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Wenn Wünsche wahr werden

GeschichteDrama / P18 / Gen
OC (Own Character) Wolverine / James "Logan" Howlett
12.12.2006
18.04.2021
37
200.072
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18.04.2021 6.644
 
Logan vergrub sein Gesicht in den Händen und versuchte sich wieder unter Kontrolle zu bringen, doch es führte lediglich dazu, dass er den Geruch, der ihm unnachgiebig in die Nase stieg, noch intensiver wahrnahm.
Ehrlich gesagt war er sich nicht einmal sicher, ob Cathys Duft tatsächlich noch da war oder ob er es sich einfach nur einbildete. Immerhin saß er auf einem frisch bezogenen Bett, die Laken rochen intensiv nach irgendeinem blumigen Waschmittel und bei seiner beinahe schon wütenden Suche nach der Duftquelle hatte er nichts gefunden, das ihr gehört haben könnte...
Er war beinahe sogar versucht gewesen die Matratze einfach auf den Flur zu schmeißen, bis er sich selbst zur Ruhe gezwungen hatte. Er wusste, dass es nicht an der Matratze liegen konnte. Es war mehr als drei Wochen her, dass Cathy sein Bett geteilt hatte und es war ja nicht so, als würde er gezielt nach ihrem Duft suchen.
Und doch...
Ihr Duft lag in seiner Nase und es machte ihn schier wahnsinnig.
Vielleicht sollte er einfach nach einem anderen Zimmer fragen...
Seine Finger krallten sich in seine Haare.
Wieso war er überhaupt noch hier? Seit seinem unfreiwilligen Gespräch mit dem Professor war sicher eine Stunde vergangen, und er war immer noch da.
Er hatte eigentlich nicht vorgehabt zu bleiben. Er hatte sofort wieder weg fahren wollen, der Professor konnte ihn ja nicht dazu zwingen hier zu bleiben.
Aber...
Er hatte sich davor noch vergewissern wollen, dass es Jean und den anderen gut ging. Natürlich hatte er ein schlechtes Gewissen gehabt, dass er die anderen vor zwei Wochen einfach zurückgelassen hatte, aber es war ja nicht so, als wäre es eine bewusste Entscheidung gewesen. Er hatte einfach weg müssen, er hatte nicht bleiben können, nach dem was er getan hatte.
Ich befürchte das Schlimmste.“, hatte der Professor gesagt.
Ein humorloses Lächeln huschte über seine Lippen, während seine Finger zu zittern anfingen. Selbst jetzt konnte er noch Cathys Blut auf seinen Fingern fühlen, wenn er sich nicht bewusst dazu zwang an etwas anderes zu denken. Und da er wieder stocknüchtern war, fiel es ihm immer schwerer dieses Gefühl erneut zurückzudrängen.
Verdammt, er brauchte einen Drink.
Oder zwanzig.
Alles in ihm schrie danach, die Schuldgefühle einfach wieder zu ertränken. Beinahe wünschte er sich die Taubheit der vergangenen Wochen zurück...
Er musste hier weg.
Aber er hatte Jean noch nicht gesehen...
Hank hatte er noch einmal kurz in der Küche angetroffen und, nach einigem Zögern, ein paar Worte mit ihm gewechselt und mit Ororo war er auf seinem Weg hierher zusammengestoßen. Aber Jean sollte er noch suchen und sich vergewissern, dass es ihr gut ging.
Er wusste noch, wie er sie das letzte Mal gesehen hatte, über Scott zusammengesunken und aus Nase und Ohren blutend, kurz bevor er in Cathys Richtung weiter geeilt war...
'Nein.'
Es war nicht Cathy gewesen.
Logan schüttelte den Kopf und atmete tief durch, bevor er den Entschluss fasste endlich  nach Jean zu suchen, damit er so bald wie nur möglich wieder aufbrechen konnte. Es war einfach nicht möglich, dass er noch einen Moment länger hier blieb, es wurde immer schwerer richtig zu atmen.
Es war, als würden die Wände immer näher rücken und einen kurzen Augenblick lang bildete er sich auch wieder ein, diese Schlinge um seinen Hals zu fühlen, die sich enger und enger zog...
Er wurde aus seinen Gedanken gerissen, als Marie zaghaft an seinen Türrahmen klopfte.
Logan seufzte tief und rieb sich einmal kräftig übers Gesicht, bevor er ihren fragenden Blick erwiderte. Ein paar Momente verstrichen, in denen sie sich einfach nur gegenseitig musterten.
„Hey,“ presse er schließlich hervor und musste sich wirklich anstrengen, damit es nicht allzu beißend klang. Er nahm es ihr übel, dass sie in dieser Kneipe aufgetaucht war. Wenn Marie nicht gewesen wäre, würde er wohl immer noch dort sitzen, auf bestem Weg in die ersehnte Bewusstlosigkeit.
„Alles in Ordnung?“, fragte Marie leise, doch Logan wandte seinen Blick ab, ehe er endlich die Kraft dazu aufbrachte aufzustehen und nach seiner Tasche zu fischen. Er konnte ja auf seinem Weg nach draußen Jean suchen...
„Logan?“
Er schnaubte, sah sie aber schließlich doch wieder an. Er musste sich wirklich, wirklich zusammenreißen um ruhig zu bleiben. Das Zittern war noch nicht aus seinen Fingern gewichen und er hatte gerade keine Nerven für irgendwelche Fragen.
„Nein, es ist nicht alles in Ordnung“, grollte er. „Ich wollte nicht zurückkommen. Nicht als ob man das hier respektieren würde...“
Marie sah ihn betroffen an, machte aber einen zögerlichen Schritt in das Zimmer hinein. Einen Augenblick sah es so aus, als wollte sie ihn berühren, sie zog die Hand aber im letzten Moment doch wieder zurück.
„Wir haben uns Sorgen um dich gemacht, Logan. Du bist einfach verschwunden, die anderen haben nicht sagen können, was mit dir passiert ist und der Professor hat dich in den ersten Tagen auch nicht finden können.“
Ihre Stimme nahm einen vorwurfsvollen Ton an, auch wenn sie sich sichtlich bemühte ruhig zu bleiben.
Logan runzelte die Stirn, während sich seine Finger enger um den Griff seiner Tasche schlossen und er sich einen Reim darauf zu machen versuchte, wie das überhaupt möglich sein konnte. Immerhin galt der Professor als der mächtigste Telepath der Welt...
Aber im Prinzip war es ihm ja egal.
Logan schnaubte leise und schob sich an Marie vorbei, hinaus auf den Gang, doch bevor er sich zur Treppe und auf die Suche nach Jean begeben konnte, krallten sich Maries Finger in seine Jacke.
„Wo gehst du hin?“
Er sah sie nicht an, versuchte lediglich ihre Hand abzuschütteln, aber sie ließ nicht los.
„Ich habe nicht gelogen, als ich gesagt habe, dass wir dich hier brauchen.“
„Lass los.“, knurrte er, doch entweder konnte oder wollte sie ihn nicht hören.
„Logan, bitte! Du kannst nicht einfach...“
Er riss sich von ihr los und drehte sich so schnell zu ihr um, dass sie erschrocken einen Schritt zurück wich.
„Was?!“, fauchte er sie an. „Was kann ich nicht? Hmm?“
„Ich...“, stammelte Marie und wich noch einen Schritt zurück.
„Ich wollte noch nicht zurückkommen, verdammt!“ Logan konnte sich gerade noch genug zusammenreißen, um sie nicht einfach anzuschreien. In seinem Inneren brodelte es und der Druck auf seiner Brust wurde nur immer stärker. „Ich kann nicht hier bleiben. Noch nicht!“
Er schlug mit seinem Arm gegen die Wand, um etwas von der Rage abzuleiten. Er wollte Marie nicht so angehen, aber er fühlte sich eingeengt, in die Ecke gedrängt und...
„Du meinst ich kann nicht einfach so gehen?! Wollen wir wetten?“
Logan wandte ihr den Rücken zu und setzte seinen Weg zur Treppe fort, ohne noch einmal zurück zu blicken. In dem Moment war es ihm egal wie verletzt sie aussah.
Er musste einfach weg.

****


Es war ihr Geburtstag.
Schon wieder...
Cathy seufzte leise und lehnte sich in ihrem Sessel zurück, nur um dann blicklos auf das Datum in ihrem Tagebuch zu starren. Sie konnte nicht wirklich glauben, dass bereits mehr als ein Jahr vergangen war, seitdem sie aus dem Koma aufgewacht war.
Wenn sie ehrlich war, dann fühlte es sich nicht wirklich so an wie ein ganzes Jahr. Die Zeit war so schnell vergangen, dass sie eher das Gefühl hatte, dass es nur wenige Wochen gewesen waren und nicht mehr als zwölf Monate...
Es war einfach so viel passiert. Die Reha, bei der es scheinbar ewig gedauert hatte, bis sie ihren Körper wieder unter Kontrolle gehabt hatte. Das Einleben zu Hause bei ihrer Familie und in der Schule...
Sie rieb sich mit der Hand ein Mal kräftig übers Gesicht, bevor sie lustlos in ihrem Tagebuch blätterte. Es gab jeweils einen Eintrag für jeden einzelnen Tag der vergangenen Monate, aber wenn sie das von ihr Geschriebene jetzt las hatte sie manchmal das Gefühl, dass es nicht von ihr stammt. Als hätte eine andere Person sich mit ihrem Tagebuch hingesetzt und sich alltägliche Ereignisse für sie ausgedacht...
Es war verrückt, das wusste sie.
Aber sie konnte den Gedanken dennoch nicht abschütteln. Es war genau so wie am Anfang, als sie das Gefühl gehabt hatte, Zeit zu verlieren...
Cathy schüttelte den Kopf und versuchte sich wieder auf etwas anderes zu konzentrieren.
Sie wusste nicht, wieso sie sich ausgerechnet heute so schlecht fühlte. Eigentlich sollte sie sich freuen, immerhin war sie mit ihren Eltern und Bruder fein essen gewesen und am Wochenende würde sie sich mit Anna und ein paar anderen Freunden treffen, um ihren Geburtstag auch nochmal zu feiern...
Sie freute sich ja auch. Aber gleichzeitig fühlte sie sich miserabel wie schon lange nicht mehr, obwohl sie gar keinen Grund dazu hatte.
Alles lief doch super.
Trotz ihrer anfänglichen Ängste kam sie in der Schule gut mit, im Sommersemester würde sie ihren Abschluss machen und im Sommer würden Anna und sie endlich ihre geplante Reise nachholen.
Und doch fühlte sich gerade heute alles irgendwie total falsch an.
Vielleicht sollte sie mit jemanden darüber reden. Es konnte ja sein, dass das immer noch irgendwie damit zusammenhing, dass sie ein Jahr im Koma verbracht hatte und nun all das nachholen musste, was sie in der Zeit verpasst hatte.
Immerhin, das Leben war ohne sie weitergegangen. Ihre beste Freundin studierte inzwischen schon seit einem Jahr und selbst ihr Bruder hatte bereits maturiert, während sie selbst noch mit ihrer Therapie beschäftigt gewesen war.
Sie war heute zwanzig Jahre alt und sie fühlte sich trotzdem, als wäre das ganze Jahr seit ihrem Erwachen nicht real...
Cathy seufzte erneut.
Vielleicht hing ihre Laune auch einfach nur mit ihren seltsamen Träumen zusammen, an die sie sich zwar nie wirklich erinnern konnte, die sie aber immer mit einem richtig unangenehmen Gefühl zurück ließen. Jedes Mal wenn sie aufwachte, hatte sie den Eindruck, beobachtet zu werden, auch wenn sie wusste, dass da außer ihr niemand war.
Und doch...
Manchmal war ihr fast so, als wäre da ein Schatten in ihren Augenwinkeln.

****


Sein Herz raste immer noch.
Logan atmete tief durch und versuchte sich endlich wieder zu beruhigen, während er seine Tasche unter dem Sitz des Motorrads verstaute. Er schloss kurz die Augen, hin und her gerissen zwischen dem schlechten Gewissen, weil er so aggressiv auf Marie reagiert hatte, und dem Bedürfnis, die Schule erneut hinter sich zu lassen.
Es war ja nicht so, dass er gar nicht mehr zurückkommen wollte.
Immerhin, wenn er es sich eingestand, konnte Xavier's Schule für begabte Jugendliche zu einem Zuhause werden. Er musste es einfach nur zulassen.
Aber er brauchte einfach noch etwas mehr Zeit. Vielleicht ein paar Wochen, bis er nicht mehr diesen Duft permanent in der Nase hatte.
Zeit, um wenigstens versuchen zu können, wieder einen klaren Kopf zu bekommen.
Logan schluckte schwer und rang mit dem Gedanken, dass er sich eigentlich bei Rogue entschuldigen sollte. Das Mädchen konnte ja nichts dafür, dass er einen Fehler gemacht hatte und...
Nein, Marie konnte nicht dafür. Doch es änderte nichts an der Tatsache, dass sie dem Professor dabei geholfen hatte, ihn gegen seinen eigentlichen Willen zur Schule zurück zu locken.
Er rieb sich über den Nacken, bevor er sich erneut vergewisserte, dass das Motorrad auch genug Treibstoff für eine längere Fahrt hatte. Er wusste zwar noch nicht, wo er hin wollte, doch es konnte nicht schaden, vorbereitet zu sein...
Logan ließ die Schlüssel in seiner Hosentasche verschwinden, ehe er die Garage verließ und ins Haus zurückkehrte, um endlich nach Jean zu schauen.
Womöglich wäre es einfacher gewesen, den Professor einfach zu fragen, aber wenn er ehrlich war, wollte er den älteren Mann nicht so bald wieder sehen. Er traute es sich selbst nicht zu, in dessen Anwesenheit lange genug ruhig bleiben zu können, um nicht versehentlich etwas zu projizieren, das der Andere besser nicht wissen sollte.
Seine Nase führte ihn zu einem der Aufzüge, die in das Untergeschoss des Hauses führten, er war sich allerdings nicht ganz sicher, ob er hinunter fahren sollte oder nicht. Jeans Spur teilte sich knapp davor, ein Teil führte hinunter, der andere zur Küche, so als wäre Jean in letzter Zeit häufiger zwischen den beiden hin und her gelaufen. Letztendlich sagte ihm aber sein Gefühl, dass er am Besten im Untergeschoss anfangen sollte.
Der metallisch sterile Gang war verlassen, als er aus dem Aufzug stieg und es wiesen auch keinerlei Geräusche darauf hin, dass sich außer ihm jemand hier unten befand. Das hinderte ihn allerdings nicht daran gezielt weiter zu gehen, vorbei an der Schleuse, die zum Gefahrenraum führte, bis zu dem Untersuchungsraum, in dem er zu sich gekommen war, als die X-Men ihn das erste Mal zur Schule gebracht hatten.
So intensiv, wie ihr Geruch hier war, erwartete er eigentlich Jean drinnen anzutreffen, doch der Raum war leer als er ihn betrat.
Logan runzelte die Stirn und fragte sich einen Moment lang, ob er die Rothaarige womöglich knapp verpasst hatte, immerhin wusste er, dass es mehr als nur eine Verbindung zu den oberen Geschossen des Hauses gab...
Ein vages Geräusch riss ihn aus seinen Gedanken, aber es war zu schwach, um es genau identifizieren zu können. Logan sah sich erneut um, auf der Suche nach der Quelle, aber er konnte nichts entdecken.
„Jean...?“
Hatte er es sich nur eingebildet?
Logan legte den Kopf schief, in dem Versuch das Geräusch besser aufschnappen zu können, für den Fall, dass es sich wiederholte. Da war irgendetwas... Es irritierte seine Sinne, eben weil er es nicht einordnen konnte. Er konnte sich auch nicht vorstellen, woher es gekommen sein mochte, da es in diesem Raum einfach nichts gab, was von sich aus ein so gedämpft wirkendes Geräusch hätte verursachen könne.
Es war nicht das Summen  der Lampen und der medizinischen Geräte. Es war auch nicht die Lüftung...
Er ging ein Mal um den Untersuchungstisch herum, ließ seinen Blick über die Schränke und Regale gleiten, während er versuchte sich noch mehr darauf zu konzentrieren. Er wusste, dass es nicht vom Gang gekommen war … Eher noch glaubte er, dass es aus der hinteren Ecke des Raumes stammte.
Logan schüttelte den Kopf und war kurz versucht, es einfach zu ignorieren und wieder nach oben zu gehen. Das künstliche, grelle Licht und die gefilterte Luft irritierten seine Sinne und machten seinen Drang zur Garage zurückzukehren beinahe noch stärker als den, Jean zu finden.
Doch aus irgendeinem Grund zwang er sich doch, dem Geräusch nachzugehen.
Bei näherer Untersuchung konnte Logan schließlich sehen, dass in der hinteren Ecke des Untersuchungsraumes eine Tür war. Sie war kaum als solche zu erkennen, da sie aus dem selben Material beschaffen war wie die metallene Wandverkleidung und auch nur auf Knopfdruck geöffnet werden konnte.
„Jean...? Bist du da drin?“; rief er, während seine Finger wie von selbst zum Knopf wanderten.
Es kam keine Antwort.
Logan wartete noch einen weiteren Moment ab, ehe er die Tür schließlich doch öffnete.
Dahinter befand sich tatsächlich ein weiterer fensterloser Raum, auch wenn Logan im ersten Moment nicht sehr viel mehr als sein eigenes Spiegelbild erkennen konnte. In dem Dämmerlicht warf die gläserne Trennwand, welche den Raum teilte, das Licht aus dem Untersuchungszimmer zurück und machte es ihm somit fast unmöglich irgendetwas anderes zu erkennen, bis er schließlich ganz eintrat und sich die Tür mit einem leisen Zischen hinter ihm schließen konnte.
Es dauerte nicht lange, bis sich Logans Augen an die Lichtverhältnisse anpassten und er erkennen konnte, dass es sich bei dem Zimmer hinter der Trennwand um eine Art Zelle handelte. Es gab zwar eine Waschkommode und ein Krankenbett war in die Ecke geschoben worden, aber es war keineswegs ein Krankenzimmer. Wieso sonst brauchte man eine Schallisolierung, durch die kaum ein Geräusch in den Nebenraum dringen konnte, und eine Trennwand aus Sicherheitsglas...?
Scotts gurgelnder Schrei lenkte Logans Aufmerksamkeit abrupt wieder zum Krankenbett. Der Jüngere war an das Bett gefesselt, aber das hielt ihn nicht davon ab, sich auf dem Laken zu winden und aufzubäumen. Dass er sich dabei die Gelenke wund rieb, schien der Brünette nicht einmal zu bemerken.
„Nimm sie weg!!!“, brüllte er, bevor er den Kopf nach hinten warf und sich schüttelte. Dabei rutschte seine Rubinquarz-Brille noch ein Stück zur Seite, aber das schien ihn eher noch mehr zu irritieren. Er trat um sich, soweit es die bereits gelockerten Fußfesseln zuließen.
Logan trat näher an die Trennwand heran und stützte sich ab, die Stirn runzelnd, während sein Blick sich auf den Anderen fixierte. Er konnte langsam heilende Schrammen auf Scotts Armen und Gesicht erkennen, konnte sehen, dass Fingernägel eingerissen oder ganz abgebrochen waren. Die Infusion, die den Jüngeren versorgen sollte, war herausgerissen worden, aber wenigstens der Zugang schien noch an seinem Platz zu sein...
Logan schloss für einen kurzen Moment die Augen und zwang sich zur Ruhe, auch wenn es nicht einfach war. Da war eine kleine, nagende Stimme am Rand seines Bewusstseins, die ihn daran erinnern wollte, dass er sein Team im Stich gelassen hatte, als er vor zwei Wochen abgehauen war...
Er schüttelte sie ab und blickte zähneknirschend wieder in die Zelle.
Scott fiel zurück auf die Matratze, nach Luft ringend. Seine Atemzüge klangen röchelnd, so als hätte er sich bereits den Hals wund geschrien. Einen kurzen Moment lang kehrte so etwas wie Ruhe ein, aber es war nicht von Dauer.
Logan beobachtete den Anderen dabei, wie er sich bemühte sein Gesicht an der Schulter zu reiben, scheinbar in dem Versuch, die Brille abzustreifen, aber die Fesseln ließen ihm nicht genug Bewegungsfreiheit.
Ein Geräusch, das einem gequälten Jaulen gleich kam, entkam Scotts Lippen, als dieser sich so stark gegen die Gurte stemmte, dass sich ein paar von ihnen noch ein Stückchen mehr lockerten. Logan konnte sehen, wie Scotts Muskeln vor Anstrengung hervortraten, während sich sein Rücken schmerzhaft durchbog. Beinahe krampfhaft fing er erneut an, sich auf dem Bett zu winden, auch wenn er allem Anschein nach gar keine Kraft mehr dazu hatte.
Scott schien ausgezehrt, selbst durch den Dreitagesbart hindurch wirkten die Wangen des Brünetten sehr eingefallen und da war ein permanentes Zittern in seinen Gliedern, das durch die dauernde Bewegung auch nicht unbedingt besser wurde.
„Ich weiß, dass du da bist!!!“
Logan runzelte die Stirn, aber der Andere sah nicht einmal zu ihm, sondern schleuderte seinen Kopf erneut nach hinten, so als würde er versuchen sich den Kopf am Bettgestell zu zertrümmern.
„Mach mich los!!“
Es war schwer in der zitternden, schweißgebadeten Gestalt auf dem Bett den sportlich eleganten Anführer der X-Men zu erkennen. Einen Augenblick lang war Logan wirklich dazu geneigt, die Zelle zu betreten und...
„Nicht.“
Jeans Stimme riss seine Aufmerksamkeit von Scott los und ließ ihn zur Seite blicken. Logan konnte nicht sagen, wieso er nicht bemerkt hatte, dass sie in den Raum gekommen war, aber da stand sie neben ihm, ihr Blick auf ihren tobenden Verlobten fixiert.
„Was tust du hier, Logan?“, fragte Jean, ohne ihn anzusehen. Sie wirkte ebenso müde wie Scott, wenn nicht vielleicht sogar etwas mehr. Sie war blass und da waren tiefe, dunkle Ringe unter ihren Augen, als hätte sie in den vergangenen Wochen kaum Schlaf gefunden. Doch wenn er sich Scotts Zustand so ansah, konnte er es durchaus nachvollziehen. Außerdem wusste er ja, dass Jean auch davor kaum Ruhe gefunden hatte, als sie verzweifelt versucht hatte, ihren Verlobten durch ihre Verbindung zu finden.
„Der Professor hat mich zurück beordert.“, grollte er nach ein paar Minuten des Schweigens. Er verlagerte sein Gewicht von einem Bein auf das andere und hakte seine Daumen in seinen Gürtel ein, in dem Versuch weniger angespannt zu wirken als er eigentlich war.
„Nein.“, seufzte sie und sah ihn endlich an. „Ich meine, was machst du hier.“
Er erwiderte ihren Blick mit all der Ruhe, zu der er im Moment im Stande war, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder auf Scott lenkte, der angefangen hatte wirres, unverständliches Zeug vor sich hin zu murmeln.
„Ich habe dich gesucht. Ich wollte dich sehen, bevor ich wieder gehe.“, Logan wandte sich wieder Jean zu, doch sie antwortete nicht. Sie verschränkte lediglich die Arme vor der Brust und ihre Finger zupften nervös an den Ärmeln ihrer Bluse herum. Da waren Kratzer auf ihren Händen...
Es war keine bewusste Entscheidung, aber plötzlich schlossen sich seine Finger um die ihren, um die unruhige Geste zu unterbrechen.
„Ich wollte wissen, wie es dir geht.“, raunte Logan und trat noch näher an sie heran. Er wollte irgendwie ihre Anspannung lösen, sie trösten, er konnte sich jedoch nicht dazu bringen mehr als nur ihre Finger zu berühren.
Ein humorloses Lächeln huschte über ihre Lippen, ehe sie mit den Schultern zuckte und den Kopf schüttelte. Mit einer schnellen Bewegung wischte sie sich mit ihrer freien Hand Tränen aus den Augen.
„Na ja, du siehst ja...“, meinte sie und deutete auf Scott.
„Was ist passiert?“
Jean schwieg eine ganze Weile lang, während sie erneut ihren Verlobten hinter der Glaswand musterte. Sie strich sich eine Strähne aus dem Gesicht und überlegte sichtlich, was sie ihm sagen sollte.
„Ich weiß es nicht, Logan. Ich weiß nicht was mit ihm geschehen ist. Irgendetwas hat ihn auf der Aussichtsplattform des Rockefeller Centers kontrolliert und als ich ihn danach gefunden habe … war er schon … so. Er … ich glaube nicht, dass er mich überhaupt erkannt hat. Ich weiß nur noch, dass er mich angegriffen hat.“ Sie wies auf die bereits verblassenden blauen Flecke auf ihrem Hals. „Ich bin hier an der Schule wieder zu mir gekommen. Aber … ich habe das Gefühl, dass da noch irgendetwas war, dass ich vielleicht versucht habe, zu ihm telepathisch durchzudringen, aber ich weiß es einfach nicht mehr.“ Sie erschauderte und wandte ihren Blick von Scott ab, um Logans zu erwidern. Er konnte Zweifel in ihren Augen erkennen, Zweifel und Selbstvorwürfe. „Ich habe Angst dass ich seinen Zustand damit verschlimmert habe...“
Scotts neuerlicher Schrei ließ sie verstummen.
Logan und Jean sahen ihm eine Weile dabei zu, wie er in kurzen, zuckenden Bewegungen um sich trat, so wie es die Gurte um seine Fußgelenke eben zuließen, bevor er erneut scheinbar erschöpft liegen blieb.
„Es ist Zeit für seine Medikamente.“, murmelte Jean nach einer Weile und verschwand für einen kurzen Moment in dem Nebenraum, um die notwendigen Sachen zu holen. Seinen fragenden Blick richtig deutend, erklärte sie weiter: „Ich gebe ihm etwas zur Beruhigung, sonst geht das den ganzen Tag so weiter...“
Logan hielt sie zurück, bevor sie in die Zelle treten konnte.
„Jean … Es...“, er schluckte schwer. „Es tut mir leid, dass ich nicht für euch da war. Aber...“, er verstummte, als Jean seine Hand ergriff und leicht drückte, so als wüsste sie, was er hatte sagen wollen.
„Würdest du mir zur Hand gehen?“, fragte sie. „Jemand sollte Scott festhalten.“
Logan war sich eigentlich sicher, dass Jean Scott mit ihren Kräften wohl besser unter Kontrolle halten konnte, aber er nickte dennoch und folgte ihr hinein. Er musste sich anstrengen um den abgestandenen Geruch von Schweiß und Erbrochenem zu ignorieren, der ihm  penetrant in die Nase stieg, trotz der scheinbar guten Lüftung.
Jean drehte das Licht stärker auf und trat an den am Bettgestell montierten Infusionsflaschen-Halter heran um zu überprüfen, wie viel Flüssigkeit noch enthalten war.
Logan konnte sehen, wie schwer es ihr fiel Scott dabei nicht zu beachten, der zusammengezuckt war und angestrengt versuchte, sich von ihr weg zu drehen oder zumindest sein Gesicht zu verbergen.
„Hey, Scott.“
Logan trat näher an das Bett heran, während Jean sich die neue Infusionsflasche, die Spritze und das Beruhigungsmittel auf der Waschkommode zurecht legte. Der Jüngere zuckte als Antwort lediglich und versuchte weiter, sich aus den Gurten zu winden. Das Zittern wurde sichtlich stärker und Logan konnte ein leises Wimmern vernehmen.
„Ich werde dich jetzt an der Schulter berühren.“, kommentierte Logan in einem ruhigen Ton, obwohl er innerlich alles andere als ruhig war. Die Zelle engte ihn noch mehr ein, als er sich auch so schon fühlte, und Scotts Zustand machte die Sache nicht unbedingt besser.
Er wartete einen Moment ab, bevor er sich über Scott beugte und dessen Schultern ergriff. Der Andere erstarrte für einen Augenblick, ehe er bockte und versuchte trotz der Fesseln nach Logan zu treten.
„Nnnn … Nein!!!“, brüllte er, aber Logan drückte ihn lediglich etwas fester in die Matratze und fixierte seine Mitte mit einem Knie. Er wusste, dass sein Gewicht alleine schon ausreichen sollte, um Scott ruhig zu halten, er wollte aber sicher gehen, dass der Jüngere sich nicht bewegen und dadurch womöglich noch mehr selbst verletzen konnte.
„Sie wird mich verbrennen!!!“, schrie Scott und stemmte sich gegen Logans Griff, als Jean die Infusion wechselte und überprüfte ob der Zugang in seinem Handrücken noch in Ordnung war, bevor sie ihm das Beruhigungsmittel über diesen verabreichte.
„Hnnn … Ich kann nicht...“, wimmerte Scott. „Ich kann sie nicht abwehren, wenn du … Ich will … das … nicht...“
Er schweifte ab und Logan lockerte nach einem weiteren Moment seinen Griff, als sich die Muskeln des Brünetten unwillkürlich entspannten. Logan richtete sich wieder auf und machte Jean Platz, als sie näher trat um die Gurte zu lösen und sich um Scotts Wunden zu kümmern. Er blieb allerdings in der Nähe, nur für den Fall...
Logan verschränkte die Arme vor der Brust und zwang sich dazu, neben dem Bett stehen zu bleiben, anstatt unruhig auf und ab zu laufen.
Scott machte ihn nervös.
Es lag nicht wirklich an dem Zustand des Jüngeren, nicht an seiner Art, wie irre vor Angst in den Raum hinein zu schreien. Nicht an der nervösen Energie, die unter seiner Haut zu brodeln schien, trotz der Beruhigungsmittel.
Da war einfach irgendetwas...
Logan schluckte schwer und beobachtete Jean dabei, wie sie Scotts Wunden säuberte. Die Gelenke des Jüngeren waren durch die Verbände hindurch blutig gescheuert worden, obwohl die Gurte scheinbar gepolstert waren.
Dort, wo Scotts Shirt durch die Bewegungen hochgerutscht war, konnte Logan sehen, dass dessen Oberkörper mit blauen Flecken übersät war, an den Stellen wo er sich wiederholt gegen die Fesseln gestemmt hatte.
Jean wechselte geduldig die Bandagen, während sie Scott beruhigende Worte zuflüsterte, aber Logan konnte nicht feststellen, ob dieser sie überhaupt richtig wahrnahm. Sein Kopf war wieder zur Seite gewandt, so als könne er die Nähe seiner Verlobten nicht ertragen. Immer wieder zuckten seine Muskeln, wie als würde er trotz der ihm aufgezwungenen Entspannung versuchen sich aus Jeans Griff zu lösen...
Logan sah ihm noch einen weiteren Moment zu, bevor er Anstalten machte, sich zumindest ein paar Schritte vom Krankenbett zu entfernen, um seinen beiden Teamkollegen zumindest einen Hauch von Privatsphäre zu lassen. Vielleicht sollte er sich überhaupt verabschieden und danach einfach gehen. Es gab sowieso nicht wirklich etwas, womit er hier noch weiter helfen könnte...
„Sie werden dich kriegen...“, murmelte Scott gegen die Wand, so leise, dass Logan es beinahe gar nicht wahrnahm. Er hielt inne und sah den Anderen erneut an, wobei er einen Augenblick lang sogar das Gefühl hatte, als würde der Jüngere seinen Blick erwidern, obwohl sein Gesicht von ihm abgewandt war.
„Was?“, fragte Logan.
„Ich habe nichts gesagt.“, erwiderte Jean, während sie die neuen Verbände fixierte.
„Ich dachte...“, fing Logan an, wurde jedoch unterbrochen, als Scott plötzlich anfing laut zu kichern, aber gleichzeitig auch Anstalten machte, mit der Matratze zu verschmelzen.
„Die blauen Augen...“, stieß Scott hervor. „Sie sind direkt hinter dir...“
Ein kalter Schauer jagte Logans Rücken hinunter und er musste sich wirklich sehr zusammenreißen, um nicht über seine Schulter zu blicken. Stattdessen trat er wieder näher an das Krankenbett, um Scott zurück aufs Bett zu drücken, als dieser sich auf einmal aufzusetzen versuchte.
„Scott … nicht wieder das. Da ist nichts. Es sind nur Logan und ich hier.““, raunte Jean ihrem Verlobten in einem beruhigenden Ton zu, doch der Brünette schien sie gar nicht zu hören.
„Der Schatten, Logan!“
Fingernägel bohrten sich in Logans Unterarme, als Scott sich an ihn krallte. Die Rubinquarz-Brille des Jüngeren war verrutscht und Logan konnte sehen, dass der Blick der glasigen grau-blauen Augen auf einen Punkt irgendwo hinter ihm fixiert waren.
„Der Schatten ist hier!“

****


Cathy träumte.
Der Schatten folgte ihr.
Sie konnte ihn hinter sich spüren, konnte den warmen Atem in ihrem Nacken fühlen als sie durch die Spiegeltür trat, doch in diesem Moment war das egal.
Kurz wurde es sehr still und dunkel, so dass sie ganz flüchtig die Angst packte, jetzt doch noch von ihrem Verfolger verschlungen worden zu sein, aber dann öffnete sie erneut die Augen und reichte dem Jungen, der vor ihr auf dem Boden saß ein neues Blatt Papier, damit dieser weiter malen konnte.
Mickeys heißen, zitternden Finger streiften kurz die ihren, als er nach dem Papier griff um mit fahrigen Bewegungen erneut dasselbe Bild auf das Blatt zu brennen.
Magst du nicht eine Pause einlegen?“, fragte sie leise, während sie dabei zusah, wie sich die Linien unter seinen Fingern zu Blüten formten, die so aussahen, als würden sie aus Federn bestehen.
Er schüttelte zur Antwort nur den Kopf und fuhr mit den Fingern weiter über das Blatt Papier, so dass sich Linien ergänzten und Flächen füllten.
Das ist echt schön... Ich frag mich wo du dieses Gedankenbild aufgeschnappt hast.“, murmelte sie leise, doch sie war sich nicht sicher, ob er ihr überhaupt zuhörte, so konzentriert wie er arbeitete.
Sie seufzte leise und starrte zum Fenster, während sie das hämische Lächeln des Schattens hinter ihr beinahe schon fühlen konnte. Erst das Geräusch von knitterndem Papier ließ sie wieder zu dem Jungen blinzeln, der gerade wieder ein Blatt zur Seite fegte. Sie reichte ihm wortlos ein weiteres, das er in seiner Hast beinahe schon zerriss.
Sie runzelte kurz die Stirn, als ihr auffiel, dass Mickey erschöpfter aussah, als noch einen Moment zuvor. Die Haut an seinen Fingern sah schon wund aus und das Zittern war deutlich stärker. Aber wirklich wundern tat es sie nicht, immerhin saßen sie hier schon seit Stunden und er brannte immer noch dasselbe Bild aufs Papier, wenn es auch inzwischen schon sehr viel detaillierter aussah...
Du solltest wirklich eine Pause machen, Mickey...“, raunte sie und berührte kurz seine Finger, um ihn zum Innehalten zu bewegen. Vielleicht würde er ihr dann ja endlich mal zuhören...
Sie seufzte erneut, als auch weiterhin keine Reaktion kam und blinzelte schläfrig, als sich die Matratze unter ihr bewegte. Ihr Bettgefährte stand beim Fenster, während sich ihr Schatten grinsend an ihn heran schlich. Sie kuschelte sich auf seine Seite des Bettes, nach Wärme suchend, doch es fröstelte ihr dennoch.
Komm zurück ins Bett. Es ist kalt.“, murmelte sie als er endlich ihren Blick erwiderte, doch er rührte sich einen ganzen Moment lang nicht von der Stelle.
Da ist etwas.“, sagte er und deutete in die dunklen Ecken des Zimmers, aus denen sie die Dunkelheit höhnisch angrinste.
Das bildest du dir nur ein.“, hauchte ihr Schatten gegen seinen Rücken ohne dabei die blauen Augen von ihr abzuwenden.
Was tust du hier?“, fragte er die gestaltgewordene Dunkelheit nachdenklich, während sie sich langsam im Bett aufsetzte und den beiden zusah. Sie wollte nicht schmollen, aber das hier war ihr Moment und es gefiel ihr nicht, dass ihr Schatten ihn um den Finger wickelte. Sie lehnte sich nach vorn und verschränkte stirnrunzelnd die Arme vor der Brust.
Du hast versprochen mir zu helfen.“, rief sie, um seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, doch er löste nur schwer seinen Blick von den ach so blauen Augen. Ihr Mund verzog sich unwillkürlich zu einem leichten Schmollen.
Nein, das habe ich nicht.“, erwiderte er, endlich an sie gewandt.
Doch, das hast du.“
Nein ich bin zurückgekommen, damit du mir hilfst.“
Ihr Schatten schien für einen Moment vergessen und er konzentrierte sich endlich wieder auf sie, aber sie konnte nicht behaupten, dass ihr die Richtung gefiel, in die sich dieses Gespräch entwickelte.
Wieso redeten sie überhaupt so viel?
Waren sie nicht einfach nur hier, um sich das Bett zu teilen und ein wenig Spaß zu haben? Sie verzog das Gesicht und lehnte sich im Bett zurück, nur um dann mit den Schultern zu zucken.
Das habe ich schon.“, sagte sie. „Und dich hat nicht einmal interessiert, woher ich es weiß.“
Sie wollte noch etwas sagen, aber ihr Schatten stellte sich wieder in den Weg.
Was verschweigst du mir?“, grollte er, als er ihren Schatten packte. „Wieso sind wir hier?“
Ihr Schatten führte ihn zurück zum Fenster und lenkte seine Aufmerksamkeit auf irgendetwas dort draußen. Sie konnte sich nicht erklären, was das wohl sein mochte, immerhin war es mitten in der Nacht und draußen wahrscheinlich nicht weniger dunkel als es hier drinnen war.
Logan...!“, sie zog heftig an dem Faden, der sie verband, um seine Aufmerksamkeit wieder auf sich selbst zu lenken. „Du hast es versprochen! Komm zurück ins Bett.“
Nur noch einen Moment...“
Ihr Schatten versuchte ihn weiter abzulenken, aber schließlich trat er vom Fenster weg und gesellte sich wieder zu ihr unter die Laken.
Ich brauche deine Hilfe.“, seufzte sie gegen seine Lippen und schmiegte sich enger an ihn, als ihr Schatten grinsend wieder näher kam. Er sollte sich auf sie konzentrieren und nicht auf die blauen Augen, die sie auszulachen schienen.
Ich weiß. Aber du musst mir zuerst sagen, wo ich dich finde.“
Sie lächelte ihn an, als er ihr über die Stirn strich und flüsterte ihm die Antwort ins Ohr. Er blinzelte sie verständnislos an.
Sag mir, wo du bist.“
Das habe ich schon.“, raunte sie.
Ihr Schatten lachte im Hintergrund.
Das ist nicht witzig.“, murmelte sie, das änderte aber nichts daran, dass sie das Grinsen in ihrem Rücken auch weiterhin fühlen konnte. Sie zupfte das zerknitterte Bettlaken ein wenig zurecht und versuchte den gequälten Schrei zu ignorieren, der aus Scott brach als ein weiteres formloses Etwas aus einem seiner Augen und durch seine Brille kroch, nur um mit einem feuchten Geräusch auf seinem Gesicht zu landen. „Du hast das Portal so weit aufgerissen, dann solltest du es eigentlich auch wieder schließen.“
Ihr Schatten antwortete nicht darauf, aber sie konnte sich vorstellen, dass er mit den Schultern zuckte, so als würde das Ganze hier ihn nichts angehen.
Außerdem hast du die ganze Energie aufgebraucht … Schau dir diese Sauerei an, normaler Weise würden diese Viecher verbrennen bevor sie durch können...“
Scott wand sich auf dem Bett und bäumte sich auf, in dem Versuch das Ding von seinem Gesicht zu schütteln, aber es klebte hartnäckig auf seiner Haut und kroch langsam in Richtung seines Mundes, wo ein weiteres Etwas scheinbar überlegte, ob es hinein kriechen sollte oder nicht.
Nimm sie weg!!!“ brüllte Scott, bevor er den Kopf nach hinten warf und sich erneut schüttelte und um sich trat, soweit es die bereits gelockerten Fußfesseln zuließen.
Sie seufzte tief und beugte sich über ihn, um ihn zumindest für den Moment zu erlösen. Sie pflückte die Viecher von seinem Gesicht und ließ sie zu Boden fallen, wo sie prompt von etwas anderem verschlungen wurden, das unter dem Bett wohnte.
Scott fiel schluchzend zurück auf die Matratze, nach Luft ringend. Sie konnte seinen verzweifelten Blick auf sich fühlen, aber es gab nicht wirklich etwas, was sie für ihn tun konnte. Sie strich ihm beruhigend durchs Haar und schnippte ein weiteres Etwas von seinem gefesselten Arm weg.
Sie ignorierte dabei Scotts Versuche, sich irgendwie die Rubinquarz-Brille vom Gesicht zu streifen, aber sie spürte wie ihr Schatten wieder näher trat, um sich ebenfalls über Scott zu beugen. Vielleicht nahm er sich ihre Worte doch zu Herzen...
Ein Geräusch, das einem gequälten Jaulen gleich kam, entkam Scotts Lippen als ihr Schatten nach ihm griff. Er stemmte sich so stark gegen die Gurte, in dem Versuch zu entkommen, dass sie sich ein Stückchen weiter lockerten und seine Muskeln vor Anstrengung hervortraten.
Ich weiß, dass du da bist!!!“, schrie Scott an ihr vorbei, während sie ihrem Schatten den Ellbogen in die Seite rammte, um ihn zurück zu drängen. „Mach mich los!!“
Sie blickte in die Richtung, in der sich der Brünette scheinbar Hilfe erhoffte und entdeckte ihren Bettgefährten und die brennende Gestalt hinter der Glaswand. Sie konnte nicht hören, worüber sich die beiden unterhielten, aber sie konnte es sich ungefähr ausmalen, immerhin hing der Blick der beiden auf ihrem Patienten.
Mach dass es aufhört...“, schluchzte Scott kaum hörbar, während er versuchte einem Etwas auf seiner Matratze auszuweichen. „Du kannst es sehen. Ich weiß, dass du es sehen kannst. Mach es weg...“
Du weißt, dass ich es nicht kann. Deine Antwort ist dort drüben.“ Sie zeigte über ihre Schulter, in die Ecke des Raumes, in die sich ihr Schatten schmollend zurückgezogen hatte. „Aber du musst es zulassen.“
Nein...!“, biss Scott hervor. „Nicht die blauen Augen! Du musst es tun! Egal was...“
Sie konnte sehen, wie Schweiß an seinen Schläfen hinunter lief, während er nach Atem rang. Seine Finger zuckten, so als würde er am Liebsten wieder versuchen sich die Augen auszukratzen, wie beim letzten Mal.
Bitte...“, hauchte Scott. „Ich tue alles. Alles was du willst. Bitte, bitte, bi…“
Scott kreischte, als sich wieder etwas einen Weg durch seine Augen bahnte, während etwas Anderes anfing an seinen Zehen zu knabbern. Sie runzelte die Stirn und versuchte das Ding von seinen Füßen zu lösen, doch die zuckenden Bewegungen ihres Patienten machten es ihr nicht wirklich einfacher.
Als sie es endlich geschafft hatte, warf sie das Etwas in Richtung ihres Schattens, damit dieser endlich aufhörte lauthals zu lachen, aber das Kichern wurde nur stärker, als das Vieh sich vor Furcht in Nichts auflöste.
Sie wischte Scotts Tränen von seinem Gesicht, zusammen mit den Dingern, die wieder auf ihm herum krochen, gerade als das Licht stärker aufgedreht wurde und sich ihr Bettgefährte und der Feuervogel nun doch in der Raum hinein trauten, um sich ihrem Patienten zu widmen.
Sie konnte Scotts flehenden Blick auf sich fühlen, während er wieder Anstalten machte, sich aus den Gurten zu winden und von der Hitze, die seine Verlobte ausstrahlte, zurück zu weichen. Seine Lippen formten lautlose Worte, die sie nicht hören musste, um sie zu verstehen, aber sie konnte im Moment nicht auf sein Wimmern reagieren.
Ich fürchte ich muss gehen.“, erklärte sie ihm, nachdem ihr Schatten ihr weisgemacht hatte, dass ihre Zeit hier sich ihrem Ende neigte. „Aber wir können es das nächste Mal wieder versuchen, ja? Es liegt wirklich nur an dir...“
Nnnn … Nein!!!“, brüllte er, aber Logan drückte ihn fest in die schleimige Matratze und fixierte seine Mitte mit einem Knie, während sich Jean mit einer Spritze näherte. „Sie wird mich verbrennen!!!“
Ach was.“ Sie lächelte ihn aufmuntern an und streifte Jeans Schulter um ihm zu demonstrieren, dass ihre Haut nur ganz langsam Feuer fing, bevor sie schwarz wurde und sich von ihren Knochen löste. „Es tut nicht einmal weh.“
Sie tätschelte sein Bein, während er sich gegen Logans Griff stemmte.
Sieh es positiv. Die Viecher mögen die Hitze auch nicht.“
Sie konnte das Geschöpft unter dem Bett tatsächlich wimmern hören und auch die Dinger, die durch Scotts Augen schlüpften verzogen sich sofort, als sich Jean über ihn beugte, um ihm ein Mittel zu verabreichen.
Hnnn … Ich kann nicht... Ich kann sie nicht abwehren, wenn du … Ich will … das … nicht...“ Scott schweifte ab, als das Mittel zu wirken begann und er sich unwillkürlich entspannte. Es machte ihm jetzt nicht einmal etwas aus, dass etwas von der Decke tropfte und es sich auf seinem Bauch gemütlich machte. Wenigstens würde er ein bisschen zur Ruhe kommen. Vielleicht würde er diesmal ja auch schlafen können...
Sie wandte sich zum Gehen, sie wusste, dass ihr Schatten ungeduldig wurde, doch sie hielt noch einmal inne, als sie an Logan vorbei trat. Sie strich vorsichtig über den Faden, der locker um seinen Hals lag und konnte es sich nicht verkneifen, ihm über die Haare zu streicheln.
Sie werden dich kriegen...“, murmelte Scott gegen die Wand und sie wusste, dass sein Blick direkt durch Logan hindurch ging.
Was?“, fragte ihr Bettgefährte verwirrt, während sie Anstalten machte, ihren Schatten, der grinsend näher getreten war, zum Gehen zu bewegen.
Ich habe nichts gesagt.“, erwiderte Jeans brennende Gestalt, während sie beim Fixieren der neuen Verbände Scotts Haut versengte.
Ich dachte...“, fing Logan an, wurde aber unterbrochen, als Scott zu kichern anfing.
Die blauen Augen...“, stieß Scott hervor, als ihr Schatten den Faden ergriff, der zwischen ihr und Logan in der Luft hing. „Sie sind direkt hinter dir...“
Sie hauchte einen Kuss auf Logans Nacken, während sie die Finger ihres Schattens vom Faden löste, damit sie endlich gehen konnten.
Der Schatten, Logan!“, versuchte Scott zu erklären, als wollte er den Älteren unbedingt auf sie aufmerksam machen. „Der Schatten ist hier!“
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