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Quifanu Dunkles Herz

GeschichteDrama / P16 Slash
05.09.2006
14.10.2009
36
192.727
 
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05.09.2006 6.917
 
Manchmal muss man zurück blicken, auch wenn die Erinnerungen an die Vergangenheit nicht leicht sind. Wenn die Bilder uns quälen, uns zerreißen. Doch sind sie es, die das Verständnis liefern, aus denen wir lernen. Aus ihnen und nur aus ihnen. Es mag ein mutiges Herz brauchen, es mag so manche Herzen brechen, aber nur immer voranschreiten ist unmöglich. Und manchmal liegt in der Vergangenheit der Schlüssel zu einer besseren Zukunft.

Fallen. Erst leicht wie eine Feder, dann schwer wie massives Gestein. War sein Fall nicht stetig und schien es auch kein Ende zu geben. Nur die Dunkelheit die ihn umgab, das Gefühl mitgerissen zu werden, zerrissen zu werden. Kein Halt, keine Hoffnung, wie es ihm schien und immer wenn die Dunkelheit sich etwas mehr seiner bemächtigte, fühlte es sich an, als würde er schneller hinabstürzen. Tief in das bodenlose Leere, dort hin wo es kein zurück mehr gab.
Warum?
Warum war er, wieso geschah dies? Schwere Fragen, wenn man nicht einmal mehr den eigenen Namen kannte. Fragen, die sein Geist nur schwer zu formen vermochte. Und selbst wenn er sie endlich zu Ende gedacht hatte, so vergas er sie im nächsten Moment, entglitten sie ihm, so als hätte er nach einem Fisch Wasser gegriffen.
Erinnere dich.
Nur träge, zäh als würde er sich durch Gestrüpp kämpfen müssen, konnte er einen kleinen Erfolg verbuchen. Einen Namen, er hörte einen Namen in dem Gewirr seiner Gedanken. Sein Name?
Loririon.
Wahrscheinlich, es musste wohl so sein. Denn kaum flüsterte er diesen, glitt er über seine Lippen wie ein sanftes Lied, welches anfing zu erklingen. Musik, ja an die erinnerte er sich. An Töne und Noten, die ihn begleiten sollten. Und siehe da, kaum entsann er sich ihrer, erklang jene kleine Melodie, die ihn einwob, seinen Fall anfing zu bremsen.
Loririon Immershofer. Loririon Drachenatem.
Es war dunkel, weil er die Augen geschlossen hielt. Auch dies erkannte er und mit einem zögernden Flackern öffnete er sie. Eingehüllt von rotem Schein, Flackern wie von Flammen und jetzt erst bemerkte er den fauligen Gestank, der ihn einhüllte. Verwesung und Tod sprachen zu ihm, ließen ihn würgen, sich biegen.
Erinnere dich.
Ja erinnerte sich an den Knochenteufel, dass sie durch das Portal gestürmt waren. Er erinnerte sich an Kelsey. Bald vermochte er zu sagen, das der rote Schein von der Klinge des Tieflings stammte, dass dieser so wie er stürzte. Ganz nah, er konnte ihn spüren, ihn fast berühren, wenn er nur seine Muskeln hätte bewegen können. Es war wohl doch keine gute Idee gewesen, den Wächter des Pfades zu töten und dann auch noch auf dem zerbrechenden Pfad wandern zu wollen.
Gefangen.
Ja, sie beide waren nun gefangen. Irgendwo zwischen ihrer Welt und dem Ort, an den er so dringen gelangen wollte. Fast hätte er gelacht, sich dem Irrsinn dieses Ortes ergeben. Welch grausames Schicksal, sich ihm da doch offenbarte. Und er war diesmal sogar Schuld. Hatte er doch gedacht vorwärts zu müssen. Immer weiter, dort hin wo er die Musik hörte, die ihn so süß lockte, davon erzählte, dass er bald einen Sinn in all dem Chaos Cauldrons finden würde. Verständnis, Wissen welches er sich so sehr ersehnte. Denn nur dann würde er endlich helfen können, nicht nur reagieren, sondern selbst die Fäden ziehen.
Vertraue.
Worauf sollte er denn noch vertrauen. Fühlte er sich von der Melodie verraten, egal wie sehr sie nun erklang ihn begleitete. Zu Höheren bestimmt. Dieser irrsinnige Gedanke war ihm gekommen, dabei hätte er es doch besser wissen müssen. Bestimmung, Schicksal, das waren alles Lügen.
Zweifler.
„Und dann zweifle ich, dann glaube ich nicht. Was macht den Unterschied? Glaube brachte uns hier her. Mein Glaube, war es der mich und meinen,… Freund, in diese Lage brachte.“ Ja Freund, denn dies war das Wesen neben ihm und er schnaubte nur. Wollte sich von der Musik abwenden. „Ich verstehe es einfach nicht.“
Weil du es nicht sehen willst.
Was wollte er nicht sehen? Das er wahnsinnig wurde. Sich mit einer Melodie unterhielt, weil er glaubte zwischen Tönen und Klängen Worte zu hören, die sich da formten, ihn zuraunten. Nur er allein konnte sein Schicksal bestimmen, was brachte es ihm schon, angeblich Eingaben zu haben und verzweifelt schüttelte er den Kopf. Vielleicht hatte er ja selbst seinen Glauben verloren, schon lang, an dem Tag, an dem sein Herz starb. Vielleicht starb er seit dem selbst, Stück für Stück, egal wie sehr er sich an den Schein klammerte.
Du hast es versprochen, versprochen zu leben, versprochen glücklich zu werden und deiner Bestimmung zu folgen.
Er hielt inne. Ja das hatte er und er war Niemand, der so einfach seine Versprechen brach. Aber vielleicht war es irgendwann schwer weiter zu machen, zu schwer für ihn alleine. War er deswegen hier? Um Freunde zu finden, die ihm beistanden auf seinem Weg. Nein, denn es schien ihn mehr als wäre er erwählt worden, dem Tiefling und dem Mondelfen beizustehen

Hör auf Loririon Drachenatem. Grausame Dinge geschehen, aber sie sind manchmal das Schicksal, müssen geschehen, um hinter ihnen einen Sinn zu sehen, muss man die Augen öffnen. Du kennst noch nicht die ganze Wahrheit, du kennst nicht deine Bestimmung. Doch bist du bereit einen Schritt weiter zu gehen. Du hast den Mondelfen vor jene Wahl gestellt. Anerkennen oder Verleugnung! Und nun wird sie dir gestellt. Also wähle.

Wieso? Wieso geschahen solche Dinge, wie er sie jeden tag sah. Solche Ungerechtigkeiten und keiner tat etwas? Wieso sterben jene, an die ich mein Herz schenke? Wieso kann ich nicht sein, wie alle anderen Sonnenelfen auch?
War es denn wirklich so, dass ihm etwas besonderes bevorstand, dass dies eine Prüfung für ihn war, deren Sinn er einfach nur verstehen würde, wenn er sie bestand? Er wollte die Antwort wissen, denn sonst würde er nie seinen Frieden finden. Aus der kleinen Suche nach einem Abenteuer, nach einer Heldensage über ihn schien plötzlich mehr geworden zu sein. Und entweder er verschloss seine Augen oder er würde bereit sein zu sehen. Nun denn er war bereit.




~~~~~~~~~





„Du hast ihn umgebracht,“ raunte Hasuvar leise, seine Stimme kaum hörbar, hatte sie fast jede Melodie in dem Moment des ersten Schrecks verloren und immer noch stand er reglos da, als könne er das Bild vor seinen Augen nicht wirklich begreifen, als könne er es nicht verstehen. Nun gut man musste dem Elf auch verstehen, denn es war etwas geschehen, das er schlicht für unmöglich gehalten hatte, als er Cairlyn auf die Jagd nach dem Schatten geschickt hatte. Er hatte nur gewollt, dass der Kater den Schatten aufhielt, ihn davon abbrachte Rothillion zu warnen, nie hatte er an einen Kampf der beiden gedacht. Er hätte sich auch nicht vorstellen können, dass der Kater wirklich angriff und doch war es geschehen.
Spöttische Augen blitzen ihn an, fast so als würden sie vor Schalk funkeln. Spöttische grüne Augen. Und über den reglosen Körper des Schatten, war es die Gestalt des Katers, die aufragte. Grüne Augen die sich wieder geöffnet hatten. Ein Tier hätte ihn nicht verletzen können, die Bergkatze hätte ihn nicht töten können, so hatte er, der Schatten gedacht, doch da hatte er fehl gelegen.
„Wer bist du? Was bist du?“ Nicht dass der zierliche Mondelf glaubte je eine Antwort zu bekommen, doch die Frage hatte er nicht unterdrücken können. Dabei sollte er einfach dankbar sein, dass es nicht die Bergkatze war, die da Tod auf dem Boden lag.
Und da war es wieder, das lang vermisste Rauschen, als würde Wind durch Blätter streichen, als würde der Frühling einkehren und endlich verstand, dass jene Gefühle, jene Einbildungen, die er schon so oft gehabt hatte, von dem Kater stammten. Doch die Antwort blieb aus, viel mehr sträubte sich das sandfarbene Fell und ein lautes Brüllen hallte durch den Gang. Und Hasuvar verstand wenigstens was ihn Cairlyn nun deuten wollte, die Jagd sollte weiter gehen, nicht stehen bleiben, nicht zögern hieß es.

Sei stark, sei mutig, stehe für dein Volke ein

dies sagten sie mir einst.

Sei stark, sei tapfer, reines Herzen,

hieß es als wir verraten vom eignem Bruder.

Und so stand ich ein,

der Schwur gesprochen, zu verteidigen das Volk.

Der Vater nur hinter mir sprach:

nie wirst du all dies sein.

Einsam versinkt der Mond in einem Silbermeer,

einsam das Flüstern des Windes geworden.

Und als gefallen der Glaube an des Vaters Sohn,

Mondflüstern ward geboren.

Ein Held im Dunklen, in finstren Zeiten,

in dem wir selbst der goldenen Sonne Glanz vergaßen.

Sei stärker, als das Dunkle, leuchte auf.

Wie mir geheißen ich tat.

Unter dunklen Wolken, blickte ich zurück,

erinnerte mich an die güldnen Strahlen.

Durch die Hölle werd ich gehen und zurück,

nur um zu schützen was das liebste mir am Herzen.

Ein Schwur, düster holte mich ein,

denn genau wie ich gesprochen so sollte es nach Jahrhunderten sein.

Und als fast zu spät, als die Erinnerung schwand,

Kam die Hoffnung,

den kein Opfer mag je vergessen,

Gutes mag vergolten.


Hab Dank, mein Schöpfer





~~~~~~~~~





Bilder, sie sahen Bilder. Nun ja wenigstens den Anblick von Stein und Fels. War die Finsternis gewichen und auch der Fall war nicht mehr unendlich. War es denn je ein Fall gewesen? Es kam ihm nicht so vor, eher wie das Schweben durch einen zerstörten Raum, dort wo es nie Boden geben würde, weil er zerstört worden war, nach der Tötung des Wächters. Er würde ein zweites Mal nicht so unüberlegt ein anderes Wesen töten, auch wenn es sich dabei um einen abscheulichen Knochenteufel handelte, wenigstens, wenn die Kreatur einen Pfad zwischen zwei Ebenen hütete. Diese Lektion hatte er verstanden und nun schien sie beendet. Es hatte keinen Aufprall gegeben, sie waren nicht zerschmettert worden, weil sie nach ewiger Zeit, voller Wucht auf harten Untergrund einschlugen. Viel mehr war es schlicht, als hätte ihn jemand gepackt und aufrecht auf seine Füße gestellt, nach dem er schlicht im Wasser getrieben war.
Genau dies war geschehen, als er der Melodie nachgegeben hatte, ihr Platz in seinem Geist, seinem Herzen gemacht hatte, auf dass sie ihn schon wieder erfüllte. Wenn es nach Loririon ginge, müsste man auch erwähnen, dass jene Melodie schließlich auch Schuld gewesen war, an diesem Desaster, schließlich hatte sie ihn zu solcher einer Fehltat getrieben, es war nicht seine verrückte Idee gewesen.
Noch bevor er den Boden unter den Füßen gespürt hatte, hatte er instinktiv seine Arme um die Hüften des Tieflinges geschlungen, ein leises „Lass nicht los! Stoß mich nicht fort!“ zu Kelsey geraunt. Mehr wagte er nicht, als befürchte er, die Melodie jeden Moment einfach wieder zu verlieren, wieder zu stürzen. Dabei war jene immer lauter geworden. Mitreißend, um genau zu sein und schließlich hatte er angefangen zu singen. Ein Lied voller unbeschreiblicher Macht, voller Kraft, wie er es noch nie gesungen hatte.

Entrissen aus Gier

auf der Suche nach Macht,

ist das Böse im Herzen entfacht.

Verkauften ihre Ehre, verkauften ihr Leben,

Verleugneten die Götter, verblendet vom Dunkel,

Verloren sich selbst in ihrem düsteren Streben

Das Schwert in der Hand, die Magie gesprochen,

zu Dunkel geworden, nicht das was der Schöpfer geschaffen mehr.

Wanden sie sich ab,

stürzten sie in die Schlacht, um zerstören, was einst sie,

Das Herz ward zu Stein, das Feuer der Kälte entfacht.


Vergessen der Sinn, vergessen der Pfad des Schöpfers.

Vergessen die Eintracht, vergessen der Friede.

Zu herrschen ihr Begehr, zu vernichten was einst sie waren

Und so entbrannte der Krieg,

vergaßen sie, dass sie waren die Hüter einst von Weisheit und Magie.

Der Magie ihr goldener Glanz beraubt,

die Weisheit verkehrt.


Lange der Kampf,

Majestätische Wesen einst stolz und erhaben,

nun nur noch vom Hasser verzerrt,

nichts mehr wie es einst war, als Liebe zu Hass gekehrt.

Bruder von Bruder erschlagen.

schwärzer als jede Nacht


Verloren, die Schlacht um Gut und Böse

In Ketten liegen sie nun, lauern warten.

In dunklen Verließen, auf das sie wurden nur noch Mythen.

Doch nun höre mein Lied.

Nichts darf vergessen werden,

so sprach der Hüter des Wissens.

Denn sie vergessen euch nicht.

Und sehet in eurem Stolz und Hohn,

ist es am Ende zu werden wie sie dein Lohn


Gib acht auf die Schatten,

denn sonst kriegen sie dich doch,

sie sind wieder frei.


Nur zufällig bemerkte der Barde, dass der junge Tiefling nicht versuchte sich aus der Umarmung zu befreien, viel mehr selbst sich an den singenden Barden klammerte, als sei jener ein Fels in der tosenden Brandung, der letzte Halt nicht zu ertrinken. Und vielleicht war es auch so, den ohne Loririon wäre es ihm bestimmt gewesen weiter zu stürzen, zu fallen bis er in der Dunkelheit dahinschwand. Und so gestattete es Loririon Drachenatem aus dem Hause Immershofer, jener Elf, der sonst alle von sich stieß, kaum kamen sie ihm zu nahe sogar, dass der sehnige Teufelsschwanz sich um seine schmale Talje schlang. Es sollte bloß keine Angewohnheit werden, denn es war nicht zu vergleichen mit dem Hauch des Kusses von Hasuvar. Dies war zwar auch etwas einmaliges gewesen, aber diese Nähe hatte er gesucht und nicht der Mondelf.
Kaum war der Gedanke an den Mondelf vorbeigezogen, da war es pulsierendes rotes Licht, welches den bisher eher schwarzen und kargen Raum erfüllte. „Siehst du es? Siehst du das Licht Kelsey?“ Er musste es fragen, denn es kam immer näher, wurde das Pulsieren immer schneller und der schwarze Stein, schien mittlerweile Rot zu glühen.

Ob Kelsey das Licht sah? Ja er sah es und er wusste eines, es war völlig unreell. Damit meinte er nicht einmal, dass es nicht von der Sonne stammen konnte. Jede Faser seines Körpers flüsterte ihm zu, dass es auch nicht von einer Fackel stammte, von einem Wesen, das einfach leuchtete, keine lebende oder mechanische Quelle. In Kelsey schrie alles, immer wieder hallte dort das Wort Illusion. Schon seit erklingen des Liedes, machte sich jenes Prickeln in ihm breit. So als würde er durch den magisch geschaffenen Garten in Yudirune laufen und nach den fallenden Blättern greifen. Und es war der Barde an seiner Seite, der den Ursprung bildete, auch dies wusste Kelsey.
„Alt, es fühlt sich alt an?“ Nur diese Worte brachte er auf Loririons Frage hervor, bevor er auf das in diesem Moment verzerrte Gesicht des Elfen blickte. Die sonst edlen und anmutigen Züge entstellt von Falten der Anstrengung, von unbeschreiblicher Faszination, die leicht ins Grauen umschlagen konnte. Der Ring an seinem Finger tat das übrige, denn ohne es zu wollen teilte er mal wieder Loririons Empfindungen und so brachte er es nicht über sich, die beginnende Illusion zu zerstören, war er auch gefangen in der schrecklichen Faszination, musste tatenlos mit anhören, wie der Barde wieder anfing zu singen, auch wenn er diesmal die Worte nicht verstehen konnte.
Immer lauter kamen die fremden Silben über die Lippen des Elfen, sprudelten aus ihm heraus, als hätte man jemanden eine tödliche Wunde geschlagen und nun flösse das Blut aus dem Leibe. Und schließlich, als es schon fast disharmonisch wurde, brach der Gesang ab und der schmale Körper des Sonnenelfen sackte kraftlos gegen den Tiefling, der nicht wusste ob er ihn fallen lassen sollte, als habe er sich verbrennt, oder ihm Halt geben sollte.

Der Körper des Elfen hatte so zerbrechlich gewirkt, daran erinnerte er sich nun. „Jetzt lass endlich los!“ Immer wieder hatte er dies in die Stille geschrien und nur eines hatten des Barden Lippen geformt: „Ich lasse dich nichtlos!“ Wobei sie doch beide über den Abgrund gehangen hatten. Ein Sturz, der dem Elf das leben hätte kosten können. Eine Tat die dem Elfen dadurch gedankt wurde, dass der Magier der Schattendiebe ihm seinen Stab in den Rücken geschlagen hatte. Und dennoch hatte ihn Loririon damals gehalten.

Und so schlang Kelsey seinen Teufelsschwanz etwas fester um den zierlichen Körper. Er würde ihn nicht fallen lassen, nie wieder. Er würde einen Freund nicht einfach im Stich lassen. Und so entstand Freundschaft, ohne dass es je die Ringe an ihren Fingern hätte geben müssen.

Ein leichtes Lächeln huschte über die schmalen Lippendes Barden, in dessen sonst so dunkles Gesicht sich etwas mehr Farbe wieder stahl, war er doch einen Moment blass gewesen, als die Magie ihn verlassen hatte. Er spürte den Halt des Tieflings, dessen Arme, die doch nun willkommener waren, als zuvor. Denn nun war wohl Kelsey zu jenem festen Fels gewesen, der verhinderte, dass Loririon einfach gestürzt wäre. Doch über das Warum, würde er sich später Gedanken machen, denn nun galt es das Resultat des Liedes zu begutachten.
Mit dem Licht näherten sich Geräusche, verschwamm der Raum, verzerrte sich bis er sich in eine große Halle mit steinernen Säulen verwandelte. Schwarzer Stein, getaucht in rötlichen Schein. Dabei war das Pulsieren erloschen, doch dafür standen zwei Feuerbecken vor einem Altar aus schwarzen Opal und spendeten nun dieses rote Licht. Das Flackern der kleinen Flammen, spiegelte sich fast fröhlich wirkend auf dem glatten Altar wieder, vermischte sich mit dem Brennen der einzelnen schwarzen Kerze, auf dem Altar. Schwarz und Rot, mehr kannte diese Welt wohl nicht und es wirkte schlicht bizarr auf Loririon, der sonst Freude an solchen Farbspielen hatte.
Liebte er doch die Schatten zu beobachten, ihren Geschichten zu lauschen, aber hier gaben die roten Flammen keine Schatten preis, denn alles schien einfach schwarz, allein der Anblick von seltsamen Runen auf jenem Altar war ihm ermöglicht. Runen, die er nicht kannte, nie zuvor gesehen hatte, wobei er doch so viele unterschiedliche Sprachen und Schriften erlernt hatte. Und nach genauerem Umsehen in dieser Halle, oder was dieser Saal auch war, glitt sein Blick erneut über die mächtigen Säulen, die bis hoch an die Decke gingen, wenn da denn eine Decke war, denn sehen konnte man sie nicht, soweit reichte der Schein des Feuers nicht.

„Ich rufe euch, zur Erfüllung des Paktes. Ich rufe euch!“ Eine wispernde, ja gar schnarrende Stimme drang aus der Dunkelheit an sein Ohr und jetzt erst entdeckte der Sonnenelf, die Gestallt, welche in eine seidene, schwarze Robe gehüllt war. Im Schein des Feuers konnte er die gleichen Runen eingestickt auf die Seide sehen, wie sie sich auf dem Altar befanden. Aus weißen Fäden kunstvoll angebracht, wirkten sie dennoch fehl auf dieser Robe, an diesem Ort, an dem doch nur die Finsternis zu herrschen hatte.
„Der Herzlose!“ Es hätte gar nicht Kelseys aufgebrachten Ausruf gebracht, immerhin hatte der Barde an jenem Abend des Festes Rothillion kennen gelernt. Auch wenn diese Erscheinung hier jünger wirkte, um gar fast ein Jahrzehnt, wenn er das Altern eines Menschen, denn richtig beurteilen konnte. Aber wieso sollte ein Lich altern? Oder war es nur das Aussehen, das er angenommen hatte um sich zu verbergen? Kurz schloss der schlanke Elf die strahlend blauen Augen, die eh schon anfingen vom rötlichen Geflacker zu schmerzen, öffnete sie nach einigen Momenten der Besinnung wieder.
Auch er erkannte die Illusion, die sich da vor ihnen zeigte, wusste, dass dies alles nicht real war. Schon allein weil der Magier nicht auf ihr plötzliches Erscheinen reagierte, sondern reglos vor dem steinernen Altar stehen blieb. Die kalten Augen, die so leer waren wie eine Wüste in der Nacht, blickten dort hin, wo zwei weitere Fackeln Licht spendeten. Wenn auch nur fahl, denn die Dunkelheit schien es nicht zu dulden, das Licht sich zu sehr ausbreitete. Immerhin duldete sie es, dass die Fackeln, die schwarzen Tore erleuchteten, einen kleinen Blick auf ihre gewaltige Größe ermöglichten.

Die Vergangenheit. Es ist das schon lang Vergangene. Hier ging es um Verstehen, um das Erkennen der Wahrheit und ein neues Teil des Mosaiks formte sich nun vor Loririons und Kelseys Augen. Vielleicht war es nun an der zeit den Schleier fallen zu lassen und zu zeigen wie folgenschwer der Verrat des Lichs gewesen war. Der noch zu diesem Zeitpunkt nicht mehr gewesen war, als ein einfacher Mensch.
Auch wenn schon zu diesem Zeitpunkt kalt und grausam. Kalt und das herz allein da um zu Leben, nie um Gefühle zu empfinden.

Die helle bläuliche Rune, welche ein Hexagramm darstellte und sich über die beiden gewaltigen Torflügel erstreckte, auf jenen brannte, begann zu flackern, erlosch kurz völlig, nur um danach ungewohnt hell für diesen Raum zu strahlen. Bläuliches Licht erfüllte die Halle, doch mehr als schwarzen Stein gab es kaum zu sehen, ein paar Ketten an einer der Säulen, ein schmaler Dolch neben dem Altar ruhend. Ein sonst leerer Raum, sah man von dem Magier ab, der sich noch mehr aufrichtete, auf dessen  Gesicht ein grausames Lächeln anfing zu spiegeln. So entstellt, dass ein kalter Schauer über Loririons Rücken rann. Auch wenn er genau wusste, dass er nur eine Illusion beobachtet, die ihm die Vergangenheit zeigte, denn irgendwann würde er wohl dem Magier unweigerlich erneut begegnen und diese Begegnung würde real sein und nicht bloßer Schein.
Der Sonnenelf war so in seiner Betrachtung vertieft, dass er nicht registrierte, dass die schweren Torflügel sich lautlos öffneten, für ihre Größe völlig unerwartet lautlos nach Innen aufschwangen und den Anblick auf jenes Grauen freigaben, welches Hasuvar schon so tief in den Abgrund gestürzt hatte.
Bis in die Tiefe der Hölle.
Es war dem Barden dieser Anblick erspart, wenigstens in dem Moment, als sich Kelseys schwarze Augen schon längst weiteten, ein seltsamer Glanz in sie trat. Ungewohnt funkelnd, die sonst so matten Augen, als würde etwas düsteres dort entflammen, nur allein durch das was er sah und Loririon hätte es noch ein wenig später erst bemerkt, wenn nicht Kelsey angefangen hätte zu raunen: „Tieflinge, sieh nur Loririon! Dort sind Tieflinge.“ Und der Teufelsschwanz um die Hüfte des Elfen schlang sich noch ein wenig fester, klammerte sich an jenem fest, war er doch der einzige Kontakt zu dem Normalen, würde er ohne ihn sicher ihn den Wahnsinn fallen, so dachte Kelsey. Immerhin erwachte in ihm ein völlig bisher unbekanntes, dunkles Verlangen.

Ja es waren Tieflinge, die ihnen beide vor das Gesicht kamen und als Loririon sich langsam umdrehte, so weit es eben der klammernde Teufelsschwanz zu ließ, da war Loririon mal wieder sprachlos, klappte ihm sogar recht unedel einfach der Unterkiefer nach unten, während einneues Zittern durch den geplagten Leib ging.

Allen voran, war es eine Frau, die als erstes jenes Tor durchschritten hatte. Eine Frau, deren infernalisches Erbe sie nicht abstoßend machte, viel mehr war es jenes, das sie noch nun einfach atemberaubender wirken ließ. Exotisch, ja, umhüllt von einer dunklen Aura, die sie fast sichtbar umspielte, mystisch wirkend, tödlich. So tödlich, wie ihre Eleganz in den Schritten, mit wogenden Hüften, wie eine Löwin, die sich voller Selbstbewusstsein ihrer Beute näherte.
Langes goldenes Haar wippte sachte mit den Schritten, umrahmte die edlen Gesichtszüge, flutete offen über den Rücken hinab, nur um sich über die Fledermausflügel zu kringeln. Die Flügel, sie mochten wie die einer Fledermaus aussehen, aber sie gaben ihrer Schönheit keinen Abbruch, denn auch Drachen trugen Flügel dieser Art und keiner würde diese wohl als hässlich bezeichnen. Noch dazu schienen diese Flügel aus reinem Gold zu bestehen, schillerten prachtvoll und passten perfekt zu der bronzenfarbenen Haut, auf die man durch die freizügige Kleidung, mehr als ein wenig Einblick bekam.
Loririon dachte zu vergehen nach einem Blick in die stechenden Augen, in denen ein grünes Feuer zu brennen Schien, grün wie die Smaragde der feinen Spangen in ihrem haar, die das goldene Haar über den spitz zulaufenden Ohren nach oben hielt.
Nicht nur Tieflinge, nein Fey`ri, einst Sonnenelfen gewesen.
Vergangenes , Teil der eigenen Geschichte und doch schon fast vergessen.
Im alten Eaerlann, ein Königreich schon längst vergessen, zu dem einst auch Ascalhorn gehörte, schlossen die Magi des sonnenelfischen Hause Dlardrageth Pakte mit Dämonen. Zu herrschen und Macht zu gewinnen ihr Ziel, zu zerstören Jeden, der sich in ihrem weg befand. Für ihre Verbrechen sperrte man sie tief unter Ascalhorn ein, dem Ort der später zur Höllentorfeste wurde. Die Zerstörung der einstigen Zitadelle der Mondelfen befreite sie aus ihrer Einkerkerung und sie versuchten ihr einstiges magisches Arsenal wieder zusammen zu fügen. Retteten dabei gleichzeitig andere Sonnenelftieflinge, die seit Jahrhunderten von den Mondelfen des alten Eaerlann eingesperrt waren. So ist die Geschichte der Elfen und doch vergaßen sie, auch wenn das Übel wieder frei war, denn wer erinnerte sich schon gerne an die eigenen Fehler, der Vorfahren?
„Dlardrageth,“ Loririon Drachenatem, einst aus dem sonnenelfischen Hause Immershofer stammend, musste nicht lange nachdenken, um zu wissen, wen und was vor allem er da vor sich hatte und so zischte er leise, als er Kelseys Raunen hörte: „Es sind Tieflinge, sie sind wie ich.“ Lautes Zischen, das zu einem aggressiven Fauchen gar wurde. „Kelsey Dämmerlied, nie warst und niemals wirst du sein wie dieser Abschaum da vor dir. Nie, nie. Sie wurden so wie sie sind, weil sie es wollten, weil ihre Gier sie trieb, du hingegen wurdest so geboren wie du bist und hattest nie eine Wahl. Sie hatten sie. Sie dienen den Bösen, haben sich mit Dämonen auf ihren eigenen Vorteil bedacht eingelassen, aus Hass heraus ermordeten sie das eigene Volk und hätten die Mondelfen sie nicht verbannt, sie hätten nie aufgehört, nur weil sie sich für etwas Besseres hielten.“
Etwas Besseres, wie er sich besser als Menschen hielt? Doch waren nicht wenigstens in seinen Augen alle Elfen gleich, stammend aus dem Blute des Coronals Arvendors? Alle Elfen sind gleich, aber waren es nicht eben die Sonnenelfen, zu denen auch er gehörte, die sich selbst als das erwählte Volk Corellons Laerthians bezeichneten?
Vergesse nie mein Sohn, er war nie deiner würdig. Es war nie deiner würdig. Erinnere dich wer du bist, was du bist. Kehre zu deinen zurück, er war nicht einmal aus adligen Hause, nie deiner Abstammung gerecht. Nur ein einfacher Waldelf, nie war er mehr, sprich nie wieder von ihm, du hattest nie einen Geliebten, es ist nicht deiner würdig.
Diese Aussage seines Vaters, tobte nun durch Loririons Gedanken, hallte wie von Donner erschaffen immer wieder durch seinen Geist. Es war nicht der falsche Versuch eines Vaters seinen Sohn zu trösten gewesen, nach dem Tod seines Geliebten. Nein diese Worte waren aus Überzeugung hervorgebracht worden. Abschieben hatte er ihn wollen, nach Evermeet an den Königshof, auf dass er sich seiner Abstammung besann, seiner Wurzeln und der Traditionen des Hauses. Aber Loririon vergas nie und so würde er auch nicht den Waldelfen vergessen, dessen Opfer für ihn.
Waren sie, war sein Volk etwa wirklich auf dem Weg, die Fehler von Einst zu vergessen? Nur auf dass jene irgendwann in geraumer Zukunft wieder begannen wurden? Sollte er diese Lektion etwa lernen? Nicht so werden und Bestätigung finden, dass sein gewählter Weg allem zum Trotz der Rechte gewesen war? Sah er allein deswegen die Vergangenheit? Oder war da etwa noch mehr? Denn Rothillions Rolle in diesem Stück, wollte ihm noch nicht schlüssig erscheinen.

„Gräfin Sarya Dlardrageth, welch Freude, dass ihr gekommen seit. Ich hoffe der Pfad, der Magie beschenkte euch mit einer angenehmen Reise?“ Das glockenhelle Lachen, als Antwort auf die Frage Rothillions, zauberte Entsetzen auf Loririons Gesicht. Wie konnte solch eine üble Kreatur des Abgrundes, nur so anmutig wirken, wie so klar Lachen. Sicher war da der kleine kalte Hauch in den einzelnen Tönen und doch hätte er nicht andere Vorzüge gehabt, wären Frauen für ihn nicht einfach eben nicht anziehend, so wäre er ihrem Auftreten wohl am Ende verfallen und entschlossen trat er leicht gegen Kelseys Schienenbein, sorgte so dafür, dass sich jener nicht in der dunklen Faszination verlor.
„Nun Rothillion ihr habt euren Teil des Paktes erfüllt und wir waren über eure Gabe, euer Blutopfer sehr erfreut. Nicht oft bekommt man solchen Blutzoll von hohem Wert, so exquisit köstlich, dass wir mehr als erfreut sind,“ schnurrte die Gräfin, während ihre Schritte, sie mit wogenden Hüften um den stehenden Magier führten, bis sie hinter ihm zum Stehen kam, nur um ihre Lippen nahe an sein Ohr zu bringen, leiser zu hauchen: „Es mag zwar nun einige Unannehmlichkeiten gegeben haben, was die Entgegennahme betraf, aber am Ende gelang es in unsere Hand.“
Tief in sich, er würde es nie aussprechen, aber da musste Loririon dem Magier einiges an Respekt zollen, allein weil dieser so unberührt auf Ort und Stelle blieb, schlicht mit den Fingern an seiner Robe zupfte und so gar nicht auf das Umgarnen der Gräfin Dlardrageth reagierte, dabei hatte diese doch bestimmt die Macht, den Magier mit einem Handwink zu Staub zu wandeln. Der Barde bezweifelte, dass er selbst so hätte Auftreten können, all seiner Schauspielkunst zum Trotze. Nun gut er hätte sich wohl eher auf diese angebliche Dame gestürzt. Nein daran wollte er nicht denken, viel mehr lauschte er dem nächsten Satz des Magiers, dessen Augen kurz gefährlich aufglimmten. „Komplikationen, obwohl ich seinen Proviant vergiftete, seine Heiltränke ins Gegenteil verkehrte, als er aufbrach? Mein Kompliment meine Gräfin, euer Anblick muss ihm wohl einen großen Schrecken eingejagt haben.“ Und nun lachten sie Beide, grausam und kalt, schienen sie wirklich zueinander zu passen.
„Über was reden sie nur?“
Oh Kelsey, lass es uns nicht erfahren.
Genau darum bat der Sonnenelf im Geheimen, schoss ihm immer wieder die Furcht durch den Leib, denn die Antwort, welche er erahnte gefiel ihm ganz und gar nicht. Doch es blieb ihm Nichts erspart, viel mehr bildete sich dort, wo sich das Gefolge der Gräfin Sarya Dlardrageth scharrte, bildete sich eine schmale zwischen den Tieflingen, die wohl von jeglicher Art Dämon abzustammen schienen, auf dass eine Loririon all zu bekannte schemenhafte Schattengestalt schritt. Der Schemen, den er in Hasuvars Haus erblickt hatte.

„Der Blutpakt bezahlt. Meine Herren zufrieden, so soll nun der Pakt von unserer Seite erfüllt werden. Unsterblichkeit für den Dämonenpaktierer. Macht der Finsternis, wird ab nun sein Eigen sein. So sei es ihm geschenkt, das ewige Leben, dem Tode wird er trotzen. Doch nun sehet den Blutzoll, welchen er bezahlte. Sehet den Abschaum, einer von ihnen, einer von denen, die uns einsperrten!“
Der Schatten verstummte und die Gräfin klatschte laut, voller Entschlossenheit in die Hände, während der Schatten zur Seite blickte, die weißen Augen, auf schwarzen Hintergrund glimmten, nur um sich danach zu verdunkeln, sich selbst hin auf das Tor zu richten. Knistern in der Luft, spürte man wie die Macht sie förmlich auflud, das Atmen mit jeder verstreichenden Sekunde erschwerte.
Leise Schritte, Klirren von Metall, Rasseln wie von einer Kette stammend. Dann ein Stocken in den Schritte. Harsche Worte, laut geflucht, als die Schritte völlig abbrachen. Dumpfe Laute, ein Knacken, Schläge die auf etwas nieder zu prasseln schienen, bis die Schritte doch wieder einsetzten.

Er hatte es geahnt und doch hatte er geleugnet, solange bis er es nun mit seinen eigenen Augen wohl sehen musste. Denn schließen konnte er sie einfach nicht, er konnte nicht wegsehen und es verdrängen, wie er es sich so sehnlichst wünschte. Es blieb ihm Heute auch einfach Nichts erspart.
„Hasuvar!“ Auch Kelsey konnte es sehen und Loririon spürte wie der Tiefling anfing zu Zittern, zu beben. Nicht etwas aus Furcht, nein es waren Wellen des Zornes, die sich mal wieder des Tieflings bemächtigen wollten und der Druck des Teufelsschwanzes sich zu lösen begann. Wollte Kelsey wahrhaftig auf den Mondelf wohl zu rennen, den männlichen Sonnenelftiefling an dessen Seite, der den Fürsten mit sich führte, einfach angreifen und ihm wohl so wehtun, wie er es mit Hasuvar tat.
„Es ist nicht real, schon längst geschehen, du kannst nichts tun, außer die Luft zu schlagen, am Ende den Zauber zu unterbrechen.“ Diese Erkenntnis schmerzte den sonnenelfischen Barden, aber man konnte die Wahrheit in ihr nicht verleugnen, so wie man die Dlardrageths, nicht verleugnen konnte. Sie konnten Nichts und auch rein gar Nichts unternehmen. Nur zu sehen blieb und das Gesehene zu ertragen, am Besten wohl mit Würde. So glitt der Blick aus blauen Augen, mit Gold umrahmt, über die Gestalt des Mondelfen.

Jenes Portrait, das in Hasuvars Haus sich befand, war mehr als treffen gewesen. Denn die Gesichtszüge waren so perfekt eingefangen, dass Loririon nicht überrascht war, nun wo er das unverletzte Gesicht des Elfen sah, keine Narben die weiße Haut verunstalteten. Eine Augenweide, wenn man es ein wenig übertrieb, doch nicht einmal viel, denn das Alter sah man dem Elf wirklich nicht an. Selbst dass die türkisfarbenen Augen vor Wut Funken zu sprühen schienen, tat der Schönheit keinen Abbruch, nein es ließ den Elf etwas nun verrucht wirken und fast hätte Loririon gelacht, doch dazu war ihm mittlerweile zu schlecht und das Leid des Mondelfen zu greifbar.
Erneut stemmte jener kleingewachsene Elf seine Beine in den Boden, suchte Halt auf dem schwarzen Untergrund, so als könnten sie dem Zug an der schweren Kette, die an einem Halsband befestigt war, sich entgegen setzen. Trotz der Tatsache, dass man ihm die Hände fest auf den Rücken gebunden hatte, konnte Loririon eindeutig sehen, dass einst die Schultern des schlanken Mondelfen, doch um einiges breiter gewesen waren. Hatte er einst Probleme gehabt, den Krieger in dem sanften und scheugeworden Fürsten zu sehen, jenen der einen Zweihänder führen konnte, so sah er ihn nun um so besser.
Erneut das Zerren, an der Kette, schnürte das eh schon enge Band, um den schlanken, weißen Hals des Elfen, die Luftzufuhr ab, so dass die Nasenflügel des Elfen bebten, konnte er schließlich wegen des Knebels in seinem Mund nicht durch jenen nach Luft ringen. Aber nachzugeben, dies schien er schlicht und einfach nicht zu wollen, auch wenn er nach und nach anfing zu zittern, er würde wohl eher ersticken, als einen Schritt freiwillig zu gehen. Auch wenn sich das sonst weiße Gesicht anfing gräulich zu verfärben. Ein neues Fluchen des Dlardrageth, ein weiterer heftiger Ruck, der aber den entschlossenen und wohl zähen Mondelfen nicht aus dem Gleichgewicht brachte und schließlich wurde die Kette einfach unachtsam zu Boden gefallen lassen und der Tiefling war mit einem Schritt neben dem Mondelfen, vergrub seine Hand in der Flut aus schwarzblauen Haar.
Brutale Effizienz und der Barde löste den Blick von seinem Mondelf, er konnte ihn in diesem Momenten nicht anders bezeichnen und es machte ihn verzweifelt, dass man jenen so behandelt hatte, um den Tiefling zu mustern. Dieser war wohl etwa so groß wie er selbst und an sich, sah man von diesen seltsamen Widderhörnern auf dem Kopf ab, konnte man keine weiteren infernalischen Merkmale entdecken. Ein eben äußerst gutaussehender und hochgewachsener Sonnenelf und fast hätte Loririon geächzt, dieser Tiefling war fast wie er. Und nun konnte er endlich verstehen, wieso der Mondelf bei ihrer ersten Begegnung geflüchtet war und instinktiv drückte er sich an den noch immer vor Wut bebenden Kelsey, ignorierte das kehlige Knurren, welches dem Mondelfenfey`ri über die Lippen kam.
Die bronzene Hand, die über die helle Wange des Mondelfen wanderte, sie war an sich ein faszinierender Kontrast zu jener Haut, von der Loririon wusste, wie weich sie sich anfühlte, wie es war, wenn sie sich einem entgegen bog. Doch hier war es abstoßend, wanderte sie Loririons Meinung nach, zu leicht, zu liebkosend über die helle Haut, nur um sich schließlich um das Kinn zu schließen, den Elf etwas weiter nach oben zu zerren, bis dieser schon auf den Zehenspitzen stand. Er konnte die Worte nicht hören, welcher der Tiefling wohl nur hörbar für Hasuvar in dessen Ohr hauchte, aber er sah wie die Zunge, die an der Spitze gespalten war, über die Spitze des Ohres strich und er sah das versteifen des Elfen, nur auf dass sich der Körper im nächsten Moment anfing zu winden, zu Zucken, alles tat um den Griff zu entkommen.

„Er tut ihm weh!“
Ja, das und noch viel schlimmeres Kelsey.
Aber er formte diese Gedanken nicht zu Lauten, sprach sie im Gegensatz zu seiner sonstigen Art nicht aus, viel mehr schwieg der Barde, um den ungleichen Ringen zu zusehen. Der Dlardragethtiefling war um einiges größer als Hasuvar, eben so groß wie Loririon und wohl auch stärker, denn er behielt wenn auch mit Mühe die Oberhand über den kleineren Elfen, zog jenen sogar enger an sich, nur um mit einer recht eindeutigen Geste die Hüften, gegen das Becken des Elfen zu drücken. Loririon Drachenatem war danach zu würgen, zu schreien, sich danach zu übergeben, endlich von diesem Szenario wegzublicken, doch der Mondelf musste damals wohl über eine enorme Willensstärke besessen haben, denn dieser tat nichts von all dem. Nein es war auch noch keine Furcht in den Augen zu sehen, immer noch der Hass, die Wut und der kleine Elf riss schlicht in geschickter Art und Weise das Knie nach oben, rammte es seinem Widersacher in den Bauch. Eine kurze Befriedigung, ein kurzes Sättigen des Zornes, der Wut, die alle Angst bisher verdrängte.
Ein neues Ringen begann und erst mit dem Eingreifen zwei weiterer Tieflinge, war es schließlich doch beendet und Hasuvar fand sich benommen, dank der Schläge, in den Ketten an der Säule wieder, der zierliche Körper gestreckt, gebogen.

„Ihr seht er ist immer noch stur, aber mein Bruder wird sich seiner Annehmen,“ erklärte die Gräfin schließlich, den Blick auf Rothillion geheftet. „Ach und noch eines mein Guter, wir werden euren Namen nicht aussprechen, denn der kleine Elf kann euch nicht sehen, mein lieber Bruder fand es amüsanter, dass sein Spielzeug unwissend bleibt. Er wird nie wissen, wer ihn verraten hat, wird vergehen in Selbstzweifel in Misstrauen, auf das seien einst so strahlende Seele irgendwann finster wird. Dabei verachtet er doch die Finsternis.“

Spielzeug?
Hasuvar war kein Spielzeug, wie konnte diese verfluchte Fey`ri dies nur behaupten, es aussprechen, wo allein der Gedanke daran, solch Blasphemie an dem einzigartigen Wesen war. Und doch, er hatte die Gier, die Begierde und das dunkle Verlangen in den Augen  des Tieflinges gesehen. Und er wusste, dass wohl jede Narbe, die er in der sanften Erkundung Hasuvars Körper entdeckt hatte, nun gut wohl fast jede Narbe, aus der Hand jenes Mannes stammte und dafür allein wollte er ihn umbringen, dazu brauchte es keinen Ring, der ihn Anteil an dem Zorn des Tieflinges gab. Krank, das war einfach krank und fast hätte der Elf aufgeschluchzt. Er wusste wie es war, Dante hatte ihm genauso nachgestellt, doch Albaraen hatte diesen damals aufgehalten, zu einem hohen Preis, aber Hasuvar hatte keinen Albaraen, der für ihn einstand.
Wieso? Wieso waren die Dlardrageth so versessen auf Hasuvar? War dieser wirklich bei ihrer Einkerkerung dabei gewesen, dass hieß das er noch Älter war wie erwartet. Erneut glitt sein Blick zu dem Mondelfen, der wohl versuchte sich aus den Ketten zu befreien, antwortete er nicht auf Kelseys Gestammel. „Wieso? Wieso hat er mir nie gesagt, dass dies der Grund war, der Grund, dass er nie nach Hause kommen konnte. Ich habe ihn so viel Unrecht getan, ich bin doch wie sie.“

Der Schatten hatte sich indes vor dem Elfen aufgebaut, ignorierte dessen hektische Bewegungen, nein viel mehr zog er wie ein Künstler die klaunartigen Finger vom Ansatz des Ohres langsam bis hin zum Kinn durch die weiche Haut, hinterließ rote blutsprudelnde Wunden. So waren also die Narben, die drei Striemen in Hasuvars Gesicht entstanden.
„Blutzoll. Edles Blut der Gehassten, der letzte seiner Familie, der der das Erbe in sich trägt, die Erinnerung an alles. Und er wird leiden, für die Verbannung der Herren, die nun doch triumphieren.“ Und mit einem selbstgefälligen Grinsen, wandte er sich ab von dem Mondelf, dessen Kopf auf die Brust gesunken war, der in den Momenten die erste Schwäche, ein kleines Zittern, zeigte, stolzierte auf den Magier zu, zerriss die edle schwarze Robe um mit der Klaue, die noch blutgetränkt war über die Brust zu fahren, dort wo das Herz des Magiers schlug. „Dein Wunsch sei gewehrt!“
Wie auf ein unsichtbares Zeichen hin, drängten sich die Tieflinge um Rothillion wurde jener hinab auf den Altar gedrückt, griff die Gräfin nach dem silbernen Dolch um ihn dort anzusetzen, wo das Herz schlug, noch schlug.
Nein Loririon hatte keine Lust zu zu sehen, wie man einem Mann das Herz aus dem Leib schnitt, zu sehen wie ein Lich erschaffen wurde und so begann er den Fehler wieder zu dem Mondelfen zu blicken. Alle Tieflinge waren an dem Ritual beteiligt, alle außer einer.

Drängte sich der Tiefling mit den Widderhörnern wieder an den wehrlosen Mondelfen, die Hand erneut in den langen Haaren vergraben.
„Deinen Vater hätte ich nur getötet, denn er ist am Ende der gleichen Versuchung widerlegen, die er uns vorwarf, doch für dich Bastard habe ich schon seid dem Tag als du mich besiegtes nur ein Schicksal auserkoren. Nein der Tod, der wird zu einfach sein, du wirst nach ihm flehen und ich werde ihn dir eines Tages gewähren, bis dorthin werden wir viel Spaß haben. Bastard aus dem Hause Eaerlanns.“
Loririon war zu geschockt, als er die Worte wirklich verstanden hätte, seien Augen geweitet als er mit ansehen musste wie die bronzenen Hände über den Leib des Mondelfen wanderten, immer weiter hinab, Kleidung zerrissen. Er hörte nicht Kelseys gequältes Stöhnen, die Frage danach was da vor sich ging, denn der Tiefling kannte dies nicht. Nein es war zu viel für ihn, zu viel und er verstand, dass nicht er es war der Hilfe brauchte, das sein Schicksal doch einfacher  zu tragen war, als er gedacht hatte, dass er endlich Leben sollte, wie er es versprochen hatte.
Nicht weiter. Ich will das nicht sehen, beende es!
Das Gesicht des Mondelfen verzerrt, musste er genau in jenes sehen. Wie hatte Hasuvar sich nur nach all dem berühren lassen können, wo er Loririon nicht einmal die Hälfte dessen Grauen erlebt hatte und den Abstand suchte.
Nie wieder halte ich mich für etwas Besseres, aber hör auf ich will das nicht sehen.
Hör auf!
Allein dieser Wunsch brannte in ihm und als die letzte Barriere fiel, der Dlardragethtiefling sich selbst der Kleidung entledigte, war der Schrei seiner Seele laut, presste er sich an Kelsey und endlich, endlich wurde dieser von dem Wunsch des Sonnenelfen überrumpelt, wurde der Wunsch auch zu den seinem und ein leises „Nicht wahr.“ aus dem Munde des Tieflinges reichte um die Illusion zu beenden.

Zurück blieb eine leere schwarze Halle aus Stein und ein Tiefling und ein Sonnenelf, deren Grundfesten erschüttert worden waren, die beide nur einen Wunsch hatten.

Hasuvar, ich muss ihn finden!
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