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Wenn Wünsche wahr werden

GeschichteDrama / P18 / Gen
OC (Own Character) Wolverine / James "Logan" Howlett
12.12.2006
18.04.2021
37
200.072
3
Alle Kapitel
129 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
12.12.2006 6.431
 
Halloooooo.
Ich weiß, ich schreib immer dasselbe, aber es tut mir wirklich Leid, dass es wieder so lange gedauert hat. Ansonsten weiß ich nicht wirklich, was ich sagen soll ... Ich hab halt immer wieder so meine Schwierigkeiten damit, den nötigen Antrieb zu finden oder die Zeit. Und wenn ich mal Zeit habe, dann will das mit dem Schreiben nicht so wirklich klappen ... *seufz*
Na ja, auf jeden Fall freut es mich, dass euch das letzte Kapitel gut gefallen hat. Ich weiß, ich quäle die Charaktere, aber es würde keine Story geben, wenn dem nicht so wäre.

So, nun zu den Reviews:

@ iko: Tja ja, n_n. Ich bin halt fies zu den Charakteren. Das ist ein wichtiger Teil aus der vorigen Version meiner Geschichte, den ich auf jeden Fall behalten wollte. Außerdem hat es wirklich Spaß gemacht Logan herumirren zu lassen. *g*
Was Mickey genau geträumt hat, weiß ich selbst nicht, aber ja, es hat eine bestimmte Bedeutung. (Ich weiß den Inhalt nicht genau, den Rest aber schon).

@ Icy- Chan: Hmmm ... Tja, das ist die große Frage, nicht? Was Cathy da gemacht hat. *g* Sie hat nur gemacht, was Logan von ihr wollte. *breit grins* Hehe ... Und ja, es ist schlimmer als davor, aber das hat Logan nur sich selbst zuzuschreiben. Aber schau einfach mal, was weiter passiert. n_n

@ Rocky-chan: Hallo! Wow, ich fühl mich echt geehrt, dass du das so schnell gelesen hast. *freu* Vielen, vielen Dank für den Lob! Ich geb mir auch wirklich Mühe, es dauert halt nur leider immer etwas länger als ich es eigentlich plane ...

@ shinyu: ich kann mich bei dir nur für deine unendliche Geduld bedanken. n_n'' Ich weiß, ich treibe dich auf die Palme, weil ich immer ewig brauche. Aber ich glaube ohne deine Unterstützung würde es gar nicht gehen. *umarm*

Sooo ... Ich wünsche euch viel Spaß beim Weiterlesen.
Und ich würde mich wirklich, wirklich, wirklich sehr über Reviews freuen. Die liefern unglaublich viel Motivation zum Weitermachen...

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Kapitel 16: Verwirrung

„Nicht wahr, Logan?“
Er wusste nicht wirklich, was er darauf antworten sollte. Es war schon richtig, dass er sich nicht erinnern konnte, aber irgendwie ... Wenn er es auch noch aussprach, würde diese Tatsache erst recht real werden. Er wollte es nicht wahrhaben, aber der alte Mann hatte vollkommen Recht.
Logan wandte ein wenig betreten seinen Blick ab, Scott ignorierend, dessen Augen er förmlich auf sich fühlen konnte. Ein unangenehmes Gefühl breitete sich in seinem Innern aus.
Er mochte es nicht, angestarrt zu werden.
Der Professor seufzte erneut, bevor er sich in seinem Sessel zurücklehnte und sich nachdenklich mit den Fingern über das Kinn fuhr. Einen Moment lang schien er unentschieden, so als müsse er gründlich über eine Entscheidung nachdenken, aber dann mischte sich der Ausdruck von Entschlossenheit in seine Augen, ehe er seine Aufmerksamkeit wieder Scott widmete.
„Scott, ich werde mich jetzt erst einmal um Cathy kümmern, das scheint dringender zu sein. In der Zwischenzeit möchte ich dich darum bitten, dass du Logan zu seinem Zimmer führst und in alles Notwendige einweihst.“
Logan konnte Scott ansehen, dass dieser etwas erwidern wollte, aber der Professor setzte sich bereits in Bewegung. Es stand nicht infrage, dass es sich nicht um eine Bitte gehandelt hatte und dass der Ältere keinen Widerspruch hören wollte. Allerdings hielt er den motorischen Rollstuhl, in dem er saß, noch einmal an, kurz bevor er das Büro verließ.
„Ich gebe dir Bescheid, wenn ich etwas Neues weiß, Scott.“, sagte der Professor leise, ohne sich umzudrehen und in einem Ton, der klar machte, dass er genau wusste, dass Scott sich Sorgen um das Mädchen machte. Es verging ein weiterer kurzer Moment, bevor er sie schließlich alleine ließ.
Scott fuhr sich in einer frustrierten Geste mit der Hand durch die Haare und schien sich nicht wirklich entscheiden zu können, was er tun sollte, ehe er sich Logan wieder zuwandte.
„Also...“
Logan antwortete nicht, sondern vergrub stattdessen die Hände in seinen Hosentaschen und verlagerte sein Gewicht auf das andere Bein.
„Wollen wir?“
Scott wartete nicht darauf, dass er reagierte, sondern trat auf die Tür zu um das Büro zu verlassen. Er blickte nicht einmal zurück, um sicher zu gehen, dass Logan ihm folgte, scheinbar viel zu vertieft in seine Sorge um das Mädchen. Einen Moment lang fragte Logan sich, ob die beiden vielleicht etwas miteinander hatten, aber er verwarf den Gedanken ganz schnell wieder.
Nein, die Sorge, die er förmlich riechen konnte, galt eher einer Verwandten als einer Geliebten. War Cathy vielleicht Scotts...
‚Das ist egal.’
Er folgte dem Jüngeren schweigend, wobei sich das Gefühl, dass er diesen Ort kannte, verstärkte. Er war schon einmal hier gewesen und auch wenn er sich nicht daran erinnern konnte, soviel wusste er. Da war einfach etwas in der Luft, in der Atmosphäre, das ihm unglaublich vertraut vorkam.
Er lenkte seine Aufmerksamkeit wieder auf Scott und auf den Weg, den sie eingeschlagen hatten. Der Brünette führte ihn zu einer Treppe und schien hinaufgehen zu wollen, aber ein Mädchen, das aus einer anderen Richtung auf sie zu kam und Logans Namen rief, ließ Scott innehalten und abwarten, bis es sie erreicht hatte.
Das Mädchen mit den langen braunen Haaren und weißen Strähnen blieb vor Logan stehen, ein wenig außer Atem.
„Rogue...“, setzte Scott an, aber sie schien ihn gar nicht wahrzunehmen.
„Ich habe mir solche Sorgen gemacht! Hast du Cathy gefunden? Ich hab gehört, dass du wieder da bist, aber irgendwie scheint keiner wirklich zu wissen, was mit ihr ist. Ist alles in Ordnung?“
Logan sah sie ein wenig verwirrt an, sich sehr wohl der Tatsache bewusst, dass er sie irgendwie kannte, auch wenn er sie nicht wirklich einordnen konnte. Sie sah ihn erwartungsvoll an, aber er wusste nicht, was er antworten sollte. Sollte er ihr sagen, dass er Cathys Puls kaum hatte spüren können? Oder dass ihre Haut eiskalt gewesen war? Und was sollte er machen, wenn sie wissen wollte, was passiert war?
Er wusste nicht warum, aber irgendwie sah er sich nicht in der Lage dazu. Aus welchem Grund auch immer, er wollte das Mädchen nicht enttäuschen.
„Sie ist bewusstlos.“, antwortete Scott an seiner statt, womit er Rogues Aufmerksamkeit endlich auf sich lenkte. „Der Professor und Hank kümmern sich um sie, aber sie können noch nichts Genaues sagen.“
„Aber...“, setzte Rogue an, doch Scott schüttelte nur der Kopf, so als wüsste er, was folgen würde.
„Im Augenblick ist nichts anderes zu machen, als abzuwarten.“
Rogue nickte stumm und sah kurz von Scott zu Logan, um ihn noch einmal fragend anzublicken, bevor sie sich zum Gehen wandte, aber er hielt sie im letzten Moment zurück.
„Rogue!“ Ihr Name, von dem er irgendwie wusste, dass es nicht ihr echter war, hatte seine Lippen verlassen, noch ehe er sich wirklich dessen bewusst wurde.
„Wir ... reden später, okay?“

****


Es war wie ein schwarzes Loch.
Ein bodenloser Abgrund aus tiefster Dunkelheit.
Charles Xavier öffnete langsam die Augen und seufzte tief, ehe er sich aufrichtete und in seinem Rollstuhl zurücklehnte. Sein Blick fiel auf seine bewusstlose Schülerin, die blass und reglos vor ihm auf dem Untersuchungstisch lag. Er konnte irgendwo hinter sich Hank leise murmeln hören, während dieser die Ergebnisse seiner Untersuchungen durchsah.
Er hatte es mit einem oberflächlichen Scan versucht, aber es hatte nichts gebracht. Cathy war nicht zu spüren, nicht zu hören. Er wusste nicht, was er tun sollte. Natürlich könnte er tiefer eindringen, aber das würde womöglich mehr Schaden anrichten als helfen.
„Irgendetwas Neues?“
Xavier sah auf und erblickte Hank, der neben ihn getreten war und ihn fragend ansah.
„Nein, nichts Neues, Henry.“
„Bei mir auch nicht. Ihre vitalen Werte sind soweit in Ordnung, wenn man davon absieht, dass Puls und Atmung schwächer sind als sie sein sollten. Aber ansonsten kann ich nichts finden.“
„Hmmm ... Ihr Bewusstsein ist nicht greifbar, jedenfalls nicht oberflächlich, vielleicht ist das die Ursache für die physischen Symptome. Das Problem ist nur, dass ich nicht wirklich was tun kann, solange ich nicht weiß, was genau dieses Trauma ausgelöst hat.“ Der Professor sah nachdenklich zur Seite. „Wenn ich jetzt mit Gewalt tiefer gehe, könnte es sein, dass wir sie verlieren.“
Schweigen kehrte in der Krankenstation ein, nur das leise Piepsen des Gerätes, an das Cathy angeschlossen war, war zu hören. Es vergingen einige Momente, ehe sich Xavier wieder rührte und dann den Raum verließ.
Es war Zeit Logans Gedächtnis zu untersuchen.

****


Irgendwo tickte eine Uhr.
Er seufzte tief und schob eine Hand unter seinen Kopf, in de Versuch es sich auf dem Bett etwas gemütlicher zu machen. Er wusste nicht, wie lange er schon so dalag, aber es konnte nicht so viel Zeit vergangen sein, seitdem Scott ihn zu diesem Zimmer geführt und ihn dann wieder allein gelassen hatte.
Der andere Mann hatte ihm ganz kurz erklärt, wo das Nötigste zu finden war, war aber zu abgelenkt gewesen, um auf Details einzugehen. Im Gegenzug hatte Logan nur stumm genickt, um dem Brünetten zu zeigen, dass er verstanden hatte, worauf dieser auch sogleich gegangen war. Im ersten Moment war Logan zwar versucht gewesen, noch etwas zu fragen, aber dann hatte er es doch lieber bleiben lassen.
Logan konnte nicht wirklich sagen, was er von diesem Ort, dieser Schule hielt oder ob er wirklich bleiben sollte. Dieses Gefühl, das einfach nicht weichen wollte, wollte ihn zwar dazu bewegen, einfach abzuwarten, aber da war noch etwas anderes, das ihn dazu zu drängen schien, so bald wie möglich fort zu gehen.
Da war etwas ... Etwas wichtiges, das er erledigen musste.
Er konnte nur nicht sagen, was es war.
Er schloss die Augen und versuchte die quälenden Gedanken zu verdrängen, auch wenn das nur schwer ging angesichts der gähnenden Leere, die in seinem Innern herrschte und die immer stärker an ihm nagte.
„Logan?“
Er blinzelte und richtete sich ein wenig auf, bevor er die rothaarige Frau, die leise ins Zimmer getreten war, fragend musterte. Sie lächelte freundlich und rat langsam auf das Bett zu, nur um sich dann auf die Bettkante zu setzen und ihm einen beruhigenden Blick zuzuwerfen.
„Hi. Ich bin Jean. Ich habe von deinem ... Problem gehört.“
Er betrachtete sie eingehend, nahm das intensive Grün ihrer Augen und den leicht verlegenen Ausdruck auf ihrem Gesicht wahr, nachdem sein Blick über ihren Körper geglitten war.
„Hi.“, erwiderte er nach einem kurzen Moment des Schweigens, bevor er sich endgültig aufsetzte. „Die Sache spricht sich also herum?“
„Nun ja, nicht direkt. Der Professor hat mir Bescheid gegeben, damit ich Scott davon abhalte, den Rest des Tages vor der Krankenstation zu verbringen. Aber ich habe mir gedacht, dass ich vielleicht auch mal nach dir sehen sollte.“
Er zog eine Augenbraue in die Höhe und legte den Kopf ein wenig schief. Gut, er kannte sie. Er fragte sich nur, wie ihre Beziehung...
„Ich bin mit Scott verlobt, Logan. Wir beide sind nur ... Freunde.“, sagte sie, so als hätte sie seine Gedanken gelesen. Der Blick ihrer Augen bohrte sich in den seinen und für einen kurzen Moment glaubte er ein leichtes Zögern in ihm zu erkennen, aber es war zu schnell weg, als dass er es hätte genauer bestimmen können.
„Hmmm ... Es ist tatsächlich alles weg.“, murmelte Jean leise, während sie ihn eingehender betrachtete. Sie lehnte sich ein wenig nach vorn und strich ihm eine Strähne aus der Stirn, wie um ihn noch genauer mustern zu können. Es war fast so, als würde sie mit ihren Blicken nach seinen fehlenden Erinnerungen suchen.
Aber der Gedanke war absurd.
Schweigen kehrte ein, während sie einander ruhig musterten und es war während dieser Stille, dass die Fragen, die er seit seiner Ankunft so erfolgreich ignoriert hatte, in voller Stärke wieder zurückkamen.
„Jean ... Wer bin ich?“
Sie sah ihn verblüfft an, obwohl sie scheinbar um seinen Zustand wusste, und es dauerte einen Moment, bis sie sich wieder gefasst hatte.
„Du bist Logan.“
„Und weiter?“
Sie wandte kurz ihren Blick ab, bevor sie ihm wieder in die Augen sah. Etwas in ihrem Blick sagte ihm, dass sie auch nicht so wirklich wusste, was sie sagen sollte.
„Nun ... Ehrlich gesagt kann ich dir auch nicht besonders viel über dich erzählen, Logan. Ich weiß nicht einmal, ob Logan dein echter Name ist. Als wir uns vor neun Monaten das erste Mal getroffen haben, konntest du uns nicht viel mehr sagen. Du konntest dich nur an die vergangenen fünfzehn Jahre erinnern, die du erfolglos damit verbracht hast, nach deiner Vergangenheit zu suchen.“
„Ich konnte mich nicht erinnern?“
„Nein. Dir ... vor fünfzehn Jahren ist etwas passiert, das dich ziemlich traumatisiert hat und...“
„Was war es?“
„Logan, ich weiß nicht ob das jetzt so gut ist...“
„Weißt du es?“
„Na ja ... da war...“
Sie verstummte und, auch wenn er sehen konnte dass sie noch etwas hatte sagen wollen, lenkte ihre Aufmerksamkeit zur Tür, noch ehe ein leises Klopfen ertönte und kurz darauf Scott eintrat, ohne auf eine Antwort gewartet zu haben.
Er hielt kurz im Schritt inne, so als würde ihn Jeans Anwesenheit ein wenig verblüffen, machte dann aber Platz für den Professor, der ihm folgte.
„Jean, Logan.“
Jean erwiderte die Begrüßung des Professors mit einem Nicken, bevor sie Logan kurz an der Schulter berührte, aufstand und dann auf Scott zutrat, um ihn wieder aus dem Zimmer zu führen und dann leise die Tür hinter sich zu schließen.
Logan sah ihr nach, ehe er die Beine vom Bett schwang und sich dem Professor zuwandte, der näher gekommen war.
„Wie geht es Cathy?“, fragte er, so als wäre das Gespräch zwischen ihm und Jean nicht unhöflich unterbrochen worden.
„Unverändert. Aber im Moment sind ihre vitalen Werte stabil.“
„Ich dachte, Sie könnten ihr helfen.“ Er wusste nicht, warum er so enttäuscht klang, aber irgendwie hatte er doch erwartet, dass...
„Logan, ich werde ihr helfen soweit ich kann, aber dazu muss ich zuerst wissen, was passiert ist. Ein Trauma hat sie scheinbar dazu veranlasst, sich in sich selbst zurückzuziehen und das wirkt sich eben auch auf ihren Körper aus.“
Logan ließ seinen Blick zum Fenster wandern, durch welches helles Sonnenlicht in das Zimmer drang, bevor er dem Professor wieder in die Augen sah und die Stirn leicht runzelte.
„Denken Sie, dass es etwas mit mir zu tun hat?“
Die Frage kam weit feindseliger rüber, als er sie empfand und als er geplant hatte, aber ... Was wenn er tatsächlich etwas damit zu tun hatte? Immerhin war er ja mit dem Mädchen zusammen gewesen, sie hatten scheinbar in einem Zimmer geschlafen und ...
„Sie wissen, dass ich mich nicht erinnern kann.“
„Ja, ich weiß. Logan...“ Der Professor hielt inne und schien zu überlegen, wie er sich ausdrücken sollte. „Ich habe Mittel, um deine Erinnerungen zu rekonstruieren.“
Logan blinzelte.
„Und wie wollen Sie das anstellen?“
>Indem ich in deinen Geist eindringe.<

****


Sie öffnete die Augen.
In der Krankenstation war es ruhig und im Augenblick schien auch niemand in der Nähe zu sein. Dennoch wartete sie einen Moment, ehe sie sich langsam rührte und streckte, bis ihre Gelenke leise knackten. Dann hob sie die Hände vors Gesicht um ihre Finger eingehend zu betrachten, wobei sich ein fast neugieriger Ausdruck in ihren Blick mischte, bevor sie diesen langsam zu den Geräten gleiten ließ, an die sie angeschlossen war.
Eine Bewegung ließ sie zum Fenster blicken, durch welches helles Sonnenlicht in das Zimmer drang, aber es waren nur die Schatten der Blätter gewesen, die sich draußen in der leichten Brise bewegten.
Sie atmete tief ein, nahm die Gerüche um sich herum auf, genoss das Gefühl der weichen Decke auf ihrer Haut und war fast versucht...
Ein Geräusch schnitt durch die ruhige Atmosphäre und ließ sie in Richtung Tür blicken, durch die der Mann mit den großen Händen und blauen Fell in den Raum trat. Hank, rief sie sich nach einem kurzen Moment und einem nachdenklichen Stirnrunzeln wieder in Erinnerung.
Da war ein leichter Druck hinter ihrer Stirn und sie hatte kleinere Schwierigkeiten damit, auf die Erinnerungen zuzugreifen, aber sie wusste, dass es sich bald wieder legen würde. Sie brauchte nur noch ein klein wenig Ruhe.
Mit einem kaum hörbaren Seufzen schloss sie die Augen. Sie brauchte nur noch ein bisschen Zeit und...
Cathy blinzelte verwirrt, bevor sie sich ruckartig aufsetzte.
Kalter Schweiß benetzte ihre Stirn und einen Augenblick lang rang sie nach Atem, ehe sie sich wieder beruhigte, was aber nichts daran änderte, dass ein feines Zittern von ihrem Körper Besitz ergriff.
Ihr Blick irrte durch den Raum, während ihre zitternden Finger die Bettdecke ergriffen, so als müsste sie sich an etwas festhalten. In dem Zimmer war es ruhig, auch wenn sie hören konnte, wie Hank in seinem kleinen Büro an etwas arbeitete.
Sie schluckte schwer und versuchte sich zu orientieren, aber es ging nicht.
Was machte sie in der Krankenstation, wo sie doch gerade noch mit einer Frau im Auto mitgefahren war?

****


„Hmm...“
James ging im Geiste noch einmal die Punkte durch, bevor er sich den genauen Zeitplan aufschrieb. Kurz hielt er inne und kaute nachdenklich an dem Bleistift, nur um dann seine Aufmerksamkeit zur Wohnungstür zu lenken, die soeben leise aufgemacht wurde. Er verdrehte genervt die Augen, wandte sich dann aber seiner Aufgabe zu, während sich Mystique in seine Wohnung schlich.
„Ich arbeite dran.“, sagte er schließlich, noch bevor sie die Tür wieder schließen konnte. Mystique antwortete nicht, aber er konnte fühlen, wie sie näher trat und ihn eindringlich musterte.
„Hast du es geschafft?“, er konnte hören, dass sie ungeduldig war, aber er ließ sich davon nicht beeindrucken. Sie verstand eben nicht, dass man für so etwas viel Geduld brauchte...
„Ich arbeite dran.“, wiederholte er in einem etwas schärferen Ton, ehe er aus seinem Sessel fuhr um ihrem Griff auszuweichen. Seine violetten Augen trafen auf ihre gelben, aber es war lediglich eine Warnung an sie, nichts Unüberlegtes zu tun.
Immerhin, der erste Schritt war bereits getan und es würde ihr nicht im Geringsten weiterhelfen, wenn sie ihn nicht das tun ließ, wofür sie ihn engagiert hatte.

****


Etwas riss ihn aus dem Schlaf.
Logan murmelte etwas Unverständliches in sein Kissen, bevor er sich langsam auf den Rücken drehte und die Augen öffnete. Er brauchte einen Moment, um sich zu orientieren und das Geräusch einzuordnen, das ihn geweckt hatte.
„Logan?“, wiederholte Rogue, etwas lauter als zuvor, aber er konnte sich noch nicht dazu bringen, ihr zu antworten. Hinter seiner Stirn pochte es und er konnte nicht von sich behaupten, die beste aller Launen zu haben. Irgendetwas hatte ihn in den Schlaf begleitet, etwas, das ihn hatte lange nicht ruhen lassen und das selbst jetzt noch fast greifbar in der Luft lag.
Er konnte nur nicht sagen, was es war.
„Komm rein!“
Seine Stimme klang im ersten Moment merkwürdig fremd in seinen Ohren, aber er verdrängte den Gedanken, während er sich langsam aufsetzte und Rogue etwas zögerlich das Zimmer betrat. Sie sah müde und ein kleines bisschen besorgt aus, aber ein ehrliches Lächeln erhellte ihr Gesicht, als ihr Blick auf ihn fiel.
„Hi.“, begrüßte er sie und schwang die Beine vom Bett, bevor er sich mit der Hand über das Gesicht fuhr. Kurz drehte sich alles in seinem Kopf und am Liebsten hätte er sich wieder hingelegt, unterdrückte aber diesen Drang. Er wusste, dass er lange gebraucht hatte, um einzuschlafen, aber diese Müdigkeit verblüffte ihn dennoch mehr als nur ein bisschen. Sonst brauchte er auch nicht so viel Schlaf...
„Du warst nicht beim Essen.“, sagte Rogue leise, ehe sie sich neben ihn auf die Matratze sinken ließ.
„Ich werde mir später was holen.“, murmelte er nach einem flüchtigen Blick zum Fenster, der ihm sagte, dass es noch viel zu früh war, um etwas zu Essen. Es war noch nicht einmal annähernd hell genug, um zu Frühstücken.
Etwas an dem Gedanken und an der Farbe der schwachen Sonnenstrahlen störte ihn, aber er achtete nicht weiter darauf, als er aufstand und ins Bad ging, um sich den Schlaf aus den Augen zu waschen. Das Pochen hinter seiner Stirn wurde für einen kurzen Augenblick stärker, bevor es auf einmal verschwand, aber selbst das vermochte es nicht, lange seine Aufmerksamkeit an sich zu binden.
Was ihn eher beschäftigte, war das Gefühl, dass etwas allgemein nicht stimmte. Da war etwas, ein Gefühl, eine leise, flüsternde Ahnung, dass etwas einfach falsch war. Dass er etwas Wichtiges vergessen hatte.
Hatte er nicht etwas Bestimmtes machen wollen?
War da nicht etwas, dass er noch erledigen musste?
Da war doch etwas gewesen...
Er trat in das Zimmer zurück, wo Rogue ihn etwas erwartungsvoll ansah, aber er wusste nicht wirklich, was er damit anfangen sollte.
„Wolltest du etwas Bestimmtes oder...?“, begann er schließlich, als er aus ihrer Körpersprache nicht herausdeuten konnte, weswegen sie ihn eigentlich geweckt hatte.
„Äh...“
Sie blinzelte ihn ein, zwei Mal verwirrt an, bevor sie leicht die Stirn runzelte und dann ihren Blick abwandte.
„Ich dachte, dass du...“, hörte er sie leise murmeln, aber dann schüttelte sie den Kopf und schien es sich doch anders zu überlegen.
„Weißt du schon was wegen Cathy?“, fragte sie dann, ohne ihn anzusehen. Die leichte Enttäuschung in ihrem Ton versetzte ihm einen leichten Stich, aber dann wurde er auf die Sorge aufmerksam, die in ihrer Stimme mitschwang. Aber es wunderte ihn nicht wirklich, immerhin ging es ja um ihre Mitbewohnerin und er hatte ihr schon am vergangenen Abend angesehen, wie sehr sie sich um sie sorgte.
„Nein.“, antwortete er schließlich ein wenig verspätet. „Der Professor kümmert sich darum.“
Er wollte sich wieder auf sein Bett setzen, hielt dann aber plötzlich mitten in der Bewegung inne.
Cathy...
Seine Augen weiteten sich und er fuhr mit einem wortlosen Fluch herum, um mit wenigen Schritten an den Schrank zu treten und sich mit hastigen Bewegungen etwas zum Anziehen rauszuholen.
Er wusste wieder, warum er so lange zum Einschlafen gebraucht hatte. Das Gespräch mit dem Professor war ihm einfach nicht aus dem Kopf gegangen, hatte ihn verfolgt, egal wie sehr er auch versucht hatte, es zu ignorieren.
Aber er konnte doch nicht einfach vergessen, worum es dabei gegangen war!
„Wie spät ist es?“, fragte er während er sich hastig sein Hemd überstreifte und sich kurz darüber wunderte, dass er in Jeans und T-Shirt geschlafen hatte, obwohl er sich daran zu erinnern glaubte, die Sachen ausgezogen zu haben.
„Äh ... Kurz nach halb acht...“
Logan fluchte erneut, versuchte aber, sich zu beruhigen. Er hätte Xavier schon vor einer halben Stunde aufsuchen müssen, um kurz noch einmal die wichtigsten Punkte durchzugehen. Natürlich war er nicht wirklich darüber erfreut gewesen, was ihm der Professor gesagt hatte, aber das hieß nicht, dass er es ignorieren würde.
Gott ... Er konnte einfach nicht glauben, dass er verschlafen hatte! Und dabei hatte er bei dem schwachen Licht vor dem Fenster noch geglaubt, dass es noch früh genug war ... Selbst jetzt war es kaum stark genug, um in das Zimmer zu dringen und...
Logan schloss die Augen, drückte die Lider so fest aufeinander, dass es wehtat und atmete ein paar Mal tief durch, um sich zu beruhigen.
In seinem Kopf drehte sich wieder alles und er hatte immer größere Schwierigkeiten damit, sich zu konzentrieren.  
„Logan, ist alles in Ordnung?“ Er konnte spüren, dass Rogue aufgestanden und näher getreten war.
„Ja.“, presste er hervor, auch wenn es sich nicht so anfühlte, als ob alles in Ordnung war. Das Chaos in seinem Kopf schien mit jeder Minute, die er in diesem Zimmer verbrachte, stärker zu werden und Maries Anwesenheit schien das Ganze auch nicht besser zu machen.
Er stützte sich am Schrank ab, bevor er sich schließlich wegstieß und dann nach seiner Jacke fischte, die neben dem Bett auf dem Boden lag.
„Hör zu Marie, wir verschieben das, okay? Ich muss jetzt gehen.“, sagte er dann ohne sie dabei wirklich anzusehen, ehe er mit eiligen Schritten das Zimmer verließ.
Rogue blieb einen Moment lang noch verwirrt stehen und sah zum Fenster, hinter welchem es endgültig dunkel wurde, als selbst die letzten Sonnenstrahlen dem Abend wichen.
Dann drangen Logans Worte endgültig zu ihr durch und sie stützte mit eiligen Schritten aus dem Zimmer, um ihm zu folgen.
„Gehen?!!“


****


„Wissen Sie schon was Neues?“
Xavier sah auf, als Scott sein Büro betrat und leise die Tür hinter sich schloss. Er schwieg im ersten Moment und wartete darauf, dass der Jüngere sich vor seinem Schreibtisch auf einen der Stühle fallen ließ und sich ein wenig beruhigte, ehe er auf die Frage antwortete.
„Nein, Scott. Es gibt noch nicht wirklich etwas Neues. Ich muss warten bis Logan wieder wach ist, bevor ich mich um Cathy kümmere. Ich habe Logans Erinnerungen zwar wieder herstellen können, aber es war sowohl für ihn als auch für mich anstrengend. Deswegen habe ich es für besser befunden, wenn wir uns zuerst einmal ausruhen, bevor ich ihn zu den Geschehnissen befrage.“
„Konnten Sie nicht sehen, was passiert ist?“
„Nein. Ich hatte genug damit zu tun, die letzten fünfzehn Jahre von dem Rest zu trennen und durch die Barrieren zu bringen.“ Xavier warf seinem Schüler einen strengen Blick zu. „Außerdem solltest du inzwischen wissen, dass ich Logans Erinnerungen nicht ohne seine Erlaubnis einsehen würde.“
Scott seufzte tief und wandte fast verlegen den Kopf zur Seite.
„Scott, Cathys Werte sind stabil und im normalen Bereich. Hank kümmert sich um sie und wird mich verständigen, sobald sich etwas ändert. Aber es ist wichtig, dass wir nichts überstützen und...“
Der Professor sah kurz zur Seite, so als würde ihn etwas ablenken, bevor sich ein leicht verwunderter Ausdruck in seine Augen schlich. Er konnte Scotts fragenden Blick auf sich fühlen, brauchte jedoch noch einen weiteren Moment, um die Aufmerksamkeit wieder seinem Schüler zu widmen.
„Es sieht so aus, als wäre Cathy vor wenigen Minuten aufgewacht.“
Sie brauchten nur wenige Minuten zum Eingangsbereich, von dem die Krankenstation nur noch wenige Meter entfernt lag und Scott wollte schon die paar Schritte zum entsprechenden Korridor tun, als Logan ihnen entgegenkam, den Blick stur auf den Boden gerichtet, so als wäre er tief in Gedanken versunken.
Erst als nur noch ein paar Schritte ihn von den beiden trennten, sah er auf und hielt inne, als er den Professor erblickte, der ihn ebenso erstaunt musterte. Eigentlich hatte Xavier ja gedacht, dass Logan viel länger als nur diese wenigen Stunden brauchen würde, um sich zu erholen, aber scheinbar ging es ihm gut, auch wenn er die Erschöpfung in Logans Augen sehen konnte.
Eine Müdigkeit, die allerdings von einer großen Verwirrung überschattet wurde.
Logan schien einen Moment zu brauchen, um sich zu orientieren und zu sammeln, bevor er sich an Xavier wandte, Scott vollkommen ignorierend.
„Professor, ich dachte Sie wollten mich in Ihrem Büro sprechen...“
„Ja, Logan, aber das kann noch warten, im Moment...“
„Logan!“
Rogues Ruf lenkte sowohl Xaviers als auch des Angesprochenen Aufmerksamkeit auf sich und auf den Ausdruck leichter Panik, der in ihren Augen lag.
„Was meinst du damit, dass du gehen musst? Wohin musst du gehen?!“
Xavier runzelte verwirrt die Stirn während Logan mit einem frustrierten Seufzen die Augen schloss und sich die Stirn rieb, so als hätte er starke Kopfschmerzen.
Der Professor korrigierte in Gedanken seine vorangehende Schlussfolgerung und er musste nicht einmal die Aura des anderen Mannes sehen um zu verstehen, dass mit Logan etwas nicht stimmte. Etwas lag in der Luft, auch wenn er noch nicht wirklich einordnen konnte, um was es sich dabei handeln mochte.
„Der Professor will, dass ich Cathy zurückhole.“ , erklärte Logan an Rogue gewandt, auch wenn er immer noch seine Schläfen massierte. Erst nach einem Moment tiefen, verwirrten Schweigens öffnete er die Augen wieder, um den Professor anzusehen, welcher ihn seinerseits eingehend und konzentriert musterte, so als würde er seine Gedanken lesen.
„Ich sollte Cathy zurückbringen, oder etwa doch nicht? Hat Summers den Job jetzt übernommen?“
Logan konnte sich nicht erklären, warum er so unsicher und verwirrt klang, immerhin konnte er sich noch ganz genau an die Standpauke und an die Erklärung erinnern, warum ausgerechnet er dem Mädchen hinterher fahren sollte. Er wusste noch, dass Summers heftige Einwände gehabt hatte, immerhin war er ja der festen Überzeugung gewesen, dass er, Logan, Schuld an dem Verschwinden des Mädchens hatte.
Hatte es sich der Professor doch anders überlegt oder gab es einen anderen Grund für den Blick, mit dem er ihn maß?
„Professor ... Ich dachte, Sie hätten seine Erinnerungen wieder hergestellt...“, sagte Scott kaum hörbar in die immer unangenehmer werdende Stille hinein und im ersten Moment schien es auch so, als hätte Xavier ihn nicht gehört, aber dann schloss er für einen kurzen Augenblick müde die Augen, nur um dann Logan erneut mit seinem Blick zu fixieren.
„Ja, eigentlich habe ich das.“ Xavier runzelte die Stirn, während Logan ihn nur verwirrt ansah. „Aber es scheint etwas zu fehlen...“
„Was meinen Sie damit?“
Die Unsicherheit verschwand mit einem Schlag aus Logans Stimme und machte einer leisen Wut Platz, ausgelöst durch die Verwirrung, die er immer noch empfand. Es lag weniger daran, dass die beiden anderen Männer über ihn sprachen, als wäre er gar nicht da, sondern eher daran, was sie sagten. Er wusste nicht warum, aber etwas an ihren Worten und an den Blicken, die er auf sich fühlen konnte, verstärkte einfach nur noch mehr das Gefühl, dass etwas fehlte.
Dass etwas fehlte und dass etwas einfach falsch war, seitdem er vor einer viertel Stunde aufgewacht war.
„Nun...“
„Was meint Summers damit, dass Sie meine Erinnerungen wiederhergestellt haben? Ich müsste es doch wohl merken, wenn ich mich an mehr als nur die letzten fünfzehn Jahre erinnern könnte!“
Logan tat einen Schritt zurück und sah Scott schon fast feindselig an. Er hasste es, wie seine Stimme ganz leicht zitterte und wie die Ungewissheit wieder an ihm zu nagen begann.
„Logan, was ist das Letzte von den vergangenen Tagen, an das du dich erinnerst?“
Xaviers Stimme riss ihn aus seinen Gedanken und ließ ihn seine Aufmerksamkeit wieder auf den älteren Mann lenken, der ihn noch konzentrierter als zuvor musterte, wenn das überhaupt möglich war.
Logan lief es kalt den Rücken hinunter, aber er versuchte es zu überspielen, indem er das Gewicht auf sein anderes Bein verlagerte und sich eine Strähne aus dem Gesicht strich, auch wenn er irgendwie fühlen konnte, dass es nicht wirklich etwas brachte. Er konnte Rogues besorgten Blick in seinem Rücken fühlen und auch der Ausdruck in den Augen des Professors wurde dadurch nicht unbedingt entspannter.
„Ich weiß nicht, wie das helfen soll.“ Logans Stimme klang ungewohnt heiser und rau, und ganz langsam konnte er spüren, wie sich die Muskeln in einem Rücken verspannten. Er sollte eigentlich nicht so angespannt und defensiv reagieren, bei einer so einfachen Frage und wenn er ehrlich war, so konnte er sich seine eigene Reaktion nicht wirklich erklären. Immerhin konnte er sich noch ganz genau daran erinnern, was in den letzten Tagen passiert war. Bis hin zu dem Zwischenfall gestern vor dem Abendessen, bei dem er vielleicht etwas aufdringlicher geworden war, als er hätte werden müssen, und dem unangenehmen Gespräch mit Xavier.
„Bitte, Logan. Sag einfach, woran du dich erinnerst.“ Er sah Rogue nicht an, als sie näher trat und ihn vorsichtig am Arm berührte.
„Das Letzte, an das ich mich erinnere?“
Er schluckte schwer und fragte sich, wann sein Hals so dermaßen ausgetrocknet war. Es war, als wüsste sein Körper etwas, das ihm einfach entging. Es hätte nicht so schwer sein dürfen, auf die Frage zu antworten und er wusste nicht, warum er die Antwort so sehr herauszögerte.
„Das Mädchen ... Cathy ... Wir hatten ... Sie ist weggelaufen. Sie, Professor, und Scott haben mir eine Standpauke gehalten und sind dann zu dem Schluss gekommen, dass ich sie zurückholen sollte, weil sie ja scheinbar wegen mir weggelaufen ist.“
Er hielt kurz inne. Warum erschien ihm das ganze so, als wäre es nicht erst am vorigen Abend geschehen?
„Danach ... danach bin ich schlafen gegangen und vor einer viertel Stunde hat mich Rogue geweckt.“
Logan atmete tief durch und ignorierte das immer stärker werdende Gefühl, dass auch an der Zusammenfassung der Geschehnisse etwas nicht zu stimmen schien. Die Kopfschmerzen, die kurz in den Hintergrund gerückt waren und die er sich einfach nicht erklären konnte, wurden für einen kleinen Augenblick überwältigend, sodass er für einen kurzen Moment die Augen zusammenkneifen musste, um wieder klar sehen zu können.
„Bist du dir sicher, dass das alles ist, Logan?“
„Ja.“, knurrte er.
Der Professor und Scott teilten einen Blick, ehe Scott einen Schritt auf Logan zumachte, dann aber wieder stehen blieb, als Logan ihn fast aggressiv ansah.
„Logan ... das war vor zwei Tagen.“, erklärte der Jüngere, die Hände fast abwehrend ein wenig in die Höhe haltend.
„Vor zwei Tagen?“ Logan keuchte fast, während er die Worte über seine Lippen zwang, aber es gelang ihm, es zu unterdrücken.
‚Das kann nicht sein.’
„Ja, Logan. Vor zwei Tagen. Du bist in der Früh weggefahren, um Cathy zu folgen und heute früh haben Hank und ich euch von einem Motel abgeholt und zurückgebracht.“
Das konnte einfach nicht sein!
Logan schüttelte den Kopf und wich wieder ein paar Schritte von Scott zurück, in dem Versuch etwas Ordnung in das Chaos zu bringen, das sich immer mehr in seinem Innern auszubreiten drohte.
Er konnte keinen klaren Gedanken fassen und jedes Mal, wenn er versuchte, an die angebliche Zeit zwischen dem gestrigen Abend und dem Moment, an dem er heute früh aufgewacht war zurückzudenken, wurde er sich nur einer gähnenden Leere bewusst, die immer größer zu werden schien.
Er atmete ein paar Mal tief durch, aber selbst dann konnte er für einen Moment nicht über das Rauschen in seinen Ohren hinaus hören, was der Professor sagte.
„... nicht, was passiert ist, aber Cathy war bewusstlos und du hast dich an überhaupt nichts mehr erinnern können. Ich glaube, dass...“
„Das kann nicht sein.“, murmelte Logan und wich Rogue aus, als sie ihn berühren wollte.
Er konnte ihre Blicke fühlen, aber das war im Augenblick egal. Er konnte ... wollte nicht glauben, was ihm die anderen zu sagen versuchten.
Auf der einen Seite wusste er natürlich, dass sie Recht hatten. Das Gefühl, dass etwas nicht stimmte, dass etwas Wichtiges fehlte, die Desorientierung, als er aufgewacht war ... all das ließ sich durch die fehlende Erinnerung erklären.
Und doch...
Er wollte es nicht glauben, denn das hätte bedeutet, dass er ein weiteres Mal seiner Erinnerung beraubt worden war.
Logan fuhr sich mit der Hand über das Gesicht, versuchte irgendwie die Fassung wiederzuerlangen, doch es ging einfach nicht. Sein Herz raste, so als wollte es jeden Moment aus seiner Brust ausbrechen und die Kopfschmerzen spitzten sich immer weiter zu.
„Wie?“ Er wusste nicht genau, an wen er die Frage stellte, aber sie entkam einfach seinen Lippen, bevor er etwas dagegen tun konnte. Er hatte sie nicht stellen wollen, denn das machte das Ganze real und er war noch nicht bereit, die Tatsache anzunehmen.
„Ich weiß es nicht, Logan. Ich vermute, dass deine Barrieren durch etwas zerbrochen sind, was erklären würde, warum du dich an nichts mehr erinnern konntest. Womöglich war dein Geist zu überfordert und hat einfach alles weggesperrt.“
„Was hat Scott gemeint?“
Logan war sich bewusst, dass er gehetzt und ein wenig atemlos klang, aber das konnte er in diesem Augenblick nicht beachten. Er hatte unglaubliche Schwierigkeiten damit, sich überhaupt darauf zu konzentrieren, was der Professor sagte.
„Nun, ich bin in deinen Geist gedrungen, um deine Erinnerungen wiederherzustellen. Aber ich musste die Erinnerungen, die vorher weggesperrt waren, hinter den Barrieren lassen, um sicherzustellen, dass du unter der Überlastung nicht wieder zusammenbrichst. Und eigentlich hatte ich angenommen, dass alles wieder so ist, wie es sein sollte, aber die letzten achtundvierzig Stunden sind nicht da.“
„Haben Sie sie nicht gefunden?“
Klangen die Worte nur in seinen Ohren so, oder waren sie tatsächlich ein wenig schleppend? Logan konnte fühlen, wie er leicht schwanke und ihm der kalte Schweiß ausbrach, aber er zwang sich dazu, dem Professor bis zum Ende zuzuhören, auch wenn ihm mit jeder verstreichenden Minute immer schlechter wurde.
„Nein, ich habe sie nicht gefunden. Ich kann es mir nicht erklären, aber...“
Die Welt kippte nach links und Logan musste sich unglaublich anstrengen, um auf den Beinen zu bleiben. Dennoch stolperte er ein paar Schritte zur Seite, bis er sich an der Wand abstützen konnte.
„Logan!“
Rogues besorgter Ruf klang unglaublich weit entfernt und selbst als er es versuchte, konnte Logan seinen Blick nicht weit genug fokussieren, um den Professor weiterhin anzusehen. In seinem Kopf drehte sich alles und er konnte fühlen, wie langsam etwas Warmes über seine Lippen zu seinem Kinn hinunter rann.
„Logan?“
Die Stimme, die seinen Namen leicht fragend und ungläubig hauchte, schnitt durch das Chaos in seinem Innern und brachte die sich drehende Welt wieder zum Stehen. Sein Blick klärte sich, als er den Kopf in die Richtung wandte, aus der die Stimme gekommen war und er erblickte das Mädchen, das eigentlich nicht hätte da sein dürfen.
Nein, eigentlich hätte Cathy nicht wenige Meter von ihm entfernt stehen dürfen, wenn er auch weiterhin die Tatsache verdrängen wollte, dass sein Gefühl, der Professor und Scott die Wahrheit gesagt hatten.
Nein, sie hätte nicht da sein dürfen, wenn er nicht wahrhaben wollte, dass ihm erneut Erinnerungen fehlen.
Die junge Telepathin hätte nicht einfach so dastehen dürfen, als hätte sie mit alledem nichts zu tun. Sie hätte ihn nicht ansehen dürfen, als wüsste sie von nichts, als wüsste sie nicht, wie sie dorthin gekommen war.
Etwas in seinem Inneren zog sich zusammen, bei ihrem Anblick und gleichzeitig stieg die altbekannte Wut in ihm hoch, die er einfach nicht kontrollieren konnte. Er war sich bewusst, dass die beiden anderen Männer neben ihm auf ihn einredeten, war sich der Präsenz des Professors bewusst, dessen Geist gegen sein Bewusstsein strich, aber all das schien weit, weit weg zu sein.
Seine Aufmerksamkeit fokussierte sich auf Cathy, die da stand, als hätte sie mit der ganzen Situation nichts zu tun. Auf das Mädchen, das eine telepathische Verbindung zu ihm hatte, das womöglich auf seinen Geist zugreifen konnte, wann immer es wollte.
Auf das Mädchen, das wegen ihm weggelaufen war, weil er es bedrängt hatte.
Auf das Mädchen, das ihm keine Antworten hatte geben wollen.
Auf das Mädchen, mit dem er genau die Stunden verbracht hatte, die ihm genommen worden waren.
Auf das Mädchen, das...
Er merkte erst, dass er die kurze Entfernung zu Cathy überwunden hatte, als sich seine Finger um ihren Hals schlossen und er sie schmerzhaft gegen die Wand hinter ihr rammte.
„Gib mir meine Erinnerungen zurück.“
Er hörte nicht die entsetzten Rufe hinter seinem Rücken, spürte nicht, wie Scott versuchte, ihn von Cathy fortzuzerren. Sein Blick bohrte sich in den Ihren, auf der Suche nach den Antworten, nach einem Zeichen, aber er fand nichts.
Sie schien seine Finger, die sich in ihr Fleisch bohrten, kaum zu bemerken, auch wenn ihr Körper unter dem Schmerz zusammenzuckte. Aber selbst als Tränen in ihre Augen traten, änderte sich nichts an dem tief verwirrten Ausdruck in ihrem Blick.
Er wollte etwas sagen, etwas tun, doch dann lockerte sich sein Griff und seine Hand fiel kraftlos von ihr ab.
Sie musste nicht einmal etwas sagen.
Es bedurfte keiner Worte, damit er es verstand.
Cathy konnte sich ebenso wenig erinnern, wie er.
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