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Wenn Wünsche wahr werden

GeschichteDrama / P18 / Gen
OC (Own Character) Wolverine / James "Logan" Howlett
12.12.2006
18.04.2021
37
200.072
3
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129 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
12.12.2006 4.342
 
So, Leute, da bin ich wieder. Ich werde mich nicht aus der Tatsache rausreden, dass ich mal wieder echt ewig gebraucht habe, aber na ja... Das übliche eben. Uni, Schreibblockaden und Szenen, die einfach nicht so werden wollen, wie ich sie haben will.. Ihr kennt das bestimmt.
Viel mehr hab ich an dieser Stelle eigentlich auch nicht zu sagen... Na ja, bis auf dass das nächste Kapitel bald folgt (hoffentlich).

@ Icy-Chan: Vielen Dank für deinen Review. Es freut mich, dass die Geschichte dich so mitreißt. *g* Und keine Sorge, die Situation wird sich wieder richten... Irgendwie...
Tja, ja ... James. Ich mag ihn. n_n Aber, na ja, was das einander finden betrifft... Sie haben halt miteinander geschlafen, aber ob sie sich dadurch auch wirklich gefunden haben ... das kann ich ehrlich gesagt nicht so genau sagen. Mal abwarten und schauen.

@Lillei: Vielen Dank! (vor allem weil du nicht häufig Reviews schreibst). Es tut mir wirklich Leid, dass ich immer so lange brauche. Ich würd ja selbst gern häufiger posten bzw. schneller weiterkommen, weil es noch viel zum Schreiben gibt und auch noch Fortsetzungen und andere Geschichten in meinem Kopf herumgeistern, aber manchmal komm ich einfach nicht dazu und wenn doch, dann sitz ich vor meinem Computer ohne dass es wirklich weitergeht... Ich hoffe dennoch, dass es dir auch weiterhin gefällt. n_n''

@shinyu: Ich wüsste echt nicht, was ich ohne dich machen würde. *seufz* Es freut mich, dass dir das Kapitel gefallen hat. Das mit Logan zu schreiben war echt mühsam, weil ich am Anfang gar nicht gewusst habe, wie ich das am Besten anstellen soll. Und das mit Cathy... na ja, es wäre unfair, nur ihm die Erinnerungen zu nehmen, ne? *g*

So, ich wünsche allen viel Spaß beim Weiterlesen und bettle wie immer um Reviews.
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Kapitel 17: Verzweiflung

Irgendwo tickte eine Uhr.
Logan seufzte leise und verdrängte das Gefühl von déja vu, ehe er seinen Kopf nach hinten fallen ließ und ein wenig tiefer in die Kissen der Couch sank, nur um dann erschöpft die Augen zu schließen.
Hinter seiner Stirn pochte es immer noch.
Die Kopfschmerzen, die ihn am vorigen Abend fast das Bewusstsein geraubt hatten, weigerten sich einfach, gänzlich zu verschwinden, selbst nach einer Nacht unruhigen Schlafes.
Er fuhr sich mit der Hand durch die Haare, ließ sie aber kurz darauf in seinen Schoß fallen und atmete erneut tief durch.
Wenn er ehrlich war, so konnte er nicht wirklich sagen, was er hier eigentlich tat.
Der Geruch von alten Büchern war so intensiv, dass er sich regelrecht nach einer Zigarre sehnte, doch er wusste, dass das Rauchen im Schulgebäude verboten war. Aber er konnte sich einfach nicht genug konzentrieren, um den alten Geruch nach Stress, Hormonen und Staub zu ignorieren.
Er wollte nicht hier sein.
Er konnte die leichte Brise und das Zwitschern der Vögel vor den Fenstern hören, konnte das warme Sonnenlicht auf seiner Haut fühlen, aber anstatt im Freien, an der frischen Luft einen ausgiebigen Spaziergang zu machen, saß er hier in der Bibliothek.
Zusammen mit Cathy.
Er wollte nicht hier sein, doch der Professor hatte ihm nicht wirklich eine andere Wahl gelassen, als ein paar Stunden mit dem Mädchen zu verbringen. Er wusste zwar nicht wirklich, was das bringen sollte, aber Xavier und Jean hatten gemeint, dass es eventuell dabei helfen würde, die Erinnerungen der vergangenen zwei Tage wiederzuerlangen.
Logan öffnete die Augen einen spaltbreit, um zu dem Mädchen hinüber zu sehen, das sich nicht weit von ihm auf einem Couchsessel zusammengerollt hatte und in ein Buch vertieft zu sein schien.
Er ließ seine Augen mit einem leisen Schnaufen wieder zufallen und versuchte die Wut- und gleichzeitig auch die Verwirrung- zu unterdrücken, die ihn jedes Mal überkam, wenn er das Mädchen ansah.
Wut, weil er einfach wusste, dass sie etwas mit den fehlenden Erinnerungen zu tun hatte. Und doch ... Er musste ständig an den verwirrten Ausdruck in Cathys Augen denken, als sie ihn am vergangenen Abend angesehen hatte.
Logan seufzte erneut, während er versuchte die Gedanken an das Mädchen zu verdrängen und in den Schlaf zu sinken, den er in der Nacht nicht gefunden hatte. Doch etwas in der Luft hielt ihn einfach wach.
Vielleicht war es die Anspannung, die das Mädchen förmlich ausstrahlte und die sich langsam in dem großen Raum ausbreitete. Er gab sich zwar große Mühe, es nicht zu beachten, aber etwas in ihm reagierte einfach darauf und ließ ihn mit jeder weiteren Minute, die verging, unruhiger werden.
Logans Ohren zuckten kurz, als sich Cathy wieder rührte, auf der Suche nach einer gemütlicheren Position, und er brauchte jedes bisschen Beherrschung, um sie nicht anzusehen.
Er atmete tief durch, in dem Versuch sich zu entspannen, doch es half nicht.
Nicht wirklich.
Er musste hier weg.
„Der Professor hat gesagt, dass wir ein paar Stunden zusammen hier verbringen sollen.“
Cathys leise, etwas heisere Stimme schnitt durch seine Gedanken und ließ ihn wieder zu ihr blicken, doch sie sah ihn nicht einmal an. Ihr Blick war starr auf die Seiten des Buches auf ihrem Schoß gerichtet, während die Finger ihrer rechten Hand fast nachdenklich über ihren Hals fuhren.
„Liest du meine Gedanken?“
„Nein.“
Ihre Antwort war kaum hörbar, so als würde sie nicht wirklich ihm gelten.
Stille kehrte wieder ein und obwohl Logan versucht war, etwas zu sagen, um dem Nagen in seinem Innern nachzugeben, so schwieg er und betrachtete sie einfach einen weiteren Moment lang, ehe er der Müdigkeit nachgab und die Augen wieder schloss.
Vielleicht wäre er sogar eingeschlafen, wenn Cathys Buch nicht plötzlich mit einem dumpfen Knall zu Boden gefallen wäre.  

****


Ihre Hände zitterten.
Sie blinzelte ein, zwei Mal und versuchte etwas bei ihrem Anblick zu empfinden, doch ihr war, als würde es nicht sie betreffen.
Cathy seufzte leise und ließ dann das Physikbuch sinken, um ihre verkrampften Hände ein wenig zu entspannen. Sie konnte nicht wirklich sagen, wann sie angefangen hatte, sich förmlich an das Buch zu klammern und wenn sie ehrlich war, konnte sie sich nicht einmal mehr daran erinnern, es überhaupt in die Hand genommen zu haben. Doch das war in diesem Augenblick egal.
Das einzige, was im Moment zählte, war die Tatsache, dass sie zusammen mit Logan in der Bibliothek saß und dass sie eigentlich nur wenige Schritte voneinander trennten. Auch wenn sie nicht wirklich wusste, warum sie hier war.
Cathy schluckte schwer und fuhr sich mit der Hand müde über die Augen, bevor sie ihren Blick wieder auf die Seiten des Buches fixierte und versuchte sich auf den Text zu konzentrieren.
Hatte sie den Satz nicht schon gelesen?
Sie schüttelte leicht den Kopf und setzte neu an, doch schon nach wenigen Minuten verschwammen die Worte wieder vor ihren Augen und sie versank in den Fragen, die sie seit dem vergangenen Abend unaufhörlich quälten.
Was war passiert, dass sie sich so plötzlich in der Krankenstation wieder gefunden hatte?
Sie konnte sich zwar noch schwach an die Worte des Professors erinnern, als er sie nach dem Zusammentreffen mit Logan untersucht hatte, aber seine Erklärung machte für sie immer noch keinen Sinn.
Es wollte ihr einfach nicht klar werden, was sie wirklich bedeuteten.
Sie wollte nicht verstehen, dass ihr Erinnerungen fehlten.
Sie wollte nicht das Gefühl haben, Logan nun näher zu sein als je zuvor.
Sie wollte ihn nicht verstehen, nicht nach dem, was im Aufenthaltsraum geschehen war.
Ein kalter Schauer jagte ihren Rücken hinunter, als sie an die Art und Weise dachte, in der er sie angesehen hatte. Wie er gelacht hatte, als ihr Körper auf seine Nähe reagiert hatte, wie seine Finger langsam ihre Seite hinuntergewandert waren und...
Cathy strich sich unbewusst über ihren Hals, an dem dieselben Finger am vergangenen Abend für einen kurzen Moment dunkle Blutergüsse hinterlassen hatten.
Ihre Erinnerungen an den vergangenen Abend mochten nicht besonders klar sein, aber dieser Augenblick, in dem sich Logan so plötzlich auf sie gestürzt hatte, hatte sich in ihr Gedächtnis gebrannt.
Sie konnte seine Finger immer noch an ihrer Haut fühlen. Konnte spüren, wie sich seine Fingerkuppen schmerzhaft in ihr Fleisch bohrten und zudrückten.
Wie sie...
„Sei still!“
Cathy zuckte wie unter einem Schlag zusammen und brauchte einen Moment, bis ihr bewusst wurde, dass Logan nichts gesagt hatte, sondern noch immer mit geschlossenen Augen auf der Couch saß und scheinbar vergeblich versuchte einzuschlafen.
Sie musste es sich wohl eingebildet haben...
Sie schluckte schwer und fuhr sich mit zitternden Fingern über die Stirn, ehe sie in eine etwas gemütlichere Position auf dem Couchsessel rutschte, doch selbst dann konnte sie dieses komische Gefühl nicht abschütteln, das sie plötzlich ergriffen hatte.
Ihr Herz schlug ein klein wenig schneller als es sollte und auf einmal drückte die Spannung, die sie in der Luft förmlich riechen konnte, wie eine unsichtbare Last auf ihre Brust.
>>Ich muss hier weg.<<
Cathy schloss die Augen und versuchte sich zu beruhigen, aber Logans Gedanken schlüpften durch ihre Schilde, egal wie sehr sie sich bemühte sie zu ignorieren. Er war einfach zu nahe und sie viel zu übermüdet, um sie erfolgreich abwehren zu können.
Sie konnte fühlen, wie sich langsam ein leichtes Pochen hinter ihrer Stirn auszubreiten begann.
„Der Professor hat gesagt, dass wir ein paar Stunden zusammen hier verbringen sollen.“ Ihre Stimme hörte sich selbst in ihren Ohren ungewöhnlich heiser an.
„Liest du meine Gedanken?“
Seine Worte trafen sie unerwartet und ließen etwas in ihr sich zusammenziehen. Sie zuckte fast unmerklich zusammen und wagte es auch weiterhin nicht, ihn anzusehen.
„Lies meine Gedanken.“
Die Stimme war leise und es bedurfte all ihrer Selbstbeherrschung, damit Cathy nicht erneut zusammenfuhr. Sie konnte Logans Blick auf sich fühlen, wenn auch nur für einen kurzen Moment und ein neuerlicher Schauer durchfuhr sie.
„Ich will, dass du meine Gedanken liest. Wenn du mir nicht mit deinen Erinnerungen weiterhelfen kannst, dann lies wenigstens meine Gedanken. Diese Verbindung muss doch für irgendetwas gut sein.“
Es wurde stärker, das kaum hörbare Flüstern der tiefen, rauen Worte. Cathy zwang sich dazu, weiterhin die verschwimmenden Zeilen des Buches anzustarren, während das leichte Pochen hinter ihrer Stirn zu einem stechenden Schmerz anwuchs.
„Nein.“
Sie konnte nicht sagen, ob sie das Wort tatsächlich aussprach oder nicht.
Das Blut rauschte in ihren Ohren und ihr Herz setzte für einen kurzen Moment aus, als dieses Gefühl, das sie vergeblich zu verdrängen versucht hatte, wieder stärker wurde.
Es war da, ganz nah und...
Eine Hand, die sich schwer auf ihre Schulter legte, riss sie aus ihren Gedanken und ließ sie  mit einem halb erstickten Keuchen verwirrt aufsehen. Ihr Blick traf den dunkler Augen, die sie beinahe besorgt musterten, doch es dauerte einen Moment, bis sie realisierte, wem sie gehörten.
„Ist alles in Ordnung?“
Logan betrachtete sie eingehend, wenn auch offensichtlich irritiert, bevor er ihr das Physikbuch reichte. Sie blinzelte ihn verwirrt an, ehe ihr klar wurde, dass das Buch anscheinend ihren Fingern entglitten war.
„Ja ... Danke.“
„Ich glaube dir nicht.“
Ihr wurde kalt, als seine Finger die ihren streiften.
Seine Finger, die...
Cathy wandte sich von ihm ab, als ihr Herz sich schmerzhaft zusammenzog und für einen kurzen Moment aussetzte. Sie konnte regelrecht fühlen, wie das Blut aus ihrem Gesicht wich und wie sich ihre Augen weiteten.
Sie hörte Logan nicht einmal, als dieser einen Schritt zurück tat, konnte seinen Blick nicht erwidern, als sie den seinen immer noch auf sich ruhen spürte.
„Sei still!“, fauchte er und stieß sie von sich, nur um sie dann gegen die Wand zu drängen, so wie nur wenige Stunden zuvor.
Der Schmerz wurde stärker.
Sein warmer Atem strich fast sanft über ihr Gesicht, aber seine Worte hatten die Wirkung eines schmerzhaften Stiches.
Die Welt um sie herum begann zu verschwimmen, so wie die Zeilen in dem Buch.
„Es ist okay.“, flüsterte sie, während sich ihr Herz vor Schmerz zusammenzog und ihr erneut Tränen über die Wangen liefen. Einen kurzen Moment lang wurde der Griff seiner Hand um ihren Hals stärker, wie um sie zum Schweigen zu bringen, dann jedoch ließ er sie los.
Die Welt verschwamm, verging, um Worten, Taten Platz zu machen, die verborgen gewesen waren.
Ihre Hände zitterten als sie diese langsam hob und ihre Finger in das Leder seiner Jacke krallte. Sie hatte das Gefühl, sich festhalten zu müssen, bevor sie in seinen Emotionen versank.
Es war, als hätten die Erinnerungen nur auf ein Zeichen gewartet. Auf ein Wort, eine Berührung. Sie waren da, versteckt, verdrängt, aber nicht vergessen.
Sie schloss die Augen, wobei ein paar weitere Tränen über ihre Wangen rannen, und erwiderte seinen Kuss, als seine Lippen endlich die ihren trafen.
Der Damm war gebrochen.

****


Ein leises und erschöpftes Lachen entkam seinen Lippen, als er sich in seinem Sessel zurücklehnte und müde die Augen schloss. Er wusste nicht, wann er das letzte Mal so richtig ausgeschlafen hatte, aber er war sich sicher, dass es sich lohnte.
James atmete tief durch, ehe er sich mit den Händen übers Gesicht fuhr. Er genoss die Stille, die ruhige Atmosphäre in der Wohnung und die ersten Sonnenstrahlen, die durch das Fenster drangen.
Er öffnete die Augen wieder und warf einen kurzen Blick auf die Sachen, die er vorbereitet hatte, bevor er langsam aufstand und sich daran machte, sich eine Kleinigkeit zum Essen zuzubereiten. Dabei streiften seine Augen kurz die digitale Küchenuhr, die ihm sagte, dass er noch etwa eine Stunde hatte, bevor Mystique wieder hier auftauchen würde. Genug Zeit, um sich fertig zu machen und sich auf seine Aufgabe vorzubereiten.
Er verstand zwar immer noch nicht, wieso die rothaarige Mutantin ihn mit dieser Sache beauftragt hatte, aber sie hatte wohl ihre Gründe. Es stand ihm nicht zu, ihre Motive zu hinterfragen und wenn er ehrlich war, so interessierten sie ihn nicht wirklich.
Ihm war einfach nur wichtig, dass er etwas zu tun hatte.

****


Sie bekam keine Luft.
Ihr Herz raste, ihr Blut pochte in ihren Adern, brannte sich seinen Weg durch ihren zitternden Körper. Sie konnte spüren, wie ihr der kalte Schweiß ausbrach und...
Egal wie sehr sie es auch versuchte, egal, wie heftig sie nach Luft schnappte, ihre Lungen schienen einfach nicht in der Lage zu sein, den Sauerstoff aufzunehmen.
Tränen schossen in ihre Augen, während sich etwas in ihr schmerzhaft verkrampfte, bei den Erinnerungen, die plötzlich ihren Geist überfluteten.
Sie hatte mit Logan geschlafen.
Cathy vergrub ihr Gesicht in der Rückenlehne des Couchsessels und versuchte sich wieder zu beruhigen, doch es ging nicht. Sie konnte hören, wie Logan wieder näher trat, aber sie brachte es nicht fertig, ihn anzusehen.
Sie hatte seine Hoffnungen zerstört, mit wenigen Worten all das zunichte gemacht, was seinem Leben einen Sinn gegeben hatte.
Er hatte sich kein bisschen für sie, für ihre Geschichte interessiert sondern nur für die Antworten, die er sich von ihr erhofft hatte. Er hatte ihr nicht zugehört, hatte ihrem eigenen Schmerz keine Beachtung geschenkt, fixiert auf ein Ziel, das er nunmehr seit mehr als fünfzehn Jahren verfolgte. Auf ein Ziel, das er womöglich niemals würde erreichen können.
Logan hatte sie verletzt und dafür hatte sie ihm seinen Lebenssinn genommen.
In ihrem Kopf begann sich langsam alles zu drehen und sie konnte fühlen, wie die Dunkelheit an ihrem Bewusstsein nagte. Sie konnte fühlen, wie sie näher kam, mit kalten Fingern nach ihr griff und...
Die Spannung in ihrer Brust löste sich plötzlich und ließ sie fast erschrocken aufkeuchen, ehe ihr Blick zu Logan zuckte, der soeben dabei gewesen war, nach ihr zu greifen, jedoch mitten in der Bewegung inne hielt.
Sie mochte es sich vielleicht nur einbilden, aber für einen kurzen Moment glaubte sie so etwas wie Sorge in seinen Augen gesehen zu haben...
Cathy schluckte schwer und atmete ein paar Mal tief durch, in dem Versuch ihren Körper wieder unter Kontrolle zu bekommen, doch es half nur sehr wenig. Das Zittern wurde stärker und sie musste alle Kraft dazu aufbringen, um ihren Blick nicht beschämt abzuwenden.
„Was ist los?“
Logans Stimme durchbrach die unangenehme Stimme, die sich in dem Raum ausgebreitet hatte und für einen kurzen Augenblick war sie fast versucht auch in den Ton seiner Stimme Sorge hineinzuinterpretieren, aber...
Sie war nur ein Trost gewesen.
Nichts weiter als ein Trost für das Ende einer jahrelangen Suche.
Eine kleine Ablenkung von der Leere, die tief in Logan herrschte.
Cathys Atem stockte bei dem Gedanken und sie gab endlich dem Gefühl nach, das sie dazu drängte, sich von Logans forschem Blick abzuwenden, sich vor seinen eindringlichen Augen zu verstecken...
Gott...sie musste hier weg...
Sie zuckte zusammen, als seine Finger sich plötzlich um ihre Schultern schlossen, sie fast grob zu ihm umdrehten und sie dazu zwangen ihn anzusehen. Sein Blick bohrte sich prüfend in den ihren, bevor er über ihre zitternden Glieder fuhr.
Er schien wieder etwas sagen zu wollen, doch sie kam ihm zuvor und löste sich mit leicht fahrigen Bewegungen aus seinem Griff, nur um kurz darauf aufzustehen, obwohl es einen kleinen Augenblick dauerte, bis sie ihr Gleichgewicht wieder gefunden hatte.
„Ich muss weg..:“, murmelte sie kaum hörbar und machte einen unsicheren Schritt in Richtung Tür. Sie musste weg, fort von Logan, fort von den Händen, deren Wärme sie immer noch auf ihrer Haut fühlen konnte. Fort von seinen Augen, die sie zu durchschauen schienen. Fort von...
Sie wich fast panisch aus, als Logan wieder nach ihr greifen wollte und warf ihm einen gehetzten Blick zu.
Sie ertrug seine Berührung nicht.
Nicht die Berührung seiner warmen Finger, die fast zärtlich über ihren Hals strichen...
Cathy versuchte die Erinnerungen mit aller Kraft zurückzudrängen, aber es half wenig gegen das panische Herzrasen, das ihr das Blut in den Ohren rauschen ließ.
Sie musste weg.
Sie musste...
„Was ist los?“ Logans Stimme wurde schneidender, eindringlicher und sie wusste, dass sie seine Geduld strapazierte, aber sie konnte im Moment keine Rücksicht darauf nehmen.
Sie ertrug seine Nähe nicht.
„Es ist nichts...“, flüsterte sie und ihre Aufmerksamkeit schweifte erneut zu der geschlossenen Tür, die nur wenige Meter entfernt lag.
Nur wenige Schritte ... Wenige Schritte und ein bisschen Zeit, das war alles, was sie brauchte.
Nur ein klein wenig Distanz, nur etwas Abstand, um wieder ihrer selbst Herr zu werden.
Danach ... Danach war sie auf alles gefasst, aber nicht in diesem Moment, nicht in diesem Augenblick. Nicht so kurz, nachdem die Erinnerungen zurückgekommen waren.
Nicht jetzt, wo sie sich nackt und verletzlich fühlte.
Nicht jetzt, wo...
Ihr Körper versteifte sich und ihr Atem stockte, als sich Logans Finger schmerzhaft und unnachgiebig um ihr Handgelenk schlossen und sie daran hinderten den so dringend benötigten Abstand zwischen sie zu bringen.
Sie konnte fühlen, wie sich die Muskeln in ihrem Rücken verspannten und wie die Panik endgültig in ihr hochstieg. Sie wollte weg. Sie wollte...
Wie von selbst begannen ihre freien Finger an den seinen zu zerren, doch es half nichts, sein Griff wurde einfach nur noch fester.
„Bitte ... Es ist nichts ... Lass mich gehen...“ Sie hasste den flehenden Ton in ihrer Stimme, hasste die Schwäche, die dieser widerspiegelte, aber sie konnte nichts dagegen tun.
Sie wollte nicht hier sein.
Sie wollte Logan nicht sehen.
Sie wollte nicht hören, was er zu sagen hatte. Nicht wenn sie bereits fühlen konnte, welche Worte er wählen würde.
Sie musste weg.
„Du lügst.“
Trotz allem trafen Logans Worte sie wie ein Schlag und ließen sie mitten in der Bewegung erstarren. Obwohl sie geahnt hatte, was er sagen würde, obwohl sie es erwartet hatte, nahm dieses Wissen nichts von dem Schmerz, den seine Worte verursachten.
Dieses Wissen machte die Tatsache, dass er dieselben Worte wählte, wie an dem Nachmittag bevor sie weggelaufen war, und sie erneut der Lüge bezichtigte kein bisschen weniger schmerzhaft.
„Ich kann die Lügen an dir riechen.“
Cathy erwiderte nichts. Sie konnte es nicht, war nicht einmal imstande ihn anzusehen. Ihr langsam verschwimmender Blick war starr auf die Tür gerichtet, selbst als er sie näher zu sich riss.
„Hast du gedacht, ich würde es nicht merken?“
„Bitte ... lass mich gehen.“
„Nicht bevor du mir sagst, woran du dich erinnerst.“
Cathy schwieg und versuchte das Zittern zu unterdrücken, das immer stärker zu werden drohte.
„Sag es mir!“, knurrte Logan, ehe er ihr Kinn ergriff und sie dazu zwang, ihn anzusehen. Cathy schloss kurz die Augen und versuchte wenigstens ein klein wenig Entschlossenheit, ein bisschen Kraft aufzubringen, doch es wollte ihr nicht gelingen.
Für einen Bruchteil einer Sekunde fühlte sie sich wie losgelöst von der Situation. Auf einmal war es nicht sie, die Logan festhielt. Es war nicht sie, der er wehtat.
Für einen kurzen Moment war ihr, als würde sie das Ganze gar nicht betreffen.
Für einen kleinen Augenblick war alles unglaublich klar.
Ein Ruck ging durch ihren Körper, ehe sie den Kopf wie in einer ergebenen Geste leicht nach vorne sinken ließ und sich kurz an ihn lehnte. Sie versuchte mit tiefen Atemzügen das Gefühl zu unterdrücken, doch es brach schon bald mit einem weiteren Ruck aus ihr aus.
Cathy lachte.
Ihre eigene Stimme klang seltsam fremd in ihren Ohren, aber sie konnte nichts dagegen tun. Tränen traten in ihre Augen und ihre Wangen begannen zu schmerzen, aber sie konnte nicht aufhören.
Ihr ganzes Wesen tat einfach nur weh und doch...
Es war einfach zum Lachen.
Die ganze Situation, Logans Worte, seine Emotionen ... Es war als würde sich alles wiederholen, allein um sie zu quälen.
Sie riss sich von ihm fort und wich ein paar Schritte zurück, als Logans Griff sich durch seine Verblüffung ein wenig lockerte. Sie vergrub ihr Gesicht in einer Hand, doch selbst da wollte das Kichern nicht abbrechen, als sie vorsichtig durch ihre Finger zu Logan lugte.
„Denkst du etwa, dass das witzig ist?“
Cathy schüttelte schweigend den Kopf. Sie hätte nicht antworten können, selbst wenn sie es gewollt hätte. Sie versuchte durchzuatmen und sich zu beruhigen, aber jedes Mal wenn sie glaubte, es geschafft zu haben, reichte ein Blick zu dem mittlerweile immer wütender dreinblickenden Logan, um sie wieder leise kichern zu lassen.
Sie brauchte ein paar Minuten, um sich halbwegs wieder im Griff zu haben und selbst da wagte sie es noch nicht, ihn anzusehen.
„Tut mir leid.“, sagte sie schließlich leise, bevor sie  sich rührte und langsam zur Tür ging, wobei sie an Logan vorbei schritt, ohne ihn eines Blickes zu würdigen. „Aber ich muss dir nicht antworten.“
Ihre Worte hingen noch in der Luft, selbst als sie schon längst die Tür geöffnet und durch diese hindurch verschwunden war.
Sie ließ Logan stehen und ging.
Ihr fiel nicht einmal auf, dass sie sich nicht darüber wunderte, wieso Logan sie nicht aufgehalten hatte.

****


Der Couchsessel flog mit einem lauten Poltern um, als Logan mit einem nur halbunterdrückten Schrei dagegen trat und sich anschließend mit einem wütenden Schnaufen durch die Haare fuhr.
Dieses Mädchen trieb ihn noch in den Wahnsinn.
Er konnte nicht sagen, warum er es einfach hatte gehen lassen, aber er wusste mit Sicherheit, dass Cathy sich an etwas erinnerte.
Es war nicht nur ihr Verhalten gewesen, das ihm dies verraten hatte. Nicht nur der kleine Zusammenbruch, den er beobachtet und dessen Folgen sie vor ihm zu verbergen versucht hatte.
Nicht nur der Unterton von Angst und Verzweiflung in ihrem Duft.
Da war etwas in ihren Augen gewesen.
Etwas kleines, flüchtiges, das sie sofort wieder unterdrückt hatte, welches er aber dennoch bemerkt und ihn in seinem Verdacht bestärkt hatte. Er hatte Unglauben in ihren Augen erkennen können und ... einen Hauch von Scham.
Sie verheimlichte etwas vor ihm.
Logan versuchte seine Atmung zu beruhigen und das Zittern in seinen Händen zu unterdrücken. Er bemühte sich, einen klaren Kopf zu behalten, doch etwas an der ganzen Situation, an dem Verhalten des Mädchens, an seinem Duft, hinderte ihn daran.
Etwas lag in der Luft.
Etwas, das er nicht ganz fassen konnte.
Doch das änderte nichts an der Tatsache, dass Cathy etwas vor ihm verheimlichte.
Und er würde herausfinden was es war, egal was er dafür tun musste.

****


Stille.
Sie fand sich auf der Lichtung wieder, auf der sie schon so oft Ruhe und Geborgenheit gefunden hatte, wenn sie diese am Meisten gebraucht hatte.
Sie wusste nicht wirklich, wie sie hierher gekommen war oder wann sie ihre immer noch unausgepackte Tasche aus ihrem Zimmer geholt hatte, aber das war in diesem Moment nicht so wichtig.
Die Selbstsicherheit und Entschlossenheit, die sie –wie es ihr schien- erst vor wenigen Augenblicken verspürt hatte, ließen plötzlich wieder von ihr ab und machten einer tiefen Verzweiflung Platz, die sie beinahe in die Knie zwang.
Sie ließ die Tasche fallen und stütze sich nach Luft ringend an einem Baum ab. Sie konnte immer noch nicht glauben, was passiert war.
Es ging nicht und doch...
Cathy konnte ein leises Schluchzen nicht unterdrücken.
Das zwischen ihr und Logan...
Es war schön gewesen.
Kurz, heftig, doch auch schön, denn für diese eine Nacht, an die sich Logan nicht einmal mehr erinnern konnte, hatte er sie so gehalten, als hätte sie irgendeine Bedeutung für ihn.
Aber sie war nur ein Ersatz gewesen.
Nur ein Trost, der gerade greifbar gewesen war.
Und obwohl sie sich nicht wirklich dagegen gewehrt hatte, so änderte es nichts an der Tatsache, dass sie ihm nichts bedeutete.
Cathy drückte die Augenlider fest aufeinander, in dem Versuch die Tränen zurückzudrängen, doch es half nichts. Wie konnte sie Logan jemals wieder gegenübertreten ohne an diese wenigen Momente denken zu müssen, in denen er der ihre gewesen war?
Sie atmete tief durch und öffnete ihre von Tränen geröteten Augen, nur um auf die Tasche zu blicken, die unschuldig im Gras lag.
Sie wollte nicht wirklich weg und sie konnte auch nicht so genau sagen, wie sie überhaupt auf die Idee gekommen war, ihre Tasche zu holen. Doch der Anblick der kleinen Reisetasche bekräftigte ihr Gefühl.
Sie wollte nicht wirklich weg, aber sie musste.
Sie hatte nicht die Kraft, um diese seltsame Ruhe, die sie unmittelbar nach dieser Nacht bewahrt hatte, wieder zu erzwingen.
Sie war einfach ... müde.
Cathy seufzte tief und wischte sich die verbliebenen Tränen aus den Augen, wobei ihr Blick nicht von der Tasche wich.
Ja. Es ging nicht anders.
Sie musste weg.
Sie...
Ihr ganzer Körper versteifte sich und ihr Herz machte einen Sprung, doch bevor sie hätte reagieren können wurde sie von hinten gepackt und gegen den Baum gerammt. Sie konnte fühlen, wie dabei ihre Wange aufgeschürft wurde, doch der Schmerzenslaut ging in einem Keuchen unter, als ihr durch die Wucht die Luft wegblieb.
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