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Wenn Wünsche wahr werden

GeschichteDrama / P18 / Gen
OC (Own Character) Wolverine / James "Logan" Howlett
12.12.2006
18.04.2021
37
200.072
3
Alle Kapitel
129 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
12.12.2006 7.368
 
Hi! Ich wünsche euch allen ein frohes neues Jahr!
Und yay! Ich hab's rechtzeitig zum Jahreswechsel geschafft, mit dem neuen Kapitel fertig zu werden! n_n

@ iko: Vielen, vielen Dank. Freut mich, dass es dir gefallen hat. Ich muss schon dazu sagen, dass ich unglaublich lange dafür gebraucht habe... Es war nicht sehr einfach, diese Szene zwischen Cathy und Logan zu schreiben ... Ob ich Cathy genug gequält habe? Na ja... ich glaube noch nicht. n_n
Und wieso willst du schon ein Ende? Ich fang doch erst so richtig an...

@ Icy-Chan: *tröst* n_n Ja, mir tut Cathy auch Leid, aber ich kann leider nichts daran ändern ... Und ich kann Logan total verstehen ... Immerhin hat er sich so sehr in die Sache reingehängt und dann so was ... Na ja, mal schauen wie es mit den beiden weitergeht.

@ BeastsBlood: Halloooooooo! Wow, eine neue Reviewerin! Vielen, vielen Dank für deinen Review! Sorry, dass es manchmal so lange dauert, aber ich brauche ewig, bis ich alles klar vor mir habe und endlich schreiben kann. Aber da ich jetzt langsam wieder zu meinem roten Faden zurückgefunden habe, hoffe ich, dass es endlich ein bisschen schneller weitergeht.
Ach ja, ob Logan Cathy mag oder nicht ... Das wird sich mir selbt hoffentlich im Laufe der Geschichte offenbart... n_n''

@ shinyu: Ja, ich weiß, ich hab mich verspätet, du hast mich dafür auch geschlagen ... *sich den arm reib*...
Freut mich aber, dass dir das Kapitel gefallen hat, vor allem das die Szene am Ende scheinbar doch besser gelungen ist, als ich ursprünglich gedacht habe. Und was Logan angeht: Also, ich glaube das wäre dann wohl schon zu heftig gewesen, wenn er einfach gegangen wäre ... Außerdem ist er ja aus einem bestimmten Grund dort und kann nicht einfach so abhauen, oder? Ich meine, klar, es macht Cathy nur noch mehr fertig, aber was soll ich machen?
Ach ja, hab total vergessen zu fragen was das d.k......,p........s....d. bedeutet. Ist das dieser Satz auf Japanisch, das mit der Hölle oder so? Fällt mir irgendwie überhaupt nicht mehr ein...


So, ich wünsche euch allen viel Spaß beim Weiterlesen und hoffe, dass ihr auch im neuen Jahr auch weiterhin brav reviewt. Das Feedback bringt wirklich Motivation!
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Kapitel 14: Giving in

James seufzte und lehnte sich zurück, ehe er die Augen schloss und sich die Schläfen massierte. Sein Kopf dröhnte und er war kein Stück weiter gekommen. Er hatte es zwar von Anfang an geahnt, aber jetzt war er ganz sicher, dass es so nicht gehen würde.
„Und?“
Die Stimme ertönte direkt an seinem Ohr, aber dieses Mal schaffte sie es nicht, ihn zu erschrecken, so wie sie es vor einigen Tagen getan hatte. Er hatte sie bemerkt, in dem Moment, in dem sie das Zimmer betreten hatte und er hatte eigentlich nur darauf gewartet, dass sie ihn ansprach.
„Du solltest lernen zu läuten wie ein normaler Mensch, wenn du mich besuchen kommst.“
Er sah sie an, als der Griff der blauen Hand an seiner Schulter stärker wurde, aber der wütende Blick der gelben Augen, welche die seinen trafen, kümmerte ihn nicht im Geringsten.
„Ich bin kein Mensch.“, zischte Mystique, ehe sie seine Schulter losließ und die Arme vor der Brust verschränkte.
„Ja, ja. Ich weiß, Miss Homo superior.“ Er verdrehte genervt die Augen. „Wie auch immer. Ich komme nicht weiter.“
Er konnte sehen, wie sie die Stirn runzelte, scheinbar nicht sehr erfreut über die Nachrichten. Er wollte noch etwas hinzufügen, aber dann packte sie ihn plötzlich am Hals und drückte stark genug zu, dass ihm die Luft wegblieb.
„Wir haben eine Abmachung.“
Ihre gelben Augen schienen im dämmrigen Licht des Zimmers zu glühen und ihre Worte waren nicht mehr als ein Flüstern, aber es war laut genug, damit James es hören konnte. Der Griff wurde noch etwas stärker und ihr zorniger Blick bohrte sich in den seinen, doch dann ließ die Hand seinen Hals ebenso schnell wieder los, wie sie ihn ergriffen hatte.
Mystique schien ein wenig verblüfft darüber, vor allem als sie gegen ihren Willen auch noch einen Schritt zurück trat, während James sich mit schmerzverzerrtem Gesicht den Hals rieb. Sein Blick hing immer noch an ihren Augen, aber schließlich seufzte er und ließ sie los.
Ehe sie ihn hätte wieder angreifen können, hob er in einer abwehrenden Geste die Hände und lächelte sie entschuldigend an, wenn auch seine Augen gleichzeitig eine stumme Drohung auszusprechen schienen.
„Sorry, aber wenn du mich erwürgst, kann ich das Problem auch nicht lösen und dir erst recht nicht weiterhelfen.“
„Dann mach deine Arbeit!“, sagte sie, vermied es aber, ihm wieder direkt in die Augen zu sehen.
„Hey, ich hab dir von Anfang an gesagt, dass es bestimmt nicht leicht wird und dass ich nicht sicher sagen kann, ob ich das schaffe.“, gab er zurück, ehe er aufstand und sich ein wenig die Beine vertrat. „Ich hab’s in den letzten drei Tagen auf verschiedene Arten versucht, aber es geht einfach nicht. Es sind einfach zu viele Barrieren und ich komme nicht ran.“ Er konnte sehen, wie sie sich spannte und wie sich ihre Augen verengten, achtete jedoch nicht weiter darauf.
„Das einzige, worum ich dich bitte ist, dass du mir noch ein bisschen Zeit lässt. Es ist nicht so einfach, okay? Ich versuche es noch mal und wenn es dann nicht klappt ... Nun, sagen wir einfach, dass ich über eine Alternative nachgedacht habe.“

****


Etwas weckte sie.
Cathy blinzelte verwirrt und brauchte einen kurzen Moment, um sich zu orientieren, aber dann fiel ihr wieder ein, wo sie sich befand und wessen Hand es war, die schwer auf ihrer Brust lag.
Sie seufzte.
Logans Atem strich in einem regelmäßigen Rhythmus über ihren Nacken und sie konnte seinen Herzschlag an ihrem Rücken fühlen. Er schien noch tief und fest zu schlafen, so wie er es wohl die ganze Nacht hindurch getan hatte. Zumindest hatten ihn keine Alpträume geplagt, die sie hätten wecken können.
Eine ganze Weile blieb Cathy noch in seinen Armen liegen, das Gefühl seines warmen Körpers an dem ihren genießend, doch dann schluckte sie schwer und ergriff fast zögerlich seine Hand, nur um sanft über die Finger zu streichen.
Es waren Hände, Finger, die ihr wehgetan hatten, die aber auch ... Die aber auch ein Gefühl von Wärme und Sicherheit in ihr auslösten, auch wenn sie sich nicht erklären konnte, warum.
Oder ...
Nein, im Grunde wusste sie, warum.
Es waren dieselben Hände, die sie gefunden und geborgen hatten. Dieselben Hände, die sie an diese harte Brust gedrückt hatten.
Die Augen schließend versuchte sie, diese Gedanken zu verdrängen. Es waren nicht ihre Erinnerungen ... Nicht die ihren und doch so schwer von den ihren zu trennen. Aber diese Gefühle...
‚Egal.’
Cathy seufzte tief und löste sich aus seinem festen Griff, ehe sie langsam die Beine vom Bett schwang und dann aufstand. Sie ließ ihren Blick ein wenig unentschieden durch das Zimmer schweifen, bevor sie das inzwischen trockene Badetuch vom Boden fischte und sich ins Badezimmer zurückzog.
Der beißend kalte Wasserstrahl der Dusche vertrieb endgültig das Gefühl von Wärme, das sie an Logans Berührungen erinnert hatte, und half ihr dabei, die Erinnerungen und Gedanken zu verdrängen, die sie zu überfordern drohten.
Fast war sie selbst erstaunt über den seltsam leeren Blick in ihren Augen, als sie vor den Spiegel trat, aber es berührte sie nicht.
Sie fühlte sich ... taub.
Nicht, dass sie nichts fühlen konnte. Die Gefühle, die Sorgen, der Schmerz ... sie alle waren da, lauerten am Rande ihres Bewusstseins. Aber im Augenblick ... Im Augenblick schienen sie sie nicht erreichen zu können.
Aber sie tat ja auch ihr Bestes, um sie nicht an sich heran zu lassen. Sie durfte sie nicht an sich heranlassen, wenn sie das, was sie tun musste, auch tatsächlich in die Tat umsetzen wollte.
Cathy starrte noch einen weiteren Moment lang ihr Spiegelbild an, bevor sie das Bad wieder verließ und sich frische Sachen zum Anziehen aus ihrer Tasche holte. Sie ignorierte Logans schlafende Gestalt und die Sachen, die sie am Vortag getragen hatte, als sie sich schweigend anzog und anschließend noch einmal ihren Blick prüfend durch das Zimmer streifen ließ.
Dann griff sie nach ihrer Tasche, ehe sie den Raum verließ.
Sie blickte nicht zurück.

****


Xavier verstummte mitten im Satz.
Ororos fragenden Blick ignorierend sah er kurz konzentriert zum Fenster, ehe er die Stirn runzelte und für einen Moment die Augen schloss. Da war etwas...
„Professor?“
Charles reagierte nicht und es dauerte noch ein paar weitere Momente, bis er die Augen wieder öffnete und Storm ansah. Etwas schien ihn zu beschäftigen. Sorge trübte für einen kurzen Augenblick seinen Blick, ehe er seine Schülerin richtig zu erkennen schien.
„Entschuldige, ich dachte, ich hätte etwas gehört ... Aber...“
„War es Cathy?“
„Nein ... Nein, ich muss mich geirrt haben.“
Er wusste nicht, was es gewesen war und er versuchte nicht mehr daran zu denken. Stattdessen führte er das unterbrochene Gespräch mit Ororo fort und ehe er sich versah, hatte er das komische Gefühl, das von ihm Besitz ergriffen hatte, wieder vergessen.

****


„Was soll’s sein?“
Die verrauchte Stimme riss Cathy aus ihren Gedanken und ließ sie leicht erschrocken zusammenzucken, bevor sie sich der Kellnerin zuwandte, die neben ihrem Tisch stehen geblieben war. Die Menükarte lag unangetastet auf dem Tisch, dabei waren bestimmt mindestens fünfzehn Minuten vergangen, seitdem sie sich an diesen Tisch gesetzt hatte.
„Ich...“ Cathy biss sich unsicher auf die Unterlippe und blinzelte zum Menü, kurz bevor sie es aufschlug und überflog. Sie wusste nicht genau, warum sie das Café überhaupt betreten hatte, es war als hätten ihre Beine sie von selbst hierher geführt.
Vielleicht hatte sie auch nur gehofft hier auf eine weitere Mitfahrgelegenheit zu treffen. Die Frau, die sie mitgenommen hatte, war zwar sehr nett gewesen, aber die Fahrt hatte Cathy lediglich zwei Ortschaften weiter gebracht. Dieses Kaff war nun mal einfach noch nicht weit genug von Logan entfernt und...
Die Kellnerin räusperte sich und sah Cathy etwas ungeduldig an.
„Ich ... Äh ... Ich nehme die Pfannkuchen und ein Glas Wasser, bitte.“
Die Frau schrieb ihre Bestellung, leise vor sich hin murmelnd, auf, bevor sie sie wieder alleine ließ und sich einem anderen Tisch zuwandte.
Cathy seufzte leise und fuhr sich mit einer müde wirkenden Bewegung durch die Haare, ehe sie sich wieder dem Fenster zuwandte. Sie wusste, dass sie sich lieber darauf konzentrieren sollte, eine Mitfahrgelegenheit zu finden, aber irgendwie konnte sie sich nicht so recht dazu bringen. Da war etwas, das an ihr nagte und einfach nicht loslassen wollte, aber sie weigerte sich eisern darüber nachzudenken.
„Ganz alleine hier?“
Cathy sah stirnrunzelnd zu dem Mann auf, der sich neben ihrem Tisch aufgebaut hatte, und musterte ihn schweigend. Er war groß, breit und hatte ein erstaunlich charmantes Lächeln aufgesetzt, das die harten Linien seines Gesichts ein wenig weicher erscheinen ließ. Cathys Stirnrunzeln wurde tiefer, während sie angestrengt darüber nachdachte, was sie tun sollte um ihn abzuwimmeln. Er wirkte zwar ganz nett, aber sie konnte im Augenblick keine Gesellschaft brauchen.
Schließlich zuckte sie nur mit den Schultern und wandte sich von ihm ab, aber das schien er wohl als Einladung verstanden zu haben, denn kurz darauf saß er auch schon auf dem Platz ihr gegenüber.
„Ein so hübsches Ding wie du sollte nicht alleine an einem Tisch sitzen müssen.“, sagte er leise und griff nach der Menükarte, ohne sie dabei aus den Augen zu lassen. Cathy sah ihn ungläubig an und fragte sich, ob er das tatsächlich ernst meinen konnte, bevor sie ihm das Menü, das er eben durchsehen wollte, wieder aus der Hand nahm und auf seinen Platz zurücklegte.
„Ich warte auf jemanden.“, erklärte sie mit einem eisigen Lächeln und einem viel sagenden Blick, der ihn dazu auffordern sollte zu gehen, aber er schien an ihm wirkungslos abzuprallen.
„Dann kann ich ja solange bleiben.“, erwiderte er und machte Anstalten, sich doch noch etwas zum Essen auszusuchen, bevor sie ihn davon abhalten konnte.
‚Das ... Das gibt’s doch nicht.’ Cathys Hände ballten sich unter dem Tisch zu Fäusten, während sie mit aller Macht versuchte das drohende Fauchen, das in ihr hochsteigen wollte, zu unterdrücken. Konnte er nicht sehen, dass sie einfach alleine sein wollte?
Sie wollte etwas tun, irgendetwas sagen, aber kaum dass sie sich gerührt hatte und dazu ansetzte, erstarrte sie mitten in der Bewegung. Ein kalter Schauer jagte ihren Rücken hinunter und sie konnte die Anwesenheit der Person hinter ihr wie eine Berührung spüren.
Eine schwere Hand legte sich auf ihre Schulter und drückte so schmerzhaft zu, dass sie leicht zusammenzuckte.
„Du hast gehört was sie gesagt hat.“, knurrte Logan, während er endgültig neben sie trat. Sein intensiver Blick fixierte den Mann ihr gegenüber, bis dieser nervös wurde und den seinen unruhig abwandte. Er murmelte irgendetwas Unverständliches, ehe er aufstand und sich an die Theke setzte, ohne auch nur zurückzublicken.
Cathy starrte ihm noch einen Moment lang hinterher, bevor sie Logan ansah, dessen Hand noch immer auf ihrer Schulter ruhte. Seine Fingerkuppen bohrten sich in ihr Fleisch, aber sie gab keinen Laut von sich.
Es schien eine halbe Ewigkeit zu vergehen, während sie sich schweigend gegenseitig musterten. Selbst als sich Logan auf den frei gewordenen Platz setzte und kurz darauf die Kellnerin die bestellten Pfannkuchen und das Wasser brachte, taten sie nichts anderes.
Cathy konnte die Wut in seinen Augen sehen, es war regelrecht faszinierend, wie die braunen Iriden unter dieser Emotion fast zu glühen schienen. Es war ihm anzumerken, dass er sich nur mühsam zurückhielt und dass die Abdrücke, die seine Finger kurz an ihrer Schulter hinterlassen hatten, das Wenigste waren, was er ihr hatte antun wollen.
„Hast du gedacht, ich würde dich nicht finden?“
Nach dem langen Schweigen kam die Frage recht unerwartet und zuerst wusste Cathy nicht so recht, wie sie darauf reagieren sollte. Sie musterte ihn weiterhin schweigend, überlegte angestrengt, wie sie am Besten antworten sollte, aber ihr fiel nichts ein.
Ihr fehlten die Worte.
Er war viel zu plötzlich aufgetaucht, hatte sie vollkommen unerwartet getroffen. Sie ... sie hatte ihn nicht einmal bemerkt. Bis zu dem Augenblick, in dem er direkt hinter ihr gestanden hatte, hatte sie ihn nicht bemerkt. Dabei ... Hätte sie ihn eigentlich nicht fühlen müssen?
Cathy wandte ihren Blick ab und seufzte kaum hörbar, schwieg aber letzten Endes auch weiterhin. Sie wusste, dass das in dieser Situation kaum das Richtige war und dass sie ihn damit nur noch mehr reizen würde. Und doch...
Etwas in ihr wollte ihn einfach nur provozieren. Vielleicht würde er dann endlich genug haben und sie in Ruhe lassen...
Ein wütendes Schnaufen war das Einzige, das sie warnte, ehe Logan aufstand, ein paar Geldscheine auf den Tisch warf und sie dann am Arm packte, um sie von ihrem Platz zu zerren. Sie hatte gerade mal Zeit genug, um nach ihrer Tasche zu greifen, bevor er sie grob hinter sich herzog, raus aus dem Café und ein paar Meter weiter bis zu Scotts Motorrad.
Erst als er stehen blieb, schaffte sie es, sich von ihm loszureißen.
„Ich komme nicht mit.“, sagte sie gepresst und wich ihm aus, bevor er ihren Arm wieder ergreifen konnte.
Logans Augen verengten sich und sie glaubte ein leises Knurren zu hören, aber er folgte ihr nicht, als sie sich ein paar Schritte von ihm entfernte. Sie verschränkte die Arme in einer abwehrenden Haltung vor ihrer Brust, in dem Versuch ihm klar zu machen, dass sie ihre Worte ernst meinte.
Cathy wusste nicht, wie viel Zeit verging während sie sich gegenseitig stur anstarrten, aber plötzlich nahm der Ausdruck in seinen Augen an Intensität zu und er rührte sich, wie um näher an sie heran zu treten. Nur ein leises Zischen, das Cathys Lippen entkam, schien ihn davon abzuhalten, sein Vorhaben in die Tat umzusetzen.
„Ich komme nicht mit.“, wiederholte sie mit Nachdruck und mit einem Ton, der dieser Aussage ein Gefühl von Endgültigkeit verlieh. Und doch ... Es schien nicht genug zu sein, denn nach einem weiteren Augenblick des Zögerns, trat Logan doch noch auf sie zu, sodass sie unweigerlich zurück wich. Sie blieben erst stehen, als Cathy mit ihrem Rücken gegen eine Hauswand stieß und nicht mehr weiter konnte.
Sie runzelte genervt die Stirn, aber sie wusste nicht wirklich was sie noch sagen sollte. Sie konnte die Entschlossenheit in Logans Augen sehen, konnte fühlen, dass er nicht nachgeben würde. Aber sie konnte nun mal nicht mit ihm zurückfahren. Da war einfach etwas...
„Logan, ich...“
„Ich soll dich zur Schule zurückbringen und das werde ich auch tun.“
„Ach, solltest du auch mit einer Schülerin schlafen?“
Die an sich spöttisch gedachten Worte klangen selbst in ihren Ohren einfach nur niedergeschlagen und müde, aber sie schienen zu wirken. Logan, der eben wieder nach ihr gegriffen hatte, erstarrte mitten in der Bewegung und sah sie an, als hätte sie ihm ins Gesicht geschlagen.
Es hielt nur für einen kleinen Moment an, aber in diesem kurzen Augenblick sah Logan wirklich betroffen aus. Sie konnte sehen, wie sich etwas Ähnliches wie Schmerz in seinen Blick mischte, bevor er sich wieder vollkommen vor ihr verschloss.
Dann war der Moment vorbei.
Logans Finger schlossen sich eisern und schmerzhaft um ihren Arm, bevor er sie wortlos von der Wand wegzerrte und in Richtung des Motorrades stieß. Cathy stolperte fast, aber sie fing sich schnell wieder, ehe sie sich zu ihm umdrehte und den Mund aufmachte, um etwas zu sagen, doch Logan ließ sie nicht zu Wort kommen. Er entriss ihr ihre Tasche und verstaute sie in dem Gepäckfach unter dem Sitz des schweren Fahrzeugs.
Auch nachdem er den Sitz wieder hinuntergeklappt hatte, blieb er eine ganze Weile so stehen, mit dem Rücken zu ihr gewandt, scheinbar in dem Versuch sich wieder unter Kontrolle zu bringen. Erst als die Anspannung wenigstens teilweise aus seinen Schultern gewichen war, sah er sie an und auch wenn er nicht mehr so wütend zu sein schien wie davor, so reichte nur ein kurzer Blick in seine Augen, um ihr zu sagen, dass er keinen weiteren Widerspruch dulden würde.
Cathy ballte die Hände zu Fäusten, aber letzten Endes entspannte sie sie wieder und seufzte tief. Sie hatte einfach keine Energie, um sich mit ihm zu streiten. Sie wollte ihm sagen, dass er sie nicht dazu zwingen konnte, dass sie ein freier Mensch war und gehen konnte wohin sie wollte, aber ... sie konnte nicht.
Sie ließ die Schultern hängen und wandte ihren Blick ab, ehe sie nach einem weiteren Moment Logans Beispiel folgte und auf das Motorrad stieg. Sie zögerte sichtlich, aber schließlich schlang sie ihre Arme um Logans Hüften und rückte ganz nahe, bis sie an seinen Rücken geschmiegt hinter ihm saß.
Schweigend startete Logan den Motor und irgendwann, ohne dass sie wirklich darüber nachgedacht hätte, fand Cathys Wange ihren Weg zu Logans Schulter. Zuerst waren die harten Muskeln, an die sie sich anlehnte, unnachgiebig, aber nach und nach wurden sie weicher, je länger sie fuhren.
Bevor Cathy die Augen schloss und Gedanken an einen Ausweg endgültig verdrängte, glaubte sie ein leises Seufzen zu hören.
Aber sie musste es sich wohl eingebildet haben.

****


„Scheiße!“
James schlug wütend mit der Handfläche auf den Tisch, ehe er die Augen schloss und sich frustriert durch die Haare fuhr. Er hatte in den letzten paar Nächten kaum geschlafen, in dem Versuch durch diese verdammten Barrieren zu brechen. Sein Kopf dröhnte und er hatte das Gefühl, dass seine Augen nie wieder aufhören würden zu brennen und zu jucken. Und dennoch war er kein bisschen weiter gekommen.
Er ließ mit einem leisen Zischen die Luft, die er unbewusst angehalten hatte, aus seinen Lungen weichen, nur um noch einmal tief durchzuatmen und dann aufzustehen. Er sah sich ein wenig unentschlossen im Zimmer um, bevor er langsam zum anderen Ende schlurfte, wo er in der Kochnische einen Kaffee aufsetzte.
Er wusste zwar, dass er lieber schlafen sollte, aber wahrscheinlich würde ihm diese Sache sowieso keine Ruhe lassen. Er rechnete fest damit, dass Mystique bald wieder auftauchen würde und dass sie dann Ergebnisse von ihm erwartete.
Es war ja nicht so, dass er das nicht gern tat. Er hatte schon lange auf etwas gewartet, das ihn aus seinem recht eintönigen Alltag riss. Auf eine Möglichkeit, seine Fähigkeiten wieder in einem größeren Rahmen einzusetzen. Aber wenn er ehrlich war, dann hatte er nicht mit so einem gewaltigen Stress gerechnet.
Dass es nicht leicht werden würde hatte er sich schon von Anfang an gedacht, aber mit solchen Schwierigkeiten...
James seufzte leise und strich sich eine Strähne aus dem Gesicht. Jedes Mal wenn er glaubte seinem Ziel etwas näher gekommen zu sein, ergab sich eine neue Komplikation, festigte sich die Barriere erneut, sodass er wieder am Anfang anfangen musste.
Nein, so würde es nicht gehen.
James nahm einen Schluck vom Kaffee.
Er musste näher ran. Wenn es so nicht ging, wenn er von außen nicht an das Ziel herankam, musste er wohl oder übel auf direkterem Weg dorthin.
Wenn er von außen nicht herankam, dann musste er direkt zur Quelle gehen.

****


Etwas ließ sie hochschrecken.
Es war nicht viel, kaum mehr als das Streifen des Windes durch ihr Haar, aber es war nur allzu deutlich und ließ sie erschaudern, auch wenn sie nicht genau hätte sagen können, was dieses Gefühl ausgelöst hatte.
Es war einfach kurz da gewesen, dieses Gefühl beobachtet zu werden.
Cathy öffnete die Augen, um einen Blick auf ihre Umgebung zu werfen, aber die Landschaft, die an ihnen vorbeizog, sagte ihr nichts. Weit und breit war niemand sonst zu sehen, Logan und sie waren allein auf dieser Straße.
Und doch...
Cathy versuchte das Gefühl, das sie befallen hatte, abzuschütteln und wieder in ihrem Innern zu versinken, um weiter an der Stärkung ihrer Barrieren zu arbeiten.
Sie wusste nicht warum, aber irgendetwas stimmte mit ihren Schilden nicht. Aus irgendeinem Grund schien es so, als wären sie wieder schwächer geworden, auch wenn die Verbindung zu Logan, trotz der Spannung zwischen ihnen, stabil war. Der Faden war stärker als je zuvor und doch hatte sie feststellen müssen, dass ihre mentalen Barrieren Risse bekommen hatten. Sie waren weder besonders tief noch auffällig, aber sie waren da und machten es ihr schwer das stetige Flüstern von Logans Gedanken und Emotionen auszublenden.
Besonders jetzt, wo sie ihm so nah war.
Besonders jetzt, nach dem, was in der vergangenen Nacht geschehen war.
Vielleicht waren diese Risse ja auch dafür verantwortlich, dass sich Logans und ihre Emotionen hatten so sehr vermischen können. Vielleicht...
Cathy seufzte leise und verdrängte die Gedanken daran. Sie wollte nicht daran denken, nicht an die letzte Nacht. Nicht an Logans warme Hände, nicht an seine heißen, fordernden Lippen...
Unbewusst wurde ihr Griff um seine Hüften stärker und sie vergrub ihr Gesicht wieder in seiner Jacke, durch welche sie noch immer seine Körperwärme fühlen konnte.
‚Denk nicht daran.’
Sie runzelte die Stirn und versuchte die Bilder zu verdrängen, die ihr keine Ruhe lassen wollten. Sie wollte die Erinnerung an die wenigen Augenblicke des Glücks vertreiben. Die Erinnerung daran, dass Logan der ihre gewesen war, für diese ganz kurzen Momente.
‚Denk nicht daran!’
Sie wusste, dass ihre Finger sich in sein hartes Fleisch krallten, aber Logan gab keinen Laut von sich. Cathy schluckte schwer und schloss die Augen in dem Versuch, sich wieder zu entspannen. Es brachte nichts, darüber nachzudenken.
Cathy atmete langsam aus und überprüfte noch einmal, ob sie gesichert genug saß, bevor sie ihre mentalen Schilde noch enger um sich zog und sich dann fallen ließ.
Geräusche vergingen.
Gefühle verblassten.
Hier, tief in ihrem Innern, hatte nicht einmal Zeit eine Bedeutung.
Hier, in der kühlen Dunkelheit, konnte sie wenigstens für einen kurzen Moment die Probleme und Sorgen gehen lassen. Sich sammeln und ihre Gedanken neu ordnen. Sie musste einen Ausweg finden, musste einen Weg finden, von Logan weg zu kommen.
Sie wusste nicht warum, aber da war dieses Gefühl, das ihr sagte, dass sie nicht mit ihm mitgehen sollte. Dass sie einfach nicht zur Schule zurückkehren konnte, wenigstens nicht bis...
Eine Berührung riss sie aus ihrer Konzentration.
Sie blinzelte fast verwirrt, als sie so plötzlich ihren Weg in die Realität zurückfand. Sie saß noch immer sicher hinter Logan auf dem Motorrad, ihr Gesicht an seine Schulter geschmiegt. Der Unterschied war nur, dass Logan vor einer Tankstelle geparkt hatte und erneut ihre Hände fast sacht drückte, bevor er sich aus ihrem Griff löste und dann vom Motorrad stieg, um kurz im Tankstellenshop zu verschwinden.
Er sah sie kein einziges Mal an.
Er würdigte sie keines einzigen Blickes, so wie um ihr zu sagen, dass er noch immer wütend war, wenn ihr auch seine Körpersprache sagte, dass diese Wut nicht mehr so intensiv sein konnte wie zuvor.
Cathy sah ihm einen Moment lang nach, ehe sie seinem Beispiel folgte und sich ein wenig die Beine vertrat. Sie wollte sich eben auch dem kleinen Gebäude zuwenden, blieb dann aber plötzlich stehen.
Sie war allein.
Logan war im Geschäft und eigentlich...
Ihr Blick glitt zum Sitz des Motorrads zurück, unter welchem sich ihre Tasche befand. Es wäre eigentlich die Gelegenheit, wegzugehen. Logan war nicht da, um sie davon abzuhalten und...
Sie machte einen Schritt auf die Maschine zu und griff nach dem Sitz, ehe sie ihn aufklappte. Sie starrte blicklos ihre Tasche an, ohne sich jedoch zu rühren.
Die Gelegenheit war da.
Cathy biss sich auf die Unterlippe und doch entkam ihr ein leises, frustriertes Seufzen.
Die Gelegenheit war da und doch...
Sie konnte nicht. Mal davon abgesehen, dass ein Versuch, Logan zu entwischen, recht sinn- und auch ausweglos war, so hinderte sie irgendetwas einfach daran, nach ihrer Tasche zu greifen und einfach wegzugehen. Sie versuchte sich einzureden, dass es nichts mit ihren Gefühlen für Logan, mit der leisen Hoffnung, dass sich diese Spannung zwischen ihnen vielleicht doch lösen würde, zu tun hatte.
Es half nicht.
Cathy seufzte erneut und ließ den Sitz wieder zurückfallen, bevor sie sich endlich Logan zuwandte, der soeben aus dem Geschäft getreten war und sie finster musterte. Sein zuvor abwesender Blick schien nun brennend auf ihr zu lasten, schien sie zu durchdringen. Einen kurzen Moment lang erwiderte sie seinen Blick, bevor sie sich von ihm abwandte und sich auf einer Holzbank niederließ, die nur wenige Schritte entfernt war.
Sie schloss die Augen und wandte ihr Gesicht der wärmenden Sonne zu, die um einiges tiefer stand als vor der Fahrt. Komisch ... Sie hatte gar nicht bemerkt, wie lange sie gefahren waren...
Cathy blinzelte, als Logan sich schweigend neben sie niederließ und ihr eine Cola reichte, die sie ebenso schweigend entgegen nahm. Ihre Finger berührten sich nur ganz flüchtig, sodass sich Cathy letzten Endes gar nicht mehr sicher war, ob sie es sich nicht nur eingebildet hatte.
Sie musterte ihn noch einen kurzen Moment lang, sah ihm dabei zu, wie er langsam von dem Bier trank, das sie erst in dem Augenblick bemerkte. Dann senkte sie ihren Blick auf ihr eigenes kaltes Getränk, um das sie ihn nicht gebeten hatte.
Die Minuten verstrichen ohne dass sie auch nur ein Wort miteinander gewechselt hätten, so wie sie auch auf der ganzen Fahrt kein einziges Wort gesprochen hatten.
Etwas Unbestimmtes lag in der Luft. Die Atmosphäre zwischen ihnen war zwar nicht mehr so angespannt wie zuvor, aber man hätte sie auch nicht als entspannt bezeichnen können. Da war einfach etwas, so als würde etwas nahen, als würde bald etwas passieren und...
„Es tut mir Leid.“
Die Cola-Dose entglitt ihren Fingern, aber sie hörte das Geräusch, mit dem sie auf dem Boden aufkam, gar nicht. Ihr Herz setzte kurz aus und ein kalter Schauer jagte ihren Rücken hinunter.
Die Worte waren kaum zu hören gewesen, nicht viel mehr als ein leichter Hauch und vielleicht waren sie nicht wirklich für ihre Ohren bestimmt gewesen. Aber sie hatte sie gehört.
Cathy atmete tief durch, ehe sie sich ihm endlich wieder zuwandte, aber er mied ihren Blick. Es schien fast so, als hätte er die Worte gar nicht sprechen wollen, als wüsste er selbst nicht ganz, wieso er sich entschuldigt hatte.
„Was?“
Sie konnte nicht sagen, ob sie es wirklich wissen wollte. War es denn tatsächlich wichtig, wofür er sich entschuldigte? Würde es einen Unterschied machen?
Würde es etwas ändern?
‚Wohl kaum.’
„Wegen letzter Nacht.“
Cathy musterte ihn noch einen Moment lang, ehe sie stumm den Kopf schüttelte und den Blick abwandte. Ihre Haare fielen ihr ins Gesicht, warfen dunkle Schatten über ihre Augen. Ein kleines, trauriges Lächeln schlich sich auf ihre Lippen, bevor sie sich wieder sammelte und die Haare aus dem Gesicht strich.
Sie konnte Logans Blick auf sich fühlen, konnte spüren, wie er ein klein wenig näher rückte und für einen kurzen Moment schien es fast so, als würde er sie berühren. Aber noch bevor sie ihn wieder hätte anblicken können, stand er auf und ging ohne ein weiteres Wort zurück zu Scotts Maschine.
Es dauerte ein paar Minuten bis Cathy ihm schließlich folgte und sich wieder hinter  ihn setzte. Sie wusste nicht, ob sie etwas sagen sollte oder wie sie auf seine Worte reagieren sollte. Sie zögerte sichtlich, bevor sie sich wieder an seinen Rücken schmiegte und die Arme erneut um seine Hüften schlang.
„Ist schon okay.“, murmelte sie plötzlich, ohne so recht sagen zu können, warum sie das eigentlich tat. Selbst Logan schien nicht mehr damit gerechnet zu haben, eine Reaktion von ihr zu erhalten. „Es ist ja nicht so, als ob es irgendetwas bedeutet hätte.“
Sie erwartete keine Antwort, keine Erwiderung. Sie wollte keine.
Sie ignorierte den schmerzhaften Kloß, der sich in ihrem Hals gebildet hatte und vergrub ihr Gesicht wieder in Logans Jacke, darauf wartend, dass er weiterfuhr. Sie ignorierte wie die Muskeln unter ihrem Gesicht sich erneut verspannten und wie sich Logans Körper für einen kurzen Moment zur Reglosigkeit versteifte.
Sie ignorierte auch die Stille, die folgte und noch undurchdringlicher schien, als sie es je zuvor gewesen war.

****


Klirren.
Sein Atem stockte und sein Herz machte einen Sprung, aber es war nur Einbildung gewesen. Er schüttelte den Kopf, warf die Erinnerungen und die Ängste, die ihn quälten, ab, verdrängte die Gedanken an den lauernden Schatten und lenkte seine Aufmerksamkeit wieder auf das Glas, das nachgefüllt worden war.
Das Bier schmeckte fahl.
Er runzelte die Stirn und sog an seiner Zigarre, die ebenfalls jeglichen Geschmack verloren hatte. Komisch, dabei hätte der beißende Geruch den metallischen Geschmack der Schläuche verdrängen müssen.
Klirren.
Er leerte das Glas grünlichen Biers und deutete dem Barkeeper es nachzufüllen. Der dürre Mann mit der OP-Maske sah ihn einen Moment lang eindringlich an, bevor er nickte und dann die Spritze hob, um ihm die lange Nadel ins Fleisch zu rammen.
Schmerz explodierte in seinem Arm, aber er lächelte die Frau neben sich flirtend an, während sie die Skalpelle sortierte. Die Luft schien in einem beunruhigenden Grün zu schimmern, einem Grün, das ihm den kalten Angstschweiß auf die Stirn trieb, aber dieses Grün gehörte an einen anderen Ort, in eine andere Zeit.
In eine Zeit, die er lange hinter sich gelassen hatte.
Klirren.
Der lauernde Schatten wurde bedrohlicher, aber er schenkte ihm keine Beachtung. Er hatte ihn abgehängt, hatte ihn am Flughafen zurückgelassen, zusammen mit dem verbrannten Kind, dessen Fleisch von der Frau in Grün soeben sorgsam aufgeschnitten wurde.
Grün, grün, grün.
Die Luft schimmerte, roch nach totem Fleisch, während die Schatten nach seinen Armen griffen und ihn an die blutrote Bartheke banden. Er nickte dem toten Kind zu, sah fasziniert dabei zu, wie es in einem Becken mit einer kochenden, grünen Brühe versenkt wurde.
Kochend, heiß, so wie der flüssige Schmerz, den die lachenden Masken durch seinen Körper trieben. Lachende Stimmen, um seine gequälten Schreie musikalisch zu untermalen.
Klirren...

Der Schrei erstarb auf seinen Lippen, als er die Augen aufriss und erschrocken auffuhr. Sein Herz raste und er konnte fühlen, wie ihm kalter Schweiß den Rücken hinunterlief während er sich fast panisch in dem dunklen Zimmer umsah.
Aber da war nichts.
Es dauerte einen weiteren Moment bis der Schlaf ihn endgültig losließ, bis sich seine Sinne schärften und er beruhigt feststellen konnte, dass es sich nur um einen Traum gehandelt hatte.
Es war lediglich ein Traum gewesen, nichts weiter.
Nur ein...
Logan fuhr herum, als das Geräusch, das ihn aus dem Alptraum gerissen hatte, sich wiederholte und diesmal fiel die Nachttischlampe krachend zu Boden, als Cathy erneut mit dem Arm gegen das Nachtkästchen stieß. Ein leises Stöhnen entkam ihren Lippen, während sie sich zusammenrollte, wie um sich zu schützen. Doch auch diese Position schien nicht wirklich zu helfen, denn kurz darauf drehte sie sich erneut unruhig auf die andere Seite.
Logan sah ihr noch einen kurzen Moment dabei zu, wie sie nach ihrer Decke trat, nur um dann die Beine wieder an den Körper zu ziehen, bevor er an sie herantrat und fast zaghaft nach ihren Schultern griff, um sie zu wecken, aber seine Berührung schien das Ganze nur noch schlimmer zu machen.
Cathy zuckte unter seinen Fingern zusammen und begann sich in seinem Griff zu winden. Logan konnte ein leises Wimmern vernehmen, unter welches sich unverständliches Murmeln mischte, aber er zog sich dennoch nicht zurück, sondern sank stattdessen mit einem Knie auf die Matratze um näher zu rücken und Cathy besser fassen zu können.
Etwas in seinem Innern zog sich schmerzhaft zusammen bei dem Gedanken, dass scheinbar nicht nur er unter Alpträumen litt, die schwer zu bewältigen waren, versuchte jedoch dieses Gefühl zu ignorieren und sich stattdessen darauf zu konzentrieren, das Mädchen zu wecken.
„Hey, wach auf.“, sagte er leise und eindringlich, aber es half nichts. Wenn überhaupt möglich, so schien es ihm eher, dass des Mädchens Schlaf dadurch nur noch unruhiger wurde. Cathy begann zu zittern und er konnte sehen, wie ihr der kalter Schweiß ausbrach, während sie versuchte seinem Griff zu entkommen.
„Bitte...“, hauchte sie so leise, dass Logan Schwierigkeiten damit hatte, ihre Worte überhaupt zu verstehen. „Bitte, nicht...“
Logan runzelte die Stirn und ließ Cathy für einen kurzen Moment los, als er die Tränen roch, die langsam seitlich an ihren Wangen hinunter liefen, bevor er einen weiteren Versuch unternahm, sie wach zu rütteln, aber es half nicht.
Frustriert fuhr er sich mit der Hand durch die Haare. Er wusste nicht wirklich, was er tun sollte.
Ein paar Minuten verstrichen, ein paar Minuten, die ihm vorkamen wie eine halbe Ewigkeit, bis er sich endlich wieder rührte und nach der Decke griff, die durch ihre Bewegungen zu Boden gefallen war. Er breitete sie über Cathy aus, ehe er sich neben ihr nieder ließ. Er musste einem Tritt ausweichen, aber dann lag er neben ihr und nahm sie vorsichtig in den Arm.
Ihr Zucken und Zittern wurde dadurch nur stärker, aber er ignorierte es und zog sie stattdessen näher, bis sie an seinen Körper geschmiegt neben ihm lag. Sie wand sich zwar in seiner Umarmung, aber das hielt ihn nicht davon ab, ihr auf eine langsame, beruhigende Art und Weise durch die Haare zu fahren und ihr dabei nichts sagende Worte zuzumurmeln bis das Zittern nachließ, bis sich ihr hektischer Atem ein wenig beruhigte.
Logan hätte nicht wirklich sagen können, wie lange sie so dalagen, beinahe wäre er sogar wieder eingeschlafen, aber dann durchbrach ein tiefes Seufzen die Stille, die irgendwann eingekehrt war.
Er öffnete die Augen und hielt einen Moment lang inne, als sich Cathy sich wieder rührte und sich langsam auf den Rücken drehte. Sie blinzelte ihn fast ein wenig verwirrt an, während sie versuchte den Schlaf endgültig zu vertreiben. Der Traum, der sie gequält hatte, war lange vergessen. Sie hätte beim besten Willen nicht mehr sagen können, worum es in dem Traum überhaupt gegangen war. Da war...
Sie schloss schaudernd die Augen, bevor sie Logan wieder ansah, der sich ein wenig aufgerichtet hatte und sie eingehend zu mustern schien.
Nur... was machte er in ihrem Bett?
„Was...?“
Sie setzte sich ruckartig auf und ließ ihren Blick durch den Raum schweifen, aber es war dasselbe Hotelzimmer, in das sie vor wenigen Stunden eingecheckt hatten. Logan hatte natürlich ein Doppelzimmer gewählt, da er sie scheinbar nicht aus den Augen lassen wollte, aber es gab zwei getrennte Betten und...
Cathy schluckte schwer.
Hatte er etwa...?
„Das hättest du nicht tun müssen.“, flüsterte sie ohne ihn anzusehen. Sie konnte fühlen, wie er ihrem Beispiel folgte und sich gänzlich aufsetzte, nur um dann die Decke zurückzuschlagen und die Beine vom Bett zu schwingen.
„Nein, hätte ich nicht.“
Die Anspannung war wieder da. In dem plötzlichen Schweigen war sie deutlich zu fühlen und es war kein besonders angenehmes Gefühl.
Logan machte Anstalten aufzustehen und sich wieder in sein eigenes Bett zu legen, aber Cathy hielt ihn auf. Sie ergriff seine Hand und hielt sie fest, während sie ihm fast erschrocken in die Augen sah. Sie konnte nicht ... Sie durfte ihn nicht gehen lassen. Nicht jetzt...
Was wenn der Traum zurückkam?
„Bleib, bitte.“
Ihr Atem stockte und sie konnte sich nicht einmal selbst erklären, warum sie ihn darum bat. Und doch ... Sie konnte die Tatsache nicht verleugnen, dass seine Anwesenheit den Traum schon einmal vertrieben hatte, dass er ihm die Härte genommen hatte und...
Cathy schluckte schwer und zog sacht an Logans Hand, wie ihm um zu sagen, dass er sich wieder setzen sollte. Er betrachtete sie noch einen Moment lang schweigend, ehe er ihrer Bitte Folge leistete und langsam auf das Bett zurücksank.
Er ließ sie keinen Moment lang aus den Augen, ebenso wenig wie sie seine Hand losließ.
Cathy seufzte leise, während sie fast vorsichtig mit ihren Fingern über seine Hand fuhr und dann näher rückte. Sie wusste nicht, warum sie das tat. Sie wusste nicht, warum sie sich nach vorn beugte und seinen Hals küsste.
Aber sie tat es dennoch.
Sie konnte Logans Blick auf sich fühlen, achtete jedoch nicht weiter darauf. Sie erwiderte ihn ruhig, bevor sie wieder näher rückte und einen Kuss auf sein stoppeliges Kinn hauchte. Ihre Finger fanden ihren Weg in seine Haare und zogen ihn näher, als ihre Lippen schließlich die seinen trafen.
Anfangs verharrten die Lippen unter den ihren regungslos, so als wüsste Logan nicht wirklich, was er mit der Situation anfangen sollte. Nach und nach wurden sie aber weicher, bis er ihren Kuss endlich erwiderte. Er biss sie sacht, sog an ihren Lippen bis sie sich ihm öffneten und seiner Zunge Einlass gewährten.
Logan zog Cathy an sich und vertiefte den Kuss, während sie mit ihren Fingern über seine Arme strich und dann mit langsamen Bewegungen die Muskeln in seinem Rücken nachzeichnete.
Erst als sie den Stoff seiner Boxershorts streifte, hielt Cathy inne.
Ihr Körper schien sich für einen kurzen Moment zu versteifen, ehe sie plötzlich von Logan wegrückte und mit einem Ausdruck in den Augen betrachtete, in den sich für einen kleinen Augenblick Verwirrung zu mischen schien.
Sie schüttelte leicht den Kopf, fuhr sich mit zitternden Händen durch die Haare, bevor sie die Arme in einer fast abwehrenden Geste um ihren eigenen Körper schlang.
„Tut mir Leid. Ich...“
Sie verstummte und wandte sich von ihm ab, bevor sie aufstand und zum Fenster trat, um blicklos in die Dunkelheit hinaus zu starren. Dass Logan hinter sie getreten war, bemerkte sie erst, als sein Atem gegen ihren Hals strich und sich seine schwere Hand auf ihre Schulter legte.
„Ist alles in Ordnung?“
Cathy schloss müde die Augen und versuchte das Gefühl von Logans Atem auf ihrer Haut zu ignorieren. Was sollte sie denn antworten? Was...?
Hinter ihrer Stirn begann sich allmählich ein schmerzhaftes Pochen auszubreiten, das es ihr erschwerte, klar zu denken. Und als wäre das nicht genug gewesen, schien Logans mentale Stimme immer lauter zu werden, je mehr sie versuchte sie zu überhören.
„Ich weiß nicht.“ Sie seufzte leise und wollte eigentlich noch etwas hinzufügen, aber da war etwas, das gegen ihre Sinne drückte und sie einfach nicht ruhen ließ. Es war...
„Nein, Logan. Es hat nichts mit dem Traum zu tun.“, antwortete sie, nicht wirklich bemerkend, dass Logan die Frage im Grunde nicht ausgesprochen hatte. Und so traf es sie auch recht überraschend, dass Logan sich hinter ihr kurz anspannte.
„Liest du meine Gedanken?“
„Nein, ich...“
Sie sah ihn verblüfft an, als ihr klar wurde, dass sie eben das getan hatte, auch wenn sie es eigentlich gar nicht beabsichtigt hatte.
Aber wieso...?
Ihre Schilde waren in Ordnung, die wenigen Risse hatte sie wieder repariert und die Schilde noch einmal verstärkt, damit Logans Gedanken nicht mehr so aufdringlich gegen ihre Barrieren drückten. Und doch konnte sie ihn klar und deutlich hören.
„Ich ... Das wollte ich nicht. Das sollte eigentlich nicht passieren, meine Schilde sind eigentlich in Ordnung...“
Logans Blick bohrte sich in den ihren und sie konnte hören, wie sich seine Gedanken überschlugen. Sie versuchte ihn abzublocken, versuchte seine Gedanken zu ignorieren, doch es wollte ihr einfach nicht gelingen.
„Ist es diese telepathische Verbindung?“
Cathy nickte stumm und wollte sich wieder von ihm abwenden, aber er hielt sie davon ab.
„Lies meine Gedanken.“
Die Worte trafen sie vollkommen unerwartet und das Einzige, was sie tun konnte, war es ihn ungläubig anzusehen. Meinte er das ernst?
Sie betrachtete ihn eingehend, aber es schien ihm tatsächlich ernst zu sein. Der Ausdruck in seinen Augen zeigte ihr, dass er nicht scherzte und da war noch etwas anderes in ihnen, das ihr immer weniger gefiel. Für einen kurzen Moment schien sich ein klein wenig Hoffnung in den Ausdruck in seinen Augen zu mischen, Hoffnung, von der Cathy eigentlich gedacht hatte, dass sie sie zerstört hatte.
„Wie?“
„Ich will, dass du meine Gedanken liest. Wenn du mir nicht mit deinen Erinnerungen weiterhelfen kannst, dann lies wenigstens meine Gedanken. Diese Verbindung muss doch für irgendetwas gut sein.“
„Nein.“ Cathy war selbst verblüfft, wie stark und überzeugt ihre eigene Stimme klang, als sie Logans Bitte abschlug. Sie schüttelte seine Hand ab und entfernte sich ein paar Schritte, aber er folgte ihr und zwang sie dazu, ihn anzusehen.
„Versuch es.“
„Nein, Logan. Da musst du den Professor fragen, ich kann das nicht.“
Sein Griff wurde stärker, während er ihr tief in die Augen sah und sein Gesicht nah an das ihre führte.
„Bitte.“, zischte er.
Cathy wollte noch einmal widersprechen, aber die Worte wollten nicht über ihre Lippen kommen. Ihr Kopf fühlte sich an, als würde er jeden Moment zerspringen. Ihr Herz raste und für einen kurzen Moment wurde ihr unglaublich schwindlig, sodass sie irgendwie sogar dankbar dafür war, dass Logan sie festhielt.
„Nein, ich...“
Sie schloss für einen kleinen Augenblick die Augen, versuchte sich zu sammeln, aber das Pochen hinter ihrer Stirn, das Tosen von Logans Gedanken wurde immer stärker.
Logan sah ihr dabei zu, wie sie tief durchatmete, wie sich ihre Züge wieder entspannten. Sie schien noch etwas sagen zu wollen, aber sie schwieg während sie die Augen wieder öffnete. Er konnte den Ausdruck in ihnen nicht deuten, doch das war ihm egal, als sie langsam die Hände an seine Schläfen hob, so wie es Jean einst getan hatte.
Ihr Blick bohrte sich in den seinen, so intensiv, wie er es bei ihr noch nicht erlebt hatte. Sie sprach kein Wort, als ihr Geist den seinen erfasste.
Für diesen einen Moment konnte er die Verbindung zu ihr fast körperlich fühlen.
Er spürte den Widerwillen, der am Rande ihres Bewusstseins lauerte und den sie scheinbar mit aller Macht zurückhielt. Er fühlte ihren Schmerz, den er ausgelöst hatte. Er sah die Zuneigung, die sie trotz all dieses Schmerzes für ihn empfand.
Cathy erfasste seinen Geist, nutzte den Faden, der sie mit ihrem Anker verband, um einen Weg in Logans Innerstes zu finden. Da waren Barrieren, unglaublich viele mentale Barrikaden aus Schmerz und Angst, die tief vergrabene Erinnerungen bewachten.
Alte Schilde, die Logan vor diesen qualvollen Erinnerungen beschützten.
Sie berührte sie fast sanft, strich beinahe zärtlich über die dicken Wände des Vergessens, versuchte aber nicht, tiefer vorzudringen. Es wäre unverantwortlich und gefährlich und...
Ein Keuchen, das ihren Lippen entkam, und ein entsetzter Ausdruck in ihren Augen war alles, was Logan warnte, bevor unglaublicher Schmerz in seinem Innern explodierte.
Seine Augen weiteten sich vor Unglauben, während ihr Griff um seinen Geist stärker wurde. Er konnte fühlen, wie ein tiefer Riss entstand, wie die Blockaden zu bröckeln begannen, wie...
Einen kurzen Moment lang herrschte Stille.
Ein Moment, in dem Blut aus Cathys Nase rann, ehe sie die Augen verdrehte und dann das Bewusstsein verlor.
Ein kleiner Augenblick, ehe die Barrieren, die ihn vor den Schrecken der Vergangenheit geschützt hatten, brachen und sein Geist mit Erinnerungen, Gefühlen und Ängsten überschüttet wurde.
Logan schrie vor Schmerz, als die Blockaden zerbarsten. Er warf sich nach hinten, fort von Cathy, in dem Versuch dieser Qual zu entkommen, aber er kam nicht weit. Er stolperte und fiel zu Boden, ehe sein Geist unter der Überforderung nachgab.
Es wurde dunkel und das Schweigen, das die beiden begleitet hatte, kehrte wieder ein.
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