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Wenn Wünsche wahr werden

GeschichteDrama / P18 / Gen
OC (Own Character) Wolverine / James "Logan" Howlett
12.12.2006
18.04.2021
37
200.072
3
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Dieses Kapitel
5 Reviews
 
12.12.2006 8.249
 
Soooooo! Da bin ich also wieder, frisch aus dem Urlaub und ganzen 14 neuen Seiten, die doch viel länger zum Schreiben gedauert haben, als gedacht. Nochmals sorry deswegen, aber ich habe immer wieder Schwierigkeiten damit meine konfusen Gedanken auch artgerecht zu Papier zu bringen. Ja ja, das ist leider nicht immer so leicht, wie ich es gern haben möchte.

@ iko: Hi! Wow, freut mich echt, dass dir die Geschichte gefällt! Da ich selbst Mary-Sues über alles hasse, bin ich sehr froh, dass du meine Cathy nicht als solche empfindest. Und tja ... Logan ist gemein, aber es wäre unglaublich Mary-Sue mäßig, wenn er Cathy gleich bemerken und sich Hals über Kopf in sie verlieben würde, nicht? Hoffe, die Geschichte gefällt dir auch weiterhin!

@ Icy-Chan: n_n Freut mich, dass du nicht mich hasst. *g* Aber na ja, wie schon erwähnt, es wäre unglaublich realistisch, wenn Logan, der nach langer Zeit zurück kommt, jemand anderen sieht als Jean oder vielleciht Rogue. Ich mein, mal ehrlich, Logan kennt Cathy nicht, also warum sollte er sie bemerken? *cathy tröst* Wie auch immer, die Sache mit dem Anker wird sich jetzt in diesem Kapitel auflösen.

@ Kyrilla: Danke! n_n Urlaub war recht angenehm, wenn auch ein bisschen stressig. Na ja ... Sightseeing eben.

@ shinyu: *umarm* Ja, wenn ich dich nicht hätte, würde ich wirklich nicht weiter kommen. n_n Das mit dem Kaninchen ... Na ja du kennst das Männchen in meinem Kopf. Das flüstert mir ständig so komische Sachen zu. Und ja, ich weiß, dass ich gemein bin, aber du kennst meine Meinung zu zu einfachen Storylines ... n_n Warum einfach wenn es auch kompliziert geht? Und keine Sorge, bei mir kommt es nicht zu Friede-Freude-Eierkuchen, so wie in bestimmten berühmten Büchern, dessen Ende uns so gar nicht gefallen hat. *räusper* Harry Potter *hust*

So, und nun weiter zur Story. Ich hoffe ich werde nicht von euch gehängt. Andererseits, wenn doch, dann geht auch die Geschichte nicht weiter ... n_n
Viel Spaß beim Lesen!

Kapitel 10: : Annäherungen

Stille.
Einen ganzen Augenblick lang, in dem sie mit weit aufgerissenen Augen blicklos vor sich hin starrte, war Cathy nicht imstande auch nur das Geringste zu hören.
Ihr Atem stockte und sie konnte fühlen, wie ihr Herz sich schmerzhaft zusammenzog, aber sie konnte nichts hören. Nicht das Rauschen des Blutes in ihren Ohren, nicht den freundlichen Ton, mit dem Logans Begrüßung von Jean erwidert wurde.
Sie spürte Scotts Blick auf sich und ihr Blick klärte sich gerade mal lang genug, um zu sehen, wie Rogue mit einem leicht enttäuschten Schulterzucken auf sie zutrat. Aber auch als ihre Freundin sie ansprach, war sie nicht fähig, ihre Worte wahrzunehmen.
Sie wusste nicht, was sie erwartet hatte.
Natürlich gab es keinen Grund, wieso Logan sie hätte anlächeln oder begrüßen sollen. Immerhin kannte er sie ja nicht, genauso wie sie ihn eigentlich nicht kannte – ganz egal wie viel sie über ihn wusste.
Es war nur natürlich, dass er auf die Personen in dem Raum zuging, die er kannte, aber ...
Etwas tief in ihr bäumte sich auf und ließ ihr Herz fast aussetzen, aber selbst da war sie nicht fähig sich zu rühren.
Sie konnte fühlen, wie etwas riss, achtete aber nicht weiter darauf.
Sie konnte verstehen, einsehen was passiert war, denn es war nur logisch, aber ...
Er hatte direkt durch sie hindurch gesehen.
Er hatte durch sie durch gesehen, sie nicht einmal eines flüchtigen Blickes gewürdigt, so als wäre sie gar nicht da gewesen. So, als wäre sie nicht existent. So, als hätte er damals nicht ...
Der Gedanke verflüchtigte sich und ein unglaublich bitterer Geschmack breitete sich auf ihrer Zunge aus, während sie die Emotionen niederzukämpfen versuchte, die sie zu überwältigen drohten.
Etwas in ihrem Innern riss und nahm das Gefühl der Sicherheit, das am Rande ihres Bewusstseins gelauert hatte, mit sich, nur um eine gähnende Leere seiner statt zu hinterlassen.
Etwas riss und zerbarst ihre mentalen Schilde, die sie so unglaublich mühevoll aufgebaut und gestärkt hatte.
Und doch, selbst als Blut aus ihrer Nase rann und ihr von dem überwältigenden Anlauf an Gedanken schwarz vor Augen wurde, war sie nicht in der Lage etwas zu tun.
Das einzige, was sie tun konnte, war lediglich sich an Logans laute und starke mentale Stimme zu klammern, die immer wieder Jeans Namen flüsterte und ihr einen schmerzhaften Stich nach dem anderen versetzte.

****


Regen.
>...al hundertfünfundvierzig ... Scheiß Mathe, vielleicht kann mir Kitty helfen, sollte mal ...<
Es klopfte gegen die Fensterscheiben, Tropfen für Tropfen für Tropfen.
>Wo bleibt er denn, er hätte schon längst hier sein sollen und ...<
Monoton, beruhigend.
Sie fühlte wie ihre Augenlider schwerer und schwerer wurden. Sie wollte schlafen. Sie wollte schlafen und doch hielten sie die Stimmen wach.
>...gut genug? Wieso mag er mich denn überhaupt, ich bin doch nicht mal so hübsch...<
Sie schloss die Augen und Tränen tropften auf ihre Wangen, aber sie beachtete sie nicht, genauso wenig, wie sie alles andere beachtete. Gedanken drangen in sie ein und verließen sie wieder, verließen sie und hinterließen eine Leere, so wie es auch dieses Gefühl getan hatte.
>Was gibt’s morgen zum Essen? Hoffentlich keine Kartoffeln, mag keine Kartoffeln...<
Leere, so wie ein dunkles, unendlich tiefes Loch, das sich in ihr Inneres fraß.
>...Wer merkt sich denn so was? Wozu brauche ich die Namen vo...<
>Cathy.<
Sie wusste nicht, wie lange sie schon so dalag.
Minuten. Stunden, vielleicht auch Tage. Es war nicht wichtig.
Sie war in ihrem Bett zu sich gekommen und auch wenn sie wusste, dass Scott da gewesen war und ihr beruhigend über die schweißbenetzte Stirn gestrichen hatte, hatte sie sich unglaublich alleine gefühlt.
Auch jetzt fühlte sie sich so, als hätte man sie an einem dunklen Ort zurückgelassen, einzig mit den Gedanken anderer als Gesellschaft. Sie erfüllten ihre Sinne, sie bildeten ihre Welt. Und mit jeder Minute die verstrich, mit jedem fremden Gedanken, der durch sie hindurch jagte, schien ein weiterer Teil ihrer Selbst verloren.
Aber es war nicht wichtig, so wie auch alles andere unwichtig war.
>Cathy!<
Sie rollte sich zusammen und drückte mit aller Kraft die Hände gegen die Ohren, auch wenn sie wusste, dass es nichts bringen würde. Aber sie konnte einfach nicht anders. Sie wollte sie nicht mehr hören, diese Stimmen. Stimmen die Schmerz brachten und sie bestahlen. Sie wollte nur weg. Sie wollte weg und in der süßen Stille versinken.
>CATHRINE!<
Sie keuchte, als die starke Stimme des Professors durch ihren Geist schnitt und somit auch die anderen Gedanken verbannte, die sich zu ihr verirrt hatten. Ihr Atem ging schwer und ungleichmäßig und es dauerte eine ganze Weile, bis sie wirklich die Ruhe wahrnahm, die eingekehrt war. Sie traute der Sicherheit nicht, die diese Ruhe ausstrahlte.
Sie wollte ihr nicht vertrauen, denn sie war sich sicher, dass sie sie dann gleich wieder verlassen würde.
„Es tut mir Leid, dass es so lange gedauert hat.“
Sorge schwang in Xaviers Stimme mit und ein leichter Ton von Unsicherheit, aber sie konnte sich nicht dazu bringen, ihn anzusehen, geschweige denn sich aus ihrer momentanen Position zu lösen.
„Ich hatte nicht erwartet, dass die Lage so ernst ist, als Scott mich gerufen hat und vor allem nicht, dass es so schwer werden würde, deine Barrieren vorübergehend zu flicken.“, erklärte er ruhig und sie konnte fühlen, wie er näher an ihr Bett kam.
„Cathy, das was passiert ist, ist recht ungewöhnlich und besorgniserregend. Bitte, sag mir...“
Sie schüttelte den Kopf, auch wenn sie nicht sagen konnte, ob er es sehen würde oder nicht, und zog sich noch mehr in sich zusammen. Sie wollte es nicht hören. Sie wollte gar nichts.
„Es ist wirklich wichtig, dass du mir sagst was genau geschehen ist, Cathy. Und wir müssen deine Schilde so schnell wie möglich wieder vollständig reparieren. Sie beginnen bereits wieder zu bröckeln ...“
Ja, sie konnte es fühlen, konnte fühlen wie die eine Stimme immer und immer wieder denselben Namen flüsterte, wie Bilder in diesem einen Geist aufblitzten, wie das Begehren immer wieder aufflackerte. Etwas in ihr sträubte sich dagegen, fauchte auf bei diesen Gedanken und wollte nichts lieber als sie im Keim zu ersticken, aber sie vergingen genauso schnell wieder, wie sie gekommen waren.
„Cathy, sieh mich bitte an.“
Scotts Stimme, nicht die des Professors. Er war da, in der Nähe, vielleicht direkt hinter Xavier. Rogue stand vor dem Zimmer, verriet sich durch sorgevolle Gedanken, die ins Zimmer drangen.
Und der Name ... der leise geflüsterte Name, der gerissene Faden war auch dort draußen, irgendwo, nur um der Namensträgerin süße Nichtigkeiten zuzuraunen.
Cathy öffnete die Augen und sah Scott an, der soeben dazu angesetzt hatte, neben ihr Bett zu treten. Blasse Haut und tiefe Linien zeugten von der Sorge, die er empfand und auch wenn sie niemandem zur Last fallen wollte, so erfüllte sie diese Sorge doch mit einer unglaublichen Wärme, die nach und nach die Leere, die sich festgesetzt hatte, verdrängte.
„Der Faden ist gerissen.“, flüsterte sie und hasste sich für den Schmerz und die Schwäche, die in ihrer Stimme mitschwangen. „Der Faden ... Das Gefühl ist weg.“ Sie konnte fühlen, wie ihr bei den Worten Tränen in die Augen schossen.
„Wie...?“
Cathy ließ die Hände von ihren Ohren wegfallen und setzte sich langsam auf, auch wenn es eine unglaubliche Übelkeit in ihr auslöste. Sie verschränkte die Arme vor der Brust und wandte ihren Blick von den beiden Männern ab.
„Ich weiß es nicht.“
Und wie sie es wusste.
Sie hatte es gewusst, von dem Augenblick an, in dem er den Raum betreten hatte. Es hatte plötzlich Sinn gemacht, aber ihre Lehrer brauchten nicht zu wissen, wer ihr Anker war.
Ihr Anker, der niemals der ihre sein würde.
Nein, Logan gehörte mit ganzer Seele einer anderen Person. Und Cathy wusste, dass sie nichts hatte, womit sie Jean jemals hätte überbieten können.
Nein.
Ihr Anker war nicht der ihre, war es niemals gewesen und würde es auch niemals sein.

****


„Jean!“
Die Angesprochene sah auf, als ihr Name gerufen wurde und erblickte Logan, der langsam auf sie zukam. Er musterte sie mit einem leicht besorgten Ausdruck in den Augen und legte ihr in einer fast beschützend wirkenden Geste die Hand auf die Schulter.
„Hey. Ist alles in Ordnung?“, fragte er leise und betrachtete sie prüfend, als sie seinen Blick lediglich mit einem verwirrten erwiderte, so als wäre sie mit den Gedanken ganz woanders gewesen. „Vorhin ... Du hattest es plötzlich ganz eilig. Ist irgendetwas passiert?“
„Nein ... Ich meine, ja. Eine der Schülerinnen ist plötzlich zusammengebrochen und Scott hat sie auf ihr Zimmer gebracht.“
„Zu viel getrunken?“, fragte er und zog leicht amüsiert die Augenbrauen in die Höhe.
„Logan, dies ist eine Schule. Außerdem hat Scott sehr streng darauf geachtet, dass kein Alkohol in den Punsch gelangt. Und nein, daran hat es nicht gelegen ... Cathys Telepathie ist aus irgendwelchen Gründen wieder außer Kontrolle geraten und ...“
„Irgendetwas beunruhigt dich.“
Jean wandte verlegen ihren Blick ab, als Logan noch näher an sie heran trat.
„Es erinnert mich an die Zeit, als ich meine eigene Telepathie nicht kontrollieren konnte. Es ist nicht leicht ... Der Professor und ich haben versucht ihr zu helfen und jetzt sind ihre Schilde trotzdem wieder zerbrochen, obwohl es eigentlich schon ganz gut ging. Ohne Schilde ... Ohne Barrieren, die fremde Gedanken aussperren ...“
Jean brach mitten im Satz ab, als sie Logans Atem auf ihrer Haut spüren konnte und sah ihm mit großen Augen dabei zu, wie er leicht den Kopf zu ihr neigte, wie um sie zu küssen.
„Es macht dir Angst, nicht wahr?“
Jean schluckte schwer und konnte es sich nicht verkneifen, auf seine Lippen zu starren, die den ihren so nah waren. Einen Moment lang konnte sie nicht antworten, sie konnte sich nicht rühren, doch dann schloss sie seufzend die Augen und trat einen Schritt von Logan zurück.
„Ja, das tut es.“

****


Etwas kitzelte ihre Nase.
Cathy runzelte die Stirn und strich sich genervt die Strähne aus dem Gesicht, ehe sie sich auf die andere Seite drehte und auf der weichen Decke zusammenrollte. Schon seit einer ganzen Stunde lag sie hier draußen, im Schatten eines der großen Bäume, welche die kleine Lichtung in dem Wald zäumten.
Seit einer Stunde lag sie schon hier und versuchte den dringend benötigten Schlaf nachzuholen, aber es gelang ihr nicht, egal wie sehr sie es auch versuchte.
Schon in der Nacht hatte sie kein Auge zu bekommen, da die provisorischen Barrieren des Professors in sich zusammengefallen waren, kaum dass sie sich soweit entspannt hatte, dass sie hätte einschlafen können. So hatte sie eine weitere Nacht im Aufenthaltsraum verbracht und hatte versucht sich abzulenken, was aber genauso wenig geholfen hatte.
Beim Frühstück war sie die Erste gewesen, aber sie hatte kaum einen Bissen hinunter bekommen, als auch schon die ersten Frühaufsteher eingetrudelt waren – trotz der Party, die doch recht lange in die Nacht hinein gedauert hatte.
Und so war sie hierhin geflüchtet, mit einer Decke und in der Hoffnung in dem kleinen, an die Schule angrenzenden Wald etwas Schlaf finden zu können, fernab der Gedanken ihrer Mitschüler. Aber egal wie viel Distanz sie zwischen sich und all den anderen Teenagern brachte, es half einfach nicht.
Die Stimmen ihrer Gedanken waren etwas leiser geworden, aber nichts desto trotz konnte sie sie auch weiterhin hören. Jedes Mal wenn es so schien, als wären sie mit den Geräuschen des Waldes um sie herum verschmolzen und als könnte sie endlich ihre Ruhe finden, wurden die Gedanken wieder aufdringlicher.
Es war, als würde sie ihre Telepathie absichtlich quälen, wie um ihr zu zeigen, wie dringend sie einen Anker nötig hatte. Aber sie konnte sich einfach nicht auf ihn konzentrieren.
Auch wenn sie ohne ihr Zutun seine Stimme automatisch aus dem Gewirr an Gedanken herausfiltern konnte, so waren seine Gedanken wirklich die letzten, die sie hören wollte.
Cathy drehte sich wieder auf den Rücken und öffnete die Augen, nur um hinauf zum wolkenlosen Himmel zu starren. Sie wusste nicht, was sie tun sollte. Eigentlich hatte sie Rogue versprochen, dass sie zusammen für die kommenden Prüfungen lernen würden, aber im Augenblick sah sie sich einfach nicht in der Lage dazu, sich auch nur einen Schritt der Schule zu nähern.
Sie musste ihre Gedanken ordnen.
Sie musste es schaffen, ihre Schilde von selbst wieder herzustellen. Sie konnte sich nicht ewig auf den Professor verlassen.
Cathy seufzte tief und ließ ihre Augen wieder zu gleiten. Einen Moment lang hielt sie inne, aber dann ließ sie sich fallen. Sie ließ sich fallen und riss die Überreste ihrer Barrieren mit sich. Und noch ehe die Gedanken der anderen sich auf sie stürzten konnten, zog sie sich in ihr Innerstes zurück und verschloss sich der Außenwelt.
Sie zog sich zurück, zurück an einen tiefdunklen Ort, an dem selbst Logans Stimme nichts weiter war als ein weit entfernter, lichter Punkt am Horizont.

****


Zwölf Uhr.
Rogue runzelte die Stirn und betrachtete die Uhr, die zwischen ihrem und Cathys Schreibtisch an der Wand hing, kritisch, so als würde das etwas an der Tatsache ändern, dass sich die Zeiger langsam aber beständig weiterbewegten.
Es war zwölf Uhr mittags und somit nur noch eine Stunde bis zum Mittagessen und Cathy war noch nicht wieder in ihr Zimmer zurückgekehrt, obwohl sie eigentlich besprochen hatten, dass sie gleich am Tag nach der Party anfangen würden, zusammen für die Prüfungen zu lernen, damit sie den Lernstoff in Ruhe wiederholen konnten.
Rogue knabberte nachdenklich an ihrem Bleistift und starrte angestrengt in ihr Mathematikbuch, aber egal wie sehr sie sich auch bemühte sich zu konzentrieren, ihr Blick verschwamm immer wieder und aus den Rechenbeispielen wurden endlose Zahlenreihen, die es versäumten, Sinn zu ergeben.
Sie versuchte sich zu konzentrieren, aber anstatt dessen schweiften ihre Gedanken ab und sie begann sich Sorgen zu machen. Eigentlich hatte sie seit dem vergangenen Abend nicht aufgehört, sich Sorgen zu machen.
Sie wusste dass Cathy wieder nicht geschlafen hatte. Sie hatte gehört, wie sich das andere Mädchen irgendwann aus dem Zimmer geschlichen hatte, hatte aber gehofft, dass Cathy wenigstens zum Frühstück zurückkehren würde. Aber Rogue konnte sich nicht daran erinnern, sie beim Frühstück gesehen zu haben.
Sie hatte eine Weile sogar nach ihr gesucht, aber sie hatte sie nicht finden können und somit beschlossen, im Zimmer auf sie zu warten. Aber in den zwei Stunden, in denen sie nun schon hier saß, hatte sich nichts geändert.
Sollte sie irgendwem Bescheid sagen? Scott vielleicht? Oder ...
Rogue schrak hoch und fuhr herum, als an die offene Zimmertür geklopft wurde und erblickte Logan, der locker gegen den Türrahmen gelehnt stand und sie anlächelte.
„Hi.“, sagte er nach einem kurzen Moment, in dem er sie nur schweigend betrachtet hatte.
„Hi.“
Rogue legte den angekauten Bleistift auf das Mathematikbuch, bevor sie sich endgültig zu ihm umdrehte und sein Lächeln ein wenig zaghaft erwiderte.
„Stör ich?“ Logan warf einen fragenden Blick auf den Schreibtisch, auf dem sich ein paar Bücher und Hefte stapelten. Rogue folgte seinem Blick, schüttelte dann aber lächelnd den Kopf.
„Nein, du störst nicht. Cathy und ich wollten zusammen lernen, aber sie ist noch nicht zurück und alleine ... Sagen wir mal Mathe hört sich viel leichter an, wenn Mr. Summers es uns an der Tafel vorrechnet...“
„Cathy?“, Logan hatte das Gefühl, den Namen schon einmal gehört zu haben, aber es wollte ihm nicht wirklich einfallen, wo. Es war vermutlich auch nicht so wichtig.
„Meine Mitbewohnerin. Sie ist noch nicht so lange hier, wir wohnen seit etwa zwei Monaten oder so zusammen.“
„Hmmm...“, Logan nickte und warf einen neugierigen Blick durch den Raum, ehe Rogue ihm deutete, näher einzutreten. Er folgte ihrer Einladung und kam zu ihr, nur um kurz auf das aufgeschlagene Mathematikbuch hinunter zu sehen und dann entschuldigend zu lächeln.
„Und, wie geht’s?“, fragte er schließlich, nachdem er sich auf dem zum anderen Schreibtisch dazugehörigen Sessel niedergelassen hatte. „Behandeln sie dich hier gut?“
„Mir geht’s gut, danke. Es ist schön hier. Anders, aber ... schön. Aber ... na ja ... meine Kräfte...“, Rogue verstummte und wandte kurz ihren Blick ab, sah Logan aber wieder an, als dieser ihre behandschuhte Hand ergriff.
„Hey. Deine Kräfte sind ein Teil von dir. Ich bin mir sicher, dass du sie irgendwann einmal kontrollieren können wirst. Vielleicht nicht morgen, aber irgendwann bestimmt.“
„Ja, aber...“
„Ist es wegen deinem Freund?“
„Bobby? Nein. Bobby ist sehr verständnisvoll und ... Aber ich will ihn berühren können. Ich will ihn küssen können, ohne Angst zu haben, dass ich ihm wehtun könnte.“
Logan strich ihr sanft und beruhigend über den Handrücken, während sie sich einen Augenblick lang einfach nur gegenseitig schweigend betrachteten. Dann drückte er sacht ihre Hand, was sie dankbar erwiderte, nur um sich kurz darauf aus seinem Griff zu lösen und verlegen das Thema zu wechseln.
„Und, hast du gefunden wonach du gesucht hast?“, sie sah dabei zu, wie sich einen Moment lang etwas tief Verbittertes in seinen Blick mischte, ehe er diesen von ihr abwandte und erneut durch den Raum streifen ließ.
„Nicht wirklich, nein. Eine verlassene Anlage und dutzende neuer Fragen. Aber ... nun ja, vielleicht kann der Professor ja doch irgendwas hier drinnen finden.“
Er deutete auf seinen Kopf und schenkte ihr ein lässiges Grinsen, das sie eigentlich davon überzeugen sollte, dass dieses Thema ihm nicht nahe ging, jedoch das Gegenteil bei ihr bewirkte. Sie sprach ihn aber nicht weiter darauf an, da ihr etwas an seiner Haltung sagte, dass er nicht darüber reden wollte. Und das respektierte sie, ebenso wie er es bei dem Thema ihrer Kräfte getan hatte.
Langsam erstarb das Grinsen auf seinen Zügen und Logan wandte seinen Blick ab, nur um nachdenklich zum Fenster zu starren, durch welches warmes Sonnenlicht in das Zimmer drang. Er folgte mit seinen Augen den Sonnenstrahlen, die zusammen mit den Schatten einen fast hypnotisierenden Tanz auf der einen Wand, direkt über dem zweiten Bett in dem Zimmer, aufführten und somit den Bilden, die dort aufgehängt worden waren, ein fast gespenstisches Leben einhauchten.
„Gehören die dir?“, fragte er leise, ohne seinen Blick von den Bildern zu nehmen. Bei genauerem Hinsehen stellte er fest, dass es sich bei den Bildern nicht etwa um großformatige Fotographien handelte, sondern um sehr genaue und detaillierte Zeichnungen.
„Nein. Die Zeichnungen hat Cathy von Michael geschenkt bekommen. Er hält Gedanken, die er auffängt, in Bildern auf Papier fest.“
„Das ist eine sehr schöne Gabe.“, murmelte Logan, während seine Augen aufmerksam über die Zeichnungen fuhren, bis sie schließlich an einem bestimmten hängen blieben. Für einen kleinen Moment schien alles zu verblassen, selbst Rogues Antwort auf seine Aussage schien von sehr weit weg zu kommen, sodass er sie kaum wahrnehmen konnte.
Logan runzelte die Stirn während er das Bild von dem weißen Kaninchen auf der von Schatten umgebenen Lichtung betrachtete. Komisch, wenn er es sich so ansah, hatte er das Gefühl etwas unglaublich wichtiges vergessen zu haben.

****


Nichts rührte sich.
Es war still auf der Lichtung während die Sonne langsam unterging und lange, dunkle Schatten auf das regungslose Mädchen warf, das noch genau so da lag, wie es sich am Morgen auf der weichen Decke platziert hatte.
Des Mädchens Atem war ruhig und gleichmäßig, sein Gesicht war entspannt, so als würde es einfach nur schlafen. So, als würde es endlich den versäumten Schlaf der vergangenen Nächte nachholen, aber die immer dunkler werdenden Schatten unter den geschlossenen Augen zeugten von dem Gegenteil.
Nichts rührte sich und doch schien sich irgendetwas kaum greifbares verändert zu haben.
Die Minuten verstrichen, die Zeit verging. Die letzten Sonnenstrahlen streichelten des Mädchens Gesicht. Und dann, in dem kurzen Augenblick zwischen Tag und Nacht, in den wenigen Momenten des Dämmerlichts, zeigte sich die erste Regung.
Die Nase des Mädchens zuckte leicht, als eine kleine Brise ihm eine Strähne ins Gesicht wehte, bevor sich seine Finger ein wenig bewegten.
Das Mädchen riss die Augen auf.
Dunkle Augen, die in der nächtlichen Dunkelheit schwarz zu sein schienen, starrten blicklos gen Himmel, während das Mädchen scheinbar den leisen Geräuschen des Waldes um sich herum lauschte.
„Cathy!“
Ein Ruf drang durch die Dunkelheit, der leichte Wind trug die Stimme an des Mädchens Ohr, aber es schien es nicht zu berühren. Das Mädchen rührte sich nicht weiter, blieb ruhig liegen, so als hätte man nicht seinen Namen gerufen.
„Cathy!!“
Das Mädchen kannte die Stimme, die ihm so unglaublich vertraut war, aber es konnte sich nicht dazu bringen, dem Ruf zu antworten. Etwas sagte ihm, dass es etwas bedeuten musste, dass so viel Sorge in der Stimme mitschwang, dass es wichtig sein musste, aber ehe es hätte näher darüber nachdenken können, wurde es wieder durch die Sterne abgelenkt, die am Nachhimmel fröhlich vor sich hin funkelten.
„Verdammt, sie muss hier irgendwo sein!“
So nah. Die Stimme war unglaublich nah...
Cathy blinzelte und wandte den Kopf zur Seite, als Scott auf die Lichtung trat und für einen kurzen Augenblick inne hielt. Er schien den Atem anzuhalten, bevor er auf sie zu eilte und sich neben ihr auf die Knie fallen ließ, nur um dann vorsichtig nach ihr zu greifen.
Ihre Augen schlossen sich wie von selbst, als seine Finger vorsichtig über ihre Stirn fuhren und sie schmiegte sich ganz leicht an seine Hand, bevor sie ihn wieder ansah.
„Weißt du eigentlich, was für Sorgen ich mir gemacht habe? Und Rogue erst! Ich dachte ja zuerst, dass du dich irgendwo im Haus zurückgezogen hast, aber als du dann auch beim Abendessen nicht aufgetaucht bist...“
Er verstummte und fuhr sich frustriert mit der Hand durch die Haare.
„Wenn du nicht so unglaublich müde aussehen würdest, würde ich dir Hausarrest verpassen, das kannst du mir ruhig glauben.“
Cathy antwortete noch immer nicht sondern musterte ihn einfach nur mit diesem seltsam leeren Blick. Dann breitete sich ein kleines Lächeln auf ihren Lippen aus, bevor sie sich langsam aufsetzte und mit den Fingern über den weichen Waldboden strich.
„Hörst du sie singen?“, fragte sie leise und sah wieder hinauf zu den Sternen, sodass sie Scotts verwirrten Gesichtsausdruck nicht mitbekommen konnte.
„Cathy...?“
„Sie singen und tanzen, damit die Keime groß und stark werden.“, flüsterte sie mit einem ernsten Blick, bevor sich ein verschwörerisches Lächeln auf ihre Züge schlich, das aber nur noch mehr die Tatsache zu unterstreichen schien, dass etwas nicht mit ihr stimmte.
Etwas stimmte ganz und gar nicht.
„Cathy ... Ich bring dich jetzt zum Professor, okay?“
Sie sah ihn einen Moment lang lächelnd an und ließ sich auch problemlos von Scott aufhelfen, aber kaum dass sie die Lichtung verlassen hatten, strauchelte sie und blieb stehen, nur um sich mit einem kleinen Schmerzenslaut an die Stirn zu fassen.
„Scott?“, sie sah ihn verwirrt an, bevor sie sich fast gehetzt umblickte. Ein leichtes Zittern ging durch ihren Körper und sie zog die Decke, die Scott um ihre Schultern gelegt hatte, enger an sich. „Was ist passiert?“
Scott musterte sie ernst, ehe er wieder näher an sie heran trat und sie in den Arm nahm, nur um sie langsam in Richtung Schule zu führen.
„Ich glaube, dass du unglaublich übermüdet bist und ein dringendes Gespräch mit dem Professor nötig hast.“
„Aber...“ Der Protest, der eben noch auf Cathys Zunge gelegen hatte, erstarb auf ihren Lippen. Sie nickte geistesabwesend und ließ ihren Blick ziellos über die dunklen Bäume streichen, auf der Suche nach etwas, von dem sie nicht wirklich sagen konnte, was es eigentlich war.

****


„... wie ein Tier...“
Eine leise Stimme, hinter der Gefahr lauerte. Eine bekannte Stimme, eine Stimme ohne Gesicht. Er hörte Klirren über sich, das Klirren seiner Hundemarken, hörte das Lachen, als eine der beiden von der Kette gerissen wurde.
Nässe, Kälte.
Er wollte schreien, aber er konnte nicht.
Schmerz, als sie in sein Fleisch schnitten.
Heißer, beißender und brennender Schmerz.
Er wollte sich wehren, aber sie hatten ihn gebunden, festgebunden wie das Tier das er war.
Ein Tier, ein Tier, ein Tier ...
Die Stimme hallte in seinem Kopf wieder, das Wort und das Lachen kamen immer und immer wieder, vermischte sich mit seinen stimmlosen Schreien, mit ...

Logan riss mit einem halb erstickten Keuchen die Augen auf und unterdrückte gerade noch den angsterfüllten Schrei, der aus seiner Kehle brechen wollte. Es dauerte eine ganze Weile, bis der Traum soweit wieder von ihm abgelassen hatte, dass er wusste, wo er war. Aber selbst dann brauchte er ziemlich lange, um sich in dem dunklen Zimmer zu orientieren.
Die Decke lag zerknüllt auf dem Boden, nicht unweit von seiner Tasche, die er unausgepackt in die Ecke des Zimmers geworfen hatte. Nur das schweißdurchnässte Kopfkissen leistete ihm auf dem Bett Gesellschaft.
Langsam setzte er sich auf und schwang die Beine vom Bett, nur um dann das Gesicht in seinen Händen zu verbergen und frustriert zu seufzen.
Wieder so ein Traum.
Die Träume kamen und gingen, so wie sie es auch schon früher getan hatten, mit dem einzigen Unterschied, dass er jetzt in etwa wusste, was in dem Labor passiert war. Oder wo es passiert war. Aber dieses Wissen brachte ihn einfach nicht weiter.
Das einzige, was sein Besuch in dem von Gott verlassenen Ort bewirkt hatte, war, dass die Fragen und die Unsicherheit sich jetzt noch mehr in sein Inneres fraßen. Nein, er hatte nicht wirklich Antworten gefunden. Vielleicht würde er niemals die Antworten finden, nach denen er suchte. Er würde niemals...
Logan unterdrückte das unglaubliche Gefühl der Hoffnungslosigkeit, das in ihm hochsteigen wollte und stand mit etwas fahrigen Bewegungen auf, nur um dann in der Dunkelheit nach einem T-Shirt zu fischen, das er sich überstreifen konnte.
Kurz darauf hatte er sein Zimmer verlassen und war auf den Gang getreten, auf dem es um diese Uhrzeit schon längst ruhig war. Er brauchte nicht auf die Uhr zu sehen, um zu wissen, dass es schon lange nach Mitternacht war.
Ohne weiter darüber nachzudenken, was er jetzt eigentlich machen sollte, ging Logan einfach darauf los und ließ sich von seinen Beinen zu den Treppen führen, denen er bis zum Erdgeschoss der Schule folgte. Er musste sich einfach ein wenig die Füße vertreten, musste versuchen auf andere Gedanken zu kommen, auch wenn er wusste, dass ihm das vermutlich auch nicht dabei helfen würde, in dieser Nacht noch einmal Schlaf zu finden.
Er achtete nicht wirklich darauf, wohin er ging, er schlich sich einfach nur leise durch die Gänge, spähte desinteressiert in offene Räume und blieb einmal kurz bei der Küche stehen, aus der er sich, nach einigem Überlegen und Suchen, eine Cola holte, bevor er schließlich an dem Aufenthaltsraum vorbei kam, in dem Rogue mit ein paar anderen Schülern Tischfußball gespielt hatte, als er die Schule vor etwas mehr als acht Monaten verlassen hatte.
Logan hatte eigentlich nicht erwartet, so spät noch jemanden anzutreffen. Er war eigentlich davon überzeugt gewesen, dass er um diese Uhrzeit die einzige Person an dieser Schule war, die nicht schlief. Aber als er beim Aufenthaltsraum ankam entdeckte er, dass der Fernseher leise lief.
Er nahm einen Schluck von seinem Getränk, ehe er in den Raum trat und das Mädchen mit den langen, dunklen Haaren erblickte, das in eine Decke gehüllt auf der Couch saß und starr auf den Bildschirm sah.
„Solltest du nicht eigentlich um diese Uhrzeit schlafen?“, fragte er unvermittelt, aber es dauerte einen Moment, ehe das Mädchen reagierte und selbst da schien es so, als sei es kein bisschen von seiner Anwesenheit verblüfft.
„Ich schlafe nicht.“, sagte Cathy leise ohne sich zu ihm umzudrehen und zog die Decke etwas enger um sich.
Logan runzelte die Stirn, während er die Couch umrundete, um das Mädchen näher zu betrachten. Es konnte nicht sehr viel älter als Rogue sein und hatte große, dunkle Augen. Außerdem schien es ihm nicht besonders gut zu gehen, wenn man die unnatürlich blasse Haut und die dunklen Ringe unter seinen Augen in Betracht zog.
„Ist das deine Gabe?“, fragte er skeptisch und musste dabei die Irritation niederkämpfen, die in ihm hochsteigen wollte. Was tat er hier eigentlich, wo er doch hatte alleine sein wollen?
„Nein.“
Cathy sah ihn immer noch nicht an, sondern starrte weiterhin scheinbar blicklos auf die flackernden Bilder des Fernsehers. Es vergingen ein paar Augenblicke des Schweigens, bevor Logan sich schließlich mit einem Seufzen neben sie auf die Couch fallen ließ und die Beine vor sich ausstreckte.
„Und, irgendwas Besonderes im Fernsehen?“
„Keine Ahnung...“, murmelte Cathy, bevor sie langsam blinzelte und sich müde über die Augen fuhr. Ihr ganzer Körper strahlte unglaubliche Erschöpfung aus, aber dennoch schenkte sie ihm ein kleines Lächeln, als sie ihren Blick endlich vom Fernseher abwandte und ihn ansah. „Ich würde ja „Der Pferdeflüsterer“ empfehlen, falls du nicht schlafen kannst, aber ich fürchte Bobby hat die DVD.“
Cathy sank mit einem leisen Seufzen ihrerseits zurück in die weichen Kissen der Couch, wodurch sie unweigerlich ein wenig in Logans Richtung rutschte, ohne es wirklich wahrzunehmen.
Wieder kehrte tiefes Schweigen ein, einzig die leisen Dialoge der Werbungen waren zu hören, bis Logan nach der Fernbedienung griff, die neben Cathys Hand lag, und durch die Kanäle zappte, aber nichts vermochte es, seine Aufmerksamkeit zu erregen. Dabei bemerkte er nicht, wie Cathy durch die kurze Berührung leicht erschauderte.
So saßen sie nebeneinander, so nah und gleichzeitig unglaublich fern voneinander. Cathy konnte Logans Körperwärme neben sich fühlen, seinen leisen, regelmäßigen Atem hören, aber seine Augen waren starr auf den Fernseher gerichtet, so wie es ihre vor nur wenigen Minuten gewesen waren.
Ihm entgingen die Blicke, die sie ihm immer wieder zuwarf und auch die Unsicherheit, mit der sie ihn betrachtete. Er sah sie erst wieder an, als sie nach der Decke griff und sie, nach Wärme suchend, noch enger um sich zog.
„Ist dir kalt?“, fragte er leise und musterte sie eingehend, wodurch sich sein erster Eindruck nur noch verstärkte und ihn sich fragen ließ, wann das Mädchen wohl das letzte Mal richtig geschlafen hatte. Beinahe hätte er bei dem Gedanken geschmunzelt. Es war ja nicht etwa so, dass er jede Nacht durchschlafen konnte.
Cathy sah ihn leicht verblüfft und auch etwas zaghaft an, bevor sie ihren Blick abwandte und fast unmerklich nickte. Sie erwartete nicht wirklich eine Antwort oder eine Reaktion und so zuckte sie erschrocken zusammen, als sich die Couch ein wenig bewegte und Logan ihr einen Arm um die Schultern legte, nur um sie dann an seinen unglaublich warmen Körper zu ziehen.
An eine warme, harte Brust.
Das rhythmische Schlagen seines starken Herzens drang durch das plötzliche Rauschen in ihren Ohren und lullte sie langsam ein. Sie blickte auf und sah in sein vertrautes Gesicht, das sie noch für einen kurzen Moment aus warmen, dunklen Augen musterte.
Und auch wenn er nichts sagte und kurz darauf seinen Blick wieder auf den Fernseher richtete, so als wäre nichts geschehen, reichte diese kleine Geste aus, um alles wieder gut zu machen.
Noch während sie sich durch die vertraute Wärme und durch das Gefühl der Sicherheit, die diese brachte, in den Schlaf wiegen ließ, konnte sie fühlen, wie etwas in ihr wieder nach ihm griff. Sie konnte fühlen, wie der Riss sich schloss, wie sich der Faden wieder um ihn wickelte.
Das erste Mal seit langem fiel Cathy in einen tiefen, ungestörten und traumlosen Schlaf.

****


Es dauerte einen Moment, bis Logan merkte, was nicht stimmte.
Hatte er im einen Augenblick so tief geschlafen wie schon lange nicht mehr, so war er ganz plötzlich hellwach, als ein Schatten auf seine geschlossenen Augenlider fiel und somit durch die ruhige und entspannte Atmosphäre schnitt, die ihn in den Schlaf gelockt hatte.
Als wäre das ein Zeichen gewesen, bemerkte er die weichen Kissen der Couch, auf der er  lag, und das zusätzliche Gewicht auf seiner Brust, das ihm einerseits das Atmen ein klein wenig erschwerte, ihn aber andererseits auf eine sehr angenehme Art und Weise wärmte.
Logan riss die Augen auf und erblickte als erstes Scott, der mit einem leicht amüsierten Gesichtsausdruck über ihn gebeugt stand und die Hand wieder zurückzog, mit der er nach dem menschlichen Bündel in Logans Armen hatte greifen wollen, das sich im Laufe der Nacht an ihn gekuschelt hatte.
Logan stutzte, bevor sein Blick zu dem Mädchen in seinen Armen wanderte, auf dessen Gesicht ein unglaublich friedliches und zufriedenes Lächeln zu finden war. Er konnte sich zwar noch daran erinnern, es in den Arm genommen zu haben, weil dem Mädchen kalt gewesen war, aber ... Wann war er überhaupt eingeschlafen?
Er sah ruckartig wieder zu Scott, der so aussah, als wolle er etwas sagen, bevor er jedoch mit den Schultern zuckte und einen Schritt zurück trat.
„Das ist nicht das, wonach es aussieht, Summers.“, knurrte Logan, ehe er sich langsam und vorsichtig aufsetzte und sich aus dem Griff des Mädchens, das sich an ihn geklammert hatte, befreite.
Scotts amüsiertes Lächeln wurde zu einem breiten Grinsen während er Logan mit hochgezogenen Augenbrauen musterte.
„Du bist also nicht neben einer Schülerin eingeschlafen?“, fragte er mit einem Ton, der Logan fast aus der Haut fahren ließ, aber anstatt dessen warf er Scott lieber einen vernichtenden Blick zu und stand schweigend auf, wobei das Mädchen von seinem Schoß hinunter auf die Kissen rutschte. Verdammt, warum war er überhaupt in den Aufenthaltsraum gekommen?
„Was willst du, Summers?“, fragte er dann, nachdem er sich einige Schritte von der Couch entfernt hatte. Er fuhr sich müde und frustriert über die Augen, ohne sich eingestehen zu wollen, dass er ausgesprochen ausgeruht war. Wie spät war es überhaupt?
„Na ja, ich war schon einmal vor dem Frühstück hier, aber ihr beide habt so friedlich ausgesehen, also hab ich mir gedacht, dass ich euch ausschlafen lasse. Aber da jetzt schon Zeit für’s Mittagessen ist...“ Das Grinsen wollte einfach nicht von Scotts Gesicht weichen und Logan hatte das ungute Gefühl, dass sein Gegenüber weit mehr amüsierte als nur die Tatsache, dass Logan die Nacht zusammen mit einer Schülerin auf der Couch verbracht hatte.
„Hmmm ... Wie auch immer. Ich geh dann mal.“
Logan trat an Scott vorbei und auf die Tür zu, aber bevor er den Raum verließ hielt er kurz noch einmal inne, als er Scotts leise Stimme hörte.
„Danke, Logan.“

****


„Also gut, gibt es noch irgendwelche Fragen?“
Scotts Stimme schnitt durch Cathys immer wieder abschweifenden Gedanken und ließ sie zum Anführer der X-Men aufblicken, der ernst in die Runde blickte. Einen Moment lang fragte sich Cathy, was sie hier überhaupt tat, aber dann rief sie sich in Erinnerung, dass Scott und der Professor beschlossen hatten, ein paar der älteren Schüler in eine Trainingseinheit mit einzubeziehen, damit diese lernten, wie sie in Stresssituationen mit ihren Kräften umgehen sollten.
„Dann wiederhole ich jetzt noch einmal die wichtigen Punkte: Es geht hier in erster Linie um Teamarbeit, vergesst das bitte nicht. Also keine Einzelaktionen, Logan.“ Scott warf dem Angesprochenen einen durchdringenden Blick zu, was dieser aber gekonnt ignorierte.
„Wir gehen in getrennten Teams rein, aber das heißt nicht, dass wir nicht als Ganzes zusammen arbeiten. Ziel der Übung ist es, die Zielperson zu finden und sicher und unbeschadet aus der Gefahrenzone rauszuholen.“
Cathy ließ ihren Blick über die Gesichter ihrer Freunde schweifen, die Scott etwas nervös aber auch begeistert zuhörten. Sie musste nicht ihre Gedanken hören um zu wissen, dass sie sich auf diese Übung freuten. An einer Trainingseinheit mit den X-Men teilzunehmen war ihnen Beweis genug, dass die Erwachsenen sie nun schon ernst nahmen und für erfahren genug hielten. Cathy selbst wusste jedoch nicht, was sie von der Sache halten sollte.
Gut, dann hatte sie ihre Telepathie jetzt endlich mehr unter Kontrolle und auch der Professor war bei dem gestrigen Gespräch erstaunt darüber gewesen, wie schnell sie sich von dem Zusammenbruch ihrer Schilde erholt hatte. Und anscheinend war er der Meinung gewesen, dass sie nun schon stark genug waren, um auf die Probe gestellt zu werden. Cathy konnte nicht von sich behaupten, derselben Meinung zu sein.  
Ihre Schilde fühlten sich zwar stark an und sie hatte das Gefühl, dass sie nun flexibler und dadurch auch belastbarer waren, aber was brachten sie ihr, wenn sie körperlich angegriffen wurde? Selbstheilung schön und gut, aber ...
Cathy schüttelte leicht den Kopf und schloss für einen kurzen Augenblick die Augen, während sie versuchte, jegliche Gedanken an das Adamantium unter ihrem Fleisch zu verdrängen und wieder tief in ihrem Inneren zu vergraben.
„Nun zu der Einteilung. Cathy ...“
Bei der Erwähnung ihres Namens sah sie leicht verwirrt auf und blickte zu Scott, der sie aufmerksam musterte.
„... ist die Zielperson.“
Aller Augen wanderten zu ihr und für einen Moment wäre sie am liebsten im Boden versunken, während sie sich fragte, warum Scott ausgerechnet sie als „Opfer“ ausgesucht hatte.
„Zwei Teams werden nach ihr suchen während die restlichen drei das Umfeld sichern und für eine sichere Rückkehr zum Treffpunkt sorgen. Jean wird die Kommunikation zwischen den Teams aufrecht erhalten.“
Scott hielt kurz inne, um einen weiteren Blick in die Runde zu werfen und sicher zu stellen, dass alle ihn verstanden hatten. Dann sah er wieder zu Cathy, nur um ihr kurz zu zunicken.
„Cathy, du hast die Aufgabe, dich so gut wie möglich zu verstecken und der Professor hat darum gebeten, dass du die ganze Übung telepathisch mitverfolgst, in Ordnung?“
Nichts war in Ordnung, aber Cathy nickte dennoch, bevor sie Anstalten machte aufzustehen. Logans verächtliches Schnaufen ließ sie jedoch innehalten.
„Gibt es ein Problem, Logan?“
„Wenn wir hier sind, um Verstecken zu spielen, dann nicht.“
„Ja, wie auch immer. Sonst noch irgendwelche Einwände?“, fragte Scott während er sich scheinbar die allergrößte Mühe gab, Logan zu ignorieren. Als keine weiteren Bemerkungen folgten, nickte er Cathy schweigend zu, die sich daraufhin endgültig aus ihrem Sessel erhob und sich auf den Weg zum Gefahrenraum machte.
Nein, mit der Tatsache, dass sie sich in einer womöglich nicht ganz so harmlosen Simulation verstecken und darauf warten sollte, gefunden zu werden, war gar nichts in Ordnung, aber sie würde sich nicht beschweren.


****


Sie würde sich beschweren.
Und wie sie sich beschweren würde! Sie würde Scott die Hölle heiß machen und ihm eine ganze Woche lang die Tatsache unter die Nase reiben, dass er sie überfahren hatte und dass das alles seine Schuld war!
Cathy zuckte zusammen, als weit über ihr etwas explodierte und zog sich noch weiter in die Schatten zurück, in der Hoffnung, dass die Sentinels sie nicht geortet hatten.
Ja, sie würde Scott eindeutig den Hals umdrehen! Ihre Ohren dröhnten von den vielen Explosionen und der Gestank von Motoröl schien sich in ihrer Nase festgesetzt zu haben. Simulation hin oder her, es war ein richtiger Alptraum von dem sie hoffte, dass er niemals wahr werden würde.
Sie war bei ihrem Eintritt in die Simulation nur knapp einem Sentinel entgangen und dass bereits zwei dieser Mutantenjäger sie fast gefunden hatten, seit sie sich in einer kleinen Nische in den dunkelsten Schatten einer Hausruine verkrochen hatte, machte es auch nicht besser.
‚Wie lange dauert das denn?’
Sie hatte, so wie der Professor es ihr aufgetragen hatte, die Vorgänge telepathisch mitverfolgt. Sie wusste, wer mit wem im Team war, sie hatte auch den exakten Zeitpunkt mitbekommen, an dem die X-Men den Gefahrenraum betreten hatten. Aber so langsam machten sich enorme Kopfschmerzen bei ihr bemerkbar, was bei weitem nicht nur an dem Lärmpegel lag, dem ihre empfindlichen Ohren ausgesetzt waren.
Sie durfte aber auch keinen Kontakt mit Jean aufnehmen, um ihr ihren Standpunkt mitzuteilen. Nein, die anderen mussten sie von alleine finden und bis das geschehen war, musste sie darauf achten, nicht von den Falschen entdeckt zu werden.
„Cathy?“
Sie sah ruckartig auf, als ihr Name leise gerufen wurde. Da, ganz in der Nähe konnte sie menschliche Schritte hören, die sich ihr näherten. Aber gerade als sie dem Ruf folgen wollte, erschütterte eine weitere Explosion den Boden und sie sank mit einem schmerzvollen Stöhnen zurück. Sie hatte das Gefühl, als würden ihr jeden Moment die Trommelfelle platzen.
Sie schloss für einen kurzen Moment die Augen und presste mit aller Kraft die Handballen gegen ihre Ohren, auch wenn sie wusste, dass das nur wenig helfen würde. Sie konnte nur hoffen, dass die ganze Übung möglichst bald zu Ende sein würde. Und dann würde sie sehr, sehr lange kein Wort mehr mit Scott wechseln.
„Ich bin hier!“, flüsterte sie schließlich als Antwort, auch wenn sie bezweifelte, dass diese gehört werden würde. Aber die Erinnerung daran, dass diese Sentinels beängstigend real waren, hinderte sie daran, lauter zu sprechen.
Schließlich konnte sie spüren, wie Jeans Geist sacht gegen den ihren strich und somit ihren genauen Standpunkt ermittelte.
„Hey, ist alles in Ordnung?“ Jean tauchte nur wenige Augenblicke später vor ihr auf und legte ihr beruhigend die Hand auf die Schulter, an der ihr Oberteil zerfetzt und leicht blutig war. Komisch, wann hatte sie sich verletzt?
„Ja, alles in Ordnung. Wo ist Kitty?“, fragte Cathy ebenso leise zurück, während sie ihre Sinne weiterhin auf ihre Umgebung konzentrierte und darauf hoffte, dass kein weiterer Sentinel dieser Wege kommen würde.
„Sie hat mir den Rücken frei gehalten, ist jetzt aber bei Hank und Bobby. Komm, ich bring dich hier raus.“
Cathy nickte dankbar und ließ sich von Jean auf die Beine helfen, nur um kurz darauf hinter der älteren Frau aus der Ruine zu treten, in der sie Unterschlupf gefunden hatte. Sie konnte förmlich spüren, wie Jean ihre Kraft sammelte und dann begann die Luft um sie herum leicht zu schimmern, als sie ein telekinetisches Schild heraufbeschwor, das zwar anfangs ein bisschen wabberte, sich dann aber zu einer undurchdringlichen Blase verfestigte.
„So, jetzt können wir los. Der Treffpunkt ist nicht sehr weit weg, also dürfte das hier recht bald überstanden sein. Ach ja, sollte Scott wieder so eine brillante Idee für ein Szenario haben, erinnere mich daran, sie ihm auszureden, ja?“
Cathy erwiderte das Grinsen, das Jean ihr über die Schulter zuwarf, ehe sie ihr langsamen Schrittes folgte. Sie kamen nur langsam voran, da Jean jegliche Konzentration dazu aufbringen musste, das Schild um sie herum aufrecht zu erhalten und trotzdem die anderen Teams darüber zu informieren, dass sie Cathy gefunden hatte und auf dem Weg zum Treffpunkt war.
Cathys Blick schweifte unruhig über ihre Umgebung und sie musste mit einem sehr beunruhigendem Gefühl feststellen, dass sie sich scheinbar dem Zentrum der Kämpfe näherten, aber gleichzeitig war sie sich hundertprozentig sicher, dass Jean wusste, was sie tat. Trotzdem, egal wie sehr sie es auch versuchte, sie konnte dieses Gefühl einfach nicht unterdrücken. Und es wurde mit jedem Schritt, den sie taten, stärker.
„Jean...“ Cathy wollte mehr sagen, aber ihre Stimme versagte. Sie waren aus der kleinen Gasse herausgetreten, hinaus auf die Hauptstraße dieser von Gott verlassenen Kleinstadt. Auf die Hauptstraße, auf der Scotts optischer Strahl gerade einen der Sentinels zum Sturz brachte.
Aber es war nicht dieser Anblick, der Cathy das Blut in den Adern gefrieren ließ.
Ein eisiger Schauer jagte ihren Rücken hinunter, als sich der Sentinel hinter ihr durch einen Erderbebenden Schritt bemerkbar machte. Und nur einen kurzen Moment später erleuchtete sein tödlicher Strahl die Nacht.
Cathys Knie gaben leicht unter ihr nach und sie hatte das Gefühl, als würde ihr Herz jeden Moment stehen bleiben, sodass es einen kurzen Augenblick dauerte bis sie bemerkte, dass sie nicht getroffen worden waren. Ein kleiner Blick in Jeans konzentriertes Gesicht erinnerte sie daran, dass die Schilde um sie herum jeden Angriff abwehrten, aber das änderte nichts an dem Entsetzen, das von ihr Besitz ergriffen hatte.
„Ich werde dich hier sicher raus bringen, keine Angst.“, sagte Jean mit einem beruhigenden Ton in ihrer Stimme. Cathy nickte stumm, zuckte aber erneut zusammen, als ein optischer Strahl knapp über ihrem Kopf hinweg zischte. Er traf den Sentinel und trennte ihm den Arm ab, mit dem er nach ihnen hatte greifen wollen.
Ohne einen weiteren Moment zu verlieren, setzten sie sich in Bewegung, eilten auf die Hauptstraße hinaus und dann nach rechts, in Richtung des kleinen Parks, der das Zentrum der Kleinstadt bildete, aber sie kamen nicht sehr weit, bevor Jean wieder inne hielt und einen entsetzten Blick in Scotts Richtung warf, der gehetzt einem Strahl des Sentinels auswich. Jubilee gab ihr Bestes, um ihm zu helfen, aber ihre kleinen Feuerwerke vermochten nur wenig gegen den Sentinel auszurichten.
Schweißperlen begannen sich schon auf Jeans Stirn zu bilden, aber dennoch konnte Cathy fühlen, wie sie noch ein bisschen Kraft sammelte, diesmal aber um Scott zu helfen. Das Schutzschild um sie herum erzitterte ein wenig, verlor ein bisschen an Stabilität, während irgendetwas in dem Kopf des Sentinels explodierte.
Stille kehrte ein, um sie herum wurde es seltsam ruhig.
War das etwa der letzte Sentinel gewesen?
Cathys Hände zitterten, während sie sich erneut auf ihre Umgebung konzentrierte, aber es schien ruhig. Bis auf die zaghaften Schritte der restlichen X-Men, die sich langsam sammelten und auf sie zu kamen, konnte sie nichts anderes hören. Nur Jeans Atem, der stoßweise ging und ihren rasenden Puls. Nicht mehr lange, das wusste Cathy, und Jean würde zusammen brechen.
Das telekinetische Feld um sie herum flackerte und begann sich langsam aufzulösen, egal wie sehr Jean auch scheinbar versuchte, es aufrecht zu erhalten. Aber das war nicht mehr wichtig. Nur noch wenige Schritte und die restlichen X-Men würden zu ihnen stoßen, nur noch ein paar Minuten und die Übung wäre vorbei.
Jeans Hand krallte sich in Cathys Oberarm und zog das Mädchen wieder hinter sich, als der letzte Sentinel aus dem Park trat. Er war sichtlich beschädigt, ein Arm und ein Teil des Kopfes fehlten, aber dennoch trat er sicheren Schrittes auf sie zu.
Cathys Hände zuckten und sie konnte fühlen, wie sich ihre Unterarme anspannten, aber sie unterdrückte diesen einen Impuls mit aller Kraft, unterdrückte die Panik, die in ihr hochsteigen wollte. Nein, die Angst vor dem Schmerz war weitaus größer als ihre Furcht vor dem Sentinel.
Der Sentinel machte einen weiteren Schritt in ihre Richtung, blieb dann aber mitten in der Bewegung stehen, als sich plötzlich eine Eisschicht nach der anderen um seine Beine bildeten. Jean nickte Bobby, der aus einer Gasse getreten war, dankbar zu, während sie Cathy immer weiter in Scotts Richtung zurück drängte und mit aller Kraft versuchte, das Schild um sie herum wieder aufzubauen.
Die Gefahr war noch nicht gebannt.
Cathy konnte sehen, wie Scott auf sie zu eilte, so wie auch die anderen immer näher kamen. Nicht weit von sich weg konnte sie Logans Fluch hören, ehe auch er sich in Bewegung setzte.
Ein Knirschen ging durch den Sentinel, der trotz des Eises versuchte sich weiter zu bewegen. Der verbliebene Arm zuckte in die Richtung, aus der Scott zusammen mit Jubilee und Hanks Gruppe kam und feuerte einen Schuss ab, dem die anderen nur sehr knapp entgingen. Aber noch bevor er ein weiteres Mal hätte angreifen können, traf ihn einer von Storms Blitzen direkt in den Kopf.
Cathy hob die Hände schützend vor ihre Augen, als das Licht der Explosion sie blendete. Rote und gelbe Punkte tanzten vor ihren Augen, was sie aber nicht daran hinderte, das erleichterte Seufzen Jeans zu hören.
Es war endlich vorbei. Die Übung war vorbei und sie nahm sich fest vor, sich nie wieder für eine einteilen zu lassen. Auch wenn die Simulationen jederzeit abgebrochen werden konnten, der Gefahrenraum schuf eine beängstigend reale Wirklichkeit und ...
„Jean!!!“
Scotts Schrei vermischte sich mit Logans und schnitt durch das Gefühl der Erleichterung, das sie erfasst hatte. Ihr Herz setzte aus und ihr Blick klärte sich endlich.
Ihr Blick klärte sich gerade zeitig genug, um zu sehen, wie ein Stück Metall, das sich von dem Sentinel gelöst hatte, auf sie und Jean zuraste. Er klärte sich rechtzeitig, um zu bemerken, wie sich Jeans Schilde langsam noch einmal aufbauten.
Langsam.
Viel, viel zu langsam.
Cathy konnte sich nicht rühren, ihre vor Entsetzen geweiteten Augen waren starr auf das Metallstück gerichtet, das trotz der Zeit, die plötzlich unglaublich langsam zu verstreichen schien, viel zu schnell auf sie zu bewegte. Ein Funke Hoffnung breitete sich in ihr aus, als sie spürte, wie Jeans Telekinese das Metall endlich erfasste, wie das Schild wieder stabiler wurde.
Doch dann streifte sie ein Luftzug, als Jean von einem anderen Körper zu Boden gerissen wurde. Als ihre Konzentration gebrochen wurde, weil Logan sie aus der Schussbahn riss.
Weil Logan ...

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Ende
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Nein, keine Sorge, es geht weiter! Im nächsten Kapitel!
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