Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Das Medaillon der Finsternis

GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
Lara Croft
30.12.2006
10.04.2007
10
25.898
 
Alle Kapitel
22 Reviews
Dieses Kapitel
2 Reviews
 
 
30.12.2006 1.537
 
Das Medaillon der Finsternis



Es roch nach Orchideen, Rosen und Lavendel. Von irgendwoher war eine Melodie zu hören, die zarten Klänge eines Klaviers die sich mit dem Gesang einiger Singvögel vermischten.
Blumen und Efeu rankten sich die rötlichen Mauern eines Herrenhauses hinauf und schmückten den ehemaligen Sitz der Familie Henshingly Croft.
Ein kleines Plätschern war zu hören, nicht mehr als von einem Brunnen im Außenbereich, doch passend zur Stimmung dieses frühlingshaften, langsam ausklingenden Nachmittags.
Ein kleiner Vogel hatte gerade seinen Platz an einer Tränke im Garten gefunden und betrachtete vergnügt seine Umwelt.

PENG! PENG! PENG!

Völlig irritiert versuchte der kleine Piepmatz das Weite zu suchen, das Grollen und Krachen vom Inneren des Hauses hatte ihn fast sein ganzes Federkleid gekostet, so sehr hatte er sich erschrocken.
Noch schnell schimpfte er ihm einige Laute entgegen und floh dann in Panik, als irgendetwas zu Bruch ging.
„Verdammter Mist!“
Innen, es war eine Turnhalle, jedenfalls wäre es eine, wenn man auch die Dummies am dazu passenden Schießstand hinzu zählen würde, stand gerade eine junge Frau vorm letzten Rest einer Kletterwand.
„Darf ich Ihnen behilflich sein, Miss?“
Der Butler, gutmütiges und alt gewordenes Gesicht, doch mit wachen Augen ausgestattet, eilte in die Halle und trat neben die junge Frau.
„Nein, es geht schon, danke Winston! Heute ist einfach nicht mein Tag….ich weiß nicht, was los ist.“
„Sie haben den ganzen Tag nur mit Sport und Training verbracht junge Miss. Sie sind auch nur aus Fleisch und Blut und sollten sich den Rest des Tages ausruhen. Ich werde mich hierum kümmern.“
Die Frau ließ nach dieser kleinen Ansprache den Blick ihrer rehbraunen Augen durch die Halle gleiten.
Überall waren ihre Sachen verstreut, eine Sportjacke lag unordentlich in der Ecke, Wasserflaschen und Handtücher pflasterten den Weg der jungen Frau, Patronenhülsen ihre Treffer.
„Vielleicht hast du Recht.“
Es war ihr nicht peinlich, doch in ihrem Innern spürte sie, dass sie es heute doch vielleicht übertrieben hatte.
Normalerweise verfehlte eine Kugel aus ihrer 9mm nie ein Ziel und heute….heute war es das erste Mal.
Das sollte ihr zu Denken geben.
„Ich gehe in mein Zimmer, morgen ist auch noch ein Tag.“
„Wie Sie wollen.“
Der Butler deutete eine Verbeugung an und blickte zu den Überresten der Turnhalle, welche die Frau hinterlassen hatte.
Erst als er sich sicher war dass die Frau auch aus dem Raum ging, schüttelt er langsam den Kopf und fragte sich, ob er vor 40 Jahren auch so voller Energie gewesen war.
Ein großväterliches Lächeln erwärmte sein Gesicht und machte ihm seine Arbeit gleich viel leichter.

~ * * * ~

Sie hatte noch nie daneben geschossen…wenn man es genau betrachtete, so war auch dieser Schuss ein Volltreffer, genau in die Tragebalken, doch leider nicht geplant....
Tief in Gedanken trat sie die Treppe hinauf, etwas in ihrem Nacken tat weh und
höchstwahrscheinlich würden ihre Muskeln nach einem warmen Bad auch wieder besser funktionieren.
„Lara?“
Erschrocken drehte sie sich um, sie hatte gar nicht bemerkt, dass sie nicht allein war.
„Hallo Zip!“
Zip, ein Computerspezialist mit seltsamen Haaren aber unglaublichen Fähigkeiten winkte ihr knapp entgegen und trat auf sie zu.
„Mann, siehst du scheiße aus!“
„Du weißt, wie man einer Frau ein Kompliment macht. Warum bist du nur Solo…?“ Mit einem süßen Lächeln sah sie in das Gesicht des dunkelhäutigen Mannes und strich sich seelenruhig eine rotbraune Haarsträhne, die sich von dem Pferdeschwanz gelöst hatte, aus dem Gesicht.
Zip schielte verlegen auf den Boden und setzte zum zweiten Versuch an.
„Sorry Lara, ich meinte das nicht auf dein….ähm. Geht es dir nicht gut?“
„Ist alles in Ordnung. Was gibt´s?“
„Da war vorhin so´n Kerl hier, wollte dich sprechen. Was hast du da eigentlich gerade gemacht, klang so als würde dir die Farbe an der Wand nicht mehr gefallen...“
„Nicht die Farbe, das Holz. Lassen wir das Thema. Was für ein Kerl, kannst du etwas präziser werden?“
„Achso, ja. Komischer Typ, wirkte irgendwie abwesend. Geleckte Haare und piekfeiner Mantel. Hatte irgendwas Seltsames an sich. Schätze ihn mal auf 40. Wollte mit dir reden, hat aber keine Nachricht hinterlassen. Er meinte er kommt morgen wieder.“
„Umso besser. Kümmern wir uns morgen um ihn, mal sehen, was er wollte. Zip, ab jetzt keine Besucher mehr, ich gehe in mein Zimmer.“
„Alles klar, ruh dich aus. Du siehst echt fertig aus!“
„Danke.“

Lara setzte ihren Weg fort und war glücklich mit der Welt als die Tür zu ihrem Zimmer hinter ihr ins Schloss fiel.
Die letzten warmen Strahlen der Sonne erkämpften sich ihren Weg durch die dicken Buntglasfenster und legten einen sanften Zauber in den Raum.
Die ohnehin hohen Wände des Herrenhauses wirkten in diesem Schein noch edler, der eleganter Wandschmuck und die kirschholzfarbenen Möbel taten ihr Übriges um für pure Entspannung zu sorgen.
Auf dem Anrufbeantworter, der seinen Platz neben einem großen Schreibtisch gefunden hatte,  blinkte eine Nachricht, doch Lara beachtete sie nicht.
Das Badezimmer war nicht weit und schien förmlich ihren Namen zu rufen.

Kaum später spürte sie den weichen Schaum auf ihrer Haut, sog den Garten der Düfte in dem sie sich befand tief ein und genoss den Moment der Ruhe.
Es erforderte Konzentration jetzt nicht einzuschlafen doch dies schien kein Problem für Lara darzustellen.
Sie schloss genüsslich die Augen und lauschte dem Wasserplätschern das jede ihrer Bewegungen mit sich brachte.
Als sie fertig gebadet hatte türmte sie ihre Haare mit Hilfe eines Handtuches zu einem Turban und machte sich im Bademantel auf, in ihren Schlafbereich um sich, nur für einen Moment natürlich, in die Kissen zu kuscheln und die Wärme die ihr Körper nun gespeichert hatte noch etwas länger zu behalten.
Ein leiser Seufzer entglitt ihr, als sie sich in das moderne Himmelbett fallen ließ und ihren Körper in die vielen Schichten aus Kissen und Bettdecken drückte.
Es dauerte nicht lange und sie schlief ein.

Vor ihren Augen bildetet sich eine Szene, verschwommen und doch intensiv.
Es war kühl dort, kahl, feucht, eine Höhle….nein.
Nein, es war keine Höhle, es war etwas Ähnliches.
Es roch schwer, erdig und hinterließ einen unangenehmen Belag in der Kehle.
Dort war jemand, ein Mann, groß, in einem langen Mantel gehüllt, unter dem sich wahrscheinlich eine athletische Statur verbarg.
Das Gesicht war verborgen und doch wusste Lara, dass er sie ansah. Seine Augen zeugten von großer Verzweiflung dennoch wirkte dieser Mann nicht hilflos..
Er schrie etwas, doch Lara verstand ihn nicht, sie wusste nur dass es wichtig war.
Dann verschwand er, er verschwand im Nichts und hinterließ Dunkelheit, die so tief war, dass sie sogar ihren Namen verschlucken konnte.

Lara…Lara…Lara…….La….ra……

“Lara!...Lara!...Laaaraaa!....Lara?”
Wie eine aufgeschreckte Katze schnellte sie hoch und fixierte ihr Gegenüber.
Ihr fester Blick drückte Zip einen dicken Kloß in den Hals und hinterließen ein wachsendes Gefühl des Unbehagens.
Er schluckte, dann setzte er an.
„Tut mir Leid Täubchen, aber du hast geschrieen wie am Spieß. Du…ähm, du kannst meinen Arm jetzt loslassen!“
Mit einem kurzen Wink seines Fingers zeigte er auf seinen linken Oberarm, indem Lara´s Hand fest verkrallt war.
„Entschuldige.“
Sie ließ ihn frei und rieb sich die Stirn, nass und eiskalt.
„Miss Croft, es sieht so aus als würden Sie Fieber haben! Ich werde sofort Medikamente holen!“ Winston drehte sich um und trat neben Zip „Und du junger Mann kommst jetzt mit, die Lady wird sich nun ankleiden.“
Lara war immer noch im Bademantel und, auch wenn sie es nur ungern zugeben würde, etwas verstört.
Es war schon Morgen…hatte sie die ganze Nacht geschlafen?
Winston zog Zip am Hemdzipfel mit sich und war im Begriff das Zimmer zu verlassen.
„Was war los…ich muss etwas geträumt haben….Winston, es ist nichts, mir geht es gut! Ich kann…“
Lara wollte aufstehen musste ihr Vorhaben jedoch aufgeben, als sie eine Welle von heftigem Schwindel überkam.
„Lady, Sie können jetzt nicht aufstehen! Es dauert nicht lange, ich bin gleich zurück!“
Winston verließ das Zimmer und Zip wünschte Lara noch gute Besserung als die Tür zuging.
Lara hasste es hilflos zu sein, ans Bett gefesselt zu sein und vor allem hasste sie es krank zu sein!
In ihrem Leben hatte sie schon viele Extreme ausgehalten, sie war in eiskalten Fluten geschwommen ohne ein Niesen, durch Schnee gewatet ohne auch nur an eine lange Hose zu denken, ist von Klippen gesprungen und hatte dabei mehr Glück bei Knochenbrüchen, als manch andere Frau.
Und jetzt sollte sie so ein daher gelaufener Virus niederstrecken?
Niemals!
Sie hob ihre Beine und schob sie langsam von der Bettkante.
Die Welt schien sich gegen sie verschworen zu haben, so kam ihr diese Bewegung gestern nicht so kraftzehrend vor.
Es war bitterkalt auf dem Fussboden, das Patschen ihrer blanken Füße bestätigte dieses Gefühl.
Schnell fand sie in ihrem kleinen Ankleideraum einen Trainingsanzug und war stolz auf ihre Leistung, als sie ihn auch angezogen hatte.
Solange sie noch aufrecht stehen konnte war alles in Ordnung….noch vier Sekunden war es das, 3 noch 2….Lara lag auf dem Boden ihres Ankleideraums als Winston durch die Tür trat und zu ihr eilte.

~ * * * ~

Diese Fanfiktion habe ich schon vor einigen Monaten angefangen zu schreiben und mich nun endlich dazu durchgerungen sie auch zu veröffentlichen. *strahl*
Ich hoffe, dass euch das erste Kapitel gefallen hat und freue mich auf eure Reviews!^^ *lieb guck*
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast