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Zur falschen Zeit am falschen Ort

von KayKay
Kurzbeschreibung
GeschichteKrimi / P12 / Gen
Dr. Jordan Cavanaugh
08.11.2006
15.11.2008
3
4.878
 
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Dieses Kapitel
1 Review
 
 
08.11.2006 1.860
 
Nach ewig langer Wartezeit, hier endlich das dritte und letzte Kapitel meiner ersten FF. Ich möchte mich bei meinen Reviewern Blume, Feufel KittyCat333, Ebi Nigiri, Blanche Dumond, KayKay(?) und allen Schwarzlesern bedanken und hoffe dass euch dieses Kapitel gefällt. Lob, Kritik und Rechtschreibfehler nehme ich natürlich gerne entgegen.




Entschlossen nicht mehr darüber nach zu denken, schloss sie ihre Wohnungstür auf, ging in ihr Loft und atmete erst mal tief durch. Sie wusste dass die nächsten Tage nicht einfach werden würden aber sie würde das überstehen. Irgendwie tat es ihr gut, wieder in ihrer eigenen kleinen Welt zu sein, die alten Möbel, der alte vertraute Geruch…

Der alte vertraute Geruch?

Etwas stimmte nicht, jemand war hier gewesen, das wusste Jordan genau. Der leichte Geruch von Aftershave der in der Luft lag war nicht zu übersehen.

Jordan Herz schlug schneller. Immer wieder sah sie sich um und eilte dann in die Küche. Zur Sicherheit nahm sie ihr größtes Küchenmesser aus einer der Schubladen. Schließlich konnte man nie wissen.
Wartete etwa schon der nächste Kidnapper auf sie?

Ein leises Räuspern ertönte und lies Jordan zusammenschrecken. Sie drehte sich um und erblickte einen großen zerzaust wirkenden Mann, der lässig im Türrahmen lehnte.

„Ich hoffe ich habe dich nicht erschreckt. Es tut mir leid wenn ich dir Angst eingejagt habe.“

Mitleid und Besorgnis standen dem etwa 25 jährigen, dunkelhaarigen Mann ins Gesicht geschrieben und Jordan nutzte die Zeit um ihn ausgiebig zu Mustern. So sah er also aus, schlank, gut gebaut, ein fein geschnittenes Gesicht, kurze Haare, alles in allem nicht unbedingt der typische Kriminelle. Doch das war er, sie hatte ihn beim ersten Wort erkannt, da stand keine 5 Meter entfernt, Jack, ihr Entführer.

„Anscheinend habe ich mir den falschen Moment ausgesucht, entschuldige. Dann verschwinde ich lieber.“
Jack ging langsam und geknickt in Richtung Tür bevor Jordan ihre Fassung zurückerlangte.
„Halt bleib stehen, lass es dir nicht noch einmal einfallen, einfach so abzuhauen. Vor allem nicht, bevor ich meine Antworten bekommen habe!“

Er drehte sich zu ihr um, ein fast erleichterter Ausdruck war auf seinem Gesicht zu erkennen.
„Auf welche Fragen?“
„Auf alle Fragen, die mir seit gestern unter den Nägeln brennen, verdammt noch mal.“
Er nickte und fuhr sich mit der Hand durch die braunen Haare. „Wenn ich ehrlich bin, Jordan, weiß ich nicht ob ich dir auf alles eine Antwort geben kann, aber ich werde es versuchen.“ Seine Stimme klang erschöpft. Die Junge Medizinerin bot ihrem Gegenüber einen Stuhl an, legte das Küchenmesser zurück in die Schublade und schüttelte leicht den Kopf. Diese Situation war so irreal. Da stand ihr Entführer, mitten in ihrer Wohnung und sie war kurz davor ihm einen Kaffee anzubieten.

Sei fühlte sich wie in einem schlechten Film, nach einem langen Blick in seine stahlblauen Augen holte sie schließlich doch zwei Tassen aus dem Regal. „Kaffee?“ fragte Jordan und ihre Stimme klang anders als sie es erwartet hatte. Nicht unbedingt schwach, aber erschöpft. „Ja, sehr gerne.“ War seine Antwort und die Gerichtsmedizinerin wunderte sich erneut über seine Höfflichkeit.

Fast wäre er aufgestanden um ihr zu helfen, doch er wollte sie nicht weiter verunsichern. So blieb er einfach sitzen und sah ihr zu. Sie war wirklich bewundernswert, schön, stolz und wie sie mit dieser Situation zurecht kam, beeindruckte ihn immer mehr. Er mochte Sie, da bestand kein Zweifel. Hätten sie sich unter anderen Umständen kennen gelernt, wer weiß wie die Sache geendet hätte? Zwei Kinder und ein Haus mit Garten? Er seufzte.

Verlegen betrachtete er seine Hände bevor er etwas naiv fragte: „Vielleicht erzählst du mir erstmal was du schon weißt und was du dir zusammengereimt hast…“
„Nein mein Lieber,“ Jordan sah Jack vorwurfsvoll an und schenkte Ihm Ihr berühmtes schiefes Lächeln „ich werd’ dir doch nicht meinen Teil der Geschichte verraten, damit du dein Lügengespinst drum herum bauen kannst. Kommt gar nicht in Frage.“ Die Gerichtsmedizinerin stemmte beide Fäuste in die Hüften und meinte: „Wie wär’s wenn du am Anfang anfängst und mir erklärst was du mit deinem wahnsinnig aufschlussreichem Kommentar von wegen „ich wäre zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen“ gemeint hast? Und komm mir jetzt ja nicht mit das ist ’ne lange Geschichte, ICH hab momentan seeehr viel Zeit.“

Jack nickte, räusperte sich und begann zu erzählen: „Vor ungefähr einem halben Jahr hab ich ’nen Job bei einem Schrotthändler angenommen, der Kerl dem der Schrottplatz gehörte, war eigentlich recht nett und hat sogar die Krankenversicherung für mich bezahlt. Allerdings hat er mich mit der Zeit in immer mehr krumme Geschäfte rein gezogen: Gestohlene Autos, Schmuggel, Hehlerei, Glückspiel und illegale Wetten… Kurz gesagt, ich hatte schnell über 30.000 Dollar Schulden. Auch wenn ich mit dem Spielen schon lange aufgehört habe und seit über 2 Monaten nicht mehr für den Typen arbeite, hat er mich trotzdem immer wieder eingewickelt und erpresst damit ich für ihn kleinere, natürlich illegale Jobs erledige.“ Er hielt kurz inne und sah Jordan prüfend an. Würde sie ihn für seine Taten verachten? „Jedenfalls kam er vorgestern zu mir und meinte: Entführe diese Dr. Cavanaugh für mich und du bist alle deine Schulden los. Er drückte mir deine Adresse und ein Foto in die Hand.“ Jordan sah ihren Gast irritiert an. „Hast du das schon öfter gemacht? Einfach so wildfremde Leute zu entführen? Ich mein das hört sich fast so an, als wär’ ich so ne Pizza die man ordert. Warum das Ganze?“

Jack kratzte sich kurz an der Stirn bevor er antwortete: „diese Frage habe ich ihm auch gestellt, und bekam aber keine wirkliche Antwort darauf. Er gab mir keine andere Wahl als den Auftrag anzunehmen und letztlich drückte er mir noch eine Flasche Clorophorm in die Hand und den Schlüssel für das Lagerhaus und meinte dass ich den Job bis morgen erledigen sollte.“

Beschämt senkte Jack den Blick und wagte es nicht Jordan anzusehen. Er mochte die junge Frau wirklich sehr, eigentlich war sie der einzige Grund warum er noch hier war.

In diesem Land.

In dieser Stadt.

Jack war Jordan einfach eine Antwort schuldig, obwohl er Ihr keine wirklich gute Antwort geben konnte.



Die Pathologin hatte den Kopf schief gelegt und betrachtete Ihr Gegenüber mit argwöhnischen Augen, die seinem Dackelblick nicht lange standhielten.

„Und? Weiter?“ fragte Jordan etwas ungeduldig.
„Noch am selben Abend habe ich vor dem Gebäude auf dich gewartet, geschlagene 4 Stunden….“
Jordan sah den jungen Mann übertrieben mitleidig an, während sie ihm die heiße Tasse Kaffee hinstellte und Jack konnte sich ein Grinsen nicht verkneifen als er sich artig für den Kaffee bedankte.
„Danach habe ich dich betäubt und in das Haus gebracht, den Rest der Geschichte kennst du ja.“
„Warum hast du dann noch mit diesem Typen telefoniert?“ hackte Jordan nach.
„Ich sollte McElliston benachrichtigen sobald ich meinen Auftrag erledigt hätte und das habe ich getan.“

Jordan sah Jack auf einmal mit großen Augen an. „McElliston? John McElliston? Aber der sitzt doch seit mindestens 2 Monaten im Knast!“ Jack sah der Gerichtsmedizinerin verwirrt nach, die aufgeregt in ihrer Küche auf und ab ging. „Jordan, was redest du da, wer ist John McElliston? Ich kenne nur einen William McElliston.“  
Nervös knetete die Pathologin ihre Hände während sie zu erzählen begann: „John, genannt Big Jo vom McElliston-Clan wurde wegen Mordes, schwerer Körperverletzung, Drogenhandels und Steuerhinterziehung zu zweimal lebenslänglich verurteilt und ich habe damals gegen Ihn ausgesagt.“ Jordan blieb plötzlich stehen und hielt die Luft an. „Mein Gott, er war da damals, der Mann der gestern in der Nähe der Harbor Street erschossen wurde, der rothaarige mit den vielen Narben im Gesicht.“

„Wann und wo genau ist das passiert?“ fragte Jack entgeistert. „Kurz nachdem ich gefunden wurde, mein Kollege sagte nur zwei Straßen von dem Lagerhaus entfernt.“ Jack wurde bleich und fluchte „Verdammt“. Er wollte aus der Wohnung stürmen doch Jordan stellte sich ihm in den Weg.
„Stopp Freundchen, heißt das etwa, dass du damit etwas zu tun hast? Hast du Ihn erschossen? Die Beschreibung von dem rothaarigen Typen passt wohl auf deinen William oder?“ Jack wich etwas überrumpelt vor Jordans resolutem Auftreten zurück und schüttelte den Kopf. „Nein ich habe niemanden erschossen, ich hab noch nicht mal ’ne Waffe, aber ich wollte McElliston davon abhalten dir etwas anzutun und als ich auf Ihn einredete hat er angefangen wild rum zu ballern und ich bin so schnell ich konnte davon gelaufen, ich dachte immer er wollte dich aus dem Weg räumen weil er letzte Woche deinen Wagen gerammt hat und irgendwas vertuschen wollte, aber ich schwöre dir dass ich niemanden umgebracht habe!“ Jack lief immer wieder unruhig auf und ab und beteuerte lauthals seine Unschuld.

Jordan wurde neugierig: „Wie meinst du das er wollte etwas vertuschen?“
„Ich dachte der Unfall würde irgendwie beweisen, dass er genau zu dieser Zeit in der Nähe des Tatorts war. Von welcher Straftat auch immer.“ Jack zuckte mit dem Schultern.

„Ich war immer nur der doofe kleine Handlanger, ich bringe niemanden um, dass musst du mir glauben Jordan! Dir habe ich doch auch nichts angetan obwohl ich die Gelegenheit dazu gehabt hätte mir dir sonst was anzustellen. Nein und ich Trottel hab auch noch die Polizei verständigt.“

Der junge Mann sah Jordan Hilfe suchend in die Augen und wartete beinahe flehend auf eine Reaktion von ihr. „Ich glaube dir Jack und dafür dass du mir geholfen hast bin ich dir sehr dankbar, aber die Frage ist ob die Polizei das genauso sieht. Es wäre wirklich am Besten wenn du dich stellen würdest.“

Der Kleinganove schüttelte wieder  den Kopf und ging nervös auf und ab. „Nein, ich stelle mich nicht, ich will nicht in den Knast, auch wenn mir der Tod von dem Arsch nicht angehängt wird, bleibt immer noch die Entführung und das reicht für mindestens 2 Jahre Gefängnis.“

„Ganz ruhig Jack, setzt dich erstmal hin und dann sehen wir weiter. Wegen der Entführung würde ich mir keine großen Sorgen machen, schließlich bis du erpresst worden und hast außerdem dafür gesorgt dass ich wieder frei kam, wegen dem Toten…“
„Nein Jordan.“ Jack hob abwehrend die Hände. „Bei aller Liebe, ich stelle mich niemals der Polizei, vergiss es!!“

Das schrille Klingeln des Telefons unterbrach das lautstarke Gespräch.

Die Frau wandte sich von Ihrem Gast ab und blickte auf das Telefondisplay.

„Die Polizei?“ fragte er leise und sah sich nervös um.

„Nein, die Gerichtsmedizin“ antwortete Jordan, hob ab und schaltete den Lautsprecher ein.

„Hey Jordan, hier ist Nigel, ich hab verrückte Neuigkeiten für dich, aber ist Woody noch bei dir?“
„Nein, ich bin allein, also schieß los.“
„Also dieser Typ, dieses Narbengesicht hat es tatsächlich irgendwie geschafft sich selbst zu erschießen!“

Jordan konnte hören wie Jack hinter Ihr erleichtert aufatmete.

„Er hat das ganze Magazin leer geballert und dadurch gleich 2 Querschläger eingefangen, so was hab ich noch nie gesehen. Ob er auch noch jemand anderen getroffen hat, kann ich noch nicht sagen. Die Polizei klappert momentan alle Krankenhäuser ab. Ich hoffe die finden was.“

„Danke Nigel, das hoffe ich auch.“

„Ich muss jetzt schluss machen. Macy schleicht hier schon wieder rum, ich ruf dich heute Abend noch mal an, bye.“

Das Freizeichen ertönte und Jordan legte den Hörer wieder auf die Gabel.

„Damit bist du entlastet Jack“ grinste Sie glücklich, doch der dunkelhaarige Mann hatte schon längst die Wohnung verlassen.


Ende
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