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Wenn Wünsche wahr werden

GeschichteDrama / P18 / Gen
OC (Own Character) Wolverine / James "Logan" Howlett
12.12.2006
18.04.2021
37
200.072
3
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Dieses Kapitel
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12.12.2006 7.622
 
Wow! Jetzt waren es nur zwei Wochen. n_n Ich weiß, ich brauch immer so lang und es tut mir auch wirklich Leid, vor allem wenn ich euch mit solchen Cliffies hängen lasse. *böse lach* Nein, wirklich, ich gebe mir Mühe.
So. Ich weiß, dass sich viele von euch v.a. seit dem letzten Kapitel denken "Oh mein Gott, ist Logan ein Arsch", aber ich hab so meine Gründe, warum ich das Ganze so geschehen lasse wie ich es nun einmal tue. Und nein, das liegt keineswegs daran, dass ich Logan nicht leiden würde, ganz im Gegenteil, er ist einer meiner Lieblingscharaktere ...

@ Kyrilla: Danke. n_n Ich weiß zwar von mir selbst, dass ich bei Geschichten, bei denen ich reviewe auch die anderen Kommentare lese, wie das aber andere handhaben ...

@ Icy-Chan: *räusper* Äh ... Ja, shinyu hat mich auch gefragt, ob ich sie noch alle beisammen hab, als ich ihr von dieser geplanten Szene erzählt habe ... n_n Und was die restlichen Punkte angeht... Nun, lies einfach das neue Kapitel ...

@ iko: Danke, danke. Ja, Cathy tut mir auch immer mehr Leid, ich musste die Zähne schon sehr zusammenbeißen, als ich das letzte Kapitel geschrieben habe ... hmm ... Und ja, Scott sollte in Zukunft von solchen Ideen ablassen, was die Simulationen betrifft. Na ja, ich meine, für eine erste Trainingseinheit war das etwas heftig. Aber er hat das ja schließlich nicht alleine entschieden. Wie schon mal gesagt: Die Wege des Professors sind unergründlich ...

@ lala: *g* Jetzt und hoffentlich bald wieder.

@ shinyu: Danke, danke, danke für deine Unterstützung! Und ja, Logan benimmt sich nicht korrekt und so, aber er ist meiner Meinung nach eben total fixiert auf Jean. Du kennst meine Meinung dazu. Soooo ... Was deine Frage bei dem neuen Kapitel angeht: Ja, für diese eine Beschreibung von Logan habe ich mich von dem Interview inspirieren lassen, das hast du ganz richtig erkannt. n_n *drück*

So, und nun wünsche ich euch allen viel Spaß beim Weiterlesen!


Kapitel 11: Erkenntnisse

Blut.
Cathy blinzelte einen Moment lang verwirrt, während sie wie gebannt auf den Boden starrte, der nur wenige Zentimeter von ihrem Gesicht entfernt war. Auf den Boden, auf dem sie auf allen Vieren kniete. Aber wie war sie da gelandet? War sie nicht bis vor kurzem gestanden?
Hinter ihrer Stirn brodelte es und das einzige Geräusch, das sie wahrzunehmen imstande war, war das Rauschen des Blutes in ihren Ohren.
Ja, bis vor wenigen Augenblicken hatte sie gestanden. Sie hatte hinter Jean gestanden, die sie beschützt hatte. Sie waren kurz vor ihrem Ziel gewesen, sie hatten die Übung fast hinter sich gebracht. Und dann ...
Das dunkle Rot vor ihren Augen breitete sich langsam aus, aber sie konnte sich nicht darauf konzentrieren. Da war noch etwas gewesen ... Etwas Wichtiges...
Der Sentinel.
Ja, da war noch ein Sentinel gewesen, der sie angegriffen hatte, aber der Angriff war abgewehrt worden und Storm hatte doch den Mutantenjäger vernichtet...
Ihr Körper fing an zu zittern und ihr brach kalter Schweiß aus, der ihre Stirn benetzte und langsam ihren Rücken hinunter rann, während leichte Übelkeit in ihr hochzusteigen begann.
Der Sentinel ... Ein Stück Metall hatte sich bei der Explosion von seinem Kopf gelöst und war direkt auf Jean und sie zu geflogen. Aber Jean hatte es abgewehrt. Cathy hatte doch gefühlt, wie sich die Schilde wieder genug aufgebaut hatten. Wie Jean das Stück Metall mit ihrem Geist ergriffen hatte und wie...
Ihr Atem stockte und sie wehrte die Dunkelheit ab, die sie zu sich ziehen wollte.
Ihr Herz setzte für einen kleinen Moment aus, als ihr wieder bewusst wurde, dass Jean die Gefahr zwar hätte abwenden können, es aber doch nicht geschafft hatte, weil ihre Konzentration gebrochen worden war. Jeans Konzentration war durch Logan gebrochen worden, der Jean zu Boden gerissen hatte.
Durch Logan, der nur Jean in Gefahr gesehen hatte.
Blut.
Cathy blinzelte erneut.
Es konnten nur wenige Sekunden vergangen sein. Was machte sie denn nur auf dem Boden? Auf allen Vieren kniend? Mit ...
Ihre Augen weiteten sich vor Entsetzen, als ihr der Geruch ihres eigenen Blutes in die Nase stieg, als sich ihr Blick ein wenig klärte und sie das erste Mal die Blutlake bewusst wahrnahm, in der sie kniete und die langsam aber stetig größer wurde. Als sie das Stück Metall sah, das in ihrer Seite steckte.
Es dauerte einen weiteren, kleinen Moment, in dem sich alles in ihr zusammenzog, ehe der erste Schock von ihr abließ und die Information ihr Gehirn erreichte.
Ein gepeinigter, von tiefem Schmerz erfüllter Schrei zerriss die Stille, die den Gefahrenraum erfüllt hatte.

****


Scott hatte es nicht kommen sehen.
Zuerst war er vor Entsetzen fast erstarrt gewesen, als er das Stück Metall gesehen hatte, das direkt auf Jean und Cathy zuschoss. Dann waren seine Finger automatisch zu seinem Visier gezuckt, um die Gefahr abzuwenden, aber er hatte letzten Endes doch inne gehalten, weil er gemerkt hatte, wie Jean das Metall mit ihrem Geist ergriffen hatte.
Dass Logan plötzlich auf Jean zuspringen und sie aus dem Weg reißen würde, das hatte er beim besten Willen nicht kommen sehen.
Nein, damit hatte er wahrlich nicht gerechnet. Er konnte nur ungläubig zusehen, wie die Beiden zu Boden gingen. Er konnte sehen, wie das Stück Metall Logans Rücken noch während dem Fall streifte. Und dann ...
Es war einfach nicht genug Zeit.
Scotts Atem stockte und er konnte sich nicht rühren, als das Metall Cathys Seite streifte, sie umriss und auf alle Viere fallen ließ. Er konnte hören, wie das Metall irgendwo aufschlug und ihm schien es, als würde das Geräusch durch die schockierte Stille hallen, die sich ausgebreitet hatte.
Scott schluckte schwer und machte einen Schritt in Cathys Richtung. Ein unglaublich ungutes Gefühl begann sich in ihm auszubreiten, eine erdrückende Schwere setzte sich in seiner Magengegend fest. Es musste Cathy gut gehen. Das Metallstück hatte sie nur gestreift, das war alles. Es hatte sie nur gestreift...
Ein schmerzerfüllter Schrei brach aus Cathys Kehle, kurz bevor Scott bei ihr ankam. Der Schrei schnitt durch die Stille und ließ etwas in seinem Innern sich zusammenziehen. Für einen kleinen Moment erstarrte er wieder, aber dann war er bei ihr und fiel neben ihr auf die Knie, nur um mit zitternden Händen nach ihr zu greifen. Aber noch ehe seine Finger sie hätten berühren können, sank sie mit einem Keuchen auf den Boden und rollte sich zusammen, wie um sich zu schützen.
„Cathy?“, fragte er leise und griff nach einigen Zögern wieder nach ihr. Er konnte hören, wie die anderen sich näherten, aber er konnte sich nicht auf sie konzentrieren. Jetzt war es einfach nur wichtig, dass es Cathy gut ging.
Er konnte spüren wie sie versuchte seine Hände abzuschütteln, aber das hinderte ihn nicht daran, ihre Schultern zu ergreifen und sie langsam zu sich zu drehen. Die Blutlache, in der er kniete, wollte er dabei nicht wahrhaben. Nein, das Metallstück hatte sie nur gestreift, es...
Scott keuchte vor Unglauben, als er es endlich schaffte, Cathy auf den Rücken zu drehen. Nein, es war nicht nur ein Kratzer und das Metallstück hatte sie keineswegs nur gestreift.
„Simulation abbrechen!!“
Scott wurde fast schlecht bei dem Anblick, der sich ihm bot. Das Metall war gesplittert, als es Cathy getroffen hatte und auch wenn der Rest weitergeflogen war, so steckte ein doch recht großes Stück in ihrer Seite. Das Fleisch war zerfetzt, dort wo das Metall eingedrungen war.
„Cyclops, was ... Oh mein Gott!“ Storm wich wieder ein paar Schritte zurück, als ihr Blick auf Cathy fiel und sie wiederholte fast panisch Scotts Befehl, aber der Gefahrenraum reagierte nicht.
Scott achtete nicht auf sie. Er taste vorsichtig um die Wunde herum, überlegte krampfhaft, wie er das Metall am Besten entfernen sollte.
„Schon okay, es wird alles wieder okay. Du brauchst nur ein bisschen durchhalten, gleich haben wir’s, ja?“ Er wusste nicht wirklich, was er ihr zumurmelte. Er wusste nur, dass er sie ruhig halten und sich beeilen musste. Er konnte bereits sehen, wie sich die Wunde vergeblich um das Metall herum zu schließen versuchte.
„Hank!“
„Bin hier, Scott.“
Scott nickte seinem Teamkollegen zu, ohne ihn anzusehen. Einen kurzen Moment lang überlegte er, ob nicht lieber Jean das erledigen sollte, aber dann rief er sich in Erinnerung, dass seine Verlobte schon fast alle Kraft aufgebraucht hatte, bevor Logan ihre Konzentration unterbrochen hatte.
„Wir müssen...“
„Ich weiß, Scott.“ Der ernste und strenge Tonfall, mit dem Hank antwortete, schien Scott ein klein wenig zu beruhigen. Seine Hände hörten auf zu zittern, während er nach Cathys Oberteil griff und das auch so schon beschädigte Material um die Wunde herum in großen Stücken abriss.
„Halt du sie still. Ich versuche das Ding raus zu ziehen, in Ordnung?“
Scott ergriff wieder Cathys Schultern und drückte sie fest auf den Boden, aber bevor er Hank zu verstehen gab, dass er anfangen sollte, sah er noch einmal auf. Sein Blick huschte über die blassen Gesichter seiner restlichen Schüler und nach kurzem Überlegen gab er Bobby und Piotr zu verstehen, dass sie Cathys Beine sichern sollten.
Logan, der Jean in dem Moment beim Aufstehen half, ignorierte er gekonnt. Um ihn würde er sich noch später kümmern.

****


Logan rollte von Jean runter und stand auf, ehe er ihr eine helfende Hand reichte, die sie dankbar annahm. Im ersten Augenblick sah sie ein wenig verwirrt aus, aber kaum war sie wieder auf den Beinen schnellte ihr Blick in die Richtung, in der Scott neben dem Mädchen hockte, das...
Logan stutzte und runzelte die Stirn, ehe er Jeans Beispiel folgte und zu den anderen ging, die sich um Scott und Hank versammelt hatten. Rogue sah kurz auf, als er sie neben sie trat, aber sein Blick war auf das Mädchen gerichtet, das in einer größer werdenden Blutlache lag und in dessen Seite ein Stück des Metalls steckte. Ein Bruchteil von dem Metall, vor dem Jean beschützt hatte.
Logan blinzelte ein, zwei Mal, bis ihm richtig bewusst wurde, dass das Mädchen hinter Jean gestanden hatte. Irgendetwas zog sich bei dieser Erkenntnis in ihm zusammen, aber er verdrängte dieses schuldbewusste Gefühl, genau so wie auch die Tatsache, dass es eben das Mädchen war, neben dem er am Morgen zuvor aufgewacht war.
Sein Blick war fast leer, als Hank begann das Stück Metall langsam aus dem Körper des Mädchens herauszuziehen. Die Wunde sah schlimm aus, schlimmer als sie im ersten Moment gewirkt hatte. Das Metall schien einen sehr großen Teil des Fleisches zerrissen zu haben und wenn man das Blut unter dem Mädchen betrachtete, war es sehr unwahrscheinlich, dass das Mädchen die nächste Stunde überleben würde.
Und dennoch, auch wenn sich dieser Gedanke wie eine Schlinge um seinen Hals legte und ihm fast die Luft zum Atmen abschnürte, so berührte ihn der Anblick auf einer anderen Ebene nicht. Es war, als würde ihn das Ganze nicht betreffen, als wäre er ein außenstehender Beobachter.
Er hatte Jean gerettet. Wenn er nicht gehandelt hätte, wenn er Jean nicht aus der Schussbahn gerissen hätte, dann würde sie dort an des Mädchens statt liegen. Und das hätte er niemals zulassen können.
Die unsichtbare Schlinge um seinen Hals wurde enger und das Gefühl verschwand auch nicht, als er sich fast nachdenklich über den Hals rieb.
Das Mädchen bäumte sich auf, als Hank an dem Metall zog und schrie vor Schmerz. Scott und den anderen fiel es scheinbar sehr schwer, sie am Boden zu behalten, auch wenn sie sich unglaubliche Mühe gaben.
Einen Moment lang überlegte Logan, ob er helfen sollte, blieb aber mitten im Schritt stehen, als Scotts giftiger Blick den seinen traf. Auch wenn Logan Scotts Augen eigentlich nicht sehen konnte, so war Scotts Ausstrahlung genug, um ihm klar zu machen, dass der Anführer der X-Men in dem Augenblick nicht gut auf ihn zu sprechen war.
„Hank, lass mich dir helfen.“, hörte Logan Jean sagen, ehe auch sie sich neben dem Mädchen niederließ. „Ich versuche das Gewebe rund herum ein bisschen zu lockern, damit du es leichter rausziehen kannst, in Ordnung?“
Hank nickte und beobachtete Jean, die für einen kurzen Augenblick die Augen schloss und noch einmal alle Kraft zu sammeln schien, bevor sie wieder auf die Wunde sah und sich konzentrierte. Es vergingen ein paar Minuten, in denen lediglich das schwere Atmen des Mädchens zu hören war, aber dann gab Jean Hank mit einem Nicken zu verstehen, dass er anfangen solle.
Logan konnte sehen, wie Scott und auch die anderen sich wieder anspannten, bevor Hank seinen Griff an dem Metall sicherte und dieses dann mit einem schnellen Ruck aus dem Körper des Mädchens zog. Und noch während sich das Mädchen in dem Griff der anderen wand und sich wieder zusammenzurollen versuchte, konnte Logan sehen, wie sich das beschädigte Fleisch langsam aber beständig wieder regenerierte.

****


„Kannst du mir bitte erklären, was du an dem Ziel der Übung nicht verstanden hast?“
Scotts Stimme war nur sehr mühsam beherrscht und seine ganze Körperhaltung schrie förmlich, dass er auch nur bei der kleinsten Gelegenheit die Beherrschung verlieren würde. Xaviers Blick wanderte von seinem Schüler zu Logan, der ruhig, wenn vielleicht auch ein klein wenig unangenehm berührt, gegen die Wand gelehnt stand.
„Hör zu, Summers...“
„Nein, du hörst mir zu, verdammt! Die Aufgabe war es, Cathy sicher und unverletzt aus der Gefahrenzone raus zu holen! Und dann musst du den großen Helden spielen und nimmst ihr den einzigen Schutz, den sie gehabt hat!“ Scotts Stimme wurde mit jedem Wort lauter.
„Hey, ich wollte nur...“
„Was? Jean zeigen wie toll du bist? Dass du sie beschützen kannst?“
„Du scheinst dich herzlich wenig für die Sicherheit deiner Verlobten zu interessieren.“ Logan stieß sich von der Wand ab und sah Scott herausfordernd an.
„Sie hatte es unter Kontrolle, Gott verdammt!“
Logan zeigte sich recht unberührt durch Scotts Ausbruch.
„So hab ich das nicht gesehen. Und wenn ich Jean nicht...“
„Kannst oder willst du es nicht verstehen? Du hast eine Schülerin in Gefahr gebracht!“
„Und wenn schon! Es geht ihr jetzt gut, oder etwa nicht?!“, fauchte Logan zurück. Er konnte es ja verstehen, wenn Scott wütend war, aber es gab bestimmte Grenzen.
„Gut? In welcher Welt lebst du?! Sie hätte sterben können!!“ Scott trat auf Logan zu und packte ihn am Kragen, was ihm für einen kleinen Moment wieder dieses Gefühl einer Schlinge um seinen Hals in Erinnerung rief.
„Sie ist aber nicht gestorben.“
Einen Moment lang herrschte Schweigen, bevor Scott ihn ungläubig ansah und ihn losließ, nur um einen Schritt von ihm zurück zu treten.
„Oh Gott, du denkst wirklich dass das einen Unterschied macht, oder?“

****


„Du musst Scott verstehen.“
Logan sah auf, als der Professor endlich das Schweigen brach, kaum dass Scott wutentbrannt das Büro verlassen hatte, und ließ sich schließlich, auf eine entsprechende Geste des Professors hin, in eines der bequemen Sessel fallen.
„Er sorgt sich sehr um das Wohlergehen der Schüler und die Umstände, unter denen er ... nun ja ... Cathy begegnet ist, lassen ihn äußerst empfindlich reagieren, wenn es um sie geht.“
Es vergingen wieder ein paar Augenblicke, in denen sich die beiden Männer einfach nur anschwiegen, bis Xavier mit einem Seufzen die Augen schloss und die Hände vor dem Gesicht faltete.
„Dass ich mich an seiner Standpauke nicht beteiligt habe, bedeutet aber keineswegs, dass ich nicht seiner Meinung bin, Logan.“
Er sah ihn wieder an, der Blick seiner stechend blauen Augen bohrte sich in den seinen und Logan konnte die Enttäuschung sehen, die der Mentor der X-Men empfand. Einen Moment lang musste er den Impuls niederkämpfen, wie ein getadelter Schuljunge unter dem Blick seines Lehrers zusammenzuzucken.
„Diese Übung hatte ein klar vorgegebenes Ziel, nämlich eine wehrlose Mutantin aus einer gefährlichen Situation heraus zu holen und das möglichst unverletzt. Da es auch in Wirklichkeit zu Situationen kommen könnte, in denen wir unbekannten Mutanten helfen müssen, deren Kräfte wir wahrscheinlich nicht kennen, ist die Tatsache, dass Cathy über Selbstheilungskräfte verfügt und diesen Zwischenfall überlebt hat, nebensächlich. Vor allem auch, weil du von ihrer Fähigkeit nichts wissen konntest.“
Logan wandte kurz seinen Blick ab und runzelte die Stirn, ehe er den Professor wieder ansah. Er wollte etwas erwidern, aber ein ernster Blick Xaviers, der ihm sagte, dass der ältere Mann noch nicht fertig war, ließ ihn innehalten.
„Ich weiß, dass Jean in Gefahr war, Logan. Aber sie hat ihre Kräfte besser unter Kontrolle als du es ihr zumutest und dass du Cathy mit deiner Tat in Gefahr gebracht hast, ist unentschuldbar.“
Charles seufzte und lehnte sich zurück, wodurch er einfach nur noch erschöpft wirkte. „Es zeigt allerdings auch, dass es noch eine Weile dauern wird, bis du in einem Team arbeiten kannst. Es ist von enormer Wichtigkeit, dass du die Kräfte und Grenzen deiner Teamkollegen kennst.“
„Wer sagt, dass ich ins Team will?“, knurrte Logan während er versuchte dieses ungute Gefühl zu ignorieren, das jedes Mal in ihm hochsteigen wollte, wenn er an dieses Mädchen dachte.
Xavier betrachtete ihn einen Moment lang schweigend und eingehend, so als würde er ernsthaft über die Frage nachdenken, aber dann lächelte er Logan einfach nur wissend an anstatt zu antworten.
„Also Logan, was hast du gefunden?“, fragte er schließlich, fast wie um Logan zu signalisieren, dass er für den Augenblick das Thema der Gefahrenraumsimulation fallen lassen würde.
„Nicht wirklich viel...“, murmelte Logan als Antwort, nur um dann wieder seinen Blick durch den Raum schweifen zu lassen. „Eine verlassene Anlage bei Alkali Lake, noch mehr Fragen...“
„Es gab nichts, das...?“
„Ich war vor einer Woche wieder bei Alkali Lake.“, unterbrach ihn Logan, bevor er wieder verstummte und die gegenüberliegende Wand anstarrte, so als würde er in Erinnerungen versinken. „Ich habe das Labor gefunden. Es befindet sich im Staudamm. Ich ...“
Der Professor schwieg und betrachtete Logan aufmerksam, so wie um ihn zum Weiterreden zu ermutigen.
„Es war nicht mehr viel zu finden. Ich habe das Adamantium gesehen, in einer flüssigen Form und ... den Tank, aber...“
Logan räusperte sich und fuhr sich frustriert durch die Haare.
„Ich möchte, dass Sie meine Gedanken lesen.“
„Logan...“
„Ich will wissen, was passiert ist, ich...“
„Logan, der menschliche Geist ist nicht wie eine Truhe, die man einfach aufmachen und in sie hineinschauen kann. Ich denke, dass du der Sache einfach ein wenig Zeit lassen musst. Es gibt bestimmt einen Grund, weswegen du dich nicht erinnern kannst. Nun ... Manchmal muss ein Verstand Dinge für sich selbst entdecken.“

****


Ihre Seite pochte immer noch, als sie zu sich kam.
Cathy runzelte die Stirn und wollte sich zusammenrollen, um das Ziehen und Pochen in ihren Muskeln zu mildern, aber Finger, die ihr sacht über die Haare strichen, hielten sie davon ab.
„Hi.“, murmelte sie, ehe sie langsam die Augen öffnete und Scott erblickte, der sie besorgt anlächelte. Es dauerte nur einen kleinen Augenblick, bis ihr wieder einfiel, weswegen sie in einem Bett aufwachte, dessen Umgebung nach Desinfektionsmitteln roch.
„Wie geht es dir?“, fragte Scott und sie konnte fast spüren, wie sein Blick zu der Stelle wanderte, an der die Wunde gewesen war, auch wenn er sie durch die Decke hindurch nicht sehen konnte.
„Ging mir schon besser.“
„Es tut mir Leid.“
Cathy blinzelte ihn ein wenig verwirrt an, bevor sie Anstalten machte, sich ein bisschen aufzusetzen. Aber er drückte sie zurück in die weichen Kissen.
„Red keinen Unsinn.“, sagte sie leise und ergriff seine Hand, nur um diese leicht zu drücken. „Du kannst nichts dafür.“
„Ich hätte dich nicht in die Übung einteilen sollen. Ich hätte ... Ich hätte das blöde Ding abwehren können, aber...“
„Jean hatte es im Griff, Scott. Ich weiß das und du weißt es auch. Es ist...“, sie verstummte und wandte ihren Blick ab, als sie daran dachte, dass nur Logan das nicht gewusst hatte. Er hatte auch nicht wissen können, dass Jean es schaffen würde. Er hatte nach bestem Wissen und Gewissen gehandelt. Nur ... Er hatte dabei nur sie nicht gesehen.
„Und wenn du nicht mich eingeteilt hättest, sondern wen anderen ... Wenn es Jubilee gewesen wäre ... Es war schon richtig so, Scott.“
Sie drückte seine Hand erneut, bevor sie die Augen schloss. Sie fühlte sich so ... müde. Ausgelaugt. Irgendetwas zehrte an ihr und sie war inzwischen wach genug um feststellen zu können, dass es nicht an ihrer Seite lag, die zwar schon verheilt, aber dennoch noch ein klein wenig wund war. Nein, es war etwas anderes...
Der Faden.
Die Verbindung zu ihrem Anker.
Zu Logan.
Cathy atmete tief ein und tastete danach, stellte dann aber erleichtert fest, dass die Verbindung nicht wieder zu Schaden gekommen war. Ja, der Faden war straff gezogen und wirkte ein wenig strapaziert, aber anstatt gerissen zu sein, wie das eine Mal davor, schien er sich selbst durch ein paar wenige, dünne zusätzliche Stränge selbst gestärkt zu haben.
Cathy sah Scott wieder an, als er ihr eine Strähne aus dem Gesicht strich.
„Michael hat sich Sorgen gemacht.“, sagte er leise.
„Er war hier?“
„Ja, er hat hier gewartet, als wir dich hergebracht haben. Ich soll dir ein Bild von ihm geben.“
Scott löste seine Hand von der ihren und stand kurz auf, um das Blatt Papier zu holen, das Michael anscheinend für sie da gelassen hatte. Cathy setzte sich ein wenig auf und nahm das Bild entgegen.
Ein Bild, das erneut die von Schatten umgebene Lichtung zeigte, nur dass dort dieses Mal kein weißes Kaninchen mit blauen Augen hockte. In der Mitte der Lichtung brachen schwarze, mit Dornen besetzte Ranken aus dem kahlen Boden.
Nachtschwarze Ranken, auf denen sich schneeweiße Blüten dem Himmel entgegen streckten.

****


Irgendetwas weckte sie.
Cathy unterdrückte ein frustriertes Stöhnen, als der Schlaf endgültig von ihr abließ und sie sich hellwach im Bett wieder fand- in der Krankenstation. Einen Moment lang fragte sie sich verwirrt, wann sie wohl eingeschlafen sein mochte, aber es konnte wohl nicht allzu lange gedauert haben, nachdem Scott sie alleine gelassen hatte.
Sie war wirklich unglaublich erschöpft gewesen.
Cathy seufzte und fuhr sich mit beiden Händen durch die Haare, nur um dann regungslos zur Decke über sich zu starren und sich zu fragen, was sie wohl geweckt haben mochte. Es konnte unmöglich daran liegen, dass es in der Krankenstation unglaublich stark nach Desinfektionsmitteln roch. Das hatte sie zwar auch schon davor gestört, sie aber nicht daran gehindert einzuschlafen.
Sie wusste nicht, was sie geweckt hatte.
Ganz entfernt glaubte sie zwar, sich an einen grauenhaften Traum erinnern zu können, aber die Bilder waren zu verschwommen und distanziert als dass sie etwas genauer hätte herausfiltern können. Nein, an dem Traum konnte es nicht liegen. Er hatte sich nicht einmal so angefühlt, als wäre er...
Cathy stutzte und setzte sich langsam auf. Der Traum hatte sie kaum berührt, er war zu entfernt gewesen und hatte sich ... Es hatte sich angefühlt, als wäre der Traum nicht der ihre gewesen.
Sie schüttelte langsam den Kopf und seufzte, ehe sie die Decke zurückschlug und die Beine vom Bett schwang. Sie überlegte einen Moment lang, was sie machen sollte. Sollte sie in ihr Zimmer zurück, in ihr eigenes Bett?
‚Das wird mir jetzt auch nicht helfen.’, dachte sie sich. Nein, sie war eindeutig zu wach, um jetzt weiter zu schlafen.
Noch immer recht vorsichtig, auch wenn ihre Seite vollständig geheilt war, stand sie auf und sah sich zaghaft um, bevor sie einen Entschluss fasste und aus der Krankenstation schlenderte. Dabei ging sie an dem kleinen Büro vorbei, in dem Hank und Jean anscheinend in eine Diskussion vertieft waren. Cathy warf einen Blick zurück in die Krankenstation und auf die Uhr, die dort hing. Es war kurz nach Mitternacht.
Sie zuckte mit den Schultern und setzte ihren Weg fort. Sie konnte nicht wirklich sagen, wo sie eigentlich hin wollte, aber als sie an der Küche vorbei kam, erschien ihr das als ein gutes Ziel. Vielleicht würde ihr ein wenig warme Milch beim Einschlafen helfen ... Nicht dass sie wirklich davon überzeugt gewesen wäre. Sie hatte diese Methode schon oft genug versucht, ohne dass es auch nur annähernd etwas gebracht hätte.
Die Wärme tat allerdings ganz gut und ehe sie sich versah, fand sie sich im Aufenthaltsraum wieder, mit der warmen Tasse in den Händen und in die weichen Kissen der Couch gekuschelt, denen Logans beruhigender Duft noch anhaftete.
Cathy seufzte zufrieden, aber grad als sie einen Schluck von der warmen Milch nehmen wollte, vernahm sie Schritte auf dem Gang, die sich dem Aufenthaltsraum näherten. Die Schritte klangen etwas schwerer als Scotts, also konnte es sich nur um Hank handeln oder aber um...
Logan erschien in der Tür und hielt kurz inne, als er sie erblickte. Er schien es sich anders überlegen zu wollen, trat aber schließlich doch in den Raum und auf sie zu. Sie konnte fühlen, wie sich die Verbindung zu ihm wieder ein bisschen entspannte.
„Hey.“, sagte Logan leise, während er seinen Blick langsam über sie gleiten ließ. Erst jetzt wurde sie sich des dünnen Nachhemdes bewusst, das sie anhatte und einen kurzen Moment lang fragte sie sich, wer es ihr wohl angezogen hatte, bevor sie wieder seine Blicke auf sich fühlte.
„Hey.“, antwortete sie leicht verlegen und stellte die Tasse auf den Couchtisch, nur um dann nach der Decke zu fischen, die auf der Couch lag. Erst dann sah sie ihn wieder an. Sein Blick haftete noch immer an ihr, sein Kopf war ein klein wenig nach vorn geneigt, so als würden sich nicht nur seine Augen auf sie konzentrieren. Dann war der Moment vorbei und er wandte seinen Blick ab, bevor er sich neben ihr niederließ.
Eine ganze Weile saßen sie einfach nur schweigend nebeneinander, bis sich Logan schließlich leise räusperte und etwas vor sich hin murmelte.
Cathy blinzelte ein, zwei Mal, bevor sie von ihrer Milch aufsah und ihn fragend musterte. Hatte er etwa...? Ein Lächeln breitete sich auf ihren Lippen aus und eine Wärme erfüllte sie, die nichts mit der Milch zu tun hatte. Der Zwischenfall, die Tatsache, dass Logan sie wieder nicht gesehen hatte und sie deswegen verletzt worden war, war vergessen.
„Ist schon okay.“
Logans Blick traf wieder den ihren und ganz kurz hatte sie das Gefühl so etwas wie Erleichterung in seinen Augen zu erkennen, aber ehe sie sich hätte sicher sein können, sah er auch schon wieder in eine andere Richtung.
„Äh...“ Cathy konnte fühlen, wie ihr Röte in die Wangen stieg und dieses Mal war sie wirklich froh darüber, dass er sie nicht anblickte. „Möchtest du vielleicht ... Na ja, einen Film mit mir anschauen?“ Sie starrte wieder auf ihre Milch, als sie seinen Blick auf sich fühlte. „Ich meine ... Falls du nicht schlafen kannst oder so.“
Vorsichtig richtete sie ihre Augen wieder auf ihn, nur um zu sehen, wie er sie skeptisch musterte.
„Ich könnte Popcorn machen und ich glaube ich weiß wo Scott ein paar Bier versteckt hat.“
Logan sank tiefer in die Kissen, bevor sich ein kleines Lächeln auf seine Lippen schlich.
„Hmmm ... Warum eigentlich nicht.“
Cathy erwiderte sein Lächeln und stand langsam auf, so als ob sie kaum glauben könnte, dass das, was geschah, auch wirklich passierte.
„Die DVDs findest du auf dem Regal dort. Also, wenn du willst, kannst du schon mal einen Film aussuchen. Ich bin bald wieder da.“, sagte sie schnell und wies auf eines der Regale, bevor sie den Raum verließ.
Logan sah ihr eine Weile nach, während er sich fragte, warum er überhaupt eingewilligt hatte, sagte sich dann aber, dass er sowieso nichts Besseres zu tun hatte. Und wenn das Mädchen ihm Bier mitbringen konnte...
Er trat an das Regal heran, auf welches das Mädchen gedeutet hatte und war gerade dabei, die Filmtitel durchzusehen, als jemand den Aufenthaltsraum betrat. Jemand, bei dem Logan sofort wusste, um wen es sich handelte.
„Hi, Logan.“
Jean stand in der Tür und schien unschlüssig, ob sie näher kommen sollte, aber schließlich tat sie es doch. Ihr Blick fiel kurz auf die Tasse Milch und die Decke, bevor er sich wieder auf Logan richtete. „Kannst du nicht schlafen?“
„Bin aufgewacht. Und du?“
Er machte einen Schritt auf sie zu und musste sich sehr zurückhalten, um nicht nach ihrem Arm zu greifen und sie näher zu ziehen.
„Hank und ich haben über einen Vortrag diskutiert, den ich vor ein paar Wochen gehört habe und na ja ... Wir haben die Zeit vergessen.“
Jean hielt inne, bevor sie ihn plötzlich sehr ernst ansah. „Logan, das was heute passiert ist...“
„Ich weiß, okay? Ich habe mich auch schon bei ... Kitty entschuldigt.“
„Cathy.“
„Egal. Ich habe trotzdem getan was ich zu dem Zeitpunkt für richtig gehalten habe. Du warst in Gefahr...“
Jean seufzte und trat ganz an Logan heran. „Ich weiß und ich bin dir dankbar, aber ich hatte die Situation unter Kontrolle und...“ Jean hielt inne und fuhr sich über die Augen. „Gott sei Dank geht es Cathy jetzt gut.“
Logan sah auf Jeans Hände, die nervös an ihrem Oberteil herumzupften, bevor er sie ergriff und festhielt. „Jean...“
„... Ich hatte solche Angst, dass ihre Schilde wieder zusammen brechen.“
„Schilde?“
„Ihre Telepathie. Am Freitag sind ihre telepathischen Schilde, die Barrieren, die ihren Geist vor den Gedanken anderer schützen, in sich zusammengefallen. Und ich hatte Angst, dass das wieder passieren würde. Es ... Ich weiß nicht welche Folgen es für ihre Psyche hätte, wenn das noch einmal passieren würde.“
„Wieso hätten sie zusammenbrechen sollen?“
Jeans Blick traf Logans, bevor sie wieder zur Seite sah.
„Na ja ... Der Stress, der Schock... Bis vorgestern waren ihre Schilde noch recht instabil, vor allem, nachdem die Verbindung zu ihrem An...“ Jean brach mitten im Satz ab und sah ihn so plötzlich an, dass er beinahe zusammengezuckt wäre. Ihre Augen konzentrierten sich auf die seinen, sie schienen etwas spezielles zu suchen, etwas, das nur sie sehen konnten. Dann, als Jean scheinbar gefunden hatte, wonach sie gesucht hatte, weiteten sich ihre Augen vor Erstaunen.
„Oh mein Gott.“, hauchte sie und trat einen Schritt von ihm zurück. „Du bist es.“
„Ich bin was?“, fragte er zurück und runzelte verwirrt die Stirn, aber Jean schien seine Worte nicht einmal zu hören.
„Und ich dachte Scott würde nur herumalbern... Aber er hatte Recht...“
„Ich bin was?“, wiederholte Logan ein wenig ungeduldig seine Frage und verschränkte die Arme vor der Brust.
„Du bist Cathys Anker.“
„Was?“
Jean lächelte ihn entschuldigend an und strich sich eine Strähne aus der Stirn, ehe sie scheinbar überlegte, wie sie es ihm am Besten erklären sollte.
„Für manche Mutanten mit stark ausgeprägter Telepathie ist es manchmal recht schwer diese zu kontrollieren. Es besteht oft die Gefahr, sich auf der mentalen Ebene zu verirren und so gibt es die Möglichkeit, sich einen Anker auszusuchen, eine Person, zu der man immer wieder zurückfindet. Es ist eine Art telepathische Verbindung zwischen zwei Personen, die entweder bewusst gebildet werden kann, so wie bei Scott und mir, oder aber ... Na ja, es kann auch dazu kommen, dass die Telepathie einen Eigenwillen entwickelt und sich einfach jemanden aussucht.“
„Und was hat das mit mir zu tun?“ Logan konnte fühlen, wie er mit jeder verstreichenden Minute unruhiger wurde. Ihm gefiel die Richtung, in die sich das Gespräch entwickelte, nicht. Ganz und gar nicht.
„Cathys Telepathie hat sich bis jetzt als recht eigenwillig erwiesen und lässt sich nicht so leicht kontrollieren, vor allem auch, weil sich ihre mentalen nicht so gut mit ihren physischen Fähigkeiten vertragen. Wir haben gewusst, dass sich ihre Telepathie einen Anker ausgesucht hat, aber ... Ich hätte nie erwartet, dass du dieser Anker bist.“
„Du willst mir also sagen, dass dieses Mädchen eine telepathische Verbindung zu mir hat?“
Jean nickte und lächelte ihn erfreut an, aber das machte die ganze Sache nicht besser. Das Wissen, dass es jemanden gab, der womöglich ohne seine Einwilligung in seinem Kopf herumspukte, machte ihn fast rasend. Wie kam dieses Mädchen dazu...
„Sie kann also einfach in meinen Geist eindringen und...?“, Logan brach ab, als er merkte, wie seine Stimme vor unterdrückter Wut zitterte. Jeans Blick wurde betroffen und sie trat näher, nur um ihm beruhigend die Hand auf die Schulter zu legen.
„So ist es nicht, Logan. Sie kann deine Gedanken eventuell leichter herausfiltern oder dich besser orten. Vielleicht ... Nein, das kommt nur sehr selten vor.“
„Was?“
Jean zögerte sichtlich und wollte den Blick abwenden, aber er ergriff ihr Kinn und zwang sie dazu, ihn anzusehen. „Sag es mir Jean ... Bitte.“
„Es kommt wahrscheinlich auch auf die Situation an. Aber in seltenen Fällen kann es sein, dass eine permanente Verbindung zwischen den Gedanken des Telepathen und des Ankers besteht. Also, dass der Telepath die Gedanken des Ankers auf einer bestimmten Ebene die ganze Zeit über unbewusst hört und auf sie zugreift, wenn es nötig werden sollte.“
‚Also doch.’
Es war egal, was Jean sagte.
Dieses Mädchen ...
Ein Mädchen, das kaum älter sein konnte als Rogue, ein Mädchen, das er noch nicht einmal kannte, hatte Zugriff auf seine Gedanken. Woher sollte er wissen, ob es nicht schon in seinen Geist eingedrungen war? Wie konnte er denn sicher sein, dass es nicht schon seine Alpträume gesehen hatte, seine Selbstzweifel, seine ... Einfach alles.
Das konnte und wollte er nicht akzeptieren.
„Ich will diese Verbindung nicht.“, brachte Logan zähneknirschend hervor und musste sich unglaublich anstrengen, um Jean nicht anzufahren. Jean, die ja wohl nichts dafür konnte.
„Logan, das hat Cathy nicht entschieden, sie hat keinen Einfluss darauf.“
„Ach nein? Hat sie nicht? Und wie kommt es dann, dass ihre ach so instabilen Schilde plötzlich wieder in Ordnung sind, nachdem wir ein paar Worte miteinander gewechselt haben?“
Jean wich von ihm zurück, als er seine Wut nicht mehr im Zaum halten konnte und sie beinahe anschrie. „Sie soll diese gottverdammte Verbindung lösen!“
„Das würde sie nicht durchstehen. Logan ... Ihre Schilde würden in sich zusammenfallen und...“
„Das ist mir egal.“
Logan atmete schwer und da war auch wieder das Gefühl einer immer enger werdenden Schlinge um seinen Hals, das einfach nicht weichen wollte. Er schloss für einen Moment die Augen und versuchte sich zu beruhigen, die aufsteigende Übelkeit niederzukämpfen.
„Logan.“
Jean war wieder ganz nah an ihn herangetreten und schlang vorsichtig ihre Arme um ihn. Er konnte ihren Atem fühlen, der sacht gegen sein Ohr strich.
„Logan, bitte. Du bist ihr Anker, du gibst ihr Sicherheit und Stabilität. Sie braucht dich und sie weiß, dass sie fremde Gedanken nicht ohne Erlaubnis lesen soll. Ich glaube auch nicht, dass sie das unbedingt wollen würde.“
Schweigen kehrte ein und so standen sie eine ganze Weile einfach nur da, bis sich Logan scheinbar wieder unter Kontrolle hatte. Jean ließ ihn los und sah ihn sanft an. Sie schien noch etwas sagen zu wollen, schwieg dann aber doch lieber. Alles, was hatte gesagt werden müssen, war gesagt worden. Sie glaubte nicht, dass Logan auf die Trennung der Verbindung bestehen würde. Nein, sie wollte einfach nicht glauben, dass er das übers Herz bringen würde. Die Konsequenzen für Cathy wären zu schwerwiegend.
Jean strich Logan sanft über die Wange und hauchte ihm einen Kuss auf die Stirn, bevor sie endgültig von ihm wegtrat und sich umdrehte. Sie wusste, dass sie ihn jetzt am Besten alleine lassen sollte. Er würde über die Sache hinweg kommen.
„Gute Nacht, Logan.“, sagte sie leise, bevor sie den Aufenthaltsraum verließ. Auf dem Gang war es dunkel und so sah sie beim Weggehen auch nicht die Schüssel Popcorn und die Getränke, die jemand neben der Tür zum Aufenthaltsraum stehen gelassen hatte.

****


Sie bekam keine Luft.
Cathy schloss die Augen und drückte die Stirn gegen das kalte Fensterglas. Sie versuchte sich zu beruhigen, aber es ging nicht. Sie hatte das Gefühl, ersticken zu müssen. Ihr Herz raste und sie konnte fühlen, wie sie am ganzen Körper zitterte.
Er hasste sie.
Sie biss sich auf die Unterlippe, so stark, dass diese kurz blutete, aber das bemerkte sie nicht. Sie versuchte mit aller Macht das Schluchzen zu unterdrücken, das aus ihrer Kehle brechen wollte.
Das Bier für Logan zu finden und das Popcorn zu machen hatte nur ein paar wenige Minuten gedauert und selbst die waren im Flug vergangen. Sie war einfach so aufgeregt gewesen, hatte sich so darauf gefreut ein bisschen Zeit mit ihm verbringen zu können. Sie war überglücklich über die Möglichkeit gewesen, ihn endlich richtig kennen zu lernen.
Und dann...
Natürlich war sie stutzig geworden, als sie Jeans Stimme schon auf dem Gang gehört hatte. Sie hatte inne gehalten, als sie die Sorge in Jeans Stimme bemerkte, als sie ihrer Angst um Cathys Schilde Logan gegenüber Luft machte. Cathy war nur kurz stehen geblieben, sie hatte nicht lauschen wollen. Nicht wirklich, auch wenn sie die Neugier auf Logans Antwort gepackt hatte.
Und dann...
Cathy schluckte schwer und schloss die Augen, wobei ihr ein paar vereinzelte Tränen auf die Wangen tropften.
Dann hatte Jean Logan von der Sache mit dem Anker erzählt.
Ihre Hände ballten sich zu Fäusten, bevor sie die Augen wieder öffnete und sich von dem Fenster wegstieß. Sie hatte noch immer Schwierigkeiten damit, Luft in ihre Lunge aufzunehmen, aber trotzdem entfernte sie sich mit schnellen Schritten von dem Fenster und dem Mondlicht, das sie zu verspotten schien.
Sie irrte eine Weile durch die Gänge, ohne genau zu wissen, wohin sie eigentlich wollte, sie ließ sich einfach von ihren Füßen leiten, in dem Versuch, diesem Gefühl zu entkommen, aber es wollte nicht von ihr ablassen.
Als sie wieder aufsah, fand sie sich im Waschraum der Mädchen wieder, wo sie entschlossen auf eines der Waschbecken zu trat und sich das Gesicht mit eiskaltem Wasser wusch. Nein, sie würde dem Gefühl nicht nachgeben. Sie würde sich von der Verzweiflung nicht erdrücken lassen, auch wenn sich ihr Herz schmerzhaft zusammenzog.
Ihre Fingernägel bohrten sich in ihre Handflächen, während sie ihr Spiegelbild ansah, dass ihren Blick mit blassem Gesicht und geröteten Augen erwiderte. Es sah erbärmlich aus. Schwach.
Cathy runzelte verärgert die Stirn und biss sich wieder auf die Unterlippe, um nicht zu schreien.
Na und wenn schon! Dann war es Logan eben vollkommen egal, was mit ihr passieren würde, wenn die Verbindung zwischen ihnen wieder reißen sollte. Dann war es ihm eben egal, dass sie nichts für diese Verbindung konnte. Dass sie es nicht beabsichtigt hatte.
Dann hasste er sie eben dafür, dass ihr Geist mit dem seinen verbunden war!
Das Zittern kehrte in ihre Glieder zurück, aber dieses Mal kam es nicht durch unterdrücktes Schluchzen.
Was bildete sich Logan eigentlich ein? Er tat ja fast so, als wäre sie absichtlich eine telepathische Verbindung mit ihm eingegangen. Als hätte sie das nur getan, um seine Gedanken zu lesen! Als ob sie nicht schon genug damit zu tun hätte, fremde Gedanken auszusperren!
Egal.
Ihr Blick bohrte sich in die Augen ihres Spiegelbildes.
Sie brauchte Logans Aufmerksamkeit nicht.  

****


„Cathy?!“
Rogues Augen weiteten sich und sie ließ ihren Löffel sinken, als sich ihre Mitbewohnerin beim Frühstück zu ihr und Bobby gesellte. Ihr Freund folgte ihrem Beispiel und sah ebenfalls mehr als erstaunt zu dem Mädchen, das sich in einem der Sessel ihnen gegenüber niedergelassen hatte und sich nun in aller Ruhe ihrem Müsli widmete.
„Was hast du mit deinen Haaren gemacht?“
„Hmmm?“ Cathy blickte von ihrem Essen auf und schien einen Moment zu brauchen um zu verstehen, was Rogue mit ihrer Frage meinte.
„Ach das.“, murmelte sie dann, bevor sie sich mit einem kleinen Lächeln, das ein wenig aufgesetzt wirkte, durch die nun kurzen Haare fuhr. Die einst langen, leicht gewellten Strähnen, die ihr bis weit über die Schultern gereicht hatten, gingen ihr jetzt gerade mal bis zu den Ohren und sahen so aus, als wären sie in aller Hast und ungelenk abgeschnitten worden. Sie wirkten leicht strubbelig und schienen ein Eigenleben entwickelt zu haben.
„Na ja, ich hatte einfach das Gefühl, ein bisschen Ballast loswerden zu müssen.“
Der Blick, mit dem Rogue sie maß, schien sie fragen zu wollen, ob sie endgültig den Verstand verloren hatte.
„Aber...“, fing Rogue an, wurde aber von Bobby unterbrochen, der begriffen zu haben schien, dass das kein Thema war, über das Cathy sprechen wollte. „Steht dir gut.“, sagte er mit einem freundlichen Lächeln.
„Danke.“ Cathy erwiderte sein Lächeln und widmete sich dann ohne weiteres Wort ihrem Frühstück. Es war wirklich nicht etwas, worüber sie sprechen wollte. Es war nun einmal eine Kurzschlusshandlung gewesen. Aber es war nicht etwa so, dass sie es bereute. Sie hatte die Haare sowieso schon seit langem schneiden lassen wollen. Nun, nicht so kurz, aber das machte keinen Unterschied. Und immerhin wuchsen Haare ja nach...
Die nächsten Tage vergingen, ohne dass Cathy wirklich mitbekam, wie die Zeit verstrich. Sie bereitete sich zusammen mit Rogue auf die kommenden Prüfungen vor, verließ nur selten ihr Zimmer und vermied, soweit es ihr möglich war, jeglichen Kontakt mit Logan. Und ehe sie sich versah war es wieder Freitag.
Cathy seufzte und folgte schweigend Rogue, Kitty und Jubilee hinunter zu dem Gefahrenraum. Sie wollte nicht wieder dorthin, aber es war festgelegt worden, dass sie jeden Freitagnachmittag an einer Trainingseinheit der X-Men teilnehmen würden. Rogue, Jubilee, Kitty, Piotr, John, Bobby und sie.
„Hey, keine Sorge. Ich bin mir sicher, dass es nicht wieder so schlimm wird wie am Montag.“, raunte Kitty ihr zu, als sie unten ankamen. Sie lächelte sie aufmunternd an, was Cathy dankbar erwiderte. Sie spürte noch immer ein leichtes Brennen und Ziehen in ihrer Seite, wenn sie an den Vorfall dachte.
„So, sind alle da?“ Scott stand bereits in Uniform vor dem Eingang zum Gefahrenraum und ließ seinen Blick über die versammelten Schüler gleiten, wobei Cathy fühlen konnte, wie er sie besonders lange musterte. Er hatte keine Fragen gestellt so wie Rogue, aber jedes Mal wenn sie auf ihn traf konnte sie förmlich spüren, wie es ihn dazu drängte zu erfahren, warum sie sich so plötzlich die Haare geschnitten hatte.
Sie zuckte mit den Schultern, um das Gefühl abzuschütteln, das sie überkam und konzentrierte sich wieder auf Scotts Worte. Anscheinend hatten die X-Men schon eine kleine Trainingseinheit hinter sich und nun würden sie sich ein bisschen in Selbstverteidigung üben müssen.
‚Super.’, dachte sie sich missmutig, nickte dann aber, als Scott fragte, ob das für alle in Ordnung wäre. Sie sah ja ein, warum das sein musste. Aber dennoch ... Sie konnte Logan hinter der Schleuse zum Gefahrenraum fühlen.
Sie verdrängte den Gedanken und verbannte das Gefühl in die hintersten Ecken ihres Bewusstseins, bis sie seine Anwesenheit nicht mehr spüren konnte. Sie musste sich allerdings eingestehen, dass das die ganze Sache auch nicht viel besser machte.
Was ihr nach dem Umziehen aber ein erleichtertes Aufatmen entlockte war die Tatsache, dass dieses Mal der Gefahrenraum tatsächlich nicht durch eine Simulation verändert sondern in seiner schlichten, glatten, metallenen Form zu sehen war.
Keine brennenden Ruinen, keine lauernden Sentinels...
Eine halbe Stunde später, nach einer ausgiebigen Aufwärmung und Einführung, verfluchte sich Cathy für ihren Optimismus. Sie hätte es ahnen sollen...
Einen ärgerlichen Fluch hinunterschluckend wich sie dem Angriff aus und stolperte ein paar Schritte zurück.
Selbstverteidigung schön und gut, aber in der Theorie hatte es sich bei weitem leichter angehört als es in Realität war. Vor allem wenn man von Wolverine angegriffen wurde.
Gut, die Selbstverteidigungsübungen waren vorbei und Scott hatte ihnen gesagt, dass die Lehrer nun gegen die Schüler kämpfen würden, aber ihr ging das eindeutig zu schnell. Auch wenn keine Kräfte eingesetzt werden durften.
Sie duckte sich und entging einem Schlag, nur um kurz darauf hinter einen muskulösen Körper gezogen zu werden, der sich schützend vor sie stellte und Logans Schlag abfing. „Danke, Pete.“, hauchte sie, während sie angestrengt überlegte, was sie machen sollte. Selbstheilung hin oder her, sie war erschöpft. Sie war sauer und erschöpft.
Seit dieser Kampf angefangen hatte, schien es Logan nur auf sie abgesehen zu haben. Sie konnte seine Wut fühlen, die wieder aufgeflammt war, in dem Moment, in dem er sie erblickt hatte. Sie hatte gesehen, dass er einen Augenblick gebraucht hatte, um sie zu erkennen, aber seitdem steigerte sich sein Ärger auf sie mit jeder Minute, die verstrich.
Sie runzelte die Stirn, blickte aber augenblicklich wieder auf, als Piotr von einem anderen Angriff abgelenkt wurde. Nur ein kleiner Augenblick und schon war Logan wieder zurück. Ungeschickt wich sie ihm aus und stolperte dabei fast über ihre eigenen Beine.
Ein Luftzug streifte ihr Ohr, als Logans Faust sie nur um ein paar Millimeter verfehlte. Cathys Herz raste und ihr Blick bohrte sich in den seinen, als er wieder dazu ansetzte sie anzugreifen.
Die Zeit schien still zu stehen.
Cathys Blick bohrte sich in den seinen und auf einmal konnte sie es sehen.
Sie konnte es fühlen.
Ihr Körper reagierte automatisch, als der nächste Schlag kam. Sie trat problemlos zur Seite und wich auch dem folgenden Hieb aus, so als würde sich Logan in Zeitlupe bewegen. Sie konnte seine Bewegungen sehen, bevor sie kamen.
Ihr war bewusst, dass sie etwas tat, das sie eigentlich nicht tun sollte. Etwas, das sie nicht geplant hatte. Aber es war nun einmal passiert. Sie hatte automatisch auf Logans Geist zugegriffen und las ihn wie ein offenes Buch. Nicht seine Gedanken, dafür war sie viel zu unkonzentriert. Aber sie sah seine Absichten, so als wären es ihre eigenen.
Und je länger es andauerte, je öfter sie ihm gezielt auswich anstatt nur aus dem Weg zu stolpern, desto wütender wurde er. Er wollte sie verletzen.
Plötzlich hielt Logan inne, so als würde er Scotts Stimme hören, die das Ende der Übung ankündigte. Aber Cathy wusste, dass er Scott nicht hörte. Dieses eine Mal hatte sie seine ungeteilte Aufmerksamkeit.
„Verschwinde aus meinem Kopf.“
Cathy blinzelte, konnte sich aber nicht rühren, als sie die unglaubliche Rage sah, die in ihm erwachte. „Raus aus meinem Kopf!“, schrie er und ehe sie sich versah, sprang er sie auch schon an und schlug mit seinen Klingen nach ihr.
„Logan!!“
Weit entfernt konnte sie Scott hören, konnte hören wie er Logan anschrie, wie er näher kam.
Ihr Herz raste und sie ließ sich von Logan zurückdrängen, ließ sich von ihm am Kragen packen und gegen die Wand stoßen. Und dennoch, sie konnte nichts tun außer entsetzt dabei zusehen, wie er zum Schlag ausholte und...
Das Geräusch zerriss die Stille, die plötzlich eingekehrt war.
Cathys Arme zitterten, als sie die Augen einen spaltweit öffnete und ihr Blick fiel auf Logans Gesicht, auf dem der Ausdruck von Wut dem von Unglauben und Entsetzen wich.
Aber sein Blick war nicht auf sie gerichtet, ebenso wenig, wie es die der anderen waren.
Nein.
Logans vor Unglauben geweiteten Augen waren starr auf die Adamantiumklingen gerichtet, die seinen Angriff blockiert hatten.
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