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Wenn Wünsche wahr werden

GeschichteDrama / P18 / Gen
OC (Own Character) Wolverine / James "Logan" Howlett
12.12.2006
18.04.2021
37
200.072
3
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129 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
12.12.2006 10.288
 
So, da bin ich wieder! Und weil ihr wieder warten musstet, sind es diesmal ganze 16 Seiten geworden ... n_n Gomen, ne?
Ach ja, bevor ihr anfangt zu lesen, möchte ich daran erinnern, dass ich diese Geschichte nicht nur zum Spaß als P18 eingestuft habe. Besonders bei diesem Kapitel möchte ich darum bitten, das zu beachten (jetzt ohne groß zu sagen, warum, das werdet ihr schon sehen).
Also, ich hab meinen Teil getan und euch gewarnt, jeder kann das auf eigene Gefahr lesen ...
*nett und unschuldig blick*

So, und nun zu den Reviews, über die ich mich wieder sehr gefreut habe. Vielen Dank übrigens, dass ihr mich nicht gekillt habt! Andererseits wäre das auch recht kontraproduktiv gewesen, weil ich dann nur schwer weiterschreiben könnte... Und ich hoffe doch, dass ihr weiterlesen möchtet ... n_n'

@ Icy-Chan: Hi! Also, danke! n_n Ich freu mich immer wieder, wenn ich meine Leser überraschen kann! *g* Darf ich fragen, was du erwartet hast? Bin nur neugierig ... Tja, was Logan und Egoismus betrifft ... shinyu hat mir deswegen schon die Leviten gelesen. Aber ich kann mir einfach nicht vorstellen, warum er sonst was von ihr wollen sollte. Jedenfalls im Augenblick. Ich meine, ich kann ihn irgendwie verstehen, auch wenn's wehtut, sowas zu schreiben ...
Was die Träume betrifft: Nein, nein, die Zukunft haben sie nicht gezeigt. n_n Sonst würde Logan ja hellseherische Kräfte haben. Ich hoffe es ist so rübergekommen, dass es sich um seine Träume gehandelt hat ... Und ja, dass die reale Welt mit der der Film X-Men verschmolzen ist, sollte man im Kopf behalten, weil es ansonsten zu Verwirrungen kommen könnte. Freut mich übrigens, dass für dich die Tatsache, dass Cathy quasi mit ihrem anderen Ich verschmolzen ist, Sinn macht. Mich verwirrt es manchmal noch. *g*
Und sorry, dass es wieder so lang gedauert hat, aber ich glaube am Ende des Kapitels wird man verstehen können, womit ich mir unglaublich schwer getan habe ...

@ anocas: Hi! Hmmm ... Warum ihr mich schlagen solltet? Na ja, sollen nicht, aber ich hab's befürchtet, nach dem, wie ich das Kapitel hab enden lassen ... n_n Logan war nicht gerade nett zu Cathy und na ja ... Jedenfalls vielen Dank für den Review! Freut mich, dass dir die Geschichte gefällt. *verbeug* Und ich bemühe mich, die Updates nicht so lang hinauszuzögern.

@ iko: Früh oder spät, ich freu mich immer über einen Review. *g* Dass du geschockt warst von der Szene freut mich wirklich, weil das dann heißt, dass ich doch was richtig mache. n_n'' Ich meine, dass Logan Schuld ist ... Na ja, das kommt wohl auf die Betrachtungsweise an, aber wenn man in Betracht zieht, dass diese Leute eigentlich ihn verfolgt haben und er Cathy/das Mädchen gefunden hat und diese Leute ihn aus den Augen verloren haben und deswegen sich auf sie konzentriert haben, dann ... Na ja, man kann es so oder so sehen. Vielleicht war das alles nur ein großer Zufall ... n_n
Tja, ja, jetzt ist halt die Frage wie er darauf reagiert, aber das wird sich jetzt in diesem Kapitel herausstellen. Ob er vor Reue zerfließt ... Meine Lippen bleiben versiegelt. *g*

@ Lillei: Hi! Ich freu mich immer über einen Review, aber ich selbst bin auch nicht gerade die größte Reviewschreiberin, weswegen ich es niemandem übel nehme, wenn er keinen Review hinterlässt. Obwohl ... Natürlich wäre es schön, mehr Feedback zu bekommen, aber na ja. n_n
Ich weiß ich wiederhole mich, aber es freut mich, dass dir die Geschichte gefällt und dass ich es scheinbar schaffe, meine lieben Leser zu überraschen (was ich ja auch angestrengt versuche *g*).
Auf deine Frage, die mich wirklich, wirklich glücklich gemacht hat, weil es scheinbar fast keinem anderen aufgefallen ist:
Der Junge heißt Michael (Mickey) und er brennt Gedanken als Bilder auf Papier. Also, er schnappt Gedanken als Bilder auf (also, ich würde sagen, er ist irgendwie auch telepathisch begabt), wandelt sie in Energie um und brennt sie so dann auf Papier. Einen Namen dafür gibt es nicht, weil ich es mir ausgedacht habe. n_n Jedenfalls weiß ich nichts davon, ich hab mir nur gedacht, es wäre schön, wenn man Bilder, die man im Kopf hat, gleich zu Papier bringen könnte.
Aber ich schweife ab ... Auf jeden Fall, ja, mit den Bildern hat es etwas auf sich und ich freu mich wirklich, dass du danach fragst.
Solche Kleinigkeiten, die ich einführe, stehen nicht nur so dort, die haben alle einen Grund, wenn ich jetzt auch nicht verraten kann, was. Aber es schadet nicht, darauf zu achten. Das, was Michael macht, ist zwar nicht auf Cathys Verbindung zu Logan zurückzuführen, aber es ist derselbe Grund (den ich nicht erwähnen kann), warum ausgerechnet bei Cathy, also auf dem Bild, der weiße Hase auftaucht, den Logan gesehen hat.
Ja, es ist irgendwie kompliziert und nein, leider kann ich das nicht näher erleutern. Aber gut, dass es dir aufgefallen ist. *g*

@ shinyu: *g* Okay, jetzt sitzt du nicht neben mir, aber ich weiß, dass ich, wenn ich das jetzt poste, nur noch zwei Wochen zum Schreiben habe, weil du mir hartneckig im Nacken sitzen wirst. (An alle anderen: Ihr dürft euch bei ihr bedanken, weil sie hoffentlich dafür sorgt, dass ich euch nicht mehr so lange warten lasse ...)
Auf jeden Fall freut es mich, dass ich es schaffe, dir eine Gänstehaut zu verpassen. n_n Tja, warum Cathy ausrasten musste, weißt du ja ... Und ich kann nichts dafür, dass Logan so ist. Er will irgendwie nicht anders ... Es ist immer noch besser, als das, was ich in der vorigen Version angestellt habe! n_n Und jaaaa, ich weiß, ich liebe diese Anspielungen, aber es macht einfach irrsinnig Spaß, sie zu schreiben. *g*


Und nun, meine Lieben, geht es weiter mit der Geschichte. Bitte beachtet die Warnung, mehr kann ich zu meiner Verteidigung nicht sagen. Auf jeden Fall: Viel Spaß beim Lesen!!
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Kapitel 13: Vertrauen

Rogue blickte von ihrem Essen auf und sah sich verwirrt um. Sie konnte nicht wirklich sagen, was ihre Aufmerksamkeit auf sich gezogen hatte und sie langsam mit einer seltsamen Unruhe erfüllte, aber es war da und drückte plötzlich wie eine unglaublich schwere Last auf ihre Schultern.
Sie ließ die Gabel sinken und ließ erneut ihren Blick durch den großen Raum schweifen, in dem ein reges Stimmengewirr herrschte, trotzdem konnte sie noch immer nicht wirklich feststellen, was sie störte. Es war nur...
Rogue stutzte und betrachtete die Gesichter in ihrer Umgebung noch einmal genauer, aber sie hatte sich in ihrem Gefühl nicht geirrt: Cathy war nicht zu sehen.
Es hatte ihr unglaublich Leid getan, aber sie hatte Cathy geweckt, kurz bevor sie mit Bobby den Aufenthaltsraum verlassen hatte. Nun, jedenfalls hatte sie gedacht, dass sie das getan hatte. Auch wenn das andere Mädchen sehr friedlich ausgesehen hatte und Rogue wusste, dass es in der Nacht wieder nicht geschlafen hatte, so hatte sie es sanft wachgerüttelt und ihm Bescheid gesagt, dass es bald Abendessen geben würde. Und Cathy hatte, wenn auch etwas schläfrig, etwas als Antwort gemurmelt. Aber anscheinend war das nicht genug gewesen...
Rogue versuchte das komische Gefühl, das von ihr Besitz ergreifen wollte, abzuschütteln und fuhr fort, etwas lustlos in ihrem Essen herumzustochern.
„Hey, ist alles in Ordnung?“
Bobbys Stimme riss sie aus ihren Gedanken und ließ sie kurz verwirrt blinzeln, ehe sie ihren Freund entschuldigend ansah und dann nickte, bevor sie ihre Augen erneut wandern ließ.
„Bist du dir sicher? Du siehst besorgt aus...“ Bobby war näher gerückt und legte ihr beruhigend die Hand auf die Schulter, was sie dazu brachte, ihn wieder anzusehen.
„Ja, es ist nur ... Hast du vielleicht Cathy gesehen? Sie hätte eigentlich schon längst hier sein müssen. Ich meine...“
„Ich hab sie gesehen.“, warf John ein, der zusammen mit Kitty ihnen gegenüber saß und das Gespräch mitverfolgt hatte. „Vor ... hmmm ... Ja, vor etwa einer halben Stunde oder so. Auf dem Weg hierher bin ich an ihr vorbei gelaufen. Ich glaube sie war auf dem Weg in euer Zimmer, bin mir aber nicht so sicher...“
„Oh, okay. Danke.“
John nickte und wandte sich wieder seinem Essen zu, was Rogue ihm gleichtat. Vermutlich hatte sich Cathy einfach in ihr Zimmer zurückgezogen und sich Schlafen gelegt ... Aber irgendwie ... Irgendwie wollte dieses komische Gefühl immer noch nicht weichen.

****


„Mickey?“
Scott ließ die Gabel sinken und sah den Jungen an, der plötzlich neben ihm aufgetaucht war und ihn ernst musterte. Er hielt ein Blatt Papier in der Hand, was Scott nicht im Geringsten überraschte. Ihn verblüffte jedoch die Tatsache, dass Michael den Speisesaal betreten hatte, den er normaler Weise mied.
Scott warf Jean einen fragenden Blick zu, den sie aber nur mit einem ebenso ratlosen Schulterzucken beantworten konnte, ehe sie sich wieder der Unterhaltung zuwandte, die sie mit Hank geführt hatte.
„Ist alles in Ordnung?“
Michael runzelte die Stirn und schien ihn eingehend zu betrachten, so als würde er überlegen, wie er auf die Frage reagieren sollte. Schließlich nickte er leicht, bevor er wieder den Kopf schüttelte und Scott die Zeichnung reichte. Dieser sah den Jungen noch einen Moment lang verwirrt an, bevor er einen Blick auf das Bild warf, von dem er sofort wusste, dass es eigentlich nicht für ihn bestimmt war. Mickey hatte ihm letzte Woche erst eine ähnliche Zeichnung gegeben, kurz nachdem Scott und Hank Cathy in die Krankenstation gebracht hatten.
„Ist das für Cathy?“, fragte Scott vorsichtig, worauf sich fast so etwas wie Trauer in die grauen Augen des Jungen mischten, ehe er seinen Blick abwandte und nickte.
Scott runzelte kurz besorgt die Stirn, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder dem Bild widmete, das wieder eine von dunklen Bäumen umzäunte Lichtung zeigte, in deren Mitte schwarze Dornenranken aus dem Boden brachen. Hier und da waren weiße Blüten zu sehen, die sich dem Himmel entgegen zu strecken schienen. Aber dieses Mal ...
Scott musste kurz blinzeln, als das Bild ein wenig vor seinen Augen verschwamm.
Dieses Mal schienen die Ranken eine bestimmte Form zu haben. Es sah fast so aus ... Wenn er genau hinsah, wenn er das Bild ein klein wenig anders in das Licht hielt ... dann schien es fast schon so, als würden sich die Pflanzen bewegen, als würden sie ... als würden sie eine beinahe menschliche Form bilden...
Scott blinzelte ein paar Mal, als ihm schwindlig wurde und schüttelte dann den Kopf, wie um die Benommenheit abzuschütteln, die von ihm Besitz ergriffen hatte, ehe er das Bild wieder sinken ließ.
„Möchtest ihr du das Bild nicht persönlich geben?“
Michael sah wieder auf und zuckte ein wenig hilflos mit den Schultern, bevor er sich ein wenig unentschieden auf die Unterlippe biss, so als würde er ernsthaft überlegen, ob er etwas sagen sollte. Es war ja nicht etwa so, als könnte der Junge nicht sprechen. Er tat es einfach nur nicht, wenn er nicht unbedingt musste.
„Oder...“ Scott seufzte und fuhr mit der freien Hand über seine Stirn, in dem Versuch die Kopfschmerzen zu vertreiben, die sich langsam hinter dieser ausbreiteten. „Du kannst sie nicht finden?“
Michael nickte zustimmend und griff dann nach Scotts Hand, um ihn von seinem Platz und seinem Abendessen wegzuziehen, was dieser mit sich geschehen ließ. Er war ohnehin schon fast fertig gewesen. Aber ... „Mickey, wäre es nicht einfacher, den Professor zu fragen, wo Cathy ist?“
Der Junge hielt kurz inne, wie um über die Frage nachzudenken, schüttelte dann aber energisch den Kopf, bevor er Scott weiter in Richtung Tür zog. Er schien nichts lieber zu wollen, als den Raum so schnell wie möglich wieder zu verlassen.
Draußen auf dem Gang konnte Scott förmlich sehen, wie ein Teil der Anspannung von Michael abließ. Diese Ruhe hielt jedoch nicht lange an, denn kaum waren sie ein Stück weiter gegangen als ihnen auch schon Logan entgegen kam. Michaels Finger schlossen sich enger um Scotts und er erstarrte für einen kurzen Moment, als Logan wortlos an ihnen vorbei ging ohne sie auch nur eines Blickes zu würdigen.

****


Rogue lauschte einen Moment lang, bevor sie vorsichtig die Tür öffnete und ihr Zimmer betrat, aber ihre Vorsicht erwies sich als unnötig. Der Raum war leer und Cathy, von der sie gedacht hatte, dass sie sich vielleicht Schlafen gelegt hatte, war nirgends zu sehen.
Rogue runzelte verwirrt die Stirn. Hatte John nicht gesagt, dass er Cathy in diese Richtung hatte gehen sehen? Und wenn sie nicht zum Abendessen gekommen war, aber auch nicht schlief ... wo war Cathy dann?
Ihr Blick schweifte erneut durch den Raum, aber sie wurde das Gefühl, dass etwas in dem Zimmer nicht stimmte, einfach nicht los. Etwas schien einfach zu fehlen ... Rogues Augen weiteten sich vor Unglauben, als ihr endlich bewusst wurde, was sie an dem Anblick des Zimmers so störte.
Michaels Zeichnungen fehlten.
Und nicht nur seine Zeichnungen.
Auf den ersten Blick waren es nur Kleinigkeiten, so wie Cathys Lieblingsstift, der normalerweise auf ihrem Schreibtisch lag, aber je genauer sie sich umsah, desto mehr der persönlichen Dinge ihrer Mitbewohnerin schienen zu fehlen.
Rogue schluckte schwer und trat von einem Bein auf das andere, während sie krampfhaft überlegte, was sie tun sollte. Irgendwie wollte sie es nicht wirklich wahrhaben, die ganze Situation schien ihr unglaublich irreal und es wurde auch nicht besser, als ein kurzer Blick in den leeren Schrank ihre Befürchtung bestätigte.
Aber Cathy konnte doch nicht einfach weg sein...
Sie drehte sich auf dem Absatz um und eilte aus dem Zimmer. Sie musste etwas tun, musste jemandem Bescheid geben...
Ein recht schmerzhafter Stoß riss sie aus ihren Gedanken, als sie mit jemandem zusammenprallte, und ließ sie ein paar Schritte zurückstolpern. Nur ein fester Griff, der sie sicherte, verhinderte dass sie das Gleichgewicht verlor.
„Alles in Ordnung?“, fragte Scott, den sie erst jetzt erkannte, besorgt.
„Ja, danke...“, murmelte Rogue und nickte zur Bestätigung ein wenig unsicher, aber er ließ sie erst nach einem weiteren prüfenden Blick los. „Tut mir Leid, Mr. Summers, aber...“
„Nein, du brauchst dich nicht zu entschuldigen. Ich hab auch nicht wirklich darauf geachtet wohin ich gehe...“, meinte Scott mit einem entschuldigenden Lächeln, wurde aber von Rogue unterbrochen.
„... aber ich glaube Cathy ist weg.“
Einen kurzen Moment lang herrschte zwischen den beiden Schweigen, ein kurzer Moment, in dem Scott Rogue einfach nur verdutzt ansehen konnte. Ein kurzer Moment, den es brauchte bis ihm die Bedeutung ihrer Worte bewusst wurde.
„Was?!“, fuhr Scott auf, ohne sich wirklich bewusst zu sein, dass die Frage eher einem Aufschrei geglichen hatte. Rogue wich ein wenig erschrocken zurück, fasste sich aber schnell wieder, ehe sie leicht nickte und zu erklären begann.
Scotts Stirnrunzeln wurde immer tiefer und er konnte fühlen, wie sich wieder Kopfschmerzen hinter seiner Stirn auszubreiten begannen. Er wusste, dass Rogue ihn erwartungsvoll ansah, schenkte dem jedoch nur wenig Beachtung, während er in Gedanken noch einmal die Orte durchging, die er zusammen mit Michael erfolglos abgesucht hatte.
Sie waren in der Bibliothek gewesen, im Garten, im Wald und dann wieder im Aufenthaltsraum. Sie hatten sogar in der Küche nachgesehen und auch an allen anderen Plätzen, die Scott spontan eingefallen waren. Und sie hatten Cathy einfach nicht gefunden.
Gerade war Scott wieder auf dem Weg zum Aufenthaltsraum gewesen, nachdem er Michael in sein Zimmer gebracht hatte, in der Hoffnung, dass sie Cathy nur verpasst hatten. Aber wenn das, was Rogue sagte, stimmte, dann...
„Komm, wir gehen zum Professor.“
Rogue nickte folgte schweigend ihrem Lehrer, der noch vor einem Augenblick tief in Gedanken versunken gewesen zu sein schien. Sie hoffte nur, dass der Professor Cathy würde schnell finden können.

****


„... und wie viele Schüler da bleiben.“
Ororo  sah von ihrer Liste auf, als der Professor nicht antwortete und es dauerte noch einen weiteren Moment, bis dieser ihren Blick zu bemerken schien und seine Aufmerksamkeit vom Fenster abwandte.
„Entschuldige bitte, Ororo, ich war in Gedanken.“
„Ist alles in Ordnung, Professor?“
Xavier lehnte sich in seinem Stuhl zurück und massierte sich mit kleinen, kreisenden Bewegungen die Schläfen. Da war etwas, das ihn irritierte und er konnte einfach nicht feststellen, was es war. Es hatte am Nachmittag angefangen, ein leichter Druck gegen seine mentalen Schilde. Ein Druck, der sich ganz plötzlich unglaublich gesteigert hatte und dann ebenso schnell wieder verschwunden war. Und jetzt...
Er setzte dazu an, seine Schülerin zu beschwichtigen, aber zu mehr als einem beruhigenden Lächeln kam er nicht, als die Tür zu seinem Büro aufgestoßen wurde.
„Wir müssen reden.“
„Nicht jetzt, Logan. Ich habe gerade eine Besprechung mit Ororo.“
„Nun ... eigentlich...“, Ororo stockte ein wenig, als sie den finsteren Blick bemerkte, mit dem Logan sie betrachtete, stand dann jedoch auf, während sie sich wieder dem Professor zuwandte. „Eigentlich muss ich jetzt sowieso wieder gehen. John hat mich gebeten, nach dem Abendessen noch einmal kurz mit ihm den Stoff zu wiederholen.“
Sie nickte dem Professor zu und verließ dann mit eiligen Schritten das Büro. Das Geräusch der sich schließenden Tür unterbrach nur kurz die Stille, die sich ausgebreitet hatte und auch die folgenden Minuten mit einer unangenehmen Spannung füllte.
Schließlich räusperte Xavier sich leise, bevor er die Hände vor seinem Gesicht faltete und Logan mit einem ernsten Gesichtsausdruck betrachtete.
„Was ist passiert, Logan?“
Der Angesprochene antwortete nicht, reagierte lediglich indem er die Arme in einer fast abwehrenden Haltung vor seiner Brust verschränkte und zu Fenster trat. Es dauerte eine ganze Weile bis er sich wieder rührte. Seine Körpersprache drückte eine unglaubliche Anspannung aus, so als würde ihn etwas schwer belasten.
Xavier beobachtete Logan dabei, wie er für einen kleinen Augenblick die Augen schloss, wie um sich zu sammeln, tief durchatmete und dann fast unmerklich mit den Schultern zuckte, als würde er das, was ihn bedrückte, wieder von sich abwerfen. Erst dann wandte er sich dem Professor wieder zu, wobei etwas in seinem Blick noch immer darauf hinwies, dass er etwas zu verdrängen versuchte.
„Ich kenne das Mädchen.“, sagte Logan schließlich, ohne jedoch den Professor direkt anzusehen, der die Hände sinken ließ und den anderen Mann leicht verblüfft musterte. Er erwiderte aber nichts auf die Aussage, sondern wartete darauf, dass Logan weiter sprach.
„Ich...“ Logan verstummte und sah wieder zum Fenster, während er die Hände tief in seinen Hosentaschen vergrub, so als wüsste er nicht wirklich, was er sagen sollte.
Xavier konnte fühlen, dass etwas nicht in Ordnung war, wollte aber nicht Logans Gedanken lesen müssen, um herauszufinden, was genau den anderen Mann so beschäftigte. Er seufzte und rieb sich die Schläfen.
Ein aufdringliches Klopfen an der Tür riss beide Männer aus ihren Gedanken und Charles hatte nicht einmal mehr Zeit, um Scott hereinzubitten, bevor dieser die Tür öffnete und den Raum betrat. Die Dringlichkeit, die in sein Gesicht geschrieben stand, ließ Xavier alarmiert die Stirn runzeln.
„Was ist passiert?“
„Wir können Cathy nicht finden und...“ Scott wurde durch ein abfälliges Geräusch, das Logans Lippen entkam, unterbrochen, was seine Aufmerksamkeit auf ihn lenkte. „Hast du was zu sagen Logan?“, fragte er gepresst. Er wusste nichts wieso, aber irgendetwas an der Art, mit der Logan ihn betrachtete, ließ ihn äußerst feindselig reagieren.
„Ich weiß nicht, warum du dich so aufregst, Summers. Vermutlich ist sie hier irgendwo und...“
„Und was? Ihre Sachen sind weg und sie ist weder in ihrem Zimmer noch an sonst irgendeinem Ort, an dem sie sich normaler Weise aufhält!“, fuhr ihm Scott ins Wort und wollte sich schon wieder an den Professor wenden, etwas in Logans Blick hielt ihn jedoch davon ab.
„Vor kurzem war sie noch im Aufenthaltsraum, so weit wird sie also nicht sein...“ Logan machte eine wegwerfende Bewegung mit der Hand und machte mit einem gleichgültigen Schulterzucken einen Schritt auf die Tür zu, aber Scott, dem jegliche Farbe aus dem Gesicht gewichen war, hielt ihn zurück.
„Was hast du getan?“, es war kaum mehr als ein Flüstern und doch war es laut genug, dass es alle in dem Raum hören konnten. „Was hast du getan?!“ Scott packte Logan am Kragen und zwang ihn dazu, ihn anzusehen.
„Ich weiß nicht, was du meinst, Summers.“, knurrte Logan, bevor sich aus Scotts Griff löste und einen Schritt zurück trat.
„Denkst du, ich bin blöd? Es ist also nur rein zufällig, dass du sie noch getroffen hast und sie kurz darauf ihre Sachen packt und ohne ein Wort verschwindet?!“
„Willst du auf was Bestimmtes hinaus?“
„Du mieser...“ Scott war kurz davor, Logan erneut zu packen. Xaviers schneidender Zwischenruf war das einzige, das ihn davon abhielt und, wenn auch äußerst widerwillig, zurückweichen ließ.
„Scott, damit finden wir Cathy auch nicht schneller. Logan, wir beide unterhalten uns später.“ Xavier fixierte Logan mit einem eisigen Blick, bis dieser schließlich seinen eigenen abwandte und wieder zum Fenster sah, so als würde ihn die ganze Angelegenheit nichts angehen. Dann schloss der Professor für einen kurzen Augenblick, in dem er sich auf die Schule und ihre Umgebung konzentrierte, die Augen, bevor er sich wieder rührte und schließlich seinen Rollstuhl um den Tisch herum, auf die Tür zu lenkte.
„Scott hat Recht, Logan: Cathy ist nicht mehr hier.“, sagte er kurz angebunden, ehe er fast unmerklich einen Knopf auf der Steuerung seines Rollstuhls drückte, um die Tür zu öffnen. Dann machte er sich, ohne zurück zu blicken, auf den Weg zu dem versteckten Lift, der ihn in die unteren Ebenen des Hauses bringen würde,. Die Spannung, die sich zwischen den Beiden  ausgebreitet hatte und die er wie einen bösen Blick in seinem Rücken spürte war Zeichen genug, dass sie ihm folgten. Kurz sah er noch in Rogues Richtung, die nicht weit von seinem Büro wartete, und nickte ihr aufmunternd zu.
Der Weg zu Cerebro verlief schweigend und auch wenn Xavier wusste, dass Scott und Logan direkt hinter ihm stehen blieben, so schenkte er ihnen nur wenig Beachtung, während seine Netzhaut gescannt wurde und die Türen zu Cerebro mit einem „Willkommen, Professor“ auf glitten.
Dann aber wandte er sich ihnen noch einmal mit einem sehr ernsten Blick zu, wobei er bemerkte, wie Scott sich darum bemühte, sich zu beruhigen.  
„Ich möchte, dass ihr zwei euch wie Erwachsene benehmt und euch in Geduld übt, während ich nach Cathy suche. Ich weiß nicht was vorgefallen ist und was Cathy dazu gebracht hat, fort zu gehen, aber wir werden das alles zu seiner Zeit besprechen, wenn sich die Lage wieder geklärt hat.“
Sein Blick blieb etwas länger auf Logan haften, ehe er seinen Rollstuhl in Cerebros Innere lenkte und seine Aufmerksamkeit auf das, was er zu tun hatte, richtete.
Die zu gleitenden Türen schlossen die Außenwelt aus.
Er war alleine.
Er und das kalte Metall des Helmes, welches er nach einem kurzen Durchatmen aufsetzte und ihn mit dem Gerät verband, das er vor Jahren zusammen mit Erik aufgebaut hatte.
Xavier schloss die Augen, kurz bevor er seinen Geist öffnete und sich die Welt vor ihm ausbreitete.
Er sah.
Milliarden von Lichtpunkten leuchteten vor seinen inneren Augen auf, Lichter, die die Dunkelheit erhellten, wie Sterne am Nachthimmel. Ein leises Lächeln schlich sich auf seine Lippen, bevor er sich etwas mehr konzentrierte und die Gedanken der Menschen ausblendete. Die Farbe der Lichter änderte sich nur ein klein wenig, es war nur ein minimaler Unterschied, der die Mutanten von den Menschen trennte.
Xavier lenkte seine Aufmerksamkeit auf die nahe Umgebung der Schule, auf der Suche nach Cathys Signatur. Stimmen drängten an sein geistiges Ohr, Gedanken, die er aber wieder ziehen ließ. Sie waren es nicht, die er suchte.
Er weitete das Gebiet, das er abhörte, etwas weiter aus, konzentrierte sich noch ein bisschen mehr und...
>Cathy?<
Er hatte sie gefunden und er wusste, dass sie ihn hören konnte, auch wenn sie sich größte Mühe gab, seine Stimme zu überhören. Da war etwas, das ihn kurz irritierte, das die Verbindung für einen kurzen Moment störte, so als würde sie doch noch versuchen, ihn aus ihrem Geist zu drängen, aber genau so plötzlich hörte es auch wieder auf.
Sie saß in einem Zug, auf dem Weg nach New York und er konnte spüren, wie aufgewühlt sie war. So sehr, dass die Emotionen fast wie Farben zu sehen waren.
>Cathy?Was ist passiert?<
>>Ich will nicht darüber reden.<<
Ihre geistige Stimme klang zittrig und unsicher, dennoch konnte er fühlen, dass sie versuchte, sich wieder zu beruhigen. Xavier seufzte leise und konzentrierte sich etwas mehr, löste seinen Geist aus seinem Körper und materialisierte seine geistige Form nur für Cathy sichtbar, die an einem Fenster saß. Sie sah kurz auf, bevor sie ihre Aufmerksamkeit dann wieder der vorbei ziehenden Landschaft zuwandte, während er sich neben sie setzte.
>Ist es wegen Logan?<, fragte er leise, worauf sie ihm nur einen wütenden Blick zuwarf.
>>Ich will nicht darüber reden!<<
Einen Moment lang herrschte Stille, während sie sich mit fahrigen Bewegungen Tränen von den Wangen wischte.
>Was hast du vor?<
Ein Schulterzucken war das Einzige, was er als Antwort erhielt, ihre Augen waren wieder starr auf das Fenster gerichtet, so als würde sie befürchten, dass er bei einem Augenkontakt mehr als nur die Gedanken lesen könnte, die sie ihm sandte.
>Cathy, Weglaufen ist keine Lösung.<
>>Ich weiß. Aber ich muss einfach ... Ich brauche Zeit zum Nachdenken. Ich kann jetzt nicht ... Ich...<<
Sie verstummte wieder und sah ihn kurz an, wobei er für einen Bruchteil einer Sekunde das Gefühl hatte, als würde sich etwas in ihrem Blick ändern, aber er musste sich getäuscht haben.
>>Gehen Sie. Bitte.<<
Die Trennung der Verbindung erfolgte ganz plötzlich und traf Xavier vollkommen unerwartet. Ohne Vorwarnung hatte Cathy ihre Barrieren wieder gefestigt und somit ein oberflächliches Eindringen unmöglich gemacht.
Xavier blinzelte leicht verwirrt, sobald er sich in seinen Körper zurückgezogen hatte und die Augen öffnete, er fasste sich aber recht schnell wieder und gab Cerebro ein paar Anweisungen, ehe er den Helm abnahm und den großen, runden Raum wieder verließ.
Er würde Cathy ein bisschen Zeit lassen.

****


Die kalte Nachtluft traf sie unerwartet und ließ sie frösteln, als sie aus dem Bus stieg. Hinter ihrer Stirn pochte es und ihre Augenlider fühlten sich an, als wären sie mit Blei gefüllt. Trotzdem ging sie einfach weiter in das Gebäude des Busbahnhofes, um sich nach der Abfahrtzeit des nächsten Busses zu erkundigen, anstatt einen Moment inne zu halten. Sie wusste weder wie spät es war noch wo sie sich genau befand.
Im Grunde war das auch egal. Hauptsache war nur, dass sie weiter zog. Einfach nur weg von der Schule und vor allem weg von Logan.
Sie hatte es einfach nicht mehr ausgehalten. Vielleicht benahm sie sich kindisch und sie wusste ja auch selbst, dass Weglaufen die Probleme, die sie mit Logan hatte, nicht lösen würde, aber in dem Moment, in dem sie den Entschluss gefasst hatte, hatte sie sich einfach nicht anders helfen können.
Nach dem, was passiert war, wollte sie ihn einfach nicht mehr sehen. Das Gefühl war so intensiv gewesen und sie hatte gewusst, dass es nicht helfen würde, sich nur zurückzuziehen. Dieses Gefühl war immer noch da und anstatt schwächer zu werden, wurde es mit jedem Schritt, mit jedem Kilometer, den sie hinter sich brachte, nur noch stärker.
Cathy wusste, dass sie nicht ewig weiterziehen konnte und das nicht nur, weil ihr Erspartes sich langsam seinem Ende neigte, sondern weil der Professor ihr höchstwahrscheinlich jemanden mit dem Jet nachschicken würde. Vermutlich wartete er nur darauf, dass sie sich endlich irgendwo niederließ und sich für ein paar Stunden ausruhte. Mehr brauchte er wahrscheinlich auch gar nicht. Deswegen war sie in New York auch wieder in den erstbesten Zug gestiegen, der kurz nach ihrer Ankunft abgefahren war, entgegen ihrer ersten Pläne, sich irgendwo in New York ein billiges Zimmer zu suchen und dort auszuharren, bis ihr das Geld aus ging.
Und so ging es nun seit Stunden, in denen sie es nicht einmal geschafft hatte, ein bisschen Schlaf nachzuholen. Sie wusste nicht, wie spät es war, oder wohin der nächste Bus sie bringen würde, aber das war egal.
Sie musste einfach weg.

****


Logan fluchte und gab noch mehr Gas, wobei ihm der Wind ins Gesicht peitschte.
Normaler Weise löste das immer ein Gefühl von Freiheit in ihm aus, diesmal jedoch ... Logan schüttelte den Gedanken ab und konzentrierte sich wieder auf die Straße vor ihm. Er war noch nicht lange unterwegs, es hatte ein ganzes Gespräch und dann ein paar Stunden unruhigen Schlafes gedauert, bis der Professor endlich hatte sagen können, wo Cathy sich ungefähr aufhielt und in welche Richtung sie sich weiter bewegte. Er hatte versucht desinteressiert zu wirken, dieses nagende Gefühl zu verdrängen, aber es hatte nicht wirklich geholfen.
Dann hatte sich der Professor ausgerechnet an ihn gewandt und ihm mitgeteilt, dass er von ihm erwartete, Cathy zurück zu bringen, damit die Sache bereinigt werden konnte.
Wieso der ältere Mann dachte, dass das Mädchen ihm freiwillig folgen würde, das konnte er sich beim besten Willen nicht erklären. Immerhin...
Logans Hände schlossen sich fester um die Griffe des Motorrads, das er sich erneut von Scott ‚geliehen’ hatte.
Vielleicht hätte er anders an die Sache herangehen sollen, vielleicht hätte er sie nicht drängen sollen. Aber er konnte nicht warten.
Er konnte nicht warten, wenn die Möglichkeit bestand, dass sie ihm sagen konnte, wer für sein Leiden verantwortlich war. Wenn sie ihm womöglich die Namen derer nennen konnte, die ihm sein Leben gestohlen hatten.

****


Mit einem lautlosen Keuchen kam sie zu sich.
Im ersten Moment konnte sie nicht wirklich sagen, wo sie war, dann jedoch fiel ihr das leichte Vibrieren unter ihrem Hintern auf und das kalte Glas des Fensters, an welches ihr Gesicht angelehnt gewesen war. Ein kurzer Blick auf die Uhr genügte, um ihr zu sagen, dass sie höchstens eine viertel Stunde geschlafen hatte, wenn man den bewusstlosen Zustand, in den sie verfallen war, als Schlaf bezeichnen konnte.
Das leichte Pochen hinter ihrer Stirn hatte sich in den letzten  Stunden zu einem permanenten Stechen gesteigert, das einfach nicht weichen wollte und ihr jegliche Konzentration raubte. Jegliche Konzentration und wahrscheinlich auch einen Teil der Barrieren, die sie zum Schutz vor Xavier errichtet hatte. Vermutlich hatte ihr Lehrer ihre Spur wieder aufgenommen und...
Cathy schloss für einen Augenblick die Augen und versuchte mit aller Macht diese Art von Gedanken zu vertreiben. Sie musste nur weiter ziehen, dann würde es schon gehen. Sie musste nur unterwegs bleiben, dann würde der Professor ihr niemanden nachschicken können ... Jedenfalls nicht ohne Umwege.
Ein Ruck, mit dem der Bus plötzlich stehen blieb, riss sie aus ihren Gedanken und ließ sie aufblicken, aber es war noch lange nicht ihre Haltestelle. Seit sie eingestiegen war, war etwa eine Stunde vergangen und somit hatte sie noch etwa zwei Stunden, bis sie aussteigen musste. Sie hatte eigentlich bis zur Endstation dieser Linie fahren wollen, nur hatte ihr Geld dafür nicht mehr gereicht. Sie hatte noch ihre eisernen Reserven, an die fünfzig Dollar, wovon sich bestimmt noch ein Busticket ausgehen würde, aber sie brauchte das Geld für Essen. Nun ja, für den Fall, dass ihr Appetit irgendwann zurückkehrte.
Cathy seufzte leise und sah desinteressiert dabei zu, wie ein paar Leute in den Bus stiegen. Da war eine Frau mit ihrer kleinen Tochter, die sich bereits riesig auf den Besuch bei ihren Großeltern freute. Ein Mann, der seine Freundin verlassen hatte, um das große Glück in der Großstadt zu suchen. Und...
Stille.
Cathy blinzelte ein, zwei Mal, bis ihr bewusst wurde, dass sie keine oberflächlichen Gedanken von dem letzten Paar trafen, das in den Bus stieg. Sie konnte das Alter der beiden jungen Männer nicht wirklich einordnen, denn während beide nach etwa Mitte zwanzig aussahen, so ließ etwas an der Ausstrahlung des Schwarzhaarigen ihn etwas älter und die Unschuld in den Augen des Brünetten ihn etwas jünger erscheinen.
Ihr Blick hing wie gebannt an den Beiden, an jeder ihrer Bewegungen, während sie sich ihr langsam näherten. Es war nicht nur die Tatsache, dass sie ihre Gedanken nicht einmal wahrnehmen konnte, die Cathy so faszinierte. Da war noch irgendetwas an ihnen, etwas, das sie nicht ganz greifen konnte...
Ihr Blick streifte nur zufällig den des Jüngeren, der gerade dazu angesetzt hatte, dem Schwarzhaarigen, der ihn hinter sich her zu ziehen schien, etwas zu sagen und im ersten Moment schien er sie nicht einmal wahrzunehmen. Dann blieb er abrupt stehen.
Es dauerte bestimmt nur ein paar Sekunden, dennoch schien der Augenblick, in dem sich der Blick seiner rötlich-braunen Augen in den ihren bohrte, ewig zu dauern. Die Zeit schien stehen zu bleiben, bis sich die großen Augen des Brünetten vor Erstaunen noch etwas mehr weiteten.
Cathy konnte sehen, wie er leicht an der Hand zog, die seinen Arm umklammert hielt, wie sich der Schwarzhaarige ebenfalls zu ihr umdrehte, aber sie konnte nicht einmal blinzeln. Er schien sie kritisch zu betrachten, zog die Augenbrauen etwas zusammen, bevor...
Der Augenblick verging und die beiden gingen an ihr vorbei, als wäre nichts gewesen. Hatte sie es sich nur eingebildet? Hatte sie es sich wirklich bloß eingebildet oder hatten die beiden kurz ihren Blick gesenkt und ganz leicht den Kopf geneigt, so als hätten sie ihr zugenickt?...
Mit einer Mischung aus einem Seufzen und einem lautlosen Keuchen kam Cathy zu sich.
Sie brauchte einen kleinen Moment, um sich zu orientieren, aber das Vibrieren des Busmotors machte ihr schnell wieder bewusst, wo sie sich befand.
Sie fuhr sich mit zitternden Händen über die Augen, sich der Tatsache bewusst, dass sie eingenickt sein musste und dass sie nicht mehr als nur ein paar Minuten geschlafen haben konnte. Ein kalter Schauer jagte ihr über den Rücken und ließ sie schaudern.
Irgendwie hatte sie das Gefühl, etwas Wichtiges vergessen zu haben.

****


Logan hielt inne.
Er wusste nicht wieso, aber für einen ganz kleinen Moment war da etwas gewesen ... Da war etwas gewesen, das...
Er fuhr herum und fixierte die Frau, die nach einer Konserve griff, mit seinen Augen, nur dass nicht sie es war, die ihn störte. Irgendetwas schien an ihm zu nagen, etwas, das er nicht ganz greifen, nicht erfassen konnte, das jedoch fast so war ...
Es war als würde ihn etwas rufen.
Als wäre da etwas, das ihn in eine bestimmte Richtung locken wollte.
Logan runzelte die Stirn, bevor er den Gedanken abschüttelte und sich wieder umdrehte, um ein Bier aus dem Kühlschrank zu nehmen, nur um es dann zur Kassa des Tankstellenshops zu bringen und zu bezahlen. Einen Moment lang überlegte er noch, ob er vielleicht noch etwas brauchen konnte, aber ihm fiel nichts ein. Hunger hatte er auch beim Frühstück in der Schule nicht gehabt und er glaubte kaum, dass dieser ihn unterwegs überfallen würde. Nicht bevor er diese Sache geregelt hatte.
Es war nicht etwa so, dass er ein schlechtes Gewissen gehabt hätte. Nein, ganz bestimmt nicht. Immerhin konnte er nichts dafür, wie Cathy reagiert hatte. Vielleicht hätte er sie nicht drängen sollen, aber woher hätte er denn wissen sollen, dass sie dieses Mädchen war? Woher ... Was hätte er denn tun sollen, wenn er die Lügen an ihr hatte riechen können? Dieser Geruch hatte ihn fast in den Wahnsinn getrieben und ... Wie sollte er sie denn sonst dazu bringen, ihm zu helfen?
Logan schloss für einen kurzen Augenblick die Augen, bevor er den Laden verließ und sich draußen neben ‚seinem’ Motorrad niederließ, um das kalte Bier zu trinken. Im Grunde genommen hatte er keine Ahnung, wohin er weiterfahren sollte, seit seinem letzten Stopp wartete er vergeblich auf weitere Anweisungen des Professors. Vielleicht hatte dieser ja die Spur verloren, auch wenn Logan das nicht ganz glauben wollte.
Nein ... Er musste das Mädchen wieder finden und es zum Sprechen bringen. Ein Name ... Das war alles, was er brauchte.
Nur einen, gottverdammten Namen ... Einen einzigen Anhaltspunkt. Mehr verlangte er ja nicht. Nur eine kleine Spur, die er weiterverfolgen konnte. Nur eine winzige Spur, die ihn zu seiner Vergangenheit führen könnte...

****


Sie zuckte nur ganz leicht zusammen, als das heiße Wasser auf ihre Haut traf, aber Cathy gewöhnte sich recht schnell an die Temperatur, sodass sie sich kurz darauf vollständig unter den Wasserstrahl stellte.
Das Geräusch des Wassers erfülle ihre Sinne, verdrängte die Gedanken, die sie plagten, und spülte die Gefühle, die sie nicht ruhen lassen wollten, hinweg. Und doch war da ein kleiner Rest Kälte in ihrem Innern, der einfach nicht schmelzen wollte, nicht einmal mit der wohltuenden Hitze des Wassers. Dennoch drängte die Wärme diesen aufdringlichen Teil, der ihre Aufmerksamkeit auf sich lenken wollte, in den Hintergrund, ließ es nach und nach immer mehr mit dem Geräusch des Wassers verschmelzen, bis sie sich endlich ein wenig entspannen konnte.
Ihre Augen schlossen sich wie von selbst und ihr Kopf sank leicht nach vorne, als die Spannung nach und nach aus ihren Gliedern wich. Ja, sie wollte einfach nur alles wegspülen und nicht mehr daran denken müssen...
Das Flüstern riss sie aus ihrem wohligen Kokon aus nasser Wärme, auch wenn es sie kaum mehr als nur gestreift hatte. Und doch war es da gewesen, unglaublich nah und...
Cathy hob die Hand und strich sich mit einer langsamen Bewegung die nassen Haare aus dem Gesicht, während sie versuchte, das Gefühl, das sie plötzlich befallen hatte, wieder abzuschütteln. Es wollte ihr nicht so ganz gelingen. Sie konnte die Berührung des Flüsterns immer noch fühlen, so als wäre es immer noch da, nur darauf wartend sie erneut...
Sie drehte das Wasser ab und trat aus der Dusche, bevor sie sich in einem großen Handtuch einwickelte und das Bad mit eiligen Schritten verließ. Das Motelzimmer empfing sie mit dem warmen, gedämpften Licht der Nachttischlampe und auch wenn sie wusste, dass sie sich mit dem Rest ihres Geldes nur eine einzige Nacht leisten konnte, so war sie doch irgendwie froh darüber, Halt gemacht zu haben. Sie wusste zwar, dass der Professor damit die Chance hatte, Scott oder Jean ihre genaue Position mitzuteilen, aber wenn sie ehrlich war, war es ihr in der Zwischenzeit auch schon egal.
Mit einem Seufzen ließ sie sich auf das Bett sinken, nur um kurz darauf das Gesicht in ihren Händen zu verbergen.
Sie war erschöpft.
Einen anderen Ausdruck dafür gab es einfach nicht. Sie war unglaublich erschöpft und das wusste sie auch. Es lag nicht nur an den schlaflosen Nächten oder an den Nächten, an denen sie Logans Träume aus dem Schlaf gerissen hatten. Es war einfach...
Sie konnte nicht mehr.
Nach unzähligen Stunden des Herumfahrens mit Zug, Bus und per Anhalter war sie einfach viel zu müde, um weiter zu machen. In ihrem Kopf herrschte ein Chaos, sie konnte sich auf nichts mehr konzentrieren. Ihr erster Gedanke, als sie in diesem Kaff angekommen war, war zwar die Suche nach einer neuen Mitfahrgelegenheit gewesen, aber dann ... Als sie das Motel gesehen hatte, hatte die Müdigkeit sie endgültig eingeholt und zwar mit einer Wucht, die sie beinahe in die Knie gezwungen hatte. Sie hatte gar nicht anders gekonnt, als sich für diese eine Nacht ein Zimmer zu nehmen. Sie brauchte kein Geld für Essen, wenn sie nur eine Nacht durchschlafen konnte, wenn sie nur für ein paar Stunden Ruhe haben konnte, wenn...
Es war gut möglich, dass in der Früh die X-Men vor ihrer Zimmertür stehen würde. Jetzt, in diesem Augenblick, war es ihr jedoch ziemlich egal, auch wenn sie keine Ahnung hatte, was sie tun sollte, sollte der Fall eintreffen. Das einzige, was ihr wirklich bewusst war, dass sie nicht mit ihnen mitgehen konnte.
Sie lebte eine Lüge.
Die Emotionen und Erinnerungen, die von ihr Besitz ergriffen hatten, hatten das mehr als deutlich gezeigt. Es waren nicht ihre Erinnerungen, Logan hatte nicht sie geborgen, hatte nicht sie mit dieser Wärme in den Augen angesehen. Nicht sie hatte versucht, sich das Leben zu nehmen, auch wenn sie ihr anderes Ich immer besser verstehen konnte.
Es war nicht so, dass es ihr erst jetzt bewusst wurde. Sie konnte es gar nicht vergessen, aber in den vergangenen Monaten ... Es war einfach alles so gut gelaufen. Es war ihr relativ gut gegangen und ... und jetzt...
Cathy ließ sich auf das Bett zurückfallen und schloss für einen Moment die Augen. Sie war einfach so müde...
Die Minuten verstrichen.
Sie konnte fühlen, wie ihre nasse Haut langsam trocknete, konnte den leichten Luftzug spüren, der durch den Spalt unter der Tür in das Zimmer drang, konnte Stimmen aus dem Stockwerk unter sich und aus den benachbarten Zimmern hören.
Aber der Schlaf wollte einfach nicht kommen.
Nach einer Ewigkeit, wie es ihr schien setzte sich Cathy mit einer Mischung aus einem Seufzen und einem Schluchzen wieder auf, nur um nach ihrer Tasche zu greifen und daraus ihren Pyjama zu fischen, den sie mit leicht fahrigen Bewegungen anzog.
Das Handtuch landete irgendwo auf dem Boden, während sie wieder auf das Bett kletterte und sich in die Decke hüllte, in der Hoffnung, dass sie würde endlich einschlafen können. Zuerst wurden die Gedanken, die sie nicht verlassen wollten, einfach nur stärker, aber dann, nach und nach, konnte sie fühlen, wie sie tiefer und tiefer in die Dunkelheit sank, wo die Gedanken nicht mehr als nur ein fernes Gemurmel waren.
Sie ließ sich fallen, hinein in die Dunkelheit, die sie mit freudigen Armen umfing und ihr die Ruhe brachte, die sie so dringend brauchte. Ruhe...
Ein Geräusch riss sie aus ihrem Halbschlaf und ließ sie mit einem nur halb unterdrückten Schrei auffahren. Ihr Herz raste und ihr Blick huschte durch den kleinen Raum, den sie für die Nacht gemietet hatte. Da war nichts.
Ihr Atem stockte, als sich das energische Klopfen wiederholte und ihre Augen fixierten wie von selbst die Tür. Sie brauchte nur einen kleinen Augenblick, um zu wissen, wer dahinter stand und sie war sich nicht sicher, wie sie reagieren sollte.
Logan klopfte erneut und wenn sie sich konzentrierte, konnte sie ihn ungeduldig schnauben hören. Sie verstand nicht, wieso sie seine Anwesenheit nicht schon früher gefühlt hatte, wieso ihre Telepathie sie nicht vorgewarnt hatte.
„Hey, ich weiß dass du wach bist, also mach die Tür auf!“
Cathy starrte die Tür an, rührte aber keinen Finger. Wieso war Logan hier? Warum hatte der Professor nicht wenigstens Scott geschickt, wenn er sie schon nicht in Ruhe lassen wollte?
Für einen kurzen Augenblick regte sich Wut in ihr, dennoch erlosch selbst dieser Funkte im Angesicht ihrer Erschöpfung.
Sie schlug die Decke zurück und schwang die Beine von Bett, ehe sie aufstand und mit hängenden Schultern zur Tür schlurfte. Einen Moment lang zögerte sie noch, bevor sie die Tür einen spaltweit öffnete. Es war sowieso alles egal.
„Was willst du, Logan?“
Er stand nur wenige Schritte von ihr entfernt und der Geruch, der an seiner Jacke haftete, sagte ihr, dass er scheinbar mit Scotts Motorrad gefahren war. Es war eine Nebensächlichkeit und sie wusste nicht wirklich, warum es ihr gerade in diesem Augenblick auffiel. Vielleicht versuchte sie sich durch diese Informationen, die sie normaler Weise ignorierte, nur von seiner Nähe abzulenken, die ihr einen Schauer über den Rücken jagte.
„Kann ich reinkommen?“ Seine Stimme klang rau und sein Blick bohrte sich unnachgiebig in den Ihren, bis sie schließlich gar nicht anders konnte, als den Ihren abzuwenden, bevor sie die Augen kurz schloss und den Kopf leicht schüttelte.
Logan runzelte die Stirn und gab sich die größte Mühe ruhig zu bleiben, bevor er seine Frage etwas sanfter wiederholte. Er konnte sehen, wie sich ihre Schultern spannten, wie sie die Lippen zu einem blutleeren Strich zusammenpresste, aber dann, ganz plötzlich, als würde jegliche Kraft aus ihren Gliedern weichen, gab sie nach und trat einen Schritt zurück. Ihre Augen wirkten leblos, als sich ihre Blicke streiften und dieser Anblick ließ etwas in seinem Innern sich zusammenziehen, auch wenn er dieses Gefühl schnell verdrängte.
Logan trat in das Hotelzimmer und sah schweigend dabei zu, wie Cathy zurück zum Bett ging und sich darauf niederließ, während er die Tür hinter sich schloss.
Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus. Tiefes, befangenes Schweigen, in dem selbst ihr Atmen viel zu laut zu klingen schien. Logan wusste nicht, wie viel Zeit verging, er konnte nicht sagen, wie lange er sie anstarrte, ehe er sich von der Tür wegstieß und einen Schritt auf sie zu machte. Etwas in seinem Innern rührte sich, etwas, das ihn dazu bringen wollte, das Schweigen zu brechen, er wollte es jedoch nicht zulassen. Er konnte einfach nicht. Er...
Logan schloss für einen kurzen Augenblick die Augen und atmete tief durch, bevor er sie wieder mit seinen Augen fixierte und dazu ansetzte etwas zu sagen, aber Cathy kam ihm zuvor.
„Ich war zehn, als du mich gefunden hast.“
Cathy sah ihn wieder an, auch wenn sie ihn nicht wirklich zu sehen schien. Ein trauriges Lächeln umspielte ihre Lippen und da war etwas in ihren Augen, das zu alt für ein Mädchen ihres Alters zu sein schien. Da war etwas an ihr, an ihrer Körperhaltung, was ihm sagte, dass sie auf eine bestimmte Art und Weise aufgegeben hatte. Und Logan konnte nicht wirklich sagen, ob er sich darüber freuen sollte.
„Danach ... Steven und Helen haben mich bei sich aufgenommen und sich um mich gekümmert. Es war ... Es war wirklich schön, in irgendeiner Kleinstadt, dessen Namen ich nicht einmal kenne. Komisch, nicht? Ich habe da immerhin sechs Jahre lang gelebt...“ Sie lachte humorlos auf und ließ ihren Blick sinken, sah jedoch wieder ruckartig hoch, als Logan etwas näher trat.
„Sie ... Es gab immer wieder Untersuchungen, aber ich habe mir eigentlich nichts dabei gedacht. Ich war früher öfters krank und da ... Steven war Arzt und ich hab mir gedacht, dass er wüsste, was er tut. Und er hat ganz genau gewusst, was er tat. Ich war sechzehn, als sie mich für ausgewachsen genug gehalten und mich ins Labor gebracht haben. Es war ... Es war...“
„Du kannst dich an ihre Namen erinnern?“ Die Frage entkam Logans Lippen, noch ehe er sie richtig in Gedanken formuliert hatte und einen ganz kleinen Moment lang schien er selbst verblüfft darüber, überspielte es aber mit einem eindringlichen Blick.
Die Frage hing einen Augenblick lang in der Stille, die sich schlagartig ausgebreitet hatte.
Cathy stockte der Atem.
Sie hatte das Gefühl, geohrfeigt worden zu sein.
In den Unglauben in ihrem Blick mischte sich sehr schnell Enttäuschung und auch ein klein bisschen Wut. Die Müdigkeit, die Logan noch vor einem Moment in ihren Augen gesehen hatte, die Erschöpfung, war wie weggeblasen.
Der Blickkontakt wurde unterbrochen, als Cathy die Augen schloss und den Kopf zur Seite wandte, wobei Logan sehen konnte, wie ihre Mundwinkel leicht zuckten, ehe sich ihre Lippen zu einem Lächeln und dann einem Grinsen verzogen, das Logan einen kalten Schauer über den Rücken jagte.
Cathy lachte.
„Das ist alles?“
Ihre Augen waren feucht, als sie ihn wieder ansah, aber das Lächeln wollte nicht von ihren Lippen weichen, auch wenn ihr Kinn bebte.
„Das ist alles? Das willst du wissen?“
Ihre Stimme versagte und das Lächeln verschwand. Cathys Hände ballten sich zu Fäusten in dem Versuch, das Zittern zu unterdrücken, es wollte ihr jedoch nicht gelingen. Sie biss sich auf die Unterlippe, während sie ungläubig den Kopf schüttelte.
„Ob ich mich an Namen erinnern kann? Ob ich dir die Namen der Verantwortlichen nennen kann? Ob ich es, während meinem Körper und meinem Geist unaussprechliche Dinge angetan wurden, es irgendwie geschafft habe, Namen aufzuschnappen?!“ Mit jedem Wort, das sie sprach, wurde ihre Stimme lauter. „Das ist es, was dich interessiert?!“
„Cathy...“
Logan machte einen weiteren Schritt auf sie zu und wollte nach ihr greifen, wie um sie zu beruhigen, aber sie stand vom Bett auf und wich seinem Griff aus.
„Fass mich nicht an.“, zischte sie und wandte ihm den Rücken zu, in dem Versuch, sich ein bisschen zu beruhigen. Ihr Herz raste und sie hatte das Gefühl, keine Luft zu bekommen, durch die Enttäuschung und die Wut, die sie zu überwältigen drohten. Sie war unglaublich wütend, aber ein Großteil dieser Wut galt eigentlich ihr selbst.
Einen ganz kurzen Moment lang, einen ganz kleinen Augenblick lang, als Logan sie angesehen hatte, kurz bevor sie angefangen hatte zu erzählen, da war einfach etwas in seinem Blick gewesen. Etwas, das ihr das Gefühl gegeben hatte ... das ihr die Hoffnung gegeben hatte, dass ... dass er sich womöglich doch auch für sie als Person interessierte und nicht nur als wandelndes Nachschlagwerk, das womöglich Antworten für ihn hatte.
„Ich habe keine Namen für dich! Ich habe keine Antworten!“
Sie sah ihn wieder an, auch wenn sie seinen Anblick kaum ertragen konnte. Ein Teil von ihr verabscheute ihn in diesem Moment so sehr, dass es wehtat. Wieso konnte er sie nicht einfach in Ruhe lassen? Warum konnte er nicht einfach gehen, bevor sie anfing, ihn zu hassen?
„Gott ... Ich bin so dumm...“
Logan runzelte die Stirn, als sie sich wieder von ihm abwandte und das Gesicht in den Händen verbarg. Er wollte etwas sagen, aber er wusste nicht, was er hätte sagen können. Ein Teil von ihm glaubte ihr, immerhin gab es keinen Grund dafür, warum sie sich an etwas hätte erinnern können. Aber andererseits ... Wenn sie sich an den Rest erinnern konnte, an das Labor, an ihre Vergangenheit, warum hätte sie dann nicht auch etwas Wichtiges wissen sollen? Und wenn sie die Wahrheit sagte, wie die Verzweiflung in ihren Augen ihn hatte glauben lassen wollen, wieso roch sie dann immer noch nach Lügen?
„Es muss doch irgendetwas geben, das...“, begann er leise und gezwungen ruhig, wurde aber jäh von Cathy unterbrochen.
„Was? Etwas das dir weiterhelfen könnte?“ Ihre Augen schienen zu brennen und sie schien nicht einmal mehr zu bemerken, wie ihr Tränen die Wangen hinunter liefen. „Raus hier.“, ihre Stimme zitterte und brach, ihr Blick jedoch war entschlossen.
„Nein.“ Logans Blick, der nicht weniger entschlossen war, bohrte sich in den ihren, aber anders als zuvor wich sie ihm diesmal nicht aus. „Der Professor...“
„Hör endlich auf! Dich interessiert doch gar nicht, weswegen der Professor dich geschickt hat! Dich interessiert nichts, nicht einmal wie oder wofür man uns das angetan hat. Das einzige, was dich interessiert, ist doch nur eine Rache, die du vielleicht niemals bekommen wirst.“
„Sei still.“ Logans Knurren traf sie nicht, genauso wenig wie die Hand, die sie am Oberarm packte und schmerzhaft zudrückte.
„Wieso, weil es die Wahrheit ist?“ Cathy lachte abfällig. „Weil die letzten fünfzehn Jahre deines Lebens an ein Ziel verschwendet waren, das du vielleicht gar nicht erreichen kannst? Weil du nach Antworten suchst, die es nicht gibt?“
„Sei still!“, fauchte er und stieß sie von sich, nur um sie dann gegen die Wand zu drängen, so wie nur wenige Stunden zuvor.
„Denkst du, ich weiß das nicht?!“, schrie er sie an, jegliche Beherrschung, die er nur mühsam aufgebracht hatte, war verschwunden. „Aber das ist das einzige, was ich habe!“
Cathy starrte ihn mit weiten Augen an, wandte den Blick dann aber ab, bevor sie wie geschlagen den Kopf schüttelte.
„Du hast Leute die dich so akzeptieren, wie du bist. Aber anstatt dein Leben weiter zu leben, neu anzufangen, jagst du einer Vergangenheit hinterher, die dir vielleicht nicht einmal gefallen würde.“
„Was weißt du?“, fragte er nochmals, ebenso leise. Seine Stimme war rau und er klang genauso erschöpft, wie sie sich fühlte.
„Gar nichts.“, sie erwiderte seinen Blick, versuchte sich den Schmerz, den sie empfand, nicht anmerken zu lassen und ihm zu verdeutlichen, dass sie die Wahrheit sagte. Der Ausdruck in seinen Augen zerstörte jedoch die Hoffnung auf ein klein wenig Verständnis.
„Ich glaube dir nicht.“
Sein warmer Atem strich fast sanft über ihr Gesicht, aber seine Worte hatten die Wirkung eines schmerzhaften Stiches. Tränen schossen in ihre Augen und sie konnte sich nicht einmal von ihm abwenden. Sie unterdrückte ein Schluchzen und versuchte vergeblich die Wut, die ihr Stärke gegeben hatte, erneut aufflackern zu lassen. Sie konnte seine Hand an ihrem Hals fühlen, konnte die Wärme spüren, die von ihr ausging.
Logan rückte noch näher, stützte sich mit der freien Hand an der Wand ab und versperrte ihr somit den Weg, nahm ihr die Möglichkeit, seinen sie eindringlich musternden Augen zu entkommen.
„Warum kannst du mich nicht einfach in Ruhe lassen? Wieso lässt du mich nicht einfach gehen? Ich habe dir nichts zu geben...“
„Ich glaube dir nicht.“, wiederholte er knurrend, aber in seinen Augen konnte sie sehen, dass es viel eher so war, dass er ihr nicht glauben wollte. Er wollte die Hoffnung nicht aufgeben, noch nicht. Er wollte nicht einsehen, dass er keine Spur zu verfolgen hatte.
Dass der Weg hier endete.
„Es ... es ist okay.“
Ihr Herz raste und es tat weh, die Worte zu sprechen.
Nichts war okay, sie wusste nicht einmal, wieso sie das sagte. Er hatte sie unglaublich verletzt, hatte tiefe Löcher in das Vertrauen zu ihm gerissen, hatte all die Dinge zunichte gemacht, die die Grundlage für ihre telepathische Verbindung bildeten.
Es gab eigentlich keinen einzigen Grund dafür, warum der Faden zu ihm nicht gerissen war.
Aber der Faden war da, die Verbindung zu ihrem Anker blieb aufrecht und zerrte an ihr.  Seine Verzweiflung drang zu ihr durch, seine Wut, seine Trauer und seine Hilflosigkeit. Es war überwältigend und verdrängte fast ihren eigenen Schmerz.
Ihre Hände zitterten als sie diese langsam hob und ihre Finger in das Leder seiner Jacke krallte. Sie hatte das Gefühl, sich festhalten zu müssen, bevor sie in seinen Emotionen versank.
Sie musste sich festhalten, bevor sie sich selbst verlor.
„Es ist okay.“, flüsterte sie, während sich ihr Herz vor Schmerz zusammenzog und ihr erneut Tränen über die Wangen liefen. Einen kurzen Moment lang wurde der Griff seiner Hand um ihren Hals stärker, wie um sie zum Schweigen zu bringen, dann jedoch ließ er sie los.
Schweigen breitete sich zwischen ihnen aus.
Schweigen, in dem nur ihr beider Herzschlag zu hören war, in dem sich ihr hektischer Atem vermischte und in denen ihre Emotionen zwischen ihnen hangen.
Cathy schloss die Augen, in dem Versuch ihre eigenen Gefühle von Logans zu trennen.
Es ging nicht.
Sie vermischten sich, bis nicht mehr wirklich zu sagen war, was ihr Schmerz war und was der seine.
Dann sah sie ihn an, strich ihm in einer tröstenden Geste, die nicht mehr war als der Hauch einer Berührung, über die Wange.
Aus den Augenwinkeln konnte sie sehen, wie sich der Arm, mit dem er sich an der Wand abstützte, spannte, konnte fühlen, wie sich die Hand neben ihrem Kopf zur Faust ballte, sie ließ sich dennoch nicht davon abhalten fortzufahren und ihm dann eine Strähne aus dem Gesicht zu streichen.
Seine Augen glitten zu und er drehte den Kopf leicht zur Seite, wie um sich von seinen Gefühlen abzuwenden, wobei er seine Wange an ihre Handinnenfläche schmiegte. Die Bartstoppeln kitzelten ihre Finger, aber gerade als sie ihre Hand zurückziehen wollte, riss er seine Augen wieder auf und griff mit seiner Hand nach der ihren, um sie festzuhalten. Da war etwas, in seinen Augen, das sie nicht ganz einordnen konnte, etwas in seinem Blick, das sie reagieren ließ.
Sie hielt seinem Blick noch einen Moment lang stand, ließ dann aber ihren Kopf ein wenig nach hinter fallen, sodass ihr Hals entblößt wurde. Logan starrte sie noch eine ganze Weile an, bevor er mit einem fast lautlosen Seufzen sein Gesicht an ihren Hals legte, während Cathys Hände wie von selbst auf eine beruhigende und tröstende Art und Weise durch seine Haare fuhren.
Seine Nähe war ihr schmerzhaft bewusst, seine Körperwärme drang zu ihr durch und ließ ihre kalten Hände warm werden. Sein Atem strich in einem fast hypnotischen Rhythmus über ihre Haut.
Cathy hätte nicht sagen können, warum sie sich nicht rühre, als er sich wieder bewegte und ihre Hand losließ, nur um die seine an ihre Hüfte zu legen. Sie wusste nicht, warum sie sich nicht wehrte, warum sie keinen Laut von sich gab, als seine Lippen ihren Hals berührten und sein Griff stärker wurde.
Sie konnte einfach nicht, auch wenn sie ganz leicht zusammenzuckte, als seine Lippen weiter wanderten, ihren Hals hinauf, nur um ihre Wange zu berühren, ihr Ohr und schließlich ihre Stirn.
Sie wusste was er wollte, als seine Finger fast zärtlich über ihren Hals strichen. Sie wusste es und auf einer bestimmten Ebene konnte sie es auch verstehen. Sein Weg hatte hier sein Ende gefunden und er wusste nicht mehr weiter. Sie hatte die Hoffnungen, die sie in ihm geweckt hatte, zerstört. Logan wollte vergessen, den Schmerz verdrängen, so wie auch sie nicht mehr an den ihren denken wollte.
Es tat weh, der Gedanke, dass sie wieder nur Mittel zum Zweck war, aber...
Sie konnte sich einfach nicht mehr darüber aufregen. Sie war ausgebrannt, sie konnte nicht einmal mehr wütend auf ihn sein, nicht jetzt, wo er so nah war, wo er sie, wenn auch nur für kurze Zeit, wahrnahm.
Es war nicht so, wie sie es sich vorgestellt hatte, nicht so, wie sie es gewollt hätte, genauso wenig, wie alles andere an ihrer Begegnung so gewesen war, wie sie es sich erhofft hatte. Aber es war wenigstes etwas. Und sie würde sich mit dem zufrieden geben müssen, was sie bekommen konnte.
Cathy schloss die Augen, wobei ein paar weitere Tränen über ihre Wangen rannen, und erwiderte seinen Kuss, als seine Lippen endlich die ihren trafen. Anfangs war es nur eine zögerliche Berührung, die Erkundung unbekannten Gebietes, aber dann wurde sein Kuss forscher.
Er ließ den Arm, mit dem er sich an der Wand abstützte, sinken und drängte sie mit seinem ganzen Gewicht gegen die Wand, bevor er seinen Unterleib an den ihren drückte und mit der Hand über ihren Oberschenkel strich. Cathys Finger, die noch vor einem Augenblick fast zärtlich durch seine dunklen Haare gefahren waren, krallten sich nun in diese und zogen Logans Kopf noch näher, als er ihn ein wenig zur Seite neigte und den Kuss vertiefte. Als er mit seiner Zunge tief in ihre Mundhöhle drang, um gegen die ihre zu stoßen.
Dann gab er ihre Lippen wieder frei und widmete sich der warmen Haut ihres Halses, an der er leicht nippte und sog, während Cathys Hände das Leder seiner Jacke ergriffen und versuchten den schweren Stoff von seinen Schultern zu schieben. Logan hielt kurz inne und ließ sie für einen Augenblick los, um ihr dabei zu helfen und sich dann auch des Shirts darunter zu entledigen.
Für einen Moment schien es so, als würde er sie wieder gegen die Wand drücken, dann jedoch ergriff er ihre Hand und zog sie zum Bett, wo er sie auf die zerwühlte, vergessene Decke drückte und sich über sie schob.
Er drängte ein Knie zwischen ihre Beine und rieb es langsam gegen die Hitze, die er dort fand, während er ihr Top hochschob und mit seinen Lippen über ihre Brüste strich. Cathy klammerte sich an ihn, vergrub ihre Hände erneut in seinen Haaren, als ein Beben von ihrem Körper Besitz ergriff.
Sie hatte Angst, ja, aber da war etwas, das stärker als diese Angst war. Eine Hitze, die jede seiner Berührungen in ihr auszulösen schienen und die alle Bedenken verbrannte. Dennoch schien Logan etwas zu merken, denn kurz darauf trafen sich ihre Blicke wieder, bevor er sich zu ihrem Ohr beugte und ihr beruhigende Nichtigkeiten zuraunte. Seine Hände strichen zärtlich üben ihren Körper, glitten über ihre Arme, ihre Schenkel und ihre Brüste, bis sie ihm ihren Körper entgegen bog.
Ihr Herz raste und sie wusste nicht wirklich was sie tat, als sie nach seiner Hose griff und mit zitternden Fingern zuerst den Gürtel aufmachte. Sie hielt kurz inne, bevor sie den Knopf und schließlich den Reißverschluss öffnete, während Logans Hand in ihre Shorts drang und sich auf ihr Hinterteil legte, ehe er den dünnen Stoff langsam über ihre Schenkel nach unten zog und schließlich achtlos fallen ließ. Kurz darauf folgte ihr Slip, aber darauf achtete sie kaum, als sie Logans Hose über seine Hüften schob und dann, nach kurzem Zögern, nach seinem harten Glied griff. Logan vergrub sein Gesicht in ihrem Hals und biss sie sacht, als sie mit den Fingerspitzen über seine Erektion fuhr. Dann drängte er ihre Schenkel auseinander, legte sich zwischen ihre Beine und küsste sie noch einmal innig, bevor er ohne Warnung in ihren erhitzten Körper eindrang.
Cathys Körper versteifte sich für einen kurzen Moment, aber Logans Lippen, die an ihrer Brustwarze sogen, ließen sie sich wieder entspannen und leise stöhnen. Er nahm sie vollkommen in Besitz, drang nach einem kurzen Augenblick noch tiefer in sie ein und ließ die Hitze in ihrem Körper noch brennender werden.
Logan murmelte etwas Unverständliches gegen ihre Lippen, als er begann seine Hüften zu bewegen, die Hitze mit jeder seiner rhythmischen Bewegungen immer unerträglicher zu machen.
Schließlich wurde es Cathy zu viel und sie erreichte ihren Höhepunkt mit einem atemlosen Keuchen. Logans Körper spannte sich an und er stieß ein leises Stöhnen aus, als er ihr kurz darauf folgte.
Die Stille, die plötzlich einkehrte, war ohrenbetäubend.
Es dauerte einen Moment, bis sich Logan wieder rührte und sich zurückzog, und mit dieser Bewegung schienen auch die Geräusche in den Raum zurückzukehren, aber das einzige, was zu hören war, war ihrer beider hektischer Atem und das entfernte Ticken einer Uhr.
Cathy war nicht im Geringsten überrascht, als Logan sich von ihr abwandte, als seine Körperwärme sie verließ und er aufstand. Wenn sie ehrlich war, dann hatte sie es irgendwie erwartet.
Sie drehte sich auf die Seite und zog die Beine an den Körper. Sie wusste nicht, ob sie enttäuscht sein sollte, immerhin hatte sie es von der ersten Berührung an gewusst. Sie war nur ein Trost gewesen. Nur ein...
Verwundert sah sie auf, als sich eine warme, harte Brust an ihren Rücken schmiegte und eine Hand nach der Decke griff, um sie dann über sie auszubreiten. Cathy konnte nur verwirrt blinzeln, während Logan wortlos seinen Arm um sie legte und sanft ihren Nacken küsste, ehe er sie noch näher an sich zog.
Minuten verstrichen.
Minuten, in denen Logans Atem wieder tief und regelmäßig wurde, Minuten in denen eine ganz andere Art von Wärme von ihr Besitz ergriff, die nichts mit der körperlichen Hitze zu tun hatte, die sie noch vor wenigen Augenblicken verspürt hatte.
Es war angenehm, dieses Gefühl.
Es war angenehm und doch versetzte es ihr einen Stich, der tiefer ging als alles andere. Sie fühlte sich sicher und gewollt. Sie hätte glücklich darüber sein müssen.
Ein kleines Lächeln breitete sich auf ihren Zügen aus, während langsam Tränen an ihren Wangen hinunter liefen.
Sie hätte glücklich sein müssen, aber sie konnte nicht. Sie wusste, dass dieser Moment nur ein flüchtiger war und dass dieses Gefühl von Sicherheit und Wärme nicht anhalten würde.
Vermutlich würde es nicht einmal die Nacht überdauern.
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