Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast 

Das neue Zeitalter

Kurzbeschreibung
GeschichteAbenteuer / P12 / Gen
09.11.2006
08.06.2007
50
70.426
 
Alle Kapitel
34 Reviews
Dieses Kapitel
4 Reviews
 
 
09.11.2006 1.904
 
Willkommen in Azeroth! Dies ist die Geschichte des alternden Taurenjägers Ragnathar und der Nachtelfin Xia, die in der Zeit nach den großen Kriegen ihre Abenteuer bestreiten. Aber keine Sorge, dies ist keinesfalls die Nacherzählung diverser Quests!

Danken möchte ich an dieser Stelle den Protagonisten für die wunderschöne Zeit, die ich Azeroth hatte, wo auch immer ihr da draußen nun sein mögt, ich habe euch nicht vergessen!

Und nun, viel Vergnügen beim Lesen und wehe, ich kriege keine Rückmeldung!


--------------




Die Hitze der erbarmungslosen Mittagssonne ließ die windstille Luft flimmern, die erfüllt war vom Rufen und Schreien der unzähligen groben Stimmen. Schon seit den frühen Morgenstunden brannte der Feuerball am Himmel auf die ausgedörrte rote Erde des Ödlandes hinab, hoch über ihnen und ein wenig im Süden von Kargath zogen die rotgefiederten Terrorkondoren ihre unheilverkündenden Kreise. Ganz besonders dort, wo die Orks die Leichen hinschafften, die toten Körper jener Gefangener, die die Strapazen der letzten Wochen nicht überstanden hatten. Doch es kümmerte niemanden, wenn einer der Sklaven starb, es gab genügend andere, die Händler würden auf ihren Preis kommen ...

Erschöpft blinzelte sie in das stechende Licht, als der breitgebaute Ork, der auf dem erhöhten Holzsteg zwischen seiner Ware auf und ablief, sie grob anstieß. Er machte eine ausholende Geste mit lauten Worten untermalt und zerrte sie an den silbernen Haaren auf die Füße, obgleich ihn die Nachtelfin für gewöhnlich um Kopfeslänge überragt hätte. Aber nun stand sie gebeugt, an Ketten an einen der Pfähle gebunden konnte sie sich nur unbequem hinknien oder stehen. Die Menschenfrau neben ihr durfte liegen bleiben, aber vermutlich wäre sie auch zu schwach gewesen, sich wieder zu erheben.

Angewidert schweifte ihr Blick über die dicht gedrängten Käufer, die sich vor dem Steg tummelten. Orks, Tauren, Untote, auch einige Trolle waren unter ihnen, sie alle schrieen durcheinander, während die Sklavenhändler herumstolzierten und ihre Gefangenen feilboten.

Plötzlich fiel ihr einer der Tauren ins Auge, er schien sich kaum für das Geschehen zu interessieren, er beteiligte sich nicht an dem offensichtlichen Gefeilsche, doch der Händler schien sich sehr für sein Kommen zu begeistern  „Ragnathar! Ragnathar!“, rief er über die Menge hinweg, winkte den Neuankömmling zu sich, deute auf einen der Gefangenen. Und ihr gefror das Blut in den Adern.

Malack ... sie schlenderten gemütlich zu dem Krieger hin, der gefangen genommen worden war, weil er versucht hatte, sie selbst zu retten; doch nun waren sie beide an diesem furchtbaren Ort, an dem die Überlebenden jene beneideten, die den Nether längst betreten hatten.

Ein Ork und ein schlacksiger, langbeiniger Troll zerrten den gefesselten Nachtelfen heran, obgleich er geschwächt und von der grausamen Behandlung gezeichnet war, war er noch immer stolz und kraftvoll in seiner Gestalt, selbst als sie ihn rüde neben dem Grünhäutigen auf die Knie zwangen.
Der Händler wechselte angeregt einige Worte mit dem Tauren, der scheinbar amüsiert zu grinsen schien, seine breiten Zähne blitzen ein wenig zwischen den wuchtigen Kiefern hervor.

Plötzlich lachten beide grob, der Ork zückte einen Dolch und hieb mit einer einzigen, grotesk eleganten Bewegung durch eines der langen spitzen Ohren des neben ihm knieenden Nachtelfenkriegers, und sein wütend schmerzhafter Aufschrei hallte an den Felswänden wider ...



Mit einem unterdrückten Rufen schreckte sie hoch, kämpfte panisch gegen das Gewicht auf ihrem Körper an, bis sie sich bewusst war, dass sie erwacht war.
Es war nur ein Traum gewesen, nur wieder der gleiche, furchterregende Traum, der sie in so vielen Nächten daran erinnerte, wie sie dorthin gelangt war, wo sie war.

Das leise Schnurren dicht neben ihr beruhigte ihren hektischen Atem, sie wischte sich die Tränen aus den silbernen Augen und versuchte, seine Stimme aus ihren Gedanken zu bannen. Etwas stieß ihr sachte gegen den Oberkörper und die Nachtelfin wandte sich um.

„Verzeih, Anthar. Ich wollte deinen Schlaf nicht stören“, flüsterte sie stimmlos in der alten, klangvollen Sprache ihres Volkes und streichelte den breiten Schädel des zahmen Frostsäblers, der dicht an sie gedrängt auf dem weichen Fell eines Wollkodos lag. Die große Katze gab einen murrenden Laut von sich und rollte auf die andere Seite, wo sie weiterhin schnurrend wieder einschlief.
Xia indes erhob sich lautlos. Ihr wacher Blick streifte durch das geräumige Schlafzimmer, blieb eine ganze Zeit an dem schlafenden Tauren hängen, neben dessen Bett die Ruhestätte seiner beiden Diener war.
Sie lauschte auf seinen ruhigen Atem, beobachtete, wie sich die edle, mit Stickereien überzogene Wolldecke über seinem massigen, muskulösen Körper hob und senkte und erneut liefen kühle Tränen über ihre schmalen, dunkelviolett gefärbten Wangen.

Sie erinnerte sich, wie der Ork den blutigen Fetzen von Malacks Ohr triumphirrend in die vor Hitze und Stimmen flirrende Luft gehalten hatte um die Beute dann, mit einer nahezu feierlichen Geste an Ragnathar zu überreichen. Angewidert musste sie sich abwenden, verließ lautlos den Raum um über die weitläufigen Flure des großen luftigen Gebäudes zu gehen.
Ragnathar hatte sie damals gekauft, sie an diesen Ort gebracht, hierher, nach Ogrimmar, der gewaltigen Hauptstadt der Orks, der Feste des Kriegsfürsten Thrall.

Ein lauer Wind strich über ihren leicht bekleideten Körper, das sanfte Gefühl auf ihrer Haut beruhigte ihren Geist ein wenig. Viel Zeit war seit jenem Tag vergangen ... sie hatte die grobe Sprache der Orks erlernt, und wenn es ihr gelang, ihre Gefühle zu unterdrücken, musste sie sich eingestehen, dass sie es nahezu gut hatte, in dieser fremden Welt.
Ihr Herr quälte sie nicht, sie durfte sich frei in dem zweistöckigen Gebäude und dessen Innengarten bewegen. Nur wenn der Taure, der sich als erfahrener Jäger einige Raubtiere hielt, von ihr körperliche Dienste einforderte, konnte sie ihrer Situation nichts Gutes abgewinnen, doch sie war zu lange in der Sklaverei, um ihn noch hitzig dafür zu hassen.

Ein leises Gurren ließ sie aufblicken und ein Lächeln legte sich auf ihre makellosen Züge. In dem schlichten, aber gepflegten Garten saß an dem von groben Steinen umsäumten Teich ein kleiner Rotdrachenwelpling und sah sie aus seinen gelben Augen neugierig an. Xia lachte leise, als das Tier ein wenig unbeholfen versuchte, ihr entgegenzuflattern, sie trat eilig zu ihm, um ihn aufzufangen.

„Na, übst du fleißig?“, fragte sie flüsternd, setzte sich mit dem Drachkin in Händen an das ruhige Wasser.
Seufzend genoss sie die Stille des von einem weitläufigen Kreuzgang umrahmten Gartens. Die Steine strahlten noch immer ein wenig Wärme ab, der rote Welpling hatte sich auf ihrem Schoß zum Schlafen zusammengerollt, zappelte manchmal mit den kurzen Flügeln während er träumte und liebevoll sah die Nachtelfin ihn an.

Sie atmete tief ein, der Geruch der warmen Erde und der zahllosen Pflanzen erinnerte sie an ihre Heimat, an die wunderschönen Lichtungen von Darnassus, an das Zwielicht tief im Herzen Teldrassils, den kühlen Wind, der flüsternd das unendliche Blätterwerk bewegte und ein sich immer wandelndes Spiel aus Licht und Schatten auf die Haine zauberte. Leise erhob sie ihre Stimme, sang eines der uralten Lieder, sang von Elunes Pracht, von ihrer Liebe zu den Geschöpfen und zu den Kindern der Sterne, den Kaldorei, ihrem Volk. Der klare Klang der getragenen Melodie verlor sich in der schweigenden Nacht, während sie sich wehmütig erinnerte, an eine Zeit, die niemals wiederkehren würde.





Thralls Gesichtsausdruck war mürrisch, als er die Störung während seiner Rede bemerkte und als er aufsah erfassten seine wasserblauen Augen den Neuankömmling.
Wiedereinmal war die Priesterin zu spät zu der Großen Versammlung erschienen, aber sie grinste den Kriegshäuptling nur ein wenig neckend an und der alternde Ork musste innerlich lächeln. Niemals würde sie sich an Abmachungen des Rates halten, das war einfach nicht ihre Art.
Er richtete sich zu seiner vollen Größe auf, wartete, bis alle Anwesenden sich wieder ihm zuwendeten, sich die hochgewachsene Trollin auf ihrem Platz niedergelassen hatte und aufreizend die langen Beine übereinander geschlagen hatte.
„Nun denn, schön, dass ihr euch eingefunden habt Katanîra, dann können wir ja nun fortfahren.“
Die Rothaarige nickte ihm zu, noch immer lag ein schelmischer Ausdruck auf ihren schönen Zügen. Thrall ließ seinen wachen Blick einmal durch den großen Saal schweifen, der von einigen schwach glimmenden Kohlepfannen erhellt wurde, dann fuhr er fort.
„Nun, ich muß wohl nicht noch einmal betonen, dass mich sowohl die Aktivitäten der Allianz als auch die der Geißel beunruhigen. Wir müssen unsere Rekrutierungsanstrengungen mindestens verdoppeln.“ Seine tiefe Stimme dröhnte eindrucksvoll, aber während die Anwesenden Tauren und Ork ihm enthusiastisch zustimmten, die Trolle weit in ihre Fellsessel zurückgelehnt nickten, stand in den teils entstellten Mienen der Verlassenen die dem Rat beiwohnten etwas wie Unwillen. Ragnathar bemerkte, wie er von der Seite ein klein wenig angestoßen wurde und blickte neben sich. Der alte Hexenmeister Shagra, sein langjähriger Kampfgefährte und Freund, wies ihm mit einem kaum merklichen Zeichen, den Abgesandten Silvanas zu beobachten und verstehend lehnte sich der Taure zurück, spähte unauffällig an Thrall vorüber, der mittlerweile beinahe im Zentrum des Rundes stand.
Die Untoten tuschelten mal wieder.
Shagras graue Augen verrieten sein Mißtrauen, er strich sich bedächtig den hellen Bart, doch der Kriegshäuptling sprach bereits weiter. Als die Sonne nahezu über der riesigen Halle stand und die Luft in dem mit Leder und Tierschuppen kuppelartig überspannten Gebäude schier zu flimmern begann, löste Thrall das Treffen auf, aber jeder der Ratsmitglieder hatte den Widerwillen und die Anspannung des Anführers gespürt.
„Noch können wir nichts tun“, raunte Shagra neben ihm, als die beiden Kämpfer ins Freie traten, kurz von der Helligkeit des strahlenden Tages geblendet waren.
„Sie sagen immer, dass wir nichts tun können!“, hörten sie hinter sich eine schnippische Stimme und eine Orkin eilte mit einem flüchtigen Gruß an ihnen vorbei, löste sich aus dem Gedränge der Ratsmitglieder und verlor sich in den Gassen von Ogrimmar.
Ragnathar sah ihr unwirsch nach, er konnte wegen seiner Größe ihre zwei schwarzen hochgebundenen Haarschöpfe noch eine Zeit verfolgen, bevor sie auch aus seinem Sichtfeld verschwunden war.
„Liq hat leider nicht unrecht...“
„Das sagst du freiwillig?“, wunderte Ragnathar sich und sie mussten ein wenig lachen, während sie durch die Gasse schritten, die dank der gewaltigen Sonnensegel, die die Schlucht überspannten, auch an einem solch heißen Mittag angenehm kühl war. Zu solch einer Zeit beschränkte sich das Leben der orkischen Hauptstadt auf die Gasse, vor den mehrstöckigen Lehmhäusern der zahlreichen Händler standen viele Reittiere angebunden, während im Inneren der schlichten Gebäude verbissen gefeilscht und geschachert wurde. Hoch über ihren Köpfen jagten die stolzen Flügeldrachen entlang, eines der schnellsten Transportmittel Kalimdors, ihre gellenden Schreie hallten weithin hörbar über die Ebenen, und ihr Brüllen und Fauchen, wenn sie auf ihren nächsten Einsatz warteten, klang Tag und Nacht vom Himmelsturm hinab. Ragnathar verließ die Gasse, blinzelte zu dem gewaltigen Bauwerk hinauf, das aus dem Zentrum der Stadt wie ein gewaltiges Horn aufragte, legte die breite dreifingrige Hand über die Augen, um eines der Flugtiere beim Landen beobachten zu können.
„Ich werde nach Mojachee aufbrechen, die alten Bibliotheken von Düsterbruch könnten noch nützlich sein und ...“
„Du liest zuviel, Shagra“, unterbrach ihn der Taure, sah zu dem Hexenmeister, der gerade von einem der Händler gekommen war und nun einige eigentümliche Gegenstände in den Satteltaschen seines kohlschwarzen Reitwolfes verschwinden ließ, der geduldig im Schatten der Häuser auf ihn gewartet hatte.
Shagra blickte von seiner Arbeit auf, er hatte den wehmütigen Blick des Freundes zum Himmelsturm sehr wohl bemerkt.
„Es wird die Zeit kommen, da wir wieder kämpfen werden“, sagte er ruhig, während er sich in den verzierten Ledersattel des dunklen Tieres schwang.
Murrend nickte Ragnathar, hob grüßend die Hand und wollte sich auf den Heimweg machen, doch Shagra rief noch einmal seinen Namen.
„Bald Ragnathar! Bald!“ Damit nahm er die Zügel des nun unruhig knurrenden und schnappenden Reitwolfes an und ließ das Tier über eine der grob gepflasterten Straßen traben.
Review schreiben
 
 Schriftgröße  Schriftart  Ausrichtung  Zeilenabstand  Zeilenbreite  Kontrast