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Das Monster der Woche

von Eve
Kurzbeschreibung
GeschichteMystery / P12 / Gen
Walter Skinner
12.11.2006
12.12.2006
5
7.630
 
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4 Reviews
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12.11.2006 2.014
 
@beeep
Vielen Dank für Deine Review. Ich hoffe Dir gefällt auch das nächste Chap.



Während AD Skinner ihr Gepäck aus dem Auto auslud und durch den düsteren Hausflur nach oben in die Wohnung trug, unterhielt sie sich mit der Vermieterin, Mrs. Coltrane, die ihnen den Schlüssel zur Wohnungstür, gegeben hatte. Freundlich aber sehr neugierig, wurde sie über sämtliche Details ihres angeblichen Herzuges aus der Provinz ausgefragt. Sie mußte ihre Fantasie ganz schön bemühen. Den Anschein einer glücklichen Ehefrau erweckend, tischte sie Mrs. Coltrane ein paar faustdicke Lügen über ihr vorgetäuschtes Leben auf, während sie ihrem „Ehemann“ ab und zu, wenn er beladen mit diversen Koffern an ihr vorbei ging, ein strahlendes Lächeln zuwarf. Natürlich nur um den Schein zu wahren! Welches er ihr seinerseits mit seinem patentierten verdrießlichen AD Skinner-Blick beantwortete. Das wohl entweder besagen sollte, sich ja nicht zuviel aus der Nase ziehen zu lassen, um sich beim nächsten etwaigen Gespräch nicht in Widersprüche zu verwickeln oder daß sie sich auch etwas  an dem Ausladen des Gepäcks hätte beteiligen können.

Während Skinner einiges Equipment aufbaute, das sich in den meisten Koffern befunden hatte und zur visuellen Überwachung diente, sah sie sich neugierig in der Wohnung um. Auf den ersten Blick war es eine ganz normale möblierte 2- Zimmer Wohnung. Im nu, hatte sie alles gesehen, was es zu sehen gab. Im Schlafzimmer, in dem nur ein großes Doppelbett stand, verweilte sie allerdings etwas länger. Wie es aussah, würden sie sich wohl dieses Bett teilen müssen, denn es gab außer diesem Bett keinerlei Ausweichmöglichkeiten zum Schlafen in der Wohnung. Sie würde mit Sicherheit nicht ein Auge zukriegen, wenn er so nah neben ihr liegen würde. Doch Skinner ließ sie in Bezug auf die Schlafgelegenheiten nicht lange im Unklaren. Er teilte ihr mit, er wolle noch einmal los um sich die Gegend anzusehen, während sie sich ruhig schlafen legen konnte. Er würde wahrscheinlich die ganze Nacht wegbleiben.

Vorsichtig hinter der Jalousie hervor lugend, beobachtete sie, wie Skinner das Haus verließ, den Mantelkragen hochklappte und mit hochgezogenen Schultern den Gehsteig entlang lief. Er hatte ihr vollstes Mitgefühl, denn in dem Moment, als ihr Chef die Straße betrat, fing es wie aus Kübeln an zu regnen. Bei diesem Wetter schickte man normalerweise keinen Hund vor der Tür. Er würde durch und durch naß werden und sie hoffte, daß sich dieser nasse Einsatz wenigstens lohnen würde und er  mit irgendeinem halbwegs zufriedenstellenden Ergebnis wiederkommen würde.

Aber leider kam am anderen Morgen ein missgelaunter, pudelnasser und vor allen Dingen erfolgloser Skinner wieder zurück. Der undeutlich irgendetwas von Mistwetter murmelnd erst einmal im Bad verschwand. Wo er seine nassen Sachen ablegte, um dann  in T-Shirt und Jeans, frisch geduscht wieder zu erscheinen. Sie hatte unterdessen versucht mit den wenigen Lebensmitteln, die ihr zur Verfügung standen, ein einigermaßen reichhaltiges Frühstück zuzubereiten und hatte den Wohnzimmertisch schön gedeckt. Sie wußte ja schließlich, daß er seit dem Tod seiner Frau allein lebte und konnte sich lebhaft vorstellen, wie die Mahlzeiten bei ihm zu Hause aussahen und wenn sie schon so keine große Hilfe bei der Aufklärung des Falles sein konnte, dann wollte sie  wenigstens dafür sorgen, daß ihr Chef mal wieder etwas ordentliches zu Essen bekam.

Überrascht musterte er den Tisch, warf ihr einen anerkennenden Blick zu und bemerkte, „Kimberley, ich entdecke immer wieder ungeahnte Qualitäten bei ihnen. Ihr Freund kann sich sicher glücklich schätzen, sie zu haben.“

„Nein Sir, kann er nicht. Wir haben uns vor einer Ewigkeit getrennt. Ich lebe allein.“ Natürlich, hatte er, wie wahrscheinlich fast alle anderen im Bureau geglaubt, sie wäre in festen Händen, was ja auch bis vor etwa einem Jahr gestimmt hatte. Damals hatte sie Peter, nachdem sie entdeckt hatte, daß er ständig fremd ging, rausgeschmissen. Sie sah keinen Grund, warum sie mit dieser Geschichte an ihrem Arbeitsplatz hausieren gehen sollte, obwohl sie sich ja eigentlich nichts vorzuwerfen hatte. Da sie aber auch sonst wenig von sich erzählte, fiel es gar nicht weiter auf.

So zogen 2 Tage ins Land, an denen sich absolut nichts ereignete. In dem Stadtviertel, in welches sie geraten waren, tobte gerade nicht das pralle Leben. Alles schien ruhig zu sein und seinen normalen Gang zu laufen. Die Leute standen morgens auf, gingen zur Arbeit, kamen Abends wieder und gingen irgendwann schlafen. Das einzig Aufregende war ein kleiner Tante Emma Laden gegenüber ihrer Wohnung auf der anderen Straßenseite. Sie fragte sich allerdings, wie so ein Geschäft heutzutage überhaupt noch existieren konnte. Vor allen Dingen, wenn einige Blocks weiter ein riesiger Supermarkt war. Viel Kundschaft hatte sie jedenfalls nicht gesehen, aber dafür fiel ihr der Besitzer des Ladens (sie nahm das jedenfalls einmal an) auf. Als sie ihn das erste Mal aus dem Laden kommen sah sog sie die Luft scharf ein. Sie riß die Augen auf, ihr Kopf ruckte nach vorne, fast wäre sie mit dem Kopf gegen die Fensterscheibe gedonnert. Sie schnappte sich schnell das Fernglas, welches neben ihr lag und versuchte hektisch ein möglichst klares Bild von dem Prachtexemplar auf der anderen Straßenseite zu bekommen.

Dieser Mann sah wirklich verdammt gut aus. Kaum zu glauben, daß so jemand hier einen Gemischtwarenladen betrieb. Er stellte einige Reklametafeln auf, auf denen wohl Sonderangebote vermerkt waren. Geschmeidig, wie ein Raubtier bewegte sich dieser große breitschultrige Mann, als ob er sich durch einen Dschungel bewegen würde und nicht hier in den Straßen von DC. Seine langen weiß blonden Haare hatte er zu einem Zopf zusammengebunden. Soviel Kim erkennen konnte hatte er ein ebenmäßiges, leicht gebräuntes Gesicht. Bekleidet war er in Jeans und Sakko, welches seine gute Figur noch mehr unterstrich. Er war eindeutig der interessanteste Mann, außer ihrem Chef natürlich, der ihr seit langem begegnet war.

Aus den Augenwinkeln bemerkte sie Walter Skinner, der durch ihr hektisches Treiben am Fenster  aufmerksam geworden war. Stirnrunzelnd stand er ebenfalls am Fenster, neugierig, was solche offensichtliche Begeisterung bei ihr ausgelöst hatte. Sie beobachtete, wie er sich nachdenklich mit seiner Hand über den fast kahlen Kopf fuhr und drehte sich schnell weg, damit er ihr Grinsen nicht sehen konnte. Es gab bestimmt nicht viele Situationen bei denen sie die Gedanken ihres Chefs erraten konnte, aber diese war eindeutig eine von ihnen. Vielleicht sollte sie ihm sagen, daß sie Männer mit Glatze ganz eindeutig sexyer fand.

Auf jeden Fall wollte sie herausfinden, ob der Mann von gegenüber aus der Nähe auch noch so gut aussah, wie von weitem. Sie beschloss einige Dinge, die sie für das Abendessen benötigte im Laden gegenüber einzukaufen. Zu ihrer nicht geringen Überraschung entschloß sich Skinner, sie zu begleiten. Was war denn das? Sie brauchte sicher keinen Personenschutz um einfach mal so gegenüber in einem Laden einzukaufen. Andererseits, überlegte sie, war das vielleicht ein Anflug von Eifersucht? Wollte Skinner sie mit diesem attraktiven Mann nicht allein lassen? Ein Blick in das undurchdringliche Gesicht ihres Chefs genügte ihr. Sie wußte aus jahrelanger Erfahrung, wenn er dieses Gesicht aufsetzte, war Widerspruch zwecklos. Sie wagte auch nicht mehr nach dem Grund seiner Begleitung zu fragen. Sie würde mit Sicherheit keine befriedigende Antwort erhalten.

Sie befanden sich bereits kurz vor der Ladentür, als Skinners Handy anfing zu klingeln. Er blieb vor dem Laden stehen, um den Anruf entgegen zunehmen, während sie die Gelegenheit ergriff, doch erst einmal allein in den Laden zu gehen. Sie mußte einem älteren kleinen dicken Mann mit Glatze ausweichen, der in dem Moment aus dem Laden trat, sie kurz von oben bis unten musterte und an ihr vorbei ging und sich schnell entfernte.

Nachdem sie den Laden betreten hatte blieb sie erst einmal wie angewurzelt stehen. Ihre Augen mußten sich nämlich erst an dieses diffuse Dämmerlicht, welches drinnen herrschte gewöhnen. Der Laden war nicht besonders groß, wie sie so nach und nach erkennen konnte. Doch trotz der Enge war er mit jede Menge Regalen voll gestellt. Unordentlich waren verschiedene Waren darin verteilt. Suchend ließ sie ihre Blicke über die angebotenen Waren gleiten. Preise konnte sie in dieser Dunkelheit schon gar nicht erkennen, außerdem war weit und breit kein Verkäufer zu sehen. Was sollte denn das für ein Laden sein? Wollte man hier nichts verkaufen oder sollten die Leute die Höhe der Preise nicht sehen? Suchend ging sie durch die Regale und war drauf und dran diesen ungastlichen Ort schon wieder zu verlassen, als eine leise Stimme hinter ihr fragte:, „Guten Tag, was kann ich für sie tun?“. Erschrocken drehte sie sich um und da stand dieses Bild von einem Mann vor ihr.

Sie hatte ihn überhaupt nicht herankommen hören. Neugierig, aber hoffentlich unauffällig, begann sie ihn von oben bis unten zu mustern, während sie versuchte ihn in ein Gespräch zu verwickeln. Der Mann nahm sich unterdessen einen Einkaufskorb und legte die von ihr gewünschten Waren hinein. Leider hielt der Mann ständig seinen Kopf gesenkt, während er ihr antwortete. Das irritierte sie ein wenig. Aber vielleicht war er ja sehr schüchtern, wozu seine eher leise Stimme auch gut passen würde. Langsam, sich über die Vorteile in einer großen Stadt wie DC zu wohnen unterhaltend, arbeiteten sie sich zur Kasse vor. Fasziniert beobachtete sie seine langen schmalen Hände die, die von ihr ausgesuchten Sachen nun aus dem Einkaufskorb nahmen und in eine große Tüte packten, nachdem er die Preise in die Kasse eingegeben hatte. Ganz nebenbei fragte er sie, ob sie denn ganz allein in der Wohnung gegenüber wohnen würde und in diesem Augenblick hob er seinen Kopf und sah sie das erste Mal an.

Die Antwort blieb ihr im Hals stecken. Aus dem klassisch schön geschnittenen Gesicht, mit einem sinnlich geschwungen Mund und einer schmalen Nase, starrten sie stechend hellblaue, ja fast weise Augen unerbittlich an. Die Eiseskälte in diesem Blick ließ sie erschauern und unbewußt einen Schritt nach hinten treten. Sie starrte wie gebannt in diese Augen, die sie zu fixiren schienen. Die Ladentür öffnete sich und in diesem Moment kam endlich Walter Skinner in den Laden. Sie konnte sich nur mit Mühe von diesen unheimlichen Augen losreißen, drehte sich um und zeigte auf ihren Chef, „Nein, Nein, ich bin natürlich mit meinem Ehemann hierher gekommen.“Sie zog den verblüfften Skinner besitzergreifend dicht an sich heran, um nur ja keine Zweifel aufkommen zu lassen, daß sie schon vergeben war. Auf keinen Fall brauchte sie irgendeinen Verehrer. Nun war sie doch froh daß Skinner mitgekommen war. Der Mann war ihr unheimlich. Er löste ein Unbehagen, ja fast Angst in ihr aus. Sie mußte so schnell wie möglich diesen Laden verlassen und sie würde mit Sicherheit auch nicht wieder hierher kommen.

Gerade als sie mit den Einkäufen und einem immer noch sehr erstaunt drein blickenden Walter Skinner den Laden fluchtartig wieder verlassen wollte, rief eine schrecklich schrille Frauenstimme,“Norman, was ist denn da unten los?“. Nachdem Norman wohl nicht gleich reagierte, ertönte es noch einmal,“Noooormaaaaan, antworte mir!“. Ihr lief es eiskalt den Rücken herunter. Was für ein Schreckenskabinett. Erst dieser Mann mit den unheimlichen Augen und dann noch diese Stimme aus dem Hintergrund. Wie erstarrt war sie stehen geblieben. Selbst Skinner, der den Türgriff schon in der Hand hatte, drehte sich beim Klang der Stimme noch einmal um. „Es ist bloß Kundschaft, Liebes, bloß Kundschaft.“ Bequemte sich der so Angesprochene nun doch noch zu antworten und zu seiner „Kundschaft“ gewandt, fügte er noch erklärend hinzu, „Das ist meine Schwester, sie sitzt im Rollstuhl und langweilt sich da oben.“ Mit einem seiner langen Finger deutete er zu einer kleinen Treppe, die ins Obergeschoß des Hauses führte.

Kim hatte die Nase voll. Sie wollte bloß noch raus hier. Drängend schob sie Walter Skinner, der anscheinend überlegte, ob er doch noch was sagen sollte, vor sich her aus dem Laden.

„Haben Sie gesehen was der Mann für Augen hatte? Dieser Blick, einfach unheimlich. Ich habe mich gefühlt wie....“, sie überlegte einen Augenblick, „Beute, ja wie Beute.“ Sie war richtig aufgeregt. Sie hielt sich eigentlich schon für eine bodenständige, rational denkende Frau und ließ sich nicht so leicht ins Bockshorn jagen, doch dieses Erlebnis hatte sie doch einigermaßen aufgewühlt und zu guter Letzt noch diese scheußliche Stimme aus dem Hintergrund. Das alles kam ihr vor, wie in einem Film, dessen Name ihr im Moment aber nicht einfallen wollte.



Teil 3 folgt.
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