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Pride - Die Legende der Löwen

von Alaska
Kurzbeschreibung
GeschichteAllgemein / P6 / Gen
29.09.2006
05.05.2009
2
1.853
 
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29.09.2006 905
 
Gehetzt rannte die Löwin Ahadi den dunklen, eingetretenen Pfad entlang. Die weiche Erde dämpfte ihre Schritte, sodass sie sich schnell, aber trotzdem lautlos bewegen konnte. Ihre gelben Augen suchten hektisch die Savanne ab, doch alles schien wie immer: Die Grillen zirpten leise im Rhythmus, das Gras schlug im sanften Abendwind sachte gegen die schlanken Beine der Gestalt und der schwarzblaue Himmel war übersät mit Millionen von leuchtenden Sternen. Doch so friedlich es auch sein mochte, im Inneren Ahadis tobte ein gewaltiger Sturm, der den ganzen Körper des stolzen Geschöpfes erbeben ließ.

Plötzlich verlangsamte sich die Löwin und blieb schließlich ganz stehen. Sie wusste, sie musste sich beeilen, durfte jedoch nicht den Kopf verlieren, das würde ihren Kindern ja auch nicht helfen! Also konzentrierte sie sich und filterte jedes noch so kleine Geräusch aus der Nacht...und wirklich...neben dem beruhigenden Rascheln des Grases, hörte Ahadi ein gedämpftes Röcheln, das hin und wieder von einem kurzen Schnauben unterbrochen wurde. Die Löwin ahnte bereits, um wen es sich handelte, setzte zum Sprung an und...landete direkt vor Katos riesigen Pfoten. Langsam hob sie den Kopf und starrte ihren Widersacher hasserfüllt an. Dessen kalte, grüne Augen funkelten im Mondlicht gespenstisch und seine zerzauste Mähne umgab sein restliches Gesicht wie ein undurchdringliches Schutzschild. Der Körper wirkte dagegen beinahe schmächtig, jedoch stark genug, um in einem Kampf als Sieger hervorzugehen.

Ahadi aber hatte keine Angst...wenn jemand ihren Sohn und ihre Tochter bedrohte, würde sie es sogar mit einem Elefanten aufnehmen. "Wo sind sie", zischte die graubraune Löwin. Kato zuckte mit den Schultern und fragte spöttisch: "Wen meinst du denn?" Ahadi stieß ein aggressives Fauchen aus. Dieser Hohn in seiner Stimme machte sie rasend! "Treib keine Spielchen mit mir! Wo sind meine Kinder?" Kato wandte sich ab und leckte sich über die breite Schnauze. "Deine kleine Göre ist weggelaufen. Du solltest ihr wirklich mal Manieren beibringen, das Biest hat mich doch tatsächlich gekratzt..."
Innerlich lobte Ahadi ihre Tochter. "...dabei wollte ich deinem anderen Balg doch nur zeigen, wer hier der Chef ist. Also wirklich!" Die Löwin atmete erleichtert aus. Suki wollte ihrem Bruder anscheinend helfen, doch ein kleines Baby konnte natürlich nichts ausrichten! "Aber dein lieber Sohnemann..."
Die Löwin sog scharf die Luft ein. War Neko etwa nicht geflüchtet?
"...Nun, wie soll ich sagen...ich drück's mal so aus: Er hatte sehr zartes Fleisch!"

Stille. Ahadi nahm weder das hämische Gekicher, noch die anderen Geräusche wahr. Sie hörte nur ihren eigenen, laut pochenden Herzschlag. Ihre Sinne schienen wie betäubt und sie kämpfte mit aller Macht gegen den schwarzen Sog an, der sie innerlich mitreißen wollte. Neko war...tot? Unbemerkt benetzten stumme Tränen den weichen Pelz ihres Körpers. "tottottottottottottottot...", hallte es unaufhörlich in ihrem Kopf wider. Kato hatte mittlerweile aufgehört zu glucksen und starrte stattdessen die geschockte Ahadi triumphierend an.

Auf einmal kam wieder Leben in die Löwin und ihre Trauer verwandelte sich schlagartig in unzähmbare Wut: Mit ausgefahrenen Krallen und weit geöffnetem Maul setzte sie auf den Mörder ihres Sohnes zu und schlug ihm auf den Nasenrücken. Kato, der diesen Angriff erwartet hatte, stürzte sich ebenfalls auf seine Gegnerin und biss sich in ihrer Schulter fest. Brüllend (ob vor Wut oder Schmerz) krallte sich Ahadi in seinem Rücken fest und schlug mit ihren Tatzen immer wieder auf die blutende Wunde an Katos Rücken. Unterdessen ließ dieser von ihrem Schultergelenk ab und schnappte nach ihrem Hals. Er verfehlte ihre Kehle nur um Millimeter, warf die wütende Löwin jedoch gleichzeitig von seinem brennenden Rücken. Kaum lag Ahadi am Boden, holte ihr Feind mit seiner mächtigen Pranke aus, um ihrem Leben endgültig ein Ende zu setzen, wurde allerdings von einem ohrenbetäubendem Brüllen unterbrochen. Überrascht wandte er seinen Blick nach rechts und ehe er es überhaupt richtig registrieren konnte, wurde er schon unter dem Körper des Königs selbst begraben. Für einen kurzen Augenblick sahen sich die beiden in die Augen und zum ersten Mal spiegelten sich in Katos Augen Angst und Verzweifelung wider. Tafari...der Herrscher des Geweihten Landes...sein Bruder.

Dieser blickte ihn mit vor Wut verzerrtem Gesicht an und sagte: "Die Verbannung damals war eine zu milde Strafe für dich! Wir hätten dich gleich töten sollen!" Kato unterdrückte mit aller Macht ein panisches Wimmern und antwortete (so gut es ging) hochnäsig: "Tja, du hättest mich damals gleich König werden lassen sollen...dann wäre das alles nicht passiert!" Tafari schnaubte unwillig und zischte: "Eher würde ich sterben, als dich über meine Familie herrschen zu lassen!" Kato überlegte kurz und sagte dann: "Wenn das so ist...DANN TU'S DOCH!" Mit diesen Worten holte er mit seiner linken Pranke aus und kratzte seinem großen Bruder quer über das Gesicht. Tafari brüllte vor Schmerz und verlor die Kontrolle über die Situation. Kato nutzte natürlich die Fluchtmöglichkeit aus und befreite sich aus der festen Umklammerung. Ohne sich umzudrehen raste er über das trockene Gras und verschwand in der Dunkelheit. Tafari richtete sich sofort auf um die Verfolgung aufzunehmen, doch dann sah er seine Lebensgefährtin am Boden liegen. Er schaute zwischen ihr und der Richtung, die sein Bruder eingeschlagen hatte, hin und her, lief dann aber zu seiner Partnerin.

Ahadi bekam von alledem nichts mehr mit. Leere machte sich in ihr breit und verschlang sie mit Haut und Haaren. Neko, ihr geliebter Sohn, war tot...und wo war Suki?
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