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Lara Croft... in Love?

GeschichteLiebesgeschichte / P18
Kurtis Trent Lara Croft
27.10.2006
05.07.2014
4
6.807
 
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27.10.2006 2.291
 
Unerwartetes Wiedersehen

Es dauerte eine Weile, bis Lara reagierte.   Bis vor Kurzem hatte sie erwartet, diese Person niemals wieder zu sehen.  Und nun stand er direkt vor ihr, zum Greifen nahe.  
Gleichzeitig rief die Begegnung unangenehme Momente in ihr hervor. Der Nephilim, der Tod ihres Mentors, Mutanten...  

Lara verzog ungewollt bei der Erinnerung die Mundwinkel. “Was suchst du denn hier?”, stieß sie überrascht hervor und vergaß dabei jegliche Höflichkeitsform.
          
Kurtis Trent, der Mann, der ihr in Paris mehrfach das Leben gerettet hatte und zu ihrem Erfolg beigetragen hatte, fuhr nun mit einer lässig wirkenden Bewegung durch seine dunklen, verwuschelten Haare.  Seine strahlend blauen Augen und sein jugendliches Benehmen ließen ihn zehn Jahre jünger wirken, als er vermutlich war und ließen Lara erröten.  

“Eigentlich hatte ich nur vor, einen Kaffee zu trinken”, log er, doch als er beobachtete, wie Lara ungläubig eine Augenbraue hochzog, senkte er den Blick und lächelte schelmisch. “Na gut.  Ich habe dich eine Weile beobachtet, weil ich den Moment unserer Begegnung hinauszögern wollte.  Fakt ist,  ich brauche deine Hilfe.”  Sein Blick wurde hilflos. “Die Sache in Paris ist anscheinend doch nicht ganz abgeschlossen, wie ich befürchte.”  

“In wie fern?”,fragte Lara ratlos.  Sie war vollkommen verwirrt und ihr lagen tausend Fragen auf der Zunge. “Wieso lebst du überhaupt noch?”; fuhr sie ihn an, schlug sich jedoch die Hände vor den Mund, da es sich vermutlich anders anhörte, als es sollte.  

Gespielt betroffen sah er sie an. “Sollte ich etwa nicht?”

“Nein, nein”, erwiderte sie verwirrt, “Ich meine doch, natürlich sollst du noch leben. Ich meine.. Ach, egal!  Ich verstehe das nicht!  Ich habe deine Zauber-Frisbeescheibe gefunden, aber du warst nirgends zu sehen.. Ich habe dich gesucht!  Wo warst du nur?”    

Kurtis seufzte. “Lange Geschichte, Miss Croft.  Vielleicht sollten wir das woanders besprechen. Die Wände haben hier Ohren”, bemerkte er und musterte mit einem misstrauischen Blick die Umgebung.
Dabei musste Lara ihm Recht geben, denn einige Passanten waren schon neugierig stehen geblieben und beobachteten sie unverhohlen.  

Lara nickte nur stumm und Kurtis griff nach ihrer Hand, um sie in eine Seitengasse zu führen.  
An einem Baum gelehnt stand das treue Motorrad von Kurtis.   “Du kannst hinten sitzen, aber ich habe leider nur einen Helm dabei. Ich habe ja nicht damit gerechnet..”, murmelte er verlegen.  

“Egal”, erwiderte Lara schnell, “No risk, no fun!”    Kurtis lächelte wissend und setzte sich aufs Motorrad.   Lara ließ sich hinter ihm nieder und legte verlegen die Arme um seinen muskulösen Oberkörper. Sie konnte unter ihren Händen deutlich die Muskeln arbeiten spüren und grinste.  
Trotzdem war es ihr irgendwie unangenehm. “Ähm.. Könnte ich nicht fahren?”, fragte sie nervös. “Ich bin einfach nicht gewohnt, zu zweit auf einem Motorrad.. Ich muss ans Steuer! Das geht so nicht!”  

“Zu spät, Miss Croft”, erwiderte Kurtis grinsend und startete den Motor, “Ich bin der einzige, der dieses Baby fährt, klar?”  
Lara wurde  zappelig. “Aber das geht so nicht... ich muss lenken... ich kann mich doch nicht einfach nur festhalten”, quengelte sie, überlegte es sich jedoch anders, als Kurtis mit einer rasenden Geschwindigkeit in die Kurve fuhr und sie beinahe das Gleichgewicht verlor, und sie beließ es dabei, den Mund zu halten und sich an ihn zu klammern.  

Da Lara ihre Augen geschlossen hatte, konnte sie nicht sehen, wohin sie fuhren, aber in dem Moment war es ihr auch egal. Hauptsache, die Fahrt war bald vorbei.  

Sie fuhren knapp eine halbe Stunde, bis Kurtis schließlich neben einem Hotel hielt und das Motorrad abstellte.    Als Lara abstieg, waren ihre Knie wie Gummi und sie seufzte erleichtert. “Das nächste Mal  fahre ich”, sagte sie und fragte sich gleichzeitig überrascht, warum sie nächstes Mal gesagt hatte. Als ob sie erwarten würde, dass sie von nun an mehr zusammen unternehmen würden.
Ihr Verhalten überraschte sie selber und mit überraschtem Ausdruck im Gesicht richtete sie ihre Frisur.  
Kurtis hielt ihr die Hand hin. “Komm, wir gehen auf mein Zimmer.  Es gibt einiges, was es zu besprechen gibt.”  
“Da hast du Recht”, stimmte sie ihm zu, nahm seine Hand und folgte ihm ins Hotel.  
Das Zimmer war nett aber schlicht eingeräumt, allerdings war die Aussicht über die Dächer der Stadt  geradezu beneidenswert.  
“Fühl dich wie Zuhause”, sagte Kurtis und deutete einladend ins Zimmer.   Was nicht sonderlich schwer war, denn, wie in ihrem eigenen Zimmer, lagen kreuz und quer die Klamotten verstreut.  Nur, das ich einen hilfsbereiten Butler habe, der mir nur zu gerne hinterher räumt, dachte sie ironisch.

“Danke”, erwiderte sie trocken und setzte sich auf das Bett. Kurtis folgte ihrem Beispiel.
“Also”, sagte Lara, keine Zeit verlierend. Dazu war sie auch viel zu aufgeregt. “Schieß los! Wie hast du überlebt?”  

Kurtis holte tief Luft. Lara konnte die Adern hinter seiner Stirn arbeiten sehen, anscheinend dachte er angestrengt nach.
“Also, am besten fangen wir da an, wo du mich allein gelassen hast”, sagte er. Vermutlich meinte er es nicht so, aber aus seinem Mund klang es wie ein Vorwurf.   “Ich hatte gegen Boaz gekämpft und letztendlich tatsächlich besiegt. Allerdings gebar das Monster ein fliegenartiges Wesen, ich schätze die  eigentlich Form dieses mutierten Menschen.  Sie stach mir von hinten in den Bauch, worauf ich ihr den Kopf abschlug..”  



Flashback
Kurtis:

Kurtis hörte den Kopf des fliegenartigen Wesens hinter sich dumpf auf den Boden aufschlagen, danach war Stille.
Die Wunde, die das Tier ihm zugefügt hatte, schmerzte und zog heftig.    Das Bild vor seinen Augen verwackelte und er stürzte zu Boden, wobei ihm Blut aus dem vor Schmerz geöffneten Mund tropfte.
Der metallene Geschmack bereitete ihm Übelkeit und kurz darauf wurde er in Dunkelheit gehüllt.  

 
Lara:  

Laras Lungen schienen in Feuer zu stehen.   Ihr wollte kein Atemzug mehr richtig gelingen, und doch war ihre ganze Aufmerksamkeit auf den Nephilim über ihr gerichtet.  Solange der Nephilim kein Leben in sich trug, war er nichts als eine sterbliche Hülle.  Lara musste diese Schwäche ausnutzen, ehe es zu spät war.
Karel, der sich vorgenommen hatte, sie aufzuhalten, umkreiste sie in der Luft und versuchte sie, mit elektrisch geladenen Blitzen zum Schweigen zu bringen.  
Anstatt einfach herzukommen und mir das Genick zu brechen, dachte Lara zynisch. So würde er sie zumindest nicht bekommen.  In all den Jahren als Grabräuberin hatte sie sich eine unvergleichbare Geschicklichkeit angelernt, die selbst ein Joachim Karel nicht in Frage stellen durfte.

Obwohl sie nicht mehr konnte, vom vorangegangenen Kampf mit dem vermeintlichen Sektenanführer und dunklen Alchemisten Eckhardt, der sie völlig ausgebrannt hatte, gab sie nicht auf.   Aufgeben war noch nie ihre Stärke gewesen.  
Nachdem sie den Handschuh in die passende Symbolleiste gesteckt hatte, waren die Leitern heruntergefahren.     Ein und Ausatmen, befahl sie sich energisch, wobei sie schon lange immer unregelmäßiger atmete.  

Ihre Beine fühlten sich an wie Blei und Hitze kroch ihre Waden hinauf.   Trotzdem- sie musste es schaffen! Sie durfte nicht noch mehr Freunde verlieren...
Sie machte eine katzenartige Rolle nach vorne, als ein Blitz neben ihr in die Wand krachte und Gestein abbröckelte.  Schnellstens rappelte sie sich wieder auf und lief weiter.    Dabei sah sie die Leitern als gelegentliche Verschnaufspause, um noch einmal tief Luft zu holen und sich bei Besinnung zu halten.  

Nach vielen Leitern und Treppen, war ihr schon ganz schwindelig zumute.   Sie rannte mit schweren Gliedmaßen auf die Plattform zu, die direkt zum Nephilim herüberführte.  
Ihre Vermutung war, dass diese mächtige Scheibe, die sie Eckhardt abgenommen hatte, zu mächtig für den Nephilim war und ihn bei Berührung zerstören würde.  
Sie hatte nur diese eine Chance!  

Also nahm sie ihre letzte vorhandene Kraft, wobei sie vor Hitze beinahe blind war und sprang ab, darauf vorbereitet, jeden Moment in den Tod zu stürzen.     Sie streckte ihre schwitzige Hand aus und krallte sich in die wächserne, bleiche Haut des Nephilims und atmete tief aus.  Hektisch durchwühlte sie ihren Rucksack, wobei einige Kleinigkeiten hinausfielen und befestigte die goldene Scheibe am Fuß des Nephilims.   Wie erwartet reagierte es und Lara schwang sich ungehalten zu einer Leitung hinüber.  
Sie ließ sich zu Boden gleiten und ein blendender Schmerz durchzuckte sie. Beinahe wäre sie zusammengebrochen, doch sie quälte sich weiter.
Den Schmerzensschrei von Karel hinter sich hörte sie nicht mehr. Das war jetzt auch schon egal.    
Kurz darauf hatte sie die grelle Machtwolke eingeholt und auch ihr wurde schwarz vor Augen.  


Kurtis:  

Als ein Beben die Metallplatte, auf der er lag, erzittern ließ, öffnete er langsam die Augen. Einige Sekunden sah er völlig unklar, dann riss er die Augen auf.  
Hatte die Erde eben gebebt?   Eine Explosion...  
“Lara!”, rief er erschrocken und setzte sich blitzartig auf, doch ein erschütternder Schmerz warf ihn halb zurück.    Verwirrt hob er sein Shirt an und entdeckte ein tiefes Loch in seinem Bauch, mit fleischigem Rand.   Bei jedem Luftzug trat ein Schwall Blut hervor.  
Ihm war nur klar, dass er es irgendwie verbinden musste. “Verband, Verband..”, murmelte er fieberhaft und begann, seine Tasche zu durchsuchen, die er bei sich trug.  
Nichts. Kein Verband.  
Wütend auf sich selber stieß er die Tasche von sich und riss sich langes Stück T-Shirt ab, um es zu verbinden.   Er biss die Zähne fest zusammen und verband die Wunde, so gut es ging.  

Hauptsache er konnte gehen!  Mit Tränen in den Augen erhob er sich- zum einen, wegen der Schmerzen, zum anderen wegen der Sorgen um Lara.
Er schnallte sich seine Tasche um, die neben ihm lag, ließ aber sein Chirugai liegen.  Er hatte nun wirklich Wichtigeres zu tun!  
Humpelnd begann er durch die Höhle, in der sich Boaz befunden hatte, in die Richtung der Halle, aus der die Erschütterung seiner Vermutung nach zu kommen schien.  

Als er mit schmerzverzerrtem Gesicht die Hallentür öffnete, blies ihm eine dichte Rauchwolke entgegen, die seine Augen tränen ließen.  

Er trat in die Halle und hielt mit den Armen die Wunde zu.   Es dauerte eine Weile, bis sicher der Staub gelegt hatte.   Niemand war zu sehen. Bloß ein Haufen Müll, zerstörte Bildschirme, Holzsplitter,  Kohle und Blut.  
Ihm drehte sich schmerzlich der Magen um.    

Als plötzlich etwas in der Mitte des Raumes seine Aufmerksamkeit erregte. So schnell er konnte, humpelte er darauf zu. Es war eine blitzende, schwarze Pistole. Dieselbe Pistole, die Lara benutzt hatte.  Blutspritzer waren darum verteilt und weiter entfernt lag ein halb geschmolzener, blasser Arm.  Entsetzen schnürte ihm die Kehle zu. Das konnte doch nicht sein!  

Ohne, dass er es verhindern konnte, liefen ihm die Tränen über das Gesicht.  Das war doch nicht wirklich geschehen... die große Abenteuerin, die berühmte Grabräuberin, von der alle Welt schwärmte.  
Kurtis schniefte leise und er schämte sich nicht dafür, um eine stolze wie gefährlich schöne Freundin und Helferin zu weinen.  Ohne sie hätte er das nicht geschafft...

“Vielen Dank, Lara”, murmelte er leise.  “Vielen Dank für alles...!”   Er blieb noch eine Weile still sitzen und überließ sich seinem Kummer.  
Schließlich riss er sich zusammen.  Schau in die Zukunft, dachte er traurig, du hast endlich deine Familie gerächt! Freu dich!  Doch nach allem hatte er durch Eckhardts Tod keine Genugtuung empfunden. Nur Leere.  
Er erhob sich und blickte mit Tränen in den Augen zurück.  Doch nun musste er sich um seine Wunde kümmern. Sonst würde er genauso enden, wie alle, für die er gekämpft und geglaubt hatte.  

Lara:  

Die Ohnmacht, in der sie sich befunden hatte, war nur von kurzer Dauer.    Um sie herum flog Müll und Splitter umher und sie war sich bewusst, dass sie hier heraus musste. So schnell wie möglich!  
Müde kämpfte sie sich vorwärts und verließ die Halle auf direktem Wege.  

Ihre einzige Sorge galt nun Kurtis, der, den sie im Stich gelassen hatte.   Obwohl sie furchtbare Kopfschmerzen hatte und wie gelähmt war, schleppte sie sich voran. Sie musste ihn finden..!  

Mit hüpfendem Herzen kam sie in der Halle an.   Doch der Anblick war noch schlimmer.   Kurtis war nicht mehr da!    
Traurig ging sie in die Mitte der Halle und hielt sich dabei den Bauch.  Ihr tat alles so schrecklich weh...
Sie ließ sich auf die Knie und nahm das Chirugai in die Hand, das inmitten einer Blutlache lag und glitzerte.  
Laras Blick verschwamm kurz, als Tränen in ihre Augen stiegen, aber sie unterdrückte es. Sie wäre nicht die stolze Grabräuberin, wenn sie jetzt plötzlich anfangen würde zu weinen. Das hatte sie noch nie getan...  

Plötzlich, als sie die Scheibe berührte, schnellten messerscharfe Klingen heraus und eine Kraft, die sie noch nie gespürt hatte, zerrte sie auf die Beine.  Sie führte sie einmal im Kreis und deutete dann direkt auf die Höhle, in der Boaz sich befunden hatte.  
Lächelnd ging Lara darauf zu. Vielleicht gab es ja doch noch Chancen für diesen Abenteurer!  

Doch in der Höhle musste sie feststellen, dass niemand da war.  Eine schwere Traurigkeit machte sich in ihr breit.   Das Chirugai war nur von einem magnetischen Feld angezogen worden, das sich an der gegenüberliegenden Wand befand.  

Mit betrübten Gesichtsausdruck begann sie dann, den Ausweg zu nehmen.  Um endlich zu vergessen und irgendwann ein anderes Leben leben zu können.
Trotzdem, der großartige Freund würde ihr niemals aus dem Gedächtnis entweichen... niemals!

Flashback Ende


Fortsetzung folgt (falls jemand interessiert ist...)  
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