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Final Fury

Kurzbeschreibung
GeschichteHumor, Parodie / P18 / Gen
30.09.2006
12.11.2016
7
70.201
3
Alle Kapitel
53 Reviews
Dieses Kapitel
17 Reviews
 
 
30.09.2006 8.440
 
Vorwort des Autors: Lo, bevor ich meine Leser auf die lange und vielleicht gefahrvolle Reise durch die Niederungen und Hochplateaus meiner parodistischen Kreativität schicke, sollen einige Danksagungen ergehen. Die erste und wichtigste gilt meiner Beta und größten Inspirationsquelle, Gretel of Filz. Sie ist schuld daran, daß die Story die Form angenommen hat, die sie angenommen hat, und ohne sie hätte ich nie versucht, eine Art Parodie zu schreiben. Weiterhin danke ich allen, die sich das Dingens hier antun, und allen, die ein Review dazu geben, und allen ganz besonders, die beides tun. Und natürlich allen weiteren, denen ich vorab schon Teile der Story geschickt habe, und deren Kommentare mir geholfen haben und noch immer helfen, an diesem Projekt weiterzuschreiben.

Klingt gut als Vorwort, eh?

Und jetzt gehts los. Behold.

Kapitel 1
Die Mission


Regen.

Regen, von Regen gibt es eine Vielzahl an Formen, vom leichten Nieselregen, der den meisten nicht einmal das Hochschlagen der eventuell vorhandenen Kapuze wert ist, weil es die Gefahr erhöht, vom nächstbesten Auto überfahren zu werden und weil es eventuell die Frisur ruiniert, bis hin zu Wolkenbrüchen, die den Terminus „Sintflut“ neu definieren, die wenigen Dummen auf der Straße schneller als gedacht in die Kanalisation spülen und jedermanns Gärten schon etwas zu gründlich für den landläufigen Geschmack gießen, bis die Erde so durchweicht ist, dass selbst die zäheste und unnachgiebigste Maulwurfpopulation im nächsten betonierten Unterschlupf um Asyl bittet.

Regen hat seine eigene Wirkung auf Menschen, und diese Wirkung variiert je nach Situation, in der er besagte Menschen erwischt. Sitzen sie im Haus, kommentieren sie Regen in egal welcher Form missmutig, auch wenn er an und für sich kein großes Problem darstellt. Befinden sie sich auf offener Straße, unterscheiden die Menschen in ihrer Lautstärke, in der sie fluchen, zwischen den verschiedenen Regenstärken, denn je nach Dichte des Niederschlags sehen sie beim Betreten trockener Räume erbärmlicher aus, was besonders für Frauen im Sommer ein deutliches Problem darzustellen scheint.  

Und wenn sie sich auf einem im Freien stattfindenden Konzert befinden, wo die Musik sie im Griff hat und sie entweder davon oder von exzessivem Drogenkonsum so berauscht sind, dass nichts mehr ihnen den Spaß nehmen kann, dann lassen sie Regen einfach Regen sein und lassen sich einzig und allein wegschwemmen von aus demselben Material wie sie selbst bestehenden Massen, wenn die Hysterie sich breitmacht aufgrund von welcher Aktion des Stars auf der Bühne auch immer, und nicht von ein bisschen Flüssigkeit, die vom Himmel kommt.

Zumeist.

In manchen Situationen ist Regen willkommen, als Ausrede für das Umfahren einer unangenehmen Aufgabe im Freien beispielsweise. Menschen brauchen immer einen Sündenbock, und wer eignet sich dazu besser als die vage, gesichtslose Personifikation von Wassertropfen, die vom grauen Dach der Welt fallen. Sie kann man verfluchen, ihr kann man stillschweigend danken, auf sie kann man Probleme schieben, denn sie sagt nichts, tut nichts, wehrt sich nicht, sie steht gegenüber allem so unerschütterlich wie der sprichwörtliche Fels in der Brandung, um nicht zu sagen, wie der Baum im Regen.

In Balamb regnete es oft. Die Hafenstadt war mit ihrer natürlichen Lage prädestiniert für Gewitter und Stürme, und keiner ihrer Bewohner störte sich mehr groß daran. Wer vom Regen auf der Straße überrascht wurde, hatte es meist nicht weit bis zur nächsten Kneipe, wo er Unterschlupf finden und mit zahlreichen anderen Leidensgenossen über das Mistwetter philosophieren konnte – wenn es einem Bewohner von Balamb denn die Worte wert gewesen wäre. Das Gastronomiewesen der Inselhauptstadt war einem Sprichwort nach mehr vom Regen abhängig als von Touristen, ein weiterer Grund, warum keiner der Einwohner dem Regen jemals mehr Bedeutung beimaß als einen flüchtigen Blick zum Himmel, begleitet von einem knappen „geht schon wieder vorbei“ oder ähnlichem. Dann würde jeder gestandene Balamber seines Weges gehen und versuchen, nicht allzu naß zu werden, ohne dass es ihm etwas ausgemacht hätte, keinen Ausweg aus den vom Himmel stürzenden Bächen zu finden. So was gehörte halt zum Leben auf der Insel wie der alljährliche Haufen von halben Kindern, die an einem bestimmten Datum mit zahllosen exotischen Waffen beladen die Stadt unsicher machten, dann in Richtung Hafen verschwanden, und von denen danach kein Viertel mehr zurückkehren würde. Sehr zur Freude der Bürger, für die der Spruch „zum Garden gehen“ bereits eine anerkannte und bösartige Metapher geworden war für den in gehobener Sprache als Exitus bezeichneten Fall.

Die Kneipe „Zum fröhlichen Fischkopf“ machte an diesem Abend wieder gehörigen Umsatz, wie der Wirt dieses altehrwürdigen und beliebten Etablissements erfreut feststellte. Die Lage direkt am Hafen erlaubte es sowohl den Städtern als auch den Seeleuten, ohne große Umwege dorthin zu gelangen, und der Name tat ein übriges, Besucher anzulocken. Böse Zungen behaupteten, der Gründer der Kneipe, dessen Nachkommen sie noch heute führten, sei mit seinem nicht zu übergehenden Körpergeruch für den Namen verantwortlich gewesen, und wer sie mehrmals besucht und ein persönliches Gespräch mit dem Wirt angefangen hatte, war bereit, diese Gerüchte zu glauben. Aber die Kneipe war relativ billig, Schlägereien waren selten (seit die Garden-Schüler nicht mehr hierher kamen) und es gab genug Platz für eine ganze Menge Gäste, ebenso wie einige dunkle Ecken, wohin man sich verziehen konnte, wenn man nicht gestört werden wollte.

Eine dieser Ecken beherbergte zwei Gestalten, die hier trotz des breiten Kundenstamms des „Fischkopfes“ deplaziert wirkten. Schwarze Kleidung war zwar nichts Unübliches hier, und auch die Frisur eines der beiden jungen Männer mit ihren stacheligen, hellblonden Auswüchsen wirkte nicht allzu fremd – als Wirt einer Bar traf man eine MENGE seltsame Kleidungs- und Haarstile an – und doch wirkten die beiden in der Ecke nicht wie Stammgäste. Zumindest der Blondschopf jedoch schien diesen Eindruck ausgleichen zu wollen, indem er ein Bier nach dem anderen bestellte, sodass er am heutigen Abend wohl schon mehr intus hatte als einige der alten Seebären von den Docks. Sein Gegenüber aber, gewandet in unauffällige schwarze Hose und ebenfalls schwarze kurze Jacke, hatte sein Getränk vor ihm auf dem Tisch noch nicht einmal angerührt – definitiv ein Beweis dafür, dass er nicht üblicherweise hier her kam, ansonsten hätte er es besser gewusst und sich das gute Bier nicht entgehen lassen… Steif zurückgelehnt saß er da und schien angestrengt zu versuchen, dem alkoholisierten Sermon seines Gefährten zu folgen.

Squall Leonhart verzog unangenehm berührt das Gesicht, als sein Möchtegern-Saufkumpan auf der anderen Seite des Tisches den neunten oder zehnten Bierkrug an diesem Abend mit einem Zug hinter die Binde kippte. Er wusste ja nicht, wie viel der andere vertragen konnte, doch dessen vorn übergebeugte Pose und leichtes Schwanken auf seinem Stuhl schienen nicht unbedingt Indikatoren für vollständige Zurechnungsfähigkeit zu sein. Squall beugte sich ebenfalls vor und starrte ihm in die leuchtend blauen Augen.

Ein glasig-alkoholisierter Blick war alles, was zurückkam. Mit einem Seufzer versuchte er, an die letzten unzusammenhängenden Äußerungen, die zwischen den einzelnen Krügen gefallen waren, anzuknüpfen.

„Cloud. Jetzt noch mal von vorne. Du hattest also dieses Konzert organisiert, dieses Freiluftkonzert, und damit gerechnet, dass halb Midgar ankommen würde und ihr den Leuten nicht nur eine Freude, sondern auch ordentlich Profit machen würdet. Das habe ich noch verstanden. Aber was war das danach? Mit diesen-“

Cloud Strife, an diesem Abend schon umwölkt genug, um seinem Vornamen mehr als nur ein wenig zu entsprechen, schmetterte seinen leeren Bierkrug mit einer solchen Wucht auf den Tisch, dass das solide Glasbehältnis Haarrisse bekam.

„Jaaah. Mit diesen…“ er rülpste unkontrolliert, und Squall wich einige Zentimeter zurück, „mit diesen…diesen… du weisschon mit was für welchen. Ham alles kaputtgemacht, diese Möchtegernpack…park… pump… Möchtegernmusiker halt. Wär son geiles Konzert geworden, das sachich dir. So geil. Aba ne… das, was der olle Cloud auffe Beine stellt is den Kids nich mehr gut genuch… nichma Marlene un’ Denzel waren da.“ Sein Kopf sackte nach vorne und knallte unelegant und mit einem leisen „Bonk“ auf die Tischplatte, so dass der Rest seiner Worte zu einem für Squall unverständlichen Grummeln mutierte.

„Möchtergern…was? Cloud, reiß dich zusammen. Ich werde dir gerne helfen, wenn ich nur mal wüsste, was du überhaupt von mir willst.“

Ruckartig kam der blonde Stachelkopf wieder hoch und versuchte Squall zu fixieren, ein Unterfangen, das mit dem gegenwärtigen Alkoholpegel seines Besitzers gründlich misslang. Die strahlend blauen Augen wanderten unfokussiert über die Wand der Kneipe, Squall und weiter nach unten, bis sie schließlich auf dessen unberührtem Bier hängen blieben.

„Äh… willsu das noch? Mir geht’s Geld allmählich aus…“ fragte Cloud mit schwerer Zunge. Schon wanderte eine behandschuhte Hand nach dem Bierkrug, als Squalls eigene auf den Arm niederfuhr und ihn an den Tisch nagelte. Die andere schnellte nach vorne und packte den angeheiterten Cloud unsanft am Kragen.

„Verdammt noch mal! Du bist nicht den Weg nach Balamb gekommen, um dich hier und heute zu besaufen, Cloud Strife. Du hast so schon genug Probleme mit dir selbst… Erzähl mir lieber weiter von dem eigentlichen Grund deines Hierseins. Wegknallen kannst du dich nachher immer noch.“

„I…ch hab keine Probleme mit mir selbs. Wer redet dir son Mist ein?“ Clouds Miene verdüsterte sich, soweit das eben möglich war, als ein bösartiger Gedanke sich seinen Weg durch sein umnebeltes Gehirn fraß. „Sag bloooß nich, Tifa hat dir was erzählt? Von die…ser Scheiße mit… Kada…Kaka… diesen ganzen Silberaffen…“ Wieder verlor sich seine Stimme im Nichts, auch wenn er es diesmal schaffte, nicht mit dem Kopf auf den Tisch zu schlagen. „Un… nimm deine Hand da wech von meinem Arm. Willsu, dass die wieder so komische Sachen über F…Final Fantasy schreiben? Das is doch das verdammte Problem…dass wir nur die Affen sin und keiner sich für uns interessiert, falls ich un Sephiroth nich grade miteinander-“  Er brach ab und stürzte halb nach vorne, während er sich eine Hand auf den Mund presste.

Squall stieß erneut einen Seufzer aus. Das war es also. Auch er war sich bewusst, dass das, was er und seine Freunde repräsentierten, schon lange an Wert verloren hatte in der heutigen Welt. In der öffentlichen Wahrnehmung hatte die gemeinsame Welt, die er mit Cloud teilte, seit langem nur mehr einen Randstatus, und der einzige Weg, wie Berichte darüber oder daraus zu Ruhm und Anerkennung gelangen konnten, involvierte unausweichlich die Verbreitung homoerotischer Gerüchte, die die offizielle Repräsentation seines Fandoms in den Augen aller anderen Betrachter zu einem Haufen lüsterner Geilhuber verkommen ließen. Doch Squall wusste, dass dies kein auf Final Fantasy beschränktes Problem war, sonder alle Fandoms damit zu kämpfen hatten. Was Cloud anscheinend sauer aufstieß, war der Umstand, dass seine Welt nur dann noch in der Öffentlichkeit populär werden konnte, wenn mindestens zwei berühmte männliche Repräsentanten gegenseitig beieinander einzulochen versuchten. Das musste es sein. Er selbst kochte noch immer vor innerem Zorn bei dem Gedanken an Rinoas monumentalen Lachanfall, als sie das erste Mal von solchen Geschichten gehört hatte, die ihn wahlweise mit Irvine, Cifer, Xell oder, falls aus den Federn der Oberperversen geflossen, mit einer seiner Guardian Forces zusammen warfen. Aber was sollte man schon dagegen tun? Zuallererst konnte er schon mal Clouds Vorschlag folgen und Körperkontakt mit ihm vermeiden. Das besoffene blonde Makomonster war ihm ohnehin allmählich ziemlich unheimlich.

„Aba das langt ja noch nich“ nahm Cloud seinen drogeninduzierten Monolog wieder auf, nachdem er es anscheinend gerade noch geschafft hatte, sich bei dem Gedanken an die letzte Fiktion über sein Verhältnis mit Sephiroth nicht in einen der leeren Bierkrüge zu übergeben. „Da war ja noch dieses Konzert da, habbich dir noch garnich erzählt… dieses Konzert da in Midgar, das wassich gaaanz alleine auffe Beine gestellt hab, jawoll. Den Leuten ne Freude machen unsoweiter. Außadem habbich eh Geld gebraucht… Jednfalls, wir alle ham uns totgeschuftet, sogar die Sh…Shin… ne, nich Shinchan… Scheiße.“ Sein Gesicht verzog sich krampfhaft, während er in seinem mit dem Umherschieben von Ethanolmolekülen überbeschäftigten Gedächtnis vergeblich nach dem Namen der Organisation kramte, die ihm anscheinend bei seinem Konzert geholfen hatte. Ja, gaaanz alleine, Cloud.

„ShinRa?“ half Squall ihm. Trotz Clouds fürchterlicher Fahne lehnte er sich wieder nach vorne, um nichts von dessen Erzählung zu verpassen. Gab es da noch mehr als Clouds Erbitterung über exzessiven Slash und ansonsten Nichtbeachtung des Final Fantasy Fandoms? Hatte er nicht vorher was von irgendwelchen Musikern gefaselt?

„Jau, ShinRa. Die auch. Junge, du glaubs garnich was fürn Stress das alles war… Hat aba Spaß gemacht, yo. Sogar Reno, diese faule Sau, war gut mit dabei…Scheiße, ich fang schon an wie der zu reden. Jednfalls… paar Tage vorher hör ich von Vincent, weißt du, Vincent, der komische da mit dem Umhang… hör ich von Vincent, daßda sone komische Bande von Kinners nach Midgar kommen will, so komische Leute mit nem Namen, der wie’n abgefucktes Gasthaus klingt…die wollten nach Midgar un auchn Konzert machen. Sachich…sachich… keine Ahnung wassich da gesacht hab. Aufjedn Fall dacht ich mir, is kein Problem, so scheiße wie die aussehen…hihi, die hättessu ma sehn müssen, Squall, fast sone beknackte Frisur wie dein Vater hat der eine…“

Cloud brach erneut ab und gab sich ganz einem kichernden und glucksenden Lachanfall hin, der auf seinem sonst immer in einer permanent melancholisch-depressiven Starre gefangenen Gesicht einen Ausdruck hinterließ, bei dem Squall ihm am liebsten seinen vollen Bierkrug über den Schädel gezogen hätte. Während der Blondschopf sich an was auch immer erfreute, versuchte Squall, dessen kommunikativen Dünnpfiff einigermaßen zu ordnen und ihm einen Sinn zu geben. Eine andere Band hatte also am selben Tag wie Cloud ein Konzert abgehalten. Und was war das noch vorher gewesen?

„Cloud“ versuchte Squall den Lachflash seines Gegenübers zu unterbrechen. „He, Cloud Strife!“ Keine Reaktion. Der Angesprochene hing nur weiterhin dümmlich kichernd und nach Luft schnappend auf seinem Stuhl. Verzweifelte Situationen erfordern verzweifelte Maßnahmen, dachte sich der SEED, während er sich einen von Clouds leeren Bierkrügen griff und damit auf dessen Kopf zielte. Mit einem gepressten Fluch schickte Squall den Krug auf die Reise Richtung manisch ablachenden Cloud.

Das massive Glasgeschoß traf ihn voll auf die Stirn, und von einer Sekunde auf die andere hörte das Gelächter auf. Cloud blickte verwirrt um sich, schien aber nicht in der Lage zu erkennen, woher der Wurf gekommen war. In seinem Körper startete eine Kettenreaktion, als Unmassen von Jenovazellen, jede einzelne aufs schwerste beschwipst von den alkoholischen Eindringlingen, damit begannen, die üble Platzwunde auf seiner Stirn zu verschließen, das Blut zu stoppen und den Schmerz zu unterdrücken. Zumindest im letzten Fall hätte Cloud der Hilfe der außerirdischen Fremdkörper in seinem Nervensystem schon gar nicht mehr bedurft, blau wie ein Matrose, wie er war. Er hielt sich nur kurz den Kopf und warf dann weiter verwirrte Blicke durch den Raum.

„Was passierte dann?“ fragte Squall mit scharfer Stimme, um die Schwaden zu durchdringen, die Clouds sämtliche Sinne umwaberten. Zu seiner Überraschung fand der sofort den Erzählfaden wieder. Dummes drogenvernebeltes Etwas.

„Öh. Ähm. Alsooo… ja, wie gesacht, die kamen halt inne Stadt und ham in Midgar drin son Konzert gemacht… un wir alle hattn gedacht na und, die Teenies kennen die ja garnich, uns aba schon…alllso sollts kein allzu großes Problem sein, nich wahr…“ Sein Blick wurde wieder leer und blieb an Squalls Bier kleben. „Und das wars dann, wo alles total schief…gelaufen…is.“

„Was waren das für Leute?“ fragte Squall, von einer unguten Vorahnung beschlichen.

„Alle von den ver…dammten Kinds sin zu denen gerannt, Squall. Alle…sogar die von uns. Oh Mann… Barret hättessu sehn sollen, wie sauer der war. Weiß nichmehr genau wasser gesacht hat, und so. Alles am Arsch… keine Kohle mehr, kein Spaß, un dann auch noch der verkackte…Regen…alles am Arsch. Diese…dreckigen Möchtegerndingsdas…“ Zum zweiten Mal scheiterte seine alkoholisierte Kiefermotorik an dem Wort. „Die… ham uns alle Zuschauer geklaut, und nu hab ich Schulden ohne Ende bei ShinRa…und so weiter, bei allen die mir Geld für das blöde Konzert geliehen haben. Diese…“ Squall wusste nicht, zum wievielten Mal sich Cloud heute unterbrach. Wortlos schob er ihm seinen Bierkrug hin, den Cloud schon die ganze Zeit sehnsüchtig angestarrt hatte, und dieser leerte ihn in einem Zug.

Eine Band, zu der Teenies in Scharen zusammenkamen, mir einer so starken Anziehungskraft, dass sogar Barrets Adoptivtochter ein Konzert links liegen ließ, das der beste Freund ihres Vaters organisiert hatte. Squalls Eingeweide zogen sich zusammen. Er wollte es noch nicht glauben, aber was sonst konnte es sein außer-

„Cloud. Wer waren diese Leute?“

Anstatt zu antworten, fummelte Cloud nur an der Brusttasche seiner Jacke herum. Seine ungeschickten, alkoholisierten Bemühungen brachten nach einiger Zeit ein zusammengeknülltes Stück Papier hervor, das er mit einer müden Handbewegung in Squalls grobe Richtung warf. Der SEED fing den Papierklumpen aus der Luft und entfaltete ihn vor sich auf dem Tisch.

Die vier Personen, die ihm von dem verschrumpelten Poster entgegenstarrten, wären jede für sich genommen ein Gesicht gewesen, das Squall persönlich auf Xells Boxsack geklebt und dann dem Faustkämpfer stundenlang beim Training zugesehen hätte. Zusammengenommen ergaben sie ein Bild, bei dem Squalls Finger sich unwillkürlich um den Griff seiner Gunblade krampften, und nur der Gedanke daran, dass der Schadensersatz für die in einem berserkerhaften Rausch der Vernichtung zerstörte Einrichtung der Kneipe aus seiner eigenen Tasche zu zahlen wäre, hielt ihn davon ab, in eben diesen Rausch zu verfallen und den Tisch samt dem Bild zu Kleinholz zu verarbeiten.

„Tokio Hotel“ flüsterte er atemlos.

„Jaahaaa… irgendwie sowat.“ kam es erschöpft von der anderen Tischseite. „Jetz weißte, was abgeht. Diese… Dreckschweine ham mir mein Konzert versaut. Squall… du weiß’ doch, wie kaputt schon alles is bei uns hier, in unseren Fandoms…undsoweiterundsofortundaußerdemuähhh…“ Das letzte Wort verschwand in einem Kaskade widerlicher Geräusche, als Cloud die Erinnerung an was auch immer, wahrscheinlich das Aussehen der vier Schreckensboten, hochkam, gepaart mit so ziemlich dem kompletten Mageninhalt des heutigen Abends. Squall brachte angeekelt seine Beine aus dem Weg des Schwalls, als sein Gegenüber den Boden unter dem Tisch mit einer interessanten und ziemlich dünnflüssigen Substanz neudekorierte. Cloud kippte zum x-ten Mal vornüber und schlug sich die nächste Beule in den Schädel, als sein Kopf zum wiederholten Mal die Tischplatte küsste.

Squall winkte der Bedienung, in der Hoffnung, dass sie die Bescherung, die Cloud ihrem Lokal hinterlassen hatte, erst bemerken würde, wenn er den wandelnden Cocktail aus Jenova, Mako und Ethanol aus der Tür geschleift hätte. Er wusste zwar noch immer nicht, was der nun von ihm wollte, aber für den heutigen Abend erschien es ihm besser, die Dinge ruhen zu lassen. Einige Geldscheine aus Clouds Taschen auf den Tisch werfend (wobei er nicht im Traum daran dachte, sein Bier selbst zu zahlen) und den delirierenden Stachelkopf am Kragen packend steuerte er die Tür an. Er würde ihn bei Xell abladen, Din würde es verstehen, es war nicht das erste Mal, dass völlig unzurechnungsfähige Personen (zumeist definiert als „Selphie“) bei ihr für eine Nacht einquartiert wurden. Und am nächsten Tag, wenn er sich wieder einigermaßen artikulieren würde können, würde Mr. Strife ihm dann wohl den genauen Grund seiner Reise nach Balamb schildern. Selbst wenn das für Squall bedeutete, mit dem zweiten Kneipenbesuch in zwei Tagen seinen Ruf als Abstinenzler aufs Spiel zu setzen.


* * *

Sein Schwert war nutzlos gegen diesen Feind, das hatte er schon gemerkt, immer wieder hatte er darauf eingeschlagen, immer und immer wieder, doch diese grinsende geschminkte Gestalt war von seiner Kampfkunst mit dem First Tsurugi in etwa so beeindruckt wie Aeris von Cids Sprachgewohnheiten. Näher und näher kam sie, im Hintergrund lauernd ihre drei höhnisch lachenden Kollegen, nur darauf wartend, dass er sich selbst und den Kampf aufgab… erschöpft ließ er sein sich unnatürlich schweres Schwert sinken und macht sich bewusst, dass er verlieren würde. Er hatte die grässlichsten Feinde besiegt. Sephiroth, ShinRa, ein Trio aus mit einem Ödipuskomplex geschlagenen Irren und Tifa im Stadium fortgeschrittener Eifersucht, doch vor diesen Gegnern musste er kapitulieren. Er senkte den Kopf und erwartete den Todesstoß der Kreatur, die mit schwarz lackierten Fingernägeln nach ihm griff und ihn zu sich zog, um ihm freudig ins Gesicht zu sabbern und- was zum Teufel?

Mit einem Ruck erwachte Cloud Strife aus seinem tiefen, komatösen Schlaf, in den er verfallen war, nachdem ihn Squall  am vorigen Abend mehr die Treppe hochgeschubst als geleitet hatte und ihn mit den Worten „Mach ja keinen Blödsinn, und wenn du hier das Zimmer vollkotzt, wird dich ein schlimmeres Schicksal ereilen als irgendein irrer Wissenschaftler, der dir spaßige kleine Alienzellen injiziert“ in Xells Bett eingepackt hatte, das trotz dessen heftiger Proteste schon längst zum Gästezimmer umfunktioniert worden war. Sein Kopf schmerzte zwar entgegen der üblichen Effekte eines ausgewachsenen Katers eher weniger, doch Cloud war sowieso der Meinung, dass ihn nach Alkoholkonsum weniger ein Katzen– als  vielmehr ein Insektentier befiel. Sein Körper kribbelte, als hätte ein Ameisenhaufen auf Ecstasy ihn zu seiner persönlichen Tanzfläche auserkoren, und Cloud verfluchte einmal mehr den Tag, an dem ihm diese Jenovazellen verabreicht worden waren. Alkohol wirkte mit diesen Dingern äußerst ungut zusammen; sie immunisierten ihn zwar gegen vielerlei unliebsame Effekte inklusive Filmrisse, doch sie mit C2H5OH aufzuladen machte ihm jedes Mal ihre Präsenz in ungemütlicher und kratziger Weise deutlich.

Erst jetzt bemerkte er, was den seltsamen Ausgang dieses unerfreulichen Traumes verursacht hatte. Das Fenster des Zimmers stand weit offen, und ein Sturm peitschte Regentropfen in nicht gerade geringer Zahl ins Zimmer und in sein Gesicht. Das übliche Balambwetter eben.

Mit einem Seufzen und dem unterdrückten Drang, sich selbst das Fleisch von den Knochen zu reißen vor lauter widerlichem Juckreiz, erhob er sich von seinem Nachtlager und lehnte sich aus dem Fenster. Squall hatte es nicht für nötig befunden, ihm irgendeins seiner Kleidungsstücke mit Ausnahme der Weste auszuziehen, und Cloud dankte dem Himmel für diese Einsicht des SEED. Irgendwo drangen immer auch die noch so kleinen Gerüchte über Slash-ähnliche Handlungen ans Tageslicht, und in seiner momentanen Situation war dies das Letzte, was er gebrauchen konnte.  Er fühlte, wie das Wasser in seinem Gesicht ihn langsam von dem ätzenden Jucken befreite, und betrachtete das rege Treiben auf der Straße unter ihm. Diese Balamber schien der Regen nicht im Geringsten zu nerven.

Zeit, ihrem Beispiel zu folgen, dachte Cloud sich und wühlte seine Weste und sein Schwert samt magnetischer Scheide unter der Decke hervor, die anscheinend während seines Alptraumes auf ihnen gelandet war. Falls Squall schon da sein sollte, würde er ihn eben zu einem Spaziergang im Regen zwangsverpflichten. Noch immer am nahezu ganzen Körper zuckend schnallte er sich das Schwert um und polterte die Treppe nach unten, wo Din bereits einen ziemlich durchnässten, ansonsten aber nicht wirklich schlecht gelaunten Squall – zumindest nicht für seine Verhältnisse – in Empfang genommen hatte. Der Söldner wischte sich seine regennassen Haare aus dem Gesicht und warf Cloud einen abschätzigen Blick zu.

„Auch schon wach? Gut so. Du schuldest mir noch einige Erklärungen, Strife. Gestern warst du zu fertig, um mir alles – wo willst du hin, bei Adells Sarg?“ begrüßte er ihn, mit in Verwunderung umschlagender Miene, als Cloud die Haustür öffnete und bereits den ersten Schritt hinaus in den strömenden Regen tat.

Sich halb umwendend antwortete der: „Raus. Frische Luft, und so weiter. Ich brauch das jetzt nach der Aktion von gestern. Hab immer noch nen Kater, oder so ähnlich. Komm einfach mit, dann erklär ich dir unterwegs, was ich gestern wohl versoffen hab…“ Mit diesen Worten marschierte er über die Schwelle, sich nicht im Geringsten an Squalls säuerlicher Miene störend – der Miene eines Mannes, der soeben etwas Unschönes hinter sich hat und auf den nun dasselbe gleich noch mal wieder wartet. Regen. Verflucht sei diese Insel.

Draußen streckte sich Cloud erst einmal und ließ den kühlen, angenehmen Regen seine Kleidung schon mal vorsorglich durchweichen, eher er die Straße zum Hafen entlang zu schreiten begann, gefolgt von einem nun eindeutig mies gelaunten Squall Leonhart, der nun stumm in sein Schicksal ergeben den Wolkenbruch erduldete, bemüht, sich vor diesem gestern noch so traurigen Suffkopf keine Blöße zu geben.

„Warum willst du bei so einem Mistwetter nen Spaziergang machen?“ fragte er nörgelig und bemühte sich, mit dem durch das Wetter anscheinend beflügelten Cloud Schritt zu halten. „Meinst du wirklich, das hilft gegen deinen Kater?“

„Kater ist das falsche Wort. Wenn ich zuviel saufe, kribbelt mein ganzer Körper danach unerträglich, und das geht nur mit ner Menge Wasser weg. Liegt an diesen Zellen in mir drin. Vergesse ich immer wieder.“ antwortete dieser leichthin, während der Regen verzweifelt seine widerspenstige Frisur zu unterjochen versuchte und dabei kläglich scheiterte. Als er bemerkte, dass Squall stehen geblieben war, drehte er sich um, nur um den SEED in seiner typischen Pose mit in einer Geste des grenzenlosen Unverständnisses gegen die Stirn gelegter Hand zu betrachten. „Ist was? Du hast doch nichts gehabt gestern, woher hast du dann Kopfweh?“

Squall nahm die Hand aus seinem Gesicht und sah ihn mit einem Blick an, der das Wort „Vollidiot“ nicht nur ausdrückte, sondern es seinem Ziel entgegenschleuderte und durch sämtliche wichtigen Organe bohrte, bis es aussehen würde wie ein Ferkel am Spieß.

„Cloud. Es gibt so was wie DUSCHEN.“

„Eh?“ Verwirrung malte sich auf dessen Gesicht. „Duschen?“ fragte er, als hätte er das Wort noch nie gehört.

Es war das erste Mal gewesen, dass Cloud ihn besucht hatte, und es würde auch das verdammte letzte Mal gewesen sein, schwor sich Squall. „Ja. Duschen. Solche kabinenähnlichen Dinger, man stellt sich rein und dreht das Wasser auf, und dann wird man sauber. Man kann sogar die Wassertemperatur regulieren.“ Es war ein kühner Versuch von Sarkasmus von jemandem, dessen humoristische Kapazität in etwa direkt proportional zu der eines Topfes voller Sauerkraut war. Cloud starrte ihn immer noch mit diesem seltsamen Ausdruck an.

„Muß…ich…übersehen…haben“ antwortete er langsam, und seine Züge rutschten in einen ähnlichen Ausdruck ab wie die von Irvine, wenn einer seiner Anmachversuche bei einem der nicht unbedingt zahlreichen halbwegs gutaussehenden Neuzugänge im Garden fehlschlug. „Aber he, es regnet, verdammt. Wozu brauche ich ne Dusche? Gehen wir weiter, du wolltest noch was wissen.“ Schnell drehte er sich wieder und beschleunigte seine Schritte in einem Maße, dass Squall fast rennen musste, um hinterherzukommen. Die zehn oder so Bier von gestern schienen wohl doch noch etwas mehr nachzuwirken. Ja, dein Name ist passend, ständig mit dem Kopf in irgendwelchen Wolken, so dass du nicht mal mehr deine Umgebung wahrnimmst…

Am Hafen angekommen, beide mittlerweile völlig durchnässt und mit Squall jenseits des Bedürfnisses, weitere Witze über Clouds Ignoranz zu reißen – der eine war ihm schon schwer genug gefallen – hielt der nunmehr anscheinend von jeglichen kribbeligen Körperproblemen befreite Blondschopf an und ließ seinen Blick über die stürmische See schweifen. Seine Hand zog langsam das sechsteilige Schwert aus seiner Halterung, und er wiegte es sacht hin und her, als würde der Wind es bewegen. Squall wollte ihn eben fragen, was zum wiederholten Male bei Adells Sarg das sollte, als Cloud das Schwert wuchtig in den Boden rammte, als sei ihm wieder ein Grund eingefallen, wegen dem er sauer sein könnte.

„Ich hoffe, ich habe es geschafft, dir gestern das mit dem Konzert zu erzählen, beziehungsweise das mit dem nicht stattgefundenen Konzert, auch wenn ich ein bisschen neben der Spur war“ begann er umständlich.

Bisschen neben der Spur ist gut, Strife. Wenn ich dich mit Bierkrügen bewerfen muß, damit du aufhörst, wie ein Chocobo auf Koks zu kichern, hast du die Spur längst kaputtgefahren.

„Die Wahrheit ist… der Grund warum ich hier hergekommen bin… Es ist nicht, um mich darüber auszuheulen, nicht dass du glaubst, ich müsste nun dich aufsuchen, weil mich bei mir keiner mehr ernst nimmt-“

Wäre aber eigentlich logisch.

“-sondern weil ich eine Bitte an dich habe, an dich als so was wie die oberste Repräsentationsfigur deines Fandoms… du bist ja so was wie der Gruppenwicht von Final Fantasy 8, oder so hat Cid das zumindest ausgedrückt.“ Ohne den finsteren Ausdruck zu bemerken, der bei dem Wort „Gruppenwicht“ über Squalls Miene kroch, fuhr Cloud fort. „ Du weißt, wie es steht um Final Fantasy als Ganzes. Für uns interessiert sich doch keine Sau mehr, außer sie können uns in widerwärtige Slashgeschichten packen. Wenn überhaupt noch wer was über uns schreibt. Alle konzentrieren sie sich auf diese ätzenden… du weißt schon. Meinst du nicht, dass es mal Zeit wäre, was dagegen zu tun?“

Squall dachte nach. Es ist nicht der einzige Grund, nicht wahr?

„Du willst Rache für dein Konzert, Cloud Strife.“

Mit einer wütenden Bewegung riß Cloud sein Schwert aus dem Boden und schwang es gefährlich nahe an Squalls Nase vorbei, diesem damit eine dünne Makeupschicht aus Staub verpassend. „Natürlich will ich das, verdammt! Kennst du das Sprichwort vom letzten Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt? Wie lange sehen wir uns diese Scheiße denn schon an und tun nichts dagegen? Zum Henker, ja, es geht mir nicht so um die Geschichten, in die wir gepackt werden. Das ist sowieso was, wogegen keiner was tun kann, wir müssten Hunderttausende Schreiberlinge töten-“

„Sozusagen ein Fass ohne Boden, wo wir schon von Fässern sprechen“ warf Squall ein, sich über seine eigene rhetorische Qualität an diesem Tag wundernd. In einer halben Stunde gleich ZWEI Kommentare, die als witzig durchgehen konnten… Rinoa würde ihm das niemals abnehmen.

„Ja, von mir aus. Wie auch immer, wir können dagegen nicht vorgehen, und das haben wir von Final Fantasy 7 auch nicht im Sinn. Aber wir können etwas anderes tun, und das bedeutet, zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen.“ Hier fallen eindeutig zu viele Sprichwörter. „Sag es mir ehrlich, Leonhart. Nervt es dich nicht? Diese… Aufmerksamkeit, die diese vier Deppen bekommen, und die Nichtbeachtung unsererseits? Mir REICHTS, verdammt!“ Wieder rammte er die Klinge seines Schwertes in den Betonboden des Kais. Wutanfälle stehen dir aber wirklich nicht schlecht, Cloud Strife… Moment, was zum- Squall unterdrückte den Gedanken gerade noch. Slash. Widerliche Seuche. Schnell griff er nach seinem Amulett, wie um sich daran festzuhalten. Er war nicht abergläubisch, zumindest nicht so sehr… oder…naja… jedenfalls fühlte er sich sicherer so, bevor Cloud ihn noch auf ganz andere Gedanken brachte.

„Laß mich raten. Du bist hier, um mich darum zu bitten, zusammen mit meinen Leuten dir im Kampf gegen diese Affen von Tokio Hotel beizustehen, weil sogar du einsiehst, dass das ein Gegner ist, den du nicht alleine besiegen kannst, und bei dem sogar deine Freunde nicht helfen. Du bist hier, weil du deinen Minderwertigkeitskomplex gegenüber diesen vier Jungs beheben willst, und dazu willst du meine Hilfe, und ich soll jetzt springen und mit allen meinen Kameraden ankommen, um dich rachsüchtigen makoinfizierten Stachelkopf zu therapieren, über die Leichen von vier mehr oder weniger unschuldigen Teenie-Pop-Rockern.“ sagte Squall, Cloud unentwegt in die Augen starrend.

Cloud erwiderte den Blick ohne eine Regung. „Ja.“

Squall strecke die rechte Hand aus und schloß Clouds in einen kräftigen Händedruck, während seine Linke seine Gunblade zog und in einer solidarischen und Balambs Hafen weiter beschädigenden Geste neben Clouds First Tsurugi in den Boden stieß.

„Wir sind dabei“ sagte er knapp, während in seinem Kopf einer seiner Charakterzüge, ein kleiner und unbedeutender, der in letzter Zeit sich viel zu viel Macht angemaßt hatte, von den anderen Aspekten des Wesens von Squall Leonhart angegriffen, niedergerungen, in Stücke gerissen und danach in aller Form ausgelöscht wurde. Ein Grinsen erschien auf seinem Gesicht, und Cloud erwiderte es.

Scheiß auf Sarkasmus, Squall Leonhart.

* * *

„Ja.“

„Ich bins. Sie sind dabei.“

„Du hast ihn überzeugen können?“

„Hörst du mir eigentlich zu?“

„Ist ja gut, ist ja gut. Wann könnt ihr wieder in Midgar sein? Ich frage nur, weil uns die Zeit allmählich knapp wird. Die vier werden zwar noch einige Konzerte geben, aber wir sollten nicht mehr zu lange warten.“

„Wir beeilen uns. Hast du Nachricht von Tifa?“

„Tifa? Kein Wort seit einer Woche. Meinst du wirklich, dass es eine gute Idee war, gerade sie nach Alexandria zu schicken?“

„Wieso nicht? Tifa ist… naja… die Richtige für den Job. Ich meine, schau sie dir doch mal an, alleine ihre –“

„Ihre was?“

„Ihre… ach verdammt, du weißt GENAU, was ich meine, tu nicht so. Sie ist genau die Richtige, um Zidane zu überzeugen, mit diesen Voraussetzungen.“

„Ich habe nie verstanden, warum du Aeris nicht links liegengelassen hast. Du solltest mir dankbar sein. Ohne mich hättest du nie erkannt, wie große-“

„Halt die Klappe, Sephiroth.“

***

Zur selben Zeit, als das kurze, eigentlich mehr geschäftliche und dennoch in Schwärmereien über den Vorbau einer gewissen jungen Frau abgeglittene Gespräch von Balamb nach Midgar durch den Äther sauste, hatte die darin unfreiwillig mehrmals erwähnte Person ein Problem.

Sie mochte Cloud wirklich, doch manchmal wurde sie aus ihm nicht schlau. Seine weinerliche Seite bei der Sache mit dem Geostigma zu zeigen war eins gewesen, nur eins der Dinge, die er tat und die sich ihr einfach entzogen. Und diese Sache mit dem Rachefeldzug war eine andere. Tifa war von Natur aus keine rachsüchtige Persönlichkeit, doch nachdem sie erlebt hatte, wie die mühsame Arbeit an einem Konzert in Midgar, dem ersten seit Jahren, von dem Massen kreischender Fans der falschen Seite einfach hinweggefegt worden war, hatte sie Cloud einfach nur vorbehaltlos unterstützt in seinem Plan. Einmal mehr stand sie fest an seiner Seite.

Und dann hatte er sie darum gebeten, nach Alexandria zu reisen und den Gruppenwicht (Cid hatte dieses Wort wirklich populär gemacht) des Final Fantasy 9 Fandoms, Zidane Tribal, wohlbekannter Weiberheld und Dieb, zu überreden, mit ihnen gegen die planetare Plage namens Tokio Hotel zu ziehen. Ausgerechnet sie.  Anstatt ein männliches Wesen zu schicken, am besten Cid, bei dem jeglicher Annäherungsversuch in einer Kaskade wüster und sehr kreativer Flüche zum Scheitern verurteilt wäre, hatte Cloud sie damit beauftragt.

Es gab Tage, da haßte Tifa ihr Aussehen und wäre am liebsten eins dieser fetten, pickligen Fangirls gewesen, ein Exemplar des weiblichen Geschlechts, bei dem Oberweite kein Kriterium für die Beurteilung mehr ist, sondern überlagert wird von anderen… Schichten.

Sie hoffte, dass Zidane einfach von der Idee zu überzeugen wäre. Nicht auszudenken, was passieren würde, wenn er auf falsche Gedanken käme und von ihr eine… Gegenleistung… verlangte. Aber andererseits – hatte er den letzten Berichten aus der Hauptstadt des Königreiches nicht was mit der Regentin, Garnet? Vielleicht würde es ja doch nicht so schlimm werden. Sie hatte sich überlegt, ob sie Vorsorge treffen sollte, einige Änderungen an ihrem Äußeren, um in Zidanes Wahrnehmung nicht mehr ganz so gefährdet zu sein… aber sie hatte die Idee verworfen. Elena hätte zwar sicher einen dieser potthässlichen Turk-Anzüge für sie gehabt, doch man hatte ja auch irgendwo seinen Stolz.

Doch nun musste sie Zidane erst einmal finden.

Tifa seufzte. Seit einer knappen Woche war sie nun hier, und die in Alexandria vorherrschende Technologiestufe begann ihr schon gehörig auf die Nerven zu gehen. Auch wenn die Lebensqualität in Edge und Midgar auch nicht so brillant war – dort gab es wenigstens vernünftige Elektrizität und fließendes Wasser… die Absteige, die sie sich in der Stadt gesucht hatte, besaß keines von beidem. Ja, seit einiger Zeit gab es einen gewissen Austausch zwischen den einzelnen Fandoms, doch wenig von dem technologischen Fortschritt, den beispielsweise Esthar hatte, was schon bis hierher vorgedrungen. Sie hatte froh sein müssen, überhaupt ein geheiztes Zimmer zu bekommen, das ein paar Mal am Tag die Möglichkeit bot, sich zu waschen. Verdammte Hinterwäldler… und ihr oberster Repräsentant war bisher unauffindbar gewesen. Tifa hatte sich in Pubs und anderen derartigen Lokalitäten herumgetrieben und immer wieder versucht, etwas über Zidanes derzeitigen Aufenthaltsort herauszubekommen, oder wo er überhaupt wohnte. Sie hatte wenige Antworten und umso mehr anzügliche Blicke geerntet und einmal auch eine Schlägerei vom Zaun gebrochen, und mittlerweile hatte sie es satt.

Ein weiterer erfolglos verschwendeter Tag, draufgegangen für die Suche nach jemandem, auf den sie ihrer Meinung nach gut verzichten konnten… warum bloß Alexandria und Final Fantasy 9? Soweit sie wusste, war niemand ausgeschickt worden, um Kontakt mit Tidus und Konsorten aufzunehmen. Aber ja, sie durfte hier im Dreck der Stadt nach einem seltsamen Halbaffen wühlen, der noch nicht mal erwachsen war und trotzdem mit der nicht viel älteren Königin dieses komischen Landes ein Verhältnis von was auch immer für einem Charakter hatte… Tifa versuchte, nicht daran zu denken, wozu Zidanes übermäßiger Hormonpegel im Schloß regelmäßig führen mochte. Und doch, ab und zu wünschte sie sich in letzter Zeit, Cloud wäre so… dann käme sie jedenfalls endlich mal auf ihre Kosten.

Sie öffnete die Türe des Gasthauses, in dem sie abgestiegen war, die an der Bar und an den Tischen sitzenden Gäste ignorierend, und versuchte in der schwummerigen Beleuchtung den Weg zur Treppe zu finden. Die Luft war schwer mit dem Gestank von Tabak und Schweiß, in einem Maße, dass es sogar ihr fast den Atem nahm. Und immerhin war sie an solche Zustände gewohnt.  Dennoch, Tifa konnte sich nicht erinnern, in ihrer Bar jemals so eine bedrückende Atmosphäre gespürt zu haben.

Sie stolperte die Treppe hinauf, ihre Beine schwer vom vielen Herumlaufen, und betrat ihr Zimmer. Noch immer lagen ihre Sachen unordentlich verstreut am Boden, sie hatte einfach keine Zeit gefunden, sie ordentlich aufzuräumen. Mit einem Gähnen hängt sie ihre Jacke an den Kleiderhaken und wollte sich eben auf ihr Bett fallen lassen, als sie den Zettel bemerkte.

Unwillkürlich verzog sich ihr Gesicht zu einem Grinsen. Irgendjemand hatte sich tatsächlich die Mühe gemacht, hier einzusteigen und einen Zettel auf ihr Kopfkissen zu legen. Dies wäre für sich noch nicht allzu schwerwiegend gewesen, doch der Umstand, dass besagter Zettel in einem knalligen Rosa gehalten und in Herzchenform geschnitten worden war… Tifa warf einen Blick auf das Geschriebene. Welcher Idiot schrieb mit roter Tinte auf einen rosa Zettel?

Ich erwarte dich im Schlosspark, wenn der Mond am Himmel steht, Liebste. Zeig den Wachen den Zettel, sie werden dich durchlassen. Zidane.

Tifa las die Worte einmal. Dann las sie sie noch einmal. Schließlich las sie sie ein drittes Mal.

Dann warf sie sich auf ihr Bett und lachte, bis sie keine Luft mehr bekam.

Der Anfall war immer noch nicht völlig vorbei, als sie später am Abend dem Weg zum Schloß Alexandria folgte, in der Tasche nicht nur den grandiosen Liebesbriefschnipsel von Zidane, sondern auch eine Schachtel Beruhigungspillen, nur für den Fall weiterer Lachkrämpfe. Verdammt. Sie hatte nicht mehr so gelacht, als sie von Reno, diesem ewigen Plappermaul, von Rudes latenter Zuneigung zu ihr erfahren und den glatzköpfigen Turk damit konfrontiert hatte. Das war damals auch großartig gewesen – ein bis über beide Ohren rot anlaufender Rude sah einfach zu putzig aus. Aber was dachte sich dieses Kind von einem Fandom-Protagonisten eigentlich dabei, ihr solch einen Zettel überbringen zu lassen? Oder, wer weiß, vielleicht war er es ja sogar selbst gewesen… doch die Tatsache, dass all ihre Unterwäsche noch da war, deutete auf ein Gegenteil hin.

In Gedanken versunken und dabei immer wieder verhalten vor sich hinkichernd, als wäre sie ein kleines Mädchen, das gerade herausgefunden hatte, wie unglaublich toll die Haare einer Barbiepuppe brannten, langte sie schließlich am Schloßtor an, wo zwei in leichte Rüstungen gehüllte Wachen sie bereits erwarteten. Tifa war überrascht festzustellen, dass es sich bei ihnen um Frauen handelte. Das könnte die Sache komplizieren.

„Was wollt Ihr zu so später Stunde hier?“ fragte die eine der beiden barsch. Wortlos zog Tifa den Zettel aus der Tasche und wedelte damit vor dem Gesicht der Soldatin herum, sich dabei auf die Zunge beißend, um nicht wieder loszuprusten.

Die Wächterin bedachte den grellrosa Fetzen mit einem kritischen Blick, doch dann grinste sie breit.

„Wieder mal typisch. Master Tribal kanns einfach nicht lassen. Nur rein mit dir, Mädchen, du bist nicht die erste.“ Mit diesen Worten öffnete sie eine kleine Tür neben dem massiven Burgtor und bedeutete Tifa, einzutreten. „Die Gärten sind einfach da den Weg lang. Paß auf die Büsche auf, machen von denen haben Dornen“ rief sie ihr hinterher, noch immer mit einem so breiten Lächeln, dass sie Spargel quer hätte essen können.

Tifa ging langsam den Kiesweg entlang, ohne Augen für die komplizierten Gartenanlagen des Schlosses zu haben. Nun war es Zeit darüber nachzudenken, was sie Zidane sagen sollte, um ihn zum Mitmachen zu bewegen. Es war wahrscheinlich, dass er von Tokio Hotel noch nie etwas gehört hatte, denn die Band war ihres Wissens nach noch nicht hier gewesen – das Konzert in Midgar, das Cloud endgültig dazu gebracht hatte, seine weinerlich-depressive Seite über Bord zu werfen und sich zu einem etwas mehr seinem Status angemessenen Kurs zu bequemen, war das erste gewesen, das TH in einem anderen Fandom gegeben hatten. Mit welchem Grund also sollten er und seine alte Truppe gegen diese vier vorgehen? Sie entschied sich dazu, ihm einfach ein Bild zu zeigen. Zumindest bei Sephiroth hatte dies gereicht, um ihn sofort auf ihre Seite zu ziehen.

„Du hast ganz schön lang gebraucht, Süße“ riß eine Stimme sie aus ihren Gedanken.

Tifa sah auf und entdeckte Zidane ein wenig abseits des Weges im Gras sitzend, Erwartungsvoll sah er zu ihr hoch, während sie näher kam und schließlich neben ihn stehen blieb. Er klopfte neben sich auf den grünen Rasen, ihr bedeutend, sich zu setzen.

Sie kam der Aufforderung nach und hielt ihm dann das rosa Papier unter die Nase.

„Was“ zischte sie und starrte ihm in die Augen, „sollte dieses Ding nun wieder?“

Der Dieb grinste sie unschuldig an. „Och, ich dachte mir, wenn ich dich so freundlich bitte…“

„…springt noch was raus für dich bei der ganzen Sache? Hat dich das mit Garnet denn kein bisschen verändert, du geiler Bock?“

Er warf ihr einen übertrieben verletzten Blick zu und breitete theatralisch die Arme aus. „Garnet… ist immerhin die Königin, und als solche nich immer hier, wenn ich sie mal bräuchte. Aber das ist nicht der einzige Grund. Warum denkst du so schlecht von mir, Tifa Lockhart? Glaub mir, das ist die einzige Methode, sich vor Slash zu schützen.“ Er grinste. „Ihr Mädels habt damit ja irgendwie weniger Probleme, zumindest was die über euch verfassten Geschichten angeht. Nicht dass es nicht auch so was gäbe… sehr interessante Lektüre übrigens, aber bevor ich irgendwo mit Quina zusammengelegt werde…“ Tifa lief ein Schauer über den Rücken, als sie sich solch ein Pairing bildlich vorstellte, „riskiere ich lieber, dass Garnet sauer auf mich ist. In Wirklichkeit bin ich gar nicht so schlimm. Aber erzähl das nicht weiter. Ist ne reine Schutzmaßnahme, verstehst du?“

Tifa knüllte den Zettel zusammen und warf ihn in den nächsten Busch. Irgendwie war sie sauer. Wenn Zidane gar nicht so dem Klischee entsprach, als das er im ganzen Final Fantasy noch immer bekannt war, hätten sie genauso gut wirklich Cid schicken können, und nicht sie.

„Wie hast du eigentlich herausgefunden, dass ich hier bin, und wo ich wohne? Ich such mir hier seit einer Woche den Wolf, und keiner hat sich die Mühe gemacht, mir zu sagen, wo ich dich finde…“

Ein weiterer entrüsteter Blick. „Hör mal! Wenn jemand wie du nach Alexandria kommt… du bist immerhin eine wichtige Repräsentantin des siebten Teils. Ja, ich weiß, als solche hätten wir dich auch gebührend empfangen können, aber ehrlich gesagt gefällt mir so ‘n Gespräch unter dem Sternenhimmel deutlich besser.“ Wieder grinste er sie unschuldig von der Seite an, bevor sein Blick etwas nach unten wanderte. „Und hey, wenn jemand so aussieht wie du, fällt er bald auf… und das neueste Stadtgeflüster erreicht mich immer schnell. Mal im Ernst, du musstest doch ruckzuck nen Fanclub ergattern, bei deinen- Aua!“

Tifas Hand war vorgeschossen und hatte ihn an seinem hinter ihm durch die Luft pendelnden Affenschwanz gepackt. Sie lächelte grimmig.

„Ihr Jungs seid doch alle gleich… okay, nicht alle, Cloud scheint dafür keine Augen wie auch immer zu haben…“

„Was, dein Lover weiß dich nicht wirklich zu würdigen? Such dir doch nen besseren, zum Beispiel mi- AUTSCH! Verdammtnochma, laß mich endlich los!“ jaulte Zidane, als sie etwas fester zudrückte. „Is ja gut, is ja gut, ich hab doch gar nicht mal wirklich hingeschaut-“

Tifa ließ ihn los, was Zidane mit einem erleichterten Laut quittierte und sie dann vorwurfsvoll ansah. „Nicht nett von dir. Da mache ich dir mal so ein schönes Kompliment, und du springst so mit meinem zweitedelsten Teil um…“

„Das nächste Mal mach ich dir einen Knoten in deinen Schwanz. Und wenn das immer noch nicht langt, mach ich dir einen ein deinen anderen. Du großer Weiberheld solltest mal lernen, was ich so als Kompliment auffasse und was nicht. Und jetzt genug der Spielereien, wir sollten allmählich mal zur Sache kommen.“ Sie streckte den Arm wieder aus, bevor Zidane auch nur den Mund öffnen konnte. „Ich weiß, was du denkst, Zidane Tribal. Und ich hab es ernst gemeint mit dem Knoten.“

Er seufzte und ließ seinen Blick umherschweifen. „Na schön. Dann kommen wir mal zu deiner Sache, wenn auch nicht zu meiner. Warum bist du hier?“

Sie fischte das Bild der Teenieband aus ihrer Jackentasche und reichte es ihm. Zidane faltete es auseinander und musterte die vier darauf abgebildeten Prachtexemplare eingehend.

„Also, die Kleine in der Mitte sieht ja eigentlich ganz süß aus…“

Tifas Handfläche kollidierte mit einem vernehmlichen Klatschen mit ihrer Stirn. Als ob das nicht klar gewesen wäre. „Das ist ein Junge, Zidane… behaupten sie jedenfalls.“

Sein Gesicht zeigte von einem auf den anderen Moment Verwirrung. „Du verarschst mich doch, oder?“

„Hat Kuja ausgesehen wie ein Mann?“

Er bewegte den Kopf hin und her, als sein Blick zwischen Bills Abbildung auf dem Poster und ihrem Gesicht hin und her wanderte. In seinem Schädel schien es zu arbeiten. Kuja war ein Kapitel für sich, und ihn einem bestimmten Geschlecht zuzuordnen, konnte durchaus Zeit in Anspruch nehmen.

„Scheiße… du hast recht. Aber dieser Typ“ er tippte mit einem behandschuhten Finger auf das Poster, „Dieser Typ gibt ne wesentlich bessere Frau ab als Kuja. Wirklich. Okay, und warum zeigst du mir jetzt die vier hier? Willst du mit mir aufn Konzert gehen? Oder stehst du auf einen der vier und hoffst, ich als Dieb schaffe es, zusammen mit dir in ihre Garderobe einzu- AUAAA!“

„Jetzt ist der Knoten drin, du kleines mieses Stück!“ keifte Tifa und stürzte sich auf ihn, nachdem sie zum zweiten Mal seinen Schwanz gepackt hatte. Wie konnte er es wagen? Allein die Vorstellung… Dafür musste er bestraft werden.

„AU! Ist ja- ist ja gut! OUCH! Woher sollte ich wissen – verdammt, laß mich los, du Irre – woher sollte ich wissen, wie du abgehst bei – AUTSCH!“ Während sie versuchte, die wild umherpeitschende Extremität mit der zweiten Hand auch noch zu greifen, verpasste Zidane ihr einen heftigen Stoß in den Bauch, der als kostengünstige und effektive Abtreibungsmethode sicher ausgereicht hätte. Mit einem Keuchen ließ Tifa ihn los und kippte nach hinten. Der Dieb sprang auf und entfernte sich einige Schritte von ihr.

„Total übergeschnappt, oder wie? Du solltest mal ne Aggressionstherapie machen, Tifa. Also ehrlich. Ich kann doch nicht ahnen, dass du negative Erfahrungen mit denen hast…“ bemerkte er anklagend, als sie sich langsam wieder aufrichtete und ebenfalls aufstand, so gut dies bei dem Schmerz in ihrem Bauch eben ging. „Alter… und ich dachte, Garnet wäre hart drauf im wütenden Zustand… Cloud muß ein seeehr seeehr vorsichtiger Mensch sein.“ Er hob das Poster auf, das während der kurzen Rangelei im Gras gelandet war. „Jetzt sags mir. Du kommst nach Alexandria, zeigst mir ein Poster von vier… äh… was sind das überhaupt für welche, machen die überhaupt Musik, die man als solche bezeichnen kann? Ist ja nicht oft der Fall bei solchen Leuten… Egal, du zeigst mir son Poster und rastest darüber total aus!“ Er sah sie vorwurfsvoll an. „Spucks aus, Frau Lockhart. Was hat es damit auf sich?“

Tifa ließ sich wieder ins Gras fallen. „ Diese vier sind Tokio Hotel. Ich weiß ja nicht, ob du schon von ihnen gehört hast, aber wir von Final Fantasy 7 haben ne Rechnung mit ihnen offen. Wir haben alle gemeinsam ein Konzert organisiert, in Midgar, und die haben uns alle Zuschauer gestohlen. Das war ne Menge Arbeit, und die kamen am selben Tag wie wir an und haben ihre Show gemacht, und keine Sau wollte mehr was von uns wissen“ sagte sie resigniert. „ Und außerdem… du hast es ja vorher schon angesprochen. Wer schert sich denn noch um Final Fantasy als Ganzes? Keiner. Außer wir tauchen in ätzenden Slashgeschichten auf. Diese Wichser stehlen uns nicht nur unser Konzert, sondern auch sämtliche Aufmerksamkeit, die wir vielleicht kriegen würden ohne sie. Und daher sind wir alle der Meinung, dass es reicht. Du hättest Cloud sehen sollen, Zidane. Normalerweise heult er nach so was immer und ist total fertig, und wir alle müssen ihn wieder aufmuntern. Das ist unglaublich schwer, glaubs mir. Aber nach diesem Konzert…  doch, du hättest ihn wirklich sehen sollen. So sauer hab ich ihn noch nie erlebt.“ Sie schnappte nach Luft und hob die Hand, um eine Zwischenbemerkung Zidanes abzuwehren. „Er hat sich geschworen, sie alle plattzumachen. Dafür ist er nach Balamb geflogen, um Squall und den Rest von Final Fantasy 8 um Unterstützung zu bitten. Und ich bin in seinem Auftrag hier, um dich, als… wie war Cids Bezeichnung noch mal… Gruppenwicht auch bekannt als Protagonist dieses Fandoms hier zu bitten, uns ebenfalls zu helfen. Diese Pest muß weg. Und alleine schaffen wir es nicht.“ Sie brach ab und blickte ihm in die blauen Augen, die während des Vortrags immer größer geworden waren.

„Meine… unsere… Hilfe willst du?“ fragte er, um auf ihr Nicken hin fortzufahren: „Aber die haben uns doch nichts getan. Was können sie dafür, wenn sie so beliebt sind? Wir können doch nicht einfach unschuldige Kinder abmurksen…“

Tifa wollte ihn eben erstens darauf hinweisen, dass die Bandmitglieder alle in seinem Alter oder älter waren, und zweitens, dass „Tokio Hotel“ nicht gleichzusetzen war mit „Unschuld“, sondern eher mit „Epidemie“, doch dann fiel ihr ein besseres Argument ein. Gleich was Zidane sagen mochte über seinen Status als Womanizer, sie glaubte ihm nicht, dass all dies nur Schutz gegen Slashpairings sein sollte. Er war und blieb einfach ein elender Weiberheld, da war sie sich sicher.

„Überleg doch mal. Hättest du nicht Lust auf einen Haufen Fangirls… die dir zu Füßen liegen und alles tun würden, was du verlangst? Die dir all ihre Aufmerksamkeit schenken und schon in Ohnmacht fallen, wenn du sie nur ansiehst? Die deinen Namen hören und hysterische Kreischanfälle bekommen? Und von denen du so viele haben könntest… wie du brauchst?“ Sie grinste in sich hinein, als sie sah, wie Zidanes Ausdruck sich von zweifelnd über interessiert zu freudig erregt und dann zu euphorisch hin wandelte. Bingo.

„Du meinst… wenn wir die fertigmachen… kommen all ihre Fangirls zu uns?“ fragte er hoffnungsvoll.

„Todsicher“ antwortete sie.

„Hm. Aber das bedeutet immer noch, dass wir Menschen töten müssen… das ist nicht dasselbe wie bei Monstern, weißt du. Irgendwie… bräuchte es da einen noch stärkeren Grund…“

Tifa seufzte, sich aus ihrer Jacke schälend und ihr Top mit beiden Händen fassend.

„Nur kurz gucken, Zidane Tribal. Und nicht anfassen.“

***

„Strife.“

„Ich bins, Cloud. Schon wieder zurück?“

„Tifa! Äh, ich und Squalls Leute, wir sind vor ner Stunde etwa angekommen. Was gibt’s neues?“

„Sie sind dabei. Danke übrigens. Das war der beschissenste Job, den du mir je gegeben hast.“

„Hä? Wie? Was?“

„Tu nicht so. Warum hast du mich nach Alexandria geschickt, um einem unverbesserlichen Frauenheld von unserer Sache zu überzeugen? WARUM, HE, CLOUD STRIFE?!“

„Ähm…“

„Bin ich dir nicht mehr wert, Cloud? Naja, wenigstens Zidane wusste es zu schätzen.“

„Was? He, Tifa! Was hast du… Scheiße. Aufgelegt…”
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