Disruption

von Firestar
GeschichteAbenteuer / P16
Clark Kent Cloe Sullivan Lana Lang
30.10.2006
11.11.2006
3
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Lana und Clark saßen da und sahen sich nur an.
Lana fragte sich zum tausendsten Mal, warum er niemals ehrlich mit ihr war. Wieder saß er ihr gegenüber und schwieg sich aus. Sagte nichts. Wich ihr aus.
War sie ihm nicht gut genug? Konnte man ihr etwa nicht vertrauen?

Sie hatte ihn noch nie enttäuscht, geschweige denn verraten! Und sie würde es auch niemals tun. Eher hätte sie ihr Leben gegeben. Doch das schien Clark nicht zu interessieren. Er war verschlossen und ausweichend, wie eh und je. Und auch ihre eindringliche Bitte, jetzt endlich reinen Tisch zu machen und ihrer Beziehung somit eine echte Chance zu geben, kam er nicht nach. Er schwieg und blickte ihr mittlerweile noch nicht einmal mehr in die Augen.
Was war zwischen seinen Liebesschwüren und diesem Zeitpunkt nur schon wieder geschehen? Musste es denn wirklich jedes verfluchte Mal so enden? Gab es für sie Beide denn nie ein Happy end? Lana war wirklich der Meinung, dass sie sich dieses nach all den Jahren des Hick Hacks verdient hatten. Doch ganz offensichtlich lag ihr da wesentlich mehr daran, als ihm.

„Sag es mir, Clark! Du weißt, dass du mir vertrauen kannst und ich immer für dich da bin. Doch das kann ich nur, wenn ich alles weiß. Wir sind ein Paar“, in Gedanken fügte sie ein kleines ‚noch’ hinzu, „und Paare erzählen sich alles. Sie unterhalten sich und lösen ihre Probleme gemeinsam. Was ist das für eine Basis, die wir hier sonst haben?“, fragte sie noch recht sanft. Doch in ihr brodelte es und ihr Entschluss stand nun endgültig fest.

Clark wusste darauf hin nichts mehr zu sagen. Stumm wie ein Fisch saß er da.
Für Lana war das Grund genug, nun wirklich sauer zu werden. Ihre großen Augen funkelten vor Zorn und Verletztheit und versprühten fast Funken.
Auch Clark erkannte das. Doch seine Reaktion darauf war mehr als nur fraglich und mit Sicherheit falsch.

„Versteh doch, Lana. Ich kann es dir nicht sagen. Du bist nicht stark genug…“, sprach er.
Auf seinem Gesicht war nicht im Geringsten zu erkennen, ob ihm das hier gerade schwer fiel oder es ihm einfach völlig egal war.

Einer jedoch war das ganz und gar nicht egal. Auch wenn Clark ihre große und vielleicht einzige Liebe war, so war sie doch nicht bereit, sich selbst dafür aufzugeben. Sich ständig zurückzustellen, nur weil er ihr nicht vertrauen konnte.
Er hatte es ja noch nicht einmal versucht. Zumindest nicht, dass es ihr aufgefallen wäre. Selbst nach dem Tod seines Vaters hatte er nicht bei ihr Halt und Trost gesucht, wie sie es für ein Paar normal empfunden hätte. Nein. Er kehrte ihr mehr und mehr den Rücken und stieß sie stetig weiter von sich, ohne dabei Rücksicht auf sie zu nehmen.

Und nun dieser Satz… Sie war nicht stark genug? Musste sie sich das wirklich sagen lassen? Sie, die ein Cafe leitete, als sie noch zur Schule ging. Sie, die ohne ihre Eltern hatte aufwachsen müssen. Sie, die all das bewältigt hatte und nun studierte. Nein, sie war nicht schwach! Und das würde ihr ein Clark Kent mit Sicherheit nicht einreden!
Nun sprühten ihre Rehaugen nur so vor verletztem Stolz und Leidenschaft. Ihr Temperament trat in vollem Maße an die Oberfläche und machte sich Luft. Nichts in ihr wollte das auf sich sitzen lassen. Und auch ihr Verstand sagte ihr, dass es jetzt, an diesem Punkt, ein Ende geben musste. Basta!

„Ich bin nicht stark genug für dich? Mein Lieber, ich bin stark. Sehr stark. Stärker, als du es je sein wirst.“, sagte sie in einem stillen und zischenden Ton. Fest sah sie ich in die Augen. Ein letztes Mal, so nahm sie sich in diesem Moment vor. Auch wenn ihr Herz in dieser Sekunde eine kleinen Riss erhielt.

Bedacht auf jede Bewegung, stand sie auf. Sie ließ ihn mit jeder Faser ihres Körpers zu verstehen, dass hier vor ihm nicht mehr das kleine Mädchen stand, sondern eine Frau, die wusste, was sie wollte und der sich niemand in den Weg stellen würde. Ihr Kopf war hoch erhoben und keine Träne war in diesem Moment in ihrem Blick.
„Nur wirst du niemals wieder von dieser Stärke profitieren, Clark Kent.“ Sie betonte seinen Namen auf jene abfallende Weise, wie es nur eine Frau konnte, die man über eine geraume Zeit zum Narren gehalten, ausgenutzt und seelisch Missbraucht hatte.

Sie ging zu der Treppe des  Lofts und hielt keinen Moment inne. Sie drehte sich nicht wieder um oder sagte noch etwas. Nein, sie ging einfach nur. Nicht schnell, nicht langsam, aber mit einer Würde, die sie noch schöner erscheinen ließ.
Sie verließ die Scheune und stieg in ihren Wagen. Zum letzten Mal würde sie diese Farm sehen. Sie hatte nicht vor, jemals hierhin zurückzukehren.

Clark sah Lana nach. War es das was er gewollt hatte? Er hatte es provoziert und er hatte es nicht verhindert. Nur wusste er nicht, ob er nicht mehr die Kraft hatte, zu kämpfen oder einfach das Interesse an der brünetten Schönheit verloren hatte. Vielleicht eine Mischung… Jedoch war das jetzt völlig egal, denn Lana war gegangen. Ihr Blick, ihre Mimik und ihre Körpersprache hatten für sich gesprochen.  Sie würde niemals zu ihm zurückkehren. Das war so sicher, wie das Amen in der Kirche.
Er neigte seinen Kopf in den Nacken und blickte an die Decke des Lofts. Und trotz, dass ihn gerade seine Freundin verlassen hatte, dachte er an nichts. An absolut nichts. Sein Kopf war völlig leer. Langsam ließ er sich aus der sitzenden Position in eine liegende gleiten. Diese Nacht würde er hier auf dem Sofa verbringen. Er wollte nicht ins Haus und dort seiner weinenden Mutter über den Weg laufen.

Lana war schon fast bei ihrem Wohnheim in Metropolis angekommen, als ihr endlich bewusst wurde, was gerade geschehen war.
Als sie die Farm verlassen hatte, war sie einfach nur erschüttert gewesen. Sie hatte das Radio eingeschaltet und einen ruhigen Sendern eingestellt. Dann hatte Lana den sanften Tönen gelauscht und dabei an nichts gedacht. Ihr Kopf war so mit Verarbeiten beschäftigt, dass es ihr vorkam, als sei er leer. Dabei war er nur ausgelastet.

Auch hatte nicht ihr Kopf das erste Signal gegeben, dass ihr eine Ahnung verlieh, in welches Loch sie nun fallen würde. Nein, ihr Herz hatte das übernommen. Es hatte diese Aufgabe schon gleich nach verlassen der Scheune an sich gerissen. Doch Lana konnte es mit der sanften Musik und dem beschäftigten Kopf überlisten. Dass das nicht ewig funktionieren konnte, war ihr klar. Doch es kam so plötzlich… Dieser Stich, der einem den Atem raubte. Der einen mit einem Schlag in die Realität und aus dem Schutzvakuum herausholte. Der Stich, der einen aufkeuchen ließ und einem die Tränen in die Augen trieb.

Lana hielt am Straßenrand an. Tränen bahnten sich den Weg aus ihren bezaubernden Augen und rannen die Wangen hinab. Sie rannen und es war schon jetzt klar, dass ihrem Weg noch unzählige folgen würden. Das trügerische Herz raste und ließ sie schnell atmen.

Die Gedanken brachen plötzlich alle heraus und wollten nach Lana schlagen. Und da war er, der Moment, vor dem sie sich so gefürchtet hatte. Wie ein Blitz durchzuckte die Szene in der Scheune ihre Gedanken und brannte sich für ewig in ihre Erinnerung ein. Nie wieder würde sie diesen Moment loswerden. Nie.

Auch wenn Lana es nicht hatte glauben wollen, es war möglich noch mehr zu weinen. Sie war unfähig noch irgendetwas zu erkennen oder jemanden wahr zu nehmen. In diesem Wagen waren nur noch die grausame Szene und sie. Und die Szene gewann stetig an Kraft, während sie nur auf das Lenkrad sank und laut aufschluchzte.
„WARUM?“, weinte sie und konnte selbst dieses kleine Wörtchen nur mit Müh und Not herauspressen.

Sie musste heim. Sie wollte heim. So schnell wie möglich.
Sie riss sich so weit zusammen, dass sie durch den Schleier aus Tränen wieder etwas sehen konnte und fuhr dann zum Wohnheim. Schnell stieg sie aus und rannte schon fast zu ihrem und Chloes Zimmer. Sie wusste nicht, ob diese da war, aber sie hoffte es. Denn sie wollte jetzt eigentlich nicht alleine sein. Mit Tränenverschmiertem Gesicht und blutunterlaufenen Augen stürmte sie das Zimmer.

Chloe blickte von ihren Ideen für eine atemberaubende Story auf.
„Du bist aber früh…“ weiter kam die Blondine nicht, denn sie sah, wie Lana dar stand. Schnell stand sie auf und eilte zu ihr. Ohne eine Frage zu stellen, nahm sie sie in den Arm und drückte sie.
Für Lana war das der Moment in dem ihr Herz endgültig brach und nur noch ein schwarzes Loch zurück blieb. Hier bei Chloe konnte sie sich nicht mehr beherrschen oder zurückhalten. Hier ließ sie alles raus.

„Es ist aus!“, presste sie zwischen den Zähnen hervor.
Chloe glaubte erst ihren Ohren nicht zu trauen. Doch ein blick auf Lana sagte ihr, dass sie sich nicht verhört hatte und es die Wahrheit war. Doch wie das jetzt? Sie wusste ja, dass Clark seit dem Tod seines Vaters anders war und dass er und Lana Probleme hatten, doch dass es gleich so kravierend enden würde, hätte sie nicht gedacht. Sie führte die Freundin zu ihrem Bett und setzte sie darauf. Dann griff sie auf den Nachtisch nach den Taschentüchern und reichte Eins an Lana. Sanft und beruhigend strich sie ihr übers Haar. Sie wusste, dass sie ihr jetzt keine Fragen stellen konnte. Das wäre zu viel für sie gewesen. So wischte Chloe Lana nur den nicht enden wollenden Tränenstrom von den Wangen und war einfach für sie da.

Lana war froh über Chloes Taktgefühl und dass sie ihr keine Fragen stellte, die sie jetzt nur noch mehr zum Weinen gebracht hätten. So war es besser. Sie war nicht alleine, musste ihre Gefühle nicht verstecken und konnte sich sicher sein, verstanden zu werden. Sachte lehnte sie sich gegen Chloe, als diese sie in den Arm nahm. Nach und nach versiegten die Tränen. Nicht, weil der Schmerz nachließ, sondern einfach, weil Lana keine Kraft und keine Tränen mehr hatte. Sie war erschöpft, wie nach einem Dauerlauf und ihre Glieder waren mindestens genauso schwer. Ihre Wangen waren hochrot und erhitzt und ihre Augen brannten wie die Hölle selbst.

Chloe merkte, wie Lana in ihrem Arm schwer wurde. Sachte legte sie sie hin und setzte sich neben sie.
Lana rollte sich sofort wie ein kleines Kind auf der Seite ein und rutschte eng zu Chloe.
Diese hörte nicht auf ihrer Freundin über den Kopf und die Wangen zu streicheln. Beruhigend gleichmäßige Bewegungen, die einem das Gefühl von Sicherheit gaben.

So auch Lana, die unter dieser wohltuenden Prozedur langsam aber sicher ruhiger wurde und sich ein wenig entspannte. Ihr Kopf war wieder leer. Doch dieses Mal nicht, weil er so viel arbeitete, sondern weil er wusste, dass sie nun nur ein wirklich brauchte: Ruhe. Ihre Augen waren von dem vielen Salzwasser nicht nur gerötete und die Lider geschwollen. Nein. Ihre Augen waren auch müde. Sie hatten heute Abend so viel Leid ertragen müssen. So viel sehen müssen. Und sie hatten zum letzten Mal in die Augen Clarks geblickt…
Kurz darauf war Lana eingeschlafen und Chloe deckte sie zu. Sie tat ihr so unsagbar leid. Auch wenn sie noch nicht wusste, was vorgefallen war.

Kurz überlegte sie ob sie zu Clark fahren sollte, entschied sich aber gegen diese Option, weil sie Lana nicht alleine lassen wollte. So kramte sie nur ihr Handy hervor und rief ihn an. Lange ließ sie läuten und versuchte es dann gleich noch einmal, doch es blieb beim selben Ergebnis: Clark ging nicht ans Telefon. Das hieß, dass er wieder einmal niemanden sehen wollte. Wie so oft. Meist raste er dann durch die Gegend und war für niemanden erreichbar. Chloe schüttelte über so ein unreifes Verhalten nur den Kopf und legte ihr Handy wieder weg. In letzter Zeit verstand auch sie Clark nicht mehr und hatte den Bezug zu ihm ein wenig verloren. Es schien, als würden alle erwachsen, nur er blieb auf der Strecke. Es blieb nur zu hoffen, dass er das noch in den Griff bekam und endlich die Realität anerkannte. Und die sah für Chloe im Moment so aus, dass Clark Lana wieder einmal verletzt hatte, sie zurückgestoßen hatte. Ihr Reporterinstinkt sagte ihr, dass Lana dieses Mal nicht zurückkehren würde. Was Clark auch versuchen würde…
Chloe setzte sich wieder an ihren Schreibtisch und widmete sich ihren Notizen. Doch lange konnte sie sich nicht konzentrieren. Zu sehr hatte sie das alles gerade aufgewühlt.
Deshalb beschloss sie, ins Bett zu gehen und zu hoffen, dass der nächste Tag nicht noch mehr böse Überraschungen mit sich bringen würde.
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