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Wenn Wünsche wahr werden

GeschichteDrama / P18 / Gen
OC (Own Character) Wolverine / James "Logan" Howlett
12.12.2006
18.04.2021
37
200.072
3
Alle Kapitel
129 Reviews
Dieses Kapitel
5 Reviews
 
12.12.2006 6.888
 
*räusper* Hi! *hust*
Also, es tut mir wirklich, wirklich, wirklich Leid und ich weiß auch, dass ich euch hab unmöglich lang warten lassen, aber bitte schlagt mich nicht!
Ja, es hört sich wahrscheinlich wie eine blöde Ausrede an, aber ich hatte zu lernen und dann hat mich mal wieder eine Schreibblockade in ihr tiefes, dunkles Loch gezogen ... *schreibblockade tritt*

Jedenfalls wollte ich euch sagen, dass ich mich sehr über die Reviews gefreut habe und dass es auch immer wieder einen Motivationsschub gibt. Es freut mich wirklich, dass euch die Geschichte gefällt, auch wenn es bestimmt Momente gibt, an denen ihr mich am Liebsten hängen würdet ... *unschuldig blick*

@ Icy-Chan: Ja, ja, Cathy hat's endlich getan. n_n. Ich hab es ja lange genug hinaus gezögert, aber ich kann mir gut vorstellen, dass es mehr als schmerzhaft ist, die Klingen auszufahren, auch wenn die Wunden danach wieder verschwinden. Freut mich aber, dass es dir so gefallen hat und keine Sorge, in diesem Kapitel komm ich endlich zu  Logans und Cathys Reaktionen.

@ ArchAngelAzrael: Hi! Dein Review hat mich ungemein gefreut. Wirklich. Wow, eine neue Leserin! Also, ich meine, dass du dir trotz der Zweifel die Zeit genommen hast ... Ich kann dich gut verstehen, normalerweise mache ich auch Halt vor Geschichten, wo weibliche original Charactere eingeführt werden, weil sie sich meistens als Mary Sues entpuppen, aber ich gebe mir wirklich die allergrößte Mühe und hoffe wirklich, dass meine Cathy keine MS ist. Übrigens, vielen Dank für das Kompliment. n_n Ich hoffe, dass dir die Geschichte auch weiterhin gefallen wird.

@ iko: Tja ja, Cathy wird, denke ich, noch lange kein Glück haben ... Und ja, egal wie sehr ich ihn auch mag, wie ich ihn vergöttere, er hat das mit dem Geist eindringen irgendwie verdient ... Aber ich glaube kaum, dass er an einem Herzinfarkt sterben kann ...

@ Kyrilla: *breit grins*

@ desirae: freut mich, dass es dir gefällt. n_n tja, welche Kräfte sie wohl noch hat ... Na ja ... braucht sie noch welche? Ich fürchte mit Selbstheilung und Telepathie hat sie auch so schon genug zu tun ...

@ shinyu: keine Sorge, ich schlag dich nicht. *g* Was soll ich sagen: Ja, Logan ist manchmal eben leider ein Trottel ... aber ich bin davon überzeugt, dass er irgendwo ganz tief in seinem Innern ein netter Kerl ist ... Bitte erwürg mich nicht, ja? Und vielen, vielen Dank für deine Unterstützung!


So, liebe Leute, jetzt geht es weiter mit der Geschichte. Ich wünsche euch auch weiterhin viel Spaß beim Lesen!
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Kapitel 12: To know you

Die Welt erstarrte.
Eine eisige Stille breitete sich aus, die selbst ihren rasenden Herzschlag und Logans schwere Atemzüge verschlang.
‚Nein.’
Sie konnte seinen Blick fühlen.
Seinen Blick, der starr auf ihre Hände gerichtet war. Auf die Adamantiumklingen, die zwischen ihren Knöcheln hervorgetreten waren.
Seinen Blick, der sie zu versengen schien.
Die Welt erstarrte nur für einen Bruchteil einer Sekunde, aber die Stille blieb, selbst als der Moment vorbei war.
‚Nein...’
Sie konnte fühlen, wie sie anfing zu zittern. Erst jetzt wurde ihr der Druck bewusst, der auf ihren Armen lastete. Erst jetzt drang das Brennen ihrer Unterarme zu ihr durch, der Schmerz der Wunden, die ihre eigenen Klingen in ihre Muskeln geschnitten hatten.
Ein leises Wimmern entkam ihren Lippen und als wäre das ein Zeichen gewesen, zog Logan plötzlich seine Krallen zurück, ehe er ein paar Schritte von ihr wegstolperte. Dabei ließ er ihre eigenen Klingen aber keinen Moment lang aus den Augen. Er schien Schwierigkeiten damit zu haben, einen klaren Gedanken zu fassen und auch die Anderen hatten sich noch nicht so weit gefasst, dass sie sich hätten rühren können.
Sie konnte ihre Blicke fühlen, ihre überraschten und teils entsetzten Gedanken drückten gegen ihre Sinne und erschwerten ihr das Atmen. Sie bemerkte kaum, wie sich die Klingen in ihr Fleisch zurückzogen oder wie ein wenig Blut an ihren Händen hinunter lief.
Sie wollte etwas sagen, wollte das Schweigen brechen, aber kein einziges Wort kam an ihre Lippen. Ihr Herz machte einen Sprung ehe es sich schmerzhaft verkrampfte und ihr Atem stockte, als sie sich der Situation endlich vollkommen bewusst wurde.
Sie war entdeckt worden.
Ihre Augen weiteten sich vor Schreck und das Zittern in ihren Gliedern wurde um ein Vielfaches stärker.
Sie war entdeckt worden. Ihr Geheimnis ... Sie hatte das nicht gewollt. Nicht so. Nicht vor Logan ...
Sie zuckte zusammen, als er dazu ansetzte etwas zu sagen und einen Schritt auf sie zu machte.
Nein. So hatte sie das nicht gewollt.
Cathy wich Logans Griff aus und flüchtete aus dem Gefahrenraum.

****


Logan stand noch immer wie versteinert da, selbst als das Mädchen schon längst verschwunden war.
Er konnte es einfach nicht fassen.
Dieses Mädchen ...
Da fuhr er an die neun Monate ziellos herum, auf der verzweifelten und vergeblichen Suche nach Antworten und dann ... und dann traf er ausgerechnet hier auf ein Mädchen, das... das auch...
Logan fuhr herum und erfasste Scott mit seinem Blick, ehe er ihn wütend anfunkelte.
„Warum hast du mir nichts davon gesagt?!“, fauchte er den Mann an, der nur wenige Schritte von ihm entfernt stand und nicht weniger verblüfft aussah, als Logan sich fühlte.
„Was...?“
„Du und der Professor haltet mir eine gottverdammte Standpauke darüber, wie wichtig Teamarbeit ist und dass ich die Fähigkeiten und Grenzen meiner Teamkollegen kennen sollte, aber ihr empfindet es nicht für wichtig mich DARÜBER aufzuklären?!!“
Sein Herz raste und er musste jegliche Selbstbeherrschung aufbringen, um Scott nicht in sein verdutztes Gesicht zu schlagen.
„Du ... Denkst du etwa ich hab was davon gewusst?!“, schrie Scott zurück, als er seine Fassung wiedergewann. Er schien Logan noch etwas ins Gesicht werfen zu wollen, fuhr sich dann aber in einer frustriert wirkenden Geste durch die Haare, bevor er sich auf dem Absatz umdrehte und mit schnellen Schritten den Gefahrenraum durchquerte, um Cathy hinterher zu eilen.
„Logan, beruhige dich. Gib Cathy ein bisschen Zeit und dann können wir über das Ganze reden.“, sagte Storm mit leiser und ruhiger Stimme, während sie näher kam und dann die Hand nach ihm ausstreckte, wie um sie ihm beruhigend auf die Schulter zu legen.
„Fass mich nicht an.“, zischte er, ehe auch er den Raum verließ, ohne einen Blick zurück zu werfen. Die Umgebung verschwamm vor seinen Augen und er konnte nicht wirklich sagen, wie er zurück in das Erdgeschoss fand. Er versuchte sich auf den Duft des Mädchens zu konzentrieren, aber ihre Duftmarke wollte ihm einfach nicht einfallen.
Er konnte es einfach nicht glauben.
Er wollte nicht glauben, dass es noch eine Person gab, die dasselbe Grauen wie er hatte durchstehen müssen. Er wollte nicht glauben, dass ein Mädchen, das kaum älter war als Rogue, diese Tortur hatte mitmachen müssen...
Aber andererseits...
Logan blieb kurz stehen in dem Versuch sich zu orientieren, aber es ging nicht.
Er konnte nicht glauben, dass es außer ihm noch jemanden gab, der diesen Alptraum durchlebt hatte, aber ... aber womöglich hatte das Mädchen Antworten auf die Fragen, die schon so lange auf seiner Seele brannten.

****


Er fand sie zusammengekauert unter einem der großen Bäume, welche die Lichtung umsäumten. Es hatte eine Weile gedauert, da sie ziemlich schnell aus dem Gebäude verschwunden war, aber schließlich war er einfach seinem Instinkt gefolgt.
„Cathy?“
Scott trat näher, als sie nicht auf seinen Ruf reagierte, und ließ sich neben ihr auf dem Boden nieder, bevor er ihr beruhigend den Arm um die Schultern legte. Es vergingen ein paar Minuten, in denen sie einfach schweigend so da saßen, ehe Scott sich leise räusperte.
„Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich sagen soll. Ich meine, das Ganze ist jetzt sehr ... nun ja, überraschend gekommen. Du sollst nicht denken, dass ich oder die Anderen dir böse sind, aber du hättest wenigstens dem Professor oder mir darüber Bescheid geben sollen. Ich meine ... Es hätte irgendetwas passieren können, Cathy. Ich meine, wahrscheinl...“, Scott hielt inne, als er bemerkte, dass sich Cathy noch immer nicht gerührt hatte.
„Hey, ist alles in Ordnung?“, fragte er leise, ehe er sanft ihr Kinn ergriff und ihr Gesicht zu sich drehte, um sie genauer ansehen zu können. Ihr leerer Blick begegnete dem seinen und ließ ihn leicht fluchen.
„Cathy?“ Er tätschelte leicht ihre Wange, um sie zu wecken, aber es schien nicht wirklich zu helfen. „Komm schon, das ist jetzt echt nicht der Augenblick, um sich hinter mentalen Barrieren zu verstecken...“
Er war sich sicher, dass sie ihn hören konnte, aber ebenso wusste er auch mit großer Sicherheit, dass sie mit aller Macht versuchte, ihn zu ignorieren. So wie alles um sich herum. Wieso sonst hätte sie sich hinter ihre Schilde zurückziehen sollen?
Scott runzelte die Stirn und überlegte krampfhaft, was er machen sollte, als sie immer noch nicht reagierte. Sollte er sie zur Schule tragen und die Sache dem Professor überlassen? Oder sollte er doch eher versuchen sie irgendwie wieder ins Bewusstsein zurück zu holen? Würde vielleicht eine Ohrfeige helfen?
Scott betrachtete seine Hände nachdenklich, aber noch bevor er dazu kam, eine endgültige Entscheidung zu treffen, ging ein leichter Ruck durch Cathys Körper. Kurz darauf schloss das Mädchen mit einem leisen Stöhnen die Augen, nur um dann das Gesicht in seinen Händen zu vergraben.
Cathy holte tief Luft, während sich langsam ein leichtes Pochen hinter ihrer Stirn ausbreitete. Sie hatte es versucht, sie hatte es wirklich versucht, aber es war ihr einfach nicht gelungen, diese Stimmen zu ignorieren.
„Scott, du solltest lernen leiser zu denken.“
War es denn wirklich zu viel verlangt? Sie hatte ein bisschen alleine sein wollen, hatte ihre Ruhe haben wollen. Sie hatte sich zurückgezogen, bis die Welt um sie herum verblasst war, hatte ihre schützenden Barrieren enger um sich geflochten. Sie war zurück gesunken in die kühlen Tiefen ihres Selbst.
Aber selbst dort war die Sorge, die Scott empfunden hatte, zu ihr durchgedrungen.
„Geht es jetzt wieder?“, fragte Scott, als Cathy die Hände sinken ließ und ihn kurz ansah. Dann wich sie seinem Blick wieder aus, nickte aber leicht als Antwort. Sie wusste nicht wirklich, was sie sagen sollte. Oder ob sie überhaupt etwas sagen sollte.
Es dauerte eine ganze Weile, bis sich einer der Beiden wieder rührte, aber dann lehnte sich Scott seufzend zurück und sah hinauf zu dem blauen Himmel, an dem hier und da ein paar Wolken zu sehen waren.
„Ich glaube wir sollten langsam zurück.“, sagte er schließlich, bevor er aufstand und Cathy die Hand reichte, um ihr aufzuhelfen. „Der Professor erwartet uns.“

****


„Sie haben davon gewusst!“
Der Professor sah mit einem leichten Stirnrunzeln von den Papieren auf seinem Schreibtisch auf, als Logan sein Büro stürmte. Eine Weile lang sagte er nichts, sondern begnügte sich damit, Logan fragend dabei zu betrachten, wie dieser unruhig auf und ab lief.
„Logan, ich kann dir versichern, dass ich bis vor wenigen Minuten keineswegs über Cathrines ... Vergangenheit Bescheid gewusst habe.“
„Ach nein?! Und was sollte dann das ganze Gerede von wegen, dass ein Verstand manchmal Dinge für sich selbst entdecken muss?“, fauchte Logan, nur um dann stehen zu bleiben und dem Professor einen wütenden Blick zuzuwerfen.
„Das war genau so gemeint, wie ich es gesagt habe und es hatte keineswegs etwas mit Cathy zu tun. Glaub mir Logan, wenn ich etwas gewusst hätte, dann hätte ich ein Gespräch zwischen euch beiden arrangiert.“
Logan schnaubte verächtlich und drehte Xavier dann den Rücken zu, als er sich zum Fenster wandte und somit auch seine vor Aufregung leicht zitternden Hände vor dem älteren Mann verbarg.
Tiefes Schweigen breitete sich zwischen den beiden aus und keiner der Beiden rührte sich. Einen kurzen Moment lang sah es so aus, als wolle der Professor noch etwas sagen, aber letzten Endes tat er es doch nicht - auch nicht als sich Logan schließlich das Büro wieder verließ.

****


Rauch.
Er hielt inne und blickte sich um, aber er konnte nichts sehen, was den Geruch hätte erklären können, der in der Luft lag. Der starke und beißende Geruch nach Rauch ...
Nach Rauch und nach verbranntem Fleisch.
Er schüttelte sich und konzentrierte sich wieder auf die Straße. Nicht mehr lang und er würde den Flughafen erreichen. Er hatte von Anfang an gewusst, dass es eine schlechte Idee gewesen war, nach New York zu kommen. Er konnte nicht sagen warum, er konnte auch nicht wirklich feststellen, was sein Herz so hämmern ließ, aber er wusste, dass er weg musste. Er musste fliehen.
Er konnte es fühlen, konnte fühlen, dass etwas ihn verfolgte.
Etwas, jemand.
Ein gewaltiger Schatten, der auf seiner Seele lastete.
Er musste weg.
Weit, weit weg.
Fernab der düsteren Gedanken, weg von dem ständigen Gefühl beobachtet zu werden. Das Gefühl, das ihn seit geraumer Zeit verfolgte und das ihn aus Kanada vertrieben hatte, aus der kleinen Hütte, in der er nach so langer Zeit ein klein wenig Frieden gefunden hatte.
Etwas verfolgte ihn, jagte ihn und weckte wieder die Fragen, die er vergessen geglaubt hatte. Fragen nach den verlorenen Jahren, Fragen nach seinem früheren Selbst.
Er schnaubte verächtlich und versuchte vergeblich diese Gedanken zu verdrängen. Nur noch ein kleines Stück ...
Der Flughafen.
Dunkler Rauch stieg von seinem Ziel empor. Der Geruch nach brennendem Kerosin und verbranntem Fleisch nahm ihm fast den Atem. Vielleicht wäre er stehen geblieben, wenn das Gefühl des Schattens in seinem Nacken nicht stärker geworden wäre.
Menschen.
Überall Menschen, die sich aufgeregt miteinander unterhielten.
Fast elektrisierende Spannung in der Luft und der Geruch von Angst.
Etwas war geschehen. Etwas Großes und Schreckliches.
Er wollte weiter, wollte fliehen, nach einem anderen Ausweg suchen. Aber er konnte nicht.
Etwas rief ihn.
Das Motorrad schon längst vergessen, fand er sich auf dem Flugplatz wieder, inmitten der Rettungskräfte, die bewusst wahrzunehmen er nicht imstande war. Sie verschwammen zu einem leisen Rauschen im Hintergrund, gesellten sich zu dem lauernden Schatten, zu dem vergessenen Namen, der ihn verfolgte.
Etwas rief ihn und er wusste, dass er nicht viel Zeit hatte, um dem Ruf zu folgen.
Seine Füße lenkten ihn weg von den Feuerwehrleuten, die verzweifelt nach Lebenden suchten. Er konnte hören wie das rauchende Wrack, das einmal ein Flugzeug gewesen sein mochte, stöhnte und ächzte. Er konnte den Tod riechen, der diesen Ort heimgesucht hatte.
Er wusste, dass es hier kein Leben mehr gab.
Und doch lockte ihn der Ruf, diese leise flüsternde Stimme, die sein Herz berührte.
Er blieb stehen und sein Blick fiel auf ein schwarzes Bündel, auf einen vom Feuer verzehrten menschlichen Körper. Etwas in ihm wollte bei dem Anblick aufschreien, sich vor Verzweiflung und Trauer zusammenziehen, aber er ignorierte es.
Ein kaum merklicher Ruck ging durch das menschliche Bündel und er konnte hören, wie sein Herz wieder zu schlagen anfing, ehe es die Augen aufriss und schluchzend nach Luft schnappte.
Einen Moment lang konnte er nur tatenlos zusehen, wie sich die verbrannten Züge des Kindes vor Schmerz verzogen, wie es sich vor Qual zu winden versuchte. Fast bis auf die Knochen verbranntes Fleisch fing wieder an zu bluten, Muskeln zuckten und bebten, bevor sich die Fasern langsam zu regenerieren schienen.
Ehe er sich versah griff er auch schon nach dem Mädchen und riss ihm mit aller Kraft die verbliebenen Stofffetzen, die mit der Haut verschmolzen waren, vom Leib.
Eine kleine Ewigkeit schien zu vergehen, ehe er das Mädchen hochheben konnte. Es wimmerte leise und wand sich in seinem Griff, aber er ließ es nicht los, sondern drückte es fast beschützend an sich, bis es sich ein wenig beruhigte.
Er hatte nicht viel Zeit, das wusste er. Er musste weg und das schnell, ehe der Schatten ihn einholte. Aber er konnte das Mädchen nicht einfach so zurücklassen. Er sah es an, musterte es so, wie es auch ihn aus müden und von Pein erfüllten Augen anblickte.
„Es wird alles gut, Kleines. Ich hab dich.“, murmelte er dem Kind leise und beruhigend zu. Ein weiterer Augenblick verging, aber dann schloss es tatsächlich die Augen und gab der Bewusstlosigkeit nach, die er in seinen Augen hatte lauern sehen.
Er atmete tief ein, wie um auch seinen eigenen Herzschlag zu beruhigen, versuchte den Duft des Mädchens in sich aufzunehmen, aber das Einzige, was ihm in die Nase stieg war der Geruch nach Rauch.
Nach Rauch und verbranntem Fleisch.

****


Endlich allein.
Cathy lehnte sich schwer seufzend gegen die geschlossene Tür der Bibliothek und schloss für einen kurzen Augenblick die Augen. Es war das erste Mal seit Wochen, dass sie von ganzem Herzen für sich allein sein wollte und sich aus diesem Zweck in der beruhigenden Atmosphäre der Bibliothek verkroch.
Sie hatte von der Früh bis zum späten Nachmittag zusammen mit Rogue und den anderen gelernt und das war auch wirklich gut gewesen, aber...
Sie hatte ihre Blicke gefühlt.
Die neugierigen Blicke, die vor Fragen förmlich zu brennen schienen. Aber ihre Freunde hatten nicht gefragt. Jeder an dieser Schule wusste, dass es Dinge gab, über die man nicht sprechen wollte. Auch wenn die Neugier einen nicht ruhen ließ, es war üblich darauf zu warten, bis die betroffene Person von selbst erzählte. Jeder hier hatte mit seinen eigenen Dämonen zu kämpfen.
Cathy stieß sich von der Tür ab und ging langsam auf die dunkelste Ecke der Bibliothek zu, wo sie schon so viel Zeit mit Lesen verbracht hatte. Sie ließ sich in die weichen Kissen der Couch fallen und zog ihre Beine an den Körper, ehe sie gedankenverloren zu den Fenstern starrte, durch welche die Strahlen der Spätnachmittagssonne ihren Weg in den Raum fanden.
Sie konnte den feinen Staub in der Luft sehen, konnte das Alter der vielen Bücher riechen, aber selbst das vermochte sie nicht von den Gedanken abzulenken, die sie quälen wollten.
Das Gespräch mit dem Professor war nicht angenehm gewesen.
Es stimmte schon, dass das Gespräch bereits zwei Tage her war, aber das machte die Tatsache, dass sie sich noch immer so fühlte, als wäre es erst wenige Stunden her, nicht weniger real.
Der Weg zurück zum Haus hatte nicht besonders lange gedauert, aber bereits da hatte sie sich gefühlt wie eine Gefangene, die man zu ihrem Richter brachte. Scotts Anwesenheit hatte zwar sehr beruhigend auf sie gewirkt, aber ... Die ganze Situation war einfach unglaublich unangenehm gewesen.
Schon als sie das Büro des Professors betreten hatten war die Atmosphäre in dem Raum mehr als angespannt gewesen. Sie hatte fühlen können, dass ein Teil dieser Spannung in der Luft noch von Logan stammte, aber das hatte den Blick, mit dem der Professor sie gemessen hatte, nicht weniger ernst gemacht.
Cathy schüttelte den Kopf. Sie wollte nicht an dieses Gespräch denken. Nicht wirklich. Sie hatte sich gefühlt wie ein Kind, das seinen Großvater unglaublich enttäuscht hatte. Es war nicht wirklich erbauend gewesen, auch wenn Xavier Verständnis dafür gezeigt hatte, dass sie über ihre Vergangenheit nicht hatte sprechen wollen.
Immerhin ... Viele derer, die ihren Weg zu dieser Schule fanden, wollten nichts lieber, als die Vergangenheit zu vergessen.
Cathy seufzte und vergrub das Gesicht in ihren Armen. Sie wollte sich das, was sie bei dem Gespräch empfunden hatte, wirklich nicht in Erinnerung rufen. Sie hatte in den letzten zwei Tagen viel zu viel Zeit dafür verbraucht, um das Gefühl zu verdrängen.
Dafür und um den Blicken einer bestimmten Person zu entkommen.
Am Freitag hatte sie noch ihre Ruhe gehabt, aber dann ... Sie hatte ihr Bestmöglichstes getan, um Logan aus dem Weg zu gehen, aber selbst heute in den Stunden, die sie mit ihren Freunden verbracht hatte, hatte sie seine Blicke auf sich gefühlt, auch wenn er selbst sich ihren Augen entzogen hatte.
Hätte sie am Anfang fast alles dafür getan, um seine Aufmerksamkeit auch nur für einen kleinen Moment für sich zu gewinnen, so war sie ihr jetzt mehr als unangenehm. Kaum ein Augenblick verging, in dem sie nicht seine Anwesenheit spürte, die Blicke, die sie zu durchbohren schienen.
Blicke, die...
Cathy sah so plötzlich hoch, als hätte sie etwas gestochen.
Logan stand nur wenige Schritte von ihr entfernt an eines der Bücherregale gelehnt und musterte sie nachdenklich. Kein Wort kam über ihrer beider Lippen, während sich ihre Blicke kurz trafen.
Der Augenblick verging.
Cathy löste ihren Blick von dem Seinen und ließ ihn durch den Raum schweifen, bevor er auf ihren Händen zu ruhen kam. Sie konnte sich nicht so recht entscheiden, was sie tun sollte. Sollte sie wieder fliehen, ihm ausweichen?
„Hi.“ Seine Stimme klang rau und da war etwas, das in ihr mitschwang, das Cathy nicht wirklich einordnen konnte. Oder wollte.
„Hi.“, erwiderte sie leise, ohne ihn jedoch anzusehen.
Sie konnte fühlen, wie er näher trat, wie seine Anwesenheit endgültig den Raum erfüllte. Etwas lag in der Luft, etwas das sie nicht greifen konnte, aber ein leichtes Ziehen in ihrem Bauch verursachte. Sie unterdrückte mit aller Macht das leichte Zittern, welches von ihren Gliedern Besitz ergreifen wollte. Ihr Herz machte einen kleinen Sprung, ehe es schneller weiter schlug.
Sie wollte seine Anwesenheit, seine Nähe nicht.
Alles in ihr sträubte sich dagegen, aber gleichzeitig ... Gleichzeitig schien etwas anderes in ihr es in vollen Zügen zu genießen. Ein kalter Schauer jagte ihren Rücken hinunter, aber er war nicht unangenehm, sondern...
Sie leckte sich unbewusst über die plötzlich trockenen Lippen, ehe sie wieder aufsah. Seine dunklen Augen bohrten sich in die Ihren, während er einen weiteren Schritt auf sie zu machte. Seine Hände waren in den Hosentaschen vergraben und doch strahlte er auf einer anderen Ebene eine Gefahr, eine Aggressivität aus, die Cathy unbewusst den Kopf ein wenig nach hinten neigen ließ, wobei sie ihren Hals in einer fast unterwürfigen Geste entblößte.
Als wäre das ein Zeichen gewesen, blieb Logan stehen, kaum noch einen Schritt von ihr entfernt, aber selbst da konnte sie schon seine Körperwärme fühlen, so als würde er direkt neben ihr sitzen.
„Ich möchte mit dir reden.“
Seine Stimme schnitt wie ein Messer durch die angespannte Stille und ließ Cathy ganz leicht aufatmen, bis ihr die Bedeutung seiner Worte wirklich bewusst wurde.
Reden...
„Worüber?“
Die Wärme, die ganz kurz in seinen Augen zu sehen gewesen war, verschwand mit einem Schlag und seine Miene verfinsterte sich.
„Du weißt ganz genau, worüber.“, knurrte er, nur um den kleinen Abstand zwischen ihnen zu überwinden und sich fast bedrohlich über sie zu beugen.
Cathy runzelte die Stirn. Gut, sie hatte es geahnt, aber sie konnte beim besten Willen nicht sagen, warum sie die Worte, die sie im Grunde ja erwartet hatte und vor denen sie geflüchtet war, ihr so einen Stich versetzten.
Nein.
Sie war nicht ehrlich mit sich selbst.
Sie wusste warum seine Worte ihr so einen Stich versetzten und ihr fast Tränen in die Augen trieben. Natürlich wusste sie es. Aber dadurch wurde die Tatsache, dass Logan sie erst jetzt, da er um ihr Geheimnis wusste und sich Antworten von ihr erhoffte, wahrnahm, nicht weniger schmerzhaft.
„Ich wüsste nicht, was wir zu besprechen hätten.“, zischte sie zurück und schob ihn ein wenig von sich, während sie sich langsam von ihrem Platz auf der Couch erhob. Dabei ließ sie ihn aber keinen Moment lang aus den Augen. Auch wenn etwas in ihr am Liebsten zurückgewichen wäre, sah sie ihm noch einen ganzen Moment lang stur und wütend in die Augen, bevor sie sich von ihm abwandte.
Sie wollte gehen, wollte sich seinen Blicken entziehen.
Im ersten Augenblick dachte sie, dass er sie ziehen lassen würde, aber dann schloss sich seine Rechte in einem eisernen Griff um ihren Arm, ehe er sie wieder zu sich umdrehte.
„Ich will Antworten.“
Sein Gesicht war nur wenige Zentimeter von dem ihren entfernt. Sie konnte seinen Atem auf ihrer Haut fühlen, konnte seinen Duft riechen, der sonst immer eine so beruhigende Wirkung auf sie hatte. Er war nah ... So nah, und doch so unglaublich fern ... So...
Ihr wurde erst bewusst, was sie getan hatte, als das klatschende Geräusch durch die immer dunkler werdende Bibliothek hallte. Logans Griff um ihren Arm lockerte sich, aber im ersten Augenblick konnte sie nur fast ungläubig auf ihre erhobene Hand starren, die einen erst langsam wieder schwindenden Abdruck auf Logans Wange hinterlassen hatte.
Dann riss sie sich endgültig von ihm los und verließ die Bibliothek, ohne einen Blick zurück zu werfen.

****


Fünf Minuten.
Logan warf einen ungeduldigen Blick auf die Uhr, bevor er seine Aufmerksamkeit wieder dem Professor zuwandte, der seelenruhig hinter seinem Schreibtisch saß und anscheinend nichts Besseres zu tun hatte, als Logan dabei zuzusehen, wie er unruhig auf und ab lief.
Logan schnaubte verächtlich und ging wieder zum Fenster zurück, um einen flüchtigen Blick hinaus zu werfen. Wie um ihn zu verhöhnen, schien draußen die Sonne und er konnte einige der Schüler sehen, die vergnügt den sommerlichen Nachmittag im Freien verbrachten.
Fünf Minuten nach zwei und das Mädchen war immer noch nicht aufgetaucht.
Wenn er ehrlich war, so wusste er nicht wirklich, was er hier tat. Natürlich plagten ihn die unzähligen Fragen, aber er wusste ebenso wenig, wie er an die Sache herangehen sollte, vor allem nicht nachdem er das Mädchen in der Bibliothek aufgesucht hatte. Er hatte abgewartet, es beobachtet, aber nichts an seinen Handlungen, an seinen Bewegungen hatte auf das hingewiesen, was sich im Körper des Mädchens verbarg. Nichts an seinem Gemüt, an seinem Umgang mit den Anderen zeigte auf, dass es mit derselben Bürde zu kämpfen hatte, wie er selbst.
Nichts, außer dem leicht metallischen Unterton in seinem Duft.
Und das machte Logan fast wahnsinnig.
Das leise Geräusch von Schritten riss ihn aus seinen Gedanken und ließ ihn herumfahren, bevor sacht an die Bürotür geklopft und diese dann langsam geöffnet wurde.
„Sie wollten mich sprechen, Professor?“
Das Mädchen betrat fast zögerlich den Raum, hielt dann aber mitten in der Bewegung inne, als es Logan erblickte. Das zaghafte Lächeln verschwand von den jungen Zügen und machte einem Ausdruck von Frustration Platz, welchen das Mädchen aber geschickt verbarg, kaum dass es sich wieder dem Professor zuwandte.
„Cathy.“ Xavier nickte dem Mädchen zu. „Setz dich bitte.“, sagte er mit einem freundlichen Lächeln, ehe er Logan deutete dasselbe zu tun.
Logan warf dem Mädchen ... Cathy ... einen flüchtigen Blick zu, den sie jedoch nicht erwiderte.
„Nun, zu deiner Frage: Nein, eigentlich wollte nicht ich dich sprechen, sondern Logan. Ich habe mir lediglich erlaubt das Treffen zu arrangieren. Ich denke, dass ihr einiges zu besprechen habt, nach dem was im Gefahrenraum passiert ist.“
„Ich habe Logan bereits gestern gesagt, dass ich nicht wirklich weiß, was wir zu bereden hätten.“, sagte Cathy und runzelte leicht verärgert die Stirn.
„Du...“, fuhr Logan auf, wurde aber durch einen ernsten Blick des Professors zum Schweigen gebracht.
„Cathy, du musst wissen, dass sich Logan nicht an seine Vergangenheit erinnern kann. Alles, was mehr als fünfzehn Jahre zurückliegt ... Nun, sein Geist scheint bei dem Prozess der Adamantiumanreichung so stark traumatisiert worden zu sein, dass er zusammen mit diesem schrecklichen Erlebnis auch alles andere verdrängt und tief vergraben hat. Aus diesem Grund ist er seit langem auf der Suche nach Antworten, die du ihm möglicher Weise geben könntest. Ich habe dich hierher gebeten, damit es zu einer Aussprache zwischen euch kommen kann. Ich kann verstehen, dass du mit uns nicht über deine Vergangenheit sprechen wolltest, aber womöglich...“ Der Professor verstummte plötzlich und musterte das Mädchen eingehend.
Cathy presste die Lippen zu einer dünnen Linie zusammen, ehe sie den Blick vom Professor abwandte. Dunkle Strähnen fielen ihr dabei ins Gesicht und warfen einen Schatten auf ihre Augen, sodass keiner der Beiden den Ausdruck in ihnen lesen konnte.
Einen Moment lang herrschte eine bedrückende Stille.
Logan wollte etwas sagen, irgendetwas tun, um dieses Schweigen zu brechen, aber er konnte nicht. Er konnte nur zusehen, wie sich Cathys Hände zu Fäusten ballten, bis die Knöchel weiß hervor traten.
„Cathy... Kannst DU dich erinnern?“

****


Wie konnten sie es wagen?
Cathy presste die Knöchel gegen ihre Lippen, um einen Schrei zu unterdrücken. Ihr Herz raste und ihr Atem ging stoßweise, so als wäre sie kilometerweit gelaufen.
Wie konnte der Professor sie zu einem Gespräch mit Logan locken und ... und von ihr verlangen, dass sie ihre Vergangenheit vor ihm ausbreitete? Wie konnte er von ihr das verlangen, was von niemand anderem verlangt wurde?
Nur weil auch ihre Knochen mit Adamantium umhüllt waren?
Hatte sie etwa deswegen kein Recht darauf, Vergangenes vergangen sein zu lassen? Hatte sie kein Recht darauf, ihre Geheimnisse für sich zu behalten?
Konnte sie sich erinnern?
Konnte sie sich an diese Qual erinnern? An die Tortur und an den Schmerz?
Sie wollte es nicht.
Sie wollte nicht wieder von den Träumen verfolgt werden, von Erinnerungen die nicht die ihren waren.

****


Rauch.
Er blinzelte verwirrt und warf einen Blick zurück. zurück in die Richtung, aus der er gekommen war. Da war Rauch, Rauch der langsam aber beständig von dem Flugzeugwrack gen Himmel stieg und die Luft verpestete.
Er drückte gegen seine Sinne und verdrängte alles andere was vielleicht von Bedeutung gewesen wäre.
Er musste weg. Er musste...
Das verbrannte Kind in seinen Armen rührte sich und lenkte somit seine Aufmerksamkeit auf sich. Er brauchte einen Moment, um sich daran zu erinnern, wie es dorthin gekommen war.
Der Ruf...
Er war dem Ruf gefolgt, hatte sich locken lassen, hatte für einen kurzen Augenblick den drohenden Schatten verdrängt, der ihn verfolgte.
Er schüttelte langsam den Kopf, um die Benommenheit, die von ihm Besitz ergriffen hatte, abzuschütteln. Er durfte sich nicht ablenken lassen. Er musste sich um das Kind kümmern, bevor er weiter ziehen konnte. Er musste sich um das Kind kümmern, das womöglich nicht einmal die nächste Stunde überleben würde.
Etwas in seinem Innern zog sich bei dem Gedanken zusammen, aber er ignorierte es. Er hatte keine Zeit dafür.
Er ging los ohne wirklich darauf zu achten, wohin er ging.
Es mochten nur wenige Minuten vergangen sein, als er endlich auf die Rettungskräfte traf, aber es hätte ebenso gut eine Ewigkeit sein können. Einen ganzen Moment noch haftete sein Blick auf den verbrannten Zügen des Mädchens, ehe er aufsah und es fast widerwillig den Männern und Frauen übergab, die herbei geilt waren.
Ein letzter Blick, ein wortloser Abschied.
Dann wandte er sich ab. Wandte sich ab, um zu fliehen und nie wieder zurück zu blicken.

****


Sie hatte nicht geschlafen.
Irgendetwas hatte sie nicht ruhen lassen, egal wie sehr sie es auch versucht hatte, und hatte sie nun auch die zweite Nacht wach gehalten. Sie konnte es sich einfach nicht erklären ... Und dass es vielleicht etwas mit dem Gespräch zu tun hatte, zu dem Logan und Xavier sie hatten zwingen wollen und bei dem sie beharrlich geschwiegen hatte, wollte sie sich einfach nicht eingestehen. Sie wollte nicht darüber nachdenken...
Cathy fuhr sich müde über die Augen und versuchte sich wieder auf die beschrifteten Seiten des Heftes zu konzentrieren, das vor ihr auf dem Tisch lag. Sie konnte hören, wie Rogue und Bobby sich leise berieten, aber wenn sie ehrlich war, dann war sie einfach viel zu müde, um ihren Worten zu lauschen. Vermutlich hatte es etwas mit dem Lernstoff zu tun...
Sie seufzte leise und schloss die Augen, bevor sie die Arme auf dem Tisch verschränkte und den Kopf dann in ihnen vergrub. Sie wusste, dass sie nicht mehr allzu viel Zeit zum Lernen hatten, aber sie konnte jetzt einfach nicht über den Lernstoff nachdenken. Dafür ging ihr einfach viel zu viel durch den Kopf, ständig gingen ihre Gedanken ihrer eigenen Wege und sie erwischte sich mehr als einmal dabei, wie sie an Logan dachte und an die nicht geführte Unterhaltung.
Aber sie wollte nicht über Logan nachdenken...
Cathy schrak hoch und riss die Augen auf, als sie plötzlich Schritte hörte.
Ihr Nacken schmerzte und das Licht im Aufenthaltsraum war schwächer als es noch vor wenigen Augenblicken gewesen war ... Vor wenigen Augenblicken...
Cathy stutzte und ließ ihren Blick prüfend durch den Raum schweifen, aber sie war tatsächlich alleine.
War sie etwa eingeschlafen? Sie hatte doch nur für einen kurzen Augenblick die Augen geschlossen... Und warum hatten die Anderen sie dann nicht geweckt, als sie gegangen waren?
Cathys Herz machte einen Sprung und ein eisiger Schauer lief plötzlich ihren Rücken hinunter, als ein bedrückendes Gefühl von ihr Besitz ergriff.
Da war Irgendetwas ... Es lag in der Luft, so stark, dass sie es beinahe riechen, fast schmecken konnte. Es drückte gegen ihre Sinne und ließ ihren Atem stocken.
Ihre Augen zuckten nervös zu einer dunklen Ecke des Raumes, auch wenn sie wusste, dass sie dort nichts entdecken würde. Dennoch, irgendwie erschienen ihr die Schatten, die dort lauerten, viel zu dunkel...
Die Stille in dem Raum war fast greifbar, ebenso wie auch die Angst, die sie auf einmal beschlich. Sie konnte es sich nicht erklären, dieses Gefühl, diese leise Ahnung und doch war es da und wurde mit jeder verstreichenden Sekunde stärker.
Da war etwas...
Flüstern.
Kalter Schweiß trat auf ihre Stirn, als sie das wortlose Flüstern an ihrem Ohr fühlte. Es war leise, kaum hörbar und doch war es da. Sie konnte fast spüren, wie unsichtbare Finger ihre Arme entlang strichen, wie sich ein fremder Körper an den ihren schmiegte und...
Cathy schrak hoch und riss die Augen auf, als sie auf einmal die Schritte hörte.
Ihr Nacken schmerzte und das Licht im Aufenthaltsraum war schwächer als es noch vor wenigen Augenblicken gewesen war...
Sie blinzelte verwirrt, als sie ein unglaubliches Gefühl von Déja vu beschlich. Sie richtete sich etwas weiter auf und ließ ihren Blick durch den Raum streifen, während sie sich gedankenverloren mit der Hand über die Stirn fuhr.
Sie war alleine.
Rogue und Bobby waren nicht da und auch sonst war niemand in dem Aufenthaltsraum zu sehen. Sie war alleine und...
Das Geräusch der schweren Schritte drang wieder in ihr Bewusstsein und lenkte ihre Aufmerksamkeit zur Tür, die offen stand und einen Blick hinaus auf den Gang gewährte. Und auf Logan, der soeben an der Tür erschienen war.
Ihre Blicke trafen sich für einen kurzen Moment, ehe sie den ihren wieder von ihm abwandte. Sie war ihm erfolgreich ausgewichen in den letzten zwei Tagen, warum also musste er ausgerechnet hier und jetzt auftauchen, wo sie ihm nicht so einfach entkommen konnte? Sie konnte die Fragen in seinen Augen regelrecht fühlen, Fragen, die sie zu versengen schienen.
Sie seufzte leise, als er in den Raum trat. Sie konnte hören wie er näher kam, aber sie weigerte sich einfach, ihn anzusehen.
Sie hatte ihm nichts zu sagen.
„Hi.“
Cathy zuckte sichtbar zusammen, als er so nah hinter ihr stehen blieb, dass sie seine Körperwärme fühlen konnte. So nah, dass seine Stimme an ihrem Ohr so klang, wie ein körperloses Flüstern...
„Ganz allein?“
Sie schwieg, aber das hinderte ihn nicht daran, an ihre Seite zu treten und ihr die Hand auf die Schulter zu legen. Erst langsam wandte sie ihren Kopf in seine Richtung, um erneut seinen forschenden Blick mit ihrem müden zu erwidern.
„Was willst du, Logan?“
„Antworten.“
Cathy seufzte leise und ließ ihren Kopf ein wenig hängen, während sie die Handballen gegen ihre Stirn drückte, wie um die Kopfschmerzen zu vertreiben, die sich langsam hinter dieser ausbreiteten. Dabei versuchte sie Logans Hand auf ihrer Schulter zu ignorieren, selbst als diese sich schleichend in Richtung ihres Halses bewegte, auch wenn sich dabei ihr ganzer Körper versteifte.
„Die habe ich nicht.“
Cathy schob den Sessel zurück, stand auf und schüttelte seine Hand ab, bevor diese ihren Hals erreicht hätte. Sie wusste nicht wieso, vermutlich lag es an diesem komischen Gefühl, das sie vorhin berührt hatte, aber seine Anwesenheit löste auf einmal eine leise Angst in ihr aus. Es lag nicht an seiner Stimme, nicht an seiner Körperhaltung, aber irgendetwas war einfach...
Sie schluckte schwer und wandte ihm den Rücken zu, auch wenn all ihre Instinkte dabei aufschrieen und ihr zu sagen versuchten, dass sie das nicht tun sollte. Aber sie konnte Logan einfach nicht ansehen.
„Lüg mich nicht an.“
Die Atmosphäre im Raum änderte sich schlagartig, das konnte sie mit jeder Faser ihres Körpers fühlen. War Logan bis vor einem Moment noch entspannt gewesen, so strahlte er nun wieder eine Aggressivität aus, die Cathy sogar riechen konnte. Es lag in der Luft, es...
Er stand direkt hinter ihr, nur wenige Millimeter trennten ihren Rücken von seinem Brustkorb, und seine Hände schlossen sich um ihre Schultern, wie um zu verhindern, dass sie wieder weglief. Seine Nase berührte sacht ihren Hals, als Logan an ihm schnüffelte, kurz bevor sein Griff schmerzhaft wurde.
„Ich kann sie an dir riechen, die Lügen. Versuch nicht, mir etwas vorzumachen.“, zischte er, aber seine Worte drangen kaum an ihre Ohren. Sie konnte seinen warmen Atem an ihrem Hals fühlen, seinen Herzschlag spüren und ... Ein leichtes Zittern ergriff von ihr Besitz und ein kalter Schauer jagte ihren Rücken hinunter, während sie mit aller Macht versuchte, seine Gedanken zu ignorieren, die gegen ihr Bewusstsein drückten.
Warum war er nur so nah? Warum konnte er sie nicht einfach in Ruhe lassen?
„Ich kann dir nichts sagen.“
Ihr Atem stockte, als sich seine Fingerkuppen in ihre Schultern bohrten, kurz bevor er sie zu sich umdrehte und gegen die Wand stieß. Sein intensiver Blick bohrte sich wieder in den ihren, so als würde er versuchen, die Antworten von ihren Augen abzulesen.
„Du weißt irgendetwas. Du musst einfach was wissen.“
Seine dunkelbraunen Augen schienen unter einem inneren Feuer zu glühen, schienen in einem fiebrigen Glanz zu schimmern, so als würden die Fragen, die ihn plagten, auch ihm den Schlaf rauben. Aber da war noch etwas anderes...
Nicht einmal ein weiterer, schmerzhafter Stoß gegen die Wand vermochte es, ihren Blick von dem seinen zu lösen. Da war etwas... Ein unangenehmer Druck breitete sich hinter ihrer Stirn aus und dann...
Schmerz.
Nein, das wollte sie nicht sehen. Sie versuchte die Augen zu schließen, versuchte ihren Kopf wenigstens ein bisschen zur Seite zu wenden, aber es ging nicht. Logans Geist war zu dem ihren durchgebrochen, ohne dass sie irgendetwas dagegen hätte tun können.
Stimmen. So viele unbekannte Stimmen. Lachen, das ihm das Blut in den Adern gefrieren ließ.
„Hör auf damit.“, flehte sie, aber er schien ihre Worte nicht einmal zu hören. Stattdessen packte er sie am Hals, nur um leicht zuzudrücken. Sein hektischer Atem strich über ihr Gesicht und ließ sie erneut erschaudern. „Bitte.“, flüsterte sie und versuchte die Tränen zu unterdrücken, die ihr in die Augen steigen wollten. „Ich kann n...“
Sie verstummte, als Logan plötzlich den Griff um ihren Hals lockerte und noch näher zu ihr rückte, bis er sie schließlich mit seinem Körper gegen die Wand drängte.
„Komm schon.“ Logans Stimme war leise, schmeichelnd und...
Cathy konnte nur einen Punkt hinter Logan anstarren, als dieser seinen Kopf zu ihrem Hals neigte und die Worte an ihre Haut hauchte, bevor sich ihre Augen von selbst schlossen. Er war viel, viel zu nah...
Sie konnte fühlen, wie seine Finger fast sacht über ihre Kehle strichen, über dieselbe Stelle, an der sich bis vor weniger Augenblicken noch die roten Abrücke befunden hatten, die sie dort hinterlassen hatten.
„Was muss ich tun, damit du mir hilfst?“, die Worte kitzelten ihre Sinne, benebelten ihren Geist. Logans Stimme war leise, schmeichelnd und doch ... Die Aggressivität war kein bisschen aus ihr gewichen. Ein leises Wimmern entkam Cathys Lippen und ließen Logans Finger inne halten. Ihr Atem ging stoßweise und ihr war schwindelig.
„Was soll ich...?“ Logan brach mitten im Wort ab, nur um kurz darauf spöttisch aufzulachen. Cathy riss die Augen auf, nur um zu sehen, wie sich ein dreckiges Grinsen auf seinen Zügen ausbreitete. Auf seinem Gesicht, das dem ihren so nah war, dass sich ihre Nasen beinahe berührten.
Sein Blick jagte ihr einen eisigen Schauer über den Rücken und ließ sie erstarren. Ihre Augen weiteten sich vor Unglauben und Entsetzen, was ihn aber nur noch mehr zu amüsieren schien.
„Was denn? Hast du gedacht ich würde es nicht merken?“
Das Zittern in ihrem Körper wurde stärker, vor allem als Logans Finger wieder über ihren Hals strichen, während seine andere Hand langsam an Cathys Seite hinunter wanderte.
Cathys Herz zog sich schmerzhaft zusammen und sie konnte fühlen, wie ihr nun doch Tränen die Wangen hinunter liefen. Das konnte einfach nicht passieren! Nicht so, nicht...
Sie wusste nicht, woher sie die Kraft nahm. Sie hatte noch nicht einmal bewusst den Gedanken dazu gefasst. Erst als sie wieder Luft zum Atmen hatte, sah sie zu Logan, der sich mit vor Schmerz verzerrtem Gesicht die Seite hielt, die sie mit ihren Klingen aufgerissen hatte, bevor sie ihn von sich gestoßen hatte.
„Du willst Antworten?!“, schrie sie ihn an, während sie verzweifelt versuchte, die Tränen zu stoppen, die einfach nicht aufhören wollten, ihren Blick zu verschleiern.
„Ich soll dir was erzählen?“ Ihre Stimme war fast am Brechen, so wie ihr Herz am Zerreißen war, aber das hielt sie nicht davon ab, weiter zu sprechen.
„Kannst du dich an das Mädchen erinnern? Das Mädchen vom Flughafen?“ Sie spürte seinen verwirrten Blick mehr als sie ihn tatsächlich sah. „Das Mädchen aus deinen Träumen? Das du inmitten all der Toten gefunden hast?“ Ihre Stimme war nicht mehr als ein Flüstern, aber sie wusste ganz genau, dass er jedes einzelne Wort verstand.
„Du willst etwas über mich wissen? Etwas über meine Vergangenheit?“ Cathy lächelte humorlos und wischte sich mit einer wütenden Bewegung die Tränen aus den Augen.
„Das Mädchen auf dem Flughafen war ich! Wegen dir haben sie mich gefunden! Du bist der Grund dafür, dass mir das hier angetan wurde! Weil du es warst, der mich gefunden hat und weil ich das Pech hatte, dieselben Kräfte zu haben wie du!“
Sie stockte, versuchte ihre Gefühle wieder unter Kontrolle zu bringen, die Erinnerungen ihres anderen Ichs wieder zu verdrängen, aber es ging nicht.
„Du meinst ich hätte Antworten für dich? Du meinst zu wissen, wie ich für dich empfinde?!“ Ihre Stimme nahm einen gefährlichen Unterton an.
„Ich wünschte ich wäre an dem Tag gestorben.“
Ein Flüstern, mehr nicht, bevor sie sich auf dem Absatz umdrehte und aus dem Zimmer floh. Sie konnte seinen Anblick einfach nicht mehr ertragen.



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*davon renn und sich irgendwo im tiefsten Dunkel versteck* Bitte, bitte nicht schlagen, ja?
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