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Quifanu Dunkles Herz

GeschichteDrama / P16 Slash
05.09.2006
14.10.2009
36
192.727
 
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An sich kam er sich schon fast wie eine diebische Elster vor. Jene schwarzweiß gefiederten Vögel, die es liebten alles was glitzert zu stehlen, an sich zu reißen, nur um es in ihrem Nest zu verstecken. Nun gut er hatte keine Federn und ein Nest besaß er auch nicht, doch dafür ein Versteck, dessen Standort mehr als dreist gewählt lag. Mitten in den ruhigen und vor allem abgeschiedenen Gärten des Fürsten. Doch dieser Ort war einfach zu anbietend, außer jenen Dienstpersonal, dass sich um das Grün des Garten zu kümmern hatte, kam hier niemand mehr her, nicht seit dem die Fürstin erkrankt war. Und so lagen seine erbeuteten Waren sicher. Sein Glück in diesem Falle. Immerhin hatte er sich schließlich entschlossen, nicht einfach unvorbereitet in die Schlacht zu ziehen und so bewegte er sich leisen Schrittes über den Rasen hinweg, hindurch du Blumenbeete bis zu einem der großen Bäume, um sich geschmeidig auf einen der tieferen Äste zu ziehen.
Auf dem starken Holz einen Moment kauernd, fragte er sich wie es ihm zuvor nur gelungen war auf diesen Ast zu kommen und mit verhärteten Gesichtszügen erinnerte er sich an die Qual, die es für ihn bedeutet hatte zu klettern. Doch nun war es ein Einfaches, auch wenn ihm ein kurzes Husten über die Lippen floh, weiter hinauf zu klettern. Sein Glück, dass wirklich Niemand auf die Idee kam, gestohlene Wertgegenstände ausgerechnet unter den wachsamen Augen des bewachten Fürstenanwesens zu suchen, sonst hätte man sein Versteck, welches sich in einer Aushöhlung des Baumstammes befand, doch noch Früher oder Später gefunden. Doch so waren es nur ein paar Eichhörnchen die mit lautem Keckern ihren Unmut Ausdruck verliehen, fürchteten sie doch um ihre mühsam angelegten Vorräte.
„Man könnte meinen ich würde euch jeden Tag beklauen und nicht dass ich euch schon die ein oder andere Nuss brachte.“ Flüsterte Hasuvar amüsiert während er den Beutel, aus der Aushöhlung zerrte. Sein nächster Trick bestand, dass es sich hierbei um eine magische Tasche handelte, und diese zwar recht klein und unscheinbar wirkte, sich dort aber so manche Gegenstände unterbringen ließen. So dass er unter dem immer noch anhaltenden Protest der Eichhörnchen sich daran machte, die schwarze Kleidung, die er bei seinen Beutezügen trug, aus der Tasche zu zerren. So wie die Schriftrollenbehälter und die unterschiedlichsten Utensilien, die für ihn die Komponenten zu seinen Zaubersprüchen darstellten.
Jeder Diebstahl war für ihn bisher nur Übung gewesen, sah man von einigen ab, bei denen er die wichtigen Bestandteile der magischen Schriftrolle, sich angeeignet hatte. Und doch waren alle Diebstahle so gewählt gewesen, dass er weder Gold, noch sonstige Wertgegenstände geklaut hatte, die einfach nur den Sinn der eigenen Bereicherung brachten. Habgier gehörte nun wirklich nicht zu seinen Eigenschaften. Selbst eine einfache, schwarze Lederrüstung und einige Dolche hatte er aus der Waffenkammer Acharn Zephyrs entwendet. Und wenn er ehrlich war, ja so hatte der Mondelf dabei Genugtuung gefühlt. Hatte sich amüsiert über die Wut und den Unglauben des Hauptmannes. Und siehe da nun würde diese Beute ihm auch von Nutzen sein.
Hauptmann Acharn Zephyr, diese Marionette, denn mehr war er nicht in den Augen des Mondelfen, würde sich auch noch umzusehen haben. Denn eines war für Fürst Hasuvar Mondflüstern, mit jedem Atemzug klarer, dass der Hauptmann und Rothillion eindeutig unter einer Decke steckten. Es würde auch erklären wieso Zephyr schon den Versuch unternommen hatte ihn umzubringen. Von wegen Missverständnisse und ein Versehen. Daran hatte Hasuvar noch nie geglaubt, auch wenn er es damals auf sich hatte beruhen lassen, da ihm die Kraft gefehlt hatte den Hauptmann in aller Öffentlichkeit anzuprangern.

Cauldron. Nun wo er den steilen Gipfel hinauf hinkte, sich dabei an die gewundene, rote Straße hielt, wurde ihm erst wieder bewusst, wie passend jener Name für diese Stadt war. Roter flimmernder Stein, der seinen Weg säumte, sich steil erstreckte, als jeder Atemzug anfing zu schmerzen und er mehr als einmal gewillt war, jenes Tuch, das seine Gesichtszüge verhüllte, einfach davon zu reißen, nur auf dass er besser zu Atem kam. Die Schmerzen in seinem Knie waren fast nicht mehr zu ertragen und das Gewicht des Schwertes lastete schwer auf seinen Rücken, zwang ihn fast auf die Knie.
Stehen bleiben konnte er nicht, wollte er nicht, denn zu halten hieß sich selbst die Gelegenheit des Nachdenkens zu geben und am Ende wäre er schließlich umgedreht, davon gelaufen und dies wollte er nicht. Er wollte es schon und doch wieder nicht, als würden zwei Herzen in seiner Brust schlagen und dies so stark, dass er befürchtete sie würde bald zerbersten unter dem Druck, der auf ihm ruhte. Als hätte der Kater gewusst, welche unliebsamen Entscheidungen er zu treffen hatte, war jener zwischen dem roten Felsgestein verschwunden, als wolle er ihm die Ruhe geben, um sich alles nochmals durch den Kopf gehen lassen zu können, aber vielleicht war der Kater auch nur jagen gegangen.
Dieses Tier war eindeutig seltsam, hatte ihn wirklich bis hier her begleitet und dass ihnen keine Gefahren begegnet waren, dass keiner seiner Verfolger ihn eingeholt hatte, mittlerweile glaubte er, es müsse des Katers Werk gewesen sein. Cairlyn so hatte er diesen Bergkater mittlerweile getauft, denn ihn allein mit Katze anzureden war ihm falsch angekommen, soviel mehr war er schon geworden. Vielleicht sogar ein Freund. Er wusste es nicht genau, doch eines war er sich sicher, ohne Cairlyn hätte er den Weg nie hinter sich gebracht und nun war er es nicht nur sich selbst schuldig den Rest des Pfades entlang zu schreiten, nein er war es auch dem Kater gegenüber.
Nebelschwaden säumten nach und nach seinen Weg, kamen ihn so vertraut vor, denn schon immer war diese Stadt einem blubbernden Kessel gleich, stieg aus ihrer Mitte Nebel empor, um die Stadt so vor den Blicken der Außenwelt fast völlig zu verhüllen. Hasuvar hatte sich früher oft Gedanken gemacht, welchen Ursprung dieser Nebel haben könnte, doch mehr als der flüchtige Gedanke, dass es am See lag, war ihm nie gekommen. Nebelschwaden, die sich um roten Stein legten, die umher wabberten, dank des Windes der am Stoff seiner zerrissenen Kleidung zerrte. Er wollte nicht wissen wie er aussah, denn der letzte Ort lag meilenweit hinter ihm und bei der Geschwindigkeit, mit der er sich fortbewegte waren es einige Tagesreisen. Nun er hatte schon oft mit dem Gedanken gespielt sich ein Pferd zu besorgen, doch einmal konnte er sich nicht vorstellen mit seinem geschundenen Körper sich im Sattel zu halten und noch dazu hatte er kein Geld um sich ein Pferd zu leisten. Es war schwer genug gewesen sich Kleidung zu stehlen, denn noch ahnte er nicht, dass er irgendwann eine Art Gefallen an solchen Handwerk finden würde.
Blutrot der Sonnenuntergang und es schien ihm vergebens noch zu hoffen, er würde vor Anbruch der Nacht die Stadt erreichen, dazu waren seine Schritte zu kurz, schnürte ihm der Aufstieg den Atem ab. Zahlreiche seiner Wunden waren verheilt, oder begannen zu heilen, doch genauso viele brannten noch immer, blieben entzündet, so wie die in seinem Gesicht und da er es einfach nicht über sich gebracht hatte, bisher einen Priester aufzusuchen, fürchtete er mehr Spuren davon zu tragen, als es wohl nötig gewesen wäre. Doch er scheute die Menschen, denn vertrauen hatte er in Niemanden mehr.
So trübe seine Gedanken, so anstrengend der Aufstieg, dass er nicht merkte, dass man schon längst auf ihn wartete er sich um eine weitere Windung der Straße begab, um dann erst die Gestalten vor sich zu sehen, dabei hätte er doch ihre Schritte hören müssen. Menschen, eindeutig Menschen standen dort und erschrocken blieb er stehen um noch einen Schritt zurück zu weichen. Wenn es Abysitor wäre, er würde sich zu erkennen geben, doch zwar kannte er ihre Wappen, konnte sie als Stadtwachen einordnen, doch kein einzig Gesicht wirkte vertraut. Und es brauchte nur ein Blick in das Antlitz ihres Anführers, um ihn einen kalten Schauder über den Rücken jagen zu lassen.
Die krumme Nase, die harten Gesichtszüge ließen einen im Glauben, direkt in das Gesicht eines Raubvogels zu blicken. Und zwar mochte der Mondelf den Anblick von Falken und Adlern, doch dieser Mann wirkte wie ein aasfressender Vogel, nicht wie eines der anmutigen Wesen. Stämmig und mürrisch, die Gesichtszüge noch mehr verzogen, musterten dunkle Augen seine Gestalt und Hasuvar konnte den geringschätzigen Blick erkennen, wusste wie wenig Achtung man ihm hier zollen würde und genau dies lies ihn Zittern, nach Atem ringen. Zu einer früheren Zeit hätte er sich aufgerichtet und diesem Mensch seine Verachtung gezeigt, ihn mit einigen Gesten genau klar gemacht, dass er nicht mehr als ein stinkender Mensch war. Doch dieser Mut war verraucht, zerstreut, wie Nebel im Wind davon geweht, um sich nicht mehr zu bilden.
Jetzt musste er darum kämpfen, nicht einen der Hustenanfälle zu bekommen, nicht Blut aus seiner Kehle rinnen zu lassen und vor allem nicht noch weiter vor der schneidenden Stimme zurück zu weichen. „Bleibt stehen Fremder und gebt euch zu erkennen ,und sagt was euer begehr ist.“ Befehlend, sich in seien Seele schneidend, wäre der Elf fast auf die Knie gesunken, aber er würde nie wieder knien, nie wieder vor den Füßen eines anderen kriechen. Wo war nur Cairlyn, wo war der Kater, er brauchte ihn nun, er würde diesen Mensch abschütteln und dann umkehren, doch einfach verschwinden. Denn dies war nicht sein heim, nicht sein Zuhause, es brauchte nur einen Blick auf die goldene Amtskette, um diesen Fremden als Hauptmann Cauldrons auszuweisen. Zu seiner zeit war es noch ein Anderer gewesen. Und wer wusste was sich noch alles verändert hatte.
Gedanken so wirr, so haltlos, dass er nicht sich erinnerte zu antworten, es wäre eh kein laut aus seiner trockenen Kehle gekommen. Spürte er das Zittern in seinen Knien und als er aufblickte, nur um diesen Hauptmann zu mustern, der seiner Meinung nach keinen Geschmack für Mode bewies, blickte er direkt in die scharfe Spitze eines Pfeils. Waren Cauldrons Straßen so uneinladend geworden?
„Hauptmann, es scheint doch nur ein alter Mann.“ Die Stimme eines Soldaten riss ihn aus der Starre. Nur ein alter Mann? Nur ein Krüppel? Denn dieses Wort hörte er auch raunen. War er wirklich nicht mehr? Und leicht strafften sich seine Schultern. Irgendwo, ja irgendwo fühlte sich ein Stück Stolz in ihm verletzt und dieser verfluchte Hauptmann sollte doch denken was er wollte, er hatte zu seinem Jungen zurückzukehren und würde sich jetzt nicht von einem Mann aufhalten lassen, der seine Macht zu sehr auskostete.
Entschlossenheit, ein seltenes Gut für den Mondelfen und doch seufzte er schließlich, redete sich selbst Mut ein. An sich wäre es wohl besser wenn er mit dem Hauptmann reden würde, doch was sollte schon geschehen, sie würden ihn nicht auf offener Straße so einfach erschießen, schon allein, da die anderen Wachen nicht einmal daran dachten ihre Waffen zu ziehen. Bereitete es ihnen Unbehagen, sich wirklich einer solch mitgenommen Kreatur, wie ihm in den Weg zu stellen. Und da war einer der Fehler, denn Acharn Zephyr duldete es nicht, wenn man seine Macht anzweifelte, ob es nun ein Fremder war, oder noch schlimmer seine eigenen Männer, die wegen diesem Fremden sich über seine Stellung hinaushoben. Und so erklang wieder seine Stimme: „Ihr kommt hier nicht vorbei. Wir haben genug Gesindel auf den Straßen meiner Stadt, noch mehr Diebespack brauchen wir hier nicht!“
Diebespack? Man hielt ihn für einen Streuner, einen Dieb? Der Elf konnte nicht anders als leise zu schnauben, den Unmut, den Zorn zu nutzen, dem hier stand zu stehen und nicht zu fliehen. „Eure Stadt?“ Sein leises Lachen verklang in einem Hustenanfall, unter dem er sich krümmte. Nein dieser Mensch kostete ihn zu viel Kraft und während er einen Schritt vorging hob er einen seiner Arme an, nicht um nach den Griff des Schwertes zu greifen, das da auf seinem Rücken ruhte, nein auch wenn sein ziel in der Nähe lag, nämlich jenes Tuch das im Nacken befestigt war und seine Gesichtszüge verhüllte.
Doch soweit sollte er nie kommen, ein Surren, dann ein stechender Schmerz, bevor sich türkisene Augen weiteten und er sich krümmte, als müsse er erneut Husten, doch mehr als ein Würgen kam nicht über seine Lippen. „Er wollte nach seiner Waffe greifen!“ Eine kalte Feststellung, während er den Halt unter seinen Füßen verlor, nun doch auf kalter Erde kniete und sich eine schlanke Hand um den Pfeilschaft legte, der sich da in seinen Oberkörper gefressen hatte. Wie gerne hätte er gelacht, dies war lächerlich, so verrückt wäre niemand gewesen, sich gegen solch eine Anzahl von Menschen zu stellen. Nicht in seinem Zustand, unter anderen Bedingungen hätten sie keine Chance gehabt und doch, dass Niemand offen widersprach, ihm Niemand zur Seite eilte, es raubte ihm das letzte Vertrauen, welches er vielleicht noch in Menschen gehabt hatte. Und während sein Oberkörper gen Boden sank, erklang erneut die Stimme des Aasgeiers. „Lasst ihn liegen, seine Leiche sollte die nächsten Plünderer abschrecken.“ Nicht Tod, er war doch noch nicht Tod, auch wenn die Blutlache unter ihm größer wurde, er immer noch nicht verstand, wie man einfach so Befehle befolgen konnte, ohne Widerworte, ohne selbstständiges Denken. Dunkle Zeiten schienen sich über Cauldron ausgebreitet zu haben und ein letztes Aufbäumen ging durch seinen Körper. Er wollte doch nur dorthin, wo sein Herz gehörte.
Die Männer sie hatten sich abgewendet, sie hörten das leise Flüstern um Hilfe nicht, auch wenn es so manch einen nicht behagte. Doch die Straßen waren wirklich unsicher unter den Dieben geworden. Vielleicht war ein Exempel das was sie brauchten? Nein es wäre kaltblütiger Mord, doch stand es ihnen zu, genau dies auszusprechen? Es war der Anblick einer Raubkatze, der sie aufhielt und diesmal richtete sich so manch Bogen auf den starken, sandfarbenen Leib, der mit erhobenen Hauptes auf sie zu schritt, nur verächtlich Fauchte, Angst in sie jagte. Selbst Zephyr, der die glorreiche Leistung vollbracht hatte, einen Wehrlosen zu erschießen, vermochte es nicht seinen Bogen zu halten und so hielt keiner den Kater auf als er auf die leblose Gestalt am Boden liegen zu schritt.
Nicht leblos, denn noch hob und sank sich der Brustkorb, war leises Husten zu vernehmen und nun wo einer der Wachen lauschte, da konnte er das Flüstern hören. „Zuhause,… Abysitor,..“ und noch viele andere Worte, die er aufgrund des Hustens nicht verstehen konnte, doch sie genügten um sich der Gestalt zu nähern, egal welche Befehle er erhalten hatte und unter den wachsamen Augen des Katers wagte er sich hinab zu beugen, den schweren Stoff zu lösen, der da das Gesicht verhüllte. Und ein Keuchen ging über seine Lippen, als er erkannte wen sie da fast dem Tode überlassen hatten.


Bitter, schneidend, eiseskalter Hauch.

Streicht, umgarnt, weh um sich zu festen,

Vom Winde getragen, geformt zum Sturm.

Sturm der Ignoranz,

trägt hinfort jedes vertrauen, jede Hoffnung.

Der Blätter wilder tanz, im Reigen des Hasses gewogen.

Kein Licht, denn vergangen seine Pracht,

Splitter aus Eis, stechende Pein

Pein, die den Geist verwirrt,

Pein die hineintreibt in Stille, in Einsamkeit

Einsamkeit, die dafür sorgt, dass du verloren bist



Erinnerungen, die sich nur schwer abstreifen ließen und kurz wankte der Mondelf. Man hatte ihn wirklich nach Cauldron gebracht und Abysitor sei Dank, der Priester hatte ihn am Leben erhalten. Mit gewohnten Bewegungen, die fast schon routiniert wirkten, befestigte er den letzten Verschluss der schwarzen Lederrüstung, streckte sich, als wolle er den Sitz prüfen. Der ganze Vorfall damals, war als Unfall behandelt worden, noch ein Grund den Menschen nicht zu vertrauen. Und während er nun doch leicht Husten musste schüttelte Fürst Hasuvar Mondflüstern den Kopf, es war zum Teil seine eigene Schuld, hatte er es nicht gewagt gegen den Hauptmann zu sprechen. Nun gut es hätte seinen Plan behindern können, noch eine offene Fehde mit dem Hauptmann Cauldrons zu führen, seine Rolle als zurückgezogener, gebrochener Elf hatte ihn nie in Verdacht gebracht und so hatte er Informationen sammeln können. Und doch fraß der Gedanke, an sein eigenes Verhalten nun an ihm, schämte er sich dafür.
Feigling!
Oh wie einfach wäre es, sich schon wieder in seine Selbstvorwürfe zu flüchten, in ihnen zu vergehen. Würde es denn je enden, dass er so sehr schwankte? Doch erneut entschied er sich für einen weitern Kampf und so verdiente er es weiterhin das Drachenamulette zu tragen, auch wenn er davon nichts ahnte, dass jenes wohl jede seiner Entscheidungen beurteilte, denn nur ein würdiger zog aus ihm Kraft.
Eine Hand ließ der Fürst durch das Fell des Katers gleiten, der sich vor einiger Zeit zu ihm gesellt hatte. Geduldig nun abwartete bis sein Begleiter sich fertig gerüstet hatte. Und ein leises zufriedenes Schnurren erklang, während sich grüne Augen schlossen, der Kater genüsslich den Kopf reckte, förmlich nach mehr der ihm zukommenden Aufmerksamkeit verlangte. Es fehlte nur noch, dass sich Cairlyn versuchte auf seinen Schoß zu quetschen und er hätte wirklich wie eine Schmusekatze gewirkt, nicht wie das Raubtier, das er in Wahrheit war.
„Nun stehen wir vor der nächsten Herausforderung, denn wie mein Freund gelingt es mir, dich ungesehen dort hinein zu bringen?“ Und nachdenklich wanderte der Blick des Mondelfen hin zu dem Turm, in denen sich die Gemächer des Magiers befanden, dass er alleine gehen könnte, auf die Idee kam er nicht, denn der Kater war immer an seiner Seite gewesen, wenn etwas wichtiges geschehen war. Und nach einigen Momenten, die der schlanke Elf dazu nutzte, die langen schwarzblauen Haare mit einem einfachen Band zu einem Zopf zu binden, sich das schwarze Tuch vor das Gesicht zu ziehen, so dass er völlig wieder in die Rolle des Nachtfalken schlüpfte, stahl sich ein Funkeln in die sonst so sanften Augen.
Nun er hatte einen Plan, einen recht ungewöhnlichen Plan. Aber waren es nicht die Momente der Verzweiflung die große Taten weckten? Das klang schon fast poetisch und leises Lachen drang über seine Lippen, am Ende hatte der Barde mehr auf ihn eingewirkt, als es ihm im ersten Moment bewusst war.




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Loririons Stimme hatte sich erhoben, in Höhen und Tiefen, so mochte er schon unter normalen Umständen dazu in der Lage sein, mit dramatischen Gesten, mit großen, klangvollen Worten, seine Erzählungen zu schmücken, ihnen jenen Hauch der Verdammnis zu geben, wenn es darum ging ihre Tragweite, ihr Verderben wieder zu geben. Und genau dies hatte er erreichen wollen, das Gefühl von Verzweiflung und Hilflosigkeit. Sicher besann er sich zwischen durch, nicht ganz zu sehr abzurutschen. Viel mehr erinnerte er sich der Gesten, der Blicke die Hasuvar aufgesetzt hatte, als die Vergangenheit erzählt wurde, nur um genau diese perfekt wiederzugeben. Schließlich waren sie es erst, die den Wahrheitsgehalt seiner Worte unterstrichen.
Nun gut alles erzählte der Sonnenelf nicht wie er es erfahren hatte. Kelsey hatte nicht zu erfahren, dass seine Mutter Hasuvar angefleht hatte, ihn elendig zu ertränken. Es reichte ihm klar zu machen, wie sie gestorben war, eindeutig tragisch genug, auch wenn der Tiefling schlecht um eine Frau trauern konnte, die er nie gekannt hatte. Nie gekannt, darum konnte er trauern, nie erfahren zu haben, was es bedeutete eine liebevolle Mutter zu haben, die einen schützte, einem das Gefühl der Geborgenheit gab.
Und während die Worte über seine Lippen flossen, da wurde auch Loririon wirklich bewusst, was es bedeutete in der Haut des Tieflings zu stecken. Doch darum ging es ihm nicht vorrangig, wie Kelsey sich fühlte, wie es ihm ergangen war, dass wusste jener Tiefling genau, also hatte er dieses Gefühl nicht zu vermitteln. Nein, es war dem Barden wichtig so manche Geschehnisse in das rechte Licht zurücken und vor allem dem Tiefling deutlich zu machen, wer Hasuvar war, was aus ihm geworden war. Er wollte keine Gewalt mehr spüren, keine Wut und keinen Zorn bekämpfen und endlich ermöglichte die Wahrheit dies. Hass, es war viel einfacher als zu trauern, Leid zu empfinden und doch ließ der Sonnenelf nur eines zu und dies war Trauer. Die Süße des Schmerzes, die neue, silbrig wirkende Tränen auf die Wangen des Tieflings lockte. Denn an ihnen erkannte der Barde, dass seine Worte die richtigen Stellen getroffen hatten, sich tief in das Herz seines Zuhörers bohrten.

„Warum, warum hat er es mir erzählt?“ Kelseys stimme, heißer fast gebrochen, immerhin akzeptierte er jene Tatsachen, die ihm Loririon Drachenatem berichtete, stritt sie nicht ab, nannte den Sonnenelfen keinen Lügner. Allein dies zeigte, dass sich anfing etwas zwischen ihnen zu bilden, ein kleine zögerndes Band aus Vertrauen bestehend und dazu hätten sie keinerlei Ringe benötigt, dessen war sich der Elf sicher.
„Diese Frage ist wohl leicht zu beantworten, Kelsey.“ Eine Antwort, die klar klang, erneut ehrlich. Und mit einer geschmeidigen Geste, strich sich der Elf einige der langen, goldenen Haarsträhnen aus dem bronzenen Gesicht, um den Blick einige Momente schweifen zu lassen, nur um sich schließlich zu räuspern und weiter zu sprechen, manchmal da konnte er nicht aus seiner haut, konnte solche gewollten pausen nicht unterbinden, denn er wollte die Wichtigkeit seiner Wörter jeden Moment deutlich machen. „Du warst zu jung, als Hasuvar ging. Was hätte es bedeutet, wenn er dir davon berichtet hätte? Er wollte dich schützen, vor deiner eigenen Abstammung, dem was andere in solchen Wesen wie dir sehen. Blind sind die Menschen und hätten sie die Wahrheit gekannt, die dir als kleines Kind sicher entfleucht wäre, so wäre euer Leben noch schwerer geworden, dem bin ich mir sicher. Und genau davor galt es dich zu schützen.“
Kelsey der einfach nicht gewohnt war, dass ihm so ausführlich geantwortet war, der schon zuvor dachte, dass der Barde eindeutig zuviel sprach, war mittlerweile verzweifelt. Den Wörter waren auf ihm wie Sturzbäche hinabgeprasselt, spülten seine Vorstellungen, die er eins geformt hatte unter dem eisernen Hammer Rash`nets Lehren hinfort, nur um ein neues Fundament zu erschaffen. Und selbst nach dieser Erklärung, die ihm eigentlich schon genügte sollten die Worte nicht enden.
„Und was hätte es bedeutet, wenn du die Wahrheit nun erfahren hättest? Es wäre richtig gewesen? Doch hättest du ihm geglaubt, hättest du dien Herz für ihn geöffnet? Sicher diese Antwort wird nie gewiss sein und ich mag Hasuvar gar nicht verteidigen, doch ich verstehe ihn, ich kann seien Angst nachvollziehen. Für dich war er der Ursprung deines Leides, er hatte Furcht vor Zurückweisung und er hatte Angst davor jemanden sich anzuvertrauen.“
Worte so wahr und doch konnte Kelsey nur Nicken. Vieles ergab nun einen unweigerlichen Sinn. Er hätte ihn schon früher sehen können, denn seien Vergangenheit bildete die Mosaikteile, nur hatte erst ein Anderer sie für ihn zusammensetzen müssen. So viele Gespräche hatte er einst belauscht, oder einfach mitbekommen, Informationen, die sich nun zu einem roten faden zusammenreihten. Er hätte Rash`net auf der Stelle verdammen müssen, doch er konnte es nicht. Allein der Gedanke an den Taymagier ließ ihn Zittern, Beben und vor Angst blieb sein Herz fast stehen. Er konnte nicht mehr zurück, sein Leben nahm schon wieder eine Wendung, die er nicht bestimmt hatte, von der er nicht sicher war, ob er sie überhaupt noch wollte.
„Und nun?“ Verzweifelt sein Blick auf den Sonnenelfen gerichtet, als wäre er die Erlösung, als könne er jede Schwierigkeit einfach beiseite reden. Doch Worte allein würden nichts nützen, sie waren ein Anfang, aber nicht das Ende. „Was nun kommen mag, ich weiß es nicht. Das wird das Schicksal zeigen, doch wir sollten warten bis Hasuvar zurückkehrt.“ Und dann konnte er, Loririon Drachenatem nur hoffen, dass der Mondelf sich seines Vertrauens nicht beraubt fühlte, dass der Barde geredet hatte und so manche Geheimnisse gelüftet. Es würde ihm sicher das Herz brechen, sollte der Fürst nun Wut auf ihn hegen. Unruhiges Zupfen, am edlen Stoff der mitternachtsblauen Tunika, sprach von seiner eigenen Unsicherheit, doch bald legte sich jene, denn selbst wenn es so sein sollte, so hatte er das ein reines Gewissen, das Gefühl rechtens gehandelt zu haben.
Nachdenklich war Kelseys Blick auf das Portrait des Mondelfen gerichtet, er verstand, er wusste nun einiges, doch etwas warf noch Fragen auf und während er unruhig durch den Raum schritt, dem klang seiner eigenen Schritte lauschte, wurde diese Frage immer lauter, bis er schließlich stehen blieb, aufblickte um mit einem Schmunzeln auf den Lippen jenes bunte Farbenchaos zu betrachten, das aus seiner hand stammte. Es war miserabel eindeutig und doch hatte Hasuvar es nicht fortgeworfen. Schwermütig berührte er das alte Pergament, seit diesem tage hatte er nie wieder etwas mit derselben Freude gezeichnet, in Yudirune war ihm die Lust darauf völlig genommen worden.
Er hat es behalten?
Spätestens jetzt musste er doch von der Wahrheit in Loririons Worten wissen,. Aber da blieb immer noch diese Frage, diese Unsicherheit und so drehte sich der Tiefling um, die schwarzblaue Augenbraue angehoben, imitierte er jene Geste die er schon so oft bei den Elfen gesehen hatte. „Warum ist er nicht hier?“ Warum war Hasuvar Mondflüstern nicht bei ihnen? Hatte er es wirklich geschafft den Elf zu verjagen, waren seine letzten Worte so vernichtend gewesen? Jetzt wo er hoffte, doch einen Neuanfang zu erleben, den er ertragen konnte, den er heimlich anfing zu sehnen, wollte er es nicht zerstört haben. Würde hasuvar ihn überhaupt je ansehen können?

Eine gute Frage, auf die der Sonnenelf nur eine Antwort ahnen konnte. Er hatte diesen Schatten gesehen und er hatte die gemurmelten Worte des Mondelfen gehört. Ließ sich eines mit den anderen verbinden, so konnte er sich mit etwas scharfen Verstand denken, in welchen Vorfällen der Magier verwickelt war und ihm wurde der verrat an dem Mondelfen bewusst. „Er ist einen Verrat rächen, etwas das ihn schon lange belastet. Glaube mir Kelsey er würde es nicht tun, nicht zu dieser Zeit, wenn er eine Wahl hätte.“ Natürlich gab es immer eine Wahl, wenigstens behaupteten dies die meisten Leute. Doch die Wahl in diesem Falle schien schon getroffen geworden zu sein, bevor der Mondelf es überhaupt geahnt hatte.
„Rächen an wem?“ Der vorige Monolog des Barden wandelte sich, ganz zu dessen Zufriedenheit zu einem Dialog und ein leichtes Lächeln huschte über seien Lippen. War er doch zufrieden über diese Entwicklung des Tieflings und seine Befürchtungen, die er gehabt hatte, waren völlig verstreut worden, so als hätte sie nie existiert.

Lass es nicht Meister Rash`net sein!
Die Panik Kelseys gewann neue Höhen, beflügelte sich, überschlug sich schon beinahe, denn er wollte sich gar nicht ausmalen, was passieren würde, wenn der kränkliche, schmale und vor allem sanftmütige Hasuvar, denn dies machte den Mondelfen zum größten Teil seiner Meinung nach aus, auf den völlig gegensätzlichen Taymagier traf. Er wollte Hasuvar nicht verlieren Seinen Onkel, denn daran gewöhnt hatte er sich an diesen Gedanken nicht und er wollte erfahren, was es bedeutet nicht allein auf dieser Welt zu sein, endlich wohin zu gehören, wo ihn mehr hielt als ein Halsband und Qual. Bei diesen Gedanken konnte er nicht anders, als über seinen Hals zu streichen, zu schlucken, als würde die Last des Leders immer noch auf seine Kehle drücken.
„Rothillion. Es ist dieser Magier Rothillion den Hasuvar aufsuchen möchte, bevor er zurückkehrt.“
Er wird nie wieder zurückkommen!
Seine Hände erstarrten, sein Blick finster, als könne er Loririon so dazu bringen, diese Aussage wieder zurück zu nehmen, so das Unausweichliche abwenden. Nicht Rothillion, das war noch schlimmer als Rash`net, oder mindestens genauso schlimm. Erinnerte er sich zu gut an jenen Tag, an jene Begegnung mit dem dunklen Magier, die aufgerissene Robe und vor allem das riesige Loch in der Brust, dort wo bei jedem normalsterblichen das Herz saß. „lass es nicht wahr sein.“ Seine Stimme klang krächzend, bevor er einen Satz auf den verdutzten Loririon machte, seine Hände sich in den Stoff der Tunika gruben, an dieser zerrten und fast hätte er den Elfen wohl durchgeschüttelt.

Loririon wurde, wenn dies mit seiner natürlichen Hautfarbe aus schimmernder Bronze überhaupt möglich war, ein Stück blasser. Immerhin legten sich die Hände nicht um seinen Hals und drückten zu, das wäre eindeutig schlechter gewesen und so schaffte er es binnen weniger Herzschläge seine Fassung wieder zu finden und die Hände, welche sich da so unsanft um die Tunika schlossen, zu lösen. Ein tadelnder Blick, ein leises schnauben. Keiner hatte ihn schließlich anzufassen, außer er erlaubte es ausdrücklich, wie bei dem Mondelfen und schließlich trat er einen Schritt zurück, um die erwünschte Distanz zwischen sie beide zu bringen.
Erst jetzt gestattete er sich einen milderen Blick aufzusetzen, ein wenig das Funkeln in seinen Augen zu dämmen und auch eine Frage zu stellen. „Es ist wahr? Doch was daran ist so falsch, ich glaube hasuvar sollte in der Lage sein sich einschätzen zu können?“ Immerhin war es schließlich sein Werk, seine tat, dass es dem Mondelf besser ging, dies sollte hier unbedingt betont werden und nicht einfach untergehen, vergessen werden.
„Weil er herzlos ist.“ Fast hätte Kelsey der hysterischen Antwort, noch eine Flüche nachgeschmettert, erneut nach dem Sonnenelf gegriffen der, ihn erneut versucht zu schütteln, auf dass jener Verstand. Denn nun war es an dem Tiefling zu belehren und das fragende Gesicht des Elfen war lesbar wie ein Bilderbuch, er schien nicht zu verstehen. Nun gut wie denn auch, wenn Kelsey wieder an Worten sparte, wo er nur konnte.
„Herzlos? Du meinst herzlos in dem Sinne von kalt und grausam? Nun ich befürchte, dies ist doch erst der Grund, warum Hasuvar überhaupt zu ihm will. Also wird er sich auf solches gefasst machen. Wobei, irgendwie will und kann ich nicht glauben, dass der Mondelf kopflos das Anwesen des Fürsten stürmt und vor allen Wachen, schlicht den Magier angreift. Du siehst er wird schon einen Plan haben.“ Er verstand es einfach nicht, seine Antwort zeigte es genau und unruhig peitschte der Schwanz des Tieflings hinter her, während seine Hände sich zu Fäusten ballten.
„Nein ich meine herzlos, im Sinne vom herzlos“ Ein neuer Schritt auf den Elf zu und schon bohrte sich ein Finger in dessen schmale Brust, wurde der arme Barde, der doch wert auf Distanz legte, erneut berührt. „Genau das was da bei dir sitzt, das fehlt ihm, verstehst du?“ Kelseys Stimme überschlug sich fast, konnte wohl kaum noch schriller werden und doch ließ er es zu, dass schlanke bronzene Finger sich um sein weißes Handgelenk legten, es beiseite schoben, denn er spürte das Zittern der Hand.
„Ein Lich?“ Etwas anderes konnte dem Elf nun auf diese Beschreibung nicht einfallen und wäre diese Situation nicht so furchtbar gewesen, wäre sie nicht verzweifelt, so hätte er bei Kelseys nächsten Worten gelacht. „Lich? Ich weiß nicht was ein Lich ist, doch er ist ein Untoter, etwas das längst hätte verfallen sein müssen und wer weiß was ihn noch auf den Beinen hält, es kann nur Magie sein.“ Genau dies war ein Lich, Fürst Hasuvar Mondflüstern begab sich in die Arme eines Lichs.




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Sein erster Gedanke war gewesen, eine der Scheunen anzuzünden, es hätte genug Verwirrung gegeben um ihn und den Kater ungesehen in die Gänge des Turmes zu bringen. Doch sein Gewissen meldete sich aufs Äußerte bei diesem Gedanken. Nun es gab immer noch die Möglichkeit einfach offen das Anwesen zu betreten und den Magier heraus zu fordern, ihn bloß zu stellen. Doch dazu fehlte Hasuvar das Vertrauen in die Menschen, am Ende würde er gar noch mit mehr als einem Pfeil im Körper enden. Der Tod eines Wahnsinnigen, darauf konnte er sehr gut verzichten. Und so blieb die Heimlichkeit. Dank gewisser Umstände, die er nicht kannte, denn er wusste nicht von den Leichenmengen auf den Straßen, hielt sich Niemand in der Nacht freiwillig hier draußen auf. Sicher gab es da die verstärkte Wachmannschaft an den äußeren Mauern und den Eingängen, doch diese hatte er schon gekonnt überlistet und so argwöhnisch alle auch waren, Niemand beachte den Innenhof, glaubte man wohl nicht, dass es Jemand gelänge diesen zu betreten. Nur hier und da konnte er Schritte hören, das Flackern von Laternenlicht sehen. Er selbst als Elf benötigte solches Nicht, so schwach das Mondlicht auch war, so spärlich das Funkeln der Sterne, genügte es für seine Augen völlig.
So machte er sich daran, lautlosen Schrittes bis hin zur Außenmauer des Turmes zu schleichen, er sollte Angst haben, aufgeregt sein, doch nichts als tödliche Gelassenheit fand Platz in seinen Gefühlen. Gleichmäßig der Atem, der Puls, nur hin und wieder gestört wenn er ein Husten zu unterdrücken hatte. Eine kleine Phiole fand den Weg hinaus, aus der ledernen Tasche an seinem Gürtel und noch dazu etwas anderes, ein Glas in der eine lebende Spinne zappelte. Schon allein der Gedanke an das folgende ließ ihn unglücklich würgen, ihn sich schütteln und auch der Kater neben ihm sah recht verdrießlich aus. „Du hast dies ja nicht zu dir zu nehmen.“
Kopfschüttelnd raunte der Mondelf jene Worte, um schließlich die kleine Glasflasche zu öffnen und die Spinne mit spitzen Fingern heraus zu holen, bevor er mit der anderen freien Hand den Korken der Phiole entfernte und angewidert die Augen schloss, bevor er die noch zappelnde Spinne in seinen Mund gleiten ließ und hastig den Inhalt der Phiole nutzte um sie hinab in seinen Magen zu spülen. Auch wenn es nicht möglich war, so bildete er sich ein das Winden der Spinne in seinem Magen zu fühlen, so als wolle jene seinen Hals wieder hoch klettern, um ihrem Schicksal zu entkommen. Angewidert verzog er sein Gesicht, vielleicht hätte er doch eine der Scheunen in Brand stecken sollen, es wäre nicht so widerlich gewesen. Vielleicht hätte er einfach einen seiner wirklichen Zauber anwenden sollen, auch dies hätte ihn dieses Schicksal erspart, aber er wollte genügsam mit seinen Zauberwissen umgehen, sie nicht vergeuden, denn wer wusste schon was noch auf ihn warten würde, bis er endlich auf Rothillion traf. So war dieser Trank eindeutig die bessere Wahl, auch wenn sein Magen rebellierte und er sich anfühlte, als würde die Spinne in seinem Bauch wachsen, sich versuchen durch seine Bauchdecke zu beißen, um endlich hinaus zu kommen.
Genug der Einbildungen, es wurde Zeit zu handeln und sich nicht irgendwelchen Fantasien hinzugeben. So nickte der Mondelf um einen letzten Blick um sich zu werfen, sich danach an das kühle Gestein der Turmmauern zu schmiegen. Einige tiefe Atemzüge, die ihn fast schon wieder Husten ließen, doch dann presste er die Handflächen gegen die Mauer, bildete sich ein den rauen Stein selbst durch die ledernen Handschuhe zu spüren, die da die weiße helle Haut bedeckten. Ein leichtes Nicken, voller Sicherheit und schon war er daran einen Fuß zu heben, diesen auf einen der Unebenheiten abzustellen, bevor er sich nochmals umsah. Doch seine Befürchtungen beobachtet zu werden zerstreuten sich und kurz darauf kletterte der Elf die steile, senkrechte mauer nach oben. Wobei Klettern wohl die falsche Beschreibung war, wand er sich doch nach oben, fast so schnell als würde er über flachen Boden gehen, fanden seine Hände überall halt, es schien als könne der Stein auch glatt sein und er würde dennoch nach oben kommen. Mit dem Geschick und dem Können einer Spinne, eng an den Stein gedrückt, nie den Kontakt verlierend. Tarnte ihn die schwarze Kleidung in der Nacht und bald schon war er oben an jenem Fenster, aus dem er vor einiger Zeit gesprungen war, um Rothillion zu entfliehen.
Das Glas war mittlerweile wieder hergestellt und stellte eine Schwierigkeit für Jene da, die da versuchen sollten in die Gemächer des Magiers zu dringen. Vor allem da ein Zauber nun in diesem Glas lag, wie der Mondelf zu erkennen hatte, nach dem er sich die Zeit an der mauer förmlich klebend genommen hatte, um wie bei seinem ersten Vordringen nach Magie zu suchen. So wirklich erkannte er die Rune, den Schutz nicht, schließlich war er kein wirklicher Magier, der wohl auf Anhieb hätte sagen können, was sich da für ein Schutz verbarg. Doch eines war recht leicht herauszufinden, dies war kein einfacher Alarm, kein einfacher Schutzzauber, Hasuvar würde dessen Ursprung eindeutig in der Nekromantie suchen und diese Tatsache allein sprach für sich, dass er nicht vor hatte blindlings nun die Scheibe einzuschlagen, oder sich erst einmal in dieser ungünstigen Lage daran versuchte den Zauber zu bannen.
Sobald das Fenster geöffnet oder zerbrochen wurde, genau dann wären die Bedingungen gegeben um die Magie zu aktivieren, nun dann sollte er dies auf gar keinen Fall tun und elegant, so geschmeidig wie er den Turm hinauf geklettert war, so machte er sich nun wieder an den Abstieg. Mehr Magie hatte er an dem Fenster selbst nicht erkennen können und auch nicht auf dem Boden direkt dahinter. Es genügte ihm und leicht strich seine Hand durch das Fell Cairlyns der geduldig in den Schatten verborgen gewartet hatte.
Das Locken der Magie, das Gefühl endlich das magische Gewebe zu fühlen, in diesem zu versinken ohne die stechenden Kopfschmerzen, war eine der Ursachen für seinen nächsten Schritt, ließ ihn nicht zögern und kurz tippte er auf die feuchte Nase des Katers. Um die Augen zu schließen, sich zu sammeln bevor er eine Hand in das weiche Fell gleiten ließ, diese dort sanft vergrub, als würde er fürchten jeden Moment fort von dem Bergkater gerissen zu werden. Und als er die sonst türkisfarbenen Augen wieder öffnete, da konnte man kurz ein silbernes Funkeln in jenen sehen, während der Elf einige leise Worte sprach, nur um das Netz der Magie, welches ihn umgab ein klein wenig zu ändern, so Zugriff auf es zu erlangen. Und schließlich verschwamm seien Welt. Oder war es nicht eher der anfing zu verschwimmen, dessen Konturen genauso unscharf wurden wie die Cairlyns? Verschwommen, unklar wie dichter Nebel und als der Wind kurz über ihre Schemen strich, da waren die beiden Gestalten auch schon verschwunden.




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Unruhig, einem eingesperrten Raubtier gleich, strich der Sonnenelf durch den Raum der Galerie, es sah aus als würde er auch noch Fauchen, wenn er es denn könnte. Wo war er da nur hinein gerutscht? Hatte er sich schon stillschweigend abgefunden gegen Diebesgilden zu kämpfen, sich einem Schwarm aus Meuchelmördern und Schlägern zu stellen, wurde er vor die nächste Hürde geschleudert. Magier, von hm aus, mit diesen war er auch schon zusammengestoßen. Erinnerte er sich zu gut an die kleine Made von Mensch, die ihm schamlos ihren Magierstecken ins Kreuz geschlagen hatte und mit diesem Mensch würde er sich zu gerne noch mal auf seine Art und Weise unterhalten. Monster, nun auf solche war er auch gestoßen, sogar auf recht ungewöhnliche. Denn wer konnte schon behaupten einen Abolethen getroffen zu haben und vor allem diese Begegnung überlebt zu haben? Man hatte versucht ihn zu töten, in Schleim zu verwandeln, all dies konnte er ja gerade so noch ertragen, konnte sich die Lobeslieder vorstellen, die sicher nicht nur er singen würde, denn er schrieb Geschichte, seiner Meinung nach und da konnte der Name Loririon Drachenatem auch ruhig in den Gesängen anderer seiner Zunft vorkommen. Wenn er es ihnen gestatten würde, darüber musste er sich noch Gedanken machen.
Aber nun, ein Lich. Ein Lich? Er sah die Lieder, den Ruhm gerade verfließen, alles was von ihm übrig bleiben würde, wäre ein Lied über einen wahnsinnigen Elfen der dachte er könne sich mit solch einer Kreatur messen. Und doch, so sehr er auch an Flucht dachte, so sehr er auch nun einmal das Herz eines Feiglinges in seiner Brust schlagen spüren wollte, so sehr tat er es nicht. Denn hier ging es ihm schon lange nicht mehr um Lieder, um Ruhm und Anerkennung. Er hatte etwas Wertvolleres gefunden. Solch ein Klischee, solch seltsame Fügung und doch der Moment der Zweisamkeit zwischen ihm und Hasuvar nicht vergessen, das beginnende Vertrauen. Keine Liebe würde sie je binden, doch man musste nicht Lieben, nicht auf diese Art wie er Albaraen geliebt hatte, um sein Leben für einen Anderen riskieren zu wollen. Und da war Freundschaft zwischen ihm und dem Tiefling, zart und kaum zu fassen und doch wenn sie eine Chance bekommen würde, könnte sie wachsen sich festigen und das wäre dann etwas Einmaliges. Etwas das nur ihm Loririon Drachenatem aus dem Hause Immershofer gehören würde und am Ende war es kostbarer als jeder Schatz, als jeder Ruhm. So seufzte er, gefangen, erbarmungslos gehalten und gebunden, gäbe es hier kein Entrinnen und schließlich richtete er seinen Blick auf den unruhigen Tiefling.
„Nun wenn Hasuvar Mondflüstern meint, alleine das freudige Ereignis einen Lich zu treffen für sich haben zu können, so irrt er, wir werden aufbrechen jetzt sofort, wenn wir uns gewappnet haben.“
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