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Fortsetzung TRAOD

GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Lara Croft
07.12.2006
07.12.2006
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Lara und die Amulett- Splitter
(Fortsetzung von Lara Croft – Angel of Darkness)
by Stephi


-1-
Nachdem Kurtis mir geholfen hatte aus der Halle mit Boaz, einer ehemaligen Mitarbeiterin Eckhardts, die zu einer Spinne mutiert war, zu fliehen, hatte ich keine Ahnung wie es ihm ergangen war, denn ich wollte Eckhardt ausschalten und nichts in der Welt konnte mich in dem Moment daran hindern.

*

Ich hatte es geschafft. Eckhardt, Karel und der Schläfer waren vernichtet. Von Croy, mein ehemaliger Mentor, war nicht umsonst gestorben, ich hatte ihn gerächt. Und doch empfand ich nicht nur Freude über den Sieg. Denn ich hatte einige Menschen verloren, die mir, trotz allem, etwas bedeuteten.


Ich trat in die Halle, in der Hoffnung Kurtis dort zu finden, lässig an die Wand gelehnt und fragend, warum das denn so lange gedauert hätte.

Doch Kurtis war nirgends zu sehen. Auch Boaz sah ich nicht. Instinktiv zog ich meine Waffe und ging im Raum umher. Da ich hier nichts entdecken konnte, beschloss ich in den Raum zu gehen, aus der Boaz einst herausgekommen war.

Ich hatte kein Licht, also zündete ich eine Magnesiumfackel und erschrak fürchterlich, denn Kurtis lag zusammengesunken im ersten drittel des Raumes. Meine Schritte beschleunigten und die letzten paar Meter rannte ich zu ihm, kam schlitternd zum stehen.

„Verdammt Kurtis, dass können Sie mir doch nicht antun!“

Ich verpasste ihm eine Ohrfeige, kein Lebenszeichen.

„Ich habe auf meinen Missionen niemanden zurückgelassen, der es nicht verdient hatte und ich werde nicht zulassen, dass Sie mir hier wegsterben.“

Ich packte meinen Rucksack aus und suchte nach etwas, womit ich die starke Blutung stillen konnte, die aus einer Wunde am Bauch herausströmte. Noch während ich suchte, hörte ich plötzlich ein leises stöhnen.

„Kurtis! Gott sei dank.“

Er hatte die Augen aufgeschlagen und lächelte leicht.

„Lara, warum sind Sie noch hier?“

Seine Stimme war leise und schwach und seine Augen flackerten.

„Meinen Sie ich lasse Sie hier liegen und mache mir ein schönes Leben? Was ist überhaupt passiert? Hey, wach bleiben, sehen Sie mich an!“

Eine weitere Ohrfeige veranlasste Kurtis für einen kurzen Augenblick dazu, mich anzusehen. Dann verdrehte er die Augen und wurde wieder ohnmächtig, doch hin und wieder öffneten er seine Augen.

„Was ist passiert?“

„Ich habe Boaz besiegt, aber sie konnte mir noch einen Stich versetzen, ehe ich sie endgültig vernichtete. Lara, ich habe nicht mehr lange zu Leben, es hilft nichts, die Wunde ist zu tief, also gehen Sie!“

Das reden hatte ihn sehr angestrengt. Ich ließ mich auf die Knie nieder, legte seinen Kopf auf meinen Schoß und nahm seine Hand.

„Nein, Kurtis. Ich werde Hilfe holen, Sie werden das schaffen.“

Er schüttelte den Kopf.

„Es ist zu spät,“ flüsterte er, dann sank sein Kopf zur Seite.

„Kurtis! Nein! Kommen Sie, das wird schon wieder.“

Hektisch fühlte ich nach seinem Puls. Ich konnte nichts spüren.

Da saß ich nun, Kurtis´ Hand in meiner. Der Boden fühlte sich kalt an und ich begriff das es keinen Sinn mehr hatte hier zu sitzen und zu warten. Ich konnte nichts mehr für Kurtis tun.
Er war tot.
Das musste ich akzeptieren. Ich nahm meinen Rucksack, und ging Richtung Ausgang. Bevor ich die Halle verließ, drehte ich mich noch einmal um.

Ich hatte Kurtis wieder auf den Boden gelegt, er sah aus, als ob er eingeschlafen wäre.

„Ruhe in Frieden,“ flüsterte ich leise.


-2-
Ich trat hinaus und mich durchfuhr ein kalter schauer, denn es schneite und ein heftiger Wind war aufgekommen.
Das Auto, mit dem ich hierher gefahren war, war mittlerweile total eingeschneit.
In der Tasche kramte ich nach meinem Handy, ich wählte die Nummer meines Zuhauses und wartete.

„Croft Manor, Winston. Was kann ich für Sie tun?“

„Hier ist Miss Croft...“
Weiter kam ich nicht, denn Winston unterbrach mich.

„Endlich, ich hatte schon die schlimmsten Befürchtungen. Wie geht es Ihnen und wo sind Sie überhaupt?“

„Wenn Sie mich hätten ausreden lassen, dann wüssten Sie es bereits! Ich habe das Rätsel gelöst, dennoch habe ich ein Problem, denn die Polizei wird mich noch suchen, ich kann mir also weder ein Hotelzimmer nehmen, noch zurückfliegen. Rufen Sie meine Pressesprecherin Monica an und bitten Sie sie, die Sache in die Hand zu nehmen. Ich erwarte bis morgen früh ein Rückruf.“

Ich klappte mein Telefon zu und kramte nach den Autoschlüsseln, doch als ich versuchte sie in das Schloss zu stecken, ging es nicht.

„Verdammt!“

Mir voller Wucht trat ich gegen den Reifen. Das Schloss war vereist und ich hatte kein Feuerzeug bei mir, keine Jacke und nur ein bisschen Geld womit ich mir nichts kaufen konnte, denn die Polizei hatte mein Fahndungsfoto durch sämtlich Fernsehsendungen laufen lassen und mich würde sofort jeder erkennen.

Ich musste mir trotzdem schnellstmöglich eine Übernachtungsmöglichkeit suchen, sonst würde ich erfrieren.

Ich betrat einen größeren Platz, der von Häusern umgeben war. In einer kleinen Gasse fand ich, bei näherem hinsehen, eine kleine Pension. Dort wollte ich mein Glück versuchen.

Als ich eintrat war ich überrascht, denn von außen machte das Haus einen schmutzigen und heruntergekommenen Eindruck, doch innen war es sauber und ordentlich.

Wenn mich nicht alles täuschte lag ein leichter Geruch von frischer Farbe in der Luft. Die Frau am Empfang hatte mein erstauntes Gesicht bemerkt und lächelte. Sie hieß mich auf tschechisch Willkommen, aber ich verstand nicht sonderlich viel. Ich versuchte ihr klarzumachen, dass ich nicht von hier war und sofort ging sie über, in ein holpriges Englisch, mit starkem Akzent.

Ich hoffte inständig das sie keine Nachrichten gesehen hatte und nicht heimlich die Polizei rief, während ich in meinem Zimmer darauf wartete, dass meine Pressesprecherin alles wieder für mich einrenkte. Plötzlich klingelte mein Handy. Entschuldigend sah ich zu der Frau und ging in eine Ecke, nahe des Eingangs.

„Ja?“

„Miss Croft, hier Winston. Ich habe Mrs. Grand angerufen und sie hat eine Weltweite Pressekonferenz einberufen. Allerdings erst in ein paar Stunden, bis dahin müssten Sie ihr einen ausführlichen Bericht sämtlicher Ereignisse zukommen lassen. Sie haben ihren Laptop dabei?“

„Natürlich. Ich werde mich darum kümmern. Allerdings wird die Pressekonferenz mich nicht aus der Fahndungsliste der Polizei löschen.“

„Natürlich nicht, aber darum kümmert sich Mrs. Grand ebenfalls. Machen Sie sich keine Sorgen, in ein paar Stunden ist alles vorbei.“

In diesem Moment fühlte ich mich mit ihm Verbunden wie eine Tochter mit ihrem Vater.

„Danke Winston. Ich melde mich wieder.“

Ich legte auf. Zu der Empfangsdame gewandt sagte ich:

„Tut mir leid. Geschäfte. Wo waren wir stehen geblieben?“

Sie fragte nach meinen Personalien und tippte Sie in den PC. Ich hatte sie über meine Identität natürlich angelogen.

„Ich sehe die Nachrichten.“

Fragend sah ich sie an.

„Tun Sie nicht so, ich weiß wer Sie wirklich sind, aber keine Panik...“ sie ließ ihren Blick über mein Outfit schweifen. „...ich werde die Polizei nicht rufen. Durch Zufall haben wir die gleiche Freundin, Francine aus Paris. Ich war bei ihr, als meine Pension renoviert wurde. Sie sagt sie seien Vertrauenswürdig und ich glaube ihr. Also, Sie können ruhig mit ihrem richtigem Namen unterschreiben.“

Sie schob ein Blatt über die Theke. Lächelnd unterschrieb ich. Hinter dem Tresen hatte ich einige Fotos von Francine und der Frau hängen sehen.

„Das ist ihre Zimmernummer“, sie deutete auf eine Ziffer.

„Und das ist die Telefonnummer der Pension mit der zugehörigen Durchwahl für ihr Zimmer. Wenn Sie fragen haben, wenden Sie sich an mich. Mit einem Zimmerservice kann ich nicht dienen, aber ich könnte Ihnen noch etwas zu essen organisieren.“

„Danke, nein. Ich möchte einfach nur ins Bett.“

Sie brachte mich nach oben zu meinem Zimmer. Bevor ich hineinging drehte ich mich um.

„Wie soll ich Sie denn Rufen?“

„Nennen Sie mich einfach Kessie.“

Nachdem ich mich etwas frisch gemacht hatte, musste ich noch einmal zu meinem Auto, den Laptop holen. Ich fragte Kessie nach einem Feuerzeug, sie lächelte und gab mir eine Flasche Entfroster.

„Damit geht es schneller!“

Kurz darauf konnte ich meinen Laptop und frische Sachen aus meinem Eingeschneiten Wagen „bergen“.

Wieder in meinem Zimmer, machte ich mich direkt daran den Bericht zu verfassen. Je schneller ich diesen abgeschickt hatte, desto schneller konnte ich aus diesem Land ausreisen.

Volle zweieinhalb Stunden tippte ich ununterbrochen den Bericht in meinen Laptop, dann konnte ich ihn abschicken. Erschöpft lehnte ich mich zurück und massierte mir den Nacken. Ich beschloss noch eine heiße Dusche zu nehmen.

Das heiße Wasser prasselte entspannend auf meinen Körper. Mir wurde wieder warm, was äußerst angenehm war.
Nachdem ich zwanzig Minuten ausgiebig geduscht hatte, trocknete ich mir, auf dem Bett sitzend, die Haare. Zum Glück hatte ich, in Weiser Voraussicht, mein Nachtzeug und meinen Morgenmantel eingepackt. Ich war gerade dabei mir die Haare zu flechten, als es laut gegen die Tür klopfte.
Die Uhr zeigte halb zwölf.

„Wer ist da?“

„Lady Croft, hier ist Kessie. Ich bringe ihnen etwas zu essen.“

Ich fluchte leise, denn ich hatte gesagt das ich nichts wünschte. Außerdem waren schon Stunden vergangen, sie hätte mir längst etwas bringen können.
Ich hatte das Gefühl, dass etwas nicht stimmte. Vorsichtig öffnete ich die Tür. Es war wirklich Kessie, deswegen schob ich die Tür gänzlich auf.

„Sind sie allein?“

„Natürlich. Ich weiß, Sie wollten nichts essen, aber vielleicht kriegen Sie ja doch noch Hunger. Nur ein paar belegte Brote."
Sie reichte mir ein Tablett.

„Danke. Gute Nacht.“

Sie lächelte, aber es wirkte gekünstelt.

Ich stutzte. Schnell stellte ich das Tablett auf die Kommode neben die Tür und trat in den Flur, im nächsten Moment blickte ich in den eisernen Lauf einer Waffe.

-3-
„Guten Abend Miss Croft!“

„Kurtis!“

„Überrascht mich zu sehen?“

„Allerdings.“

„Miss Kessie sie können gehen und denken sie daran was ich gesagt habe. Sie brauchen sich keine Sorgen um diese Lady machen, ihr wird nichts passieren.“

Kessie ging mit schnellen Schritten den Flur entlang zur Treppe. Auf dem Treppenabsatz drehte sie sich noch einmal um und blickte besorgt zu mir, aber ich gab ihr zu verstehen das alles in Ordnung war.

Kurtis wartete bis er Kessie die Treppe hinuntergehen hörte. Er hatte die Waffe immer noch auf mich gerichtet und kam jetzt näher.

„Darf ich?“, fragte er und schob sich, ohne Antwort abzuwarten, in mein Zimmer.
Er ließ sich auf dem Bett nieder.

„Wollen Sie sich nicht lieber zu mir gesellen?“, er klopfte neben sich auf die Bettdecke.

„Hier ist es bestimmt gemütlicher.“

„Als ob es Ihnen nicht egal wäre. Warum sind Sie hier? Als ich Sie das letzte Mal gesehen habe, lagen Sie schwer verwundet auf dem Boden und kurz darauf waren Sie tot.“

„Sie haben mir das Leben gerettet.“

„Natürlich. Hören Sie auf mit dem Spielchen, Karel.“

Karel war der eigentliche Boss, der hinter der Verschwörung gesteckt hatte, aber ich hatte ihn zusammen mit dem Schläfer, dem letzten Nephilim, ein böser Abkömmling eines Engels, vernichtet. Zumindest dachte ich das. Ich wusste das Karel, beliebig, die Gestalt eines anderen Annehmen konnte, da er es mir selbst bewiesen hatte.

Daher rührte auch meine Vermutung, dass es jetzt Karel war und nicht Kurtis. Doch wie konnte Karel überleben?

„Bitte?“

Kurtis verlor für einen Moment seine Fassung.

„Glauben Sie wirklich ich falle ein zweites Mal auf Ihre Tarnung herein? Was wollen Sie?“

„Ich will die Splitter. Was Karel will weiß ich nicht. War das nicht der Kerl der für Eckhardt gearbeitet hat?“

„Hören Sie auf mir etwas vorzumachen, ich habe Sie durchschaut!“, schrie ich und schleuderte dem Pseudo- Kurtis das Tablett entgegen.

Im nächsten Moment hechtete ich zu meiner Waffe. Kurtis hatte das Tablett erfolgreich abgewehrt und jetzt zielten wir gegenseitig mit unseren Waffen aufeinander.

„Und was nun? Wollen Sie die ganze Nacht hier stehen bleiben Lara? So wie ich Sie kenne, geben Sie bestimmt nicht auf!?“

„Ganz recht. Sie wahrscheinlich auch nicht!?“

Ich lächelte aufgrund einer solch Sinnlosen und schwachsinnigen Unterhaltung.

„Geben Sie mir die Splitter und ich verschwinde, ohne Ihnen ein Haar zu krümmen.“

„Wozu brauchen Sie die Splitter? Eckhardt ist tot und der Schläfer ist vernichtet. Sie haben ihr Schicksal erfüllt. Und wie ich schon sagte, Karel, der Schläfer ist vernichtet, die Nephilim sind ausgestorben.“

Kurtis lachte. „Sie sind davon überzeugt das ich, nicht ich bin, oder?“

„Hören Sie auf mit dem Schwachsinn. Ich warne Sie, ich habe nicht vor dieses Hotel zu zerlegen, doch anscheinend bleibt mir keine andere Wahl. Also halten wir den Schaden gering.“

Mit diesen Worten schoss ich knapp an Kurtis´ rechtem Ohr vorbei, rollte mich ab und stand nun hinter Kurtis, meine Waffe an seinem Nacken.

Er war zusammengezuckt, als die Kugel, haarscharf, an ihm vorbeigeschossen war. Er hatte wohl nicht damit gerechnet das ich abdrücken würde. Ich nahm ihm sanft seine Waffe aus der Hand und schleuderte sie unters Bett.

„Kommt Ihnen diese Situation nicht bekannt vor?“

Flashback:
Louvre - Galerien
Vorsichtig schlich ich um die nächste Ecke, die Waffe im Anschlag, da ich damit rechnen musste von mehreren Gardisten angegriffen zu werden.

Ich ging langsam weiter, als plötzlich ein leuchtender Gegenstand auf mich zuschwirrte und ich mich schnell ducken musste, um nicht geköpft zu werden. Der Gegenstand landete rechts von mir in der Wand.

Erstaunt blickte ich es kurz an, es war ein Chirugai, eine Runde, an den Außenseiten mit Klingen besetzte und in der Mitte mit Löchern, für die Finger, ausstaffierte Waffe.

Schnell drehte ich mich wieder zum Raum hin, in die Richtung aus der das Chirugai kam. Im nächsten Moment hatte ich eine Waffe im Nacken. Ich konnte nicht erkennen wer hinter mir stand, doch derjenige legte mir eine Hand auf die Schulter und strich mir dann sanft den linken Arm herunter, bevor er mir die Waffe aus der Hand nahm. Klappernd fiel sie zu Boden.

Langsam strich mir derjenige über die Hüfte, dann über den Bauch bis zu meiner rechten Hand um mir meine zweite Waffe abzunehmen. Auch sie fiel laut klappernd zu Boden. Dann öffnete derjenige meinen Rucksack und nahm etwas heraus.

Die mich bedrohende Waffe war mittlerweile von meinem Nacken, seitlich zu meinem Kinn gewandert. Ich versuchte den kurzen Augenblick zu nutzen und hob den Arm um zum Schlag auszuholen, dabei drehte ich mich um. Doch der Mann der hinter mir gestanden hatte, schlug meinen Arm nach unten bevor ich irgendetwas ausrichten konnte.

Plötzlich sah ich in Eisblaue Augen und erkannte den Mann. Er hatte in Paris in einem Café gesessen, während ich mit dem Barkeeper gesprochen hatte. Dort hatten sich das erste mal die Wege von Kurtis und mir gekreuzt...

Kurtis grinste, als er mir antwortete.

„Der kleine Unterschied zwischen der Situation damals und heute ist der, dass ich Sie damals unter Kontrolle hatte.“

In dem Moment zog er seinen Ellenbogen hoch, womit ich nicht gerechnet hatte, und knallte ihn mir unter das Kinn. Mein Kopf wurde nach hinten gerissen und gleichzeitig die Waffe aus der Hand geschlagen. Sie schleuderte ins Badezimmer.
Wir standen uns wieder gegenüber. Ich hob meine Hände vors Gesicht und ging in Kampfstellung.
Kurtis tat es mir gleich.

„Warum geben Sie mir nicht endlich diese verdammten Splitter, dann könnten wir mit diesen Spielchen aufhören.“

„Tun Sie nicht so. Als ob Sie dieses Spielchen nicht genießen würden,“ sagte ich und schlug zu, doch er konnte ausweichen.

„ Wie ich sehe sind Sie aber auch nicht ganz abgeneigt,“ antwortete er und trat zu, doch ich ließ mich aufs Bett fallen, sodass er ins leere trat, dann rollte ich auf der anderen Seite wieder herunter.

Nun standen wir uns wieder gegenüber, diesmal war aber das Bett zwischen uns. Da ich links neben mir die offene Badezimmertür hatte, überlegte ich ob ich es riskieren konnte, zu meiner Waffe zu hechten.

Ich entschied mich dafür. Ich sprang nach links ab, knallte die Badezimmertür zu und griff nach meiner Waffe. Ich hörte wie die Tür wieder aufging, wirbelte herum, die Waffe im Anschlag, doch zu meinem Erstaunen stand Kurtis nicht vor der Tür.

Es war, als ob die Tür wie von Geisterhand aufgegangen war. Vielleicht hatte ich sie zu heftig zugeschlagen und sie war wieder aufgesprungen?

„Was ist los Kurtis?“

Keine antwort. Da fiel mir ein, dass die Splitter aus meinem Rucksack gefallen waren, als ich nach meinen Waffen gegriffen hatte. Wahrscheinlich war er mit ihnen getürmt. Vorsichtig blickte ich um die Ecke, doch ich konnte Kurtis nicht sehen.

Als nächstes suchte ich nach meinem Rucksack. Er lag noch genauso da, wie ich ihn in Erinnerung hatte. Auch die Splitter waren noch da, denn Sie waren unter den Schreibtisch und die Heizung gerutscht.

Warum war Kurtis alias Karel so plötzlich geflohen? Ich lief auf den Flur. Auch dort konnte ich Kurtis nicht finden, also sprintete ich die Treppe hinunter an die Rezeption.


-4-
„Wo ist er Kessie? Wo ist dieser Mistkerl?“

Doch als ich Kessie sah, vergaß ich Kurtis für einen Augenblick. Sie war Leichenblass und ihre Hand zitterte, als sie mit dieser eine Zigarette zum Mund führte.
Sie deutete hinter mich auf die Eingangstür.
Da im Eingangsbereich nichts zu sehen war, öffnete ich die Tür einen Spaltbreit.
Draußen schneite es noch immer, aber über der Tür war ein Sims und der Schnee wurde nur leicht darruntergeweht. Ich trat hinaus, die Waffe Schussbereit.
Der Sims wurde von mehreren Pfeilern gestützt. An einem dieser Pfeiler war ein blutiger Handabdruck, an dem dahinter lag... Kurtis.

Jemand hatte ihn von hinten niedergeschossen.

Ich hob meine Waffe und zielte in die endgegengesetzte Richtung. Es war niemand zu sehen, aber Schneespuren verrieten mir, dass sich in der nähe jemand aufhalten musste.

Dieser jemand hatte schwere Stiefel getragen, ich rechnete mit einem Gardisten, da diese hinter Kurtis und mir herwaren. Vorsichtig schlich ich mich von hinten an den Pfeiler. Tatsächlich stand dahinter jemand. Meine Füße waren Eiskalt, da ich weder Schuhe noch Socken anhatte.
Ich entsicherte meine Waffe mit einem leisem klicken, stürzte hinter dem Pfeiler hervor und erschrak fürchterlich, denn hinter dem Pfeiler stand Kurtis.

„Die kannst du gleich wieder fallen lassen,“ sagte ich und deutete auf seine Waffe.

Zum Glück hatte ich mich schnell wieder gefasst.

„Lara, ich...“

„Halt die Klappe und geh zu deinem Zwilling!“, sagte ich schroff und ruckte mit meiner Waffe vor seiner Nase.

Kurtis ging vorsichtig Rückwärts. Ich achtete auf jede Bewegung die er machte.

„Was wird hier gespielt?“

„Nehmen Sie Ihre Waffe runter.“

„Damit Sie mich niederschlagen können. Das haben Sie doch schon einmal versucht und es hat nicht funktioniert. Also Karel...“

„Wieso Karel? Ich bin Kurtis, schon vergessen?“

„Lügen Sie mich nicht an,“ wisperte ich gefährlich leise.

Eine plötzliche Bewegung von Kurtis´ zusammengesunkenen Körper veranlasste mich dazu, meine Waffe auf ihn zu richten, doch schnell zielte ich wieder auf den stehenden Kurtis.

„Versuchen Sie ja nicht mich reinzulegen.“

Der eigentlich regungslos daliegende Körper machte wieder eine Bewegung und diesmal sah ich, dass es keine eigentliche Bewegung war, sondern das Kurtis´ Körper verschwand und Karel erschien. Sekunden später lag dort wieder Kurtis.

„Glauben Sie mir jetzt?“

Ich zog meine Waffe zurück. „Was ist passiert?“

„Was genau meinen...“

„Seit ich Sie in der Halle zurückgelassen habe!“

„Ich bin ohnmächtig geworden und als ich wieder aufgewacht war, waren Sie weg. Aber ich hörte wie jemand die Halle durchquerte, ich kam gerade rechtzeitig um zu sehen, dass es dieser Karel war. In meiner Gestalt. Ich dachte Sie haben ihn vernichtet?“

„Das dachte ich auch.“

„Wussten Sie nicht, dass er nur sterblich wird wenn Sie den Schläfer vernichten?“

„Er wurde von dem Lichtstrahl der vom Schläfer ausging durchbohrt. Wer nimmt schon an, dass jemand so etwas überlebt? Außerdem war er danach verschwunden.“

„Verschwunden, aber lebendig. Der Strahl hat ihn nur sterblich gemacht, seine Kräfte hat er trotzdem behalten. Er konnte nach wie vor seine Gestalt ändern.“

„Gut, aber wie haben Sie überlebt? Ihre Verletzung war ziemlich heftig.“

„Wissen Sie, ich habe gewisse Fähigkeiten die mir behilflich waren, aber seien Sie versichert, ohne Sie...“

„Ja, ja schon gut. Ich will es gar nicht mehr wissen. Viel mehr will ich wissen, was wir jetzt mit dem da machen.“

„Erschießen Sie ihn solange er noch so aussieht wie ich, vielleicht gibt es Ihnen eine gewisse Genugtuung.“

„Versuchen Sie lustig zu sein?“

„Nein! Ich wollte Ihnen nur sagen, dass Sie es schnell machen sollten, ehe ich es tue.“

Kurtis war neben mich getreten und beobachtete jetzt Karel, dessen Bildnis immer wieder zwischen den zwei Körpern wechselte. Kurtis stand jetzt leicht hinter mir, doch das konnte ich überhaupt nicht leiden, da ich ihm noch nicht gänzlich traute. Also stellte ich mich ihm gegenüber, knapp vor Karel, auf den ich jetzt herunterblickte.

Plötzlich sah ich den Hautfarbenen Ohrknopf, der Karel herausgefallen war. Anscheinend wurde er gewarnt das Kurtis hier sei und war deshalb so schnell geflüchtet.

„Karel war nicht allein hier, oder?“

„Nein, aber glauben Sie mir, seine Wachen sind ausgeschaltet.“

„Gut! Also, es hält Sie keiner auf ihn zu töten. Sie hätten es längst tun können.“ „Ich brauche vorher noch Informationen.“

„Informationen, worüber? Den verbleib der Splitter vielleicht?“

„Zum Beispiel.“

„Dann könnten Sie auch mich fragen.“

Ein Schuss hallte an mir vorbei und ich sah Kurtis geschockt an. Ich spürte neben mir einen Körper zu Boden sacken. Anscheinend war Karel ein letztes mal aufgestanden. Diesmal lag sein Körper auf dem Boden und nicht der von Kurtis.

„Danke,“ flüsterte ich.



Flashback:
Hochsicherheitstrakt – Sanatorium – Prag
Ich wollte gerade durch eine Sicherheitsschleuse gehen, bekam aber die zweite Tür nicht auf, als plötzlich Kurtis vor der, mit Sicherheitsglas versehenen Tür stand.
Er wollte mich nicht rauslassen und sagte ich solle hier warten, da ich schon genug Schaden angerichtet hätte.
Ich zeigte ihm den Amulett- Splitter, den er im Louvre verloren hatte, in der Hoffnung das er mich endlich rauslassen würde.
Für eine Sekunde sah er erstaunt aus, doch dann fing er sich wieder und verschwand.
*
Als ich Kurtis zurückkommen sah, kletterte ich schnell an die Deck der Sicherheitsschleuse. Ich stemmte mich zwischen zwei Stahlträger und wartete bis Kurtis eingetreten war, dann ließ ich mich fallen und zog meine Waffe, die ich Kurtis direkt vor die Nase hielt.

Wir hatten ein kleines Gespräch in dem er mir erklärte das auch er hinter Eckhardt her war, da dieser vor Jahren seinen Vater ermordet hatte. Er sagte das Eckhardt nur mit den drei Amulett-Splittern getötet werden könne, da er ohne, Unsterblich sei.

Wir wollten zusammenarbeiten und uns aufteilen. Ich sollte das letzte der fünf Gemälde der Finsternis holen, wovon es fünf Stiche gibt, in die versteckte Hinweise eingearbeitet sind, die zu den Splittern führten. Zwei hatten wir bereits und den dritten hatte Eckhardt. Kurtis wollte ihm diesen nun abnehmen.

Plötzlich sah ich hinter Kurtis einen Mutant. Mit einem gezielten Kopfschuss erledigte ich ihn. Erschrocken sah Kurtis auf den Mutanten, drehte sich dann zu mir und flüsterte:

„Danke.“

Ich zitterte heftig vor Kälte. Der Adrenalinstoß ließ langsam nach.

„Sie sollten das nächste mal Schuhe anziehen,“ bemerkte Kurtis nur trocken.

„Was machen wir mit seiner Leiche?“

„Was machen wir mit den Blutspuren?“

„Die Polizei ist sowieso schon hinter uns her, wenn sie von einer Schießerei hören, was meinen Sie wen sie Beschuldigen?“

„Die Mafia.“

Ich überlegte kurz. „Klingt plausibel.“

„Immerhin sind wir in der nähe ihres Hauptquartiers.“

„Vielleicht sollten wir lieber zusehen das wir wegkommen.“

„Fingerabdrücke. Sie werden welche finden, so oder so.“

„Vorallendingen in meinem Zimmer.“

Kurtis blieb stehen, denn er war hin und her gelaufen und nickte. Er zuckte plötzlich zusammen und verzog einen Augenblick sein Gesicht.

„Wohl doch nicht so gesund, was? Was halten Sie davon wenn Sie erst mal mit rein kommen?“

„Ich kann nicht riskieren das meine Fingerabdrücke auch noch gefunden werden. Ich habe keine Pressesprecherin die alles für mich regelt.“

„Woher wissen Sie das ich eine Pressesprecherin habe.“

„Telefonieren Sie das nächste mal nicht in der nähe einer Eingangstür.“

„Soll das etwas heißen, dass Sie die ganze Zeit hier waren und mir hätten helfen können?“

„ Ich hätte Ihnen nicht helfen können, selbst wenn ich es gewollte hätte. Karels Wachen waren noch bei mir. Außerdem sagte ich doch schon: ich wollte Informationen! Ich nahm an, wenn Karel in meiner Gestalt in die Pension kommt, dann würden Sie ihm vielleicht die Splitter aushändigen. Dann hätte ich Sie ihm einfach wieder abgenommen.“

„Anstatt Karel zu erledigen und mich einfach selbst nach den Splittern zu fragen?“

„Glauben Sie mir, ich kämpfe lieber bis aufs Blut mit Karel, anstatt mit Ihnen.“

„Bitte? Weil ich eine Frau bin? Ich habe Ihnen doch wohl mittlerweile Bewiesen das ich durchaus in der Lage bin...“

„Nein, weil ich Ihnen nicht weh tun will. Sie werden mir die Splitter bestimmt nicht einfach übergeben.“

„Wahrscheinlich nicht... Was ist?“

Wieder hatte Kurtis vor Schmerz das Gesicht verzogen und war diesmal in die Knie gegangen. Ich ging zu ihm, nahm seinen Arm und legte ihn mir um die Schulter, dann zog ich ihn hoch und schleppte ihn zur Tür.

Kessie schrie erschrocken auf, als ich die Tür laut aufstieß. Sie hatte keine Ahnung was draußen passiert war.

„Wieso bringen Sie diesen Kerl wieder mit rein?“

„Kessie, er ist schwer verletzt und braucht Hilfe. Ich kann Ihnen alles erklären, doch vorerst unternehmen Sie nichts. Bitte!“

Sie blickte zweifelnd auf Kurtis, als ob Sie abwägen würde ob er es Wert war. Kurtis stöhnte. Er war ziemlich blass.

„Bitte Kessie. Er ist nicht der, für den Sie ihn halten.“

„Er hat mich mit einer Waffe bedroht!“

„Nein, das war nicht er. Ich kann es erklären, aber erst müssen wir uns um ihn kümmern.“

„Na gut,“ seufzte Kessie, kam um den Tresen herum und legte sich Kurtis´ Arm ebenfalls um ihre Schulter.

Sie dirigierte mich in einen angrenzenden Raum und wir legten ihn auf eine Couch.

„Er braucht einen Arzt,“ sagt Kessie ernst.

„Wir können keinen Arzt konsultieren, wir werden beide Polizeilich gesucht.“

Ehrlich blickte Kessie mir ins Gesicht.

„Wenn Sie ihm vertrauen, werde ich es auch tun. Ich verlasse mich darauf, dass Sie ihn im Griff haben. Ich kenne jemanden der mal Arzt war, vielleicht kann er ihm helfen.“

„War?“

„Er wurde gefeuert als sie im Krankenhaus herausfanden das er Medikamente stahl um sie bedürftigen Menschen zu geben. Ich werde ihn Anrufen, warten Sie kurz.“

Ich nickte dankbar und fing an im Raum auf und ab zu gehen. Ich wartete eine Weile, dann kam Kessie wieder.

„Er ist Unterwegs.“


-5-
„Ich habe ihm mit dem Nötigsten versorgt, aber es sieht wirklich nicht gut aus. Wenn er sich in den nächsten Stunden nicht besser fühlt, solltest du ihn in ein Krankenhaus bringen.“

„Danke Malin. Wirst du über Nacht hier bleiben?“

„Das wäre nett Kessie, bei dem Schneesturm scheucht man nicht mal einen Hund vor die Tür.“

Ich hatte mich die ganze Zeit über im Hintergrund gehalten, da ich mir nicht sicher war, wie Dr. Jaschek reagieren würde, wenn eine Polizeilich gesuchte „Schwerverbrecherin“ vor ihm stand.

Obwohl Kurtis´ Foto mittlerweile genauso bekannt sein dürfte. Doch jetzt konnte ich mich nicht zurückhalten.

„Was ist jetzt? Wird er es schaffen?“

Dr. Jaschek drehte sich erstaunt um und musterte mich.

„Miss Croft, nehme ich an. Ihr Foto geht durch sämtliche Nachrichten...“

„Das weiß ich, deswegen können wir in kein Krankenhaus.“

„Das Verstehe ich nicht.“

„Ich werde Polizeilich gesucht. In sämtlichen Medien wird mein Name genannt, glauben Sie wirklich ich kann ins nächste Krankenhaus spazieren?“

„Komisch, in den Nahrichten haben Sie gesagt das die Sache mit dem Monster geklärt wäre und das Handfeste Beweise gefunden worden wären, die Sie entlasten!“

„Was? Wie spät ist es?“

„Viertel vor vier.“

„Das hieße ja das wir...das...,was ist mit Kurtis, wurde er erwähnt?“

„Nicht das ich wüsste.“

Einen kurzen Augenblick blieb ich stehen, dann hechtete ich die Treppe nach oben und sprintete zu meinem Telefon. Ich rief Monica, meine Pressesprecherin an.
Sie erklärte mir dass es eine Großrazzia gegeben hätte, wobei die Tschechische Polizei die Prager Mafia hochgenommen hätte. Dabei fand man Beweise die eindeutig Zeigten wer das Monster gewesen ist.
Somit wären ich und Kurtis entlastet und könnten ausreisen. Ich beendete das Gespräch und rannte nach unten.

„Dr. Jaschek ich habe keine Ahnung wie ich Ihnen danken kann, aber wir sollten Kurtis wirklich in ein Krankenhaus bringen. Es ist wieder alles in Ordnung,“ setzte ich erklärend hinzu.

Zwei Stunden später...

Kurtis wurde in ein Krankenhaus eingeliefert und sofort Operiert. Die Ärzte meinten es würde schwer werden, aber er hätte gute Chancen.

Ich fuhr mit Kessie zurück in ihre Pension. Sie zuckte nur mit den Schultern als ich ihr den Schaden im Zimmer beichtete, doch ich versprach ihr den Schaden zu bezahlen.

Während wir auf Dr. Jaschek gewartet hatten, hatte ich Kessie alles erzählt was in meinem Zimmer und vor der Tür vorgefallen war. Sie hatte die ganze Nacht ziemlich gut verarbeitet und lächelte leicht als sie die Tür hinter sich schloss, damit ich mich schlafen legen konnte.

Am Morgen wachte ich erstaunlich früh auf, zumindest dafür das ich nur drei Stunden geschlafen hatte.
Es schneite noch immer.
Ich zog mich an und frühstückte mit Kessie und Dr. Jaschek, bevor wir ins Krankenhaus fuhren um uns nach Kurtis zu erkundigen.

Man wollte uns nicht zu ihm lassen, da er auf der Intensivstation lag. Ich gab mich schließlich als seine Verlobte aus und durfte zu ihm. Eine Weile saß ich neben seinem Bett und beobachtete ihn.
Er sah blass aus.
Regelmäßig hob und senkte die Beatmungsmaschine seinen Brustkorb. Ich blieb nicht sehr lang, doch bevor ich ging beugte ich mich zu ihm runter und flüsterte:

„Wenn du hier wieder rauskommst, kannst du dir bei mir etwas abholen was dir gehört!“

Dann ging ich.

Der Schwester versuchte ich, mit Hilfe von Kessie, klar zu machen, dass mein Aufenthalt hier abgelaufen sei und ich somit nicht länger in der Lage sei, nach meinem „Verlobten“ zu sehen.
Ich erteilte Kessie die Vollmacht ihn zu besuchen damit sie mich regelmäßig über Kurtis´ Gesundheitszustand informieren konnte.
*
Ein paar Stunden später saß ich in dem Flugzeug, welches mich wieder nach Hause bringen sollte.
Froh wieder heimischen Boden unter den Füßen zu haben, kehrte ich wieder in mein Anwesen zurück.
Winston begrüßte mich mit einer Umarmung. Er führte mich ins Wohnzimmer, wo Monica saß und mich anstrahlte.

„Hab ich das nicht wunderbar hinbekommen?“

„Wie immer wenn ich in Schwierigkeiten stecke,“ erwiderte ich.

Auch wir Umarmten uns. Winston brachte Tee und Gebäck und Monica forderte mich auf noch einmal auf, alles zu erzählen. Einschließlich der aktuellen Ereignisse.

Wir saßen knapp eineinhalb Stunden zusammen, bevor ich endlich die Frage stellen konnte, die mir die ganze Zeit auf der Zunge gelegen hat.

„Wie hast du der Polizei eigentlich die Schießerein vor der Pension erklärt?“

„Das war nicht schwer. Karel hat sich für Kurtis ausgegeben und wollte einen Streit mit dir anfangen, weil er die Situation hinterher so darstellen wollte, als ob ihr euch gegenseitig umgebracht hättet. Sie hatten den echten Kurtis mit dabei.“

„Aber dann hat er ihnen einen Strich durch die Rechnung gemacht. Er erschoss Karel, den Boss der Mafia.“

„Richtig Lara. So einfach.“

„Ich denke ein Teil deiner Geschichte war nicht ganz erfunden.“

„Stimmt, denn ein Mitglied der Mafia war Gesprächig und hat es ausgesagt. Aber wie kommst du darauf?“

„Das hat mir Kur...äh... na ja, ich habe es mir zusammengereimt.“

Monica und Winston tauschten einen kurzen Blick. Sie grinste mich gehässig an.

„Seit wann bist du eigentlich Verlobt?“



-6-
Drei Monate später...

Die Zeit war schnell vergangen und der Alltag hatte mich wieder. Alles ging seinen gewohnten Gang.
Kessie und ich hielten regelmäßig Kontakt und sie berichtete mir, welche gesundheitlichen Fortschritten Kurtis machte. Er hatte keine Ahnung davon, dass ich mit Kessie in Kontakt stand, denn sie hatte ihm vorgegaukelt, dass sie sich Sorgen um ihn machen würde.
Sie hatte ihm erzählt, dass ich direkt, nachdem ich ihn reingebracht hatte, meine Sachen gepackt hatte und verschwunden war.

Er würde von selbst drauf kommen, dass ich immer noch seine Splitter besaß. Diese hatte ich in meinem Trophäenraum, in einer Einbruchsicheren Vitrine untergebracht.
Mittlerweile bereitete ich eine neue Expedition vor und es liefen schon die letzten Vorbereitungen.

*
Kessie berichtete mir ein paar Tage später, dass Kurtis aus dem Krankenhaus entlassen wurde, ohne das sie davon gewusste hatte. Er hatte ihr einen kurzen Brief hinterlassen in dem stand, dass er wusste das wir Kontakt hatten.
Die Krankenschwester hatte ihn gefragt, ob er denn seine Verlobte vermisse. In dem Brief war kein Hinweis, ob er mich aufsuchen würde, doch ich vermutete es, immerhin hatte ich seine Splitter.

In der darauffolgenden Nacht bestätigte sich meine Vermutung.

Durch ein Motorgeräusch wachte ich auf. Kurz darauf krachte es laut und ich nahm mir fest vor, gleich morgen ein neues Eingangstor zu Bestellen. Ich schlüpfte in meinen Morgenmantel, griff nach meiner Waffe, sah schnell aus dem Fenster und erkannt Kurtis, der die Auffahrt langsam heraufkam, seine Waffe im Anschlag.

Ich schlich leise die Treppe herunter in die Einganghalle, bog direkt neben der Treppe nach links ab und erreichte meine Bibliothek. Der Mond schien durchs Fenster und spendete mir genügend Licht. Hinten rechts, in einem Bücherregal, zog ich ein bestimmtes Buch nach vorne und drückte den dahinterliegenden Schalter. Es öffnete sich eine Tür in der Wand, die zwar wie eine normale Tür aussah, aber kein Türschloss hatte und nur mit diesem kleinen „Trick“ zu öffnen war.

Ich schlüpfte in den dahinterliegenden Gang. Kurz bevor ich dem Gang weiter folgte, hörte ich es erneut krachen. Das war die Eingangstür, Kurtis war also im Haus. Hoffentlich blieb Winston in seinem Zimmer, so wie ich es ihm immer eingeprägt hatte. Wer weiß was Kurtis mit jemandem Anstellte, der ihn bei etwas störte.

Ich folgte dem Gang in einen Raum mit weiteren Bücher und mehreren Kisten. In der Mitte standen Vitrinen die den mittleren Raumteil in bläuliches Licht tauchten. In der Ecke stand eine Couch, die jetzt im Schatten lag. Ich setzte mich. Es war nur eine Frage der Zeit bis Kurtis diesen Raum finden würde.

Tatsächlich musste ich nicht lange warten und Kurtis kam mit gezückter Waffe um die Ecke. Da er mich nicht sehen konnte, ging er gleich zu der Vitrine in der sich die drei Splitter befanden. Ich lächelte in mich hinein, während ich ihn beobachtete.

Er konnte doch nicht glauben, dass keiner den Krach gehört hatte. Nachdem er sich die Vitrine einen Augenblick angesehen hatte, hob er konzentriert die Hände und schloss dabei die Augen. Plötzlich fing der Raum an zu Vibrieren. Doch nach ein, zwei Sekunden war alles vorbei. Wäre ich nicht dabei gewesen, hätte ich es nicht geglaubt, aber die Vitrine war offen.

Gerade wollte Kurtis nach den Splittern greifen, als ich meine Waffe entsicherte und aus dem Dunklen heraustrat, die Waffe auf ihn gerichtet. Kurtis drehte sich um und grinste.

„Dachte ich mir doch, dass du mich nicht einfach damit gehen lässt,“ sagte er, auf die Splitter deutend.

Seit wann duzten wir uns?

„Wer bezahlt mir den Schaden?“

Er lächelte schief, dann drehte er sich wieder um und nahm die Splitter in die Hand.

„Nachdem du mir sogar die Tür geöffnet hattest, darf ich doch, oder? Jetzt grinste ich. Er steckte die Objekte seiner Begierde ein.

„Das nächste mal, klopf doch einfach an, ja?“

Er kam auf mich zu ohne meine Waffe zu beachten, die jetzt in seine Brust drückte.

„Soll das heißen du willst mich wiedersehen? Schatz!“

Sacht schob er meine Hand zur Seite und ich ließ widerstandslos meine Waffe sinken.

„Irgendetwas musste ich sagen, sonst hätten sie mich nicht zu dir gelassen.“

„Und du hast dir ja solche Sorgen gemacht, richtig?“

„Nein, nicht wirklich,“ flüsterte ich gehässig.

Er war mir jetzt noch näher gekommen. Er zog mich an sich indem er den rechten Arm um meine Hüfte legte. Das passte mir ganz gut, denn so konnte ich versuchen an die Splitter zu kommen, die er sich nur hinten in den Bund seiner Hose gesteckt hatte. Er fasste mir unters Kinn und zog mein Gesicht an seines heran, wie ich es einst in der Sicherheitsschleuse getan hatte, bevor ich mich auf den Weg gemacht hatte. Dann ging alles sehr schnell.

Ich griff nach den Splittern, verpasste ihm einen schmerzhaften Tritt in den Magen und sprintete den Gang zurück, durch die Wand, drückte unterwegs den Pseudo-Lichtschalter, der die Tür sich wieder schließen ließ. Das verschaffte mir ein paar Sekunden Zeit.

Ich sprintete weiter zu meiner zerstörten Haustür und in den Garten hinaus, die Auffahrt hinunter und dann zu seinem Motorrad. Schwer Atmend lehnte ich mich dagegen.
Ich sah das Kurtis mir gefolgt war, aber jetzt, da ich stehen geblieben war, wurde er langsamer. Als er mich schließlich erreichte, lächelte er wieder.

„Immer für eine Überraschung gut.“

„Tja, Schatz! Sollte aber nur ein kleiner Scherz sein.“

Ich überreichte ihm die Splitter wieder und diesmal verstaute er sie in einem Rucksack den er dabei hatte. Dann setzte er sich in den Sattel, drehte sich noch mal zu mir um und musterte mich kurz.

„Du solltest wirklich Schuhe anziehen!“

„Wenn du meinst,“ sagte ich und trat an ihn heran.

Wir sahen uns in die Augen und ich hatte plötzlich das Gefühl ihn schon ewig zu kennen. „Also dann,“ flüsterte er.

„War nett mit dir zusammenzuarbeiten. Vielleicht sehen wir und wieder?!“

Ich beugte mich zu ihm herunter und gab ihm einen Leidenschaftlichen Kuss, den er erwiderte.
Dann drehte ich mich um und ging die Auffahrt hinauf, während ich hörte wie er sein Motorrad startete und davonfuhr.

„Vielleicht...,“ flüsterte ich und betrat mein Haus.
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