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Wonder Woman Bekehrung

von freivolk
GeschichteAllgemein / P12 / Gen
Wonder Woman
07.12.2006
25.05.2007
2
2.297
 
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7 Reviews
Dieses Kapitel
1 Review
 
 
07.12.2006 1.455
 
Wonder Woman und die ihr zugeordneten Charaktere gehören DC

Das ist eine Geschichte, die ich vor einiger Zeit mal angefangen habe. Wenn Interesse besteht werde ich versuchen, sie zu Ende zu bringen.

Wonder Woman: Bekehrung

Die Begegnung

Es war ein Routinefall. Nach Jahrhunderten der Ruhe hatte der Vesuv beschlossen, die Menschen die zu seinem Fuße lebten, wieder einmal daran zu erinnern, wer  hier das Sagen hatte. Er übertrieb es nicht, wie damals mit Pompeji. Er ließ nur etwas Lava fließen und nicht mal in Richtung der Millionenstadt Neapel. Für die kleine Provinzstadt, auf die sich der Lavastrom zubewegte, hätte die Sache aber bös ausgehen können, wenn nicht, ja wenn nicht Wonder Woman eingegriffen hätte. Sie war zufälligerweise bei einer UN-Konferenz in Rom gewesen und hatte sofort auf den Notruf reagiert. Mit ein paar Felsen lenkte sie den Lavastrom um und da der Vesuv sich inzwischen beruhigt hatte, konnte sie über JLA-Com mitteilen, dass keine Gefahr mehr bestand. Danach landete sie in der kleinen Stadt um zu sehen ob noch Hilfe erforderlich sei. Die Sachschäden waren gering und es gab keine Verletzten zu beklagen. Es gab natürlich einen Auflauf. Jeder Bewohner der kleinen Stadt wollte anscheinend Wonder Woman persönlich danken. Und so war sie bald umringt von Hunderten wild gestikulierenden Italienern, die praktisch alle das selbe sagten: „Danke für die Rettung! Toll, dass wir dich mal kennen lernen! Du siehst sehr schön aus!“ Allerdings sagten sie dies mit erheblich mehr Worten und in unterschiedlichen Variationen. Diana wäre wohl gerne wieder weggeflogen, aber sie wollte nicht unhöflich sein und ertrug den Schwall der Dankesworte in der Hoffnung, irgendwann würde den guten Leuten die Luft ausgehen.
„Gerettet“ wurde sie schließlich durch den Gemeindepriester. Dieser entsprach eigentlich gar nicht so der Vorstellung, die Diana von einem katholischen Priester hatte. Mit seinen breiten Schultern, den langen Armen, die in ziemlich großen Händen endeten und dem hässlichen, aber sympathischem Pferdegesicht, hätte der Mann gut als Rausschmeißer in einer der New Yorker Billardkneipen arbeiten können, die Diana gelegentlich besuchte. Wie sich zeigte, hatte er auch tatsächlich Talent dafür. „Ja, ja jetzt ist aber genug!   Ihr redet der Signora ja die Ohren ab und verpestet ihr die Luft! Geht zurück an eure Arbeit oder womit ihr gottes-lästerlichen Faulenzer sonst die Zeit verbringt! Geht jetzt, wenn ihr nicht meine Stiefel kennen lernen wollt!“. Tatsächlich  löste sich die Menge auf und die Leute gingen ihrer Wege. Diana atmete erleichtert aus. Sie wollte gerade dem Priester ein paar Dankeswortes sagen und dann aufbrechen, da begann nun der Priester eine längere Dankesrede zu halten. Im Kern ging es darum, dass Diana großes Verdienst errungen habe, indem sie die Stadt und ihre Menschen (obwohl allesamt Sünder) gerettet habe, aber noch größeres Verdienst dadurch, dass sie die Gemeindekirche St. Maria-Empfängnis gerettet habe, immerhin fast 800 Jahre alt und Ausgangspunkt mancher erstaunlichen Zeichen und Wunder und ob Wonder Woman sie nicht mal besichtigen wolle. Mit einem resignierten Lächeln nickte Diana. Eine Amazone muss wissen wann Widerstand zwecklos ist und wenn die Kirche wirklich so alt war, konnte eine Führung vielleicht sogar interessant sein.
Der Priester führte Diana zur Kirchefront und erklärte ihr, welcher Teil der Fassade noch Romanisch und welcher schon Gotisch sei. Er wies auf einen vergoldeten Engel hin, der auf dem Dach thronte und erzählte eine nette kleine Legende, dass der Engel nicht etwa von Menschenhand erschaffen worden sei, sondern bei der Einweihung der Kirche auf deren Dach landete, um sie vor einem Anschlag des Teufels zu schützen. Danach betraten sie die Kirche.

Diana fühlte ein Schauern. Sie war bisher fast nur in modernen Kirchen gewesen, bei fortschrittlichen Christengemeinden. Hier entgegen, trat ihr tatsächlich eine jahrhundertealte Aura entgegen. Sie bemerkte den Geruch von Kerzen und Weihrauch. Rechts neben dem Eingang öffnete sich eine Marienkapelle, vor der Dutzende von brennenden Kerzen standen. Das Bild der Madonna mit dem Kinde war von unzähligen Metallplättchen umgeben, auf denen die Gläubigen der Gottesmutter für erwiesene Gnade dankten. Soweit Diana es erkennen konnte, handelte es sich fast immer um Dank für die Geburt eines Kindes.
Das Madonnenbild selbst ruhte auf einem Glassschrein, der ein sehr alt wirkendes Stück Holz enthielt. Viele Freunde und Bekannte von Diana in New York hätten diese Kapelle als ein Symbol dunkelsten Aberglaubens betrachtet. Diana sah das etwas differenzierter. Sie kam aus einer Gesellschaft wo man davon ausging, dass Verehrung und Anbetung die Götter erschuf und ihnen Realität verlieh. Als Preis dafür gewährten die Götter den Menschen manchmal Wohltaten. Diana wusste nicht wer oder was der Rabbi aus Nazaret  und seine Mutter gewesen waren, aber da Millionen Menschen an sie glaubten und sie anbeteten, waren sie heute Götter. So faltete Diana die Hände und verneigte sich vor dem Madonnenbild, um der Göttin Respekt zu erweisen. Der Priester nahm diese Geste mit befriedigtem Kopfnicken zur Kenntnis. Diana fragte ihn nach der Bedeutung des Holzstücks. Jetzt wirkte der Priester fast etwas verlegen und sagte, angeblich handele es sich um ein Stück der Krippe in die Maria Jesu nach seiner Geburt gelegt habe. Eigentlich hätte diese Reliquie nach dem Zweiten Vaticanum entfernt werden sollen, aber weder er noch sein Vorgänger hätten es über das Herz gebracht, vor allem da ja anscheinend wirklich eine wunderbare Macht von der Reliquie ausgehe, wie die vielen Dankestafeln zeigten. Auch sei die Stadt besonders gesegnet. Hier gäbe es immer noch große Familien mit vielen Kindern, während im übrigen Land ja durch den Sittenverfall immer weniger Kinder geboren würden. Die Leute hörten ja nicht mehr auf den Heiligen Vater und es würde eines Tages alles ein Schlimmes Ende nehmen. Diana musste sich zurückhalten, dem Priester nicht ins Wort zu fallen. Sie verstand natürlich was der Priester mit „Sittenverfall“ meinte. Das Recht der Frauen auf Abtreibung und Verhütung. Dieses Recht zu verteidigen gehörte zu Dianas politischer Agenda. Sie wollte aber jetzt hier keinen Streit anfangen. Sie sagte dem Priester aber mit leicht pikierten Ton, dass sie nicht mehr lange bleiben könne, da sie in Rom zurückerwartet würde. „ Oh scuci, scuci Signora. Ich verplempere wirklich ihre Zeit. Warten sie noch  5 Minuten. Ich zeige Ihnen noch grade den Hauptraum und den Altar; dann sind wir fertig.“ Sie betraten den Hauptraum. Diana richtete ihren Blick nach oben und schrak zurück.

Viele Leute glauben die Kultur der Paradiesinsel unterscheidet sich von der Kultur der übrigen Welt vor allem in der Stellung  der Geschlechter. Auf der Paradiesinsel lebten halt Frauen, die in altgriechischen Tempeln lebten und altgriechische Kleider trugen und keine Männer brauchten, aber ansonsten die Welt genauso sahen wie die übrigen Menschen. Das war Quatsch. Die Paradiesinsel war eine Zeitkapsel, in der die alte Kultur der Antike weiterlebte. Die moderne Zivilisation, also vor allem die Kultur des Westens, war keine bloße Fortsetzung dieser Kultur, sondern etwas eigenständiges. Auch wenn sie vieles aus der Antike übernommen hatte, gab es doch tiefgreifende Unterschiede in der Weltsicht. Ein solcher Unterschied starrte Wonder Woman nun an.

Der Gekreuzigte war tatsächlich so groß wie ein Mensch. Das Kreuz an dem er hing, musste etwa 2,50 m hoch sein. Das riesige Bildnis, durch zwei Stahlseile an der Decke befestigt, schien über dem Altar zu schweben. Wer auch immer dieses Bildnis geschaffen hatte, er hatte es geschafft in dem Gesicht des Gekreuzigten den Ausdruck schrecklichsten Leidens und gleichzeitig höchster Durchgeistigung zu einer perfekten Synthese zu verbinden.
Diana war erschüttert. In ihrer Welt war es das Ziel des Bildhauers körperliche Perfektion darzustellen. Individualität, Persönlichkeit oder gar Emotionen waren in der bildlichen Darstellung unerwünscht. Die Gesichter hatten maskenhaft und leer zu bleiben. Aus der Sicht der Amazonen war sogar Michelangelos David mit seinem sinnlichen Kopf eine Perversion. Und hier starrte sie nun, in Holz geschnitzt, ein die vollkommene Darstellung eines Gefolterten an. Mit schrecklicher Akribie hatte der Künstler sich bemüht, jeden Peitschenhieb und jede Wunde darzustellen. Und trotzdem war der Gekreuzigte auf eine seltsame weise schön, die Diana tief berührte. Nur ganz nebenbei bemerkte Diana, dass der Priester mit ihr sprach. Stockend fragte sie ihn nach dem Kreuz. „Oh ja, ein Meisterwerk . 15. Jahrhundert. Es gibt da eine Legende...“ „Tut mir leid! Ich....ich kann hier nicht länger bleiben. Ich muss nach Rom zurück. Dringender Termin.“ Dann machte Diana auf dem Absatz kehrt und rannte hinaus. Kaum hatte sie den Vorplatz erreicht, als sie schon losflog. Der Priester, der ihr nach draußen gefolgt war, konnte ihr nur noch nachstarren. Er  schüttelte den Kopf und dachte: Ja, ja, die Leute aus Amerika. Keine Zeit mehr für nichts. Nur noch von Termin zu Termin hetzen. Ansehen würde ich mir das alles ja mal gern, aber leben möchte ich dort nicht. Dann fiel ihm ein, dass er etwas zu lange auf den Hintern der davonfliegenden Wonder Woman gestarrt hatte. Er gab sich selbst eine Ohrfeige und ging zurück in die Kirche.
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