Deine Anne Frank

von Kriszti
GeschichteDrama / P6
29.11.2006
29.11.2006
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Liebe Hanneli,

ich halte es einfach nicht mehr aus.
Wie du sicher bemerkt hast, sind wir untergetaucht. Flüchtlinge in einem kümmerlichen Hinterhaus.
Und das alles nur wegen einem Mann, der meinte er wäre ja so toll und könnte die Welt erobern.
Ich weiß, dass du diesen Brief nie lesen wirst, aber die Vorstellung daran, wie sich dein Gesicht erhellt, ist schon fast genug.
Als erstes hoffe ich, dass es dir gut geht und du mit deiner Familie einen sicheren Ort gefunden hast. Ich weiß, sicher ist man nirgendwo, aber allein die Hoffnung zählt.
Hier im Hinterhaus geht es uns eigentlich ganz gut. Ich schreibe "eigentlich", weil man hier höchstens vor Langeweile oder Angst stirbt. Nachts, immer wenn die Ratten unterwegs sind, habe ich das Gefühl, dass es nicht mehr lange dauert bis die Deutschen uns holen kommen. Und dann wiederum träume ich von dir. Du in deinen zerschlissenen Kleidern. Dein abgemagertes Gesicht und dein Flehen:" Anne. Hilf mir Anne". Immer wieder höre ich dich sagen, wie sehr ich dich enttäuscht habe. Wie ich dich alleine lassen konnte. Und genau da fällt mir meine Mutter ein.
Meine Mutter, der Grund dieses Briefes.
Wie ich dir ja schon erzählt habe, ist mir meine Mutter nicht so lieb und teuer, wie mein Vater.
Aber hier sind diese Gefühle noch besser zu erkennen. Immer, wenn Herr und Frau van Daan (unsere mit Untergetauchten) mich wieder einmal schlecht behandeln, ist es Vaer, der mich verteidigt. Normalerweise ist es die Mutter, deren Aufgabe es ist mit der Tochter zu reden. Ob nun über Probleme oder anderes. Aber nein. Sie vergleicht des öffteren Magot und mich.
Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie fertig mich das macht.
Margot ist ja viel ruhiger.
Margot gehorcht aufs Wort.
Margot ist ja so gut in allem.
Margot ist schlauer als alle anderen.
Mein Gott .... Wenn sie alle (nicht nur Mutter) Margot so viel leiber haben... Dann opfert ihr doch meinetwegen ein Schaf, damit sie auch ja glücklich ist.

Wieso ich gerade auf ein Schaf komme, weiß ich nicht. Wahrscheinlich, weil die den Göttern früher auch immer Schafe geopfert haben.

OK Anne. Reg dich nicht so auf.
Ich wünschte ich könnte dir diesen Brief irgendwie zukommen lassen. Das wäre das Größte.
Aber nein. Das würde uns Beide in Gefahr bringen.

Deine dir ewig gedenkene,
Anne Frank




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