren und strich mit dem Zeigefinger sanft die Zeichnung nach.
„Ich lebe fürs zeichnen“, protestierte Damian brummend. Er war Oliver sehr dankbar für seine Hilfe seinen Bildern mehr Ausstrahlung zu verschaffen. Leider war er nie gut darin mit Kritik umzugehen.
Der Zweite im Raum seufzte gedehnt und ließ sich mit dem Rücken zurück gegen die Couchlehne sinken.

„Du musst mehr liebe mit einbringen sonst kannst du es vergessen“, kam der schroffe Kommentar. Damian blickte empört hinüber, öffnete den Mund um etwas zu sagen, doch keine Silbe entglitt aus seinem Mund.
„Die Elternliebe zum Beispiel. Du liebst deine Eltern doch und genau das Gefühl musst du beim Zeichnen verspüren und einbringen.“
Damian schwieg und sah betreten zu Boden. Wie solle er die Liebe zu den Eltern in seine Bilder bringen, wenn er nie wirklich die Liebe seiner Eltern gespürt hatte. Sie waren und sind immer auf der Arbeit und seit ihnen klar wurde, dass ihr einziger Sohn nie in ihren Fußstapfen treten würde, herrschte keine liebende Stimmung zwischen ihnen. Sonst gab es keinen in seinem Leben, der ihm zeigte was Liebe war, wie sich liebe anfühlte. Wie bitte sollte er Liebe in seine Bilder einbinden? Innerlich lachte er bitter auf.

„…oder die Liebe zu  einem anderen Menschen. Die Liebe der Freundschaft, die Liebe zu einem Haustier, wenn du eins hast.“
Damian fixierte weiterhin seine Fußspitzen, die imaginäre kreisende Bewegungen auf den Boden formten.

„Damian? Alles in Ordnung?“, fragte Oliver besorgt und beugte sich zu ihm hin.
Damian, dem die aufkommende Nähe des Anderen total irritierte und innerlich total aus der Fassung brachte, wäre am liebsten ein Stück weg gerückt.

„Sag mir nicht du kennst es nicht?“ Verwundert zog der Blondschopf beide Augenbrauen in die Höhe, die unter ein paar Blonde Locken, die ihm ins Gesicht fielen, verschwanden.
Damian nutzte den Moment um sich den Anderen  genauer zu betrachten.

Die braunen Augen die ihn eindringlich musterten, die blonden Locken die ihm wild am Kopf herunter hingen, die breite Schulter, die durch die Haltung gekrümmt war, die Beine immer noch im Schneidersitz und die Arme darauf abstützend. Er trug nur ein Ärmelloses Hemd und eine Jeans. In Damian stieg das dringende Bedürfnis auf sich aus den Klamotten zu zwängen, die Hitze die sich in ihm breit machte war schon fast unerträglich. Das T-Shirt lag eng an Olivers Körper, betonte seine schmale elegante Statur und zeichnete die darunter vorhandene Muskeln ab.

„Was?“, kam die selten dämliche Frage von Damian um diese schrecklich unangenehme Situation…nur noch schlimmer werden zu lassen.

„Na die Liebe. Du weißt nicht was liebe ist“, bemerkte sein Gegenüber erstaunt und zugleich für ihn unbegreiflich.
Der Braunhaarige strich sich nervös die Haare vom Gesicht und knabbert an seiner Unterlippe.

„Woher soll ich wissen was liebe ist wenn ich nicht weiß wie sich liebe anfühlt“, gab Damian mit fester Stimme zu, entlockte Oliver somit einem erstaunten Laut.

Damian Hände ballten sich zu Fäusten, die weißen Knöchel stachen hervor. Ob diese Gestik der Hände in diesem Fall Wut oder einfach nur die Anhäufung sämtlicher wirren Gefühlen darstellte, war unklar. Er mied das Thema Liebe nur zu gern, hielt es für unnutz und verstand nicht was alle so schön daran fanden. Oliver legte einer seiner Hände  auf die linke Faust des Kleinen. Er bemerkte dass dieser sich bei dem Thema Liebe sehr unwohl fühlte. Damians Verkrampfung löste sich, nun fühlte sich seine Hand unter der angenehmen Berührung an wie Butter. Buchstäblich paralysiert, konnte er nichts anderes tun, als wie erstarrt da zu sitzen und zu zusehen was mit seiner Hand geschah.

Oliver drehte diese um, um nun die Handinnenfläche zu betrachten.
„Schau dir deine Hand an. Die Linien…“ Sanft strich er mit dem Zeigefinger die Linien in der Fläche nach. So leicht als würde er mit einer Feder drüber gleiten. Damians Herz pochte schneller und kräftiger gegen den Brustkorb. Die Berührung hinterließ ein angenehmes Kribbeln, dasselbe Gefühl durchfuhr sein Bauch. Was geschieht hier?
Diese Gefühle waren unbekannt und neu, seltsam und machten ihm Angst.

„…sie drücken dein Leben aus, diese Dinge musst du zeichnen!“ Abermals strich er über die Hand.
Die Wangen des Jüngeren nahmen einen rosa Touch an, die Ohren glühten wie Feuer. Wenn die Linien sein Leben darstellen, könne man an ihnen nicht sehr viel ablesen.

„Darf ich fragen warum das Verhältnis zu deinen Eltern nicht gerade das Beste ist?“

Seufzend entriss sich Damian der Hand und des angenehmen Gefühles. Zog seine Knie an, umschlang sie mit den Armen und betete seinen Kopf darauf.

„Das Verhältnis ist neutral. Sie sind die meiste Zeit im Krankenhaus arbeiten und seit ich mich zurück erinnern kann, bin ich alleine. Du hast doch auch schwer beschäftigte Eltern, die wegen der Arbeit zu wenig Zeit für dich haben…“

„Ja, aber dennoch liebe ich sie“, unterbrach ihn Oliver und musterte ich eindringlich.

„Es ist ja nicht so als würde ich sie hassen. Ich mag sie, immerhin sind sie meine Eltern, aber lieben…“ In Damian machte sich ein klammes Gefühl breit.
Der Schönling setzte sich nun wieder gerade hin, warf den Kopf in den Nacken, um die Decke anzustarren.

„Aber trotz dessen musst du ihre Liebe doch spüren können.“ Oliver Worte warten nicht mehr als ein flüstern.

„Wir haben nie etwas gemeinsam unternommen. Ich wurde als Kleinkind immer hin und her gegeben, da sie ja keine Zeit hatten sich um ein Kind zu kümmern. Als ich ihnen erzählt habe ich will kein Arzt werden, wie sie es für mich vorgesehen haben, sondern Kunst studieren will, sind sie regelrecht ausgeflippt und das hat unserem Verhältnis nicht wirklich gut getan. Erzähl mir also nichts von Liebe…“ Damian biss sich schmerzhaft, mit voller Absicht, auf die Zunge. Weshalb schwafelte er Oliver damit voll? Drängte ihm sein Leben auf... Jammerte wie ein kleines Kind, obwohl es diesbezüglich nichts zum jammern gab. Er mochte wie es zwischen ihm und seinen Erziehungsberechtigten ablief, kannte es anders doch überhaupt nicht. Außerdem hatte er darüber noch nie mit jemanden geredet, hatte es ebenso wenig vor, warum also mit Oliver?

„Hm...wie kann ich es dir anders verständlich machen“
Oliver kämpfte schwer damit eine Lösung zu finden, dem Kleinen die Bedeutung des Wortes Liebe klarzumachen, ihm zu zeigen wie es sich anfühlte.
„Am besten gar nicht, ich habe nicht das Bedürfnis diese Erfahrung zu machen“ murrte der kleine neben ihm in seinen Hosenstoff hinein. Für ihn lief es hier gerade nicht so ab wie es eigentlich sein sollte. Hilfe für seine Zeichnungen, nicht die Belehrung über die Liebe. Ganze 19 Jahre kam er ohne dies ganz gut durchs Leben, im seinem weiteres Leben könne er auch weiterhin ohne das leben.

„Erzähl mir nicht du bist mit deinem Leben zufrieden“ fragte Oliver tonlos Richtung Decke.

„Das ist was anderes, die Liebe hat damit nichts zu tun!“ Wie schwer es Damian doch fiel das Wort `Liebe´ über die Lippen zu bringen. „Und außerdem brauch ich das nicht“, murmelte er leise weiter, für den Anderen jedoch immer noch verständlich.
„Um ein guter Künstler werden zu wollen schon. Und außerdem ist es eine schöne Sache und ein schönes Gefühl.“
Damian hätte sich an Ort und Stelle übergeben können. Oliver sprach von Liebe, Gefühlen, schöne Sache bla und schwätz. Genau die Dinge die Damian so sehr verabscheute. Warum eigentlich? Lag es daran, dass er nicht wusste wie es sich anfühlte, hatte er einfach nur Angst davor, davor für jemanden etwas zu empfinden und dann von dieser Person verletzt zu werden? Gefühle machten einen angreifbar und kaputt. In seinem tiefsten Inneren der Seele sehnte er sich nach diesem Gefühl, danach von jemand geliebt zu werden, jemanden der sich um ihn sorgte, zugeben tat er dies nicht.

„Kleiner..“, hauchte es nun ganz dicht neben seinem Ohr Olivers sanfte Stimme. Erschrocken drehte er sich um, blickte nun in die undefinierbaren dunkelbraunen Augen. Den warmen Atem über sein Gesicht spürend. Ein pochender Schmerz breitet sich in seiner Brust aus. Wieso nur kam er ihm so nahe?
Die Antwort gab es gleich darauf. Vorsichtig legten sich Olivers Lippenpaar auf die seine. Übten zu Anfang leichten und schließlich mehr Druck aus. Fassungslos riss Damian die Augen auf, realisiert nicht was hier passierte. Irgendetwas lief hier gerade entsetzlich schief und in jeder Hinsicht nicht so wie es sein sollte. Olivers Zunge strich sanft über die geschlossenen Lippen. Baten um einlass und so konfus wie Damian war öffnete er bereitwillig den Mund. Ohne zu zögern drang die fremde Zunge in die Mundhöhle. Suchte ihr Ziel der Begierde und fand es auch gleich. Stupsend forderte er Damians Zunge zum Kampf heraus. Damian genoss es, schloss die Augen und gab sich voll und ganz dem Spiel hin. Oliver entzog sich immer wieder seiner suchenden, forschenden Zunge, stupste sie an, leckte über ihre Oberfläche. Damian erschauderte. Der Typ machte ihn ganz schwindelig.
Blitzartig kam der Kleiner in die Realität zurück, ihm wurde klar was hier eigentlich geschah.

„Oliver“, keuchend stupste er Oliver zurück. Atemlos ragen beide wegen erheblichen Luftmangels nach Sauerstoff, sahen sich in die Augen.
Was ging hier eben ab?
Weshalb küsste Oliver ihn?
DER Oliver!

„Was hast du gefühlt?“  fragte der Blondschopf heiser und schwer atmend.

„Was?“ Damian verstand nicht.

„Was hast du dabei gespürt“, wiederholte der Andere seine Frage eindringlich.
Irritiert vergruben sich die Hände des Jüngeren in seinen Pullover.

„Ich…ich...keine…weiß nicht...“, stammelte dieser Unzusammenhängendes her.
Abermals kam Oliver dem Kleinen näher, drückte ihn nach hinten auf die Couch, drängte gierig den Mund auf die rosaroten Lippen.
So schnell konnte Damian überhaupt nicht reagieren. Olivers Hand glitt unter den Pulli, strich über die blasse weiche Haut. Hinterließ eine Gänsehaut. Die Fingerspitzen wanderten auf und ab, hinterließen dabei eine brennende Spur.

„Oliv..“ Die weichen Lippen des Anderen erstickten seine Stimme in einem leidenschaftlichen Kuss.
Damian versuchte den fremden Körper von sich zu stoßen, mit mäßigem Erfolg.
„Was fühlst du…“ fragte Oliver in seine Küsse hinein. Egal wie sehr es ihm gefiel die Berührungen auf seiner Haut zu spüren, die Nähe des Anderen, umso unrealistischer wirkt es. Sein Herz droht zu zerspringen. Seine Wangen liefen knallrot an und eine unerträgliche Hitze machte sich in seinem Körper, besonders in seinem Lendenbereich, breit.

„Oliver…hör auf..“, flehte Damian stockend.
Ruckartig ließ der Ältere von ihm ab und setzte sich in eine senkrechte Position zurück, hinterließ einen total verstörten Jungen.

„Ich...es tut mir leid. Ich wollte dir nicht zu nahe treten.“ Oliver strich sich zersträubt durch die lockigen Haare. Nicht zu nahe treten? Verdammt was war das eben?
Damian setzte sich ebenfalls auf, zupfte seine Klamotten zu Recht, versuchte sich irgendwie abzukühlen. Diese ganze Sache konnte nicht wahr sein, was zum Teufel geschah hier? Damian fühlte sich wie in einem falschen Film.

„Verdammt was sollte das?“, stieß es aus ihm  in einem grollenden, aufgebrachten Ton heraus.

„Ich wollte dir nur zeigen wie sich so etwas anfühlen kann.“

„Ich weiß wie sich Küssen anfühlt“, meinte sein Gegenüber mürrisch und verfinsterte seinen Gesichtsausdruck.

„Darum ging es nicht. Ich mein nicht nur das Küssen. Was du im Inneren gefühlt hast. Die Emotionen die ausgebrochen sind.“
Immer zorniger blickten die grünen Augen den Blondschopf an.

„Du meintest wohl die Wut die sich dabei aufgebaut hat“, grollte Damian weiter.
Dies war vollkommen gelogen. Er fühlte dabei überhaupt keine Wut. Ein wunderbares Gefühl kam in ihm dabei hoch. Er wollte mehr, viel mehr davon, doch das gab Oliver noch lange nicht das Recht ihn einfach so damit zu überfahren. Und außerdem…hatte er ihn eben wirklich geküsst? Damian wurde diese Tatsache erst jetzt wirklich bewusst. Sollte da etwas bedeuten Oliver war…kopfschüttelnd schob er den Gedanken bei Seite.

„Ich dachte nur..." Nun wirkte der immer so gefasste und auf alles vorbereitet Oliver total irritiert.

„Ich geh besser…“ Nuschelnd sprang Damian von der Couch, riss seine Mappe an sich.
Eine starke, warme Hand griff nach seinem Arm, riss ihn zurück. Ehe Damian protestieren konnte, legten sich die weichen, süßlich schmeckenden Lippen wieder auf die seine.
Den Kleinen wurden diese ganzen Gefühle zu viel. Wut, Traurigkeit, Glück, Freude, einfach alle Emotionen vereinten sich, brachten die schwache Seele total durcheinander. Im Kuss verharrend  quoll ihm eine Träne aus dem Auge, setzte sich auf die Wange von Oliver ab.
Dieser spürte die Feuchtigkeit auf seiner Haut und löste sich von dem Kuss.

Die grünen Augen sahen ihn Hilfe suchend an, glänzend vor Tränenflüssigkeit. Eine Träne nach der Anderen strömte über das hübsche Gesicht.

„Kleiner“, wisperte Oliver ebenso verloren mit dieser Situation.
„Bevor du in mein Leben getreten bist war es noch in Ordnung. Da tauchst du auf erzählst mir was von Liebe, küsst mich, bringst diese ganzen wirren Gefühlen in mir hoch und fragst dann noch was ich fühle. Weißt du eigentlich wie schwer du mir das alles machst? Ich habe noch nie jemanden geliebt und ich habe keine Ahnung was du damit bezwecken willst…und…“ Mit Tränenerstickter Stimme redete sich Damian den Mund fusselig. Fuchtelte mit den Händen vor Oliver Nase rum, wusste selbst nicht mal was diese Gestiken bedeuten und bezweckten.

Warme Finger strichen ein paar Tränen von seiner Wange. Allein ein Blick dieser warmherzigen braunen Augen, schenkten ihn so viel Geborgenheit, Sicherheit und…?
Arme schlangen sich um seinen Rücken zogen ihn zu dem so sehr gesehnten warmen Körper. Vorsichtig legte Damian den Kopf  auf Olivers Schoß. Dessen lange Finger glitten durch die braunen Haare. Damian krallte seine Finger in Olivers Jeans. Er fühlte sich so wohl…

„Pscht“, gab der Größere beruhigend von sich, tätschelte weiter hin den Kopf des Kleinen.

Damian wusste Oliver tat dies nur um in ihm die versteckten, im Herzen, verschlossenen Gefühlen zu befreien. Ob der Ältere sich nun zu ihm hingezogen fühlte oder nicht war Damian in diesen Minuten vollkommen egal. Oliver hielt ihn fest, stützte ihn im seinem schwachen Moment. Was danach gesehen wird, stand in den Sternen. Das Jetzt und hier war am Wichtigsten.

„Ich hab Angst davor“, erklärte Damian kleinlaut und schloss die Augen.

„Brauchst du nicht…“