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Wenn Wünsche wahr werden

GeschichteDrama / P18 / Gen
OC (Own Character) Wolverine / James "Logan" Howlett
12.12.2006
18.04.2021
37
200.072
3
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Dieses Kapitel
6 Reviews
 
12.12.2006 3.576
 
Tjaha, da bin ich also wieder. Auf die zwei Reviews hab ich auch brav bei den Reviews geantwortet, weswegen das diesmal wegfällt. Aber nochmals vielen lieben Dank an Kamikaze Miri und an faceless. n_n Eure Reviews sind genau dann gekommen, als ich wirklich nicht mehr mit Reaktionen gerechnet hab.
Aber vielleicht kann sich ja doch noch jemand dann zu einer Meldung überwinden. Es würd mich nämlich wirklich, wirklich wahnsinnig interessieren, wie gerade das letzte Kapitel (Anfang vom Ende) bei euch Lesern angekommen ist.

Anyways, es geht jetzt weiter. Wobei ich aber doch noch zuerst einmal anmerken muss, dass ihr mich bitte nicht schlagen sollt. Ich kann nur sagen: Ich musste meinem Wahnsinn ein bisschen Auslauf gönnen und so ist es dann zu diesem und zu den nächsten zwei Kapiteln gekommen. Also... Lehnt euch zurück und lest einfach. Und lasst mich eventuell wissen, wie's euch gefallen hat.

Viel Spaß,
lg,
myst

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Kapitel 25: Türenlabyrinth- Tür 1

Mach die Augen auf.

Ein leichter Ruck ging durch ihren Körper, als sie mit einem Stirnrunzeln langsam wieder zu sich kam. Hinter ihrer Stirn pochte es und weit entfernt glaubte sie ein Stöhnen und Wimmern zu hören, aber vermutlich bildete sie es sich nur ein.
Genauso wie sie es sich wahrscheinlich nur einbildete, schon einmal aufgewacht zu sein...
Cathy stöhnte leise und setzte sich auf, während sie versuchte den letzten Rest des Nebels aus ihrem Kopf zu verdrängen. Sie wusste nicht, was geschehen war und wieso sie sich so fühlte, als hätte Scott sie zum zweiten Mal überfahren, aber bestimmt würde es dafür eine vernünftige Erklärung geben.
Sie musste nur hochkommen und einen klaren Kopf bekommen.
Es vergingen noch ein, zwei Momente, bis sie sich absolut sicher war, dass sie nicht wieder umkippen würde und erst als das letzte bisschen Schwindelgefühl abgeklungen war, wagte sie es endlich die Augen zu öffnen.
Nur um sich in vollkommener Dunkelheit wieder zu finden.
Natürlich war die Finsternis nicht absolut, es dauerte jedoch ein paar Sekunden, bis sich ihre Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten und sie den Raum, in dem sie sich befand, ein wenig genauer erkennen konnte. Und selbst da dauerte es eine Weile, bis aus den dunklen, wagen Umrissen Möbel wurden.
Sie blinzelte ein, zwei Mal, ehe sie von dem Bett, auf dem sie scheinbar geschlafen hatte, aufstand und die wenigen Schritte zum Fenster zurücklegte, um die Vorhänge zur Seite zu ziehen, aber viel heller wurde das Schlafzimmer dadurch auch nicht.
Cathys Stirnrunzeln vertiefte sich, als sich selbst die Suche nach einer funktionierenden Lampe als fruchtlos erwies.
Das Zimmer blieb dunkel.
Sie schluckte schwer und versuchte die unbegründete Angst, die Besitz von ihr ergreifen wollte, abzuschütteln, aber so ganz wollte es ihr nicht gelingen. Irgendetwas an den Schatten jagte ihr einfach einen eiskalten Schauer über den Rücken und sie hatte aus irgendeinem Grund das Gefühl, als würde sie jemand beobachten.
Sie ließ ihren Blick erneut durch das Zimmer schweifen, aber bis auf das Bett, dem Fenster und einem Schrank, der sich direkt ihr gegenüber befand, gab es nicht viel zu entdecken. Etwas an dem Spiegel, der an der Schranktür angebracht war, ließ sie für einen kurzen Moment stutzen, doch sie ließ sich nicht allzu lange davon abhalten und konzentrierte sich stattdessen lieber darauf, die Zimmertür zu finden.
Erstaunlicher Weise dauerte es ein, zwei Momente, bis sie diese endlich finden konnte.
Sie wusste nicht wieso, aber etwas hielt sie im ersten Augenblick von den tiefen Schatten in den Ecken fern und es kostete sie einige Überwindung, dort nach dem Ausgang zu suchen. Jedes Mal, wenn sie sich ihnen mit einem weiteren Schritt näherte, zog sich etwas tief in ihr zusammen...
Sie schüttelte das Gefühl ab und ergriff nach einem weiteren, kurzen Zögern, in dem sie angestrengt nach irgendwelchen Geräuschen lauschte, die Türklinke, nur um kurz darauf die Tür aufzureißen und in das nächste Zimmer zu treten.
Ihr Herz raste und sie musste sich dazu zwingen, ruhiger zu atmen, während ihr Blick durch das Wohnzimmer jagte, doch außer ihr war scheinbar niemand da. Die einzige Bewegung wurde vom Licht eines flackernden Monitors vorgegaukelt.
Wieso hatte sie überhaupt erwartet, jemanden vorzufinden?
Das letzte, an das sie sich erinnern konnte, war...
Ja, was denn?
Cathy schloss für einen kurzen Moment die Augen und versuchte sich zu konzentrieren, sich zu erinnern, aber es wollte ihr nicht so richtig gelingen.
Da war etwas, etwas Wichtiges, das wusste sie, doch ihr wollte einfach nicht einfallen, was es war. Jedes Mal wenn sie die Augen schloss, blitzte es violett durch ihre Gedanken und...
Violett...
Sie schüttelte den Kopf und musste sich für einen kurzen Augenblick gegen den Türrahmen lehnen, als ein heftiges Schwindelgefühl Besitz von ihr ergriff, der Moment war allerding schnell wieder vorbei.
Violett...
Da waren violette Augen gewesen.
Tiefviolette Iriden, die bis in ihre Seele zu blicken schienen.
‚Ich bin mit ihm zusammengestoßen.’
Sie konnte sich nicht an das Gesicht des jungen Mannes erinnern, jedoch an die Tatsache, dass sie mit ihm zusammengestoßen war. Sie war viel zu sehr in Gedanken vertieft gewesen, nachdem sie Logans Zimmer verlassen hatte...
Logans Bett, in dem sie alleine aufgewacht war.
Doch dies war nicht der richtige Moment, um darüber nachzudenken.
Sie musste herausfinden wo sie war, wieso sie da war und wie sie zur Schule zurückkommen konnte. Alles andere war unwichtig.
Cathy stieß sich vom Türrahmen weg und ging an der Couch vorbei zum Schreibtisch, auf dem der eingeschaltete Monitor stand und starrte eine ganze Weile auf den Bildschirm, bis ihr klar wurde, dass sie nicht erkennen konnte, was auf diesem abgebildet war.
Sie fuhr sich mit der Hand über das Gesicht und rieb sich so lange die Augen, bis diese richtig wehtaten, ehe sie es erneut versuchte, doch es blieb dabei.
Egal wie sehr sie sich anstrengte, sie konnte einfach nicht erkennen, was auf dem Monitor zu sehen war. Die Farben und Formen zerflossen vor ihren Augen, bis sie einfach nicht mehr hinschauen konnte, ohne dass Tränen ihren Blick noch mehr verschleierten.
„Scheiße.“
Das Zischen, das ihren Lippen entkam war kaum zu hören und doch klang es in ihren Ohren viel zu laut. Es hallte durch die Dunkelheit, die sie umgab, und heuchelte ihr andere Geräusche vor.
Geräusche, die direkt aus den Schatten zu kommen schienen.
Aber sie wusste, dass es nur Einbildung war.
Sie schüttelte den Kopf und tastete mit leicht zitternden Fingern nach der Schreibtischlampe, auch wenn sie sich keine falschen Hoffnungen machen wollte. Wieso sollte ausgerechnet diese Lampe funktionieren, wenn alle anderen nicht reagiert hatten?
Warmes, leicht trübes Licht ließ die Schatten um den Schreibtisch herum noch dunkler erscheinen als sie waren, doch nach einem anfänglichen verblüfften Zusammenzucken achtete sie nicht weiter darauf, sondern machte sich an die Arbeit nach irgendwelchen Anhaltspunkten zu suchen, die ihr weiterhelfen konnten.
Ein paar Zettel zerrissen in ihrer Hast sie durchzusehen, doch sie fand nichts, womit sie etwas hätte anfangen können. Auch der Inhalt der Schreibtischschubladen war belanglos und ließ sie nur ratloser zurück, als sie es davor gewesen war.
Da waren nur Notizen, Formeln, die genau so vor ihren Augen verschwammen, wie die Bilder auf dem Monitor...
Ihr Kopf zuckte herum und ihr Körper versteifte sich, während sie angestrengt in die Schatten starrte.
Da war etwas.
Jemand...
„Wer ist da?“
Ihre Stimme hallte unbeantwortet durch den Raum und ließ das Gefühl, beobachtet zu werden, nur noch stärker werden. Sie konnte den Blick der unsichtbaren Augen auf sich fühlen, konnte die Präsenz gegen ihre Sinne drücken fühlen.
Sie war nicht allein.
Cathy schluckte schwer und machte einen unsicheren Schritt vom Schreibtisch weg, während ihr Blick erneut durch den Raum schweifte, doch außer den dichten Schatten, die am Rande des kleinen Lichtkreises lauerten, konnte sie nichts wahrnehmen.
Kurz streifte ihr Blick einen weiteren Spiegel, der das Licht der Schreibtischlampe reflektierte, doch ansonsten...
Kalter Schweiß benetzte ihre Stirn, während sie vergeblich versuchte sich zu beruhigen. Sie konnte ganz genau fühlen, dass da jemand war, doch bis auf das Gefühl wies nichts darauf hin. Es war als würden die Schatten gegen ihre Sinne drücken, als würde sich die Dunkelheit an ihren Körper schmiegen und...
Sie kannte die Präsenz.
Sie kam ihr unglaublich bekannt vor und doch...
„Terry?“
Sie wusste nicht, wieso sie an das Mädchen denken musste, mit dem sie kurz ihre Wohnung geteilt hatte, ehe sie zu den X-Men gestoßen war, aber irgendwie...
Cathy schüttelte den Kopf und zwang sich zur Ruhe.
Sie musste hier raus. Sie musste einen Weg aus dieser Wohnung finden.
Sie musste zurück zur Schule.
Sie musste hier weg.
Sie stolperte fast blind zur nächst besten Tür, die sie finden konnte, doch diese führte sie lediglich in ein kleines, dunkles Badezimmer, das sie nicht einmal zu betreten wagte. Ihr Blick fiel kurz auf den Spiegel, doch sie schlug auch schon wieder die Tür zu, ehe sie etwas hätte erkennen können.
Ihr nächster Versuch führte sie wieder in das Schlafzimmer, in dem sie zu sich gekommen war und selbst in den Raum wagte sie keinen Fuß mehr zu setzen.
‚Es muss hier doch noch eine Tür geben!’
Sie konnte die Panik an sich nagen fühlen, auch wenn sie sich wirklich bemühte sie im Zaum zu halten. Immerhin war das hier einfach nur eine dunkle, menschenleere Wohnung aus der es doch sicher einen Ausweg geben musste...
Doch außer den beiden Türen, die sie schon geöffnet hatte, konnte sie keine weitere mehr finden.
‚Das gibt’s nicht.’
Es war einfach nicht möglich!
Es musste einen Weg hinaus geben!
Es musste...

Mach die Augen auf.

Cathy drückte die Handballen gegen ihre Augen und atmete ein paar Mal tief durch, ehe sie sich erneut umblickte. Ihr Blick fuhr über die Couch, dem Schreibtisch, den zwei Türen, über die Küchenzeile und...
Da war noch eine Tür.
Sie war sich absolut sicher, dass die Tür beim erstmaligen Hinsehen noch nicht da gewesen war, doch als sie sich ihr näherte und leicht zögernd berührte, konnte sie eindeutig das Holz unter ihren Fingern spüren und das kalte Eisen, als sie die schwere Türklinke ergriff. Sie fühlte sich viel zu alt an für diese Tür und sie löste ein Gefühl in ihr aus, das sie nicht wirklich einordnen konnte, aber das war ihr im Moment egal, denn als sie durch den Gucker hinaus blickte, konnte sie eindeutig einen schwach beleuchteten Flur und Treppen erkennen, die sie wohl hinaus führen würden.
Sie atmete noch einmal tief durch und zwang sich zur Ruhe, ehe sie einen Schritt zurück trat und die Türklinke hinunterdrückte, um die Tür zu öffnen, doch sie klemmte noch einen ganz kurzen Moment lang, bevor sie mit einem Ruck und einen nicht zu überhörbaren Knarren aufging.

****


Sie konnte nichts sehen.
Cathy ließ mit einem leisen, erschrockenen Keuchen die Tür los und schlug die Hände vors Gesicht, noch während sie blind auf den Gang hinaus stolperte. Grelle Punkte auf ihrer Netzhaut ließen ihre Augen tränen und es dauerte eine ganze Weile, bis sich ihre Augen soweit erholt hatten, dass sie sie vorsichtig wieder öffnen konnte.
Der Gang vor ihr war weiß.
Sie blinzelte ein, zwei Mal, aber das Bild, das sich ihr bot, änderte sich nicht. Vor ihr erstreckte sich ein scheinbar unendlicher, grell weißer Gang mit ebenso weißen Türen.
„Was zum...?“, murmelte sie und wich einen Schritt zurück, in der Erwartung mit dem Rücken gegen die Tür zu stoßen, durch die sie vor einem Moment erst auf den Gang gestolpert war. Doch statt des harten Holzes fühlte sie...
Nichts.
Da war nichts.
Cathy wandte sich abrupt um, doch die Tür aus dunklem Holz mit der viel zu schweren Türklinke war verschwunden. Hinter ihr erstreckte sich derselbe unrealistische Gang wie auch vor ihr.
‚Das ist unmöglich...’
Sie war doch eben erst aus dieser Wohnung gekommen, es konnte noch nicht einmal eine Minute vergangen sein... Und Türen verschwanden nicht einfach so von einem Augenblick auf den anderen. Genauso wenig wie Gänge durch einen Türgucker anders aussahen, als sie tatsächlich waren...
Cathy schüttelte den Kopf und versuchte die Übelkeit zu unterdrücken, die in ihr hochsteigen wollte. Alle ihre Sinne versuchten ihr klar zu machen, dass etwas einfach nicht stimmte, dass das, was sie sah, nicht real sein konnte und doch...
Da war dieser weiße Gang direkt vor ihren Augen.
Sie berührte die Wand, fuhr sachte mit den Fingern über die makellose Fläche, aber obwohl sie die Textur genau spüren konnte, sagte ihr etwas, dass das, was sie sah und fühlte, einfach nicht wirklich da war.
‚Das ... ist ... nicht ... möglich...’
Sie schloss die Augen und atmete ein paar Mal tief durch, aber dieses Wissen, dass etwas einfach nicht stimmen konnte, drückte auch weiterhin gegen ihren Geist.
Sie verdrängte es.
Sie vergrub alle Zweifel und Bedenken, ehe sie die Augen wieder öffnete und dann, nach einem weiteren kurzen Moment des Zweifelns, einfach in eine Richtung losging.
Sie musste hier weg.
Und wenn es eine Ewigkeit dauern würde.

****


Cathy blieb abrupt stehen.
Sie wusste nicht, wie lange sie schon herumlief, wusste nicht, an wie vielen Türen sie schon vorbei gegangen war, doch das war hier, wo eine Tür aussah wie die andere, nicht wirklich von Bedeutung.
Das einzige, was sie mit Bestimmtheit sagen konnte war, dass ihre Füße allmählich schmerzten und dass das Gefühl, welches sie bis hierhin geleitet hatte, sie langsam verließ.
Nicht, dass sie es bis dahin richtig wahrgenommen hatte, dieses körperlose, wortlose und kaum hörbare Flüstern, welches ganz sacht ihre Sinne berührt hatte. Doch jetzt, ganz plötzlich, wurde ihr die Abwesenheit des Raunens bewusst, obwohl es bis vor einem Moment noch bei ihr gewesen war.
Cathy blinzelte verwirrt und warf einen vorsichtigen Blick in die Runde, selbst wenn sie ganz genau wusste, dass sich sonst nichts geändert hatte. Die aneinander gereihten Türen strahlten noch immer genau so weiß wie bisher, der Gang erstreckte still und leise vor ihr, wie um sie zu verspotten und...
Sie stutzte und wandte sich vollends um, um die eine Tür genauer zu betrachten.
Im ersten Augenblick konnte sie nicht sagen, was sie gerade an der einen Tür so irritierte, sah sie doch genau so aus wie all die anderen, aber...
Da war eine Türklinke.
Cathy schloss für einen kurzen Moment die Augen, rieb sie kräftig, ehe sie wieder hinsah.
Und tatsächlich, jetzt wo sie erst einmal darauf aufmerksam geworden war, bemerkte sie, dass all die anderen Türen in der Umgebung, keine Türklinken hatten. Es waren zwar eindeutig Türen, aber bei genauerer Betrachtung konnte man nicht wirklich erkennen, wie sie zu öffnen waren.
Sie machte einen zögernden Schritt in Richtung der Tür, die sie entdeckt hatte, hielt dann aber mitten im Schritt inne.
Irgendetwas sagte ihr, dass sie lieber weiter gehen sollte, dass sie einfach dem Gang folgen sollte, der bestimmt irgendwann einmal ein Ende finden würde, aber...
Was wenn der Gang niemals enden würde?
Cathy schluckte schwer, während sich ihre Finger unsicher in das Hemd krallten, das sie an hatte. Kalter Schweiß trat auf ihre Stirn, als einen Moment lang zwischen dem Gang und der Tür hin und her sah. Sie konnte sich nicht entscheiden.
Weiter gehen, oder doch lieber...?
Cathy erstarrte mitten in der Bewegung, als ihr etwas ganz plötzlich schmerzhaft bewusst wurde.
Sie wusste nicht mehr, aus welcher Richtung sie gekommen war.
Ihre Nackenhaare richteten sich auf, als ihr ein eiskalter Schauer über den Rücken jagte und ein leichtes Zittern von ihr Besitz ergriff.
Ihr Blick zuckte mit einem fast panischen Ausdruck zu der Tür, die ihre Aufmerksamkeit auf sich gelenkt hatte und die immer noch still und ruhig direkt vor ihr lag.
Unverändert.
Einzig der Türgriff schien etwas mehr zu glänzen, als sie nach einem weiteren Moment des Zögerns danach griff und ihn herunterdrückte.
Das tiefe Knarren das Letzte, was sie hörte, ehe die Tür endgültig aufschwang und sie über die Türschwelle stolperte.

****


Sie schlug sich das Knie auf, als sich ihr Fuß in einer Teppichfalte verfing und sie endgültig hinfiel. Dass dabei die Tür gegen die Wand knallte, bemerkte sie kaum.
Im ersten Augenblick blieb sie mit zusammengekniffenen Augen regungslos liegen und wartete mit angehaltenem Atem darauf, dass etwas passierte.
Doch es geschah nichts.
Der Moment verging und schließlich riss sie die Augen auf, ehe sie sich aufrappelte.
Die durchdringende Stille, die sie empfing, überdröhnte beinahe alles andere.
Selbst wenn sie wusste, dass durch das kleine Fenster am Ende des Flurs Geräusche dringen sollten, dauerte es eine ganze Weile, bis sie zumindest ihr eigenes Herzklopfen hören konnte.
Erst das Knarren der Tür des Abstellraumes, die sich langsam wieder schloss, schnitt durch diese alles umfassende Stille und erlaubte es auch den anderen Geräuschen, wieder zu ihr durchzudringen.
Cathy schluckte schwer und atmete tief durch, in dem Versuch, sich zu beruhigen, bevor sie die Unsicherheit abschüttelte und sich auf ihre Umgebung konzentrierte.
Es dauerte nicht einmal eine Minute, ehe ihr etwas klar wurde.
Sie kannte diesen Flur.
Sie kannte das kleine Fenster, durch welches warmes Sonnenlicht auf den dicken Teppich und die hellen Holzdielen fiel. Und da, der kleine weiße Tisch mit der Blumenvase und...
Cathy blinzelte und schüttelte den Kopf.
Das konnte nicht sein.
Und doch...
Ihre Füße leiteten sie automatisch ein paar Schritte näher zur Treppe, die nach unten führte, und durch die offen stehende Tür in ein jugendliches Schlafzimmer, welches sie genau so vorfand, wie sie es zuletzt in Erinnerung hatte.
Es lagen noch immer dieselben Bücher auf dem Schreibtisch und selbst das Heft, das sie zuletzt benutzt hatte, lag offen daneben und...
Cathy fuhr sich mit den Händen über die Augen, bevor sie ihren Blick erneut ungläubig durch das Zimmer schweifen ließ.
Es war ihr Zimmer.
Sie konnte es nicht glauben.
Sie wolle es nicht, und doch war es hier, direkt vor ihr, so wie es gewesen war an dem Abend an dem...
Cathy drehte sich auf der Stelle um und eilte zurück auf den Flur, nur um die Tür hinter sich zu zu ziehen und sich zur Ruhe zu zwingen. Sie lehnte sich schwer gegen die geschlossene Tür, während sie sich immer und immer wieder sagte, dass es nicht ihre Erinnerungen waren und dass das alles hier nicht real sein konnte.
Doch gleichzeitig konnte sie das Holz der Tür unter ihren Fingern spüren, genauso wie der weiche Teppich ihre Zehen kitzelte und dieses Geräusch im Hintergrund sie zutiefst irritierte...
Cathy sah erschrocken zu der Tür am anderen Ende des Ganges, von der sie wusste, dass sie zu Helens und Stevens Schlafzimmer führte.
War etwa außer ihr noch jemand hier?
Was wenn sie auf Helen traf?
Oder gar auf Steven...?
Ihre Augen weiteten sich vor Schreck, ehe sie die Angst im Keim erstickte und sich auf das Geräusch konzentrierte.
Es waren keine Schritte.
Keine Stimmen.
Aber da war eindeutig jemand in dem anderen Zimmer.
Cathy stieß sich von der Tür weg und näherte sich vorsichtig der Tür, dankbar dafür, dass der Teppich das Geräusch ihrer Schritte schluckte.
‚Helen...?’
Cathy runzelte die Stirn, als der Duft ihrer Adoptivmutter ihr in die Nase stieg.
Ja, es war eindeutig die Frau, die sich um sie gekümmert und sie am Ende verraten hatte.
Aber da war...
Irgendetwas an dem Geruch war falsch.
Cathy hielt direkt vor der Tür inne, während sie angestrengt dem Geräusch lauschte, das sie immer noch nicht genau einordnen konnte.
Sie schob die leicht offen stehende Tür ein kleines Stück weiter auf, wodurch ihr Blick zuerst einmal auf einen Teil des Bettes fiel, auf dem Fotos verstreut lagen und...
Es war das leise, gleichmäßige, knarzende Geräusch und der Schatten in ihren Augenwinkeln, welche sie die Tür endgültig aufstoßen und mitten im Schritt erstarren ließ.
Und doch dauerte es einen Moment, bis sie das Bild, das sich ihr bot, ganz bewusst wahrnehmen konnte.
Das Bild von dem umgefallenen Hocker.
Das Bild von Helens leblosen Augen, die starr auf die Fotos auf dem Bett gerichtet waren.
Auf die Fotos, die sie zu verschiedenen Anlässen gemacht hatten.
Fotos auf denen sie drei als Familie abgebildet waren.
Fotos, aus einer Zeit...
Cathys Atem stockte, während sie erschrocken zurückwich und blind nach dem Türrahmen tastete, um irgendwo Halt zu finden.
Doch da war nichts.

****


Sie fand sich auf dem weißen Gang wieder.
Ihr Herz raste und einen kurzen Moment lang wurde ihr so schwindlig, dass sie sich an der Wand abstützen musste, um nicht erneut hinzufallen. Sie versuchte tief durchzuatmen und sich zu beruhigen, aber ihr Atem stockte bei dem Gedanken an das, was sich in ihre Netzhaut gebrannt hatte.
‚Das ist nicht real.’
Das war ihr klar.
Natürlich war ihr das klar, aber nichts desto trotz zog sich ihr Herz schmerzhaft zusammen.
Sie versuchte sich einzureden, dass es nicht ihre Erinnerungen waren, dass es nicht sie war, um die sich Helen gekümmert hatte.
Dass das, was sie gesehen hatte, ihr nicht nah gehen sollte.
Doch das tat es.
Die Erinnerungen an die Zeit bei den Adoptiveltern, die sie zuletzt verraten und verletzt hatten, waren so real in ihrem Gedächtnis, dass es ihr in diesem Moment schwer fiel, sie von ihren eigenen zu trennen.
‚Das ... ist ... nicht ... real...’
Cathy schloss die Augen, in dem Versuch das Bild, das sich ihr geboten hatte, auszublenden und sich wieder auf das zu konzentrieren, was vor ihr lag.
Sie fuhr sich einmal kräftig mit der Hand über das Gesicht, bevor sie sich wieder aufrichtete und den Gang hinunter blickte.
Sie erwartete, dieselben Türen, denselben geraden, unendlichen weißen Gang wie auch schon zuvor zu sehen.
Doch dem war nicht so.
Nicht nur, dass gleich mehrere der Türen Klinken hatten.
Wenn sie sich konzentrierte konnte sie weiter vorn Schatten ausmachen, die auf Abzweigungen von dem Gang hinwiesen.
Cathy runzelte verwirrt die Stirn, bevor sie frustriert seufzte und losging.
Es machte ja doch keinen Unterschied, wohin sie ging.
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