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Quifanu Dunkles Herz

GeschichteDrama / P16 Slash
05.09.2006
14.10.2009
36
192.727
 
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05.09.2006 5.125
 
Unscharfe Konturen, Schemen, erst wie Geister scheinend, nahmen sie schließlich an fester Form an, mit jeder Sekunde ein wenig mehr Farbe zeigend, bis sie sich offenbarten in einer völlig in Schwarz gehüllten Gestalt und einer sandfarbenen Bergkatze. Ein leises Raunen, ein Klirren, als wäre Glas zerbrochen und ein Ruck ging durch sie beide, ließ den Elfen an der Seite des Katers kurz schwanken, bevor er diesen Ruck ausbalancierte. Kein tödlicher Zauber hagelte auf sie hinab, brachte sie zur Strecke, so war es ihm gelungen und das Herz des Nachtfalken erwachte ein weiters Mal. Schlug stark in der Brust Hasuvars und trieb ihn an sich nicht unnötig lange über den Erfolg zu freuen, sondern ließ ihn die Klinge ziehen, sich angespannt in Verteidigungshaltung gehen. Denn zwar waren die Räume leer gewesen, als er noch vor kurzen Augenblicken durch das Fensterglas geblickt hatte, doch Dinge änderten sich, manchmal schneller als einem lieb war.
Gefahr, die sollte hier dennoch nicht drohen. Allein das grüne Glimmen des Teppichs schmückte den Raum, tauchte ihn in ein Leuchten, das so falsch schien, wie es nur möglich war. Nicht nur untot, sondern auch völlig ohne Sinn für Schönheit, genau dies war Rothillion, er mochte zwar Unmengen von wertvollen Gegenständen, Kunstwerken besitzen, aber ihre Masse allein machte die Schönheit eines Raumes nicht aus. Aber er war nicht hier um über die Inneneinrichtung nachzudenken, nein er wollte den Magier finden, von dem jede Spur fehlte. Auch der Schatten, den er verfolgt hatte konnte, er nicht auffinden und vielleicht war er am Ende doch an den falschen Ort gerannt.
Sich am Tuch, welches sein Gesicht verbarg zupfend sann er nach, erinnerte sich an seinen letzten Ausflug an diesen Ort. Der Anblick von Magie hatte ihn erschlagen, als er es ermöglicht hatte diese zu sehen, doch im Nachhinein war sie nur Täuschung gewesen, nutzlose Spielereien, keine Schriftrollen, keine Stäbe an diesem Ort. Nun immerhin hatte er die ein, oder anderen Komponenten gesehen und nicht alle waren damals in seiner Tasche verschwunden, denn er hatte sich nur genommen, was er für die Erstellung der Spruchrolle benötigt hatte. Nun hatte sich das Blatt aber gewandt und einem Wirbelwind gleich fegte er durch den Raum, um sich der Dinge zu bemächtigen, die ihm nutzvoll erschienen. Soweit kam es also doch noch, Fürst Hasuvar Mondflüstern plünderte im großen Stil, auch wenn es der Besitz seines Feindes war.
Minuten in denen er wütete, selbst die steinerne Schlange musste dabei dran glauben, zerschlug er sie, denn er hatte nicht vergessen welch heimtückische Falle sie darstellte. Doch dann vergingen die nächsten Minuten, rieselten Sandkörner stetig hinab, ohne dass Etwas geschah und erneut keimte in ihm die Befürchtung auf, völlig blind den falschen Ort für seine Jagd aufgesucht zu haben.
Nachdenken, er musste nachdenken. Was wusste er? Nun er kannte den Verrat, wusste dass Rothillion ihn verraten hatte, dass sich jener mit finstren Mächten verbündet hatte. Und das war des Rätsels Lösung, denn der Mondelf kannte die Mächte besser als es ihm lieb war und er erinnerte sich an jenen Ort, an dem sein Schicksal seinen Lauf genommen hatte, jene Ebene an dem Rothillion seine Macht erhalten hatte. Unfreiwillig war er damals dort gewesen, nicht in der Lage zu erkennen, wer der Verräter gewesen war. Dieses Unwissen hatte ihn gequält und genau daran hatte sein Peiniger Spaß gefunden.
Schaudernd vertrieb er das Gefühl der Kälte, welches versuchte sich seiner zu bemächtigen, ließ es zu, dass er auf die Knie sank, nur um das Gesicht im sandfarbenen Fell Cairlyns zu vergraben, eine feuchte Nase, die über seine Wange strich, ihn tröstete, ihm Halt gab. Und bald strafften sich die schmalen Schultern, sah der Mondelf auf, nur um sich wieder zu erheben. Seine Erfahrungen hatten ihn eines gelehrt und nun wo er sich ihrer nicht mehr wehrte, sie zuließ und anfing sie ein wenig distanzierter zu betrachten, da belohnte ihn verborgen gebliebenes Wissen, die Erkenntnis, die ihm zuvor verwehrt war.
Der Spiegel!
Leicht berührten die Finger erneut das Spiegelglas und selbst durch die Handschuhe konnte er das kleine magische Kribbeln spüren. Ja so war es schon beim letzten Mal gewesen. Doch da hatte er nicht verstanden, nicht begriffen, egal wie sehr er den Spiegel untersucht hatte. Aber nun erinnerte er sich. Hatte er einen so starken Schutzzauber, so ausgelegt das er Magie verbarg, vermutet, so fühlte er sich nun nicht bestätigt. Viel mehr war dieser Spiegel doch ein Durchgang und momentan sandte er keine Magie aus, weil er nicht aktiviert war. Das Kribbeln in seinen Fingern bestätigte diesen Verdacht und Hasuvar war sich sicher diesen Durchgang, dieses Portal benutzen zu können.
Ein Portal zu einer anderen Ebene. Es war schwer zu verstehen, doch Hasuvar hatte nicht umsonst, wenn auch nur für kurze Zeit eine der Akademien der hohen Künste besucht. An sich verstand er das Prinzip der Ebenen. Neben Toril, so wie die Welt hieß, in der Faerûn lag gab es auch noch andere Welten, die lose mit Toril verknüpft waren. Verstand man dieses Prinzip, so wusste man was eine andere Ebene war, eben eine andere Welt. Doch diese unterschieden sich völlig zu Toril und zu allem was einem normalen Menschen bekannt war. Schließlich waren sie der Ursprungsort einer gewissen Energieform, eines Elements oder Verkörperung einer Gesinnung. Fast ein jeder glaubte sogar an diese Ebenen, wusste von ihnen wenn auch unbewusst, denn die Ebenen waren mitunter die Heimat der Götter. Elfen wie Hasuvar einer war glaubten meist an das Pantheon der Seldarine. Und sie Heimatebene dieser Götter war Arvandor.
Sicher dies zu wissen genügte nicht aus um dort hinzugelangen, nun außer vielleicht im Tode, denn das elfische Totenreich lag ebenso in Arvandor. Aber Hasuvar war kein Reisender, kein Wanderer der ungehindert von Ebene zu Ebene streifen konnte, doch in diesem speziellen falle sollte es ihm möglich sein, da er den Durchgang gefunden hatte. Ein Durchgang, der sicher über einen Wächter verfügte und wenn dies so war, so wusste der Mondelf genau was er zu tun hatte, schließlich hatte man dies ihn gelehrt. Eine Lehre, die er nur ungern angenommen hatte, doch irgendwann hatte er ihr nachgegeben.
Eine kleine Berührung schon, der richtige Gedanke, allein dies sollte genügen, so dass er mit klopfenden Herzen sich daran machte den schwarzen Handschuh an seiner Linken von den Fingern zu streifen, ihn an seinem Gürtel befestigte.
Bitte sag mir, dass ich das Richtige vorhabe.
Keine Stimme erklang, kein geheimnisvolles Blätterrascheln, nichts sanftes das ihn liebkoste, ihn stützte. Nein die Hoffnung war zerschlagen und Fürst Mondflüstern wusste, dass es Entscheidungen gab, die man wohl oder übel allein fällen musste. Allein, so einsam. Einsam, nein dieses Wort war nicht passend, schließlich weilte immer noch Cairlyn, sein treuer Freund, an seiner Seite und beobachtete ihn abwartend. Es gehörte zum Leben dazu, dass man Entscheidungen traf, sie für sich fällte. Dies machte erst den freien Willen aus, stärkte ihn und so erhob er die Hand, strich sich auch jenes schwarze Tuch aus dem Gesicht, das seine scharfen Gesichtszüge verbarg. Und schließlich gab er sich den letzten Stoß, und schnitt sich seine Finger blutig an der eigenen Klinge, streckte seine Hand aus, berührte mit bloßer Haut den Spiegel.

Im ersten Moment, in jenem Augenblick in dem er die kalte, glatte Oberfläche des Spiegelglases berührte, sein Blut über den Spiegel rann, fühlte er sich als hätte er in dutzende von eiskalten Glasscherben gegriffen, würde seine zitternden Finger in jenen gewaltvoll versenken und hätte nicht die einfache glatte Scheibe berührt, an die sich seine Finger schmiegten. Stechender Schmerz der ihn peinigte und für einen Herzschlag glaubte er spöttisches Lachen zu vernehmen.

Tut es etwa weh. Oh es wird dich jedes Mal aufs Neue schmerzen und doch irgendwann wirst du nach diesem Schmerz betteln, froh sein wenn du ihn für mich empfängst.


Doch seine Finger zog er trotz der Schmerzen nicht hinfort, auch wenn er zu gerne dies getan hätte, um sich beide Hände über die spitzen Ohren zu schlagen, als könne er so die Stimmen in seinem Kopf vertreiben. Schmerz war etwas vergängliches, vor allem für den alten Elfen, dessen Körper noch vor einiger Zeit fast völlig zerschmettert gewesen war, so gebrochen, dass manchmal allein das Atmen eine Pein gewesen war und allein die Erinnerung rechte aus, um ein neues Husten über seine Lippen zu bringen, ihn daran zu erinnern, wie kostbar die Heilung war, die er erhalten hatte. Und vor allem, dass sie nicht für immer wehren würde, es gar nicht konnte.
Pulsierende Macht, ausgehenden von dem Drachenamulette an seinem Hals, er konnte sie spüren, gab sie ihm Einblick in die Macht des Amulettes, das er wohl Artefakt nennen würde, fast als würde pure Magie durch ihn fließen. Ein so altes Gefühl, schon längst vergessen geglaubt, kannte er es, damals als die Hochmagie der Elfen ihren höchsten Stand erreicht hatte, noch vor dem tiefen Fall. Diese Macht, die sich in seinen Körper gezwängt hatte, ihn geheilt hatte, war wohl bedacht darauf, ihn nun als würdigen Träger zu beschützen. So schien es ihm, denn anders könnte er dieses Zerren und Reißen an ihm nicht erklären. Doch er wusste, dass es kein Frieden war, der ihn hinter diesem Spiegel erwartete. Er wusste was kommen würde und so missachtete er die Warnungen, verdrängte sie.
Reflexartig und voller Feste legte sich die eine noch behandschuhte Hand um den Nacken des Katers, vergrub sich tief in der Nackenfalte Cairlyns, hielt so Haut und Fell umschlossen. Spürte er doch, so wie er die Macht des Amulettes spürte, den Unmut des Tieres an seiner Seite, hatte aus den Augenwinkeln gesehen, wie dieser das weiche, sandfarbene Fell sträubte. Und vor allem, war das entschlossene Fauchen nicht zu überhören, welches aus der Kehle der Bergkatze stammte.
Zu jeder anderen Zeit hätte Fürst Mondflüstern den Kater nun einfach getadelt, mit ihm gesprochen und ihn belehrt, so wie er es immer tat. Denn immerhin mutete er dem Wesen mehr Verstand zu als so manchen Menschen und doch waren seine Belehrungen nun fehl. Gerade weil er dachte, dass Cairlyn intelligent war und verstand, was hier vor sich ging. Seine Kehle schnürte sich zu, versagte ihm den Dienst, er würde nicht sprechen können, selbst wenn er es gewollt hätte.
Ein weiterer Moment, in dem das Blut rauschend durch seine Adern gepresst wurde, ein Herzschlag, so schmerzvoll und fast unendlich wirkend und doch verging dieser Moment. Nach verstreichen jenes Augenblickes war es das harte, kalte Spiegelglas, das seine Form änderte, unter seinen Fingern nachgab, gleich Wasser, wenn man es mit den Fingern durchstieß. Und da sein Atem leider nicht ausgesetzt hatte, verging der nächste Atemzug, in dem die Oberfläche schwarz und trüb wurde, eine schwarze vor ihm aufwallende Flüssigkeit, so hätte man meinen können.
Hektisch zog Fürst Mondflüstern seine Hand zurück, rang erneut nach Atem, während seine türkisfarbenen Augen, schwarze wabernde Schatten erblickten, sich der Blick auf den schwarzen, alles verschlingenden See hafteten.  Doch trotz seiner Beobachtungen vergas er seinen Griff nicht, war jener es, der den Kater davon abhielt mit gebleckten Zähnen und laut fauchend in die Dunkelheit zu springen.
„Nein!“ Ein einziges Wort, voller Entschlossenheit gesprochen war es, das deutlich unterstrich, dass er wünschte was nun geschehen würde, egal wie schwer es werden würde. Auch wenn der Kater sich nur langsam beruhigte, ein lautes, protestierendes Niesen von sich gab und es wohl besser war, dass der schlanke Mondelf den Griff nicht wirklich lockerte. Anklagende grüne Augen ruhten auf jenem Mondelfen, der einfach versuchte sie zu ignorieren, schließlich war es des Katers Werk, dass Hasuvar Mondflüstern seinen Peinigern entkommen war und nun begab er sich freiwillig in ein Reich, wo es für sie einfach sein könnte, ihn wieder zu finden und das nicht einmal mit viel Mühe.
Ja genau dies absurde Treiben war es, dass der Mondelf sich wünschte. Alles nur um Rothillion zu stellen. So wehrte er sich, als Klauen sich aus dem Spiegel lösten. Große, grauschwarze Pranken, waren sie Schattenschemen gleich, wirkten immer wieder durchscheinend und doch waren sie real genug, um sich um die schmalen, gar zierlichen Oberarme des Mondelfen zu legen, diesen näher auf die Dunkelheit zu zu ziehen, den Elf, wie auch den Kater. Der sich immer noch nicht gegen den Griff in seinen Nacken wehrte.
Labelas Enoreth, stehe mir bei!
Bitte!




~~~~~~~~~~~





Kelsey der immer noch nicht wusste wo sein Kopf stand, war an sich dankbar, dass der Sonnenelf ohne zu Zögern die Zügel in seien Hand gerissen hatte, denn Entscheidungen zu treffen, dies hatte der Tiefling nicht gelernt. Alleine zu gehorchen, dass hatte ihm der rote Magier beigebracht und in diesem Moment fühlte er sich schlicht überfordert. Nun gut er hatte eine einzige Entscheidung getroffen, er würde nicht zurückkehren, sondern Hasuvar eine Chance geben. Eine Chance für sie beide, bisher verstand er, doch wie dies aussehen sollte, wie es werden würde, das konnte er nicht einmal ahnen. Nun gut man würde nun sagen, er solle einfach seine Fantasie nutzen und sich etwas ausmalen, doch das Wort Fantasie war ihm fremd, so fremdartig wie die Vorstellung, dass alles sich zum Guten wendete. So tasteten seine Finger immer wieder über die weiße Haut seines Halses, dort wo der gewohnte Druck des ledernen Halsbandes fehlte.
Frei?

Was würdest du tun, wenn du ein Mondelf wärest und du versuchen würdest etwas zu verstecken?
Genau diese Frage stellte sich Loririon zum bestimmt dritten Mal. Es war ja nicht so, dass sich ihm hier keine Waffen anpriesen, von denen hatte es in diesem Haus genug. Nun solche wie der alte Bogen, würde er kaum verwenden können, aber es waren noch andere vorhanden, die nützlich waren. Der Barde selbst griff gerade nach einem der Langschwerter, dessen Griff mit einfachen Leder umwickelt war. Stellte er doch kurz darauf fest, wie kunstvoll diese Waffe wirklich war, musste er nur den Dreck beiseite wischen und das schlichte Leder davon zerren, beides wohl nur angebracht worden um den Glanz der Waffe zu verbergen. Elfischer Herkunft und wie die Hofklinge des Mondelfen fein gearbeitet, leicht vor Allem, lag sie gut in seiner Hand und doch erschien sie dem Barden für sich nicht richtig. Dennoch konnte er das Schwert nicht einfach wieder beiseite schaffen, sondern behielt es in seinen Händen, selbst als er für sich ein passendes Kurzschwert, einen Bogen und einige Dolche gefunden hatte. Doch wie erwähnt ging es ihm nicht um Waffen, waren sie nicht das, was sein Herz begehrte. Magie war das eine kleine Wort. Schriftrollen, Tränke, etwas in dieser Art. Sicher da war der Raum, welcher als Labor diente, aber außer ein paar seltsam artigen Pflanzen hatte er nichts finden können. Aber irgendwo musste der Mondelf etwas verbergen, dessen war er sich ziemlich sicher.
Also war es weiter an ihm, sich Gedanken darüber zu machen, wo er solches verstecken würde, wenn er Hasuvar Mondflüstern heißen würde. Angestrengt legte er die Stirn in Falten, strich über die kalte Klinge des Schwertes, umspielte einige der altelfischen Runen, während er ihre Bedeutung aussprach. Fließende Silben, die da über seine Lippen kamen. „Die Hymnen, die Flammen in die Welt hinaus singen, …“ weiter kam er gar nicht, als er fast den Griff des Schwertes losließ, es gar aus Impuls zu Boden schleudern wollte, höchstens es kam fort von seinen bronzefarbenen Fingern. War es ein rötlicher Schein, in dem sich das kalte Metall hüllte, kleine Flammen die es bald völlig einhüllten und erstaunt blickte er jenes Schwert an, nickte schließlich verstehend, bevor er entschlossen auf den Tiefling zu schritt und diesem mit einer eleganten Verbeugung das Schwert überreichte.
„Feuer zu Feuer, die Feuer der Wut fortgewischt für die Feuer der Leidenschaft, für die Taten nach dem das Herz brennt.“ Oh er musste sich jene Worte merken, man könnte großes mit ihnen noch dichten, da war er sich sicher, doch nun musterte er den verblüfften Tiefling, dessen Teufelsschwanz sich aufgeregt kringelte. Die Frage stand so greifbar nah in den schwarzen Augen geschrieben und doch würde er keine Antwort erhalten, nur ein kleines amüsiertes Lachen, welches über Loririons schmale Lippen kam, bevor der Sonnenelf sich schon wieder abwandte.
Was würde Hasuvar tun?
Genau dies, so hätte die Antwort gelautet und würde der Barde in diesem Moment nur seinen Blick zurück richten, dorthin wo das Bild des einzelnen jungen Elfenkriegers hing, so hätte er sehen können, dass das Langschwert auf dem Bild und das welches er Kelsey überreicht hatte, ein und das Selbe waren. Belatir Monflüsterns Schwert Xilufanu, das Goldherz.

Verwirrt, ja genau dies war er und unruhig zuckte sein Teufelsschwanz immer noch, als wolle er soviel Eigenleben erringen, dass er sich irgendwann von dem Tiefling losriss. Die pechschwarzen, meist leblos wirkenden Augen musterten jene Waffe, die man ihm so einfach gegeben hatte und er wusste nicht was er davon halten sollte. Schon wieder etwas, das er nicht verstand. Hatte der Sonnenelf auch wieder so gehoben gesprochen, dass Kelsey es nicht verstehen konnte. Feuer zu Feuer?
Immerhin fand er schließlich doch gefallen an jenem Schwert, welches wie für seine Hand gemacht schien, dessen Griff nur für ihn geschmiedet schien. Eine ganz neue Erfahrung, waren die Waffen, die er bisher benutzt hatte meist behelfsmäßig gewesen, dienten ihrem Zweck gerade so, doch nie hatte einen von ihnen nur für ihn passend gewirkt. Er würde acht geben auf dieses Schwert

Kampf ist eine Kunst, der letzte Ausweg, doch man sollte sich nie verlieren darin. Versteh das endlich!


Diese Worte Hasuvars, er hatte bei seinem letzten Kampf an jene Worte gedacht, bevor die Welle der Wut über ihn eingebrochen war, die infernalische Seite seine Gefühle in Beschlag genommen und er die Kontrolle verloren hatte. Und irgendwie konnte er das kleine Gefühl nicht loswerden, dass dies mit jener Klinge in seinen Händen nicht passieren würde. Es war beruhigend und so akzeptierte er die Verwirrung, unterließ es seine Wut überhand gewinnen zu lassen und Loririon anzufahren, wissen zu wollen, was dieser sich einbildete. Und wenn er ehrlich war, er bereute diese Entscheidung nicht, fürchtete er, dass die Erklärung des Elfen wohl zu ausschweifend werden könnte.

Na endlich, ein Stoßgebet an Corellon, nun ja wenn dies alles vorbei wäre, würde er mehr als ein Gebet sprechen, seinen Dank somit Ausdruck verleihen. Nun musste, der Gedanke daran reichen, aber immerhin, er war fündig geworden. Eine Vielzahl von Tränken, die ihn da aus ihrem Versteck anlachten und der Sonnenelf wartete nicht lange, um genau all diese an sich zu nehmen. Nicht alleine für sich, winkte er den Tiefling zu jener stelle am Kamin, an dem er die kleinen Phiolen gefunden hatte.
Bisher war es erstaunlich, wie friedlich Kelsey geworden war und wenn man ihn nun so betrachtete, beobachtete wie er auf die kleinste Aufforderung des Barden reagierte, ihr Folge zu leisten, ja da verstand man selbst wenn man Sonnenelf war und noch dazu Loririon hieß, dass man ohne es zu wollen zum Anführer geworden war. Anführer? Nun Meister hätte das ganze ehrlicher umschrieben, aber der Elf sah sich nicht als Meister einer lebendigen Kreatur, vielleicht eher ein Anstoß zur freien Kreativität, solche wie auch er sie verkörperte. Ja damit konnte er leben.
Aufmerksam studierten die blauen Augen, die einzelnen Phiolen, die Schlieren in grünlichen Flüssigkeiten. Es war nicht einfach Träne einzuordnen, vor allem wenn man sich darauf beschränkte sie zu betrachten, prüfend an ihnen zu schnuppern. Doch ein paar Heiltränke konnte selbst er identifizieren, so dass er sie aufteilte, die eine Hälfte an sich nahm und die andere dem Tiefling überließ.
Bei einigen anderen Substanzen sah es da ganz anders aus, auf jeden fall konnte er nicht alles zu ordnen, aber wenn man es verbarg musste dies einen Grund haben, so dass er eben auch diese verstaute und sie einfach an sich nahm. Er würde mit diesem Mondelfen ein Wort reden müssen, dieser Vorrat an Heiltränken ließ schon daran glauben, dieser ernähre sich allein von solchen, wenn man noch daran dachte, wie wenig Essen in diesem hause sich befand, war es noch glaubhafter. Außerdem warum verbarg er Alchemistichesfeuer? Hatte er vor demnächst Cauldron in Flammen aufgehen zu lassen?

Es gibt da Dinge, die ich klären muss:


Das hatte Hasuvar gesagt. Aber irgendwie konnte sich Loririon nicht vorstellen, dass dies bedeutete, dass er Brände legen würde. So seufzte er gedehnt, strich sich eine der goldenen Strähnen hinter seine spitzen Ohren, bevor er Kelsey anblickte und ihm mit spitzen Fingern auch solch ein Gefäß reichte. „Sei bloß vorsichtig, wenn du das fallen lässt, wird es sehr schnell heiß werden. Und mein Lieber bei deinem hitzigen Gemüt, welches ich gestehe nützlich finde, wenn es darum geht sich mit Abolethen anzulegen, ist es schon heiß genug.“ Das verwirrte Blinzeln der schwarzen Augen, lockte ein neues Schmunzeln auf Loririons Lippen, spürte er doch dank des Ringes an seinem Finger, dass Kelsey angestrengt überlegte, ob er beleidigt worden war, oder ob der Sonnenelf sich zu einem Kompliment hinreißen hatte lassen.
Und schließlich nickte Loririon, war es Zeit zum nächsten Teil, seines Planes überzugehen. So dass er erneut schwungvoll herumwirbelte, eine scheuchende Geste vollführte. „Wo bleibst du denn Kelsey, wir brechen auf.“




~~~~~~~~~





Nach dem sie sich verfestigt hatte, ihre Gestalt wirklich geworden war, da wirkte die große Gestalt knochig und ausgemerkelt, als würde man einer leeren Hülle gegenüber stehen. Ihre kränkliche Haut spannte sich so eng um den Körper, dass dadurch jeder der gewaltigen Knochen zur Geltung kam. Der Blick, verzerrt und voller Hohn aus Augen auf einem furchteinflößenden Kopf, der aussah wie ein gewaltiger Totenschädel, ruhte auf den erstarrten Mondelfen, der für einen Moment lang die Augen schloss, so dass unruhige Flackern verbarg, versuchte so die blanke Panik, die ihn befahl sich loszureißen zu bekämpfen. Musste er seine gespannte Nerven einen Moment schonen, ihnen nicht zumuten diesen Anblick zu ertragen, reichte schon der faulige Verwesungsgeruch. Und schließlich als er etwas an seiner Wange spürte, wusste dass es der skorpionartige Schwanz des Wesens war, öffnete er seine Augenlider flatterhaft.
Gefangen zwischen Erinnerungen an die damalige Zeit, als er das erste Mal von solchen Wegen zu reißen hörte, von solchen Wächtern und der momentanen Lage, dem Versuch die Kontrolle wieder zu gewinnen und die Vergangenheit zu verdrängen.

„Dein Blut ist der Schlüssel, dein Schlüssel. Auf dass jeder erkenne mein Zeichen, dass Jeder wisse, dass du bist allein mir!

Eine lachende Stimme, die immer wieder, wie einen eigenen Zauberreim, diese Worte vortrug, die ihn damit verhöhnte, während seine Augen mit dem silbernen Sprenkeln, in der Finsternis etwas metallisches aufblitzen sahen. War es doch nicht nur Hohn? Veränderte man ihn noch mehr? Kühles Metall, dass die weiße Haut, mit dm bläulichen Hauch, sachte berührte, sie liebkoste, bis nach und nach es anfing zu glühen, immer heißer und heißer.
„Dein Blut ist der „Dein Blut ist der Schlüssel, dein Schlüssel. Auf dass jeder erkenne mein Zeichen, dass Jeder wisse, dass du bist allein mir! Unsere Wächter werden die erkennen, dich erkennen, nie wieder kannst du es leugnen:

Immer heißer, immer heller das Metall glühend. Ein Körper sich aufbäumend, sich windend und an den Ketten zerrend. So vergebens, So einsam. Wehrlos! Stechender Schmerz, unerträgliches Brennen. Geruch von verbrannten Fleisch, Schreie aus Qual und immer wieder untermalt von dem Hohngelächter.

„Er trägt das Zeichen eines Dieners.“ Der skorpionartige Schwanz wanderte langsam an ihm hinab, berührten seinen zierlichen Körper, weckten Ekel, auch wenn sie letztendlich an seinen Schultern verharrten, immer wieder federleicht über seine rechte Schulter strichen. Klauend, die dabei seinen Hals berührten, ihm am Kinn packten und so seinen Hals streckten, die Kehle so bloßgelegt und leicht hinterließen die Klauen eine dünne Blutspur, warnten davor sich nicht zu wehren,denn dann würden sie sich tief ins Fleisch graben. Er hatte nicht gegen diese Art von Teufel, um genau zu sein ein Knochenteufel zu sprechen. War er der geheime Wächter des Portales.
Und nicht einmal musste er Hasuvars Kleidung beiseite zu schieben, um das magisch angebrachte Zeichen auf seiner Schulter zu sehen, er spürte es einfach. „Doch das Wesen dort, es ist zeichenlos, es darf hier nicht durch.“ Und dabei hefteten sich die Augen auf den Kater, brachten ihn so zu einem lauten Fauchen, denn nach würde die Bergkatze nicht geben, keine angst vor solch einem Wesen zeigen.
„Er geht mit. Denn es ist Wunsch meines Herren, dass er dorthin zu gehen hat, wohin ich gehe!“ Ein kurzes Einatmen, hatte sich der Mondelf wieder gefangen und starrte den Teufel, ohne Furcht an. „Es wäre nicht an mir den Unmut meines Herren zu tragen, wenn dessen Befehle verweigert werden.“ Die letzten Worte hatte der Mondelf leise gesprochen, mimte er hier schließlich einen unterwürfigen Diener, aber die versteckte Drohung blieb wie gewünscht nicht verborgen, sorgte für Wut bei dem Portalwächter. Und schon zog er den Elf noch dichter an sich, hauchte ihm seinen fauligen Atem ins Gesicht. „Ein Diener droht? Ich sollte dich zerquetschen Sklave, dein Herr sollte dir Benehmen lehren!“

Laute Schrie, aus Schmerz geboren. Doch nie baten sie um Gnade, nie wimmerte er, wie gewünscht, um Hilfe. Waren sie nur geboren, da er die Qual nicht völlig stumm ertragen konnte. So sehr er es sich auch wünschte, es begehrte.
„Dass du weißt wo dein Platz ist! Dass du weißt wie tief du gefallen bist! Ein Nichts. Oh einst warst du zu Hohen geboren. So reines Blut. So hoch dein Stand. Doch nun sie dich an, bist du weniger als wir. Als wir, die ihr in eurer Selbstgefälligkeit, in eurem Stolz verbanntet. Uns einsperren! Habt ihr wirklich gedacht, das könnt ihr für immer? Ja das wolltet ihr und doch der Fall deines Vaters, seine Vergänglichkeit war unsere Freiheit. Und nun siehe dich an, du bist es der nie entkommen wird!“

Sein Platz?Oh, Hasuvar kannte eindeutig seinen Platz. ES war der, den er sich vor Jahrhunderten für sich ganz allein gewählt hatte. Und nicht jener, den man versuchte ihm aufzuzwingen. Und doch unterdrückte er den Wunsch dem  Wächter sein Schwert in die eingefallene Brust zu stoßen. Es hätte nur ein Wort gebraucht und Cairlyn hätte dieses Wesen zerrissen und Hasuvar zweifelte nicht an der Macht des Katers, genau dies zu tun. Aber er riss sich zusammen, denn allein hätte er nicht die macht gehabt, das Portal zu durchschreiten.
Und endlich, ja endlich lockerten sich die Klauen, schon sich der massige Leib beiseite und zischelnd sprach der Knochenteufel: „ Tritt hindurch! Du interessierst mich nicht, denn bist du allein der Ärger deines Herren, nicht den meinen Wert!“
Elendiges, feiges Wesen. Hasuvar wusste, dass dieses aufgeplusterte Etwas mehr Angst vor Strafe  durch seinen angeblichen Herren hatte, als Hasuvar je gehabt hatte. Zu seinem Glück, weilte dieser nicht mehr unter den Lebenden, so dass dies wenigstens ihm erspart bleiben würde. Und so traten sie beide, Elf und Kater durch das schwarze Portal. Und ihnen beiden war bewusst, dass jener Vorfall erst ein kleiner Vorgeschmack, auf jenes was sie erwartete, gewesen war. Aber es konnte sie jetzt auch nicht mehr aufhalten.




~~~~~~~~~






Die Art eines Elfen war monoton. Immer stetig Veränderungen nahm das Volk der Elfen nur langsam wahr. Und nur nach und nach veränderten sie sich. So dauerte es lange die Freundschaft, das Vertrauen eines Elfen zu erlangen, doch besaß man sie, so war es ebenso langwierig sie zu verlieren.
„Drachenatem“ hatte er sich getauft. Stand es für seinen Mut, die Ausdauer und Kraft seiner Stimme, die er als gewaltig einschätzte. Seine Kunst der Gesänge war prachtvoll, dem Anblick der Drachen gleich. Doch sollte man ihn wohl eher „Hasenhüpfer“ oder gar „loses Blatt im Wind“ nennen. Denn so war die seine Art und schon oft, seit dem er in Cauldron angelangt war, machte er sich Gedanken, wie es soweit hatte kommen können. Soweit, dass er seine Freundschaft einem Tiefling schenkte, den er kaum kannte.

Wie versteckte man einen Tiefling? Und wie schlich man sich selbst in ein gut bewachtes Anwesen? Nun Fragen die Loririon nicht gleich zu beantworten mochte. Nun gut was hieß nicht gleich, es gab ein paar Lösungen. Die erste war das Stürmen des Anwesens, sich mit erbitterter Waffengewalt den Weg freizukämpfen. Aber diese Lösung war unbrauchbar, immerhin gedachte der Sonnenelf all der Opfer, die dabei entstehen könnten und ein ganzes Dorf wollte er nicht auslöschen, außerdem bei seinem momentanen Glück würde er noch von einer unfähigen Wache erschlagen. Also sollte er sich eine moralisch vertretbarere einfallen lassen. Nun zum anderen hätte er einfach Einlass fordern können, Anklage erheben können gegen Jene, die da versucht hatten ihn zu Ermorden, aber dieser Weg hätte ihn zu Zephyr geführt und diesem Menschen wollte er nur dann begegnen, wenn er bereit war sein Rapier in dessen Brust zu bohren. Zu Schade, dass der Sonnenelf sein Rapier nicht mehr besaß, da es immer noch irgendwo auf dem Grunde des Sees oder in der Höhle lag. Ein Glück für den Hauptmann.
Nach einigen hin und her war er dann zu der einfachsten Methode übergegangen, die ihm eigentlich gar nicht gefiel. Sie hatte keine Dramatik, keinen großen Auftritt und das obwohl er demnächst auf einen Lich treffen würde, da gehörte doch ein großer Auftritt dazu, etwas Unvergessliches. Aber für solch eine Idee blieb ihm keine Zeit und noch dazu fürchtete er, dass ein gewisser Kelsey Dämmerlied kein Verständnis für solche Momente hatte. Ein gequältes Seufzen entwich seinen Lippen bevor der Sonnenelf sich umständlich durch die goldenen Haare strich, solange bis wohl jede einzelne Strähne an dem ihr angedachten Platz saß. Ein eitler Pfau, so wie ihn Rothillion beschrieben hatte. Es war wohl besser dass Loririon nie erfahren würde, wie ihn dieser Untote bezeichnet hatte. Es hätte nur zu langen Diskussionen geführt.
Ein unruhiges Räuspern neben ihn, machte den Barden aufmerksam darauf, dass er wohl beginnen sollte. Wobei vielleicht zögerte er auch nur, weil er nicht wirklich versessen darauf war, einem Lich zu begegnen. Nun gut er hatte schon oft genug darüber nachgedacht und kam zu demselben Schluss, immer und immer wieder. Er war sich sicher nicht Stark oder Mächtig genug zu sein einen Lich zu bezwingen, aber er würde es tun.
Corellon steh mir bei!
Welch Narretei. Ja sicher er hatte irgendwann nach Arvandor kehren wollen, an die Seite Albaraens, aber so schnell nun auch wieder nicht, außerdem würde der Waldelf sicher nicht erfreut sein, wenn er erfahren sollte wie Loririon gestorben wäre.
„Loririon, was ist denn nun?“ Kelseys ungeduldige Stimme riss ihn aus den Gedanken und der Sonnenelf seufzte gedehnt. Nun gut er war so weit, sollte es eben beginnen und ungewohnt leise erklang der Gesang des Barden, der sie Beide in Unsichtbarkeit hüllte, auf dass sie ihren Weg weiter beschreiten konnten. Hinein in das Anwesen des Fürsten von Cauldron, den Turm hinauf, bis in jenes Zimmer, in dem ein einsamer Standspiegel ruhte, schon längst wieder nur Glas in seinem Rahmen, deutete nichts auf das schwarze Portal. Genau bis dorthin sollten sie kommen.

Weit Vergangenes, das war Glück,

Glück, wenn auch nicht immer leicht

Weit Vergangenes, das war Liebe.

Liebe, wenn auch vergänglich


Vergangenes, das ist die Pein.

Pein, mich biegend.

Vergangenes, das ist das Schmerz.

Schmerz, so brennend wie Feuer.


Gegenwart, ist sie nicht Vergangenes?

oder ist Vergangenes Gegenwart?

Gegenwart, sie ist so leer

Leere, und doch gefüllt mit der Symphony des Leids.


Zukunft, sie ist ungewiss

Farben, so viele.

Doch die meine ist rot.
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