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Wenn Wünsche wahr werden

GeschichteDrama / P18 / Gen
OC (Own Character) Wolverine / James "Logan" Howlett
12.12.2006
18.04.2021
37
200.072
3
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09.04.2021 4.575
 
Der Schatten verfolgte sie.
Egal wohin sie auch lief, er war allgegenwärtig und sie konnte ihn immerzu aus ihren Augenwinkeln sehen. Sie fühlte sich beobachtet, auch wenn sie zuweilen nicht wirklich sagen konnte, ob sie sich diesen Fleck nicht doch nur einbildete. Immerhin waren in diesem gleißend weißen Gang keine Schatten möglich.
Cathy lief weiter, ohne sich umzublicken.
Sie konnte die kalten Augen auf sich fühlen, auch wenn sie wusste, dass sie alleine war. Außer ihr war hier niemand.
Da waren nur die weißen Türen, die sie sich nicht einmal anzusehen traute. Sie wusste genau, dass sie der Schatten finden würde, wenn sie bei einer dieser Türen stehen blieb.
Sie glaubte ein Flüstern hören zu können, eine Stimme, die sie zu sich locken wollte, aber sie ließ sich nicht beirren. Hier stehen zu bleiben würde das Ende bedeuten.
Das Ende von allem.
Sie sprang über einen tiefen, dunklen Spalt der sich ihr in den Weg stellte und lief weiter.
Der endlose Gang musste irgendwohin führen. Sie konnte sich nicht ablenken lassen, sie musste weiter. Ihre Finger streiften die glatte, makellos weiße Wand an der sie entlang lief und verzierten diese mit strahlendem Rot. Aber selbst diese grelle Farbe konnte ihre Aufmerksamkeit nicht auf sich lenken.
Immer weiter, immer schneller.
Sie musste sich beeilen, sie würde sonst zu spät kommen.
Wohin zu spät, das konnte sie bei bestem Willen nicht sagen.
Die hell-dunklen Bäume um sie herum sangen in dem Wind, der sie begleitete, aber selbst das konnte sie nicht ablenken. Sie wusste, dass der Schatten sich irgendwo in den Tiefen des Waldes versteckte, aber sie hatte einfach keine Zeit zum Spielen. Der Weg führte weiter, so viel weiter, nur wohin?
Links, rechts, vor oder zurück?
Sie hatte das Gefühl, im Kreis zu laufen, aber das hinderte sie dennoch nicht daran, ihren Weg fortzusetzen. Immer weiter, tiefer in das Labyrinth, das sie früher oder später wohl verschlingen würde. Sie konnte aber nicht stehen bleiben.
Der Schatten verfolgte sie, egal wohin sie auch lief.
Und sie wusste, dass er sie früher oder später einholen würde.

****


Er sah den Schlag kommen, aber er tat nichts um ihn abzuwehren.
Die Wucht riss Logan zu Boden, wo er erst einmal benommen liegen blieb, während die Menge rund um den Käfig jubelte und seinen Gegner anfeuerte. Ein, zwei Tritte gegen seine Rippen und ihm blieb die Luft weg, doch es war einfach noch nicht genug.
Er ignorierte die Sticheleien seines Gegners und rappelte sich auf, noch immer nicht gewillt, dem Kampf ein Ende zu bereiten. Er konnte Blut schmecken, allerdings war das nichts im Vergleich zu der Menge an Blut, die den Knöcheln seines Gegenübers anhaftete.
„Komm schon,“ knurrte Logan. „Das kannst du besser.“
Der Andere drängte ihn gegen den Käfig und schlug ihm die Faust in den Magen, aber Logan fühlte immer noch nichts. Er knirschte frustriert mit den Zähnen und stieß den großen Truck-Fahrer schließlich von sich, bevor dieser ihm einen weiteren Schlag versetzen konnte.
Es reichte.
Dieser Kerl taugte einfach zu nichts, egal wie stark er auch aussehen mochte...
„Komm nach Hause, Logan.“, murmelte Charles mit den Lippen des Mannes.
Der Frust, welcher in Logan brodelte, wurde schlagartig zu einer rasenden Wut, die auch nicht verrauchte, als er den Typen am Kragen packte und mit aller Kraft seine Stirn gegen die des Anderen rammte, worauf dieser zurück taumelte und schließlich bewusstlos zu Boden ging.
Protestrufe wurden in der Menge laut, während verkündet wurde, dass er den Kampf gewonnen hatte, aber Logan ignorierte diese und ging zurück in seine Ecke, um das Whisky-Glas, das dort auf ihn wartete, in einem Zug zu leeren. Doch nicht einmal das vertraute Brennen des Alkohols vermochte die Taubheit in seinem Inneren zu verdrängen.
Logan schloss für einen kurzen Moment die Augen und versuchte die Wut zurück zu drängen. Sie half nicht, sie konnte auch nicht über diese seltsame Leere hinweg täuschen. Sie konnte ihn auch nicht vergessen lassen, dass er sich bei jedem einzelnen Atemzug fühlte, als würde sich dieser unsichtbare Strick um seinen Hals wieder enger und enger schnüren, auch wenn es eigentlich keinen Grund mehr dafür gab...
Ein Tritt gegen seine Nieren riss ihn wieder aus seinen Gedanken und er wandte sich seinem neuen Gegner zu.

****


Ihr Zeitgefühl hatte sich scheinbar wieder eingerenkt.
Zumindest hatte Cathy nicht mehr das Gefühl, dauernd Zeit zu verlieren. Die Situationen, in denen sie zunächst nicht wusste wo sie war oder was sie tat, weil sie meinte gerade noch etwas anderes getan zu haben, waren wenigstens deutlich weniger geworden und langsam meinte sie sogar, sich das Ganze einfach nur eingebildet zu haben.
Natürlich hatte sie das Gefühl gehabt, dass die Zeit zu schnell verging, immerhin war ja vieles passiert, seit sie aus ihrem Koma erwacht war. Sie hatte viel über sich ergehen lassen müssen, war sehr gefordert gewesen und jetzt, da ihr Alltag wieder halbwegs normal verlief, war es selbstverständlich, dass sie sich auch besser fühlte.
Cathy blickte kurz auf, in dem Versuch sich wieder auf das Gemurmel ihres Physiklehrers zu konzentrieren.
Es war ja nicht so, als wäre nun weniger los, jetzt da sie wieder zur Schule ging, aber es war zumindest alltäglich und normal. Sie hatte sich auch schon gut eingelebt, wenn man bedachte, dass sie den Anfang des Semesters verpasst hatte und ihre jüngeren Klassenkameraden kaum kannte.
Sie seufzte und sah auf ihr Heft hinab, in welches ihre Hand wie von selbst Notizen gemacht hatte. Sie schrieb immer noch automatisch mit, auch wenn sie nicht mehr wirklich wusste, was der Professor alles gesagt hatte...
Plötzlich hielt sie inne und sie musste sich sehr zusammenreißen, um nicht erschrocken zusammenzuzucken, als ihr Blick auf eine kleine Zeichnung am Rand ihrer Notizen fiel. Da, auf dem Blattrand, war eine Kritzelei von einem Schatten mit großen, hellen Augen...

****


Zwei Namen...“
Logan runzelte die Stirn und schmiegte sich enger an den warmen Körper neben sich, in dem Versuch, ihr Flüstern an seinem Ohr zu ignorieren. Er vergrub seine Nase in dem weichen Haar und atmete tief durch. Er wollte noch nicht aufwachen, allerdings irritierte ihn irgendetwas an dem Duft. Er versuchte es zu ignorieren und liebkoste stattdessen den Nacken der sich ihm darbot.
„Hmmm...“, machte sie und begann sich zu rühren, aber es führte nur dazu, dass sich der Nebel in seinem Kopf noch mehr lichtete. Sein Stirnrunzeln wurde tiefer. Es war noch viel zu früh zum Aufwachen...
„Schlaf weiter...“, murmelte er schläfrig und strich ihr beruhigend über die Hüfte, doch sie drehte sich zu ihm um, wodurch sie ihn dazu brachte, nun doch die Augen zu öffnen. Schlammbraune Haare hingen in ein Gesicht, an das er sich nur vage erinnern konnte und er konnte sich nur mit Mühe ein resigniertes Seufzen verkneifen.
Sie lächelte ihn freundlich an, aber es machte die Sache nicht besser. Er hatte noch nicht aufwachen wollen und er hatte dieses nagende Gefühl, dass auch sie Worte in den Mund gelegt bekommen würde, die er nicht hören wollte...
„Hey.“, raunte er und hauchte ihr einen Kuss auf die Lippen, ehe er sich aufsetze und nach der Flasche auf dem Nachtkästchen griff, die noch immer ein wenig von der goldbraunen Flüssigkeit enthielt.
„Hey,“ grüßte sie zurück. Er konnte ihren bohrenden Blick auf sich fühlen, während er die Flasche leerte, doch er ignorierte es. Die Matratze bewegte sich ein wenig, als sie schließlich aufstand und ihre Sachen zusammensuchte um sich anzuziehen.
Er sah sie erst wieder an, als sie angezogen vor ihm stand und sich zu ihm beugte, um ihm noch einen letzten Kuss auf die Lippen und einen Zettel in die Hand zu drücken.
„Ruf mich an, wenn du wieder Interesse hast.“, grinste sie, bevor sie sich ihre Handtasche schnappte und das Motelzimmer verließ. Er warf einen flüchtigen Blick auf das Papier, zerknüllte es aber als er ihren Namen las.
Die leere Flasche landete zusammen mit Cassy's Nummer im Mist in der Ecke des Zimmers.

****


Der Schatten verfolgte sie.
Egal wohin sie auch lief, er war allgegenwärtig und sie konnte ihn immerzu aus ihren Augenwinkeln sehen. Sie fühlte sich beobachtet, aber sie ließ sich nicht davon beirren.
Cathy rannte unermüdlich weiter.
Der unendlich lange, gerade weiße Gang erstreckte sich unverändert vor ihr und sie wagte es nicht stehen zu bleiben, aus Angst dann nicht mehr zu wissen aus welcher Richtung sie gekommen war und wohin sie lief.
Nicht als ob das wirklich einen Unterschied gemacht hätte.
Alles sah gleich aus, ein dunkler Baum glich dem anderen und das Einzige, was sie davon abhielt, sich in den Tiefen des Waldes zu verirren, war der weiße Pfad der sich durch das Dickicht schlängelte.
Sie konnte hören, wie der Schatten nach ihr rief, aber gleichzeitig konnte sie die Worte nicht wirklich verstehen. Der Wind trug sie hinfort, bevor sie wirklich an ihre Ohren dringen konnten. Aber das war egal, sie war sich sowieso sicher, dass sie nicht hören wollte, was der Schatten zu sagen hatte.
Sie glaubte kurz etwas zwischen den Bäumen aufblitzen zu sehen, etwas Spiegelndes, aber sie lenkte ihre Aufmerksamkeit sofort wieder auf den Gang. Sie wusste, dass sie die eine, ganz bestimmte Tür finden musste.
Nur welche eine Tür das war oder wieso sie diese unbedingt finden wollte, das konnte sie beim besten Willen nicht sagen.

****


>Logan.
Er taumelte mit einem schmerzerfüllten Keuchen zurück, als ihm sein Gegner das Knie zwischen die Beine rammte und ging zu Boden, als jener ihm nachsetzte und ihm mit aller Kraft ins Gesicht schlug.
In seinem Kopf schwirrte es und die Welt um ihn herum schwankte als er sich aufrappelte, doch das war gut so. Der Schmerz erdete ihn und ließ nicht zu, dass seine Gedanken dorthin wanderten wo er sie nicht haben wollte.
>Logan! Komm nach Hause.<
Logan nahm auch den nächsten Schlag an, stieß den Typen dann jedoch von sich, bevor er ihm die Beine unter dem Körper wegtrat, nur um sich knurrend über ihn zu beugen. Er packte den anderen Mann am Kragen und ballte die Hand zur Faust, nahm sich allerdings ein klein wenig zurück, bevor er sie ihm gegen das Kiefer schlug...
...
Logan lehnte sich schwer gegen das Gitter des Käfigs und leerte die Flasche Whisky, bevor er seine Sachen zusammenklaubte und sich seine Zigarre zwischen die Zähne klemmte. Ihm tat alles weh, aber gleichzeitig begann sich die Taubheit in seinem Inneren wieder auszubreiten. Es war jeden Abend dasselbe, der Schmerz verrauchte einfach viel zu schnell.
Logan fühlte, dass er beim Verlassen des Käfigs schwankte, er musste sogar einen kurzen Moment lang innehalten, um sich wieder zu orientieren. In der Kneipe war es relativ ruhig, die Menschen, welche die Kämpfe angefeuert hatten, waren inzwischen alle wieder ihrer Wege gegangen. Die wenigen, die noch da waren, saßen über ihren Drinks zusammengesunken in den dunklen Ecken des Raumes.
Seinen Gewinn für die Kämpfe in die Jackentasche stopfend setzte er sich an die Bar. Er konnte fühlen, dass sich der Nebel in seinem Kopf langsam wieder lichtete, doch das konnte er nicht zulassen...
Der Barkeeper stellte ihm ein Bier und ein Glas Whisky vor die Nase, ohne dass sich Logan genau daran erinnern konnte, die Drinks bestellt zu haben, aber das war egal.
„Komm nach Hause, Logan.“, sagte der Barkeeper.
Logan kippte den Whisky in sich hinein, ohne auf die Stimme, die ihn schon wieder nervte, zu reagieren. Erst als ihn Finger fast zaghaft an der Schulter berührten, blickte er zur Seite. Und da stand Rogue neben ihm und sah ihn mit einem so unsicheren Blick in den Augen an, dass er unwillkürlich an ihr erstes Zusammentreffen zurückdenken musste.
Ein humorloses Grinsen schlich sich auf seine Lippen, während er nach seinem Bier griff.
„Hey.“
Marie erwiderte nichts, sie betrachtete ihn im ersten Moment nur eingehend, bevor sie noch näher trat. Da war etwas in ihrem Blick das ihm nicht gefiel, ein Ausdruck der beinahe vorwurfsvoll wirkte, also sog er lieber an seiner Zigarre, bevor er sich wieder dem Bier widmete.
„Logan, du muss nach Hause kommen.“
„Ach, muss ich das?“
Er deutete dem Barkeeper, ihm Whisky nachzuschenken.
„Ja.“
Sie klang so ernst, dass er sie wieder ansah.
„Du bist so plötzlich verschwunden, wir haben nicht gewusst was...“ Rogue verstummte und sah zur Seite, scheinbar mit sich ringend, und es versetzte Logan einen Stich, dass ihn das vollkommen kalt ließ.
„Wir brauchen dich an der Schule.“
Das Lachen brach so plötzlich aus ihm heraus, dass er beinahe seinen Drink verschüttete.
„Dann kannst du wieder gehen.“, murmelte er, als er sich endlich wieder im Griff hatte.
„Wir brauchen Antworten, Logan.“, schaltete sich der Barkeeper wieder ein, was Logan aber lediglich ein Knurren entlockte, bevor er sein Glas in einem Zug leerte.
„Ich komme nicht zurück.“, raunte Logan an Rogue gewandt, egal wie sehr es sie auch verletzen mochte, und griff hinter die Bar nach der Flasche.
„Logan, zwing mich nicht etwas zu tun, was ich nur ungern machen würde.“, warnte Charles. Logan hielt mitten in der Bewegung inne und erwiderte endlich den Blick des Anderen, der ihn aus fremden Augen anstarrte.
Bevor er jedoch etwas erwidern konnte, legte ihm Rogue erneut die Hand auf die Schulter, um seine Aufmerksamkeit auf sich zu lenken.
„Bitte, Logan. Es ist wichtig.“
Logan knirschte mit den Zähnen und wollte sich von ihr abwenden, aber der flehende Ausdruck in ihren Augen hielt ihn gefangen.
Er wollte nicht zurück.
Noch nicht.
Aber genauso wenig konnte er den Geruch von Frust und Sorge ignorieren, der von ihr ausging.
Was für eine Wahl blieb ihm also?

****


Cathy, Telefon für dich!“
Sie wurde aus ihren Gedanken gerissen und ihre Hand zuckte, wobei sie einen langen Strich auf dem Papier hinterließ. Verwirrt blickte sie auf das Blatt auf ihrem Tisch, auf dem sie mal wieder etwas gezeichnet hatte. Nur dass sie sich nicht mehr daran erinnern konnte, sich überhaupt zum Zeichnen hingesetzt zu haben.
Ein kalter Schauer jagte über ihre Rücken und ihre Hände wurden auf einmal eisig und begannen zu schmerzen.
„Cathy!“, rief ihre Mutter erneut.
„Ja, ich komme!“, antwortete sie endlich und verließ schnell ihr Zimmer, um den Telefonhörer entgegen zu nehmen.
„Hallo?“, fragte sie unsicher.
Am anderen Ende der Leitung meldete sich niemand, allerdings konnte sie eindeutig jemanden atmen hören. Einen Augenblick lang glaubte sie auch andere Geräusche wahrnehmen zu können, aber das musste sie sich wohl eingebildet haben...
„Hallo? Wer ist da?“
Ihre Stimme zitterte leicht und eine leise Angst packte sie. Sie konnte immer noch das Atmen hören und etwas, das sich wie ein ganz leises Flüstern anhörte. Nein, sie war sich sogar ganz sicher, dass da ein Flüstern war. Doch sie konnte kein einziges Wort verstehen, auch wenn sie noch so angestrengt lauschte.
„Hallo? Ich kann Sie nicht verstehen!“
Cathy drückte den Hörer noch näher an ihr Ohr und versuchte sich noch mehr auf das Flüstern zu konzentrieren. Aber sie konnte noch nicht einmal feststellen, ob es überhaupt in ihrer Sprache war oder nicht.
Das Flüstern wurde ein ganz kleines bisschen lauter, aber sie konnte noch immer keinen Sinn herausfiltern. Zeitgleich breitete sich auch ein immer stärkeres Pochen hinter ihrer Stirn aus, was ihre Konzentration auch nicht eben förderte.
Jemand berührte sie an der Schulter, und Cathy musste sich sehr stark zusammenreißen, um nicht vor Schreck aufzuschreien. Sie konnte regelrecht fühlen, wie ihr Gesicht jegliche Farbe verlor, als sie sich umdrehte.
Ihre Mutter sah sie besorgt an.
„Ist alles in Ordnung, Liebes?“, fragte sie und deutete auf das Telefon. „Wer war das?“
Einen kurzen Moment lang sah Cathy ihre Mutter einfach nur verwirrt an, bis das Piepsen an ihrem Ohr in ihr Bewusstsein drang. Wer auch immer angerufen hatte, hatte auch schon wieder aufgelegt.
Cathy legte auf und runzelte nachdenklich die Stirn, ehe sie mit den Schultern zuckte und den Kopf schüttelte.
„Ich weiß es nicht.“, antwortete sie. „Hat sich vermutlich nur verwählt.“
Nur, wieso hatte der Anrufer dann nach ihr gefragt?

****


„Logan, wir sind da...“
Er stöhnte frustriert und vergrub das Gesicht in den Händen, als Maries Stimme durch den Nebel in seinem Kopf drang. Es war noch zu früh, er war noch nicht bereit...
Er konnte das nicht tun.
Logan tastete blind nach der Flasche, die er mit an Bord gebracht hatte, musste dann aber feststellen, dass sie bereits leer war. Ein Fluch lag auf seinen Lippen, doch er konnte Rogues erwartungsvolle Blicke auf sich fühlen.
„Logan?“
„Es geht mir gut.“, presste er hervor, ehe er sich endlich aufrappelte und ihr und Hank aus dem Jet hinaus folgte. Es mochte sehr wohl an dem Rest-Alkohol in seinem Blut liegen, aber einige Augenblicke lang hatte er das Gefühl, sich wie durch einen Traum hindurch zu bewegen.
Er stand einen Moment lang so dermaßen neben sich, dass er erst nach einigen Minuten des Starrens und Schweigens bewusst wahrnahm, dass er sich schon im Büro des Professors befand und dass ihn dieser erwartungsvoll ansah.
Von Marie und Hank fehlte jegliche Spur.
Logan ließ sich auf einen der Sessel fallen und erwiderte Charles Blick, ohne etwas zu sagen. Die Minuten verstrichen und der Ältere erwartete offensichtlich, dass Logan den Anfang machte. Doch er hatte einfach nichts, das er mit dem Anderen teilen konnte. Oder wollte.
„Es ist nicht besonders einfach dich zu finden, Logan.“, seufzte Charles schließlich, nach weiteren Augenblicken des Schweigens.
„Oh? Dafür waren Sie aber ziemlich aufdringlich.“, schnaubte Logan verächtlich. „Ich hab nicht danach gefragt, gefunden zu werden.“
„Natürlich.“ Charles lehnte sich in seinem Stuhl zurück und runzelte leicht die Stirn. „Ich hatte aber gehofft, dass du mir ein paar Fragen beantworten könntest. Danach steht es dir frei zu gehen, wenn du denn unbedingt wieder weg möchtest. Obwohl ich mit Sicherheit sagen kann, dass sich alle freuen würden, wenn du dich dazu entschließen könntest zu bleiben.“
Logan starrte den Professor noch einen weiteren Moment lang an, ehe er sich einmal kräftig über das Gesicht rieb und sich dann etwas gerader hinsetzte. Er konnte sich denken, wie diese Fragen aussehen mochten und er war mehr als verwundert darüber, dass der Professor so ruhig klang, immerhin hatte er...
Logan verdrängte den Gedanken bevor er wirklich an die Oberfläche dringen konnte. Er atmete einmal tief durch und kämpfte gegen den Impuls an, seine Hände zu Fäusten zu ballen.
„Es gibt mehrere Gründe, weswegen ich dich zurück gebeten habe, Logan. Doch zunächst hätte ich gerne einen Einblick in deine Sicht der Ereignisse von vor zwei Wochen.“, fuhr Xavier fort.
Logan runzelte die Stirn und betrachtete den Professor eingehend. Das war nicht unbedingt der Ansatz, den er erwartet hatte und das verunsicherte ihn noch mehr als alles andere. Es war ja nicht so, als ob er vorhätte, über die ganze Sache zu reden, aber...
„Zumal mir die anderen berichtet haben, dass sich eure Wege getrennt haben und du auch verschwunden geblieben bist, nachdem Hank und Ororo mit Jean und Scott zum Jet zurückgekehrt sind. Hank hat mir erzählt, dass ihr einen Schrei gehört habt, bevor du alleine davongeeilt bist.“ Charles verstummte für einen kurzen Moment und erwiderte seinen eingehenden Blick. „Hank ist davon überzeugt, dass es Cathys Stimme war. Du wirst also verstehen, dass ich … neugierig bin.“
„Sie wissen nicht, was passiert ist.“, murmelte Logan. Es war keine Frage und er gab sich alle Mühe, nicht erleichtert zu klingen.  
„Ich wurde von euch abgeschnitten, als ihr das Gebäude betreten habt.“, gestand Charles, das hatte Logan allerdings bereits gewusst. Doch nachdem die telepathische Warnung des Professors ihm fast die Besinnung geraubt hatte, war Logan davon ausgegangen, dass der Ältere auch alles Weitere mitbekommen hatte.
Er setzte dazu an, nachzuhaken, aber der Professor kam ihm zuvor.
„Ich habe versucht durch die Barriere zu brechen und euch zu warnen, dass Erik sich nicht in dem Gebäude befindet und mit der ganzen Sache nichts zu tun hat. Unglücklicher Weise habe ich danach das Bewusstsein verloren und Hank hat mir gesagt, dass meine Warnung nicht angekommen ist...“
Logan schnaubte.
Die Nachricht ist laut und deutlich angekommen.“
Charles sah ihn verwundert an, Logan wandte jedoch seinen Blick ab, ohne näher darauf einzugehen. Seine Finger zuckten, während er versuchte nicht zurückzudenken.
Kurz hatte er das Gefühl, als würde etwas gegen seine Sinne streichen, aber er wusste, dass der Professor nicht ungebeten seine Gedanken lesen würde. Das hieß allerdings auch, dass er sich wirklich anstrengen musste, um nicht versehentlich irgendetwas zu projizieren.
Logan atmete tief durch und versuchte sich wenigstens ein bisschen zu entspannen, doch je länger ihn der Professor so ansah, desto mehr verspannte sich sein Nacken. Er schloss für einen kurzen Moment die Augen.
„Ja, ich dachte, ich hätte sie gehört.“, sagte er schließlich, bevor er den Blick des Professors wieder erwiderte. „Aber Cathy war nicht da.“
Die Erinnerung an eisblaue Augen versetzte ihm einen Stich, ehe er das Bild wieder unterdrücken konnte.
„Ich...“
Verdammt, er brauchte einen Drink...
„Ich kann Ihnen nicht sagen, was danach passiert ist.“

****


Cathy!“
Sie hörte den Ruf, aber sie konnte nicht sagen, woher er kam.
Sie lief orientierungslos weiter, tiefer und tiefer in den Wald hinein, doch eine Tür glich der nächsten. Sie wusste nicht, welche sie zu sich locken wollte.
Der Ruf drückte gegen ihre Sinne, es war fast unmöglich ihn zu ignorieren, sie wusste jedoch, dass der Schatten sie einholen würde, sobald sie bei einem der Bäume stehen bleiben würde.
Der Schatten durfte sie nicht einholen.
Cathy!!“
Sie versuchte es zu ignorieren, aber der Ruf stahl ihr den Atem und ließ sie über eine Wurzel stolpern. Ihre Haare und ihr Hemd verfingen sich in den Dornenranken, die sie festzuhalten versuchten, doch im letzten Moment schaffte sie es sich wieder fortzureißen.
Bevor sie allerdings weiterlaufen konnte, lockte eine Spiegelung in ihren Augenwinkeln ihre Aufmerksamkeit auf sich und sie sah sich urplötzlich einem großen Spiegel gegenüber.
Ihr Herz raste und sie wusste, dass sie weiterlaufen sollte.
Sie sollte flüchten.
Doch ihre Füße trugen sie näher an den Spiegel heran, der ihr nur ihre Umgebung zeigte, nicht jedoch ihr Spiegelbild.
Der Ruf, das Ziehen wurde stärker und sie konnte den Atem des Schattens in ihrem Nacken spüren. Ein Herzschlag und sie griff wie von selbst nach der Glatten Fläche des Spiegels. Ihre Finger umfassten den glänzenden Türknauf, bevor sie es sich anders überlegen konnte.
Sie trat durch die Tür, die nach ihr gerufen hatte.
Es wurde still.

****


Der Ausdruck in den Augen des Professors wurde eindringlicher und kurz hatte Logan die Befürchtung, dass der Ältere nun doch noch seine Gedanken lesen würde, aber Charles wandte sich nach einem weiteren Moment mit einem resignierten Seufzen ab.
„Ich weiß, dass du nicht darüber reden möchtest, Logan. Aber...“
„Es gibt nichts, worüber wir noch weiterreden müssten.“, fiel ihm Logan ins Wort. „Ich kann Ihnen nicht sagen, was passiert ist.“
„Kannst du nicht oder willst du es nur nicht?“
Logans Hände ballten sich unwillkürlich zu Fäusten und er knirschte mit den Zähnen.
„Ich muss deine Gedanken nicht lesen, um zu wissen, dass du mir etwas verschweigst, Logan. Ich glaube dich gut genug einschätzen zu können, um zu wissen, dass du die Anderen nicht einfach grundlos zurückgelassen hättest, ohne auch nur ein Wort zu sagen.“ Charles runzelte missbilligend die Stirn.
Logan schluckte schwer und war versucht, einfach aufzustehen und zu gehen.
„Ich bin ewig herumgelaufen und das meine ich wörtlich. Es war dunkel und nichts war so, wie es laut Grundriss hätte sein müssen.“, presste er schließlich hervor.
„Eine Illusion.“
Logan bedachte die unausgesprochene Frage nicht mit einer Antwort. Es wurde immer schwieriger ruhig zu bleiben und nicht seinen Instinkten zu folgen. Er fühlte sich in die Ecke gedrängt und mit jedem Atemzug wurde das Gefühl der Schlinge um seinen Hals wieder stärker.
„Ich bin im Blackbird zu mir gekommen, mit diesem Jungen in den Armen... Ich musste weg.“
Und das war nicht einmal gelogen.
Logan konnte sich wirklich nicht daran erinnern, wo der Junge hergekommen war, geschweige denn wie oder wann er ihn von der Aussichtsterrasse zum Jet gebracht hatte. Er wusste nur noch, dass Cathys Geruch an dem Jungen gehaftet hatte, genauso wie...
Nein.
Er konnte nicht daran denken.
Charles Blick wurde einen kurzen Moment lang richtig bohrend, ehe er dann langsam nickte, obwohl Logan nicht wirklich das Gefühl hatte, dass der Andere mit dem Thema durch war.
„Da auch Jean eine äußerst unangenehme Illusion erlebt zu haben scheint, bevor sie und die Anderen Scott gefunden haben, denke ich, dass dieser James mit einem anderen Telepathen zusammengearbeitet hat, auch wenn ich noch nicht ganz nachvollziehen kann, welchem Zweck das Ganze gedient haben mochte. Ich gehe davon aus, dass das, worüber du nicht sprechen möchtest, mit der Illusion zu tun hat, durch die du herumgeirrt bist.“
Logan wandte seinen Blick ab. Wenn es doch nur eine Illusion gewesen wäre...
„Ich möchte, dass du weißt, dass ich hier bin, falls du doch noch darüber reden möchtest.“, fuhr Charles fort, hielt Logan dann aber noch mit einer Geste zurück, als dieser aufstehen wollte.
„Es gibt noch Einiges, was wir besprechen müssen, aber das betrifft auch die Anderen, deswegen möchte ich dir nahelegen, zumindest so lange zu bleiben, bis wir diese Angelegenheit zusammen durchgehen können. Es gibt allerdings noch eine Sache, die ich dir im Moment sagen muss.“
Logan unterdrückte den Fluch, der ihm auf den Lippen lag.
Er musste wirklich, wirklich endlich hier raus.
„Cathy...“
Logan konnte sehen, dass der Professor zögerte.
„Du hast gesagt, dass sie nicht dort war und ich glaube dir. Ich selbst habe seither versucht sie mit Cerebros Hilfe zu finden, aber...“ Trauer breitete sich auf Xaviers Gesicht aus. „Sie ist nicht auffindbar, es ist … Nun ja, es ist, als würde sie nicht existieren. Zuerst dachte ich, dass sie sehr gut abgeschirmt sein könnte, aber nun da du hier bist kann ich sehen, dass...“
„Was? Was können Sie sehen, Professor?“
Hatte sich Logan durch irgendetwas verraten? Hatte der Professor doch seine Gedanken gelesen? Wusste er...?
„Ich sehe, dass die telepathische Verbindung, die es zwischen euch gegeben hat, ins Leere läuft. Daher … Ich befürchte das Schlimmste...“

****


Cathy schrak hoch.
Ihr Herz raste und sie brauchte länger als sonst, um sich wieder zu orientieren. Die Umrisse und Schatten in ihrem dunklen Zimmer schienen im ersten Moment seltsam verzerrt und fremd. Es half auch nicht, dass der beunruhigende Traum nicht sofort von ihr ablassen wollte. In den ersten paar Augenblicken hatte sie noch immer das Gefühl, als wäre etwas gegen ihren Rücken geschmiegt und als würde Atem gegen ihren Nacken streichen...
War da ein Flüstern, direkt an ihrem Ohr...?
Sie schüttelte den Kopf, wie um sich selbst wach zu rütteln, ehe sie mit zitternden Fingern nach ihrer Nachttischlampe griff, um sie einzuschalten, in der Hoffnung, dass das Licht die Angst vertreiben würde. Doch der warme Lichtschein half nicht sofort.
Kalter Schweiß lief ihren Rücken hinunter und ließ sie frösteln, während sie versuchte ihre Gedanken wieder zu ordnen.
Es war nur ein Traum gewesen.
Ein seltsamer, verwirrender Traum.
Aber dennoch, nur ein Traum...
'Ein Traum, ein Traum, ein Traum...'
Ihr Blick fiel ganz kurz auf den Spiegel, der sich gegenüber ihrem Bett befand, doch sie wandte ihn sofort wieder ab.
Sie wollte ihr Spiegelbild jetzt nicht sehen.
Nicht so kurz nach dem Aufwachen. Nicht während das Zimmer in Dunkelheit gehüllt war und lediglich ihre kleine Nachttischlampe ein klein bisschen Helligkeit spendete.
'Cathy...'
Sie schüttelte erneut den Kopf und rieb sich ein paar Mal kräftig über die Ohren, um dieses seltsame Gefühl zu verdrängen, ehe sie sich wieder aufs Bett zurückwarf und die Decke fast schon trotzig über den Kopf zog.
Es war nur ein Traum gewesen.
Cathy atmete tief durch und schloss die Augen, in dem Versuch wieder einzuschlafen.
Die Nachttischlampe blieb aber die restliche Nacht eingeschaltet.
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