Die alternative Season6

GeschichteHumor / P12
Jack Bauer
10.02.2007
10.02.2007
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10.02.2007 13.659
 
Charaktere: Jack, Curtis, Chase, Bill...
Warnung: Season 5 Spoiler!
Anmerkungen: gehört alles 24, kein Geld wird verdient, Ähnlichkeiten mit real existierenden Personen oder Gegebenheiten sind im Zweifelsfalle zufällig und nicht beabsichtigt.

Noch mehr Warnungen: erotisch, gewagt, gewalttätig ...möchte mich auch vorsichtshalber schon mal im voraus in aller Form entschuldigen.... am besten gleich für alles!  
* * * * *


Jacks schweißglänzender, muskulöser Oberkörper hob und senkte sich im Einklang mit seinen Atemzügen, während salzige Tropfen über seine männliche Brust perlten, sich zu einem Rinnsal vereinigten und vertikal weiterwanderten.
“Ihr werdet nichts aus mir herausbekommen,” presste er hinter zusammengebissenen Zähnen hervor. “Niemals!”
“Ach, Mr. Bauer.” Sein Gegenüber blickte ihn mitleidig an. “Sträuben Sie sich nicht weiter. Es hat doch keinen Sinn.”
Jack zerrte an den Eisenringen, mit denen seine starken Arme an die nackte Wand gekettet waren.”
“Sie werden meinen Willen nicht brechen können, eher sterbe ich!” stieß er leidenschaftlich hervor.
“Aber, aber Jack, wir sind doch keine Barbaren. Ganz im Gegenteil, in Asien bestand bereits eine Hochkultur, als ihre Leute -  nun ja - sagen wir mal - noch ein ganzes Stück davon entfernt waren.”
“Sie Mistkerl,” zischte Jack. “Hören Sie endlich damit auf!”
“Nicht bevor wir das bekommen haben, was Sie uns schulden.”
Jack stöhnte gepeinigt auf. “Wie oft soll ich es Ihnen noch sagen, ich habe keine Ahnung, wie man an eine Einladung zur Oskarverleihung kommt. Ich bin im Seriengeschäft.”
“Nun, das werden wir noch sehen. Mein Volk ist bekannt für seine Geduld.” Er lachte höhnisch und riskierte einen kurzen Blick auf seine Armbanduhr.
“Für heute sind wir dann auch wieder fertig. Noch eine Tasse Grünen Tee für Sie?”
“Nein danke.” Seufzend schlüpfte Jack aus seinen Fesseln und ließ erleichtert die Arme sinken. “Könnte ich denn bitte mein Hemd wieder haben?”
“Selbstverständlich, Mr. Bauer, gewaschen und gebügelt, wie immer. Jedoch... ,”Mr. Li beugte sich drohend vor. “Freuen Sie sich nicht zu früh! Morgen werden wir nicht mehr so zimperlich sein. Doch nun folgen Sie mir. Dinner im Salon!”

Mit einem berstenden Geräusch brachen Fensterscheiben, entsetzte Laute drangen in ihre Richtung.
“Was ist... ?”
“Jack - schnell - hier... !”
Jack wirbelte herum, fing mit einer Hand die geladene und dummerweise entsicherte Waffe, die sofort den Kronleuchter von der Decke holte, der mit ohrenbetäubendem Krachen auf das Parkett stürzte und in Millionen Scherben zersprang. Jack zögerte keine weitere Sekunde, schnellte in einem dreifachen Salto über das Hindernis hinweg und stürzte sich kopfüber in Curtis Arme.
“Nicht so stürmisch, Kollege. Bin ja auch froh dich zu sehen.”
“Chase?” keuchte Jack.
“Schon zur Stelle,” antwortete dieser umgehend. “Zeit zu verschwinden.”
Fremdländische Flüche verklangen hinter ihnen, verstummten, sobald sie den Helikopter erreicht hatten, der bereits über dem Boden schwebte. Kein Problem für die drei Spitzenagenten, die mit schlafwandlerischer Sicherheit den Sprung in das bebende Fluggerät wagten.
“Bill! Gut Sie zu sehen! Machen Sie Platz!”
“Jack?”
Chase lehnte sich vertraulich zu Bill hinüber und wisperte in sein Ohr. “Jack überlässt niemandem das Steuer, glauben Sie mir.”
“Das habe ich gehört,” fauchte Jack. “Du weißt ganz genau, dass ich dich einmal habe fahren lassen.”
“Kinder, Kinder,” schaltete sich Curtis ein. Seine dunkle Stimme wirkte beruhigend auf die aufgewühlten Gemüter.”
“Also, Jack fliegt, dann schaffen wir die Strecke wenigstens in weniger als einer Stunde.
“Hey, wer had dich zum Chef gemacht?”
“Na Karen, nachdem sie dich gefeuert hatte.”
“Das hat sie getan, wieso?” Jack war selbstverständlich in der Lage gleichzeitig dem Gespräch zu folgen und die Tücken des Flugverkehrs zu meistern.
Bill druckste ein wenig herum, bis Chase sich schließlich einmischte und geduldig erläuterte.
“Sie war der Meinung, Privates und Arbeitsplatz ließen sich auf Dauer nicht vereinbaren, also... .“ Er machte ein bedeutsame Geste, worauf Bill puterrot anlief.
“Hey -  wir sind nur einmal erwischt worden und, und... und ... und außerdem hätte ich ansonsten auch keine Zeit gehabt, Jacks Befreiung zu planen.”
“Was gabs denn daran bitte zu planen?” warf Jack trocken ein. “Das hätte ja wohl ein Zehnjähriger ohne Knarre geschafft. Und was ich auch nicht verstehe, Curtis - wenn du jetzt der Boss bist, woher nimmst du die Zeit schnell mal nach China zu düsen?”
“Betriebsferien und Inverntur. Chloe wollte uns alle raushaben, und da Chase zufällig auch gerade nichts weiter zu tun hatte... .”
“Beurlaubt - auf unbegrenzte Zeit beurlaubt,” beeilte sich Besagter zu korrigieren.
“... da dachten wir eben... .”
“Danke Leute! Ich weiß nicht, wie lange ich die Folter noch hätte ertragen können. Es war mörderisch!”
Die drei sahen in mitleidig an, während Jack teilnahmslos in das unendliche Blau des Himmels starrte, das sich in seinen Augen zu spiegeln schien. Eine einzelne Träne quoll aus Curtis Auge und er legte Jack mitfühlend die Hand auf die Schulter. “Möchtest du darüber reden?”
“Ach,” Jack seufzte herzerweichend. “Ihr wisst ja wo die östliche Philosophie ansetzt: Ruhe, Frieden, Gelassenheit... .”
“Oh Gott, du willst doch wohl nicht sagen... ?”
“Doch, Meditation und Yoga.”
“Um Himmels Willen, Jack! Es muss die Hölle für dich gewesen sein.”
Jack nickte stumm. “Sie mussten mich fixieren, damit ich nicht vor lauter Langeweile mit Liegestützen angefangen hätte.”
“Und?” Bill zögerte. “Es ist mir unangenehm das zu fragen, aber... haben sie etwas aus dir herausbekommen?”
Jack senkte den Kopf und der Hubschrauber flog einen gefährlichen Schlenker.
“Bitte... ,” seine Stimme brach. “Nicht jetzt, Bill! Ich kann nicht.”
“Nun,” Bill kratzte sich am Kinn. “Aber rück lieber heraus damit, bevor die CTU davon Wind bekommt.”
Plötzlich zuckte Jack zusammen. “Wir werden beschossen. Mayday, mayday! Wo sind die Fallschirme?”
“Oh mein Gott! Wir haben nur drei Stück an Bord!”
“Wie das?”
“Sparmaßnahmen!”
“Damnit!”
Jack blickte entschlossen in die Runde. “Ihr springt. Ich bringe den Vogel runter.”
“Jack, das ist Wahnsinn!”
“Ich weiß!”
“Nein Jack!” Bill schob ihn resolut beiseite. “Lass mich das übernehmen. Ich bin gefeuert, bloßgestellt, von Karen verlassen und meine heimliche Liebe ist seit Jahren jemand anderem verfallen, jemandem mit dem ich nie konkurrieren könnte. Ich habe also nichts mehr zu verlieren.”
“Naja,” versuchte Jack einzuwenden, als Chase Bill freundschaftlich in den Oberarm boxte. “Guter Zug von dir, Kumpel. Sehr vernünftig einzusehen, dass der Jugend der Vortritt gebührt. Ich versprech dir auch, ich sorg dafür, dass Chloe nie von deinen Gefühlen erfahren wird.”
“Moment mal! Chase, du hast Kim für Chloe verlassen? Bist du noch zu retten?”
Chase grinste zufrieden. “Aber wo denkst du hin, Schwiegerpapa, das Mädchen ist nur schon seit Urzeiten verrückt nach mir, und wer würde es ihr verdenken?”
“Also eigentlich meinte ich ja nicht, dass du... ,”versuchte Bill verdattert einzuwenden.
“Verschiebt das auf später, Leute - Absprung!” kommandierte Curtis, während er die Fallschirme verteilte und vor Bill salutierte.
“War mir eine Ehre, Chef!”
“Jaja, lass man!”
“Geronimooooo!” Chase hüpfte hinterher und Jack nickte Bill zu.
“Ich weiß das wirklich zu schätzen, mein Freund!”
“Keine Sache, Jack. Du machst das schon. Wirst heute wohl noch gebraucht!”
“Wie? Was meinst du damit? Ist denn schon wieder so ein Tag?”
Aber bevor er noch eine Antwort erhalten konnte, hatte Bill ihn bereits mit einem kräftigen Schubs aus dem Fluggerät befördert.

“Wo sind wir eigentlich?” brüllte Chase den anderen zu, die mit ihm gemütlich hinabsegelten.
Jack warf einen prüfenden Blick in die Tiefe. “Sieht aus wie eine gigantische Festivität. Muss sich um eine religiöse Zusammenkunft der Eingeborenen handeln, genannt Oktoberfest.”
“Wie bitte?” Chase zeigte sich verdutzt. “Wir sind doch noch nicht einmal zwanzig Minuten unterwegs, und schon in Mitteleuropa?”
“Denk nicht darüber nach,” empfahl ihm Curtis. “Wir hatten schließlich Jack am Steuer.”
“Und was machen wir jetzt? Scheint nicht ungefährlich.”
“Japp, sehen aus wie eine Ansammlung gemeinschaftlich schwankender fremdartiger Lebensformen mit Antennen und Schlapphüten auf dem Kopf... Außerirdische?”
“Diese Theorie wird bereits diskutiert, aber das Phänomen ist vermutlich doch eher weltlichen Ursprungs.”
Sie landeten in einem eleganten Knäuel im Schatten der majestätischen Bavaria, ein Anblick, der Chase einen anerkennenden Pfiff entlockte. “Doch,” nickte er. “Man muss neidlos zugeben, dass Europa zu Recht die Wiege der Kultur genannt wird. Ist das nicht dieser berühmte David von Michelangelo?”
Curtis tätschelte ihm aufmunternd den Kopf. “Und da soll nochmal einer sagen in der Militärakademie lerne man nichts fürs Leben.”
“Moment mal! Was ist denn das?” Jack, der geistesgegenwärtig aus seiner stets präsenten Umhängetasche den Feldstecher gezogen und hindurchgespäht hatte, erstarrte.
Schockiert drehte er sich zu den anderen. “Verdammt! Es ist Henderson!”
“Ach ja, das wollten wir dich noch fragen.” Curtis blickte ihn strafend an. “Als wir seine Leiche einsammeln wollten, drehte der Typ uns eine lange Nase und murmelte etwas von einem Deal mit dir. Wir waren so verdutzt, dass er ohne weiter aufgehalten zu werden... naja... und dann... ohne dich hatten wir natürlich auch keine Chance ihn aufzuspüren.”
“Na warte,” knurrte Jack. “Wir sind doch hier auf so etwas Ähnlichem wie neutralem Boden. Der Mistkerl ist dran. Er hat Tony auf dem Gewissen, den besten Agenten des Landes, nach mir selbstverständlich.”
“Also so richtig neutral... ?”
“Mit dem Kleinkram beschäftigen wir uns später.”
Entschlossen zauberte Jack eine großkalibrige Waffe hervor und wollte sich gerade in das Getümmel stürzen, als Curtis ihn am Arm packte.
“Warte Jack, siehst du was ich sehe?”
Jack blinzelte die Mordlust aus seinen Augen hinfort und fokussierte die langen Bankreihen, auf denen sich die Menschen mühsam zusammenquetschten.
“Secretary Heller! Wie jetzt? Hat er sich so schnell von seinen tödlichen Verletzungen erholt?”
“Ähem,” Curtis druckste ein wenig herum. “Wir mussten erkennen, dass er seinen Unfall geschickt vorgetäuscht, seine Tochter enterbt, und sich mit dem Verteidigungshaushalt der Vereinigten Staaten abgesetzt hat. Bis jetzt wussten wir nur noch nicht wohin er verduftet ist.”
“Aber es mach Sinn,” warf Chase ein. “Seht ihr wer bei ihm sitzt?”
“Mein Gott! Welch ein Verräter! Macht gemeinsame Sache mit... mit... mit dem mächtigsten und hinterhältigsten Menschen auf Erden, mit dem bayrischen Ministerpräsidenten!”
“Fasse dich, Jack, wir sind rechtzeitig gekommen um dem finsteren Treiben ein Ende zu setzen. Was auch immer sie vorhaben mögen, wir werden sie damit nicht durchkommen lassen.”
“Zuerst müssen wir die Organisation infiltrieren, die Hierarchie nutzen und uns nach und nach in die höchsten Ränge der CSU emporarbeiten, bis wir die nötigen Beweise für eine Überführung beisammen haben.”
“Dafür bleibt keine Zeit,” warf Jack ein und hob seine Waffe.
Chase, schließlich seelenverwandt und daher imstande seine Gedanken zu lesen, gab ihm geistesgegenwärtig Deckung.
“Freeze,” brüllte Jack und stürmte wild um sich schießend vorwärts. Glücklicherweise brach sofort eine Massenpanik aus, in deren Treiben zumindest die Mehrzahl der unbeteiligten Anwesenden unbeschadet flüchten konnte.
“Henderson, Heller und ... äh... Sie da! Sie sind alle verhaftet!”
“Jack, du hast doch gar nicht die Berechtigung hier jemanden zu verhaften.”
“Na und?”

“Jack? Du bist am Leben? Aber... wie... du solltest doch... ich meine China ist bekannt für seine unbarmherzig ganzheitliche Vorgehensweise. Wie konntest du das überleben?”
Jack warf Heller einen verächtlichen Blick zu und schnaubte. “Sie haben mich doch immer unterschätzt, Mr. Ex - Secretary. Und Christopher, was dich angeht... .”
Drohend näherte er sich seinem ehemaligen Mentor, der trocken schluckte und unauffällig zur Seite wich.
“Nun ja, Jack, ich meine, es war doch eigentlich abgemacht, dass du mir hilfst unterzutauchen und so... mich zu verstecken... du weißt schon... .” Er begann zu stottern und geriet unversehens in die Defensive. “Ich wollte doch schließlich gar nicht hier hin, wirklich nicht, das Ganze war  nicht meine Idee, oder glaubst du, ich hätte mir allen Ernstes diese Gegend hier ausgesucht?” Er blickte angewidert um sich. “Als Vegetarier, Nichtraucher und bekennender Abstinenzler könnte es keinen schlimmeren Ort für mich geben.”
Jack blickte auf, ihrer beider Augen trafen sich, offenbarten das gesamte Ausmaß der Verzweiflung, die sich in den zerfurchten Zügen des älteren Mannes spiegelten und Jack wäre nicht Jack, wenn ihn nicht ein Funken Mitleides ereilt hätte. Allerdings nur ein Funken, der zudem rasch erlosch als Henderson jegliche Selbstkontrolle verlor, sich vor ihm auf die Knie warf und seinen Jackenzipfel packte wie ein Ertrinkender den rettenden Strohhalm.
“Jack, bring mich Heim, ich flehe dich an. Ich wollte doch auch nur so wie du eine kleine Auszeit nehmen, von Stadt zu Stadt tingeln und meine Midlife Crisis ausleben. Und jetzt... sieh mich jetzt an... !” Er schluchzte.
“Christopher, du machst dich lächerlich.” Heller schnalzte ärgerlich mit der Zunge. “Sei ein Mann und steh zu deinen Fehlern! Edmund, sag doch auch mal was... !”
“Ich - äh - ja - ich muss jetzt gehn.”
“Edmund!”
“Jack?”
“Lass ihn laufen, Curtis, der ist harmlos.” Jacks Blick fiel auf den sich rasch entfernenden, modisch schräg sitzenden Tirolerhut und seine Stirn legte sich in Falten.
“Obwohl... Chase! Du folgst ihm! Die Sache ist hier möglicherweise noch nicht zuende.”
“Wer ist das eigentlich?” flüsterte Henderson Heller zu, der nur ratlos mit den Schultern zuckte.  “Wen interessiert’s! Edmund ist schon mit ganz anderen Kalibern fertig geworden.”
“So, jetzt langt’s.” Nun platzte Jack endgültig der Kragen. “Ich habe genug von Möchtegern Kriminellen wie euch! Curtis! Fesseln und Knebeln!”
“Um,  Jack, es ist mir wirklich unangenehm das noch einmal zu erwähnen, aber eigentlich habe ich ja die Leitung... .”
“Jaaaaa?”
“Ach nichts,” Curtis seufzte und machte sich daran die drohenden und schimpfenden Gefangenen artgerecht zu verpacken.”
“Jack,” Heller, zum Äußersten getrieben spielte die letzte Karte aus. “Hast du die alten Zeiten denn ganz vergessen, du könntest mein Schwiegersohn sein und jemand, dem die Familie so viel bedeuted wie dir... .”
“Ha!” Jack lachte hohl. “So redet jemand, der seine Kinder verstößt und enterbt.”
“Das verstehst du nicht,” Heller schüttelte erschöpft das müde Haupt. “Du weißt ja nicht, was geschehen ist, Audrey macht sich doch schon lange nichts mehr aus Geld. Seitdem sie die Liebe entdeckt hat... .”
“Tatsächlich?” Jack starrte ihn ungläubig an. “Ja, mein Junge.” Mit seiner noch nicht fixierten Hand tätschelte Heller liebevoll den beinahe unmerklich zitternden Arm des Agenten, der trotz allem emotionalen Aufruhrs seine Waffe unablässig und mit eiserner Faust auf die Schurken gerichtet hielt.
“Es tut mir so leid für dich, aber im Grunde genommen hattest du ja nie eine Chance.”
“Aber wer... ich meine... mit wem... ?”
“Nun ja,” Heller druckste ein wenig herum. “Es waren möglicherweise die Führungsqualitäten das ausschlagende Element, die weibliche Sensibilität, der verlockende Posten an der Seite des Präsidenten oder der peinliche, wenngleich auch höchst anregende und im Internet veröffentlichte Vorfall mit Buchanan, der sie in die Arme von Karen Hayes getrieben hat... .”

“Waaaaas? Meine Karen und ... Audrey?” Ein angesengt und leicht verschrammt wirkender Bill, der in dem Gedränge allerdings eigentlich nicht weiter auffiel und sich zudem noch mit einigen Lebkuchenherzen getarnt hatte, war unbemerkt, geschickt die Deckung einer schwer beladenen Kellnerin ausnutzend, herangepirscht, vergaß jedoch in diesem Augenblick jegliche Vorsicht.
“Aber... ausgerechnet Karen, und sie hat nie ein Wort zu mir gesagt... .”
“Ach Bill, es tut mir ja so leid, ich hatte ja keine Ahnung... .”
Die beiden verschmähten Liebenden fielen sich schluchzend um den Hals. Von der allgemeinen Rührung angesteckt brach auch Heller in Tränen aus. “Es ist ja alles so verwirrend...  mein Sohn, meine Tochter, all diese Theorien mit den Genen, dem Umfeld, der Erziehung... und dann... “ Seine Stimme nahm einen zärtlichen Unterton an. “Christopher?”
“Ja?”
“Wenn mir nun ins Gefängnis kommen, was würdest du davon halten, wenn wir uns eine Zelle teilten? Ich könnte meine Beziehungen spielen lassen, damit wir in einem freien Land eingesperrt werden, indem unsere Verbindung gesellschaftlich akzeptiert und vielleicht sogar eines Tages legalisiert werden könnte... !”
Henderson lief rot an und strahlte bis über beide Ohren. “Und ich dachte schon du würdest mich nie fragen... .”
Curtis verdrehte die Augen und zerrte die Fesseln noch ein wenig straffer. “Du meine Güte, dass ihr Leute aber auch immer nur an das Eine denken könnt. Zum Glück bin ich von jeder Art  romantischer Anwandlungen kuriert, nachdem Marian in die Luft gejagt, in Las Vegas Mageninhalte obduziert hat und nun mit der Geisterwelt verbunden worden ist... , so schnell falle ich bestimmt auf niemanden mehr herein... ,” brummelte er missmutig vor sich hin.

“Jack, Curtis! ... Bill? Du bist nicht tot?”
“Ähem,” Bill schneuzte sich in das Taschentuch, das Jack geistesgegenwärtig aus seiner unerschöpflichen Multifunktionstasche herbeigezaubert hatte. “Ich weiß ja nicht viel über die Sitten und Gebräuche der Eingeborenen, aber sie haben mich definitiv vor dem sicheren Tode bewahrt. Dieser gigantische Berg samtweicher, wenn auch nicht mehr ganz frischer Wiener Würstchen auf freiem Felde mit der mystischen Aufschrift: ‘Material für den ersten Bioskandal 07' hat meinen Sturz sanft abgefangen.
“Wurscht!” unterbrach ihn Chase ungeduldig, wenngleich passend. “Viel wichtiger, Tony steckt hinter allem!”
“Wie! Tony!”
“Also Tony kann es nun mal gar nicht sein,” brachte sich Curtis, die Stimme der Vernunft, wieder in Erinnerung.”
“Jaja, schon klar, er ist’s aber trotzdem.”
“Chase, sei nicht albern!”
“Ach so ist das, na dann vergesst es eben.” Chase verschränkte bockig die Arme und verfolgte abweisend den Lauf des Riesenrades.
“Chase, nun sei doch nicht so,” versuchte Bill ihn aufzulockern.
“Ja, Chase, was ist denn jetzt mit ‘wie heißt er noch’?”
“Pfft!” Chase zog die Schultern hoch, bequemte sich dann aber doch dazu Jack zu antworten.
“Gar nix! Ist nach Hause, hat die Spülmaschine ausgeräumt, sich mit seiner Frau gestritten, ein paar Überseegespräche geführt und in der Garage das Aupair Mädchen abgeknutscht. Alles total unauffällig!”
“Moment mal,” unterbrach ihn Jack, dessen sechster Sinn agentenmäßigen Alarm schlug. “Dieses Aupair Mädchen, wie sah die aus?”
“Naja,” Chase kratzte sich am Kopf. “Hübsch, dunkle Haare, große Augen, kam mir irgendwie bekannt vor.”
“Verdammt,” fluchte Jack. “Es ist Mandy! Das ist nicht gut für uns!”
“Mandy?”
“Sie gehört eigentlich in eine vollkommen andere Serie, das macht sie so gefährlich, massive Persönlichkeitsspaltung, ... wir werden uns vorsehen müssen.”
“Oh Gott, das macht Sinn,” warf Curtis ein. “Eine internationale Verschwörung dieses Ausmaßes benötigt skrupellose Vermittler, und wer könnte skrupelloser sein? Andererseits...,” er überlegte, “andererseits müssen wir uns im Grunde nun keine Gedanken mehr über diesen Teil der Welt machen. Die Bekanntschaft mit ihr hat schließlich bis auf Jack noch niemand überlebt und wenn der Regierungssitz erst leer steht, so wird auch Demokratie und Freiheit für diese armen Menschen hier eines fernen Tages möglich werden.” Er blickte mitleidig um sich.  “Dann wird hoffentlich auch dieser offensichtliche Hilferuf nicht mehr vonnöten sein.”
“Alles klar!” Jack packte bereits zusammen. “Fall gelöst! Weiter geht’s! Wird auch Zeit wieder in zivilisierte Gegenden einzumarschieren, äh... einzuziehen... äh... naja, eben nach Hause zu gehen.”
“Du sagst es mein Freund,” schloss Bill sich an. “Nehmen wir den Hubschrauber, es sind nur wenige Teile in Flammen aufgegangen.”
“Quatsch, wirft uns nur zurück, mal sehen wo wir den nächsten Linienflug chartern können.”
“Linienflug?”
“Genau, wir nehmen den Wagen!”
“Wie, Wagen?”
Jack schüttelte missbilligend den Kopf. “Du willst doch wohl nicht sagen, dass du nicht daran gedacht hast an jedem halbwegs verdächtigen Knotenpunkt der Erde ein Gefährt zu deponieren? Meins steht dort drüben.”
“Na denn mal los!”
In atemberaubender Geschwindigkeit ging es zum Flughafen, glücklicherweise ohne von der pflichtbewussten bayrischen Polizei aufgehalten zu werden, die ausreichend damit beschäftigt war Betrunkene einzusammeln und verdächtig erscheinende Rucksäcke kleiner Kinder zu durchsuchen.
“Der nächste Flug geht nach London! Hat jemand Geld?”
“Ach was Geld, ich hab schließlich eine Waffe. Lasst mich nur machen!” Einen Augenblick später erhoben sie sich bereits in die Lüfte nicht ohne den verdatterten Flugbegleiterinnen, die versuchten den aufgeregten Piloten mit einem Cognac zu beruhigen, mitfühlend zuzunicken.
“Ich konnte nichts dagegen tun,” stammelte der Flugkapitän. “Er war einfach stärker als ich.”
Die Naturgesetze leichtfertig ignorierend erreichten sie schneller als physikalisch möglich sein dürfte das Königreich, aus dem die Schreie der Wut und Empörung sie bereits in der Luft erreichten.
“Sieht wie ein Volksaufstand aus. Irgendetwas muss die Bevölkerung in Aufruhr versetzt haben!”
“Wen interessierts?” Jack setzte wie immer Prioritäten. “Wir brauchen eine unauffällige Möglichkeit den Ozean zu überqueren, die Telefonate des mittlerweile vermutlich verstorbenen Ministerpräsidenten weisen darauf hin, dass die Wurzel des Übels wie immer inmitten der Staaten liegt. Demnach dürfte Vorsicht geboten sein!”
“Da, da ist er schon wieder?”
“Wer?”
“Na Tony!”
“Hör auf mit dem Quatsch, Chase, du nervst!”
“Aber er ist dort in der aufgebrachten Menge verschwunden, die... die genau auf uns zu stürmt! Weg hier!”
Ein hastig eingelegter Sprint endete in einem Seiteneingang, in dem sich die Agenten keuchend und prustend übereinander stolperten.
“Hey, ich war zuerst da!”
“Nun sei mal ein bisschen hilfsbereit, Kollege, du siehst doch, dass die Leute da draußen durchdrehen. Dabei dachte ich immer die Briten wären so reserviert.”
“Hah!” Der im Schatten verborgene Mann lachte bitter auf und zog seinen dunklen Mantel noch fester um sich. “Reserviert? Die?”
“Ja,” Curtis überlegte. “Irgendetwas Grauenvolles muss sie völlig aus der Bahn geworfen haben.”
“Das kann man wohl sagen,” murmelte der Fremde.
“Moment mal, ich kenn sie doch.”
“Sicher nicht.” Der Unbekannte kauerte sich noch tiefer in die Dunkelheit, bis ihm eine  unbarmherzige Wand Einhalt gebot.
“Das haben wir gleich.” Jack, wie immer Herr der Lage, packte den Scheinwerfer aus und leuchtete seinem Gegenüber ins Gesicht!”
“Hee! Sie spinnen wohl! Wollen sie, dass die Verrückten da draußen mich zum Frühstück verspeisen?”
“Also ich kenn ihn nicht, ihr vielleicht?”
Curtis, Bill und Chase sahen sich ratlos an.
“Oh Mann, dann seid ihr Amerikaner?”
Die Vier nickten.
“Gut erkannt!”
“Ok, wer ich bin tut nichts zur Sache, ihr müsst nur eines wissen... da drüben auf dem Rollfeld steht mein Privatjet, startbereit und aufgetankt, der mich nach L.A. befördern soll. Bringt mich dorthin und ich stehe in eurer Schuld.”
“Naja, wir kennen sie doch gar nicht. Ich meine, sie könnten ein Terrorist sein... .”
Der Unbekannte seufzte. “Also gut, dann eben doch eine Erklärung. Dummerweise war ich bei meinem letzten Konzert nicht so gut drauf, ein dummer Fauxpas, der die weibliche Bevölkerung Europas auf die Idee gebracht hat, dass ich getröstet werden sollte. Meine Asien Tour musste ich absagen und nun ist ein Großteil der Welt sauer auf mich... .”
“Das kenn ich,” warf Jack ein, nur um sich wieder ins Gedächtnis zu bringen.
“Ganz zu schweigen von den Männern, die denken ich hätte mit ihren Frauen geschlafen, den Männern, die mich davon überzeugen wollen, das ich schwul wäre und den Müttern, die mich für ihre Töchter kidnappen möchten!”
“Ach Gott!” Chase brachte sichtlich Verständnis auf. “Keine Sorge, mein Junge, wann immer es darum geht den Schwachen und Unterdrückten beizustehen... .”
“Schon recht, Kleiner.” Jack entsicherte seine Waffe. “Wir stürmen den Jet. Nehmt den... äh... nehmt ihn da in die Mitte.”
Ein paar Meter hatten sie bereits zurückgelegt, als ein Kreischen ertönte, das das feine Gehör des Musikers empfindlich malträtierte.
“Ich halte das einfach nicht mehr aus,” stöhnte er. “Diese unmusikalischen Wahnsinnigen... !”
“Robbiiiiieeeee!”
“Es hilft nichts! Spart nicht an Munition,” kommandierte Jack und begann ihnen unerbittlich den Weg freizuschießen. Bill und Chase folgten seinem Beispiel, während der gutherzige Curtis den zusammengebrochenen Robbie huckepack aus der Gefahrenzone transportierte.  
Erst im Flugzeug kam der geplagte Sänger wieder zu sich. Sein Blick fiel auf den Piloten, der es sich soeben mit einem Glas Champagner gemütlich gemacht hatte.
“Ähm, Chef, sie sollten eigentlich im Dienst nicht trinken, und wer fliegt überhaupt?”
“Keine Sorge, Curtis sah auf seine Uhr. “Ich gebe ihm zwanzig Minuten. Die Stadt der Engel hat uns gleich wieder.”
“Moment, da stimmt etwas nicht... wir drehen ab... was macht er nun schon wieder? Jack, verdammt noch mal, bleib auf Kurs!”
Doch das hätte Bill sich sparen können. Als ob Jack auf irgend jemanden hören würde! :)
                                   

“Jack, bist jetzt völlig verrückt geworden? Wo willst du hin, zum Teufel?”
Wir fliegen einen kleinen Umweg, sozusagen ein Dreieck, macht so gut wie gar keinen Unterschied.”
“Aha, und wieso, wenn ich fragen darf?”
“Gerade kamen die Nachrichten. Anscheinend geht im mittleren Osten mal wieder alles drunter und drüber.”
“Na und? Das ist doch nichts Neues.”
Jack schnaubte ungeduldig. “Menschenskind, erkennst du nicht die Anzeichen? Ich wette, wenn ich dort hinuntergehe, habe ich in weniger als 24 Stunden die Drahtzieher aufgespürt und ausgeschaltet.”
Curtis nickte verständnisvoll. “Ok, das sehe ich ein, aber trotzdem wird diese Sache warten müssen.”
“Wieso, dem Chaos muss ein Ende gemacht werden und wenn ich ‘ s nicht tue, dann tut es doch  keiner.”  
“Schon klar Jack, aber was ist mit der Verschwörung, der wir momentan auf der Spur sind?”
“Kann warten!”
“Jack, ich habe eine Idee!”
“Ja, Bill?”
“Du verschiebst den Trip auf morgen und wenn du die Angelegenheit bereinigt hast, fliegst du gleich weiter und beendest die unhaltbaren Zustände auf diesem Kontinent. Hattest du das nicht auch schon seit einer Weile vor?”
“Welcher Kontinent? Sind wir schon daheim?” Chase wurden die zurückgelegten Entfernungen langsam etwas zu unübersichtlich.“
Curtis schüttelte mitleidig den Kopf. “Leider noch nicht Kleiner, allerdings fängt Jack gerade an sich für die Zustände auf der südlichen Halbkugel zu interessieren. Zeit wird ‘ s!”
“Ach so, du redest von der Beendigung der Hungersnöte, der flächendeckenden Versorgung mit Trinkwasser und Medikamenten? Guter Einwand, Bill! Hab echt schon lang nicht mehr dran gedacht.”
“Nun ja, du hattest ja auch deine Sorgen. Aber wenn es so weit ist, denk daran und nimm extra Ausrüstung mit. Konzerne und Rüstungsfirmen aus dem Westen lassen sich nur ungern die Butter vom Brot nehmen. Da muss man schon mit schweren Geschützen auffahren.”
“Kein Problem für mich! Um ehrlich zu sein wären ein paar ordentliche Explosionen jetzt genau das Richtige für mich.”
“Moment mal, apropos Explosionen? Was ist denn eigentlich da vorne los?”
“Das sieht irgendwie nicht gut aus!” Jacks Aufmerksamkeit konzentrierte sich im Nu auf die Vorgänge außerhalb des Jets. Sein Verstand arbeitete auf Hochtouren, als er die Lage messerscharf erfasste und blitzschnell reagierte.
“Chase! Das ist einer dieser Momente!”
“Einer dieser Momente? Du meinst, ich darf... ?”
“Genau, du übernimmst das Steuer!”
“Moment mal, ich bin der Pilot, “ wandte Selbiger ein. “Jetzt könnte doch ich... !”
“Davon träumst du wohl! Chase?”
“Schon unterwegs, Boss!”
In einer halsbrecherischen Aktion, selbstverständlich ohne Kleinigkeiten wie Fallschirm oder Sicherheitsleinen, obwohl Curtis zumindest den Versuch unternahm Jack diese Möglichkeiten nahezulegen, die unser Held jedoch aus Zeitmangel ablehnen musste, kletterte dieser auf die Tragfläche, worauf Bill und Curtis zu den Luken eilten um die Vorgänge problemloser beobachten zu können.
“Langsam, Chase”, kommandierte Jack, dessen in langen Monaten der Gefangenschaft nachgewachsene goldene Locken sein wettergegerbtes Gesicht umwehten, und beobachtete mit Adleraugen das Flugzeug, das vor ihren Blicken in Flammen aufging.
“Jetzt!”
Chase erhöhte das Tempo, und raste im Sinkflug auf den Ort der Katastrophe zu, eine Bewegung, die Jack mit einem eleganten Hüftschwung ausbalancierte.
Wie er es berechnet hatte tauchten sie geradewegs in dem Moment unter die sich in alle Winde zerstreuenden Wrackteile, in dem sich eine zappelnde, kreischende Gestalt aus dem Chaos zu lösen schien und direkt in Jacks Arme stürzte.
“Ich helf dir,” brüllte Bill und griff nach der schlanken dunkelhaarigen Gestalt.
Jack folgte mit einem Sprung und erstarrte zu Eis.
“Das gibt ‘ s doch nicht! Bill, schmeiß sie wieder raus!”
“Wie bitte, aber ich kann doch nicht... .”
“Das ist Nina...  Nina Myers!”
Curtis flüsterte hastig etwas in Bills Ohr.
“Ach so...  hmm, nunja, aber trotzdem... ich meine, wir können doch nicht... .”
“Jack?”
Nina kam langsam zu sich. “Jack, wie schön dich zu sehen! Ich habe dich vermisst. Es war einfach zu lange.”
“Nina, verdammt noch mal! Was treibst du hier?”
Jack verschränkte knurrend seine Arme vor der Brust.
“Ich kann es nicht fassen. Wir hatten das doch besprochen!”
“Ich weiß, ich weiß doch,” erwiderte Nina zerknirscht. “Du arrangierst meine Flucht und dafür siehst du mich nie wieder.”
“Und?”
“Und, ähm... .”
“Ich höre.”
“Und ich schreibe deine Memoiren... ,” setzte Nina leise hinzu. “Aber Jack... , du kannst dir gar nicht vorstellen wie langweilig das ist. Den ganzen Tag nur die Schreibmaschine und du, die Wellen des Ozeans, die eintönig in der Ferne rauschen, das melodische Zwitschern exotischer Vögel, der betörende Duft, der den farbenprächtigsten Blütenkelchen entsteigt... oh Gott!”
Sie unterbrach sich erschrocken. “Siehst du was diese Umgebung aus mir gemacht hat, ich fange an zu dichten... .” Sie schluchzte verzweifelt, setzte anklagend hinzu: “Das ist kein Leben für mich, das musst du doch verstehen.”
Beschämt blickte sie auf.
“Deshalb war ich ja auch richtig froh, als dieser Gefangenentransport dort landete und mich mitnahm.”
“Gefangenentransport?”
“Yap, keine Ahnung wer die waren, komische Typen, wirklich! Ist aber auch egal, sind ohnehin schon alle gefressen worden.”
“Gefressen?”
“Naja, da hatte sich so ein Wesen in ihrem Raumschiffkeller eingenistet, ich rede nicht gerne darüber... .”
“Aha!”
Jack kratzte sich nachdenklich am Kinn. “Hört sich für mich an wie eine Frage nationaler, äh... globaler Sicherheit, eine Art außerirdischer Bedrohung. Irgendwelche Vorschläge?”
“Nunja.” Bill meldete sich entschlossen zu Wort. “Sollte ein Fall für die Außerirdischenbehörde sein. Zufällig weiß ich, dass mein alter Freund, Colonel, oder was auch immer er jetzt ist, Jack O’Neill sich momentan in Washington aufhält. Wir sollten... .”
“Gebongt!”
“Ja und ich? Ich muss nach L.A. zurück!”
“Nur die Ruhe, Singvogel! Zivile Opfer müssen hin und wieder gebracht werden. Sorry, Mann!”
Jack wandte sich dem Cockpit zu.
“Ok Chase, verschwinde vom Steuer!”
“Nee, jetzt bin ich dran!”
“Vergiß es, Anfänger!”

* * * * *

Nachdem es nun ohnehin schon zu einem Aufenthalt in Washington gekommen war, bestand Jack darauf auch gleich den Präsidenten der Vereinigten Staaten von der zwar noch relativ unklaren, aber dennoch nicht minder zu unterschätzenden Bedrohung zu informieren.
Um im Zeitplan zu bleiben warf er Nina und der Einfachheit halber Robbie gleich ebenfalls über dem Washingtoner Stargate ab und landete kurzerhand auf dem perfekt gepflegten Rasen vor dem Weißen Haus. Diverse Sicherheitsbeamte, die ihm in die Quere kommen wollten, wurden kampfunfähig gemacht, oder Schlimmeres, aber nunja... zivile Opfer eben.
“Wayne! Mein Freund!”
“Jack, wie schön dich zu sehen! Allerdings heißt es mittlerweile Mr. President!”
“Klar, Junge. Du musst schon entschuldigen, gerade in den letzten Jahren bin ich mit den ständig wechselnden Präsidenten ein wenig durcheinandergekommen. Das waren noch Zeiten als dein Bruder und ich... .”
“Ach ja.” Wayne seufzte gerührt. “Diese Probleme hat es bei ihm nie gegeben. Aber jetzt ist da diese Frau, die einfach nicht zu vertreiben ist, sich für die Präsidentin hält und ständig herumstreitet.”
Er seufzte wieder. “Es ist nicht leicht!”
“Moment mal, da ist er?”
“Da ist wer, Chase?”
“Na Tony, Tony Almeida! Hier auf diesem Bild! Ich hab ‘ s doch gewusst!”
Jack und Bill starrten verblüfft auf den eleganten Rahmen, der ein Glanzphoto von Wayne Palmer, Arm in Arm mit Tony Almeida enthielt.
“Wayne,... das... das ist doch!”
“Ach das!” Der Präsident lachte traurig. “Es ist anders als ihr denken mögt.”
Er ergriff das Bild und betrachtete es traurig. “Das ist nicht Tony Almeida! Es ist sein verschollener Zwillingsbruder Anton. Wir haben uns in der Selbsthilfegruppe für ‘ Im-Schatten- stehende-Brüder-großer-Männer,-die-unverschuldet-und-auf-tragische-Weise-ums-Leben- gekommen-sind ’ kennengelernt. Er ist mir eine große Stütze gewesen.”
“Aha!” Jack schnellte herum. “Da siehst du Chase, es gibt für alles eine logische Erklärung, man muss sie nur suchen.”
“Aber das habe ich doch nie bezweifelt,” wehrte sich der Jüngere.
“Nun gut! Wo finden wir denn diesen Anton? Tony hat ihn nie erwähnt, das muss etwas zu bedeuten haben.”
“Nun ja,” Palmer wirkte leicht irritiert. “Ich hab doch gesagt, er war verschollen! Irgend so ein Quatsch mit einem Flugzeugabsturz auf einer tropischen Insel mit Eisbären... .”
“Ach was! Hatte Nina nicht auch von Eisbären gesprochen?”
“Unsinn! Das waren Vögel. Und wenn schon, darum geht ’ s doch gar nicht.”
“Stimmt! Wir sollten uns erst einmal diese Möchtegernpräsidentin ansehen. Seit Season5 vertraue ich gerade in diesen Rängen niemandem mehr... , außer natürlich dir, Wayne, klarer Fall.”
Jack klopfte dem anderen beruhigend auf die Schulter.
“Danke Jack, ich weiß das zu schätzen. Und wenn ihr euch in dieser Richtung umsehen wollt, dann achtet doch mal auf diesen Mr. Speaker. Davon abgesehen, dass er mir irgendwie unheimlich bekannt vorkommt, scheint er etwas von intrigantem Verhalten zu verstehen. Übrigens, da vorne läuft er!”
“Alles klar, danke Wayne, äh... Mr. President... wir sehen uns dann in Season7?”
“Abgemacht, Jack. Und lass mir noch was stehen von L.A. Wenigstens den Prachtbau in dem die Oskarverleihung stattfinden wird. Da hab ich nämlich in diesem Jahr eine Einladung. Denzel Washington konnte nicht, und die Quoten mussten stimmen.”
“Alright Mr.President, die Bude lassen wir stehen. Mr. Speaker? Auf ein Wort!”
“Ähm, Curtis, siehst du auch was ich sehe?”
“Was denn nun schon wieder Chase?”
“Na, sieh dir die beiden doch mal an!” Ist das nicht verblüffend?”
“Was!”
“Na, die Ähnlichkeit! Die Augen, der Mund, die Bäckchen... .”
“Wie bitte?”
“Nein, nein, die im Gesicht mein ich doch.”
“Aha!”
“Das ist doch auffallend!”
“Kann ich gar nicht finden.”
“Ja, aber... .”
“Aber Chase, der Mann ist doch viel größer!”
“Naja!”
“Also, da hast ja sogar du mehr Ähnlichkeit mit Jack!”
“Findest du?” Chase grinste geschmeichelt.
“Um ehrlich zu sein, du bist nicht der erste, der das findet.” Er strich sich durch die Stoppelfrisur. “Hab schon mal Erkundigungen eingezogen, von wegen als Baby vertauscht oder so.”
Bill verdrehte die Augen. “Gib ‘ s auf Chase, ihr seid nicht verwandt!”
“Woher willst du das.... ? Sekunde mal!”
Chase starrte angestrengt aus dem Fenster. “Da nähert sich jemand unserem, äh... Robbies Flugzeug. Müssen wir ihm das eigentlich zurückgeben?”
“Damit beschäftigen wir uns später.” Jack, der die letzten Worte mitbekommen hatte, trieb sie zur Eile an.
“Und was ist mit... .”
“Ach der!” Jack winkte ab. “Scheint von einem anderen Planeten zu kommen. Behauptet steif  und fest noch nie etwas von den Palmers gehört zu haben. Außerdem nennt er mich immer ‘Frucht seiner Lenden’, der Spinner!”
“Hah!”
“Was Chase?”
“Ach nix!”
“Hey, da will tatsächlich einer unser, äh... Robbies Flugzeug klauen.”
“Nichts wie hin,” kommandierte Jack und stürmte vorneweg.
“Pfoten weg von unserem... äh... von diesem Flugzeug!”
“Hihihihi, träum weiter, Bübchen!”
“Tony? Will sagen... Anton?”
“Aaaaaah, du weißt also wer ich bin. Hat unser Präsident aus dem Nähkästchen geplaudert?”
“Nun ja, also ich muss schon sagen, du siehst verdammt aus wie er!”
“Vielleicht bin ich’ s ja! Hähähähähä!”
“Niemals!” schrie Jack entrüstet. “Tony hatte niemals so eine dreckige Lache. Eigentlich... ,” er stockte. “Im Grunde hat er auch so gut wie nie gelacht... oder ... nie. Naja, es gab ja auch nie viel  zu lachen, stimmt’ s Leute?”
“Mmmmh, stimmt, hast recht, ist aber heute auch nicht besser!”
“Für euch vielleicht, Versager! Aber ich hab den Flieger, hehehehe!”  
“Halt, das ist unserer... also zumindest nicht deiner... .”
Doch es war zu spät! Unbarmherzig erhob sich das Flugzeug in die Luft, während Tony... äh... Anton breit grinsend in der Tür stehen blieb und das furchtlose Quartett hilflos mit der bangenden Gewissheit künftiger Schrecknisse in der Tiefe zurück ließ.
Doch der erschütternden Zufälle sollte es kein Entrinnen geben.
Kaum hatte sich Anton davon gemacht näherte sich ihnen, nein, eilte, schwebte, gleichsam flog eine elfenhafte Gestalt auf sie zu. Jacks Augen wurden tellerrund.
“Ja, da laust mich doch... . Kate? Kate Warner?”
“Jack!” Sie flog ihm jauchzend um den Hals. “Was für eine Freude! Du hier? In Washington? Genau in der Folge, die wir auch hier verbringen?”
“Wir? Du bist nicht allein?”
“Aber was denkst du denn?” Sie kicherte belustigt. “ Mein Freund braucht nur etwas länger. Ist nicht so gut zu Fuß!”
“Hm, und was macht ihr hier?”
“Naja, das Übliche, dem Präsidenten auf die Nerven fallen, die Apokalypse verhindern... du kennst das ja.”
Mittlerweile war die dunkel gekleidete Gestalt mit dem eleganten Gehstock näher gekommen.
Jack befreite sich von Kate und begutachtete den Mann kritisch.
“Jack Bauer! Bei welchen Präsidenten waren Sie?”
“Ach, Sie hatten auch das Problem?”
Der Fremde schreckte zurück. “Verzeihung, ich gebe niemals die Hand, es ist... verflixt!”
“Was ist, hab ich ihnen weh getan? Manchmal hab ich meine Kräfte noch nicht so ganz unter Kontrolle.”
Jack ließ den Anderen überrascht los, dessen Hand er gewohnheitsmäßig kräftig geschüttelt hatte.  
“Oh mein Gott, oh mein Gott!”
“Ach Jack, darf ich vorstellen, das ist Johnny...  Johnny Smith!”
“Ich verstehe,” wisperte Jack. “Inkognito!”
Johnny blickte verwirrt auf. “Was meinen Sie? Ich heiße so!”
“Ach!”
Smith verbarg sein Gesicht hinter einer bebenden Hand.
“Ist etwas Schatz? Hast du, ich meine...?”
Johnny nickte ernst. “Ja genau das! Ach Jack!”
Er sah dem anderen Mann mitfühlend in die Augen bevor er hinzusetzte. “Sie armer, armer Mann! Diese Bürde sollte nicht auf den Schultern eines Einzelnen ruhen, glauben Sie mir, ich weiß wovon ich rede.”
Jack nickte, ein ungewohntes Gefühl von Sympathie für sein Gegenüber erfasste ihn.
“Ich weiß,” murmelte er. “Es ist ein Fluch... und manchmal, naja eigentlich fast nie, ... auch ein Segen!”
Brüder im Geiste, das waren die beiden Blondköpfe, auf ewig vereint in dem ebenso endlosen wie undankbaren Kampf um die Errettung der Welt!

* * * * *

“Verdammt, jetzt sitzen wir hier fest,” fluchte Jack ergrimmt.
“Mitnichten, mein Freund,” erwiderte Johnny. “Sag ‘ s ihnen, Kate!”
“Ach ja, Johnny ist ein weltbekannter Hellseher. Selbstverständlich hat er vorausgesehen, dass wir auf diesem Ausflug mindestens zwei Flugzeuge benötigen würden. Eures steht links ums Eck!”
“Danke, Mann, klasse!” Chase schüttelte dem sensiblen Mann in Schwarz enthusiastisch die Hände, worauf dieser sich in Schmerzen krümmte, was allerdings außer ihm selbst niemand mehr bemerkte, da die ergreifende Abschiedsszene die komplette Aufmerksamkeit aller Anwesenden auf sich zog.
“Jack,” schluchzte Kate. “Das waren noch Zeiten damals. Was ist nur aus uns geworden.”
“Ach, wir schlagen uns doch gar nicht so übel. Vielleicht dann im Kinofilm?”
“Mal sehen!” Sie putzte sich etwas getröstet die Nase. “Wenn Johnny gute Einspielergebnisse voraussieht... vielleicht!”
Der Seher rappelte sich inzwischen mühsam wieder auf. “Ach Chase, ein Tip noch... meiden Sie unbedingt schlecht gefärbte Blondinen! Glauben Sie mir und Sie werden es mir danken.”
Chase blinzelte verblüfft. “Aber ich steh auf Blond! Nicht, dass ich gegen eine rassige Dunkelhaarige etwas einzuwenden hätte, auch eine zarte Rothaarige hat ihre Qualitäten... und dann hatte ich mal was mit der Nichte von Agent Baker aus Korea, ganz zu schweigen von den afro-amerikanischen Zwillingen letztes Weihnachten in St. Moritz... “
“Chase, du schweifst ab... ,” ermahnte Curtis den Jungen. “Außerdem, wenn ich das richtig verstanden habe, dürfte sich das Problem nun nicht mehr stellen.”
Chase verzog die Stirn in Falten. “Ach so!” Sein Gesicht erhellte sich. “Du meinst, once you tried black, you ‘ ll never turn back... und ich hatte mich schon gefragt, warum... .”
“Jaja, so ähnlich,” Curtis begann etwas Ungeduld an den Tag zu legen. “Wir sollten jetzt aber wirklich... .”
Ohne weitere Verzögerungen ging es in die Maschine.
“Ihr wisst schon, dass wir uns Halloween nähern,” warf Bill mit einem Mal in die Runde der hektisch herumstolpernden Männer, die sofort wie vom Donner gerührt erstarrten.
“Verdammt, ist es schon wieder soweit?” fluchte Jack unnötig und dennoch mit Vehemenz. “Nun gut, ich werde auf die Tube drücken.”
“Verdammte Vampire,” grummelte Buchanan zusammenhanglos vor sich hin und versuchte sich gewissenhaft anzuschnallen, was sich als keine allzu schlechte Idee erwies, nachdem Jack  mit kundigem Blick den Warp Antrieb des Flugzeuges ausfindig gemacht und Geschwindigkeiten aufgenommen hatte, für die der menschliche Körper im Grunde genommen  noch nicht bereit war. Jedoch glücklicherweise konnte kein größerer Schaden entstehen, denn nur wenige Augenblicke später begann der Motor zu stottern und in langsamen Kreiseln näherten sich die Freunde wieder dem Erdboden.
Chase starrte aus dem Fenster, seine grünen Augen weiteten sich in schierem Entsetzen.
“Oh nein, es... es ist Tony? Schon wieder?”
“Was, aber... ich meine... .” Bill schüttelte gequält den Kopf. “Ich werde langsam zu alt dafür.”
“Wer ist den die blondgelockte Frau neben ihm?” erkundigte sich Curtis neugierig.
“Das ist keine Frau, es ist... Mr. Speaker. Und er hat eine Geisel!”
“Achtung wir gehen runter!”

Das Flugzeug hatte kaum den Boden berührt, als Jack bereits mit einem dreifachen Salto aus der Seitenluke schnellte, den nicht blond- sondern weißgelockten distinguierten Herrn entwaffnete  und den Jungen aus seiner Umklammerung befreite.
“Moment, dich kenn ich doch... .”
“Klar Mann, Mexico! Claudias kleiner Bruder? Klingelt da was?”
“Verdammt natürlich, äh, was machst du hier?”
“Ich zelte hier mit meinem Vater, aber an deiner Stelle würde ich lieber verduften. Dad ist immer noch ziemlich sauer, wegen des Schlamassels, das du damals angerichtet hast.”
“Naja, ich hab doch mein Bestes getan... du musst das verstehen... das Virus... die nationale Sicherheit... .”
“Okay Jack, so langsam fang ich auch an mich zu ärgern. Würde dir doch schleunigst empfehlen die Fliege zu machen.”
Jack schluckte und brüllte dann los: “Rückzug, bisschen Tempo, wir verschwinden!”
“Wo ist jetzt Tony hin, oder Anton oder wie?”
Chase blinzelte unsicher. “Also eben war er noch hier, ich bin mir ganz sicher, oder?”
“Egal, wir haben ja den hier! Also Mr. Speaker, welche Erklärung haben sie uns denn anzubieten?”
“Erklärung? Wofür denn bitte?”
“Na... ,” Jack blickte hilfesuchend um sich. “Für all ihre Verbrechen eben!”
“Verbrechen?”
Curtis eilte Jack zu Hilfe, drückte beruhigend die Schultern des von den sich überschlagenden Ereignissen des Tages langsam etwas geschlaucht wirkenden Mannes. “Jack, der Mann ist ein Politiker. In diesen Begriffen denkt er nicht.”
“Wir haben hier eindeutig ein Verständigungsproblem,” meldete sich Bill. “Doch für diese Fälle habe ich glücklicherweise eine Spezialausbildung genossen. Es gilt bestimmte Bereiche des Gehirnes zu aktivieren, die im Normalfall brachliegen und nur in Extremsituationen, in denen die Fähigkeit gefordert ist jegliche Wahrheit zu umschiffen, zum Beispiel, wenn es um die reine Selbsterhaltung geht... oder in der Politik, benötigt werden. Ich mach das!”
Beinahe schon forsch, schob er Curtis beiseite, besser gesagt, er versuchte es ihn beiseite zu schieben, scheiterte jedoch an der Stärke des Mannes, dem nicht so recht klar zu werden schien, was Bill eigentlich von ihm wollte, bis dieser sich schließlich an ihm vorbei quetschte um sich vor dem Politiker aufzubauen.
“Mr. Speaker! Worin liegen ihre langfristigen Interessen in Bezug auf die hier anwesenden Personen.”
Der Weißhaarige wirkte einen Moment irritiert, bevor ein breites Lächeln seine Gesicht überzog.
“Ja, ist das denn nicht offensichtlich?”
“Mitnichten, Mr. Speaker, wenn ich Sie höflichst bitten dürfte... .”
“Genug von dem Geschwätz!” Jack hatte einfach nicht die Zeit sich mit Floskeln abzugeben.
“Raus mit der Sprache oder du wärst dir wünschen nie geboren worden zu sein!”
“Apropros ‘geboren werden’, Jack, ich wollte es dir schon lange sagen, aber nun lässt es sich nicht mehr aufschieben: Ich bin dein Vater!”
“Hah!” Chase blickte triumphierend um sich. “Sie haben vermutlich mehrere Kinder in den letzten Jahren aus den Augen verloren, nicht wahr?” erkundigte er sich eifrig.
“Also, eigentlich... eher... .”
“Vergiss es Chase, ihr seid nicht verwandt.” Bill verdrehte genervt die Augen, während Jack noch versuchte das Gehörte zu verarbeiten.
“Mein Vater war ein Schuhverkäufer, ein Held der Arbeit und des Volkes und kein korrupter Wortverdreher.”
“Naja, du musst verstehen, mein Junge, das waren die Siebziger damals, Love and Peace und so. Ich hab zu deiner Mutter gesagt, sie solle sich was Solides suchen, einen Mann mit Perspektive... .”
“Aha!”
“Jetzt bist du wütend!”
“Nö!”
“Aber ich seh ‘ s doch!”
“So schau ich immer aus!”
“Wie?”
“Wütend! Das macht der Job!”
“Genau!” Jacks Vater begann in langen Schritten, die Hände hinter dem Rücken verschränkt, kleinere Kreise abzulaufen, während er einen Moment lang vor sich hin sinnierte.


* * * * *

“Dieser Job, das ist einfach nichts für dich, mein Junge!”
“Wie bitte? Dieser Job ist mein Leben. Und wenn du nicht dein Leben mit dem Dreschen leerer Phrasen verbracht hättest, dann wüsstest du auch wovon ich rede.”
“Ich weiß schon was du meinst, Jacky, schließlich verfolge ich deine Karriere nicht erst seit gestern.”
“Niemand nennt mich Jacky!” Jack qualmte vor Wut! “Das ist ein Mädchenname.”
“Nun ja, ich hatte mir doch immer eine Tochter gewünscht... doch wir kommen vom Thema ab. Also der Punkt ist... .”
“Vorsicht Jack,” warnte Bill. “Er will dich korrumpieren. Sei um Himmels willen auf der Hut!”
“Halt dich da raus, Opa,” zischte der Weißhaarige ihm zu, während er sich langsam an Jack heranschlängelte. “Dein Ausflug ins Verteidigungsministerium war doch bereits ein Schritt in die richtige Richtung. Ich dachte schon du wärst soweit, du könntest es spüren, könntest es fühlen, es atmen... .”
“Was, die Müllverbrennungsanlage?” erwiderte Jack verdutzt.
“Die Macht, mein Junge, die absolute Power, das Wissen, dass du die Geschicke der Nation lenken kannst.”
“Aber ich war doch nur so ‘ ne Art Assistent... .”
Speaker verdrehte genervt die Augen. “Mein Gott, hast du denn gar keine Phantasie? Bekommt man das heutzutage schon auf der Schulbank ausgetrieben?”
“Wenn nicht dort, dann sicherlich beim Militär,” mischte sich Curtis ein.
“Schon gut,” grummelte der Ältere vor sich hin. “Wen interessiert ‘ s! Der Punkt ist, du kommst in die Politik, erzählst den Leuten was sie hören wollen, schließt einige wenige lukrative Verträge mit Rüstungs- und Energiefirmen ab, und schon sind wir saniert, ich meine... sind wir ganz oben... ich meine bist du Präsident! Na was sagst du?”
“Tu ‘ s nicht, Jack,” warnte Bill. “Das ist die dunkle Seite von der er redet. Bleib standhaft!”
“Keine Sorge, Bill. Nichts läge mir ferner als die Allgemeinheit zu betrügen.”
“Ach wirklich?”
“Nee, aber ich hasse öffentliche Ansprachen, da verhasple ich mich immer.”
“Hah - nun haben sie verloren, Speaker,” rief Chase triumphierend aus. “Geben Sie auf und verraten Sie wo sie Tony versteckt haben... oder Anton... wen auch immer!”
“Na, vorhin stand er noch neben Ihnen, dunkle Haare, finsteres Gesicht... , Sie wissen schon,” unterstützte Bill den jungen Kollegen, nachdem ihm der ratlose Blick des Gegenübers aufgefallen war.
“Tony? Anton?” Der Mann kratzte sich nachdenklich am Kopf. “Ach, sagt bloß ihr meint meinen Neffen Tino aus Italien. Er ist immer sehr flink, wenn es darum geht sich aus der Schusslinie zu bringen.”
“Tino? Aus Italien?”
“Ja, sicher!” Speaker sah sich verständnislos um. “Ok, er ist adoptiert. Man hatte die Drillinge damals getrennt, sie hatten sich gegenseitig deprimiert. Keine Ahnung wo die anderen... .”
“Schon recht,” unterbrach Jack. “Jetzt machen Sie unseren Vogel wieder flott, dann tragen wir ihnen auch weiter nichts nach!”
“Also das schmerzt, Jack... wenn du deinen guten Vater siezt. Hast du denn gar kein Herz im Leibe.”
“Naja, also dann, Dad, bring die Kiste in Ordnung oder du lernst mich kennen!”
“Das ist mein Junge! Sekunde!”
Technische Fertigkeiten anwendend, die ihm niemand zugetraut hätte, brachte Jacks alter Herr den Motor im Nullkommanichts wieder zum Laufen, winkte dem verlorenen Sohn und seinen Spießgesellen noch einmal zum Abschied, bevor ihn die Nationalgarde zurück nach Washington transportierte.
Unterdessen gerieten die Freunde, vollkommen unerwartet in die nächsten Schwierigkeiten, diesmal in Gestalt einer dunklen Wolke, die das Flugzeug umhüllte.
“Verdammt,  wo sind wir,” fluchte Jack, gewohnt redegewandt.
“Das könnte doch schon... na ihr wisst schon, dieser Staat mit C... oder K... sein... der wo wir hin müssen... dämliche Geographie... ,” schimpfte Chase vor sich hin, von den anderen weitgehend unbeachtet.
“Oh nein, ich hab ‘ s geahnt,” stöhnte Bill. “Es ist... es ist... der Höllenschlund!”
“Wie, der Höllenschlund?”
“Na, ist doch wohl klar, Hölle... Schlund... Halloween... Dämonen... Vampire... .”
“Also damit kann ich mich nun wirklich nicht auch noch befassen,” stellte Jack klar. “Den Job muss jemand anders übernehmen.”
Nichtsdestotrotz zeigten die magischen Kräfte bereits ihre Wirkung und sogen die fliegende Blechkiste mit unabänderlicher Gewalt auf die Erde zurück.

* * * * *

“Sag mal... !” Buffy stemmte empört die Arme in die Seiten und funkelte Angel an. “Nicht genug, dass irgendwelche Idioten Sunnydale wieder aufgebaut und einen neuen Höllenschlund gebuddelt haben... , nicht genug, dass jeder dämliche Vampir in Amerika meint er müsste hier ‘ne Party veranstalten... jetzt stürzen auch noch mitten in der Nacht die eigenartigsten Fluggeräte ab.” Sie schüttelte wütend ihr Haar zurück. “Als ob mein Liebesleben nicht konfus genug wäre... apropos... wie geht ‘ s eigentlich Spike?”
Angel zuckte mit den Schultern, offensichtlich mehr damit beschäftigt den Bemühungen der Agenten zuzusehen, die dabei waren sich aus dem Wrack zu befreien.
“Ich kenne diese Typen,” grummelte er in seinen nicht vorhandenen Bart. “Die machen nur Ärger. Hab mich schon gewundert warum die vergangenen Monate in L.A. so verdammt ruhig waren.” Er schürzte verächtlich seine Lippen. “Vor allem der kleine Blonde. Also mir geht ja auch im Laufe meiner Bemühungen die Apokalypse zu verhindern der eine oder andere Unbeteiligte hops, aber der... .” Er schüttelte den Kopf. “Ich sag’s ja immer wieder, manchen Leuten darf man einfach keine Schusswaffen in die Hand drücken.”
“Ist etwas anderes mit Schwertern... hier fang... .”

* * * * *

Chase betrachtete mit zusammengekniffenen Augen die sich nähernden Gestalten. “Also, ich bin ja nicht so ganz sicher, aber irgendwie... .”
“Mensch, ich glaub ‘ s nicht.” Ein beinahe furchteinflößendes Strahlen breitete sich über Jacks Gesicht aus. “Mädchen, bist du ‘ s wirklich?”
“Kennen wir uns denn?”
“Na das will ich doch meinen, die Schwester der Cousine meiner Tante hatte mal was mit dem Enkel des Onkels deines Vetters, was uns ja quasi zu Geschwistern macht, außerdem sehe ich dir an, dass auch du regelmäßig die Welt retten musst. Das verbindet.”
“Schluss mit dem Verwandtschaftskram! Was ist hier los?” mischte sich Bill ein.
“Alles wie gehabt. Um diese Jahreszeit öffnen sich die Pforten der Hölle, damit werd ich fertig, ist mein Job!”
“Schon gut, Kleine! Ihr habt nicht zufällig einen, zwei oder drei gutaussehende, dunkelhaarige Männer erspäht, die zufällig auch identisch sind?”
“Komisch, dass sie das sagen, aber da waren wirklich diese Typen, einer hat ganz eigenartig gelacht.”
“Verdammt, sie sind uns doch immer einen Schritt voraus. Wenn wir nur wüssten, was sie im Schilde führen!”
“Vielleicht kann ich Ihnen helfen!”
“Und Sie sind... ?”
“Hunt, Ethan Hunt. Meine Organisation beobachtet die diabolischen Drillinge schon seit geraumer Zeit.”
“Ach!”
Jack zog Curtis und den schwer beeindruckten Bill rasch beiseite.
“Lasst euch nicht einwickeln, Leute! Den kenn ich. Der wechselt sein Gesicht, wie andere Leute ihre Hemden. Ich vermute ernsthaft ein oder mehrere Persönlichkeitsspaltungen.”
“Tatsächlich?”
“Definitiv!”
Jack nickte überzeugt und wandte sich an den Fremden. “Danke vielmals, doch rufen Sie uns nicht an, wir rufen Sie dann an.”
“Nun gut!” Hunt schüttelte seine seidigen Locken zurück. “Hab ohnehin noch eine unmögliche Mission zu erfüllen. Man sieht sich dann, Kollegen!”
“Oh, ich hab den Hubschrauber gar nicht gesehen,” staunte Bill, als Ethan in die leere Luft griff und zauberhafterweise von einem unsichtbaren Seil emporgewirbelt wurde.
“Den sehn wir hoffentlich nicht so schnell wieder,” grummelte Jack. “Eingebildeter Lackaffe!
Also Freunde, ... Buffy und... Blutsauger! Flugzeug, Motorjacht, Fahrräder... was habt ihr uns denn so anzubieten?”
“Naja,” Buffy zögerte. “An der Schnellstraße da vorne hält ab und an mal jemand um einen Anhalter mitzunehmen.”
“Worauf warten wir dann noch?”
“Moment mal, Jack! Glaubst du wirklich, dass jemand, der noch bei Trost ist mitten in der Nacht vier gestandene Kerle mitnehmen würde.”
“Uhm,” Jack fuhr sich durch die Haare. “Dann überfallen wir also einen Wagen!”
“Nein,” Curtis verdrehte die Augen. “Ich dachte fürs erste mehr daran, dass wir uns aufteilen sollten, wenigstens unsere Zahl halbieren. Mit wem von uns würdest du denn gerne.... ?”
“Ich arbeite allein!”
“Ist klar, Chase, du gehst mit Jack!”
“Hey!”
“Schluss jetzt mit den Kindereien! Ich bin der Chef und ich halte keinen von euch mehr aus!”
“Na gut,” grummelte Chase. “Das hat Chapelle auch immer gesagt, oder Chloe, oder Tony, oder Michelle, oder... .”
“Ja, Chase, es reicht! Pass lieber auf, dass Jack einige Zivilisten am Leben lässt, oder willst du Amerika im Alleingang neu bevölkern?”
“Also ich weiß nicht... .”
“Du machst das schon, Junge!”
“Ok, Bill!”
Chase blinzelte gerührt über das entgegengebrachte Vertrauen und hechtete Jack hinterher, der bereits Richtung Highway davon gestürmt war.
“Jack... Kumpel... !”
“Na endlich,” seufzte Curtis. “Geben wir ihnen vorsichtshalber noch ein wenig Vorsprung. Ich hoffe Gott ist den Autofahrern gewogen!”
Chase erreichte die Straße in dem Moment, in dem Bremsen in ohrenbetäubender Lautstärke aufkreischten.
Jack stand mit gezückter Kanone inmitten der Fahrbahn.
“Ja, Sie wünschen?”
Gewandt schubste Chase ihn beiseite und setzte sein gewinnendstes Lächeln ein.
“Ist dir nicht gut, Chase?”
“Ähm, wären sie so freundlich uns nach L.A. mitzunehmen? Es ist von größerer Bedeutung, als Sie es sich jemals erträumen würden!”
“Aha.”
“Nun lassen Sie uns schon rein, sonst werde ich ungemütlich!”
“Jack!”
“Was denn?”
“Kein Problem, Freunde! Wie der Prophet schon gesagt hat... .”
“Jaja, mach hin, Chase!”
“Sagen Sie mal,” Jack warf einen kritischen Blick auf die Gestalt hinter dem Lenkrad. “Sie kommen mir so verdammt bekannt vor.”
“Nunja, Mr. Bauer, um ganz ehrlich zu sein, sie kannten meinen Schwippschwager!”
“Tja, Habib war schon immer unser Sorgenkind.”
“Ähm Habib Marwan? Verdammt!” Jack errötete verlegen. “Da sind Sie ja vermutlich ein wenig ärgerlich auf mich!”
“Ach was! Sie haben doch auch nur Ihren Job gemacht, genau wie er!”
“Das finde ich aber ganz reizend von Ihnen. Darf ich Sie daraufhin auf ein Bier einladen?”
“Jack!”
Wieder quietschten die Bremsen ärgerlich. “Also irgendwann ist aber Schluss... ein Mindestmaß an Taktgefühl könnte man doch... .”
“Wie bitte?”
“Jack, verdammt... Alkohol... da kannst du doch gleich Rippchen anbieten!”
“Bin Vegetarier!”
“Raus aus meinem Auto! Kein Wunder, dass hier alles den Bach hinunter geht,” murmelte der  zutiefst verletzte Fahrer.
“Na gut!” Jack zuckte mit den Schultern und kletterte aus dem Wagen.
“Taxi!”
“Wart auf mich,” rief Chase verzweifelt hinter ihm her und wandte sich noch einmal entschuldigend an ihre Mitfahrgelegenheit. “Glauben Sie mir, wir Amerikaner sind nicht alle so ungehobelt, ...wenn gleich die meisten natürlich... .”
“Chase, kommst du?”
“Verzeihung allerseits!”
“Ein höflicher junger Mann,” murmelte Dinah Araz hinter ihrem Schleier. “Es zahlt sich möglicherweise doch aus diesem Land noch eine Chance einzuräumen.”

Mittlerweile hatte Jack es geschafft mit bloßen Händen den nächsten Wagen anzuhalten.
“Stop! Wir fahren mit! Moment mal... Ryan?”
“Jack?”
“Wer?”
“Na Ryan!”
“Jack!”
“Genau, wieso lebst du noch?”
“Nunja, du warst noch nie so ein As im Zielen und dann haben deine Hände auch ziemlich gezittert.”
“Tatsächlich? Gut, ich war vielleicht ein wenig abgelenkt... . Und Saunders hat nix gemerkt?”
“Ach, nachdem die Filmcrew weg war, hat sich keiner mehr gekümmert. Bin dann nach New York, nachsehen was Claudia so macht, bisschen Schach gespielt... “
“Schon gut, interessiert nicht wirklich. Nimm uns mit!”
“Häh, für wie dämlich hältst du mich?”
“Also um ehrlich zu sein... .”
“Du warst damals drauf und dran mich kaltblütig zu ermorden, wer weiß was du heute mit mir anstellen würdest?”
“Nu sei mal nicht so empfindlich, Ryan!”
“Keine Chance, Jack.”
“Wer war das schmächtige Bürschchen,” fragte Chase verwirrt, dem davonbrausenden Wagen hinterher starrend.
“Also, wenn sonst nichts mehr hilft, dann wirst du wohl ein wenig Bein zeigen müssen!”
“Waas, wieso ich?”
“Na, ich bin eindeutig zu männlich!”
“Aber da stehn auch welche drauf.”
“Hmm, Planänderung - wir laufen!”
“Einverstanden!”
* * * * *
“Lass uns hier Pause machen,” keuchte Chase erschöpft. “Ich muss etwas trinken.”
“Hast du mich vielleicht schon mal etwas trinken sehen?”
Chase errötete peinlich berührt, während er weiterhin versuchte mit dem Tempo, das sein Partner vorlegte, Schritt zu halten.
Doch wider Erwarten schien Jack Mitleid mit dem jüngeren Agenten zu empfinden und wies auf ein beleuchtetes Etablissement in der Ferne.
“Wer zuerst dort ist!”
Chase stöhnte, und bemühte sich, nicht allzu viel des Staubes einzuatmen, den Jack in Form einer Wolke zurück ließ, als er dem Ziel entgegen spurtete.
Chase bemühte sich Haltung zu bewahren, als er mit letzter Kraft in das Lokal stolperte. Sein Blick fixierte das kühle Nass, das Jack bereits für ihn geordert hatte, wobei sein Blick ohne abzusetzen an der blonden Tänzerin klebte, die, spärlich bekleidet, ihr Bestes tat, sich ohne ernsthafte Verletzungen davon zu tragen, um eine Stange zu wickeln.
Chase leerte sein Glas in einem Zug. “Pfui Deibel! Was ist das denn?”
Jacks mahnender Blick ließ ihn zehn Zentimeter schrumpfen.
“Limonade, Junge. Natürlich ohne Zucker, oder was glaubst du, das ich dir erlauben würde.”
“Ach Manno,” schimpfte Chase, vorsichtigerweise lautlos in sich hinein. “Ich bin schließlich über 21! Das ist echt nicht fair.”
Jack, der seinen Aufenthalt in Asien unter anderem zur Perfektionierung seiner telepathischen Fähigkeiten genutzt hatte antwortete mit einer stummen Zurechtweisung, die Chase empfindlich an lange verdrängte Erlebnisse aus seiner Teenager - Zeit erinnerte.
Seine Aufmerksamkeit auf die ungelenken Versuche der Künstlerin lenkend, konnte er sich dennoch schon bald eine abfällige Bemerkung nicht verkneifen.
“Die ist ja viel zu mager für eine Tänzerin. Und den Rhythmus trifft sich auch nicht... .”
Die letzten Worte blieben ungesagt, als Jack Anstalten machte ihn mit seinen Blicken zu töten.
“Der Job ist gar nicht so einfach... ich meine... diese Verrenkungen werden einem nicht unbedingt in die Wiege gelegt. Und außerdem... ,” er hustete. “Außerdem sprichst du von meiner Freundin.”
“Häh?”
Chase ging in Gedanken die Liste durch. “Hab ich irgendwas verpasst?”
Jack seufzte. “Es ist Audrey!”
“Was? Audrey! Aber ich dachte... .”
“Tja, offensichtlich waren unsere Freunde auch nicht auf dem neuesten Stand. Es sei denn...,” er überlegte einen Moment. “Es sei denn, es handelt sich um eines dieser Rollenspiele und Karen kommt gleich als Matrose verkleidet zur Tür herein. Ich erinnere mich, dass Audrey immer eine Vorliebe für Matrosen hatte, womit ich auch nie Probleme hatte, bis sie mich in diesen Matrosenanzug mit den kurzen Hosen stecken wollte... aber das gehört nicht hierher.”
Chase seufzte erleichtert, als Jack innehielt, hatten seine Ohren doch bereits feuerrot zu glühen begonnen.
“Ähm, dann sollten wir vielleicht lieber woanders hin... .”
“Quatsch, für ein wenig Romantik ist immer Zeit. Außerdem verspüre ich bis jetzt noch nicht diesen vertrauten Herzschmerz, der den waidwunden Blick in meine blauen Augen zaubert.”
“Ach nein?”
“Bin gleich wieder da!”
Chase nickte und schielte neidisch auf Jacks Drink, der sich leider bei näherem Hinsehen mitnichten als ein hochprozentiger Stimmungsaufheller, sondern als mit Mineralien angereichertes Leitungswasser entpuppte.
“Spielverderber,” grummelte er und beobachtete wie Jack mit harschen Worten die schockierte Dame von der Bühne kommandierte und die ungehaltenen Zuschauer auf die übliche überzeugende Art zum Schweigen brachte.
“Chase? Wie seid ihr... ? Wo ist Jack?”
“Wir sind gelaufen.” Chase wies wehleidig auf seine schmerzenden Füße. “Und ich bekomme nur Limonade.”
Curtis boxte ihn aufmunternd in den Arm. “Kopf hoch, Kleiner. Wir haben eine Mitfahrgelegenheit. Der Kerl ist echt flott!”
“Aha... wer denn?”
“Der Hübsche da, dem alle Damen und Bill zu Füßen liegen... alle Damen bis auf... Audrey?”
Chase schüttelte nur den Kopf. “Frag mich nicht, ich glaub sie wartet auf Karen, aber was weiß ich schon.”
“Wie auch immer... ich stell dich ihm vor!”
“J.B., hast du dein geschütteltes, gerührtes Dingsbums bekommen?”
“Aber sicher.” Ein strahlendes Lächeln begrüßte Chase, gewohnt Eindruck zu schinden, gewohnt zu bekommen, was auch immer der Besitzer sich in den Kopf setzen mochte.
“Bitteschön... lerne Chase kennen, Agent in Ausbildung...!”
“Hey!”
“Tschuldige..., natürlich ausgebildeter Agent... wo hab ich nur meine Gedanken?”
“Sicherlich bei seinem Auto!” Bill beugte sich verschwörerisch vor. “Das coolste Gefährt, das du jemals gesehen hast!”
“Wer ist diese heiße Schnecke, die sich noch nicht nach mir umgedreht hat?”
“Audrey Heller, James. Glaub mir, wir sind auch verwirrt sie zu sehen.”
“Und der kleine Blonde, der versucht sie abzuschleppen?”
“Ähm!”
“Ach... Chase?” Jack entdeckte die kleine Gruppe und nickte den Kollegen, ohne große Überraschung zu zeigen, bestimmt zu. “Curtis, Bill, Mr. Martini! Audrey und ich verschwinden mal eben kurz ins Heu!”
“Wie bitte?”
Jack zuckte mit den Schultern. “Hey... nichts essen, nicht schlafen, nichts trinken... irgendwo ist dann aber Schluß.”
“Ähem... seht euch aber vor, Kinder,” warf Bill ein. “Ich hätte da was zum Schutz dabei... mit Erdbeergeschmack!”
“Danke, Bill! Bist ein echter Kumpel!” Gekonnt fing Jack die Packung und zählte rasch durch.
“Ja, die dürften langen... sind in ‘ner Minute wieder da.”
“Das will ich aber auch hoffen,” brummelte Curtis in sich hinein. “Weiß denn überhaupt noch irgendjemand worum es hier geht?”
“Also ich nicht,” bemerkte James. “Aber mal ehrlich... die Kleine kann mich doch nicht gesehen haben, oder? Ich meine, wenn sie mich gesehen hätte, dann wäre sie doch mit mir in die Büsche, oder...?”
“Du meine Güte,” begann Curtis zu schimpfen. “Bin ich hier eigentlich der Einzige, der ein bisschen professionell handelt? Steckt jeder, der diesen Job ergreift voller Komplexe und Neurosen? Oder... oder sind diese tiefsitzenden Unsicherheiten erst der Grund dafür einen Beruf wie diesen zu ergreifen?”
Er verstummte nachdenklich. “Ich glaube ich bin da auf etwas gestoßen.” Ein befreites Strahlen breitete sich über seinen Gesichtszügen aus. “Möglicherweise... möglicherweise... wenn wir in Zukunft darauf achten, nur noch Agenten ohne Persönlichkeitsstörung zu beschäftigen, die demzufolge nicht mehr gezwungen sind ihre Unsicherheiten und Schwächen durch übertrieben gewalttätiges und gedankenloses Vorgehen zu kompensieren, vielleicht würde uns das den Weg in eine gewaltfreie, vernunftdiktierte Zukunft weisen!”
“Häh?”
“Egal! Chase, guck mal nach, ob Jack schon fertig ist!”
“Was? Wieso immer ich?”
“Also Bill geht sicher nicht.... Bill?” Curtis schubste den älteren Mann unsanft an. “Grins nicht so dämlich... . Du glaubst doch nicht wirklich, dass das ausreichen wird um Karen in deine Arme zurückzutreiben.”
“Na ja, ich dachte... .”
“Vergiss es, der Zug ist abgefahren. Glaub es mir... ich kenne die Frauen.”
“Also wenn es darum geht, bin eigentlich ich derjenige, der... .”
“Jaja, schon gut James, nicht jede steht auf eingebildet.”
“Wie bitte? Das ist ja wohl die Höhe. Also Sie kommen mir nicht mehr in meinen Astin Martin.”
“Hab ich doch gar nicht nötig... Bill, kommst du?”
“Also ich würde ja schon gerne mit Mr. Bond hier... immerhin bin ich auch nicht mehr der Jüngste und der Weg bis L.A. ist doch recht beschwerlich.”
“Typisch! Aber wie heißt es doch so treffend: Der Starke ist am mächtigsten allein?”
“Nun denn... auf jeden Fall sollte man Reisende nicht aufhalten.”
“Ich hab schon verstanden, Mr. Spezialagent. Also übernimmt jetzt England das Kommando!”
“Moment, wir wollen doch nicht, dass das Ganze hier in Kompetenzstreitigkeiten ausartet... .”

“Ja, was ist denn hier schon wieder los?”
“Jack!” Bill warf einen anerkennenden Blick von seiner Armbanduhr auf den Kollegen.
“Respekt! Das ging schnell.”
“Nun, wenn man insgesamt nur 24 Stunden zur Verfügung hat... .”
“Verstehe!”
Audrey seufzte und zog ihren Lippenstift nach. “Schon gut, Jack, ich verstehe das auch.”
James schlängelte sich interessiert näher. “Eine Frau wie sie benötigt sicherlich jemanden, der ihnen die gebührende Aufmerksamkeit zukommen lässt.”
“Hey! Was fällt Ihnen ein, Sie... Sie... Sie... Brite!”
“Pah! Wir hätten Euch damals niemals in die Freiheit entlassen sollen! Schauen Sie sich nur an, was Leute wie Sie alles angerichtet haben... !”
“Hey... also... ich...,” Jack wirkte für einen Moment sprachlos, bevor er zu altbewährten Methoden zurückfand und den Anderen mit einem gezielten Schlag außer Gefecht setzte.
“Meine Nase! Sind Sie verrückt? Wissen Sie was mich die gekostet hat?”
“Nicht so viel wie ihr Auto, das ich mir jetzt ausleihen werde... das Schicksal der freien Welt steht auf dem Spiel! Kommst du Chase?”
“Nee!”
Jack hielt verdutzt inne.
“Ja, wieso denn nicht?”
“Na irgend jemand muss sich ja um den Rest des Planeten kümmern... und dann... hab ich mich entschlossen bei James anzuheuern!”
“Was?”
“Von ihm kann ich noch richtig was lernen.”
“Wie?”
“Und er lässt mich fahren und Martini trinken.”
“Ich hab mich wohl verhört.”
“Außerdem kommt er mehr rum. Immer nur L.A. geht mir auf die Nerven.”
“Ja, aber... .”
“Vergiss es, Jack. Irgendwann werden sie flügge,” wand Bill ein. “Lass ihn ziehen!”
“Na gut... aber dann will ich auch das Auto nicht.”
“Jack, nun sei mal nicht albern... .”
“Ach lassen Sie ihn doch,” presste James hervor. “Ich nehm dafür die Frau und den Kleinen mit.”
“Ach ja, würden Sie das tun? Sie könnten mich bei meiner Freundin absetzen.”
“Audrey!”
“Sei mir nicht böse, Jack. Ich war im Zweifel, aber du hast mir wieder die Augen geöffnet. Karen wird mir sicher verzeihen, dass ich meine künstlerische Ader ausleben wollte.”
“Nun ja, sie musste dir auch nicht beim Tanzen zusehen.”
“Wie bitte?”
“Nichts, Schatz! Du tanzt wundervoll! Wie eine Elfe.”
“Können wir dann, Mr. Bond?”
“Aber sicher, meine Liebe. Kennen Sie zufällig einen guten Schönheitschirurgen... ich wollte mich ohnehin verändern... .Kommst du, Junge?”
“Da gehen Sie hin,” seufzte Bill, als die drei einträchtig den Raum verließen. “Na, ich hoffe, wenigstens du bist zufrieden, Jack. Hättest du dir nicht ein wenig mehr Mühe geben können?”
“Hey,” empörte sich der Angesprochene. “Ich habe mein Bestes getan. Dich möchte ich mal sehen nach monatelanger unmenschlicher Folter, ganz zu schweigen von dem Jetlag und... .”
“Schon gut!” Curtis wurde langsam unruhig. “Also, da wir nun einen Mann verloren haben, sollten wir uns umso mehr ins Zeug legen, den Fall aufzuklären.”
“Den Fall?”
“Na ja... was auch immer... auf ins Studio... äh nach Los Angeles. Wir nähern uns dem Finale!”  * * * * *

Einträchtig joggten die drei Agenten die mittlerweile spärlicher befahrene Landstraße entlang in Richtung eines ungewissen Schicksales, als ihnen mit einem Male drei Gestalten in langen schwarzen Umhängen den Weg versperrten.
“Na Kinder, so spät noch unterwegs?” fragte Jack, nachdem er wieder zu Atem gekommen war, unnötig zu erwähnen, dass er dafür nur Sekundenbruchteile benötigte, während der arme Bill erst einmal dankbar in Curtis Armen kollabierte.
“Eigentlich ist die Zeit doch schon vorüber in der ‘ Süßes oder Saures ‘ gespielt wird, auch wenn eure Kostüme wirklich sehr passend sind, sogar mit Besen und Zauberstab.”
Die drei sahen sich fragend an. “Ähm, wir laufen immer so rum, ist quasi unsere Dienstkleidung , Mr. Bauer,” antwortete schließlich der Größte der drei und starrte den blonden Agenten, den er doch um mindestens einen Kopf überragte, zweifelnd an.
“Ihr kennt meinen Namen?” Jack wirkte sofort alarmiert.
“Nun ja,” wandte das Mädchen ein. “Wir haben Sie mit unserer Kristallkugel ausfindig gemacht... wir brauchen ihre Hilfe.”
“Ach! Ich bin nur gerade momentan äußerst beschäftigt... es tut mir wirklich leid... .”
“Wir haben gehört sie lösen Fälle in lediglich 24 Stunden, die Werbezeit abgezogen, weshalb wir den weiten Weg gemacht haben um sie zu treffen.”
Jack seufzte entnervt. Aber immerhin waren es Kinder, und wer konnte Kindern schon etwas abschlagen? Jack mit Sicherheit nicht.
“Also, worum geht es?”
“Naja,” druckste der Anführer der Bande herum.”Wir schlagen uns mittlerweile schon sechs, bald sieben Bände mit ein und demselben finsteren Mistkerl herum, dessen Namen nur in Ausnahmefällen genannt werden darf, und verlieren so langsam die Geduld.”
Er sah sich nervös um. “Immerhin, noch sind wir jung, aber... nunja... wir möchten ja nicht, wenn wir so alt sind wie Sie immer noch den gleichen Ärger am Hals haben... das verstehen Sie doch sicher?”
“Moment!” Jack hatte nicht so genau zugehört, Bills Schnarchen hatte ihn kurzfristig abgelenkt. “Wollt ihr damit sagen, dass ich alt bin?”
“Nein, nein... um Gottes Willen..., “ beeilten sich die Kinder zu versichern. “Wir wollen nur wissen wie wir diese Ausgeburt des Bösen loswerden können, ohne dass noch mehr von unserer Zeit den Bach heruntergeht.”
“Naja,” überlegte Jack. “Ich bin zwar schnell, aber dafür gehen meine Einsätze niemals ohne Verluste ab, ganz zu schweigen von meinem katastrophalen Privatleben... .” Er schüttelte den Kopf. “Nein Kinder! Guten Gewissens kann ich euch diese Vorgehensweise nicht empfehlen. Es ist ja auch eine Kostenfrage, der unerschöpfliche Vorrat an Waffen und Munition, die zahllosen Explosionen wollen ja auch bezahlt werden... und ich bezweifle, dass eure Produktionsfirma dafür geradestehen wird. Anders natürlich, wenn ihr ein wenig patriotischen, reaktionär eingefärbten Hintergrund einbaut, der an wenigen geeigneten Stellen in Frage gestellt werden darf um auch den intellektuellen Zuschauer bei der Stange zu halten.... aber ich schweife  mal wieder ab... .”
“Ach... nun... in diesem Fall... kehren wir vielleicht doch lieber zurück zu der altbewährten Zauberkunst,” ließ sich das Mädchen hören.
“Sehr vernünftig,” nickte Jack. “Obwohl du, als Rothaarige sogar eine recht gute Überlebenschance besitzt... anders steht es mit dunkelhaarigen Helden...,” er blickte Harry skeptisch an, der vorsichtshalber gleich ein paar Schritte zurückwich.
“Ähm, das ist gut zu wissen, Mr. Bauer. Danke für den Tip.”
“Hey!” Jack fing Curtis’ vorwurfsvollen Blick auf, reagierte gewandt mit einem Schulterzucken. “Sorry Curtis... ich dachte du wüsstest das.”
“Aber... aber... .”
“Na komm schon, Bill dürfte jetzt ausgeschlafen haben und dort hinten kommt eine Mitfahrgelegenheit. Sollen wir die Kinder mitnehmen?... Kinder?”
“Sind schon davongeflogen,” brummelte Bill, der langsam wieder zu sich kam und das sich nähernde Auto bemerkte.
“Oh mein Gott... mit dem fahre ich aber nicht mit.”
“Wieso?” Jack starrte ihn erstaunt an. “Auto ist Auto.”
“Aber darin sitzt mein Hausarzt und ich rede nicht mit Ärzten.”
“Ja, aber... wie... ich meine, wie funktioniert dann die Behandlung?”
“Ooch, das klappt gut, er redet auch nicht mit mir.”
“Schluss mit dem Quatsch,” sprach Curtis ein Machtwort und öffnete mit energischem Ruck die Tür des gerade angehaltenen Wagens.
“Sie nehmen uns mit... FBI,... äh... will sagen... CTU!”
“Mist! Mein Leben ist die Hölle!” erklang eine dunkle Stimme vom Rücksitz.
“Waaaas? Das ist doch chili-scharf,” quietschte es beinahe zur gleichen Zeit.
“Klappe, ihr zwei! Ich nehme grundsätzlich keine Patienten mit! Drück auf die Tube, Wilson!” kommandierte Dr.House seinen jüngeren Kollegen, nachdem er einen abschätzigen Blick auf Buchanan geworfen hatte.”
“Also das ist mir jetzt aber echt zu albern,” sagte Curtis nachdenklich und blickte dem davonbrausenden Gefährt hinterher.
“Wieso... was waren das für Typen?”
“Naja!” Curtis druckste ein wenig herum. “Sahen aus wie ... ein Brot und ein Schaf.”
“Ok, der Tag war lang!” Jack sah ihn mitleidig an. “Niemand macht dir Vorwürfe, aber nun wird es allerhöchste Zeit. Moment mal... sieht das dort nicht aus wie ein Tourbus?”
Zwei Minuten später befanden sich die drei in bester musikalischer Gesellschaft, auch wenn ihre Plätze etwas unbequem waren. Aber da ‘The Burden’ ihr Einkommen mit dem zeitigen Transport von Christbäumen etwas aufzubessern gedachte, waren eben nur noch wenige etwas stachelige Plätze übrig geblieben. Und da Jack versicherte es mit jedem Weihnachtsbaum, ob geschmückt oder ungeschmückt aufnehmen zu können, stand der Rückkehr in die Stadt der Engel nichts mehr im Wege.
Allerdings begannen sowohl Jack als auch Bill nach einigen zurückgelegten Meilen ihren musikalischen Kollegen zu beneiden, der, nachdem er sich angeboten hatte die Background Vocals mit einer harmonischen Bassstimme zu unterstützen, umgehend nach vorne gebeten worden war, wo er auf Roccos Schoß Platz nehmen durfte, der sich nicht lange lumpen ließ und einen ergreifenden Blues zu Gehör und zu Papier brachte.
“Uhm... Curtis... was machst du da?”
“Du hast selbst gesagt Jack, dass es mit meinen Überlebenschancen nicht zum Allerbesten steht. Und da frage ich mich doch, ob ich meinen Fans diesen herben Verlust zumuten kann, oder ob ich nicht lieber gleich meine künstlerische Ausdrucksform grundlegend ändern und einer Rockband beitreten sollte. Es gibt noch immer zu wenig Afro-Amerikaner im Rock Business... ist uns für gewöhnlich zu eindimensional, aber... man kann ja seine Ansprüche herunterschrauben.”
“Öööööh, na gut... Bill, was meinst du?”
“Ist mir doch mittlerweile wurscht, hauptsache ich komme endlich aus diesem vermaledeiten Nadelhaufen heraus... .”
“Bill... du bist wirklich nicht für den Außendienst geschaffen,” seufzte Jack.
“Wem sagst du das,” nickte Bill. Deshalb springe ich auch gleich da vorne bei der CTU ab und lenke die weiteren Geschicke von meinem gemütlichen Büro aus. Tut mir leid, Jack. Von nun an bist du auf dich allein gestellt.”
“Als ob das etwas Neues wäre,” brummelte Jack und beobachtete Bills Rückzug mit unverhohlenem Neid, bevor er das Wort an seine Mitreisenden richtete.
“Hey Jungs... wohin geht überhaupt die Reise?”
“Zur größten Show der Welt... wir liefern die Dekoration für die vorgezogene Oskarverleihung.. ,” keuchte Rocco, dem Curtis nun doch ein wenig zu schwer wurde.
“Vorgezogene was?”
“Seit dem Siegeszug des Fernsehens greift die Academy zu verzweifelten Maßnahmen um sich zumindest einen Teil der gewohnten Popularität zu sichern. Sie versucht Thanksgiving, Weihnachten, Sylvester und den Valentinstag zu einem gigantischen Event zusammenzufassen, um wenigstens noch einige wenige Zuschauer anzulocken.”
“Aha!”
In Jacks brilliantem Gehirn drehten sich die Räder, wurden Theorien entworfen und wieder verworfen, Schlüsse gezogen und blitzartig raffinierte Pläne erdacht.
“Ein Handy!” orderte er entschlossen.
“Gebt dem Mann ein Handy,” unterstützte ihn Curtis, sozusagen als seine letzte Amtshandlung.
“O’Brien! Wer stört? Bin mitten in den Aufräumarbeiten und habe keine Zeit für Albernheiten.”
“Ich bin’s, Jack...,” wurde sie rüde unterbrochen, während der Störenfried Chloes kurzfristige Sprachlosigkeit nutzte um den Tourbus mit einem entschlossenen Sprung zu verlassen. Diese Künstler ließen sich einfach in allem zu viel Zeit!
“Chloe... ich... ich brauche deine Hilfe. Es ist ein Notfall eingetreten... eine Katastrophe und es ist alles meine Schuld.”
“Deine Schuld? Aber wie denn.... ? Jack?”
Jack versuchte verzweifelt die Kontrolle aufrecht zu erhalten.
“Die Folter, Chloe... diese Qualen... diese Unmenschlichkeit... ich sage nur... Zen...,” er schluchzte. “Ich bin zusammengebrochen, Chloe, ich habe ihnen alles gesagt. Und nun muss ich einschreiten, bevor das Schlimmste eintritt. Suche mir eine Adresse heraus und benachrichtige den Präsidenten, egal welchen und die Academy. Uns geht die Zeit aus... .”
* * * * *

“In Ordnung, Jack... kein Problem... oh Gott... ist das Bill? Was macht der denn schon wieder hier... .”
“Vergiss ihn, “ bellte Jack. “Wir müssen Prioritäten setzen. Sag mir wo ich hineilen muss!”
Chloe gehorchte, selbstverständlich, sofort und umgehend und Jack strebte nach erhaltener Information zielsicher in Richtung des VIPs Bereich der bevorstehenden Festivität, erreichte schließlich, nachdem er einige der große Namen tragenden Darsteller gründlich verstört hatte, die größte und prunkvollste Garderobe von allen, die leider schon wieder verlassen war.
“Verdammt..., “ fluchte er und griff erneut nach dem Telefon.
“Chloe... wir verlieren zuviel Zeit.”
“Ich weiß,” schnappte Chloe zurück. “Was trödelst du auch so herum? Der Präsident ist schon längst im Saal eingetroffen und dabei sich Autogramme zu besorgen. Mit ihm kannst du nicht mehr rechnen.”
“Und nochmal verdammt,” keuchte Jack. “Dann bleibt mir nichts anderes übrig als an die Öffentlichkeit zu gehen... .”
Und mit einem gewagten Sprung manövrierte er sich auf die prachtvoll ausgestattete Bühne, klopfte sich rasch den Sand aus den Jeans um mit erhobenem Kopf und sich keineswegs seines deplazierten Aufzuges bewusst, schnurstracks auf die erstaunten Prominenten zuzuschreiten, die soeben dabei waren unter munterem Geplänkel den festlichen Abend einzuleiten.
Jack räusperte sich nervös, bevor er den erstaunten Redner, der nichtsdestotrotz in seinem Monolog fortgefahren war, beiseite schubste und das Mikrophon an sich riss.
“Ähem... die Sache ist hiermit abgeblasen...,” stammelte er zögernd und dennoch mit unerbittlicher Konsequenz.
“Ja, aber... .”
“Ich meine... ,” fuhr er fort, langsam in Fahrt kommend. “Schluss mit dem Unsinn. Davon abgesehen, dass ich mich ohnehin frage, wie erwachsene Menschen ihre Zeit mit so einem  Quatsch vergeuden können, sich um kleine hässliche Statuen zu streiten... .”
“Na hören Sie mal, Sie Prolet! Was erlauben Sie sich eigentlich... ?”
Jack erhob seine Stimme. “Ich erlaube mir Sie alle darüber aufzuklären, dass Sie einem Betrug aufsitzen, einer Verschwörung internationalen Ausmaßes... dass Sie die Opfer einer kriminellen Täuschung geworden sind, deren Folgen noch gar nicht abzusehen... ach was soll ‘ s... . zeigen Sie mir die Umschläge!”
“Aber die Ergebnisse sind streng geheim!”
“Hah! Von wegen.”
Kurz entschlossen zog Jack seine Waffe, worauf die Damen im Saal es vorzogen in Ohnmacht zu fallen oder in panisches Geschrei auszubrechen.
“Die Umschläge... Millionen von Menschenleben... äh.... auf jeden Fall ist es wichtig!”
“Aber nur unter Protest... .”
Schweren Herzens und unter dem enttäuschten Seufzen der Zuschauer überreichte der Präsident der Akademie, der leider anonym bleiben wollte, dem Agenten die unbezahlbaren Papiere.

“Freu dich nicht zu früh, Jack! Noch hast du nicht gewonnen... hehehe!”
“To... Anton... oder wer auch immer? Was hast du Verbrecher hier zu suchen?”
“Du wirst mir nicht in meine Pläne die Weltherrschaft zu erlangen hineinfunken!”
“Ja, aber... .”
“Es ist zu spät Jack.... du hast verloren! Du hast in dem Moment verloren, in dem du den geheimen Zugangscode zu den mathematischen Formeln mit deren Hilfe die Oskargewinner ermittelt werden, an China preisgegeben hast.”
“Aber... woher weißt du... wisst ihr...,” verbesserte sich Jack, nachdem er die anderen beiden grinsenden Tonis im Hintergrund entdeckt hatte.
“Hahaha... gib es auf, Jack! Du wirst unsere komplizierten Gedankengänge niemals nachvollziehen können... .”
“Glaubt ihr wirklich?”
Jack wedelte mit den Umschlägen, die er todesmutig immer noch festhielt.
“Ihr glaubt also ich wüsste nicht was hierin steht, besser gesagt... wer?”
Triumphierend blickte er um sich.
“Los Jackie - zeig dich, Mann!”
“Kann mir vielleicht irgend jemand endlich einmal erklären was hier los ist!”
Ein noch unvollständig bekleideter, leicht zerraufter Jackie Chan wurde unsanft auf die Bühne gezerrt. Jacks Augen weiteten sich beim Anblick des den armen Jackie herumschubsenden Agenten.
“Keith Palmer! Junge - du hast es also tatsächlich in die CTU geschafft! Gratuliere!”
“Logisch... Ich meine... Paps und du... ihr habt ja darauf bestanden. Ich persönlich hätte ja lieber... .”
“Jaja... das klären wir ein andermal.”
“Also... warum sollte ich nun mit meinem Lieblings-Action-Star so rüde umspringen?”
“Nur nicht zimperlich mit den Verdächtigen... das wirst du auch noch lernen... .”
Endlich richtete unser heldenhafter Agent seine Aufmerksamkeit auf den geplagten Schauspieler.
“Sorry Jackie... aber du weißt es ja... mit der Jugend von heute muss man Tacheles reden.”
“Schon klar - wenn ich da an meine Kindheit in der Peking Oper denke... !”
Der drahtige Kampfsportspezialist  wandte sich abrupt um. “Aber nun zum Thema! Was soll der Schwachsinn? Erst werde ich hierher zitiert, auf die Bühne verfrachtet... und das, wo ich Preisverleihungen hasse... .”
Er warf einen verächtlichen Blick in die Runde der zur Designer Werbung degradierten ehemaligen Charakterdarsteller.
Jack sah ihm verständnisvoll in die dunklen Augen, bevor er ihm mitfühlend auf die Schulter klopfte.
“Jackie... mein Freund und Kollege, ... mein Ausbilder in der hohen Kunst des Kung Fu... .”
“Nur, ... dass du es nie so richtig begriffen hast, mein blonder Grünschnabel.”
“Ähm... nun ja... also ich muss dir etwas sagen, auch wenn es mir sehr schwer fällt.”
Er seufzte herzerweichend.
“Du bist zum Spielball übler Mächte geworden, ein fataler Umstand, an dem ich dummerweise nicht ganz unschuldig bin... .Sieh her!”
Jack winkte Keith zu sich, der sich weniger begeistert zeigte, zumal er gerade Blickkontakt mit der hinreißenden Halle Berry aufgenommen hatte.
“Öffne die Kuverts, Junge!”
Ein empörtes Raunen ging durch die Menge, als Keith tat wie ihm geheißen, und so der Veranstaltung den Höhepunkt zu entreißen drohte.

“Das wird dir auch nichts mehr nutzen,” höhnten drei Stimmen aus dem Off. “Es ist zu spät... .Die Gewinner stehen bereits fest. Hihihihi!”
Jack und Jackie sahen sich an und rollten mit den Augen. “An der finsteren Lache müsste aber noch gefeilt werden... wie ist die Lage, Keith?”
“Der Oskar für Spezialeffekte... Kostüme... Korrektur der Übersetzung der Vorlage des Originaldrehbuchs.... Komposition der Hintergrundmusik für den Nachspann des dokumentarischen Kurzfilmes mit den meisten Untertiteln... geht an... .”
Keith sah verblüfft auf.
“Der Gewinner in jeder einzelnen Kategorie und der Zusatzzahl lautet:
Jackie Chan.”
“Wie jetzt? Ich hab doch gar keinen Film im Wettbewerb... ,” stammelte Jackie verblüfft. “... Nicht dass ich direkt beleidigt wäre, aber ich frage mich doch wie... .”
“Hehehe...!” Mit einem Donnerknall und in wabernde Nebelschwaden gehüllt tauchten die drei Tonis aufs Neue wie aus dem Nichts auf - von überraschenden Auftritten konnten sie einfach nicht genug bekommen -  und kicherten geschmacklos.
“Ist das denn nicht offensichtlich?”
“So ist es!” Jack warf ihnen einen vernichtenden Blick zu.
“Es ging von vornherein um nichts Geringeres as die unwiederbringliche Zerstörung der letzten Festung amerikanischer Lebensart und Geschichte. Nehmt uns unsere Filmgötter... und ihr nehmt uns unsere Existenzgrundlage... unsere Daseinsberechtigung... unseren Willen zum Überleben.”
“Häh?”
“Selbstverständlich kannst du das nicht verstehen, Jackie. Das versteht nur ein waschechter Amerikaner.”
“Aber du kommst doch aus Kanada?”
“Ähm... ich hab aber Einfühlungsvermögen.”
Leicht irritiert, dennoch ungebrochen setzte Jack seinen Vortrag fort, ungeachtet der Tatsache, dass der ein oder andere Zuschauer, da es gerade nicht um ihn ging, ein Gähnen nicht unterdrücken konnte.
“Der Punkt ist... sobald sämtliche verfügbaren Filmpreise an asiatische Großmächte fallen, wird das schlichte Gemüt des durchschnittlichen Amerikaners fatalerweise in Verwirrung gestürzt. Es kommt unvermeidlich zu Panikzuständen, Massenfluchten, Auswanderungen, Liberalisierung, Zusammenbruch des Wirtschaftssystem, Abschaffung der Todesstrafe, Börsenkrächen und weitaus Schlimmeren.”
“Aha!”
“Die perfekte Möglichkeit für machthungrige Drillinge das Unterste zuoberst zu kehren und sich schamlos an der Verzweiflung des einfachen Mitbürgers... äh der unvorstellbar reichen Elite zu weiden und diese zu ihren Zwecken auszunutzen.”
“Hihi..., du vergisst, dass wir die unbrauchbar gewordenen Filmstudios und die billiardenschwere Industrie in den unbedeutenden Rest der Welt verschieben, der damit ausreichend beschäftigt sein dürfte um uns nicht mehr in die Quere zu kommen.”
“Aha,” bemerkte Jackie. “Das hört sich ... nun ja ... ein wenig irre an. Und das habt ihr zu dritt ausgebrütet?”
“Darf ich vorstellen: Anton... und... ähm...  Tino oder so.... und...  wie war doch gleich der Name?”
“Haha... bald werden unsere Namen in Leuchtbuchstaben am Nachthimmel stehen.”
“Und am Tageshimmel?”
“Genau... auch da.”
“Hmmm... . Sorry Jackie, dass ich dich da mit hineingezogen habe. Ich konnte ja nicht ahnen, dass unsere Freundschaft auf so schäbige Weise missbraucht werden würde.”
“Schon gut, Kumpel... aber sag mal... brauchst du für diese drei Pfeifen wirklich meine Hilfe?”
Jack schüttelte grinsend den Kopf.
“Ich hätte dann nämlich noch ein paar Stunts zu erledigen... für so einen Unsinn wie das hier fehlt mir wirklich die Zeit.”
“Weiß wie das ist... lass dich nicht aufhalten... .”
“Heh?”  
“Keine Sorge, um euch kümmere ich mich gleich! Keith... fesseln und abführen!”
“Ja, aber?”
“Nun irgendwann wirst du es lernen müssen!”
“Ok,” grummelte Keith. “Die sind nur größer als ich. Und zu dritt.”
“Ach Jott... Moment, ich zeig ‘ s dir noch ein letztes Mal.”
Das Folgende verlief zu unschön um geschildert zu werden. Bleibt nur zu sagen, dass die finsteren Verbrecher ihrer gerechten Strafe, also den unbarmherzigen Prügeln Jack Bauers nicht entgingen und froh waren, als die für ihre Milde bekannte Polizei aus Los Angeles die weitere Behandlung übernahm, während Jack seine Belobigung durch den Präsidenten am Handy entgegennahm, obwohl sie sich gegenüber standen... einfach der Gewohnheit wegen.
“Na endlich,” seufzte unser Held, nachdem er das Telephon mit einem energischen Klicken geschlossen, und schließlich eine gewisse Bewegung im Saal wahrzunehmen begann.
Kleine Grüppchen bildeten sich, Thriller links, Comedy rechts, Fantasy, Mystery, Science Fiction irgendwo dazwischen... .Gemeinsam war allen allein der langsam laut werdende Protest, der sich unaufhaltsam Bahn brach, der Wunsch nach blutiger Rache für eine brutal zerstörte Gelegenheit unbezahlbare Eigenwerbung zu betreiben.
Und auf wen richtete sich all dieser Hass?
Natürlich! Jack seufzte gottergeben und wandt sich an Keith, der nicht gerade glücklich war in seiner stummen Konversation mit Halle schon wieder unterbrochen zu werden.
“Ähm... mir langt ‘ s für heute. Bin dann weg. Geh nach Texas zum Rodeoreiten. Da ist es noch friedlich... die Menschen sind warmherzig und die wilden Stiere trampeln auch nur über einen hinweg, wenn sie unbedingt müssen.”
“Ist gut Jack,” murmelte Keith abgelenkt, erinnerte sich jedoch mit einem Mal, wenn auch widerstrebend seiner Verantwortung.
“Sorry, Mann! Ich kann dich dummerweise nicht gehen lassen. Ich weiß du wirst das verstehen... es ist etwas eingetreten.... kurzum... du musst wieder zurück nach China!”
“Was - wie.... wieso denn?”
“Nun ja,” er druckste verlegen herum, sichtlich unangenehm berührt, dass ihm schon wieder der unangenehme Part mit der Wahrheit herauszurücken zugefallen war.
“Wir müssen eben halbwegs im Serien- Canon bleiben... tut mir leid... Vertrag ist Vertrag... und außerdem ist es doch zum Wohle der Menschheit... äh unseres Landes.... ääh der Produktionsfirma... ähm... .”
“Ich verstehe schon.”
Jack seufzte noch ein letztes Mal, doch er verlor, wie sollte es auch anders sein, keinesfalls die Fassung.
Nein,... aufrecht... ungebrochen.... ein wahrer Held in der Tradition von Siegfried, Herkules... Batman ohne Verkleidung... schritt er seiner Zukunft in Form der folgenden nervenzerfetzenden , actiongeladenen Staffel entgegen.... unermüdlich... unaufhaltsam.... ein Mann wie ein Fels in der Brandung... eine Klippe im Sturm.... die letzte Bastion gegen die Niederungen menschlicher Grausamkeiten ... ein unzerstörbares Bollwerk im nicht enden wollenden Kampf zwischen Gut und Böse.... natürlich ein Bollwerk des Guten... nicht dass wir uns da falsch verstehen....
Nun ja... ihr wisst, was ich meine.... Jack eben!
Und ist das das Ende?
Natürlich nicht.... denn solange es wahre Größe und aufopfernden, unerschütterlichen Mut gibt...
... solange werden wir uns fragen, was Jack eigentlich gerade treibt.. ..
Lieber doch das Ende, bevor ich mich noch unbeliebter mache! :)
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