Speak of Pain

von Beerchen
GeschichteAllgemein / P12 Slash
15.10.2006
15.10.2006
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~*~ ~*~



Titel : Speak of Pain

Autor : Beerchen

Disclaimer : Weder Johnny Depp noch Jack Davenport gehören mir. Überhaupt ist das alles hier nur meinem kranken Geist entsprungen, also schlichtweg nicht wahr ! Noch nicht einmal bezahlt werd ich hierfür! ;o)

Das Lied 'Save Tonight' ist von Eagle-Eye Cherry und ich habe mir erlaubt, mir ein paar Zeilen für dieses Ficlet auszuborgen.

Pairing : Jack Davenport/Johnny Depp

Rating : PG -13

Summary : Jack. Johnny. Ein Wohnwagen, Wein, Kerzenlicht, Musik…ach, lest einfach selbst! :o)

Wordcount : 3.135

Danke : Ein unglaublich herzliches Dankeschön geht erst einmal an Irrlicht, ohne deren Anregung das hier gar nicht entstanden wäre.

Das zweite, nicht weniger herzliche Dankeschön möchte ich der lieben Yanaya aussprechen, die sich sage und schreibe drei (!!!) Mal hier durchgekämpft und schließlich das für mich schon fast unmöglich erscheinende möglich gemacht hat. Danke.

Widmung : „Speak of Pain“ ist mein Geburtstagsgeschenk für Irrlicht . Dieses Ficlet hier ist für dich und nur für dich, Liebes. Gut, vielleicht auch ein klein wenig für mich :o)

~*~ ~*~


Speak of Pain – A Jack Davenport/Johnny Depp Tribute




Es war nicht richtig. Es durfte einfach nicht sein. Er sollte, wollte es beenden, besser früher als später - dabei wusste er nicht einmal mehr, wie alles begonnen hatte. Wie dieser ganze Irrsinn hatte beginnen können und es immer noch schaffte, ihn zu beschäftigen, ihn einfach nicht mehr loszulassen.

Es war nicht richtig, Jack wusste das. Niemand wusste das besser als er. Außer vielleicht ein gewisser Schauspieler, der meist ein Grinsen im Gesicht und einen passenden Kommentar auf den Lippen hatte.

Und jetzt, an diesem Nachmittag, dem ein unerträglich langer Vormittag in einem Hotelzimmer in London vorangegangen war, saß er immer noch hier auf einem Doppelbett und überlegte. Die Chance, sich keinen Ärger einzuhandeln, wenn er auf der Premiere von „Dead Man’s Chest“ einfach nicht erscheinen würde, war ausgesprochen gering.

Er würde so oder so einige Erklärungen abgeben müssen. Wenn er über den roten Teppich schritt, hatte er sich den unzähligen Fragen der Reporter zu stellen.

Und Johnnys Anwesenheit.

Im Grunde genommen bestand Jacks Problem nur darin, dass Mr. Johnny Depp ebenfalls anwesend sein würde.

Alle würden da sein. Alle. Genau das wurde erwartet. Ein wahres Blitzlichtgewitter würde niedergehen, wenn Johnny Depp, Orlando Bloom und Keira Knightley den roten Teppich betraten. Jack, Billy Nighy und Tom Hollander würden sich eher im Hintergrund halten.

Doch auch wenn er sich recht unauffällig verhielt, das eine oder andere Interview gab und ansonsten alles seinen Kollegen überließ, würde ihn das nicht davor bewahren, alle anderen wieder zu sehen. Mit ihnen zu reden. Mit Johnny zu reden.

Natürlich würden sich die Fans um Johnny reißen. Jack würde in der zweiten Reihe stehen und glücklich darüber sein. Wie froh wäre er nur darüber, wenn er die Zeit zurückdrehen und was an diesem Abend so schief gelaufen war rückgängig machen könnte.

Doch wollte er das wirklich? Er wusste es nicht.

In diesem Moment fiel sein Blick auf Michelle, die im Türrahmen des Badezimmers stand, angetan mit einem hübschen Kleid, das sie schon oft bei Filmpremieren getragen hatte. Er mochte es sehr, nur deshalb trug sie es auch heute. Wie konnte man vor einem so liebenswerten Menschen, der einem blind vertraute, nur Geheimnisse haben? War nicht allein das schon ein Vergehen? Es kam ihm jedenfalls so vor.

Doch wie sollte er etwas beenden, das gar nicht richtig angefangen hatte? Vielleicht war es auch nur aus einer Laune heraus passiert, vollkommen ungeplant. Wahrscheinlich verschwendete er keinen einzigen Gedanken mehr daran.

Er.

Johnny.

Hier saß er nun in dem geschmackvoll eingerichteten Hotelzimmer und starrte auf das Bild an der Wand, das einen Hafen zeigte. Eine Weile verlor er sich in der Betrachtung dieses Bildes. Es war kein besonders schönes Gemälde, der Maler hatte wohl einzig und allein die Absicht gehabt, dem Betrachter die friedvolle Stimmung zu vermitteln, die in einem Handelshafen herrschen konnte. Man sah Frachtschiffe, die von einigen Hafenarbeitern beladen wurden, während sich ein anderes Schiff gerade aus dem Hafen auslief, um seine Fracht in ferne Länder zu bringen.

Ganz in der Betrachtung des Bildes versunken nahm Jack kaum wahr, wie seine Frau aus dem Badezimmer kam und sich zu ihm aufs Bett setzte, um sich ihren Schmuck anzulegen. Ein Hauch ihres Parfüms wehte zu ihm herüber. Blumig, weiblich …frisch.
Das waren die Gerüche, die er gewohnt war, die er auch in zwanzig Jahren noch riechen wollte, die ihm so vertraut waren, dass sie ihm fehlten, wenn Michelle nicht da war.

An diesem einen Abend, der nun schon so lange der Vergangenheit anzugehören sollte hatte ein anderer Geruch vorgeherrscht. Der betörende, aufregende Geruch eines Mannes. Auch diesen Geruch hatte er in dieser Zeit fast jeden Tag um sich gehabt. Allerdings war dies definitiv nicht der Duft, an den sich ein glücklich verheirateter Mann erinnern sollte.

Jack sehnte sich diesen Duft zurück, gleichzeitig kroch aber die Angst in ihm hoch, diesen Duft wieder so intensiv wahrzunehmen wie damals.

Damals, als alles schief gelaufen war und doch diese Perfektion geherrscht hatte.

Dieser eine Moment, in dem er die Kontrolle verloren, sie vollständig an einen anderen Mann abgegeben hatte.

„Wenn ich nur wüsste, über was du jetzt wieder nachdenkst, Darling“, durchbrach Michelles Stimme die Stille. Jack sah sie an und lächelte.

Ahnte sie etwas? Wusste sie es etwa schon? Konnte man von seinem Gesicht ablesen, was zwischen ihm und Johnny geschehen war?

Er war es gewohnt, Gefühle zu zeigen, nicht, sie zu verbergen, sie vor der Welt zu verstecken.

Wenn sie nur wüsste…

+++




Massen von Fans, die aus aller Welt gekommen waren. Sie alle standen an beiden Seiten des roten Teppichs, über den er gleich würde laufen müssen. Anspannung hing in der Luft und nahm ihm fast den Atem.

Das Gekreische, das hin und wieder aufbrandete, machte ihn noch nervöser, als er es ohnehin schon war. Konnten diese Menschen sich nicht einfach ganz normal benehmen?

Jack ließ seinen Blick über die Menge schweifen. Dort vorne, an der Absperrung standen Keira und Orlando, die dabei waren, fleißig Autogramme zu verteilen. Wie selbstverständlich sie das taten. Es gehörte zu ihrem Job und war den jungen Schauspielern schon in Fleisch und Blut übergegangen.

Und er hatte nicht einmal einen Stift dabei. Wie armselig. Er war Menschenmassen einfach nicht gewohnt und fühlte sich bei solchen Veranstaltungen einfach nicht wohl. Fast wäre er zusammengezuckt, als eine Reporterin ihn von der Seite ansprach.

Es lief ab wie immer: Er versuchte witzig zu sein und verplapperte sich. Was hatte er gesagt? Warum hatte er plötzlich damit angefangen, Johnny über den grünen Klee zu loben, nur um dann hastig dasselbe mit seinen anderen Kollegen zu tun? Dieser Rettungsversuch war erbärmlich gewesen. Doch zum Glück konnte er sich nach wenigen Minuten wieder loseisen und weiterlaufen.

Er hatte Angst davor, Johnny wieder zu sehen.

Nichts würde mehr sein wie damals.

Damals…

+++




War es wirklich so eine gute Idee gewesen, als er zugesagt hatte, einen Commodore der Royal Navy in Jerry Bruckheimers neuem Film zu spielen? Kritisch betrachtete Jack sich in dem großen Spiegel, der vor ihm an der Wand hing.

Er mochte diese Rolle. Ein Teil von ihm konnte es kaum mehr erwarten, zu James Norrington zu werden, James Norrington zu sein.

Dieser Mann, der es als seine Aufgabe sah, Licht in das Dunkel zu bringen, frische Luft zu schaffen in Dörfern und Städten, die vorher fast erdrückt wurden vom Mief der Piraten. Dieser Mann, der am Ende doch einsah, dass Gerechtigkeit nicht gleich Gerechtigkeit war und deshalb Gnade walten ließ.

Nein, mehr noch: Er schlug einen veränderten Kurs ein. James Norrington war kein Mensch, der auf seine Überzeugungen pochte und keine andere Meinung gelten ließ – auch wenn es auf den ersten Blick so schien. James Norrington war ein Held. Ein stiller, unauffälliger und deshalb tragischer Held, aber nichtsdestotrotz einer der Helden dieses Abenteuers.

Allerdings wäre er in einem anderen Kostüm um einiges glücklicher gewesen. Er seufzte leise. So war es nun einmal gewesen: Alle ranghöheren Mitglieder der Royal Navy hatten solche Uniformen getragen. Er würde es überstehen.

Wenige Minuten später schritt er langsam zur Maske. Dort würde er dann auch noch eine weiße Puderperücke aufgesetzt bekommen. Wie unglaublich kleidend.

Er musste über sich selbst grinsen. Was wollte er eigentlich? Er spielte Seite an Seite mit Johnny Depp und Geoffrey Rush – wenn das keine Ehre war!

Seine Hände berührten den glatten Kunststoff der Tür, auf der ein simples Blatt Papier mit der Aufschrift „Maske“ befestigt war, öffnete diese und erstarrte. Jack sah wie gebannt auf einem schwarzen Haarschopf, um den ein rotes Bandana geschlungen war. Fasziniert ließ er seinen Blick über die Perlen gleiten, die in das ebenholzfarbene Haar eingeflochten waren und daher gleich umso farbenfroher wirkten.

Mit einem Räuspern machte er sich bemerkbar und erreichte damit, dass mit Kajal umrandete Augen ihn neugierig musterten. Ein stechender Blick bohrte sich in seinen, brachte ihn dazu, sich kleiner zu fühlen als er war und sorgte dafür, dass er einen Augenblick lang wegsah. Doch schließlich atmete er tief durch und erinnerte sich daran, dass er vielleicht besser etwas sagen sollte.

„Entschuldigen Sie, Mr. Depp. Ich habe mich noch gar nicht vorgestellt…“

Dieser Satz, den er mit merkwürdig rauer Stimme aussprach, wurde von einem Grinsen des anderen Mannes kommentiert. Goldzähne blitzten im Licht der Neonröhren, die an der Decke des schmucklosen Raumes hingen. Gott. Dieser Mann sah einfach perfekt aus – von Kopf bis Fuß ein lebendig gewordener Kindheitstraum. Ein Pirat, wie er im Buche stand. Zweifellos würde er selbst Captain Hook die Schau stehlen.

Und er, Jack? Er sah aus wie ein Eisbecher. Wie ein um Ernsthaftigkeit geradezu bemühter und dabei ziemlich lächerlich wirkender Eisbecher.

+++




Jack lächelte, als er an diesen Tag zurückdachte. Wie unsicher er damals gewesen war, wie schüchtern. Nein, eingeschüchtert war das bessere Wort. Schon damals hatte er instinktiv begriffen, dass er es in Punkto Schlagfertigkeit und Redegewandtheit mit Johnny unmöglich würde aufnehmen können. Er hatte Recht behalten.

Sie waren grundverschieden. Jack gefiel sich in seiner Rolle im Hintergrund, er war nicht der Mensch, der große Reden schwang, war es nie gewesen. Natürlich hatte er auch den einen oder anderen Lacher auf seiner Seite und seine Kollegen mochten ihn.

Johnnys spontane Art besaß er einfach nicht. Jack saß lieber mit Jonathan Price vor einem Schachspiel, anstatt wie Johnny mit Orlando Surfen zu gehen.

Und doch waren sie Freunde geworden.

Sehr gute Freunde. Zu gute Freunde.

Er hatte sich diesem Menschen annähern wollen und zu dieser Zeit niemals daran gedacht, dass er ihm einmal so nahe kommen würde.

Eine Zeit lang war zwischen ihnen nichts anderes gewesen als Freundschaft. Tiefe, enge Männerfreundschaft, von der er Michelle jeden Abend am Telefon berichtet hatte. Es hatte sie glücklich gemacht, auch wenn sie das ihm gegenüber natürlich nicht zugab und ihn andauernd mit seiner „besonderen Beziehung“ zu Mr. Johnny Depp aufzog. Doch Jack wusste, wie sie das meinte, und lachte darüber.

Bis zu jenem Abend.

Jener lauen Sommerabend, an den er sich einerseits nicht zurückerinnern wollte und mit dem er doch so viele schöne Erinnerungen verband.

Es hätte niemals soweit kommen dürfen. Er hatte es in der Hand gehabt und hätte alles verhindern können, allerdings war ihm das nur zum Teil geglückt.

Sein Herz weinte und lachte gleichzeitig über diesen Umstand.

+++




Die Sonne versank im Meer und ihre orangefarbenen Strahlen flossen in Wellen über die karibische See. Der laue Wind ließ die Palmenblätter rascheln.
Sand knirschte unter seinen Schuhen, als er zu Johnnys Wohnwagen schritt. Jack hatte sich eine Flasche Wein unter den Arm geklemmt, die er für einen besonderen Anlass aufgehoben hatte. Und diese Einladung seines Schauspielkollegen war doch etwas besonderes, oder? Er war nie zuvor in Johnnys Wohnwagen gewesen, einfach nur um ein paar gesellige Stunden miteinander zu verbringen.

Seine Gedanken wirrten genauso verloren umher wie der Wind, der durch die Palmwedel strich.

War es klug, nun an diese Wohnwagentür zu klopfen? Johnny war schon den ganzen Tag über so seltsam gewesen. Vor allem hatte er ihn auf eine Weise angesehen, die Jack nicht behagte, da sie ihn nervös machte. Warum musste Johnny ihn auch noch zusätzlich versunsichern, wusste dieser denn nicht, wie sehr er zur Zeit mit den Gefühlen, die er sich bestimmt nur einredete, zu kämpfen hatte?

Jack fand es nicht fair.

Er hatte die Wahl. Noch blieb ihm Zeit, sich umzudrehen und die Beine in die Hand zu nehmen. Das war vielleicht keine so schlechte Lösung des Problems, wenn man einmal davon absah, dass sie sich am nächsten Tag ganz sicher wieder sehen würden. Wieder sehen mussten.

Jacks Fingerknöchel berührten den harten Kunststoff der Tür, als sie nach zweimaligem Klopfen auch schon aufgerissen wurde. Der andere musste direkt hinter der Tür gelauert haben. Überrascht starrte Jack Johnny an, der etwas nuschelte, das wie „Einen wunderschönen guten Abend, Mr. Davenport“ klang, ihm die Weinflasche abnahm und einladend ins Innere des Wohnwagens wies.

Während Jack leicht verwirrt den Wohnwagen betrat und langsam in den Wohnraum ging, betrachtete Johnny das Etikett der Flasche. „Haben wir etwas zu feiern?“

Jack lächelte und zuckte in einer hilflosen Geste mit den Schultern. „Bestimmt. Es gibt doch immer etwas zu feiern.“

„Da könntest du Recht behalten“, murmelte Johnny.

Schließlich saß Jack auf der schmalen Eckbank in Johnnys Wohnwagen und fühlte sich ein wenig unbehaglich. Johnny saß ein ganzes Stück von ihm entfernt und war ihm doch immer noch zu nah.

„Es ist doch viel gemütlicher, abends auch einmal Gesellschaft zu haben, als immer nur alleine in seinem Wohnwagen herumzusitzen und Däumchen zu drehen, nicht wahr?“

„Ja.“ Jack schluckte trocken, doch Johnny grinste nur. „Dann werde ich einmal Gläser und einen Korkenzieher holen. Mach es dir bequem. Fühl dich wie Zuhause.“

Und schon war er mitsamt der Flasche in der kleinen Kochnische verschwunden. Jack atmete auf und nahm sich jetzt erst die Zeit, die Inneneinrichtung – wenn man dies denn bei einem Wohnwagen so nennen konnte - zu bewundern. An einem Balken, der sich direkt über der Sitzecke befand, hingen viele eng mit Noten beschriebene Blätter.

„Spielst du hier Gitarre?“

Johnny nickte und stellte zwei Gläser Wein und die Flasche auf den Tisch. Dann holte er ein kleines, silbernes Feuerzeug aus der Tasche und zündete die Kerzen an, die ebenfalls auf dem schmalen Esstisch standen.

„Ein bisschen Romantik hat noch niemandem geschadet. Bitteschön, Commodore.“ Er reichte Jack eines der Gläser. „Lust auf ein kleines Ständchen?“

Jack lächelte und nickte. „Gern.“

Mittlerweile war die Sonne gänzlich hinter dem Horizont verschwunden und der Schein der Kerzen spiegelte sich im Fenster des Wohnwagens, als Jack die Jalousie hochzog.

Als Johnny mit seiner Gitarre im Arm wiederkam, sich setzte und ihm erst einmal zuprostete, begann Jack sich mehr und mehr zu entspannen. Er fühlte sich unglaublich wohl hier. Der warme Schein der Kerzen tauchte die Szenerie in ein gemütliches Licht und sorgte dafür, dass Johnnys dunkle Augen einen ganz besonderen Glanz widerspiegelten. Jacks Blick hing förmlich an diesem merkwürdigen und doch so faszinierenden Mann, beobachtete, wie er an seinem Weinglas nippte, bevor er nach der Gitarre griff und sie zu stimmen begann.

Als die ersten Klänge der Gitarre durch den Wohnwagen tönten und langsam alles im Raum einzunehmen schienen, lehnte Jack sich zurück und legte einen Arm auf die Lehne der Sitzecke. Er hatte sich schon lange nicht mehr so gut gefühlt. Da machte es auch nichts mehr aus, dass das hier auch als „Date“ missverstanden werden konnte. Wein, Kerzenlicht und Musik. Dann hatte er eben ein Date mit Johnny Depp – viele Menschen würden ihn darum beneiden.

Er lachte in sich hinein und trank noch einen Schluck Wein, bevor er Johnny wieder ansah. Dieser schien vollkommen versunken in sein Gitarrenspiel. Seine Finger bewegten sich unglaublich geschickt und das Kerzenlicht schmeichelte seinen Zügen, ließ sein halblanges Haar glänzen.

„Schließ die Augen.“

„Was?“ Jack schreckte aus seinen Gedanken hoch und sah Johnny ungläubig an.

„Dann kannst du die Musik noch besser spüren.“

Jack tat wie ihm geheißen und trieb auf diesen mal sanften, mal lauteren, intensiveren Klängen dahin.

Go on and close the curtains
All we need is candlelight
You and me and a bottle of wine
Going to hold you tonight




Jack öffnete die Augen wieder, als der letzte Laut verklungen war. Er blinzelte. Sogar der sanfte Schein der Kerzen schien zu grell zu sein. Er war wieder in der Wirklichkeit angekommen. Dort, wo er im Moment am wenigsten sein wollte.

„Schön…“, murmelte er. „Wo hast du so Gitarre spielen gelernt?“

„Ich habe es mir selbst beigebracht. Aber es freut mich, dass es dir gefallen hat“, vernahm er Johnnys Stimme, der damit beschäftigt war, seine Gitarre neben sich auf der Bank zu verstauen und dafür zu sorgen, dass sie nicht herunterfiel.

Wie seltsam, dass sie beide nun hier waren. Ausgerechnet sie beide. Er hatte Johnnys Art von Anfang an gemocht und erleichtert festgestellt, wie einfach der Umgang mit ihm war. Und doch wusste er immer noch nicht, wann dieser Mann Scherze machte und wann er etwas ernst meinte. Gerade in Situationen wie diesen konnte dies ausgesprochen unangenehm und peinlich werden. Nicht, dass es nicht bereits mehrere Situationen dieser Art gegeben hätte…

Lag dies alles wirklich nur an diesen seltsamen Szenen im neuen Skript? Gleich zu Beginn der Dreharbeiten zu „Dead Man’s Chest“ hatte eine gewisse Spannung zwischen ihnen geherrscht. Was war es, was er da andauernd zwischen den Zeilen gelesen hatte? Dachte Johnny dasselbe darüber wie er?

Als ob dieser Jacks Gedanken gelesen hätte, umrundete er den Tisch und ging vor ihm in die Hocke.

„Weißt du, was die Schreiber des Filmskripts im Sinn hatten, als sie über Jack und James nachdachten? Nein? Nun, eine Vermutung wirst du doch haben, oder etwa nicht?“

Ein herausfordernder Blick aus braunen Augen begegnete Jack. Er kannte diesen Hundeblick nur zu gut.

„Noch etwas Wein?“

Dieses Ablenkungsmanöver nutzend, goss Johnny sein Glas noch einmal halbvoll, nur um dann sogleich wieder zum Thema zurückzukehren.

„Wie wäre es, wenn ich es dir einfach einmal zeige?“

Worauf wollte Johnny hinaus? Und über was sprach er gerade? Jacks Hände begannen nervös über den Stoff des Sofas zu streichen.

„Ja, gerne.“

Er wusste wirklich nicht, auf welche der Fragen er gerade geantwortet hatte.

Noch bevor er seine Antwort weiter ausführen konnte, spürte er Johnnys Hand auf seinem Knie und seinen Atem, der Jacks Ohr kitzelte. Seine Hand verkrampfte sich in der Sofalehne, als er Johnnys Lippen auf seinen spürte.

Es fühlte sich so unglaublich gut an. Hatte sein Herz gerade einen Schlag ausgesetzt? Und ehe er sich überlegen konnte, was er da gerade tat, schlang Jack einen Arm um den Nacken seines Schauspielkollegen und erwiderte den Kuss genauso sanft.

We know I'm going away
How I wish....wish it weren't so
Take this wine & drink with me
Let's delay our misery




Langsam, vorsichtig löste Johnny sich wieder von ihm. Jacks zitternde Hände griffen nach Johnnys Hand, die noch immer auf seinem Knie ruhte und schoben sie sanft weg, nicht ohne sie vorher sanft zu streicheln.

„Es…es ist nicht richtig… das weißt du genauso wie ich. Ich sollte vielleicht lieber gehen.“ – Und hör auf, mich so anzusehen, sonst bleibe ich am Ende doch noch. Dann werden wir Michelle einiges zu erklären haben.“

Sofort verschwand der Hundeblick.

Hastig stand Jack auf, verschüttete dabei fast den restlichen Wein und sah Johnny um Verzeihung heischend an.

„Es ist schon gut, Jack. Belassen wir es dabei.“

Erleichterung durchflutete Jack angesichts des Lächelns, das nun wieder auf dem Gesicht seines Schauspielkollegen erschien. Wenigstens einer von ihnen schien die Kontrolle über die Situation wiedererlangt zu haben.

„Danke für den überaus schönen Abend. Schlaf gut.“

„Bis morgen dann, Commodore.“

Auch Jack lächelte nun wieder - und sorgte dafür, dass er so schnell wie möglich wieder aus Johnnys Wohnwagen kam.

Save tonight
And fight the break of dawn
Come tomorrow
Tomorrow I'll be gone



+++




Die Fans brachen urplötzlich in wildes Gekreische aus und wenig später erblickte er Johnny, der aus einer Limousine stieg und dann vollkommen gelassen begann, Autogramme zu geben.

Ja, das war Johnny. Jack grinste. Und er hatte nicht einmal einen Stift dabei.
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