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Wenn Wünsche wahr werden

GeschichteDrama / P18 / Gen
OC (Own Character) Wolverine / James "Logan" Howlett
12.12.2006
18.04.2021
37
200.072
3
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22.07.2020 3.071
 
Ruhe.
Endlich war es still.
Nichts rührte sich in dieser vollkommenen Dunkelheit, die sie umgab, und selbst wenn sie es gewollt hätte, sie konnte beim besten Willen nicht sagen wo sie sich befand. Aber das war auch mehr als unwichtig.
Es war nicht wichtig wo sie war oder wer sie war.
Sie ließ sich einfach treiben, ließ alle Gedanken fahren und sank noch tiefer in das Nichts, um eins mit der süßen Stille zu werden.
Alles verging.
Nein.
Irgendetwas änderte sich.
Es dauerte lange, sehr, sehr lange, bis sie überhaupt merkte das plötzlich etwas anders war. Es war, als hätte sie irgendetwas gestreift, als wäre da noch etwas in der Dunkelheit.
Irgendetwas griff nach ihr.
Auf einmal war die Ruhe weg, die Stille wurde durchbrochen.
Auf einmal war da Schmerz.
Auf einmal...

Sie öffnete die Lippen zu einem stummen Schrei und riss die Augen auf.

****


Im ersten Moment konnte sie nichts sehen.
Da war ein weißer Schleier vor ihren Augen, die sich unglaublich verklebt anfühlten, so als hätte sie diese lange Zeit nicht aufgemacht. Selbst nach wiederholtem Blinzeln wollte sich der Film nicht auflösen.
Sie wollte sich über die Augen wischen, um ihren Blick zu klären, aber es dauerte eine Weile, bis ihr klar wurde, dass sie sich einfach nicht rühren konnte. Ihre Gliedmaßen fühlten sich unglaublich schwer und steif an und selbst ihre Finger zuckten nur kurz, als sie versuchte, wenigstens diese zu bewegen.
Panik breitete sich in ihrem Inneren aus und ein heiseres Wimmern brach aus ihrer Kehle.
Sie versuchte sich zur Ruhe zu zwingen und sich erst einmal ihrer Situation ganz klar zu werden, aber das erwies sich beinahe als unmöglich. Eher im Gegenteil. Das leise, im Rhythmus ihres Herzschlages ertönende Piepsen und der chemische Geruch in der Luft fachte die immer heftiger werdende Unruhe nur noch an.
Tränen traten in ihre Augen und sie konnte das Schluchzen nicht unterdrücken, als sich ihr Nacken nur noch stärker verspannte bei dem Versuch zumindest ihren Kopf zu wenden. Sie war von dem Schmerz so sehr abgelenkt, dass sie es kaum mitbekam wie sich Schritte näherten, ehe direkt neben ihr ein verblüfftes Keuchen ertönte und Finger vorsichtig ihre Schulter berührten.
„Oh, wer ist denn da aufgewacht?“, hauchte eine weibliche Stimme, die aber auch nicht unbedingt zu ihrer Beruhigung beitragen konnte. Ein weiteres Schluchzen entkam ihr, als das Blinzeln ihr noch immer nicht dabei half, aus dem dunklen Schemen, der sich über sie beugte, ein erkennbares Bild zu machen.
„Einen Moment, das haben wir gleich. Bitte kurz die Augen schließen.“
Sie zuckte zusammen, als plötzlich ein warmes, feuchtes Tuch ihre geschlossenen Lider berührte, bevor ihr damit vorsichtig über die Augen gestrichen wurde.
„So, das wär's.“
Sie blinzelte erneut und es half auch nicht sofort, aber nach einem weiteren Moment klärte sich ihr Blick und sie sah in das wenn auch etwas verschwommene, lächelnde Antlitz einer Krankenschwester.
„Guten Morgen, Sonnenschein.“

****


Sie musste wohl erneut eingeschlafen sein.
Sie runzelte die Stirn, als sie von Fingern geweckt wurde, die ihr sanft durch die Haare strichen. Sie versuchte die Augen zu öffnen, aber sie war so unglaublich schläfrig, dass sie sich am Liebsten von dem kitzelnden Gefühl einfach wieder in den Schlaf lullen lassen wollte.
„Hmmm...?“
„Schhh … Es ist alles gut, Liebes.“
Es war eine weibliche Stimme, eine fremde und doch so unglaublich vertraute Stimme, dass sie nicht anders konnte, als gegen die Müdigkeit anzukämpfen und nun doch zu der Frau hoch zu blinzeln, die an ihrem Bett saß und sie mit einem müden Lächeln bedachte.
Sie wusste nicht, wieso der Anblick der älteren Frau ihr einen schmerzhaften Stich versetzte und ihr das Atmen erschwerte, aber ungebetene Tränen brannten plötzlich in ihren Augen, Sie schluckte schwer und wollte irgendetwas erwidern, aber außer einem trockenen Krächzen konnte sie nichts zustande bringen.
„Warte.“, murmelte die Frau beschwichtigend, bevor sie ihr ein Glas Wasser entgegen hielt und ihr dabei half ein paar Schluck durch einen Strohhalm zu trinken. Die kalte Flüssigkeit beruhigte ihren rauen Hals ein wenig, aber es war nicht genug, um ihr ihre Stimme zurück zu geben.
„Wo...“, hauchte sie, bevor ihre Stimmbänder wieder aufgaben.
Die Frau seufzte fast schon resignierend und wandte kurz den Blick ab, ehe sie das Glas zur Seite stellte und fortfuhr ihr durchs Haar zu streichen. Die Ältere sah ihr mit einem zwar warmen, aber leicht bitteren Lächeln in die Augen und schien sichtlich zu zögern, bevor sie auf die kaum gestellte Frage antwortete.
„Du bist im Krankenhaus.“
Ihr Atem stockte kurz und sie konnte fühlen, wie ihr Herz anfing wie wild in ihrem Brustkorb zu schlagen. Ihre Augen weiteten sich, worauf die Fremde mit ihrer freien Hand die ihre ergriff und sacht drückte.
„Bitte, versuch ruhig zu bleiben, Liebes. Wenn du dich so aufregst wie das letzte Mal, wird dir die Krankenschwester wieder ein Beruhigungsmittel geben.“
Das letzte Mal...?
Sie versuchte der Bitte Folge zu leisten, aber es war so unglaublich schwer gegen die anbahnende Panik anzukämpfen.
Krankenhaus...
Wieso war sie im Krankenhaus?
Sie konnte fühlen, wie ihr Herz raste und ihr langsam kalter Schweiß auf die Stirn trat, während ihre Augen zur Seite zuckten in dem Versuch, mehr von ihrer Umgebung wahrzunehmen. Aber es war fast unmöglich mehr als nur die weiße Decke über ihr zu sehen.
Jedes Mal wenn sie auch nur versuchte sich zu bewegen, versteiften sich ihre Muskeln noch mehr.
„Schhh … Ist ja schon gut, es wird alles wieder gut.“, versuchte die Frau sie zu beschwichtigen, aber es brachte nicht wirklich viel. Es half auch nicht, dass sie beim besten Willen nicht wusste, wer diese Fremde an ihrem Bett war und wieso diese sie mit so einer Sorge und Liebe in ihrem Blick betrachtete, als würden sie sich kennen.
„Wa...s...?“
Ihre Stimme gab nach bevor sie ihre Frage auch nur annähernd äußern konnte.
Was war passiert?
Wieso war sie im Krankenhaus?
Wer war diese Fremde an ihrem Bett und wieso hatte sie das Gefühl, dass sie sie eigentlich kennen müsste?
Ein Wimmern entkam ihren Lippen und Tränen rannen seitlich an ihren Wangen runter, während sie versuchte Ordnung in das Chaos in ihrem Kopf zu bringen. Je länger sie versuchte einen klaren Kopf zu bekommen und sich einen Reim auf das alles hier zu machen, desto mehr Fragen drangen an die Oberfläche.
Aber die eine Frage, die wichtige, wichtige Frage, die sie sich kaum zu formulieren traute, aus Angst, dass sie sie einfach nicht beantworten konnte, egal wie angestrengt sie auch danach suchte, lautete:
Wer war sie selbst?

****


Da war ein Rauschen in ihren Ohren.
Sie schloss die Augen in dem erneuten Versuch ihren Herzschlag zu beruhigen und sich auf die Worte des Arztes zu konzentrieren, aber es ging einfach nicht. Seine fachlichen Erklärungen blieben ein Murmeln im Hintergrund, während die wenigen Worte, die sie aus dem ganzen Schwall herausgepickt hatte, in ihrem Kopf widerhallten.
Unfall.
Schädel-Hirn-Trauma.
Koma.
Angeblich war sie vor etwa einem Jahr während eines Theaterbesuchs wegen eines Schwächeanfalls zusammengebrochen. Ausgelöst durch einen Defekt am Herzen, der bis dahin noch nicht entdeckt worden war, sich jedoch genau diesen Moment ausgesucht hatte um sich bemerkbar zu machen und sie zum Zusammenbrechen gebracht hatte.
Zu dumm nur, dass sie sich davor schon schlecht gefühlt und sich auf den Weg nach draußen gemacht hatte. Wenn sie auf ihrem Platz im Theatersaal sitzen geblieben wäre, wäre sie wohl nicht so unglücklich gestürzt und hätte sich nicht den Schädel an der Armlehne des letzten Sitzes aufgeschlagen.
Rehabilitation.
Gedächtnisverlust.
Nach dieser langen Zeit sei es fast schon ein Wunder, dass sie überhaupt ihr Bewusstsein wiedererlangt hatte und sie müsse sich jetzt ganz auf ihre Therapie konzentrieren. Dass sie sich nicht erinnern könne, dürfte eine Folgeerscheinung sein, aber das müsse nicht gleich heißen, dass ihre Erinnerungen nicht zurückkommen würden.
Es war, als würde sie einer Puppe beim Sprechen zuhören, so distanziert und abwesend wie der Doktor klang. In den ersten Momenten hatte sie versucht etwas von seinem Gesicht abzulesen und es mochte auch daran gelegen haben, dass sie immer noch etwas verschwommen sah, aber sie hatte das Gefühl gehabt, als würde er direkt durch sie hindurch sehen...
Cathy Miriam Smith.
Sie öffnete die Augen, als die Fremde erneut sacht ihre Hand drückte und der Gedanke, den sie eben noch gehabt hatte, verflüchtigte sich.
Nein, keine Fremde.
Nicht wirklich.
Sie schluckte schwer und sah zu der älteren Frau, die sie sanft anlächelte. Die Anwesenheit dieser Person und der zwei weiteren hinter ihr versetzte ihr immer noch einen Stich.
Eigentlich hätte sie sich doch über die Anwesenheit ihrer Familie freuen sollen, oder?
Wieso hatte sie dann das Gefühl, als würde ihr gleich wieder die Tränen kommen, jedes einzelne Mal wenn sie ihre Mutter, ihren Vater und ihren Bruder ansah?
Wieso war da dieser Druck auf ihrer Brust?

****


Sie wachte mit einem Keuchen auf.
Im ersten Moment fiel es ihr schwer sich zu orientieren und die Panik ergriff Besitz von ihr, wie auch schon die vielen anderen Male zuvor. Ihr Herz raste und ihr Blick huschte über die dunkle, unbekannte Decke, bevor sie verzweifelt versuchte sich auf der harten Matratze aufzusetzen, doch ihr steifer Nacken hinderte sie an zu hastigen Bewegungen.
Erst als die murmelnden Stimmen der Krankenschwestern auf dem Gang wieder deutlicher in ihr Bewusstsein drangen, wurde ihr klar, wo sie sich befand.
Doch irgendwie half dieses Wissen nicht gegen das Gefühl von Angst, das sie inzwischen beinahe schon zu gut kannte. Ihr Atem stockte und das einzige, das sie in diesem Moment daran hinderte zu flüchten, war die Tatsache, dass ihr Körper sich nach wie vor weigerte, ihr so richtig zu gehorchen.
Er schien Tonnen zu wiegen, als sie sich mühevoll aufrichtete, und jede noch so kleine Bewegung tat weh, sodass sie schon nach wenigen Augenblicken zitternd und schweißgebadet nach Atem rang. Dennoch griff sie fast blind nach der Nachttischlampe, in der Hoffnung, dass ein wenig Licht die grundlose Panik vertreiben würde.
Und tatsächlich schaffte es das Licht sie ein klein wenig zu beruhigen, auch wenn es in ihren Augen brannte. Es drängte die dunklen Schatten zurück in die Ecken des Zimmers und aus welchem Grund auch immer erleichterte ihr diese Tatsache allein das Atmen. Es war als würde etwas von dem Druck, der auf ihrer Brust lastete, wieder von ihr ablassen.
Der Blick ihrer tränenden Augen fiel auf das Fenster neben ihrem Krankenbett und somit auf ihr Spiegelbild, das ihr ebenso erschöpft entgegen starrte wie sie sich fühlte. Es war für sie immer noch seltsam, sich selbst zu sehen.
Sie wusste, dass sie ihr eigenes Gesicht eigentlich kennen sollte, aber es war immer noch so, als würde sie eine Fremde sehen, jedes Mal wenn sie in einen Spiegel blickte. Die dunklen, braunen Augen waren ihr zwar vertraut, aber dennoch fremd und sie schienen sie beinahe jedes Mal vorwurfsvoll anzusehen.
Sie schluckte schwer und strich sich eine lange, weiße Strähne aus dem Gesicht. Selbst die weiße Farbe ihrer Haare kam ihr so unglaublich seltsam vor, auch wenn ihre Mutter ihr mehrfach beteuert hatte, dass sie schon von Geburt an so farblos gewesen waren.
Es hatte trotzdem nichts geändert, selbst als sie Fotos von sich selbst gezeigt bekommen hatte.
Sie konnte einfach das Gefühl nicht abschütteln, dass alles falsch war. Dass hier nichts stimmte. Aber wie sollte es auch anders sein, wenn ihr selbst ihr eigener Name so seltsam und fremd vorkam?

****


Hier war sie also.
Cathy atmete tief durch und wagte den letzten Schritt über die Türschwelle, die aufmunternden Blicke ihrer Eltern im Rücken fühlend, bevor sie sich aufmerksam umsah.
Zu Hause.
Nach so vielen Monaten der Therapie und Reha, egal wie schnell diese auch verflogen waren, war sie endlich, endlich wieder zu Hause. Selbst wenn sie sich nur vage an dieses Zuhause erinnern konnte, so war allein das Gefühl, endlich nach Hause gekommen zu sein, so stark, dass sie einen kurzen Moment inne halten musste.
Sie ließ ihre Tasche fast zögerlich sinken, nicht wirklich wissend wohin sie diese stellen sollte und trat weiter in ihr Zimmer hinein. Fremd und gleichzeitig so unglaublich vertraut...
„Cathy?“
Die Berührung von warmen Fingern riss sie aus ihren Gedanken und sie blinzelte ihre Mutter verwirrt an, die auf einmal vor ihr stand und sie mit einem leicht besorgten Ausdruck in den Augen betrachtete.
„Wieso weinst du? Ist alles in Ordnung?“
„Was...? Ich weine doch gar ni...“ Cathy verstummte als sie auf einmal den salzigen Geschmack ihrer Tränen auf ihren Lippen schmeckte. „Ich ...“
Sie zuckte mit den Schultern und zwang sich zu einem Lächeln.
„Ich bin nur froh wieder hier zu sein, das ist alles.“ Sie wischte sich mit leicht zitternden Fingern die Tränen von den Wangen.
„Ach, Liebes...“, ihre Mutter umarmte sie, ehe sie einen Kuss auf die Stirn drückte und ihr Lächeln erwiderte. „Wir sind glücklich dich wiederzuhaben.“
Cathy nickte und ließ ihren Blick erneut abgelenkt durch ihr Zimmer schweifen.
„Ruh dich aus, dein Vater und ich machen derweil das Essen, ja?“
Und dann war sie wieder alleine.
Sie wusste nicht, wieso ihr dieser Zustand wieder Tränen in die Augen treten und einen kalten Schauer über den Rücken laufen ließ.

****


Irgendetwas ließ sie hochschrecken.
Cathys Blick schweifte durch ihr Zimmer, sie konnte aber nicht sagen, was sie abgelenkt hatte. Hatte ihre Lampe vielleicht leicht geflackert?
Sie runzelte verwirrt die Stirn, bevor sie sich wieder auf das Fotoalbum konzentrierte. Allmählich kamen ihr die lächelnden Gesichter zumindest bekannt vor, auch wenn sie es nicht immer schaffte die Namen ihrer Verwandtschaft zuzuordnen.
Sie wusste, dass sie eigentlich nicht frustriert sein sollte, wenn sie sich mal an etwas nicht erinnerte, immerhin konnte sie von Glück reden, dass ihre Erinnerungen scheinbar nach und nach ja doch Großteils wiederkamen. Zumindest fühlte sie sich in Anwesenheit ihrer Eltern und ihres Bruders nicht mehr so als hätte sie vollkommen Fremde vor sich.
Nicht so wie am Anfang...
Sie schloss für einen kurzen Moment die Augen, ehe sie das seltsame Gefühl von Trauer abschüttelte. Sie konnte nicht sagen, woher es kam und wieso es sie immer wieder in den seltsamsten Augenblicken überfiel.
Cathy starrte noch einen weiteren Moment auf die offene Seite ihres Tagebuchs, ehe sie den angefangenen Satz beendete. Sie wollte weiterschreiben, hielt aber urplötzlich inne.
Hatte sie nicht gerade eben noch auf ihrem Bett gesessen, mit dem Fotoalbum auf dem Schoß?...

****


„...thy?“
Sie schrak hoch, als ihr Gegenüber sie anstupste.
„Was?“ Cathy blinzelte das andere Mädchen verwirrt an und hatte im ersten Moment unglaubliche Mühe damit sein Gesicht einzuordnen und sich in Erinnerung zu rufen, wieso sie zusammen mit ihm am Esstisch saß, auf welchem diverse Hefte und Bücher verstreut waren.
Anna.
Ihr Name war Anna und sie war ihre beste Freundin...
Cathy rieb sich über die Augen und versuchte ihre Gedanken zu ordnen. Sie wusste nicht wieso sie sich fühlte als hätte sie gerade eben noch irgendetwas anderes gemacht, immerhin war sie ja diejenige gewesen, die Anna angerufen hatte. Und es war auch nicht das erste Mal, dass sie sich sahen, seitdem sie aufgewacht war...
„Entschuldige...“
„Alles in Ordnung?“, fragte Anna besorgt.
„Ja … nein … ich weiß nicht.“ Cathy seufzte und lächelte ihre Freundin entschuldigend an. „Ich hab nur Kopfschmerzen. Aber das geht bestimmt bald wieder.“
„Magst du vielleicht etwas dagegen einnehmen? Dauert ja nicht lange, danach können wir uns meine Notizen weiter zusammen durchschauen.“
„Nein … das vergeht bestimmt bald wieder. Von den Schmerztabletten werde ich immer mü...“
...
Cathy seufzte und drehte sich auf die andere Seite, in dem Versuch doch noch wieder einzuschlafen, aber es brachte einfach nichts. Je mehr sie versuchte sich dazu zu bringen wieder in den Schlaf zu sinken, desto wacher wurde sie.
Schließlich setzte sie sich auf und hob ihren Teddy auf, der vom Bett gefallen war. Sie schloss ihn in ihre Arme und drückte ihm einen dicken Kuss auf den Kopf, bevor sie sich wieder hinlegte und sich in ihre warme Decke kuschelte.
Sie brauchte Trost und sie hatte keine Ahnung woher dieses Gefühl kam.
Jetzt war sie schon seit Monaten wieder zu Hause, sie konnte ihre Schulausbildung fortführen und erkannte auch so gut wie alle ihre Verwandten, Bekannten und Freunde. Heute war sogar ein wirklich guter Tag gewesen, sie hatte keine unangenehmen Situationen aufgrund fehlender Erinnerungen erlebt.
Sie war den ganzen Tag gut gelaunt gewesen und doch...
Plötzlich fühlte sie sich allein und verlassen, obwohl sie wusste dass ihr Bruder und ihre Eltern nur wenige Schritte entfernt schliefen. Da war wieder dieser Druck auf ihrer Brust, eine tiefe, tiefe Trauer und gleichzeitige Freude, so intensiv dass es ihr beinahe den Atem abschnürte.
Vielleicht hing es ja auch mit dem Traum zusammen, aus dem sie hochgeschreckt war und an den sie sich nicht mehr erinnern konnte...

****


Cathy schrak hoch.
Ihr Herz raste und da war wieder dieses Gefühl.
Das Gefühl, dass sie Zeit verlor.
Es mochte ein bescheuerter Gedanke sein und sie war sich absolut sicher, dass sie es sich nur einbildete, weil die vergangenen Monate aufgrund ihrer Geschäftigkeit einfach so schnell vorbei gezogen waren.
Und dennoch...
Ab und zu konnte sie den Gedanken, dass etwas nicht stimmte, trotzdem nicht abschütteln. Manchmal war sie sich sicher, gerade eben eine bestimmte Sache getan oder gesagt zu haben, nur um sich in einer komplett anderen Situation wieder zu finden. Es war bizarr und verwirrend und eigentlich war sie davon überzeugt, dass es nur an ihren wirren Erinnerungen lag, die stückchenweise zurückkamen.
Aber trotzdem ließ sich dieses Gefühl manchmal nicht verdrängen. Es war, als würde sie ganze Momente einfach verlieren, als würde sie von einem Augenblick zum nächsten stolpern ohne es bewusst wahrzunehmen.
Es machte ihr Angst.
Es machte ihr Angst und sie wusste nicht ob...
Cathy schrak hoch, als die Spitze ihres Bleistiftes abbrach.
Sie starrte zuerst blicklos auf ihr Tagebuch und es dauerte einen Moment, bis sie das Bild, das sich ihr bot, bewusst wahrnahm. Ihr Atem stockte und kalter Schweiß trat auf ihre Stirn, ehe sie den Bleistift fallen ließ und so schnell von ihrem Sessel hochfuhr, dass dieser umkippte.
Sie wich ein paar Schritte von ihrem Schreibtisch zurück und blickte entsetzt auf die aufgeschlagene Seite des Tagebuchs.
Ihre Hände begannen zu zittern und ihr Herz raste, aber das änderte nichts daran, dass sie scheinbar schon wieder etwas tat, ohne es bewusst bemerkt zu haben. Sie konnte sich nicht daran erinnern, wie sie dazu kam, an ihrem Schreibtisch zu sitzen. Sie hatte keine Ahnung, was sie davor getan hatte.
Da war eine Zeichnung auf der Seite, auf der sie scheinbar etwas hatte schreiben wollen. Eine Zeichnung, die eine weibliche Figur zeigte, die in Schatten gehüllt war. Eine weibliche Figur, deren hellen, oh so hellen Augen, sie direkt anzustarren schienen.

Deja-vu.




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