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Quifanu Dunkles Herz

GeschichteDrama / P16 Slash
05.09.2006
14.10.2009
36
192.727
 
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05.09.2006 5.061
 
Mit der Dunkelheit, kommt die Verzweiflung.

Mit dem Ende der Hoffnung, kommt der Tod.

Mit dem Vergehen des Lichts, endet es.

Dort wo Verrat gesät wird, wird Rache geerntet.

Dort wo Rache herrscht, kann kein Licht herrschen.

Aber mit der Erinnerung an Liebe, mit dem Willen, geschieht das Wunder.

Und dort wo Hoffnung ruht, dort warte ich.


Rotes Blut auf schwarzen Stein, fast nicht gesehen, floss über die strahlende Klinge, welche in einem bläulichen Licht pulsierte. Sein Arm wurde fast zurück gerissen, bäumte sich das noch schlagende Herz auf und nur mit der Macht seines Willens konnte er stand halten. Ekel und Abscheu durchflossen ihn, färbte sich das rote Blut langsam schwarz, tropfte weiter über die Klinge hinab auf den Stein. Eine andere Klinge war allein von rotem Blut getränkt, hatte sie sich nicht tief in die weiche Haut gebohrt, war noch nicht bis zum schlagenden Herz gekommen und nun fehlte der Druck auf ihr.
„Das kann nicht sein, das darf nicht sein.“ Die Gestalt des Lichs krümmte sich, verbog sich und nach einem protestierenden Schrei fing an Blut aus dem Mund des Untoten zu fließen. Jahre lang hatte er nicht mehr geblutet, hatte es nicht gekonnt, weil kein Herz in seiner Brust schlug und doch rann ihm nun immer mehr des roten Lebenselixiers über die Mundwinkel. Nicht verstehend was dort geschah, wirbelte Rothillion herum.
Das schwarze Herz, aufgebahrt auf dem Podest, schlug noch, aber die Hofklinge Hasuvars war durch dieses gestoßen worden. Als wären all die Schutzzauber auf dem Seelengefäß nur Spielereien gewesen. Es sollte unmöglich sein und doch war es passiert. Aber wer? Die Augen des Lichs suchten den Raum ab, kniffen sich zusammen, als goldenes Licht aufleuchtete und einen ungewöhnlichen Schatten umspielte. Erkennen konnte er nur die Schemen und das stechende Grün von Augen, doch dafür hörte er das Fauchen, das wie eine Herausforderung klang.
„Cairlyn.“ Die Stimme des Elfen, der noch immer auf dem Altar lag, von steinernen Fesseln gehalten wurde, klang unsicher, fragend. Cairlyn? Der Bergkater Hasuvars? Rothillion kannte dieses Wesen. Aber ein Tier konnte diese Tat nicht vollbringen. Eine üble Illusion, ein Scherz seiner Augen, mehr konnte es nicht sein. Und doch floss noch immer zäh das Blut über seine Lippen, tropfte das Kinn hinab und er musste husten.
So nicht, so sollte es nicht enden. Dieses Vergehen war lächerlich und er würde sich so einfach nicht besiegen lassen. Jetzt wo er so nah am Triumph war und den Mondelfen fast getötet hatte. Erst diesen, dann würde er sich um das Licht kümmern, die Gestalt dort, sie alle mit sich reißen. Wieder hob sich der Dolch in seiner Hand an und dieses Mal würde er sich nicht zurückhalten lassen. Nicht wie damals im Turmzimmer, wo der Mondelf es geschafft hatte ihn mit einem magischen Befehl aufzuhalten.

„Hasuvar, steh auf!“ Die Stimme erklang wie ein Fauchen, war scharf und befehlend, sprach von der Eile, die geboten war. Aufstehen, sich bewegen, aber wie? Da war schwarzer Fels der ihn hielt. Und doch endlich konnte der Mondelf die letzte Benommenheit abwerfen und der Nachtfalke vertrieb Fürst Mondflüstern aus seinen Gedanken. Handeln, wie es einer Dämmerklinge würdig war und noch während sich der Dolch senkte, hauchte er zwei Silben, spürte wie das schwarze Gestein anfing zu Bröckeln.
Die Reflexe eines Kriegers, wie er sie zurückerlangt hatte, wusste er nicht, doch er schaffte es sich herumzuwerfen, recht unelegant von dem Altar zu stürzen. Ein lauter dumpfer Knall, als die Dolchklinge auf den Altar traf, dabei Funken schlug. Keine Zeit nachzudenken, keine Zeit innezuhalten, er musste handeln und noch während er aufsprang, setzte er zum nächsten Zauber an.
Wie von Geisterhand getragen erschien sein Schwert in seinen beiden Händen, tänzelte er einige Schritte zurück. Der Lich war angeschlagen, er konnte es in jeder Bewegung sehen, auch wenn noch nicht besiegt. Vielleicht hätte ein stummer Beobachter sich nun gefragt, wieso der geheimnisvolle Eingreifer nicht weiter handelte, sondern sich wohl damit zufrieden gab, zu beobachten.

Weil ich es schaffen muss, weil ich es so will.

Zwei weitere Zauber prasselten auf ihn ein, schwarze Tentakeln die aus dem Boden schossen, versuchten sich um ihn zu schlingen, während ein funkelnder Blitz, den Weg zu ihm suchte. Wenigstens an jene Stelle, wo der Mondelf so eben gestanden hatte. Rothillion hätte fliehen sollen. Ein Lich war ein mächtiges Wesen, aber ohne sein Seelengefäß fehlte ihm ein Teil seiner Macht, noch mehr vielleicht als erwartet. Der Dämonenpaktierer war an sein Herz gebunden gewesen, selbst als Untoter, als eigentlich Herzloser. Es war Teil des Paktes und mit jedem Zauber, den er wirkte floss die Macht aus ihm, sprudelte mehr Blut aus seinem Mund und mittlerweile aus der schwarzen Leere seiner Brust.
Kein weiteres Mal sollte er Glück haben den Mondelfen mit einem Zauber zu treffen, war dieser schlicht nach einer kurzen Geste verschwunden, nutzte die Macht der Ebenen, um durch diese zu wechseln, zu verschwinden und hinter dem Lich wieder aufzutauchen. Ein Angriff von Hinten, vielleicht eine feige Tat, aber verständlich und noch bevor der Magier reagieren konnte, drang das geschwungene Stichblatt Hofklinge durch seinen Rücken.
Nur magischer Stahl vermochte ihn zu töten, nur hohe Magie. Die meiste Macht war von Hasuvars Schwert gefallen, sie hatte dazu gedient die Schutzzauber des Seelengefäßes zu durchdringen und auch dazu, dass die Klinge nicht unter jenen vernichtet worden war.

Blut, wir wollen sein Blut kosten. Wir müssen ihn vernichten!

Wie ein anspornender Peitschenknall hallte das Echo der Hofklinge durch seinen Kopf, forderte diese Energie und was sie nicht besaß holte sie sich von ihrem Träger. Die Hand des Mondelfen krampfte sich leicht um den Griff, spürte das Vibrieren, wie Kraft aus seinem Körper floss, hindurch durch die Klinge, deren Runen immer heller aufstrahlten.

Mehr, noch mehr!

Keuchend gab er dem Zog bereitwillig nach. Es fühlte sich an, als würde er innerlich zerrissen werden und ein Schrei löste sich von seinen Lippen. Hatte er überhaupt noch genug Kraft? Er wusste es nicht und wie glühendes Magma breitete sich die Hitze aus, trieb den Schweiß aus seinen Poren.
Sein Gegner versuchte zurück zuweichen, stieß einen röchelnden Schrei aus. Aber es gab kein Entrinnen. Vermischte sich der Schrei Rothillions mit dem des Mondelfen. Nein er hatte nicht genug Kraft, nicht allein in sich. Doch da war das warme Pulsieren des Amulettes an seinem Hals und als er glaubte, nicht einmal mehr dieses würde genügen, schlangen sich Arme um seinen Bauch, spürte er eine zweite schützende Präsenz.

Und dann schien Alles so schnell beendet. Dabei war das Ringen unendlich lang gewesen. Kein Schrei mehr, der durch den Raum hallte, nur der Laut, als ein Körper auf den Boden fiel und Hasuvar wäre schlicht zusammengebrochen, wenn die Arme ihn nicht gehalten hätten. So fiel sein Kopf nur ein Stück nach vorne, entrann sich ein angestrengtes Husten, bei dem Blut über seine Lippen floss.
„Ruhig,, ganz ruhig.“ Die Arme lockerten sich nicht. Er sollte vielleicht in Panik geraten, aber er konnte es nicht, denn die Stimme war vertraut. So oft hatte er sie schon gehört, tief in seinen Gedanken. Einbildung, immer hatte er sie für Einbildung gehalten, für einen Wahn, wenn auch für einen tröstenden, doch nun war sie dicht an seinem Ohr und zaghaft drehte er den Kopf, traf sein Blick auf grüne Augen, die so amüsiert wirkten durch ihr Funkeln, aber in denen auch Sorge zu sehen war.
„Cairlyn?“ Leise entkam ihm dieser Name, fragend gestellt und helles Lachen drang an sein Ohr, gefolgt von einem vertrauten Schnurren. Rieb sich eine dunkle Wange an der seinen. Haut an Haut, nicht Fell an Haut, aber es störte ihn nicht. „An sich trug ich Einst einen anderen Namen, doch Cairlyn bin ich für dich geworden, Cairlyn werde ich bleiben, bis zum Ende. Aber nun sag mir Eines, wie mein Freund hast du diesen Lich bezwungen? Und wieso hatte ich das Gefühl dein Schwert wolle uns sämtliche Lebenskraft rauben?“
Fragen, eine nach der anderen, dabei sollte er doch Fragen stellen und nicht umgekehrt. Immerhin musste er gerade feststellen, dass der Bergkater gar keiner war und doch war er nicht wirklich schockiert. Er hatte es immer geahnt und diese Offenbarung war vielleicht am Ende, doch noch überraschend, aber er konnte mit ihr umgehen. Sein Leben war in den letzten zwei Tagen, mehr als einmal umgeworfen worden, so viele Veränderungen, diese hier war nicht gerade gering, aber er empfand sie seltsamer Weise als tröstlich.
„Also gut Cairlyn.“ Hasuvar Mondflüstern, wusste wie es war wenn man Namen änderte, sich an jene gewöhnte, er selbst lebte doch unter einem neuen Namen. „Es ist ganz einfach. Wenigstens das Prinzip. Diese Klinge ist nicht dumm, sie gehört zu den wenigen intelligenten Waffen. Sie und ich wir sind verbunden. Ich bin ihr Träger und manchmal ist es wohl wirklich fraglich wer wen nutzt. Das Prinzip, dass positive Energie jeglicher Form des Untotendaseins, ist wohl allgemein bekannt. Heilzauber vernichten einfache Zombies recht wirksam. Hier hatten wir es mit einer größeren Daseinsform zu tun und welche Kraft ist dem Tod mehr entgegen gesetzt als das Leben? Diese einfache Grundlage habe ich genutzt, hat die Klinge genutzt.“
Ein angewiderter Laut, der so sehr Cairlyns Niesen glich, wenn der Kater an schlechten Essen oder stinkenden Substanzen geschnuppert hatte, erklang. „Du willst mir damit sagen, dass diese Hofklinge, dir gerade Lebensenergie geraubt hat. Dir und mir? Bist du noch bei Sinnen? Du weißt genau wie wenig du noch davon zur Verfügung hast.“ Vorwürfe, so bohrend, so voller Sorge. Hätte Cairlyn nicht fragen sollen, was mit seiner eigenen Lebensenergie war? Dass ihm nun solche fehlte? Er tat es nicht.
Er hatte ja recht, dennoch huschte ein schmales Lächeln über die Lippen des Elfen, der sich ein wenig mehr gegen den Körper seines Begleiters sinken ließ, spürte er doch wie der Griff der Arme sich festigte. Die Stimme des Fürsten wurde leiser, erklang nur noch wie ein Hauchen, denn die Müdigkeit ergriff immer mehr Besitz von ihm. „Ich weiß, aber diese hier wird sich wieder erholen, mein Schwert würde mir nie auf Dauer schaden.“ Die Welt um ihn, sie schwand, wie ein Schleier der sich vor seine Augen legte. So müde so unheimlich müde und er spürte wie er langsam hinab glitt gen Boden. Nicht hastig stürzend, da ihn die Arme hielten, aber langsam und stet. Ein Leib, der sich an den seinen schmiegte, der sich so warm anfühlte. Eine Hand die über seinen Brustkorb wanderte, das vertraute Kribbeln von heilender Magie, welches mit der Hand kam, ihn nur noch mehr einhüllte.

Keine Frage, keine Erklärung. Manchmal dürstet es einem so sehr danach die Welt zu verstehen, all ihre Geheimnisse zu lüften. Doch verliert sie dann nicht ein wenig von ihrem besonderen Glanz? Wunder, die an Bedeutung verlieren. Hoffnungen, die sich allein auf Wissen stützen, nicht auf dieses kleine Gefühl, welches Licht spenden kann. Der Glaube, so sagen die Menschen, kann Berge versetzen. Hoffen und Glauben, dies will ich.

„Cairlyn.“ Der Name war nur noch leise geflüstert. Jetzt wo der Schmerz verging, klang die Stimme Hasuvars wieder sanft und weich. Ein leises Brummen war Antwort, zeigte, dass er die Aufmerksamkeit seines Gegenübers hatte und sein Blick wanderte erneut in die grünen Augen des ehemaligen Katers. „Wir bleiben Freunde?“
Diese Frage hätte von einem unsicheren Kind stammen können, aber doch nicht von einem erwachsenen Mondelf, der selbst in der Sicht seines Volkes, als alt galt. Amüsiertes Funkeln in den Augen, ein leises Lachen, begleitet von einem weiteren Schnurren. „Ich war und bin dein Freund. Anfangs sollte ich dich nur schützen Hasuvar Mondflüstern, Sohn Earlanns aus Ascalhorn. Doch nun sind wir Freunde, solange bis es endet. Ich bin bei dir und über das Ende hinaus, noch wirst du es nicht verstehen und noch vermag ich dir nicht mehr zu sagen. Aber ich verspreche dir, wenn die Zeit gekommen ist, wirst du es verstehen und es wird dir nicht schaden.“
Er erinnerte sich. An jenem Moment als er gesehen hatte wie Cairlyn den Schatten niedergestreckt hatte. So viele Fragen, so viele Geheimnisse und selbst jetzt konnte er es noch nicht völlig verstehen, aber der Mondelf schien zufrieden, mit jener Antwort, raunte: „Dann soll es so sein.“
Und schließlich war die Erschöpfung zu groß, ein weiteres Husten und seine Augen schlossen sich. Hörte er die nächsten Worte nur noch dumpf. „Versprich mir Eines, sag es dem Sonnenelf nicht. Das hier bleibt unter uns.“ Eine Antwort, seine Lippen wollten sie formen, aber da hatte die Dunkelheit schon nach ihm gegriffen.

Ich verspreche es.

Allein ein unausgesprochener Gedanke, der durch seinen Geist tobte, bis auch dieser verglomm in der Schwärze. Schlanke Finger die durch sein Haar glitten, rückte der Körper Cairlyns noch etwas näher. Dunkle Haut an heller, Dunkel aber nicht Schwarz, eher ein sanftes Braun. Eine Wange die sich an seiner rieb, erklang ein weiteres Schnurren und bald war es wieder Fell, das sich an die Haut drängte.

Bis zum Ende Hasuvar. Ich werde dich begleiten, so wünscht es mein Herr, so wünscht es der Schöpfer. Und ich danke dafür.




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Die Lage schien aussichtslos zu sein. Verwegene Streiter im Kampf gegen einen mächtigen Feind und schon an dessen Schergen gescheitert. Was würde dies für eine Geschichte werden? Ein Trauerspiel, eine Parodie auf sein Leben. Er hatte den Kampf gegen einen schleimigen Abolethen überlebt, nur um im Kampf gegen hirnlose Skelette zu fallen. Eine tragische Komödie und hoffentlich kam sie nie auf eine Bühne. Loririon Immershofer, Barde auf dem Weg ins Abenteuer, Wahnsinniger der dachte er könne gegen einen Lich bestehen. Genau dies sollten sie auf seinen Grabstein meißeln. Wobei seine Chancen standen gut, dass er nie begraben wurde, sondern sich in die Reihe der Untoten einfügte und selbst ein Monster wurde, welches Unschuldigen den Tod brachte. Allein dieser Gedanke, ließ ihn würgen. So durfte es nicht enden.
Seinen Verstand gebrauchen, einer von ihnen sollte es. Denn Kelsey schien jener völlig abhanden gekommen zu sein. Jener Glückselige war völlig in seinem Wüten aufgegangen, es schien auch alles zu sein, was ihn dazu brachte gegen das monströse Skelett noch zu bestehen. Funken stoben immer wieder durch den engen Gang, dann wenn Klinge auf Klinge traf, oder eine der Äxte über den schwarzen Stein streifte.
Beobachter und Mitwirker zugleich, denn so sehr ihn auch die bizarre Szene versuchte zu fesseln, so sehr hatte er sich seiner eigenen Haut zu erwehren. Die übrigen Skelette drangen auf ihn ein. Nicht alle auf einmal, zu seinem Glück, dazu hatten sie schlicht nicht den Platz, aber wie ein Kreis, der nicht zu durchbrechen war, hatten sie sich um ihn gescharrt. Selbst wenn er es schaffte eines zu zerschmettern, würde ein weiteres nachrücken und diese Wesen ermüdeten nicht, ganz im Gegenteil zu ihm.
Noch dazu waren ihre Waffen effektiver als sein Kurzschwert. Sie wären es, hier hatte er seine eigenen Gedanken zu korrigieren. Immerhin verfügte er doch über die ein oder andere magische Unterstützung und im laufe der letzten Minuten hatte er sich mit einem Zauber belegt, der ihn für eine Weile unempfindlich gegenüber nicht magischen Waffen machte. Corellon sei dank, hatte der Lich seine Diener nicht mit magischen Waffen ausgerüstet. Er vermied es dennoch getroffen zu werden, auch wenn die Waffen ihn nicht verletzen konnten, so würde der Zauber irgendwann zerfallen, entweder weil die Skelette so oft auf ihn eingehackt hatten, dass selbst der Zauber nicht mehr den Schaden abwenden konnten, oder einfach weil dessen Dauer nicht für die Ewigkeit gedacht war.
Unsanft prallte er wie so oft gegen die verfluchte Wand, der Stein welcher seinen Kampfstil doch behinderte und ein Fluch entwich ihm. Stein hier, Stein dort. Wie diese verfluchte Prophezeiung, der goldene Krieger begraben unter Stein. Nur war er kein Krieger und nur weil er ein Goldelf war, hieß es nicht, dass es sich hier um ihn handelte. Wobei begraben unter Stein, das klang von einer anderen Seite nicht einmal schlecht.

Loririon du bist einfach genial. Aber du benötigst jetzt Zeit.

Schön, sein unerschütterlicher Glaube in sich selbst, kehrte doch zurück. Er hatte sie auch aus der Höhle des Abolethen geholt. Nun gut mit ein paar nicht eingeplanten Schwierigkeiten, aber konnte er etwas dafür, dass der Schleim ihn fast in ein Monster verwandelt hatte? Nein. Also bitte. Und dieser Plan wies diesmal solche Probleme nicht auf. Vielleicht den kleinen Zeitfaktor, aber den würde er sich schon verschaffen. „Kelsey mein tapferer Recke, halte durch, sei standhaft, nur noch ein wenig und es wird gelingen. Wir werden es schaffen und uns dieser schrecklichen Schar entledigen also halte Stand!“

Die Zunge rausreißen, er hätte ihm längst schon wie angedroht die Zunge rausreißen sollen. Was verschwendete der Elf nun schon wieder Atem darauf zu reden? Er sollte kämpfen, nicht reden. Reden brachte sie auch nicht lebend hier raus. Dass die Worte ihn berührten, im noch etwas mehr Kraft und Treffsicherheit verliehen, da ein Zauber in ihnen lag, dies bemerkte der Tiefling in seinem Zustand einfach nicht.
Höhnisch grinsende Totenschädel, die auf ihn zu kamen, nach ihm schnappten und voller Wut wich er aus, fletschte die eigenen Zähne um nach einem Knurren die Klinge des Schwertes direkt in einen der schnappenden Schädel zu rammen. Splitternd gab der Knochen nach, dank an die magische Klinge, die dermaßen magisch gehärtet war, dass sie solch einer Kraftaussetzung stand hielt und nicht einfach barst. Ein wahrer Regen aus Knochenteilen prasselte über Kelsey hinab und er wollte sich schon dem Sonnenelf zu wenden und ihn anschreien es ihm gleich zu tun.
Doch so weit kam es nicht. Die Sinne mussten verrückt spielen, eindeutig verrückt, denn als er aus den Augenwinkeln zu seinem Kampfgefährten blickte, stand jener nicht mehr allein dort. Er hatte sich vervielfacht. Hätte Kelsey sich die Mühe gemacht um nach zu zählen, er hätte nun genau neun Elfen zählen können. Neun Loririon Immerhofers, neun Zungen die er heraustrennen musste um endlich Ruhe zu haben. Er zählte sie nicht. Der junge Tiefling war nur einen Moment so schockiert, dass ihn fast eine der Äxte traf.

Sie hin, sie genau hin. Täuschung Lüge, nicht wahr.

An sich sollte er doch Dankbarkeit zeigen. Denn acht Elfen mehr, hießen auch derer Anzahl von Klingen mehr, aber es war ein Trick. Magie, genau zu sein ein Illusionszauber und Kelseys Fähigkeit, solche zu durchsehen halfen auch hier. Die Spiegelbilder des Elfen verschwommen unter seinem Blick, wurden blass und durchsichtig, allein der wahre Sonnenelf blieb wirklich bestehen.
Nun wo dieser Zauber durchschaut war, Kelsey hätte ihn auflösen können. Mit ein wenig Zeit. Wie er dies tat, konnte der Tiefling nicht beschreiben, er handelte einfach, konnte es seit jener verhängnisvollen Nacht in seiner Kindheit, in der er versucht hatte Rash`net zu entkommen. Ob nun eine besondere Gabe oder einfach nur ein Makel, noch nie hatte er darüber geurteilt. Der Tiefling war in solchen Sachen recht nun pragmatisch, was er konnte, dies konnte er eben, ohne die Frage nach dem Warum zu stellen. Magie, von dieser Verstand er sowieso Nichts, sie war für Gelehrte, für Meister, nicht Sklaven wie ihn.
Doch diesmal hatte er nicht die Zeit dafür die Illusionen zu bannen und wenn er ehrlich war, auch kein Interesse. Denn selbst er verstand, dass die Skelette nicht hinter die Täuschung blicken konnten. Dass sie nicht wussten, dass es sich hier nur um einen Zauber handelte. Nein sie versuchten nun alle neun Elfen zu bekämpfen und es vereinfachte Loririon sich zu verteidigen. Mehr schien der schlanke Elf nicht zu tun, davon tänzeln, dabei Worte murmelnd.

Angreifen, töte sie, bevor sie dich töten.

Eine schlichte Regel, an welche sich Kelsey klammerte und so richtete er seine volle Aufmerksamkeit wieder auf seinen Gegner. Keinen Moment zu früh, viel eher einen zu spät. Denn die Klauenhand, welche auf ihn hinab fuhr, war zielgerichtet und traf. Spitze Knochen, die sich in die Haut seines Armes gruben, der Geruch von Blut, welcher dem Tiefling die Sinne vernebelte. So süß, so verlockend, wäre es nur nicht sein eigenes.
Dafür würde dieses Monstrum bluten, ebenso bluten und wenn es schon nicht bluten konnte, so würde er es zerschmettern, bis alle Knochen nur noch Staub waren und sich nicht wieder zusammensetzen konnten.
Er hätte Schmerz fühlen sollen, doch dieser berührte ihn nicht. Allein der Geruch des Blutes sprach zu ihm, diese verlockende röte, welche unter dem zerrissenen schwarzen Stoff sich ausbreitete, so dass auch jener sich damit vollzog. Kein Zittern des Armes und seine Hiebe verloren nicht an Wucht.

Dumpf hallende Laute, immer wieder traf die Klinge oder der Griff Xilfanus auf die widerspenstigen Knochen und zu diesen Lauten, die einem Trommelwirbel glichen, gesellte sich der helle Klang jenes Langschwertes. Wie eine Melodie, einem Kriegsgesang gleich und das Knurren Kelsey Dämmerlieds unterstrich jenes nur noch. Es war ein Schauspiel für sich, aber Loririon konnte ihm kaum folgen, denn er selbst hatte einen ganz anderen Plan. Eine der Äxte traf auf eines seiner Spiegelbilder, genau dort wo der Hals saß und hätte ihn wohl enthauptet, wäre es nicht eben nur eine Illusion. So erklang nur ein leiser Ton, dem von hinab gefallenem Glas gleich und kurz darauf löste sich das Spiegelbild einfach auf.
Der Sonnenelf musste schlucken, behagte ihm die Vorstellung, diese Axt hätte ihn genauso treffen können ganz und gar nicht und doch durfte er nicht verstummen, immer weiter perlten die Worte aus seinem Mund. Leiser Gesang, der mit jeder Minute etwas lauter wurde, der bald fast genauso schmetternd erklang wie Kelseys Gewalt.
Der Stein unter seinen Füßen, er schien zu vibrieren und er tat es wirklich. Dort wo hinab geschmetterte Knochen erneut lagen, konnte man es sehen. Diesmal krochen die Knochen nicht über den Boden, floss keine schwarze zähe Pampe umher, allein der schwarze Stein vibrierte. Bald, bald war es soweit, Loririon konnte es mit jeder Faser spüren. Nicht aufhören, nicht ablenken lassen, auch wenn das nächste Spiegelbild, diesmal das Rechte genau neben ihm verschwand.
Bedauerlich, dass er nicht noch mehr hatte erschaffen können. Früher waren es vielleicht drei oder vier gewesen, erst mit den Jahren und dem Verständnis der Melodie und der Magie, waren sie immer mehr geworden und an sich war es eine stolze Leistung. Es spielte immer ein wenig Glück mit, doch der Barde, besaß davon eigentlich eine ganze Menge, auch wenn diese seit dem er Cauldron betreten hatte, ihn irgendwie im Stich ließ.
Zäh, wie Treibsand kam ihm das Vorankommen vor. Herumwirbeln, springen, ausweichen, tanzen und dabei singen. Da sollte nochmals jemand behaupten er besäße keine gute Kondition, nur Laien konnten behaupten Schauspieler und Barden seien faules Pack, dass allein auf ihr Wohl aus war.
Die Knochen vibrierten immer mehr, ja der ganze Boden fing an zu vibrieren. Es war perfekt. Fast. Jetzt musste er Kelsey noch dazu bekommen, genau zu tun was er wollte, ohne aber seinen Gesang zu unterbrechen. Es war einer der seltenen, eigentlich bisher nicht vorgekommen Momente, in denen er den Ring an seinem Finger nicht verfluchte. Man wollte ihn kontrollieren? Ihn und den Tiefling, aus welchem Grunde auch immer, aneinander binden? Nun denn nur zu. Er wäre wohl ein schlechter Barde, könne er dies nicht zu seinem Vorteil nutzen.

Wogende, tosende Wut. Verdrängter Schmerz, Stille Verzweiflung. Wie eine Flutwelle, die einen danieder schmettert und immer wieder steht man auf, stemmt sich ihr entgegen, der Fels welcher trotzt und ausgehöhlt wird. Nein, nein, er war der Fels, er würde stand halten. Tauchte ein in die Gefühle, die so nicht sein Eigen waren. Versuchten sie ihn hinab zu zerren in den reißenden Strudel, der Gewalt.

Kämpfen, immer kämpfen. Nie innehalten. War dies denn wirklich alles was Kelsey kannte. Loririon, der sich dem Geist des Tieflings geöffnet hatte, dessen Gefühlen, empfand es so. Wie kann ein einziges Wesen, all dem stand halten, ohne zu zerbrechen? Er bog sich, wand sich und stemmte sich doch wieder gegen denn Hass.
Immer schwerer wurde es weiter zu singen, Magie zu halten, denn auch diese wurde ihm fast entrissen. Es gab doch auch Gutes.

Kelsey, erinnere dich. Jeder Kampf ist eine Lektion und wir lernen, nicht die Gewalt allein. Jeder Kampf beginnt im Kopf. Sinnloses Töten wird dir schaden, wird alles zerstören.
Erinnere dich. Erinnere dich, bevor es zu spät ist!

Seine Beine wollten nachgeben, nur halb nahm er war, wie zwei weitere seiner Spiegelbilder einfach nicht mehr existierten und ihm immer weniger Schutz blieb. Ein Hieb, so dicht an seinem Körper. Goldenes Haar, eine einzelne Strähne, die von scharfem Stahl abgeschnitten wurde.

Unendliche Wut über diese Tat. Ich hasse euch. Ich hasse euch alle.


Ich hasse.

Ich hasse sie alle.

Ich hasse diese Welt.

Ich hasse mein Leben.


Selbst die warme Frühlingssonne kann die Kälte nicht vertreiben, denn der kalte Wind verstärkt sie nur noch mehr.


Und irgendwann...


...da wird mein Herz erfrieren.


So kalt. So unendlich kalt. Woran soll man glauben, wenn man nur noch Hass fühlt? Er kannte doch selbst die Zweifel, den Schmerz und den Verlust. Aber er hatte nie auf diese Weise gehasst. Loririon hatte seinen Vater verachtet, weil dieser nach dem Tod seines Geliebten milde ausgedrückt erleichtert gewesen war. Besser irgendein Waldelf, als sein Sohn. Aber er hatte ihn nie hassen können. Irgendwann sogar bedauern über jene Denkweise empfunden.
Er hätte den Mörder Albaraens hassen können, aber dieser war ebenso tot, wie der Waldelf. Und was nützte es schon? Es brachte Albaraen nicht wieder, der hass trübte nur die Erinnerung an das Glück und die einst empfundene Liebe. Liebe, vertrauen, dies war sein Schlüssel.

Wohlschmeckende Küsse, zaghafte Gesten. Ein Körper der sich hingab. Türkisfarbene Augen voller Vertrauen, einen Moment allen Schmerz verbannt. Ein Lächeln auf schmalen Lippen, ein Name der sich formte. Hasuvar.

Sie teilten sicher nicht dieselben Erinnerungen an jenen Mondelf, aber auch Kelsey musste mehr als Schmerz und Hass mit diesem Elf verbinden. Und endlich war er sich sicher wie er Kelsey Gedanken erreichen konnte, wie er den Schleier aus Hass durchbrechen konnte.

Kelsey wir wollen Hasuvar finden. Erinnere dich doch endlich. Erinnere dich und komm zu mir, unser Weg wird uns fort von diesem Schlachtfeld führen, ohne dass dein Feind von einer Klinge zerschmettert wird.

Wie oft er diesen Gedanken hegte, wie oft er sich dabei auf den Tiefling, auf dessen Gefühle konzentrierte er wusste es nicht. Er war Beobachter und Schauspieler zugleich. Ein teil von ihm klammerte sich mit aller Kraft an den Zauber, welchen er aufrecht erhielt, dessen Macht immer mehr anstieg und ein ganz anderer Teil nutzte den Ring um Kelsey zu erreichen. Zweifel waren nicht erlaubt, denn nur ein kurzes Wanken in seiner Entschlossenheit und er wäre an einer dieser Taten gescheitert, vielleicht auch an Beiden.
Aber er sollte belohnt werden. Neben ihm erklang ein weiteres Mal jener klirrende Ton, als sein letztes Spiegelbild zerschmettert wurde. Doch statt das sich alle Skelette sofort wieder um ihn scharren konnte, wirbelte ein Schemen bestehend aus blauschwarzen haar und einem Teufelsschwanz neben ihn. Angestrengt nach Atem ringen, misstrauisch und verwirrt wieso er den Sonnenelf reden hören konnte, obwohl dieser doch immer noch sang.
Was sollte er hier und doch war er aus den Wogen des infernalischen Treibens aufgetaucht, hatte es ihn zurück an Loririons Seite geführt. Wie ein unsichtbarer zwang, der ihn völlig beherrschte. War es der Wunsch einfach neben seinem Kampfgefährten zu sterben? Am Ende nicht allein zu sein?
Hier würde keiner sterben. Denn endlich als der Tiefling neben ihm stand, ließ er alle Acht fallen. Er musste darauf vertrauen, dass jener sich um ihre Feinde kümmerte, Angriffe abwehrte. Ihr stand war perfekt, fast. Etwas mit dem Rücken zur Wand, aber die Feinde in der Richtung aus der sie gekommen waren, sie in jener in der sie Hasuvar suchen wollten. Das monströse Skelett war schon wieder auf dem Weg zu ihnen, bahnte sich wie Kelsey zuvor durch seine kleineren Mitstreiter und wer nicht schnell genug wich, der wurde zerschmettert. Wie viel Fuß Abstand noch. Fünf oder Sechs? Es war genüge.
Schwungvoll ließ der Elf sich auf den Boden fallen der noch immer vibrierte, seine hand berührte den schwarzen Stein und kaum spürte er den kalten Untergrund formte sich ein Ton, seine Stimme formte diesen Ton, der sich auf den Boden übertrug. Ein Ruck schien durch den Gang zu gehen, setzte sich die Vibration fort. Ein Herzschlag, ein Atemzug die vergingen, in der die Welt zur Nebensache wurde. Er hörte den Kampflärm nicht mehr, das Bersten eines Skelettes, welches versucht hatte ihn zu verletzen und an dem Lebenden Schutzschild, namens Kelsey gescheitert war.
Stille in seinem Kopf, als der Ton verklang, seine schmalen Lippen sich schlossen.

Stille,…

Und dann hörte Niemand mehr den Kampflärm. Denn es war das brechen von Stein, welches nun den gang erfüllte. Polternder steinregen, der hinab prasselte. Laut und dazu knirschende Knochen, als schwarze Trümmer das monströse Skelett einfach unter sich begruben. Staub der den Gang einhüllte. Husten das nach dem donnergleichen Hallen erklang. Biss der Staub doch in die Lungen des Tieflings und in die des Sonnenelfen. Und doch, trotz des Hustens, dem Gefühl bald zu ersticken, als die Staubwolke sich langsam legte, da fühlte Loririon Triumph, denn ihr Feind war begraben unter Stein. Der Gang in jene Richtung aus der sie gekommen waren, war verschüttet, nicht mehr passierbar, doch sie lebten noch, wollten eh in eine ganz andere Richtung. Feinde, da waren die übrigen Skelette und sofort sprang er auf, sah sich hektisch um.

Stille,…

„Sie sind einfach stehen geblieben.“ Kelseys Stimme klang ungläubig, denn ihre eigentlich noch unversehrten Gegner verharrten regungslos. Und als Loririon sich näher an eines dieser untoten Konstrukte wagte, es mit der Spitze seines Kurzschwertes anstieß, zerfiel es einfach zu einem losen Knochenhaufen.
„Aber, wie kann das sein? Dies hätte nicht geschehen sollen. Ich meine die Wand ja, aber dass sie nun einfach stehen und zerfallen, eben nicht. Es ist sicherlich nützlich, es ist genial, aber das stammt, wie ich gestehen muss, nicht von mir.“ Die Stimme des Elfen erstarb, tänzelte er förmlich durch die Reihen der versteinerten Skelette und jedes zerfiel unter seiner Berührung. Misstrauisch betrachtete er die wenigen Überreste, aber sie regten sich nicht, formten sich zu keiner neuen Masse.
Nachdenklich fuhr er sich mit den Fingerspitzen über die Stirn, murrte dabei wegen des dreckigen Gefühls. Staub, hatte Loririon Gesicht verdreckt, die Tunika, die Hose eigentlich alles und Kelsey sah nicht besser aus. Trotz ihrer Lage, vielleicht ja wegen dieser musste der Barde plötzlich lachen und deutete den leeren Gang entlang. „Was auch immer geschehen ist, ich empfinde es als tröstlich, lass uns weiter ziehen.“
Kelsey widersprach nicht. Es gab keinen Grund. Und so zog das ungleiche Paar weiter, ließ die Reste ihrer Gegner zurück. Die Knochen würden sich nie wieder bewegen, denn der Erschaffer der Untoten war gefallen.

Rothillion der Herzlose, war nicht mehr als eine Erinnerung, die im Laufe der Zeit verblassen würde.
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